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Full text of "Jahrbücher für classische Philologie Supplementband"

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JAHRBÜCHER FÜR 
CLASSISCHE 
PHILOLOGIE: 

SUPPLEMENTBAND 




iif 

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LIBRARY 

OF THE 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA. 

Cliiss 



JAHRBÜCHER 

für 

classische Philologie. 

HenkosgegebeD 

▼OB 

Alfred Fleckeiien. 




Leipzig, 1878-1879. 

Drack und Yerlaf toq B. G. Teubner. 



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M.\Q 

Inhalttsver^eichniss. 



Seit«. 

1. Ueber eine dritte Sammlang uoedierter UenkelinKchrin^'Q 
am dem BfidUchen Rnssland und fiber Dumont's Inscriptionf: 
c.'ramiqnM de Grtee (Paris 1878). Von Panü Beeker in 
Dresden 1—117 

8. Emendationes Aeschjleae. Scripsit H, van Herwrd^n^ 



Professor Vltraicctiuus 119 - 163 

3. Angnst Wilhelm Zumpt. Zur Ennnemng an sein I.ehen 

and seme Schriften. Von Gwido Padellctti in Rom (f) . 166-206 
4* Ceber eine neue Samrolnng anedierter Henkelinsebrift^n 

ans dem südlichen KasaUmd. (Nachtrag.) Von Pmd 

Becker in Dresden 207 232 

6. Die Sage vom Tode üesiods. Nach ihren Quellen 

ontersucht von O. Friedel- 233—278 

6. Die Benutzung Uerodots durch Ephoros bei Diodor. Von 

Adolf Bauer 27»— 342 

7. Animadveraicnea de titulin attieis quibus civiüis alicni 
conff'rtur sive redintegratur. Conscripsit H. Butrvinnn . 34,^- 862 

8. Dif Fragraentf» des L. Coelius Antipater. Von (Hto (Gilbert 363—470 

9. V«'rgleichnng der Berichte des I'olybios und Livins über 
den italischen Krieg der Jahre 218—217 bis zur Schlacht 

am Trasimener See. Von Oottloh Egelhnaf 471 — 624 

10. De qui localis modalis^apud priücos scriptores latinos usu. 

Von O. Kufutz 626 -674 

11. De ablativi locativi instrumentalis apud priscos scriptores 

latinos U8U. Scripsit (T>n'lclmu}< Ehrard 575 — 658 

12. Zur Kritik des nach Aelius Donatus benanntem Tercnz- 
commentars. Von Karl Deiatzko 659- 6U6 



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ÜEBEB EINE DBITTE SAMMLUNa 

UNÜDlERTEß HENKELINSCAßliTEN 

Aü8 DBK SÜDLICHBir BUS8LAMD 

UND ÜBUt DUlCOHT*t IKSOSIPTIOllS otfKAJaQülB DS QMkOB 

(PABIB 1871) 

PAUL BBOKBB. 



StkA. t Omu. PkUoL 8«ppL Bd. X. 



1 

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I 

I 

I 



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Im AnschltiBS an meine früheren Publicationen (Iber Henkel- 
Inschriften aus dem südlichen Bassland^) erlaube ich es mir, im 
Folgenden diejenigen Stücke, welche seit 1870 an verschiedenen 
Orten Südrusslands aufgefunden und abschriftlich mir durch meinen 
hochverehrten Frennd und einstigen CoUegen, den Hei-rn ProfeaBOr 
Philipp Brunn, Ton Zeit zu Zeit bekannt geworden sind, einer 
näheren Besprechung zu unterziehen und glaube an eine solche um 
so eher gehen zu müssen, als sie mir eine passende Gelegenheit 
bietet, um dem im Jahre 1871 erschienenen Werke Albert Dumont's 
— inscriptions ceraraiqiies de Grece^) — die gebührende Berück- 
sichtigimg zuzuwenden. Herr Dumont hat sich durch seine aus- 
führliche Arbeit, in welcher die iu (iriechenlaud selbst aufgefundenen, 
zuni grossen Theil ganz unbekannten Ilenkelinscliriften durch genaue 
Beschreibung und beigegebene Zeichnung der interessanteren fJxem- 
plai'e, sowie durch treue Wiedergabe der Originaltexte dem Leser 
möglichst veranschaulicht werden, ein unbestreitbares Verdienst 
um die griechischen Anticagiien dieser Gattung erworben, und es 
ist nur zu bedauern, dass er dem überaus reichen, ihm zu Gebote 
stehenden Material nicht gleich einen eingehenden Commentar bei- 
geschlossen, sondern denselben für einen später herauszugebenden 
zweiten TheiP) aufgespart hat. Ein solcher ist indessen, soviel ich 
weiss, bis jetzt nicht erschienen, und so möge es mir gestattet sein, 
meine in den oben (Aum. 1) angeführten Abhandlungen ausgespro- 
chenen Ansichten an diesem neuen Material aufs neue zu prüfen 
imd zu sehen, inwieweit sie durch dasselbe eine Bestätigung, eine 
Modificatiou oder eine Widerlegung erfahren. Dazu wird sich sowohl 
bei der Behandlung der einzelnen Stücke, als auch bei den auf mein 
neues Material folgenden allgemeinen Bemerkungen zu den verschie- 
denen Klassen, in welche die einzelnen Henkel, ihrer Provenienz 
nach, zu vertheilen waren, eine passende Veranlassung ünden, wäh- 



1) Mdlanges greco-rumains, tires du bulletiu hiütorico-pllüologique 
de l*acad tf m i e Imp^ale des scienoee de St P^tersbourg. Tome I p. 
416—521, Jahrbücher für Philologie und Pädagogik. Supplementband 
IV S. 453—502 und V S. 447—536. 2) Archives des missions scien- 
üfiques et litteraires. Choix de rapporte et instructious , publik boua 
les Mi^pioes dn miniit^ de IMnitraotion pubUque. Deoxidme w6a», 
Tome tudftme. Paris. lBq|>rimerie nationale MDCCCLXXI. S) ArolnTee 
des nusnons scientifiqnes et ütt^nures. Tome VI. p. 4. 

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4 F. Becker: Ueber eine dritte SammL anedierter HenkeliuBchriften 



rend ich im üebrigen die in meinen früheren Piiblicationeu einmal 
angenommene Anordnung beibehalten und zur leichteren Uebersicht 
— ausser dem Texte — die respectiven Embleme, die betrefienden 
Fundorte und die verschiedenen Sammlungen, in denen sich die ein- 
zelnen Stücke gegenwärtig befinden, zusammenstellen werde. In 
letzter Beziehung habe ich dieses Mal nur die im Museum der 
Odessaer Gesellschaft fUr Geschichte imd Altei-thümer (= G) auf- 
bewahrten und die dem Professor Brunn eigens gehörigen Henkel 
(== Br) von einander zu imterscheiden und , bei der Behandlung der 
Stücke mit den Namen von Astvnomen, diejenigen nachzuholen, 
welche in die Sammlung der kaiserlichen Ermitage zu St. Peterburg 
gekommen und von Ludolf Step hani in den Comptes-rendus de 
la commissiou Imp6riale archeologique pour les annees 1867 — 1869 
veröffentlicht worden sind. Bei den in diese Kategorie gehörigen 
Inschriften werden die auf Ziegeln befindlichen durch das denselben 
vorgedruckte Zeichen eines Sternchens (*) als solche bezeichnet 
werden. Ausserdem habe ich folgende Abkürzungen gebraucht: 
CIGr. " (Boeckh) Corpus inscriptionum Graecarum. 
Antiq. ^ (Stephani) Antiquites du Bosphore Cuum^rien Tome 
n (inscriptions) 

CR. — (Stephani) Gompte-reoidfi de k eonunissioii Imperiale 
archi6ologique. 

Bb B. I » M6L I (Beelifer) Mölanges Gr6oo*Fomaiiu, tir^s du 
bnlletin historico-pfailologique de racadteue Imp&nale 
des Bdences de St F6tersbourg Tome I S. 416—621. 
St. B.ILa M6L II (Stephani) M61aoges greoo-romains etc. 

Tome n. S. 7— 36. ^ 
St. B. n. b a M6L n. « (Stephani) K61anges gr6co-romain8 etc. 

Tome n. S. 206—216. 
B. S. IV. «BB Sappl IV (Becker) Jahrbtteher der claBdschen 

Philologie Snpplementband IV. S. 463— >602. 
B. S. V. — SuppL V «- (Becker) Jahrbflcher der dasBiflchen Philo- 

lo^e Snpplementband V. S. 447 — 636. 
A. D. » (Albert Dnmont) Lucriptions cöiamiqnee de Qrdce (Ar- 
chives des missions sdentifiqnes et littfoaires. Deozidme 
s6rie. Tome sizidme. Ptois 1871). 



I. Khodische Henkelinscliriften. 

Kr. 1. BAÜPOMIOY 6a&po|t<ou, Olbia. Br. 

ATHdAA 'AtncOUi. 

Obgleich auf den rhodisohen Henkeln die Patronymica auf bac, 
mit einem Genetiv auf ba, sehr gewöhnlich') siudi dagegen die 

1) 'AXeEidba {ClOt, Ul p. VI N. 48. 49. A. D. p. 80 N. S7. 88) 
TOD *AXcE(ac, 'AptCTc(5a {CLQt. III p. VH N. 93—101, C. B. 1868. 



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MU dem ffldliohen BuMlaud. 



5 



mit Xaöc zusammengesetzten Namen zu den selteneren') gehören, 

80 ist doch der vorletzte Buchstabe der zweiten Zeile sowohl \ei 
Bumont^) als auf dem vorliegenden Exemplare ein so deutliches A, 
dass an dessen, wenn auch leichte Verwandlung in A zur Herstellung 
des auf rhodischen Münzen^) und auf einem rhodisohen Heukel**) 
vorkommenden Patronymicums 'Ayricibac gar nicht gedacht zu werden 
braucht. Wir lesen indessen auf beiden Exemplaren nicht bloss den 
gleichen Namen 'AxtlciXa, sondern linden in beiden, wie es scheint, 
die gleichen Schriftzüge, in beiden namentlich das runde C, so dass 
beide Henkel wahrscheinlich einer imd derselben Zeit angehören, 
aber in verschiedenen Monaten, — der eine im TTdva^oc, der andere 
im Babpö|moc, — gestempelt sind. Auf jedem der beiden Stücke ist 
die Inschrift das Supplement zu einem anderen Henkel, auf welchem 
der Name des Magistrats stand; beide nennen einen in Bbodos uns 
nicht früher bekannten Fabrikanten 'AYrjCiXac. . 

Nr. 2. EPirAOYMBPOTOYBAAPOMlOY balaosüum. Olbia. Br. 

€icl ('A)TXoufiPpÖTOu Ba6pofiiou. 

Dielnsehiift zieht eich kreisförmig un ein in der lütte stehendes 
halsnstinm nnd nennt uns einen Mai^stratsnamen, der tad den ans 
Olbia stammenden rhodischen Henkeln hier com ersten Hai er- 
seheint, uns aber dnrch ein in Tanais*) nnd fünf in Kertsoh^ ge- 



8. 123 N. 1, 1869 S. 195 X. 9. 10, B. B. 1. S. 422 N. 22-27 B. S. V. 
S. 449 N. 11—13, A. D. p. 23 N. 60. 51) von 'Apicreüc, 'Apnoviba (B. 
S. IV. S. 454 N. 6) von T^fxövioc, 'Apx»Xotba (ClGr. III p. VlII N. 166. 
166, Antiq. insoiipt LXXIX N. 6, C. R. 1860 8. 98 N. 8, A. D. p. 87 
N. 79) TOn *Apxil^, 'Apx^ac (CIGr. a. a. 0. N. 161), AepKuXfba (A. 
D. p. 88 N. 89Y von A^pKuXoc, AopKuXi&a (ClCrr. in p. IX. 207.. 
208, Leontieff npomuea T. IV S. 435, Antiq. inscript LXXIX N. 7, C. 
Ii. 1869. S. 196 N. 22) von AöpKuXoc. AopuKXeiöo (A. D. p. 91 N. 109. 
110) TOB Aöpuldloc, €4KpaT(6a (GiChr. m p. IX N. 921— 9S4) von €ö- 
Kpdrnc, 'HpaKXciba (CIGr. III p. IX N. 232. 232*) von *HpaicXf^c, KaX- 
XiKpariba (CIGr. III p. X N. 276, C. R. 1865 S. 212 N. 8, B. B. I. 
S. 427 N. 72, B. S. IV. S. 456 N, 22. S. 501 N. 41, A. D. p. 98 N. 159. 
160 Ton KoXXiKpdrnc, KXeiciMßpoTtba (A. D. p. 98 N. 163) von 
KXcidMßpoToc, KpaTiöa (CIGr. III p. X N. 306—309, B. B. I. S. 428 
N. 77, B. S. IV. S. 466 N. 20. 21, B. S. V S. 454 N. 38) von KpdTTic, 
AcovTiöa (CIGr. III p. X N. 314. 315, St. B. II. a. S. 17 N. 4) von 
Aeovreuc, IToXuKXeiba (B. B. L S. 430 N. 96} von TToXuKXfJc, und 01- 
Xuiviba (CIGr. Ul p. XÖl N. 479. 478, B. B. I 8. 489 N. 116, C. R. 
1866 S. 136 N. 36, 1869 S. 213 N. 173, A. D. p. 112 N. 266 TOn 0(Xujv. 
2) Unter ihnen finden wir auf Henkeln gewiss nur Al|H0C(Xa (Antiq. 
inscript. LXXIX N. 2) von Al|ioc{Xac, sowie wahrscheinlich 'Ap^oc^Xa 
(A. D. p. 86 N. 73) von ApinodXac, ApxiXa (CIGr. III p. VIII N. 161 
A. D. p. 86 K. 74) Ton 'ApxiXac, und 0atv(Xa (A. D. p. III N. 966 
irargL fieUiel doctr. num. vet. II p. 602 und Benseier Wörterbuch d. gr. 
Eigennamen unter <t>aiviXac) von OaiviXac. 3) p. 77 N. 9, vergl. 
Stephani C. R. 1869 S. 195 N. 2. 4) Mionnet, Suppl. VI N. 698. 
Ji) Mac Pherson Antiquities of Kertch pl. X. II N. 20. 6) LeontieiF 
flpomueu Bd. IV a 486. 7) Aniiq. mBcript. LXXIX N. 1, Mm 
Phmm Antiqnitieg of Kflftch ^ XL lY. N. 2, C. K. 1868 N. 1, 1865 



« 



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6 f • Becker: Ueber eina dritte Samml. onedierter HenkelinBcbriften 

fundene Stücke bereits bekannt ist. Jedes dieser sechs Exemplare 
unterscheidet sich von den anderen durch gewisse Be.soDtlerheiten, 
sei es in der Form der Buchstaben oder in der Wahl des Emblems 
oder in der Fassung der Inschrift selbst. Vier**) von ihnen geben 
in einer zweizeiligen, gradlinigen Schrift die Präposition ^tti mit dem 
Namen des Magistrats, welcher auf den beiden ersteu 'AYXoußpOTOU, 
auf dem dritten und vierten 'ATXoujißpötou geschrieben wird; auf 
den drei ersten erscheint, links von der Inschrift, das Strahlenhaupt 
des Helios, de face, als staatliches Abzeichen, das aber auf dem 
vierten fehlt; über die Buchstabenfonn im ersten Stücke, dem aus 
Tanais, lässt sich nichts sagen, weil die Inschrift von LeontiefV n\ir 
in Cursivschrift publicirt ist, aber auf dem zweiten und dritten, aus 
Kertsch, sind die entsprechenden Buclistaben einander so ähnlich, 
dass beide Stempel derselben Zeit anzugehören scheinen. Für die 
beiden anderen, in der Gegend von Kertsch gefundenen Henkel'j 
ist, wie für den unsrigen, als staatliches Emblem das balaustium 
mit der Bandschrift gewählt, in welcher auf dem einen Exemplare ^'^J 
nur die Praeposition ini mit dem Magistratsnamen *ATXou)ißp6TOU, 
auf dem andern aber ausserdem noch ein Monatsname (TTavdjLiou) 
angegeben wird. Hiemach scheint die Scbreib«rt 'AtXoujaßpÖTOu, 
wie sie sich auch auf unserem Stocke aus Ollna wiederholt, ge- 
wOhnUßbm gewesen su sein, da das am Ende der zweiten Silbe ein- 
gesohobene M, wie bei den Namen KX€6|ißpoT0C *ApX€MßpÖTOu 
und KXcicijLißpOTiba^') Ton ICXcici^ßpoToc, sur Erleichterung des 
auszuspreehenden Namens 'AtXouMßpdrou wesentlioh beitrügt 

Nr. 3. ArOPA . . . *ATopd(vaKToc), Kertech. G. 

APTAMITIO *ApTafiiT{o(,u). 

Da die beiden vorstehenden Namen in gleicher Fassung und in 
mehr oder weniger gleicher Schrift schon aus Olbia**) und aus 
Athen vorliegen und der Henkel, in üebereinstimmung mit den 
vielen Exemplaren, wo unter dem Namen 'AfOpavaKTOC ein anderer 
Monatsname steht, auch gar nichts mehr als zwei2^amen zu tragen 



S. 209 N. 3 nnd C. II 1869 S. 195 N. 4. 8) npOHH^CH Bd. IV, S. 435, 
Antiq. inscript. LXXIX N. 1, C. R. 1869 S. ivb iS. 4, Mac Pherson 
Antiq. of Kertch pL XI. IV. N. 2. 9) C. B. 1863 S. S09 N. 1, C. B. 
1896 S. 212 N. 3. 10) C. B. 1863 S. 209 N. 1. 11) C. R. 1866 8. 
212 N. 3. 12) CIGr. 1869 S. 195 N. 13. S. 196 N. 14. 13) A. D. p. 98 
N. 163. 14) CIGr. III p. IV N. 19, B. B. I S. 421 N. 11. 15) A. I>. 
p. 79 N. 17. 16) AaXiou: CIGr. III p. IV N. 20 (aus Alexandria), ü. 
B, I p. 481 N. 12 (aus Olbia), Mac Phenon Antiq. of Kertch pl. X. II 
N. 8 (aus KertHch); 'ApTamriou: ebeud. N. 7i; B. 8. V S. 448 N. 5 
(ans Olbia), A. D. p. 78 N. 15 (aus Athen); Havauon: CIGr. III p. IV 
N. 21 (aus SiciHt'ii), C. H. 1869 S. 195 N. 5 (au« Kertsch), B. S. V S. 
448 N. 4 (aus Olbia), A. I>. p. 78 N. 16 (au« Atheu); Ocuöaiciou: C. Ii. 
1866 8. 212 N. 2 (ans Kertsch); OccMOcpopiou: B. B. I 8. 421 N. 13 
(aus Olbia), A. D. p. 79 N. 18 (aus Athen); TaxiveCou: R B. I 8. 421 
N. 14 (aus Olbia), A. D. p. 79 ^. 19 (aus Athen). 



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ans dem lOdlichen AiuslaDcL 



7 



braachte, so ist die Annahme Dumont's^^), dass hinsichtlich des Ton 
ihm angeftlhrten Stttckes aus Olbia^^ ein dritter Name verwischt 
sei, jedenfalls gaos unstatthaft; der vorliegende Stempel war viel- 
mehr, wie alle anderen mit dem Namen 'ATopdvttKTOc und (einem 
Monatsnamen versehenen, das Supplement zu einem anderen, in wel- 
hcera die Präposition ^tti mit dem Namen des Magistrats angegeben 
war. In einem solchen Hauptstempel treffen wir einen 'AyopavaH 
nur auf drei in Sicilien gefundeuon Henkeln, und /.war zweimal 
mit einem Monatsnamen^), einmal ohne denselben, aber alle drei 
Mal als den Namen des Magistrats, während er auf dem unsrigcn 
und auf allen oben*') angeführten Stücken einem Fabrikanten dieses 
Namens zukommt, wobei noch besonders zu bemerken ist, dass 
letzterer in allen diesen Exemj)laren stets in der ersten, der respective 
Monatsname dagegen immer in der zweiten Zeile steht. 



Beide Namen sieben, aber in einem dreiieiligen Stempel, anf 
einem sebon firttber in Olbia gefundenen Henkel,") wibiend ein 
anderes ans A tb en stammendes Exemplar **) in Fassung nnd Schrift 
dem obigen yiel Sbnlicber ist Ueber den Namen xmd die Bedeutung 
Ton *ATOpdvaS s. die Bemerkungen zu Nr. 3. 

Nr. 6. EPIAIN ini Alv- caput Solls Olbia. G. 

HZl/iAMOY rjciödfxou. radiatom. 

Die vorstehende Inschrift lindet sieb, in gleicher Fassung und 
bei gleicher Yertbeilung der respectiven Buchstaben in zwei Zeilen, 
auf einem von mir schon firttber ans Olbia publicirten Henkel ^^), ist 
aber offenbar nlter als jene, weil in letzterer das Sigma (£) durch 
das spätere Zeichen E ausgedrückt worden ist. Ausserdem fehlt 
dort jedes staatliche Emblem, als welches uns hier, links von der 
Inschrift, das Strahlenhaupt des Helios de face entgegentritt. Der 
Name Aivr]ciba^oc kommt auf den rbodischeu; Henkeln stets in 
der Abhängigkeit von der Prttposition im vor und ist also überall 
der Name eines Magistrats , der in dieser Eigenschaft den speciellen 
Namen tepeuc führt.^^) Statt dieses dem Eigennamen vorgesetzten 
Frftdicats folgt auf erstereu öfters ein Monatsname'^), doch mangelt 



17) p. 79 N. 17: toutefois rinscription d'Olbia portait un troiBieme 
nom aojourd'hui efface. 18) C\(ir. III p. V N. 19. 19) ebend. 

N. 16. 17. 18. 20) ebond. N. 16: 'ApTamTiou, N. 17: TaKiveiou. 
11) 8. Anm. N. 16. 22) Ii. B. 1 p. 421 N. 14. 23) Dumont inscript 
eten. p. 79 N. 19. 94) B. S. V a 449 N. 7. 95) f. B. S. V S. 
449 N. 7. 26) St. B. II. a. S. 16 N. 1. 27) CIGr. III p. VI N. 32 
(auf Sicilien): Bahpoinfou. N. 33 (ans Sicilien): TaK»ve(ou; B. B. 1. 
S. 421 N. 16 (au8 Olbia): ApraMiTiou, N. 16 (aus Olbia): Ijiiveiou, 
K. 17 (aus Olbia): TaKiveiou; B. S. IV S. 600 N. 33, (auB Olhia): 
6€Cft090p(ou. 



Nr. 4. APOPA . KTo 
TAKIN6I0Y 



'A(T)opd(va)icTo(c), 
*YaKiv8(ou. 



Olbia. Br. 



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8 P. fieoker: üeber eine dritte SamiBL naediertor HenkaUnsolinftflii 

es auch nicht an SMckeii, a«f welehen der Stempel Mos zwei Worte, 
nSmlieh die Pripoeition iid und den Namen Alvncibdfiou enthfit*^ 
Ein besonderes Aloeiofaen wird anf den meisten der nns mit dem 
Namen Aivncib6|yu>u überkommenen Henkel Termissti aber auf einem 
derselben^, der auch in Olbia gefunden worden, nnd auf einem 
andern ans Eertsdi'^ erseheint, in der lütte der kreiBfttnnigen 
Inschrift, — das balanstlnm ebenso als staaüiehes Emblem fOr den 
ICagistratsnamen» wie anf dem nns hier Torliegenden Stttdke — das 
Stiahlenhanpt des Helios. Gleiohe Bedentang hat das balanstiam 
indessen nicht fttr den Shnlidh lautenden Namen eines Fabrikanten 
Alv€acib(Sjyu)u anf einem gans vereinselt dastehenden Henkel ans 
Olbia^'); denn da die rho^schen Amphoren anf beiden Henkeln ge- 
stempelt wurden^'), nnd anf dem nns verloren gegangenen Henkel 
der Name des Magistrats, in Bnndschrift nnd mit balanstinm in der 
Mitte, die staatliche Controle repritsentirte, so mnsste der nns er- 
haltene zweite Stempel, als Supplement zn dem verlorenen, der 
Symmetrie wegen auch in Bandschrift und mit balaastinm erscheinen. 
Dass eine solche Symmetrie wirklich beobachtet wurde, das ersehen 
wir aus den Stempeln deijenigen Geisse, an welchen sich beide 
Henkel erhalten haben nnd auf beiden das balaustinm sich vor- 
findet^ 

Nr. 6. EHI iiti Olbia. G. 

APOYAEYT bpox) 2>€UT(^pou) 

nANAMOY novdMOU. 

Der anf bpou ausgehende Magistratsname ist nicht mit Sicher- 
heit wiederherzustellen, aber wenn im vorliegenden Falle die ans 
Olbia oder Eertsch stammenden rhodischen Henkel grössere Berfick- 
sichtigung verdienen als die an anderen Orten gefondenen, so hat 
man hier die Wahl zwischen *AvoSdvbpou'*) oder 8€pcd^pou^), 
wShrend der Name nach den answSrtigen Funden^ anch 'Ovocdv- 
bpou'^ oder Mevdvbpou^) gelautet haben kann. In Bezug anf die 
Wortstellung des zur Bezeichnung des Schaltmonats gebrftuchlichen 
Zahlwortes be<}T€poc ist noch zn bemerken, dass dasselbe auf allen 
bisher bekannten Henkeln'^ hinter dem Monatsnamen TTavd|iou, 
hier aber vor ihm steht 



S8) CIGr. in p. VI N. 34 (aus SiciUen), B. S. V S. 449 N. 7 (aus 
Olbia). 89) B. B. I 8. 4il N. 16. 80) Mac Pherson a. a. 0. N. 1. 
31) B. B. I S. 432 N. 18. 32) B. B. I S. 469, B. 8. IV S. 487. 488; 
B. S. V S. 515. 83) Antiq, inscript LXXIX A. N. 6, B. S. V S. 466. 
456 N. 42. N. 43. 34) B. S. V S. 449 N. 9 (aus Olbia), N. 10 (aus 
Kertsch) und dazu CIGr. UI p. VI N. 66-60, A. D. p. 81 N. 31. 82. 
86) G. B. 186». 8. 197 K. S8 (ans Kerteoh) und dam CIGr. IB p. IX 
N. 236-238. 3G) in Sicüien und Athen. 37) CIGr. lU p. XI N. 361. 
38) A. I). p. 101 N. 180. 39) CIGr. III p. V-XI N. 9. 161. 207. 279. 
306. 340, 0. H. 1861. S. 176 2 und A. 1). p. 110 N. 248. 



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aus deiu büdlicheu liiualuud. 



9 



Nr. 7. EPIANAsI 
BoYAoY 
PANAMoY 



M 'AvoSt- 
TTavdfiou. 



Kertoch. 6. 



Henkel mit dem Namen eines Magistrats *AvaH{ßouXoc und 
einem Monatsnamen sind schon an verschiedenen Orten, nament.lick 
in Alexandria ■*^), in Sicilien"*'), in Palestrina '"), in Athen^'') und 
auch inKertsch ^^) vorgekommen, aber unter den auf ihnen genaimteiL 
Monaten^) erscheint der TTdvafioc hier zam ersten MaL 



Der auf den rhodischen Henkeln bald einem Magi>< träte,'*'') bald 
einem Fabrikanten*') zukommende Xiime 'Apicieibac erscheint hier 
in der er.-:teren Bedeutung mit dem Anitstitel lepeuc, statt dessen 
auf anderen Stücken ein staatliches Abzeichen, und zwar das ba- 
laustium"*"^ ! oder das Strahlenhaupt des Helios*"), gebraucht worden 
ist. Als Staatswappen kann dagegen der grosse Stern zur Rechten 
oder Linken ^'j derjenigen Inschriften, in denen uns die obere Zeile 
einen Monat, die untere eiuen Fabrikanten *ApiCT€ibac nennt, nicht 
gelten, sondern derselbe muss\4elmehr für ein persönliches Abzeichen 
eben dieses Fabrikanten gehalten werden. In gleichor Absicht und 
Bedeutung ist indessen das balaustium auf einem von Dnmont'''*) 
publicirten Henkel, auf welchem in kreisförmiger Schrift APIZT 
EIAAAAAIOY gelesen wird, nicht gebraucht^^), und das um so 
weniger, als man beim Lesen der Rundschrift nicht mit dem Kigen- 
najnen, sondern mit dem Monatsnamen beginnen muss , und ul^dann 
der in Rede stehende Stempel als das Supplement zu einem andern 
erscheint, auf welchem die Präposition im mit dem Namen eines 
Magistjrats, in Bundschrift und mit dem balaustium in der Mitte, 
angegeben war. Was femer auf unserem obigen Henkel die alter- 
thtlmliche Schreibweise von der Bechten zur Linken betrifft, so ist 
dieselbe, wie die Buchstabenformen yerrathen, keineswegs ein Beweis 



40) CIGr. III p. VI N. 61. U2. 64. 41) ebendaselbst N. 63. 65. 

42) Bensen Bolletino dell' instituto di corresp. archeol. 1865 p. 75 N. 2. 

43) A. D. p. 81 N. 33. 44) St. B. U b. S. 209 N. 1. 45) CIGr. III 
N. 61: *Apiav(ou, N. 63: AaXiou, N. 64: 0€ubaic(ou, N. 66 und St. 
B. U b S. 209 N. 1: GecMOcpopiou, A. D. p. 81 N. 33: CmvOCou, 
Benzen a. a. 0. N. 2; TaKivOiou. 46) ClÜr. III p. VII N. 93—99, 
B. B. I 8. m N. 9S— 94, C. R. 1866. 8. 188 N. 1, B. 8. Y 8. 449 N. 
11—13, A. D. p. 83 N. 6ü. 62. 47) CIGr. III p. VII N. 100. 101, ß. 
B. I S 422 N. 25—27, C. R. 1869 S. 196 N. 9. 10, A. D. p. 83 N. 5. 
48) CIGr. III p. VII N. 97, B. S. V S. 449 N. 11. 49) ClOr. III p. 
VII N. 99. 50) C. E. 1869 S. 195 N. 9. 51) Mac Phersou Autiq. 
of SortMsh pL X. n N. 9. B. fi. I 8. 4S2 N. 86 und C. B. 1869. 8. 196 
N. 10. 52) Inscript o6am. p. 88 N. 51. 68) s. meine BeneirkDiig 
oben in Benkel 6. 



YoIHMqiA 



In' kpAuc 

'ApKTCiöO, 

*Atpuiv(ou. 



Olbia. a 



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10 r. Becker: Uebcr eine dritte Samml. unedierter Henkelinschriftcu 



Yon hohem Alter; im Gegentheil, das Stück stammt Tielmehr, wegen 
der auf den rhodisehen Heiikebi ans dem südlichen Bnssluid nur 
selten Torhimmienden Schrxftzeiehen nnd ui^), aus der späteren 
Zeit, wo der Verkehr yon Olhia und Bajitioapaenm mit Rhodos die 
frühere Lehhaftigkeit verloren hatte. 

Nr. 9. EPIAPI inl 'Api- Kertöch, G. 

IToAAMoY CTOÖd|nou, 
TTEA oY TT€Ö(aT€iTvvj)ou 

Wie auf jedem der bisher bekannten rhodisehen Henkel bei 
dem Namen eines als Magistrat genannten 'ApICTobd^ou ein anderer 
Monatsname angogel)en ist*"^**), so erscheint der TTebaYtiivucc auch 
hier znm ersten Mal. Ferner treffen wir denselben Magistratsnamen 
mit dem Strahlenhaupte des Helios zur Linken, aber ohne Angabe 
eines Monats auf einem Henkel aus Athen^'), während auf einem 
andern Stücke aus Athen^), mit balaostiom und Rundschrift^^), auch 
«n Fabrikant 'ApiCTÖbc^ioc heissi 

Nr. 10. ETTIAYTOKPATEYIAAAIOY balanstium. Olbift. a. 

kid AÖTOKpdTeuc, AoXfou. 

Zu den von mir schon früher^) aufgeführten Stücken mit dem 
Namen eines Magistrats AiiTOKpdxTic und dem eines Monats, als 
welcher, auf 'einem Henkel '^') ohne balaustium und Rundschrift, 
auch der AaXioc genannt wird, sind jetzt noch zwei aus Kei-tsch 
hinzuzufü<'en*''^), während sich für den allein stellenden Namen Auto- 
Kpdreuc, in Kimdschrift und mit balaustium in der Mitte ,®^) kein 
neues Exemplar gefunden bat. 

Nr. 11. EnirOPrfiNOI M rdppuwc, Olbia. G. 

YAKINdlOY ToKivefoif. 

Die Aehnlichkeit der vorstehenden Inschrift mit der auT zwei 
aus Olbia*^) und einem aus Athon*'^) stammenden Stücke, ist 
nach der Fassung, der Form der Buchstaben und ihrer Vertheilung, 
eine so grosse, dass alle vier Exemplare von einem und demselben 
Stempel herzurühren scheinen. Ausserdem dürften sich auf dieselbe 
Persönlichkeit noch drei Stücke aus Kertsch*^^) beziehen, aufwei- 
chen ein Magistrat föpxujv mit anderen Monatsnamen angegeben 



Ö4) B. B. I S. 421—431 N. 9. 28. 31. 104, St. B. II a, S. 16 N. S, 
B. S. IV S. 464. 466 N. 7. 16, C. R. 1866 S. 1,32 N. 7, B. S. Y 8. 455 
N. 40, C. R. 1869 S. 195—197 N. 2. 9. 26. SS. 55) 0. R. 1869 N. 19. 
56) CIGr. III p. VII N. 116: AaXiou, N. 117: A€CMO<pop(ou, N. 118« 
CMiveiou, N. 119: TaKiv0(ou, St. ß. II a. S. 16: Aioceiiou. 
67) A. D. p. 84 N. 58. 58) ebend. N. 59. 59) siehe oben meine 
Bonerlraner «n Henkel N. 5. 60) B. 8. V 8. 451 N. 21. 61) CIGr. 
in p. VIII N. 178. 62) C. R. 1869 S. 196 N. 16. 17. 63) CIGr. 
III p. VIII N. 181. 64) ß. S. IV S. 455 N. 11. 12. 65. A. D. p. 87 
N. 82. 66) C. R. 1869. S. 196 N. 19. 20: AaXiou, N. 18: Qcubaidou. 



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tau dem sddlichen Ruwland. 



11 



wird, aber der mit dem Amtstitel \epeijc uml dem Monatsnamen 
Kapveiou genannte fopfiuv auf einem Henkel aus Olbia^') gehört 
wohl, wie die Schrift zeigt, einer früheren Zeit an, und das mir 
nur in der Cnrsivsclirift bekannte Stück aus Alexaudria'""^) ent/.ieht 
Bich selbstverständlich einer genaueren Vergleichung mit den obigen 
Exemplaren. 

Nr. IS. AAMATPk». AafiaTp(o(u). balanstiiim. Olbia. 6. 

Obgleich die kreisförmig um ein balanstiiim sieh hemmnehende 
Schrift den rhodischen ürspnmg dieses Henkels ausser allen Zweifel 
seist, so fehlt doch noch der Name AajLidiTpioc, unter welchem hier 
der Fabrikant zu yerstehen ist, auf allen bisher bekamit gewordenen 
Stocken Ton Bhodos. Abgesehen hiervon, ist die Torliegende Henkel« 
insohrift das nOthige Supplement zu deijenigen, welche auf dem 
sweiten Henkel des Gefiteses stand und, wie oben auf Nr. 2 oder 10, 
die FMposition im mit dem ISFamen eines Magistrats, sowie den 
einoB Monats enthielt. 

Nr. 18. HANAMOY Hayd^ou, Kertech. 6. 

AAMoNIKoY Aa^ov{Kou. 

Wie auf dem vorhergehenden Henkel (Nr. 12) Aaindtpioc, so 
wird uns hier zum ersten Male ein rhodischer Fabrikant Aa)iöviKOC 
genannt, welchem Namen der auf einen Magistrat bezügliche Monats- 
name TTdvajLioc, im Hauptstempel des nicht erhalteneu zweiten Henkels 
vorausgeht. 

Nr. 14. E . . IZOl . . € , Olbia. Br. 

KAPNElOr Kaiivefou. 

Die Mlokeiihafte erste Z«le, in welcher nur der erste Buchstabe 
deatlieh ist, Usst sich zwar nicht mit Sioheriint wiederherstellen, 
sdieuit aber den von der Prftposition M abhSngigen Namen eines 
Magistrats enthalten zu haben, so dass das Stitek in diesem lUle 
Ar den Hanptstempel eines Oeftees zu halten wire. 

Nr. 16. EAIAH (0)€aibn- Olbia. Br. 

ToY TOü, 
Ar. rNYoY 'AtCpioMOw. 

Der auf den rhodischcn Henkeln stets 0€aibr|Tou, nicht wie 
sonst gew()hnlich, GeaiiriTOu geschriebene Name, welchem auf 
einigen*^'*) dieser Stücke ein Monatsname im Genetiv nachfolgt, und 
welchem auf anderen, namentlich auf den aus dem südlichen Kussland 
stammenden, bald das balaustium,*") bald das Strahlenhaupt des 
Helios ''j als Staatswappen beigegeben ifit, steht hier zum ersten 



67) B. B. I S. 424 N. 42. 68) CIGr. HI p. VIII N. 182. 69) CIGr. 
HI p. IX N. 234 and Mac Pherson antiq. ot' Kertch pL X U N. 16: 
6C€fi09opiou, 2SAt TTavdjLiou, & B. I 8. 416 N. 60: AaXiou. 
70) B. & l 8. 4Se N. 60. 71) B. 8 IV 8. 466 N. 18, 8. 466 N. 19. 



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12 P« Becker: Uelier eine dritte SammL unedierter Henkeliiuchriftea 

Mal im absoliiien Genetiv, ohne die auf den tttaigeii Eiemplaran 
vor ilim stehende Präposition ini, und ist also, abweichend tou 
der sonstigen Bedeutung dieses Rigennamens auf rhodisehen Henkttbi, 
für den Namen eines Fabrikanten zu halten* 

Nr.l6. EnOE.ToPoI BAAP. MloY balau- Olbia. 0. 

ini 6^CTopoc, Baöp(o)»iiou. stium. 

Der in der TOrstehenden Inschrift gegebene Name S^cniip ge- 
hört auf den rhodisehen Henkeln zn den wenigen, unter denen, ohne 
Ausnahme, ein Magistrat zu yerstehen ist, denn derselbe steht auf 
allen ^* im südlichen Bnssland und anderswo gefnndenen Stücken 
niemals im absoluten Genetiv, sondern ist stets^ von der Prä- 
position iid abhingig, hat femer hftufig^^) einen Monatsnamen zum 
zunBchst folgenden einzigen Begleiter und zeigt als staatliches Em- 
blem ausserdem noch bald das Strahlenhaupt des Helios^), bald das 
balaustinm.'^ Zn den voUstBndlgsten Exemplaren dieses Stempels 
gehört das obige mit dem Monatsnamen Babpöfiuoc, der sich auch 
in Bundsehrift und balanstinm in der Mitte auf mnem Henkel aus 
Kertsch vorfindet^ 

Nr. 17. ZHNQNOZ Zf|vufvoc, balaattiora. Olbia. Er. 

Daas der Name ZrjVLUV auf den rhoditjchen Henkeln einem 
Fabrikanten zukomme, ergiebt sich aus den vielen Stücken'''), auf 
denen sich die ganze Inschrift auf diesen, im absoluten Genetiv 
gebrauchten und ausnahmsweise im Nominativ^*) stehenden Namen 
beschränkt, dessen Buchstaben sich meisteutheils kreisförmig^*) um 
ein balaustium herimiziehen. Dieses rhodische Staatswappen fehlt 
indessen auf den in Athen *^) und einem in Alexandrien ^^) gefundenen 
Stücke, auf welchem letzteren, in gradliniger Schrift, erst TTavd^ou, 
und dann ZrjvuJVOC gelesen wird, und der Monatsname auf den im 
Hauptstempel der zweiten, uns nicht erhaltenen Anse genannten 
Magistrat Bezug hat. Besondere Beachtung verdient ausserdeui noch 
ein Henkel aus Kertsch**^), auf welchem, in der Mitte dos kreisförmig 
geschriebenen Namens Zrjviüvoc — statt des balaustiunis — das 



72) CIHr. UI p. IX N. 239—241, Antiq. inscript. LXXIX. A. N. 8, 
B. B. I 8. 4M K. 60. 61, Mae Phenon a a. 0. K. 6, B. 8. Y 8. 468 

N. 30, C. R. 1866. 8. 212 N. 7, C. R. 18G9. S. 197 N. 27, A. I). p. 96 
N. 148. 149. 73) 8. Anm. 71. 74;! ClGr. III p. IX N. 239. 240 Mac 
Pheraon Antiq. of Kertch pl. X. II N. r>: TTavdfiou, N. 241: 'Axpiaviou, 
Antiq. N. 8: Baöpofjiiou, Ii. ß. 1 p. 426 N. 60: Kapveiou, A. I). p. 96 
N. 148. 75) B. B. I p. 426 N. 61. 76) Antiq. N. 8, Mae Phenon 
a. a. 0. N. 6, B. S. V S. 453 N. 30, C. R. 1869. S. 197 N. 27. 77) Antiq. 
Inscript. LXXIX N. 8. 78) CIGr. III p. IX N. 227. 228, Antiq. inscript 
LXXIX A. N. 31, B, B. I S. 426 N. 68. 69, C. R. 186fi. S. 131 N. 4, A. 
D. p. 96 N. 148. 79) s. Anm. 78. 80) Leontieff nponuaeii S. 486 
Zl\¥iuv Teigl. A. D. p. 96 N. 144. 146. 81) s. Anm. 78 imd Leontieff 
a. a. 0. 82) A. D. p. 96 N. 148—146. 88) CIQr. N. 226. 84) 0. & 
1866. S. 181 N. 4. 



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am d«m tidlielieD Bmakuid. 



13 



monogrammartige Zeichen M zu sehen und wahrscheinlich, wie 
andere nichtstaatliohd Embleme^), für ein Fabrikseioben des Töpfen 
za halten ist 

Nr. 18. EPIEP . Mo£ lii(l) 'Mp(uiv)oc, Olbia. G. 

6EIM . . oPoY 0€CM(09)op(()ou. 

Wenn nur in der mir zugekommenen ( opie dieses Henkels das 
im Monatsnamen 0€C^oq)öplOC fehlende I tibersehen wäre, so könnte 
ein Gleiches auch bei der PrSposition ^tti, zu Anfange der ersten 
Zeile, geschehen sein, denn in allen andern uns erhaltenen Henkel- 
inschriften aus Rhodos ist der Buchstabe I vor 'le'puüvoc nicht elidirt. 
Als Magistratßname kommt le'pujv übrigens auf denrhodischen Henkeln 
sehr häufig vor, und zwar folgt ihm meisteutheils*'*^) ein Monatsname ^^), 
welcher indessen nur in unserer obigen Inschrift der 0eC|UOcpöpioc 
ist und nur auf drei Stücken****) mit dem balaustium erscheint, um 
das sich die aus der Präposition ^tti, dem Eigennamen 'le'pujvoc und 
einem Monatsnamen bestehende Rundschrift herumzieht. Abgesehen 
Ton allen diesen zahlreichen Beweisen für die richtige Beziehung 
des Namens 'Upu)V auf eine Magistratsperson in Rhodos, müssen wir, 
naeh drei anderen Stücken^), auf denen bloss 'Upiuvoc im absolut 
gelnanehten Genetiv steht, in demselben Namen einen Fabrikanten 
erkennen, we&eiiem nvf einem Tierten Henkel*^ ein eadnoeos als 
peraOttlicheB Abzeieben^*) beigegeben ist 

N^.19. iTTTTOKPATEYZ 'limoKpdreuc balanstinm. Olbia. Br. 

Gans Shnliebe Henkel^, mit dem ganz Yereinaelten Narnsn 
eines *lini0K|»dreuc, £ut immer*") in Bnndscbrift nm ein balanatinm. 
Hegen tms meht blos ans dem attdlicben Bassland sondern auch 
ans anderen Gegenden^) vor nnd beieng^ die Ansdehnnng eines 



86) B. B. I p. 4M N. 68, B. S. V 8. 61» nnd oben Bemerkung mm 
Hienkel N. 8. 86) nnr anf zwei Stacken (Antiq. uiecript. LXXIX N. 
10 und Leontieff ITponiijieH IV S. 436) sehen wir bloa die Worte ^trl 
'lepujvoc, zu denen auf einem einzigen (B. B. I S. 426 N. 65) noch das 
Strahlenhanpt des Helios, links von der Inschrift, hinzugesetzt ist. 
87) CIGr. m IX N. S48: 'AT(»tav(ov, N. S49 nnd Mac Pheison a. a. 
0. N. 13: 'ApTaniTiou, N. 260: AiocSÖOU, N. 251: TTavd|uou, N. 
252. 253: Ipiveiou, B. B. I S. 426 N. 63: Babponiou, N. 64: Aioc- 
euou, C. R. 1861 S. 176 N. 1; AaXiou, C. R. 1868 S. 123 N. 2: 
TaKiv6(ov, C. B 1869. 8. 197 N. 28: 'ATpiav<ou, A. D. p. 97 N. 
156: TTavdMOU. 88) CIGr. III p. IX N. 251, C. R. 1868. S. 123 N. 2, 
A. D. p. 97 N. 155. 89) CIGr. III p. IX N. 255 (aus Siciüen^, N. 968 
(aus Olbia, vergl. B. B. T p. 426 N. 66), N. 257 (aus Alexandna). 
90) ebend. N. 264 (aus Sicilien). 91) B. b. V S. 519. 92) CIGr. 
HIj». X N. 988—987, Leontieff ITponiueH IV. 8. 4S6, Antiq. nuoripi 
LXXIX N. 32, B. B. I S. 427 N. 6y, H. S. IV p. 601 N. 40, C. R. 1889 
S. 197 . 30, A. D. p. 97 N. 156. 93) ausgenommen sind nur von 
den Citaten unter 92: CIGr. N. 265. 266. 267 (aus Sicilien). 94) ans 
Kertach, Tauais, OlbiA. 95) ans Ljcien, Alexandria, SiciUen und 
AtheiL 



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14 P* Becker: üeber eine diitte SammL imediecter HenkeUntohnften 



Eabrikgeschiftes toh Thongefitosen, welches in BliocIoB unter dei 
Fumft eines 'limoKpdreuc wohl Ittngere Zeit geblüht haben rnnse. 

Nr. 20. KINEA^AFPIANIOY balauatium. Kertach. Br. 

Kiv^a, 'AYpiuviou. 

Da die Inschrift vollständig und das zwischen den beiden Namen 
gegebene nndentliche Zeichen kein Buchstabe sein sollf so gehört der 
hier zum ersten Mal auf rhodischeu Henkeln vorkommende Eigen- 
name KlV^ac jedenfalls keinem Magistrate, sondern einem Fabrikanten 
an, wenn man die Lesung der kreisförmig nm das balaustium herum- 
laufenden Inschrift mit dem Monatsnamen *ATpiaviou begimit, das 
fragliche Zeichen nach dem Namen Kiv^a für eine Marke des Fabri- 
kanten nimmt ^^), und das ganze Stttck fllr ein Supplement zu dem 
nichterhaltenen Hanptstempel anf dem zweiten HÖikel eines Ge- 
fftsses hftlt 

Nr.Sl. MAPZYA Mapti^a, EertMh. Br. 

YAKIN0IOY Tamveteu. 

Unter den vielen Henkeln'" ), welche den Namen eines Mapcvja 
und den eines rhodischeu Monats tragen, kennt man bereits vier^^), 
auf denen auch 'YaKivBiou steht. Die in einem länglichen Viereck, 
in zwei Zeilen abgetasste Inschrift giebt, mit sehr wenigen Aus- 
nahmen'*'') in der oberen den Eigennamen, in der unteren den re- 
spectiven Monat an; beide Namen stehen im absoluten Genetiv, für 
welchen, beim Eigennamen, bisweilen ^^^) der Nominativ gebraucht 
ist. Ferner liegt noch ein^^^) Stück vor, auf welchem die Inschnft 
sich auf den alleinigen Namen eines Mapcua (ohne Monatsnamen) 
beschränkt. Nach alledem unterliegt es keinem Zweifel, dass der 
Eigenname einem Fabrikanten zukommt, und dass alle hierher ge- 
hörigen Henkel die Supplemente zu anderen sind, auf welchen die 
Präposition ini mit einem Magistratsuaraeu angegeben war. Als 
solcher erscheint ein Mapcuac, in Kundschrift um das balaustium, 
nur auf einem Stücke ^^^), das aber, nach der Form der Buchstaben 
und nach der rückläufigen Schrift von der Rechten zur Linken, aus 
älterer Zeit als die übrigen stammen dürfte. 

Kr. 22. . □Aä^ balaostium. Olbia. Br. 



«6> B. 8. y S. 619. 97) ClOr. III p. IX N. 817>-3S7, Leontieff 
npomueu Bd. IV S. 435, Antiq. inscVipt. LXXIX N. 33. 34, B. B. I. 
fcl. 428 N. 82, B. S. IV S. 456 N. 24. 26, B. V S. 455 N. 39. 39» C. 
R, 1866 S. 212 N. 9, 1867 S. 206 N. 3. 4, lb68 Ö. 123, A. 1). p. 100 
N. 172—176. 177. 179. 98) CIGr. N. 327 (aus Athen), Leontieff p. 436 
(aoa Tanaia), Antiq. N. 54 (ans Kertach) Henzen bullet delF institnto di 
corr. archeologica 18G5 p. 76 N. 8. 99) A. I). N. 176: ActXiou, Mapcua, 
N. 178: AiocOuou, Mapcua, auf bcideu Stücken in zwei Zeilen. 100) CIGr. 
lU p. XI N. 321. 325 vergL B. B. I S. 428 N. 79. 81. 101) B. S. V. 
S. 466 N. 89^ 102) B. B. I p. 4S8 K. 78. 



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aus dem tftdlichen BoBsland. 



15 



Die auf dieBem Henkel nnvoUstiiadig erhaltenen Buchstaben, 
welche sich kreSsfönnig, in rOcUftofiger Schrift, um ein balanstiam 
hernmaehen , gestatten nicht die WiederherstoUung des Namens. 



Mit Bezug auf die vollständigeren Inschriften anderer Henkel, 
auf welchen zu der obigen Inschrift iiocli ein Monatsname ^^^), zu- 
weilen dazu auch noch das balaubtium **^*) oder das Strahlenhaupt 
des Helios ^^') als Stuatswapi)en hinzutritt, kommt der Eigenname 
NiKttCafÖpac auf allen diesen Henkeln einem rhodisehen Magi^^trate 
zu, in welcher Bedeutung derselbe sowohl auf einem anderen Stücke 
ohne Monatsnamen,^"*') als auf dem uns hier vorliegenden zu nehmen 
ist; dagegen fehlt uns auf den Henkeln für einen Fabrikanten Nikü- 
caTÖpac jeder Beleg, und wie das Monogi-amm AA'*^'), um welches 
sich der Name eines ZrjVlüVOC kreisförmig herumzieht, das persön- 
liche Abzeichen des dort genannten Fabrikanten zu sein scheint, so 
ist R^^*), in der Mitte eines von der Inschrift im NiKacoTÖpac 
gebildeten Kreises , in gleichem Sinne auf einen rhodiächen Magistrat 
Namens NiKacafopac zu beziehen. 

Endlich muss ich noch bemerken, dass das hier in unserer In- 
schrift gebrauchte Schriftzeichen für den Buchstaben v, M statt N, 
auf rhodisehen Henkeln schon früher *^^) vorgekommen ist. 

Nr. 84. EPBENO iirl E€vo- cornu Kertoch. G. 

<PAN ToY 90VTOU. copiae. 

Mit Ausnahme eines einzigen Henkels ans Athen ^^), anf wel- 
chem £6V0<pdvT0U, in Rundschrift um ein halanstinm, im ahsolnten 
Genetiv gebraucht nnd also für den Namen eines Fabrikanten zu 

halten ist, kommt dieser Name, weil er auf allen andern uns er- 
haltenen Stücken^**) yon der Präposition im abhÄngt, einem Ma- 
gistrate, und zwar, wie aus der Beigabe eines rhodisehen Monats- 
namens*^^) oder eines rhodisehen Staatswappens, des Strahlenkepfes 
des Helios'*^), oö'enbar hervorgeht, einem rhodisehen zu. Ausser- 
dem wird das auf unserem obigen Henkel, links von der Inschrift 
angegebene Füllhorn weil es sich andi bei andern Namen rho- 



103) ClOr. ITT p. XI N. 334-342, Antiq. inscript. LXXIX N. 11, 
Leoiitieä riponn.4en B. IV S. 435, C. R. 1861 S. 175 N. 2, Henzen bul- 
letiuo dell' matituto 1865 p. 75 N. 9, C. R. 18G9 S. 198 N. 39, A. D. 
8. 108 N. 198. 104) CIGr. N. 886. 108) ebend. N. 841. 106) ebend. 
N. 343. 107) C. R. 1866 S. 131 N. 4 und meine Bemerkung oben zu 
X. 17. 108) C. R. 1869 S. 198 N. 40. 109) C. R. 1863 S. 209 N. 3 
und 1869 S. 198 N. 43. 110) A. D. p. 105 N. 210», wenn für ein 
verwiäcbies iiri (s. B. B. I p. 429 N. 87 and uuten meine Bemerkung zu 
Henkel N. 26) kein Plate wftre. III) CIGr. UI p. X( K. 866. 866, B. 8. 
IV S. 457 N. 27. 28, Mac Pherson Antiq. of Kertch pl. X II N. 17, A. 
D. p. 104 X. 210, p. 105 N. 211. 112) B. S. IV N. 87, CIGr. N. 366, 
A. D. p. lOo N. 211. lia) B. S. IV N. 28. 



Nr. 23. EPIHIKA 
ZArOPA 



ini NiKü- 
caxöpa. 



Oltna. Br. 



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IG P. Becker: Üeber eine dritte Samml. nnedierter Henkelinsohriften 



diseher tfagistratspemmeii Torfindet^^*) und im obigen Sittcke die 
SteUe einnimmt, auf welcher sonst immer das Strahlenkaupt des 
Sonnengottes zn stehen pflegt — fttr ein staatliches Abzeichen 
Ton Rhodos sn halten sein« 

Nr. 25. EPIEENO iiri Hevo- OUna. G. 

• OANETC qpdveuc. 

Wenn ich bei einem , nach der Zeichnung Ouvarofi" s bespro- 
chenen Stücke"*), auf welchem nur die Buchstaben 5A3NV<I>0N3 •> 

in Rundschrift um ein balansfiiim, crhalton sind, bemerkt habe, dass 
vor dem ver^Nnschten Buclistaben Z noch Platz für die Präposition 
im sei, so ist die Yermuthuiig, dass sie in jenem Stempel wirklich 
gestanden habe, dadurch bestätigt, dass der Name eines Zevoqpd- 
veuc, — nicht blos nach dem damaligen,"^) sondern auch dem in- 
dessen hinzugekommenen"^) Material, — auf Niemanden anders 
als auf einen rhodischen Magistrat bezogen werden kann, welcher, 
abgesehen von der überall vor dem Namen Eevocpav€UC gebrauchten 
Praeposition im, bald durch den beigegebenen Anitstitel kpeuc"'*), 
bald durch das staatliche Emblem "^), bald durch den Monatsnamen ) 
als solcher leicht zu erkennen ist. 

Kr. 86. EPIZfi M Im- eapiit Solii ' Olbia. Br. 

AAMOY ödiiou. ladiatom. 

Die richtige Auffassung und Deutung des Namens Zujbd|iOu 
bietet keine Schwierigkeit, da derselbe, stets abhängig von der vor 
ihm stehenden Präposition '*^), in allen uns überkommenen Henkel- 
inschriften als der Name eines Magistrats zu nehmen ist, und da 
der rhodische Ursprung sKmmtlicher Henkel mit dem Namen eines 
Zujbdfiou theils durch die rhodischen Staatswappen — das Strahlen- 
haupt des Helios ^^") oder das balaustium *~ 'j — theils durch die 
beigegebenen rhodischen Monatsnamen oifenbart wird. 

Nr. 27. EPITIMAIAro iiil Ti|iacaTÖ(P«). Olbia. G. 

AAAloY ÄaXiou. 



114) CIGr. III p. XI N. 345: ^ttI lep^ujc Eevapdxou, Antiq. inscript. 
LXXIX N. 12, A. D. p. 103 N. 202, p. 114 N. 7. 116) B. B. I S. 429 
N. 87. lie) CIGt. in p. XI N. 444— 4M» Antiq. inscript LXXIX N. 
13--17, B. B. I. S. 428 N. 84^'— 8G. 117) Mac Pherson Antiq. of Kertch 
pL X n N. 19, B. S. IV S. 457 N. 29. 30, B. S. V 8. 466 N. 42-44^ 
C. R. 1866 8. 132 N. 9, A. D. p. 106 N. 212—216. 118) CIGr. III 
p. XI N. 361, Antiq. N. 16, B. B. I S. 428 N. 84^ 84«. 119) Antiq. 
N. 16. 16, B. B. I S. 429 N. 86, B. S. Y 8. 456 N. 43. 44, C. R. 1868 
S. 132 N. 9, A. D. p. 105 N. 212. 120) CIGr. N. 349. 350, Antiq. 
N. 16, B. B. I S. 429 N. 84^, 85, Mac Pherson pl. X II N. 19, B. S. IV 
S. 467 N. 29, B. S. V S. 466 N. 42—44, C. it. 1866 S. 132 N. 9, A. D. 
p. 105 V. 21S. 121) St. B. H 8. 816 N. 80, B. B. I 8. 481 N. 102. 
108, B. 8. V S. 458 N. 50, C. R. 1869 S. 199 N. 62, A. D. p^ 110 N. 
247. 248. 122) B. 8. V S. 458 N. 50, St. B. II 216 N. 80, A. D. p. 110 
N. 247. 128) B. B. I S. 481 N. 102. 



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aus dem südlichen Rusaland. 



17 



Der rhodisclie Ursj)nnig säramtlicher Henkel, auf denen der 
Name eines Tijiacaföpac btets von der vorausgehenden PrUpo&ition em 
abhän^g ist, ergiebt sich mit Sicherheit daraus, dass auf jedem der 
bekannt gewordenen Stücke noch ausserdem entweder ein rhodischer 
Monatsname oder ein staatliches Abzeichen von Rhodos ^^^) oder 
auch beides zusammen ^^'^ angegeben wird. Die einzelnen Exemplare 
scheinen indessen, nach ihrer Schrift und der Yertheilung der Buch- 
staben ,Tet8efa]edflii«ii Ztttan msog^hOren, was namenUieh bei unserer 
obigen Henkelinschrift, ftlr welche ein dem Inhalte nach völlig llber- 
emstimniendes Stflek ans Olbia^*^ bereits vorliegt, der Fall ist. 
Von den hierher gehöric|en Henkehi sind im Ganzen 15 bekaonti 
imd von diesen hat man vai slldliohen Rnssland nenn^**) nnd sechs 
anderswo gefunden. 

Nr. 28. XAPHTOC Xdpnroc, Olbia. Br. 

AFPIANIOY 'ATpiaviou. 

Der Name eines I^brioanten Xdptic, im absoluten Genetiv und 
mit einem Monatsnamen m der zweiten Zisile, ist sowohl in Eertsch^^) 
und Tanais,^^) als auch in Athen ^ vorgekommen, aber der 
*Airptdvioc und wohl auch das runde C am Ende der ersten Zeile 
erschemen bei diesem Namen zum ersten Mal in der obigen Henkel- 
inschrift. 

!!• Knidiäche Ileukeliiiächrifteu. 

Nr. 1. ETTieAPZI M 0apa- Olbia. Br. 

nOMOI nöXioc 
APHIIAA *ATV|C<Xa. 

Obgleich der vorstehende Henkel weder die Beiachritt KNIAION, 
noch auch ein auf den knidiscbeii Stücken sonst gewöhnliches Abzeichen 
aufweist, so stehe ich doch nicht an, ihn nach der Form und Fassung 



124) CIGr. III p. XII N. 432—434: 'Atpiaviou, Antiq. inacript. 
LXXIX N, 20: YaKiveiou, Leontieff FIponnjeM IV. S. 435: Taxiv- 
eiou, B. B. I S. 431 N. 107: e€C^o<popiou, N. 108: TTayd^ou, B. S. 
V 8. 468 N. 61: AaXCou, Hensen bnllei 1866 8. 76 N. 11: TaKtv6(ou, 
C. R. 1859 S. 140 N. 1: e€CMO<pop{ou, A. D. p. 11») N. 250: Taxiv- 
eiou, N. 251: KapvcCou. 125) B. B. I S. 431 X. 108 und C. K. 1859 
N. 1: balaustium, B. B. I N. 109: cauut Solis radiatum. 126) B. 
B. I K. 108, C. R. 1859 N. 1. 127) B. 8. Y 8. 458 K. 51. 128) in 
Olbia C, in KertBch 2 nnd in Tanaia 1. 129) in Sicilien 8, in Athen 2 
und in Palcstrina 1. 180) Antiq. inscript. LXXIX N. 86. 131) LeontielF 
ripomueii S. IV. S. 436. 132) CIGr. III p. XIII N. 475. 13:J) da Franz 
iiu (JlGr. und Leontieff in den Ilpomi^eu die Inschriften in CursivHchrift 
Kcben imd ich dietelbMi nur so kenne, lo mom ich mich auf ^ne blocse 
Vermnthung betduftoken , die ind^sen an Wahrscheinlichkeit gewinnt, 
weil sowohl Franz , als Leontieff bei andern Stücken auf das runde C 
aufmerksam machen, hier aber nichts bemerken. 

Jahrb. t oUms. i'hüoL Sappl üd. X. 2 



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18 P. Becker: Ueber eine dritte Samml. miedlerter Henkelinielunfteii 

der IjtBcbxift^) für einen knidischen zu halten und in den beiden 
zur BeKeichnnng einer PersSnliolikeit gebrauchten Namen den Ma- 
gistrat Tharsipolis, den Sohn eines Agesilaos, auch desshalb su er- 
kennen, weil die mit iTÖXic zusammengesetzten Eigennamen in den 
knidischen Stempeln^) viel häufiger vorkommen, als in denen 
irgend eines anderen Staates.^) 

Nr. 8 AXAA (Kvib.) Aaxd(p€uc) trident. Panti- Br. 

3 ■ E ca- 

DY3N9nOTDnA 'ApicrCoyTiveüC paemn. 

Da die einen Schaft versiimlichende, zwischen den beiden Zeilen 
horizontal liegende und an jedem Endo in einen Dreizack auslaufende 
BaiTe den obere]i Namen von dem unteren offenbar scheiden soll, 
so darf mau annehmen, dass der eine, sowie der andere eine be- 
sondere Persönlichl<eit bezeichne, und datis durch beide die Firma 
eines Compagniegeschäftes angegeben werde. Diese Vermuthung ist 
um so wahrscheinliclior, als der knidiache Ursprung des Henkels, 
wegen seines in Knidos ganz gewöhnlichen Emblems — eines Drei- 
zacks — , keinem Zweifel unterworfen ist, und als es an Belegen 
für ähnliche Compagniegeschäftc zweier, ja sogar dreier Theilhaber^) 
unter den uns bekannten Stücken nicht fehlt Auf denselben wird 
uns denn auch zu wiederholten Malen ein 'ApicTOY^vnc, bald als 
Inhaber eines eigenen G^hSftes,^) bald als Theilhaber einer Doppel- 
firma genannt,^) und desshalb worden wir den vorliegenden Henkel 
für ein Supplement zu einem anderen zu halten haben, auf welchem, 
wie oben auf Nr. 1, die Prttposition dm mit dem Magistratsnamen 
und einem Patronymicum angegeben war. In meiner Ergünzung der 
oberen Zeile, bei welcher die Buchstabenzahl der unteren, sowie die 
inEnidoe gebräuchliche Fassung^) massgebend sein musste, habe ich 
den schon bekannten Fabrioanten Adxnc^ — also KvibC Adxiitoc*) 
— nicht berfldrsichtigen kOnnen, sondern, weil der vierte Buch- 
stabe ein deutliches A ist, zu dem in Enidos neuen Namen AaxdpTic 
meine Zuflucht nehmen müssen. Was endUish das Alter unseres 
Henkels betrifft, so verrathen die neueren Schriftzeichen C und €, 
dass er, ungeachtet der rflcklftufigen Schrift, späteren Ursprunges ist. 

1) Sieh bei Dinuont (p. 272 folg. septiome serie) die mit im bcn:in- 
nenden Henkelinschriften. 2) A. D. p. 203 folg. N. 3G1. 898. 457. 503, 
p. 841 N. 71—77: KXeoiroXioc KXeunöXioc, KXeiroXioc; p. 209 N. 395: 
KXetvoic6Xtoc; p. 211 N. 408; KXiivoii6Xioc ; p. 262 N. 97. 98, p. 970 N. 
161 — 151, p. 300 N. 186. 186: <l)iXo7röXioc ; ]). 278 N. 11. 12: ATnciTToXic ; 
p. 316 N. 118: GapdiToXic; p. 320 N. 10: CuttoXic. 3> in Rhodos ClGr. 
in p. VIII X. 160: ApcmoXioc und C. R. 1869 S. 197 N. 24. 25: Gapci- 
it6X(ioc). 4) 8. unten die allgemeiuen Bemerkungen zu den knidischeu 
Henkelinschriften. b) CIGr. III p. XIV N. 85: 'Apicror^vcuc, A. D. p. 807 
N. 42 ": 'ApiCTOT^vnc. 6) A. D. p. 277 N. 37*; p. 329 N. 6: 'ÄTiac Kai 
'ApiCTOT^VTic, A. I). p. 329 N. 5 und 8: 'Ayia Kai 'ApiCTordveoc. 7) A. D. 
p. 328 N. 2, p. 330 N. 11. 8) CIGr. III p. XV N. 110, A. D. p. 294 N. 
146. 146: Adxnc- €öii6Ae|üU>c 9} A. D. p. 381 K. 6. 6: 'hyhpm AdxnToc 



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aus dem südlichen Russla&d. 



19 



III. Thasisclie 1 leukelinschriften. 

Nr. 1. <TfiNAM Bdxuiv, signnm Kertsch. Br. 

CD ^ *A|y^p((iuv), incer- 

N Q (OocQufv. tuiL 

In der lütte des von den Bnclistaben gebildeten Oblongams 
unbekanntes Instrument^) oder QerStb.^ Von den beiden Eigen- 
namen findet sich der erstere gewiss,') der zweite wabrscbeinlich^) 
auf einem schon bekannten Henkel ans Thasos. 
Nr. S. 0. > *Hpa(KX€{biic) oantharos. Kertech. Br. 

Z e 9odo(v). 
0 > 
l3 

Der abgekürzt gegebene Eigenname kOnnte Tervollständigt 
'Hpa(KX€fbT)c) lauten, wie unten.^) Statt 6oduiv ist Gadov^) ge- 
schrieben, wie fllr Kvtbituv meistentheils Kvibiov. In der Mitte der 
Buchstaben ein cantharus^ 



Nr. 3. eAZIQ . 

KAEITO . 
In zwei Exemplaren. 
Kr. 4. OAZIQN 



. AETT . . 
Kr. 5. 6AIK2N 



0adtü(v), 
1 

KX^T0(c). 
Oaduiv, 

e 

(K)XdT(oc). 
Qoduiv, 



Kertsch. Br. 



Keztaefa. Br. 



Kerttch. Br. 




KXCITOC. 

Der in N. 3, 4 und 5 zwischen den beiden Zeilen stehende 
Buchstabe, welcher beim Eigennamen KXeiTOC hald ein T^), bald 

bald E"0, bald g^^), bald 1^=^), bald 0'-'; und bald K^*) ist, 
kann für ein auf die Person des KXtiTOC bezügliches Zahlzeichen 
gelialten werden, und dieser Vermuthung widerspneht nicht das auf 
einem Stücke erscheinende M^"**), weil dasselbe auf jenem Henkel 
ein verkehrt gestelltes Sigma (C), und also der in der Inschrift 
fehlende letzte Buchstabe vom Nameu KX£iTo(c) zu sein scheint. 

1) C. R. 1859 S. 141 N. 4. 5. 7. 2) C. R. 1869 S. 202 N. 78. 79. 
:ri B. B. I 8. 435 X. 5. 4) C. R. 1869 S. 202 N. 72. 6) N. 6. 
Ö) wie C. R. 1859 p. 141 N. 2. 3, A. D. p. 69 N. 54. 7) C. R. 1869 
S. 202 N. 67—71. 8) wie hier N. 3. 9) C. R. 1869 S. 206. III 

K. 10». 10) C. B. 1800 8. 13S III N. 10. 11) wie hier N. 6, ein 
Stigma. 12) C. R. 1860 S. 93. B. N. G, 18C7 S. 206 II N. 8. 13) C 
R. 1867 S. 206 11 N. 9, 1869 S. 205 III N. 103. 14) Mac Pherson 
Antiq. of Kertcb pl. XI lU 2. 16) (J. 1869 S. 206 III N. 104. 



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20 P* Becker: Ueber eine dritte Samml. imedierter HenkeUnschriften 



Nr. 6. KTECI . . KT(Ti)ci(ac), Eeriscb. Br. 

QfKVQ . 0aduj(v), 
HPAKA 'HpaKX(eiönc). 

Für die richtige WiederhersteUmig beider Eigennamen, des 
einen dnreh KTT|dac/*) des andern dnreh 'HpaKXeibric/^) spricht 
deren mehimaliges Vorkommen auf andern thaaisohen Henkehi. 

Nr. 7. l.aA A€(ui)T(6pnc), Kertsch. Br. 

I>A6 eod(u>v), 
Y<)Y3 €OfM&(aXoc). 

Ob die beiden abgekürzten Eigennamen, und zwar der erste 
durch AeuJTOpric ) oder Aeoi fopac^^), der zweite durch GupuaXoc^^) 
oder GupudvaH''j zu ergtinzeu seien, miiss uueutbchieden bleiben. 

Nr. 8. AEQ A€uj(T6pnc), Kertach. Br. 

OAIIQ Oaduj(v), 
OEIAir <t)6(öiir(Troc) 

Ueber Aeuj^opric oder Acurfopac sieh oben*^. Der Name <l>€i- 
bmiTOC erseheint hier zum ersten MaL anf einem thasischen Hen- 
kel, wenn nicht auf einem andern der nnvollstftndig erhaltene 
Name*') auch dorch Oeibimroc zn ergänzen ist. 

Nr. 9. AEfir. A€iiiY(6jMf|c), Keriech. Br. 

OAZIQ. OocMv), 
<MAfi. 0(Xuf(v). 

Ueber den ersten '"^^J, sowie über den zweiten" j Eigenuameu 
sieh oben. 

Nr. 10. ME McYa'KXfic), folium. Kertsch. ür. 

•"Ae 

In der Mitte der Inschrift ein Blatt, dessen Stengel nach rechts. 
Ein ähnliches Abzeichen bei Dumont*^. 

Nr. 11. MNHME Mvnii^(ac), EertBch. Br. 

eAZIfi daduj(v), 
<l>ANO 0avo(KXf\c). 

Die Vervollständigung des ersten Eigennamens durch Mvrmeac 
habe ich schon früher vorgeschlagen, und eine solche wird für 



16) B. B. I 8. 436 N. 11, C, R. 1869 S. 205 III N. 105. 106. 107. 
17) C. R. 1869 S. 141 B. N. 7, 1868 8. 123 II N. 4, 1869 8. 900 Hl 
N. 61. 84. 96, B. S. V S. 404 N. 10. 18) B. S. V S. 465 Nr. 13. 19) 
C. Ii. 18G9 S. 206 III N. III. 112. 20) C. R. 1869 Ö. 201 fo\g. III N. 
72. III. 114. 116. 21) C. R. 1869 S. 203 III N. 86. 29) N. 7 uud 
B. 8. y 8. 466 N. 18. 28) C. R. 1869 8. 901 III N. 71. 94) N. 7 
und 8. 26) B. B. I S. 437 N. 19, B. 8. Y 8. 464 N. 9a). 96) pl. 
VII N. n, 27) B. 8. V 8. 465 N. 14. 



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tau dem sfidlichai fionUmd. 21 

0avo(KXfic) am ao wahrscheinlicher, als der fttnfte Buchstabe auf 
aadem Stflcken ein K ist*^). 

Nr. IS. XAPQ Xdpujv, Kertech. Br. 

6A£ eac((wv), 

ep ep(dcu)v). 

Es findet bich sowohl der erste Eigenname'^), als auch der 
zweite^) scheu auf andern thasischeu I^enkeln. 

Nr. 18. XAPQ Xdpuiv, Eertoch. Br. 

eAII eac{(uiv), 
XATY ZdnKpoc). 

Uebcr XdpuJV sieli die vorhergehende Nummer uud über Zd- 
Tupoc: Stephan!^*) und Dumont^^j. 



lY. Henkelinschriften unsichem Ursprungs. 

Nr. 1. ATA ''A(p)aTOC, phaietra. Olbia. Br. 

o 

M 

Das einrt walirsoheiiilicli von den Baehstaben gebildete Ob- 
longiim, mit einem Kodier in der lütte , erinnert, obgleich nur znr 
Hllfte erhalten, an die thasisohen Stempel, zn welchen das vor- 
Bßgende StUok jedenfiüls gehören wflrde, wenn sich in den beiden 
offenen Seiten Spuren von der Beiscbrift Oadufv finden sollten. Der 
Name "Apcrroc ist» soviel ich weiss, anf andern Henkeln nodh nicht 
Torgekonmien. 

Nr. «. AAKIMC "AXki^oCc). Kertech. Er. 

Der im Nominativ oder Genetiv zu rei>taurirende Name *'AXki- 
^oc ist auf Henkeln gleichfalls neu. 

Nr. S. ANTIMAXOY *AvnMdxou. cadnoent. Olbia. Br. 

ünter dem Namen — ein horixontal liegendes Eeiykeion, mit 
der Spitw nach rechts, üeber die Bedentang des Namens and den 
rhodisehen'Ursprnng des Stückes sieh meine Bemerkung zu einem 
gleiehen Exemplare bei Dumont^). 

Kr. 4. ANTI 'Avn- Olbia. Br. 

0IAOY 9ÜU>u. 



28) C. R. 1867 S. 207 II X. 12, 1868 S. 123 II N. 4, 1869 S. 207 
II N. 12. 29) C. R. 1869 8. 20r. III N. 117, B. S. V S. 466 N. 18 

▼exgL die folgende Nummer. ao> C. K. 1869 S. 20U folg. Iii N. 62. 
70. 80. 100. 118. 116. 31) C. B. 1S69 8. 801 folg. UI N 68. 76. 76. 
8S) A. D. p. 67 N. 88. 88a. 1) A. D. p. 81 N. 87. 

^rXi « * 

^ Of TMt A 

l UNIYERSITY ) Digitized by Google 



22 Becker: lieber eine dritte Samml. unedierter Henkelioschhften 



Aehnliche Henkel sind schon früher^) in Olbia gefunden 
worden. 

A 

Nr. 6. APlITAPXoY 'ApiCTdpxou, aäteri>ci, Olbia. Br. 

£ 

An den vier Ecken sechsstrabligc Stemchen, von denen sick 
der obere, aof der rechten Seite, nicht erhalten hat Dnmont') 
hftlt ahnliche Stfioke fttr rhoäisch, wBhrend Franz^) dieselben noch 
sn den unbestimmbaren rechnet. Die yereinzelt Aber und unter dem 
Namen stehenden Buchstaben A und Z fehlen anf den Exemplaren 
Dumont's, finden sich aber bei Franz ^ anf einem Stflcke ans Si- 
oUien. 



Nr. 6. EniAPI 


ini Api- Olbia. Br. 


ITEIAA 


CT€{fca. 


Mit Bezug auf andei 


tr [{pnkel^) kann der vorstehende für einen 


rhodischen gehalten werden« 


Nr. 7. APirrSNOZ 


'ApfcTttivoc. Olbia. Br. 


Da der Name ^Apicruiv Öfters^) Ton rhodischen Magistrats- 


personen geführt wird, 


so hat ihn Franz^ auch den rhodischen 


Fabrikant^ zuerkannt, 


in welcher Bedeutung er auch hier ge- 


braucht ist 


Nr. 8. EHIAPICT 


M 'ApiCT- Olbia. Br. 


«NIAA 


wviba. 


Nr. 9. AirA 


'AcTra- Eertech. Br. 


110 


cio(u). 


Nr. 10. I5A 


Olbia. Br. 


3 3N 




AAI 





Nr. 11. rOAHMOY .oöifiMou. Olbia. Br. 

Aus der mir zugekommenen Copie ist nicht ersichtlich, wie 
viel Buchstaben zu Anfang fehlen, und ich enthalte mich daher 
jeder Gonjeetur. 

Nr. 12. .AMATPloY (A)a,uuTpiou. flos. Kcrtech. Br. 

Derselbe Name, aber mit anderem Abzeichen (|)iiüi Dioäc) bei 
Franz 

Nr. 18. EYAPX * €dapx(oc) Kertach. Br. 

OAieH 



2) H. H. I ]). i:5S X. r, 8, B. S. IV 8. 461 N. 4. n) p. 82 N. 42. 
45 — 46 und luoine Benu rkungen zu diesen Stücken. 4t ClGr. III p. 
XVil N. 21—23. ö) a. a. 0. N. 21. 6) B. S. V Ö. 467 N. 8, A. 
D. p. 88 N. 60—5«. 7) CIGr. m p. VIII N, 188—142, B. S. V 8. 451 
N. 18, A. D p. 86 N. 71. 8) CIGr. DI p. VUI N. 148. ») CIGr. 
UI p. XVU N. 88. 



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auB dem südiiciien Kussland. 23 

Nr. 14. Ifinr Zumö- Olbia. 6r. 

PoY pou. 

ÜT. 15. OiMA ' cadaceus. Olbift. Br. 

Wenn die Stücke mit IMA und einem unter den Buchstaben 
borizontal liegenden Kerykeion, mit der Spitze nach rechts, schon 
früher**') den rhodischen Henkehi beigezählt worden sind, so kann 
anch der vorstehende, auf welchem vor dem abgekürzten IMA no6h 
ein Boohatabe angegeben wird^ aus Bhodos stammen. 

Nr.ie. AABPO Acißpo(ß(uiv), Kerbich. Br. 

APST 'Apfcnuv. 

Nr. 17. .ABPO Aapp6(bo|ioc) Eertach. Br. 

KAE . . KX^uiv). 

Die erste Zeile der beiden vorstehenden Stücke könnte nach 
andern**) Henkeln durch Aaßpoßiujv oder Aaßpöbaiuoc, die zweite 
dagegen in dem ersten Stempel durch *ApicTUüV ^^), in dem zweiten 
durch KXeuJV oder KXtuuvoc ergiiuzt werden. 

Nr. 18. MIVAIÖN Mvdciuv Kertsch. Dr. 

Nr. 19. MOCCO (N)6ccoc, Kertsch. Br. 

liAYKÖ AÜKUi(voc). 

Der ersie^) nnd der zweite Name findet sich schon auf an- 
dern Henkeln. 

Nr. 20. rom(AH . .rbcou Olbia. Br. 

Nr. 21. NYIIOY (Aiü)vuc{üu Olbia. Br. 

Nr. 22. OAIMITOY 'OX(u))iTiou. fax. Kertsch. Br. 

AehnUehe Henkel sind schon frtther^) vorgekommen. 

Nr. SS. 2ENAPE Sevdpe- Eertsch. Br. 

TOGTOTA Toc, TToxa- 

MOKAHC \xokKf\c 

EcvdpeTOC erscheint als Eigenname des Magistrats aal" mehre- 
ren rhodischen Henkeln ^^), während TToTaiiOKXnc ein noch neuer 
Name zu sein scheint 

Nr. 34. (dcTuvöjiiou) Kertsch. Br. 

TAPK TTapic(dbouc), 
PPYTAr npüTdv(ioc). 

Einen gans tthnüchen Stempel mit jttngerer Schrift hat Stepha- 



10) 8. ]]. S. V S. 4:)4 N. .'{3. in CiCir. III p. XVIII N. 118, p. 
XIX N. 119, vergl. ß. B. I S. 441 N. 42. 43, C. Ii. 1866 S. 219 N. 58. 
12) oben N. 16, C. E. 1869 S. 215 N. 210. 13) B. S. V S. 465 N. 13, 
C. R. 1869 8. 816 N. 210-~SU. 14) C. B. 1869 8. 816 N. 880. 15) 
B. S. IT S. 462 N. 16, B. S. V S. 470 N. 32. 16) CIGr. III p. XI 
N. 845. 346, Stephaui Antiq. 11 inscript LXXiX N. 12, A. D. p. 103 N. 
1—206. 



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24 Becker: Ueber eine dritte SammL onedierter Henkelinschriften 

ni*') durch TTa(i)pic(dbric) TTpuiavic vervollstiindigt , aUein in der 
Voraussetzung, dass eine obere Zeile mit dem Worte dcTUVÖjiOU ab- 
•^febrochen oder verwischt sei, würde vielleiclit riclitiger TTapicd- 
bouc^*^), TTpuidvioc^'') zu lesen und in TTapicdönc ein Aßtynom, in 
TTpuiavic ein Fabiikant zu erkennen aeiu, 

N.26. B2KPATEYZ luncpdreuc fax. Olbia. Br. 

Ganz gleiche Stttöke sind sohoii fimier") bekannt und sdidnen 
Bfinuntlieh, da sich derselbe Name and dasselbe Abseiclien (eine 
brennende Fackel mit dem Teller, welcher die Hand sohtttien soll) 
auf einem zweifellos rhodischen Henkel vorfinden ^^), aach ans 
Rhodos zu stammen. ^ 

Nr. 86. ^TEXN T^Xv(iuv) Olbia. Br. 

Das gegebene Abzeichen könnte die Fabriksmarke des Fahri- 
kanten T^xvujv gewesen sein, welcher Name, in gleicher Bedeutung, 
auf einem knidisohen Henkel'*) gefimden wird. 

Nr. 27. Erm ttd Tt- Kertsch. Br. 

MAPXqT Mdpxou. 

Nr. 28. «DIAAINIOY 0iXaiv{ou. Kertsch. Br. 

Der Name <t)iXaivioc") spricht für den rhodischen Ursprung 
dieses Henkels. 

Nr. 29. XPHCT X^f^croc Kertsch. Br. 



y. Mit Mai'keu bezeichnete Henkel. 



Nr. 1 




Nr. 2. 




Kr. 3. 




ans Kertsoh. Br. 



ausKertoob.Br. 



Nr. 4. 




ans Olbia. Br. 



Nr. 5. 




Nr. 6. 



q A X 



aus Olbia. Br. 



aus Olbia. Br. 



17) C. R. 1861 S. 176 N. 6. 18) B. S. IV S. 482 X. 35*. 19) 
B. S. V S. 487 N. 47* und unten VI. A. :N. 21*. 20) ClGr. III p. XIX 
N. 180, St Antiq. T. IT Inscript. LXXIX N. 56, B. B. I S. 44S N. 68, 
A. D. p. 109 N. 245. 21) B. B. I S. 426 N. 68. 22) A. D. p. 855 
N. 1. 28) B. S. V S. 471 N. 48, A. D. p. III N. 868-260. 



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aus dem südlichen KuBsland. 



25 



VI, Inschriften ani Henkeln imd Ziegeln mit Angabe 
des Wortes ii$tw6itav oder ifftvpoiiovvtog. 

Wie ich in meinen früheren Abhandlungen über die Henkelin- 
schriften aus Südrussland die mit acTuvö^ou oder dcTuvo^oOvTOC 
bezeichneten Stücke, je nach der Stellung dieses Namens , der ent- 
weder zu Anfang oder am Ende oder auch in der Mitte der Inschrift 
steht . von einander geschieden habe , so werde ich auch dieses Mal 
die di'ei angenommenen Unterabtlieilungen beibehalten, werde in 
jeder die dahingehcirigen Stücke alphabetisch aufführen und ihnen 
diejenigen Stempel beifügen, welche Stephani, nach dem Erscheinen 
meiner letzten Schrift über eine zweite Sammlung unedierter Henkel- 
inschriften aus dem südlichen Russland (im fünften Supplement- 
bande der Jahrbücher für classißche Philologie S. 447 — 536), in 
den comptes-rendus de la commission imperiale archtologique pour 
las arttices 1867 — 1869 veröffentlicht hat. Dabei werden die auf 
Ziegel gesetzten Stempel durch ein den einzelnen Nummern beige- 
fügtes Sternchen bezeichnet. 



A) Inaciliiiftoii auf Henkeln und Zlegelii« in denen das Wort 

döTvvö^ov oder dözvvo^ovvtog zu Anfange steht. 



Kr. 1. 


. CTYNOMOY 


(d)CTUVÖ|L40U 




Kertsch. 




\TTAAOY 


('A)TTdXou, 


jnveiii- 


C. R. 1867 S. 




. lAOKPATOY 


(0)lXOKpdTOU(c). 


le. 


207 K. 14. 


Nn 8. 


htrmomr 


dCTWÖ^OU 


Caput 


EerteclL 




ATTAAOY 


'ArrdXou, 


jnreni- 


Br. 




0IAOKPATOY 


<l>üU>Kpdtou(c). 


le. 





Dieselbe Inschrift und, rechts von ihr, dasselbe Abseichen — 
ein nach ünlcs gewendeter jugendlieher Kopf mit herabwallendem 
Haar — findet sieh aneh bei Stephani^), und beide, ans Kertsch 
stammenden Exemplare scheinen einander so Shnlich zu sein, daes 
sie beide von ^em nnd demselben Stempel herrtthren konnten. 
"ArroXoc ist hier, wie auf allen Mheren Stucken') der Name des 
Astjnomen, wihxenct der Fabrikant, wie anf mehreren andern Hen* 
kein"), OiXoKpdrnc heisst Die Wiederholung desselben Abzeichens 
anf allen Stileken, auf welchen der eine Name"ATTaXoc, der an- 
dere bald <MXu>v*), bald Ir^qMXVOC*) und, wie hier OtXoKp&rnc 
ist, beweist offenbar, dass dasselbe nur auf den Astjnomen "At- 



1) C. B. 1867 S. S07 N. 14. S) B. B. I 8. 488 N. 4, B. 8. V 8. 

496 N. 6. 7, C. R. 18G7 a. a. 0. 3) 8. B. S. V S. 484 A. N. 36, S. 
496 C. N. 9, C. K. 1867 S. 207 N. 14, 1869 S. 208 N. 128, S. 20« N. 
132. 4) C. B. 1861 b- 176 N. 4. 6) B. S. V S. 496 N. 6. 



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26 P* Becker: Ueber eine dritte SammL unedierter HenkeliiiBchrifteii 



Nr. 8. 



Nr. 4. 



. NoEtTHPloY 

ToYNoYMHNloY 

.TAIPIC 

kopyoitoy 
=ey:eioi 

AtTYnOI 



Eerteeh. 
SieiduunCB. 
1867 8.907 
Nr. 18. 

ülbia. Br. 



ToXoc, und nicht auf die verschiedentlioli benannten Fabrikanten 
Bezug haben könne. 

(dcTUv^MOu) Akio- 
('A)v6ecTi)fi(oii fto- 
ToONovMt)v(ou, Uon. 

(dcTUvö|Liou) Ceres 
(B)öpuoc ToO toedife- 
5€0(E)ioc, la. 

*'ACTU(X)0C. 

Tn der mir eingesandten Copie fehlt die erste Zeile wohl nur 
deswegen, weil sie abgebrochen oder verwischt ist. Das rechts von 
der Inschrift ^^egebene Emblem — eine stehende Frau mit zwei 
Fackehi, wahrscheinlich die ihre Tochter suchende Demeter — fin- 
det sich auf einem andern Henkel gleichfalls beim Xnnien des 
Astynomen Böpuc, der auch <lnrt der Sohn des ZeOHic genannt wird, 
aber, nach der Form der Buchstaben, älter als der obigp zu sein 
scheint, üeber ZeOHiC statt ZeöHic s. Benseier '). Der Name des 
Fabrikanten ist zweifelhaft, weil der dritte Buchstabe nicht mit aller 
Sicherheit ein T ist. 



Nr. 6. A^TYNo 
AltXINoY 

Nr. 6 OYN 

. OCAHMHTPlOY 
. OYHPOZENOY 
KAFAINE'^"»^ 

Nr. 7. EPIEArOY 
AtTYNO 
. AAAKGE 

Nr. 8. . . HENA 
ATTY 
NEOMH 



dcTuv6(jyu>u) 

Alcxivou, 

liuaa. 

(dcn)vo|yi)oOv- 



Kertsch. Stephani. 
C. &. 1869 S. 207 N. 
118. 

Eertsclu Stephani. 



(t)oc An^nTpCou C. E. 1869 8. 807 



(t'ioO 'Hpokvoti, 
KXcoiv^u. 

^irl '6X110O 

dcTuv6(|iou), 

(K)aMUcM(vnc) 

iirt)\ '€Vb(fmou) 
dcn}(v6|UK>u) 



Nr. 119. 



uYa 



Kertsoh. Ste- 
phani C. B. 1888 
8. 184 N. 6. 

aquila Olbia. Br. 
dalphino 
inrideos. 



N€o^fi(v(ou). 

• Die von mir für die erste Zeile voi'geschlagene Conjectur wäre 
zu gewagt, wenn nicht ein ähnlicher Henkel^) mit demselben Xamen 
und demselben Embleme bereits vorläge, aber freilich mit dem 
Unterschiede, dass dort die hier gegebene zweite Zeile, cicTufvöuou), 
ganz fehlt, üebrigens liegen für die eine und die andere Fassung 
schon mehrere Beispiele '''j vor, zu denen jetzt noch neue**') hinzuge- 



6) Steph. B. II S. 212 N. 14. 7) Wörterbuch der gr. Eigenna- 
men I S. 1031. 8) B. 8. y S. 479 N. 14. 9) 8. meine Bemerkun- 
gen zu 8. V 8. 478 N. 18^ 10) 8t. C. B. 1868 8. 184 N. 6: iirt "CX- 



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auä dem äüdiichäu KuätthuiU. 



27 



komiuen sind. Ueber die Bedeutung des Abzeichens und den Ge- 
brauch der Pl^position habe ich schon früher*') gesprochen. 

Nr. 9. EHIFI AH ^til '€(v)öi/|(mou), aquiladel- EerUch. 

TIMfiPio^ Ti^Uipioc phino inrident. Br. 

Auf einem Ziegel aus Olbia^ ist, grade umgekehrt wie hier, 
die ersle Zeüe dieses Stempels besser nnd YoQstSadiger als die 
zweite erhalten, so dass an der Biehtigkeit meiner VervoUstlndigung 
nicht sa zweifeln ist. Einen Fabrikanten Tijiujpioc treffen wir aneh 
auf einem andern Henkel. 

Nr. 10. 



Nr. 11. 



Nr. 18. 



Nr. 13. 



El . KPATEo 


'€(m)KpdT€o(c 


:), aquihl 


Eertsch. 


EriAroAA 


^iri AttoXX- 


delphino 


in- Stephani. 


OAQACTY 


oö(i()(pou)dcTu(vö^u) aide 


ns ( '. R. 1869 








S.207.N. 121. 


. . . INoMoY 


(dcni)vÖMOU 


eqnna Kertsch. Stepha- 


HPAKAEIAoY 


'HpaicXeibou 


citato ni C. B. 1868. 


ToYMIKPioY 


TOO MtKpiou, 


cvnn 


S. 184 N. 7. 


tmuxz 


Mvfjac 


corrent. 




.... NOMOY 


(dCTU)vÖ|iOU 


vir baiba- - 


Kertseh. 


HPAKAEIAOY 


'HpaKXcCbou 


tut et 


Stephani 


TOYMIKPIOY 


ToO MiKpiou, 


pollia. 


0. K 1867. 


. . . AICOENI 


(KaX)XtcMv(nc) tos. 


S. 807. N. 15. 


AITYNOMOY 


dCTUVÖUOU 


mulier 


Eertsch. Br. 


HPAKAEIAOY 


'HpaKXeiöou 


ätans ex 




TOYEPTP . OY 




adverso. 





Bei der mangelhaften Erhaltimg der dritten Zeile und den, ¥rie 
es seheini, nnriehtig gelesenen Buchstaben ist eine sichere Wieder- 
herstellung des Patronjmicums unmöglich, allein da das £mblem — 
eine aufrechtstehende Figur, en face — auf drei Henkeln**) aus 
Olbia, beim Namen des Astynomen Heracleides, mit dem hier ge- 
gebenen tibereinstimmt, so ist es möglich, dass auch hier in der 
dritten Zeile TOÖ *EKaTai'ou, und in der ganz verwischten vierteu 
der Name eines auf jenen Henkeln angegebenen Fabrikanten (Kirj- 
culv oder 'AnoroOptoc oder 'Enix^p^ioc) gestanden habe. 



Nr.U. AXTYNoMoY 

oHPIKAEoYSToY 

AroAAQNloY 

PYoHI 



dcTuv6jiiou canis Kertseh. 

eripticXioiic ToO ad des- Stephani. 

*AiioXXuiv(ov, tram C.B. 1869. 

nOOnc. cnnens 8. 808 N. 188. 



TToO dcTUv6^ou, KctXXicB^vric, 1869 S. 207 N. 121: 'CTTiKpdTCOC, iirt 'AiroX- 
Xo&uipou. 11) Ii. S. V S. 47H N. 13*. 12) a. a. 0. 18) St C. 
K. 1859 S. 142 N. 21. 11) Ü. B. 1 S. 466 N. Ii). 20. 21. 



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28 P* Beokttr: üeber eme dritte SammL onedierter Henkeluisclirilteii. 



Nr 16 NoMoY 

oHPIKAEoYTToY 
AT . . AfiNloY 
01AHMfiN 

Nr. 16a. • 

, tTlAloY 

. . TEMIAQPoY 



Nr. 16b. 



I^TIAIOY 
K1NS2AI0^ 



(dCTV)v6|A0U 

6r)piKMouc ToO 
*AiroXXufviou, 

0lX!f||MUV. 

(dCTUVÖMOU) 

('l)cTia{ou, 

('Ap)T€|IlbUipOU 

(dcTuvüuou) 

'IcTiaiou, 

KiviüXioc 



canis ad Eertsch. 
deitram Stephani. 
correns. C. R. 1869. 
S.808.N.1S8. 

Eertech. Stephan!. 
C. K 1869 8. 208. 
Nr. 184. 

Kertsch. Stephani. 
C. B. 1869 S. 208. 
Nr. 127. • 



Nr. 16 NOMOYNTOI 

. . . POAaPoYTOY 

. . . MrroY 

. . ly^EKPIToI 



(dcTu)vo|M>OvToc ftel- Olbia. 
(MnT)pob(6pou ToO la Br. 
(*Aeii)v(iniow, 

(Mc)V^plTOC. 

Ein Astynom Mr)Tp6biupoc erachmnt hier zum ersten Mal, 
während dessen Sohn oder Verwandter 'AOifivtinroc MriTpobuipou 
schon früher vorgekommen ist» aber das Famüienwappen des Einen 
und des Andern ist — ein Stein. Der Fabrikherr seheint den noeh 
nieht bekaimten Namen Mev^xpitoc za ftlhren. 



Nr. 16a. 



Nr. 17. 



. . NOMOY 
H^IKAEOYC 
. . KPATOYC 



(d[CTu)vö|aou 
(Mv)nciKX^ouc 

(0lXo)KpdTOUC. 



uva. Kertsch. Ste- 
phani. CR. 1869. 
8.208. N.128. 



IXAPoYToY 
HTPloY 
. PloZ 



Olbia. Br. 



(äCTVVÖ^OU) 

(TTac)ixäpou to6 
(Aim)tiTp(ou 
T . . . PloZ T(i^)pioc 

Unter den mit x<i^P^ zusammengesetsteui auf X^HC ausgehen- 
den Namen giebt es nur wenige, welehe neben dem gewöhnlichen 
GenetiT auf ouc noch einen andern anf ou haben, z, B. ^r||yu>x^4nic, 
AruLiox&pouc nnd Afifioxdpou, Aax^fic Aox<&pouc nnd Aax^u; 
za diesen wenigen gehört auch TTacixdpiic, von welchem Namen anf 
den Henkeln mit dcruvö^u der Oenetiv bald TTacix^uc^), bald, 
wie auf dem vorstehenden StOoke, TTaax<ipoii ") lautet. Statt des 
sonst beim Astynomeu TTacixotpi|C gewöhnlichen AbiDeiohens — einer 
aufrecht stehenden Fackel — wird hier dessen Patronymioum an- 
gegeben. Ueber den Fabribuiten Tifiiiiptoc s. oben ^^). 



16) Stephani M^l. Bd. II 8. 18 N. 4. C. R. 1865 S. 214 N. 22. 
16) B. S. IV. S. 482 N. 36, S. V S. 507 N. 43. 44. 17) B, B. 1 S. 493 
N. 8, B. 8. 14 S. 471 N. 34 S. 477 N. 10, S. 482 N. 37. 18) nur ein- 
mal (B. 8. IV. 8. 471 N. 34) ein caduceus. 19) N. 9 und B. 8. XV 
8. 47i N. 11* 8. y 8. 478 N. 18*. 



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aus dem südlichen BuBsland. 



29 



Nr. 18 

APXlAoY 

. . . APHMANToY 

Dasselbe Abzeichen 



(dcTwo^oOvToc) figura 
(nX€iCT)apx(6ou viri 
('roO)AiTr)MdvTOu, stantis. 
oc 



Eertsch. 
Br. 



eine aufrecht stehende , zur Linken ge- 
wendete Figur — kommt beim Astynomen TTXeiciapxiöric toO *A7rri- 
McivTOU schon auf einem andern Henkel vor, auf welchem der 
Fabrikant Zd^apic heisst. Hier führte derselbe einen anderen, auf 
OC ausgehendeu Namen, der sich aber nicht näher bestimmen lässt 

Nr. 19. ACTYNOMOYN ActuvomoOv- capvt bor^ KettMli. 

TOGTOAYKTO toc TToXAiero- batom StephanL 

POCTOYAHMH poc toO AnMn-- exadyeim. CR. 1869 

TP . . AINETOY tp(Ooii, K(Ai)atv^öu. 8. 209 N. 180. 

Nr.fO. . ETYNO (d)cruv60iini) Kertiali. Br. 

. OlBAOmr (TT)ocetftafvtou. 

Ueber den Astynomeii TToceibilivioc s. meine frühere Schrift '°). 

Olbia. Br. 



Nr. 81* KEPAMEfiC 

PPYTANIorrOY 
eEoTTPoTT . . 
AtTYNOMOY 
no<IAEIoYT . . 
IM>AirroAQPoY 



TTpurdvioc toO 
Oeoicp6ir(ou). 
dcruvÖMOU 
TToabctou t(oO) 

'H^OlCTObllipOU. 



Die vorstehende sehr wichtige und interessante Inschrift findet 
sich auch auf einem andern Ziegel und scheint zweites Exem- 
plar desselben Stempels zu sein. 



Nr.«. . CTYNOMOY 

noooc 

KE0AAI . N 

Nr. 23 

TOmPOA 

TOYMIKOY 

AHOAAoAQ 

Nr. 24. AlTYNoMoY 
rrooKAEoY^ 
KAAAlCoE 
N . . 

Nr.J6. . . . YNOMOY 
PYOOKAEOYC 
0IAOKPATOY 



mL Eertaeh. Ste- 
phani. 0. R. 1869 
S. 809. Nr. 199. 



Kertsch. Ste- 
phaoi. C. B. 1869 
8. 809. Nr. 181. 



(d)cTUv6M0U 
TTöcioc 
Kcq>aU(ui)v. 

(dcTuvonoöv)- 
Toc TTpoX(dou) 
ToO M(kou, 
*AiroXX6bui(poc). 

dcTuvÖMOu Caput Kertsch. Ste- 
TTuBokX^ouc, barbotom. phani. C. R. 
KoUtcO^ 1867 S. 207. 

v(nc). N. 16. 

{äctyiv&pm capnt Kerlaoli.Stepha- 
TTuGoKÄleuc, Sal^ii ni. CR. 1869. 8. 
<piXoKpdTOU(c).barbataiD. 809 N. 188. 



20) B. S. V p. 486 N. 40. 21) B. S. V S. 487 2s. 47*. 



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30 ^- Becker: Ueber cioe dritte Samml. uucdierter HenkcIiiiBchriftcu 

Nr. 26. 

. . TYNoMoYN . . . (dc>TuvofioOv(oc) vas. Eerlech. Br. 
. . E0ANoY (rT)€q)ävou. 

Da der Xame Zitcpavoc auf ulU n lüerher gehörigen Henkeln^') 
und auf einem Ziegel ^''^) dem Fabrikanten augeliört, hier dagegen 
. einem Astynomen /ukommt, so glaube ich annehmen zu dürfen, dass 
auf diesem Stücke eine obere Zeile mit dem wirklichen Kamen 
der Astynomen verwischt oder abgebrochen sei. 

Nr. 27. ACTYNOM dcnjvÖM(ou) Ceres Kertach. Br. 

<t)AINirOY <t>aivi(Tnn)), taedi- 

KTHC Ktticiuv. fera. 

Der hier genannte Astynom <l)aivi7TTroc wird, wie ans der ver- 
schiedenen Schrift ersichtlich, weder ein Zeitgenosse eines anderen 
0a(viinTOC ToO TTacix<Äpou(c)^), noch auch dessen Verwandter ge- 
wesen sein, weil jeder von Beiden sein eignes Emblem hat, nnd 
zwar der Eine eine stehende Figur, welche in der Linken einen 
Schild zu halten seheint, der Andere dagegen die in jeder Hand eine 
Fackel tragende Demeter ^^). Der Fabrikherr KnfjcuiV wird auf den 
Henkeln dieser Abbildung httufig^^) genannt 



B) luschriften auf Henkeln und Ziegeln, in denen das 
Wort dcTuvö|iou oder dcTUVOjüioOvToc am Ende stehit. 

Nr. 1. ArAIlKAE 'Aroaid^Couc) Eertsch. Br. 

AITYN dcniv(öjtiou). 

Der l&me *AYCiciKXf)c konunt aof den nns erhaltenen Henkeln 
mit dcruvö^ou nur einmal'^ yor, nnd zwar als Vater eines Asty- 
nomen, dessen Name nicht mit Sicherheit zu bestimmen ist, der aber 
im GenitiT auf PloZ ausgeht Der dort erwfthnte Vater könnte, der 
gleichen Schrift nach, der hier genannte Astynom 'AYacucXfic ge- 
wesen sein. 

Nr. 2. AMY . TAPOC 'A.uu(v)t(o)poc Olbia. Br. 

ACTYNOMOY öctuvömou. 

Der Henkel gehört wegen des .sicheinirmigen C zu den neueren 
Stücken dieser sechsten Abtheilung und nennt uns, wie es scheint, 
einen iVstynomen, dessen Name in den iStempelu mit dCTUVÖfiOU 
hier zum ersten Mal erwähnt wird.. 



22) B. S. IV 8. 468 N. 17 , 8. 482 N. 87 , 8. 486 N. 46a, B. S. V 

S. 49G N. 6. 28) B. 8. V S. 429 N. 64*. 24) St C. R. 1866 S. 
134 N. 26. 25) a. meine Bemerkung oben, zu N. 4. 26) B. B. I 
p. 486 folg. N. 19. 24. 31. 41 , B. S. IV p. 4GG folg. a\. Vi. 21», B. S. V 
S, 488 N. 48. 27) B. B. I 490 N. 15. 28) B. B. I p. 49Ö N. 25* 
B. S. V 8. 609 N. 49. 60. 



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aoi dem sfldlioben RossUuid. 



31 



Nr. S. MIKOY 



Mficou Kertsch. Stephani. 

dCTUV^M(ou) C. B. 1868 S. 184 



ATTYNOM'^^ 



Nr. 8. 



Nr. 4. .... (»AP 
. . . YNOMO 



. . . . oqMtir gallof . Kertsch. Ste- 
(dcT)uv6M0(u) phani. C. B. 1867 



S. «07 Nr. 17. 

In der enton Zmle kSimte (TTpujT)o(pd(v€oc) oder (TTpujT)o(pd- 
(vouc)^} sn lesen sein. 

C) Inschriften auf Henkeln und Ziegeln, in denen das 
Wort dcTuvöfiou oder dcTuvojioOvTOC in der Mitte steht. 

Nr. 1. ATAeON *ATd6ufv, vaa. Kertecfa. Br. 

AmrNOMOY dcTw6H0U 
APTEMUkfiPOY 'AfrrcKiMipou. 

Das Emblem, ein auf einem Schaft oder Fuss stehendes Ge- 
föss, Shnlich dem oben^ erwittmten — findet sich, rechts, neben 
den letzten Bnchttaben der zweiten nnd drittm Zeile nnd bezieht 
sich auf den Astynomen *ApT€fiibujpoc^), aber nieht anf den Fabri- 
kanten 'At^Öuiv"). 

Nr. 2. . PlIToKAEoYI ('A)pictokX^üi.c bos Kertacb. Br. 

AZTYNO dcTiivö('iuou) cornii- 

. oiriAQNloY (TT)oc(f l^uJv(ou. peta. 

Dieselbe Inschrift finden wir auf eiuem Ziegel'*) a\is Olbia, 
auf welchem aber in der zweiten Zeile das Wort dcTuvöfiou ganz 
ausgeschrieben ist; auf der Stelle, wo dort die drei letzten liuch- 
Stäben MOY, steht hier das Abzeichen, ein stossender Stier. 

Nr. 8. rYPTTTo (T)u|i(to(u), KertKh. Br 

AITYNe dcniv6(jioii) floe. 



Der in der ersten Zeile der beiden vorstehenden Inschriften 
falsch geschriebene oder falsch gelesene Name, welcher jedenfalls 
einer und derselbe ist, wird, mit geringer Aenderung der gegebenen 
Buchstaben, entweder rupTiou oder TupiTOU zn lesen sein, und es 
fragt sich nur, welche von beiden Lesarten, die wahrscheinlichere^ 
welche die ikhtige seL loh glaube mich fDr Tuplrou entscheiden 
zn mflssen, weil diese Leeart den yorliegenden Schriftzeichen am 



29) A N. 26. 30) B. S. iV S. 47a ^^ 7, S. 479 N. 20. 31) B. 
8. IV S. 489 N. 12 N, 36, S. V S. 478 N. 2. 82) a 8. V S. 498 N. 
6* und meine Bemerkmig so diesem Stflcke. 



OEYi^Po 
Nr. 4.* nrPfToY 



ATTYNoMoY 
IlNfirifiNOZ 



deubdipo(u). 

(T)Up(TOU, 
dCTUVÖ^OU 

Ztvumiuivoc 



pafbonm Kertsch. Br. 
et 

avifl. 



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32 P' Beeker : üeber eine dritte SammL miedierter HenkeliBichriften 

meisten entspricht und sowohl den Irrthum in der Copie, ab ancli 
den Yerstofis gegen die richtige Orthographie am einfochsten erklftrt 
und entschuldigt; denn in jener hat man heim ersten Buchstaben 
beider Stfleke die YerlKngerung des oberen horizontalen Striches 
ttbersehen, und dieser ist durch die Unachtsamkeit des Stempel- 
sehneiders veranlasst worden, welcher in Nr. 3 den einfiMshen Buch- 
staben T irrthümlicher Weise verdoppelt hat Für die Richtigkeit 
der WiederhersteUung des firaglidien Namens durch TupiTOu spricht 
indessen der Umstand, dass derselbe als Personenname am ersten 
zu denjenigen passt, welche localen Flflssen, — wie Böpuc , "'Icrpuiv, 
ZdTOtpic'^), — oder fremden, den respectiven Personen aber heimischen 
Ländern oder Städten, — wie AdKUiv**), Auböc**), TTidöac**), Zivuj- 
iiCu)v'^ — ihren Ursprung verdanken. Zu letzteren würde auch der 
Personenname Tupinic, obgleich ursprfingUch der Beiname eines 
aus Tyra^) stammenden Auswanderers, um so eher zu rechnen sein, 
als dessen erstes Erscheinen auf einem Ziegel aus Olbia, sowie auf 
einem Henkel ausKertsch einen aenoi Beweis dafür liefern könnte, 
dass die rait dcTuvö^iOü oder dcTUVO|yioOvTOC bezeichneten Amphoren 
aus den Fabriken der im Alterthume in SUdrussland blühenden grie- 
chischen Städte, namentlich Olbia s hervorgegangen seien. Dort kann 
der auf beiden Stücken genannte TupiTiic eine und dieselbe Persönlich- 
keit gewesen sein, während der AstjTiom auf dem Henkel (Nr. 3) — 
6eubujpoc^'^), auf dem Ziegel (Nr. 4) dagegen Zivujttiujv*^) heisst 
Hier scheint von dem doppelten Abzeichen der Vogel (unter den 
Köpfon von zwei Stieren), wie auf dem eben erwähnten Ziegel, das 
Wappen des Astynomen zu sein, so dat^s die beiden Stiere für das 
Emblem des Fabrikanten TupiTr|C gehalten werden müssten. Da- 
gegen erscheint der Name des letzteren auf dem Henkel Nr. .3 — 
wo die Blume, wahrscheinlich ein balaustium, rechts, neben den 
letzten Buchstaben der 2. und 3^. Zeile, doch wohl nur das Wappen 
des Astynomen 6eübujpoc sein dürfte, — ohne jedes specielle Ab- 
zeichen. 

Nr. 6. AlOI . . . Aioc .... coruu Kertüch. Br. 

AZTYNOMOY dcruvöinou copiae. 

ANTTMAXOY »Avrijidxou. 



88) fl. B. B. I S. 618 4) und B. 8. V 8. fiS8. 84) B. B. I 8. 495 

N. 21* 22* B. S. IV S. 485 N. 50, B. S. V S. 608 N. 47* 35) A. 
D. p. 201 N. 249—251. 36) unten S. 43. 37) B. B. I S. 401 N. 16, 
B. S. V S. 483 N. 2<i. 38) Becker, die Gestade des Pontus Kuxinus 
vom Ister hin zum BorYBtheues S. 46 — 53 (in den Memoires der Kais, 
aiehftologischen QeiellfleWt Bd. V imd VI). Die Emwohner roa 1%xa 
werden auf den aatonomen Münzen dieser Stadt mit TYPA, auf den 
Eaisermünsen aber mit TYPANßN bozoichnet, und heiHsen in älterer 
Zeit, aus welcher die Amphoren stammen, TupiTai, sieh Herod. IV, 61. 
89) 6. S. IV 8. 469 N. 28. 40) B. 8. IV 8. 472 N. 89* 



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aas dem sfidliGlieu BuBslAnd. 



83 



Obgleich der Kanie 'Aviiuaxoc einmal gewiss, und zwei- 
mal**) wahrscheinlich einem Astvnomen zukommt, so miiss dessen 
Bedeutung in der vorstehenden Inschrift doch unbestimmt bleiben, 
weil der erste Name nicht mit Sicherheit zu ergänzen ist, und Aioc- 
Koupiba, woran man am ersten denken könnte, auf zwei Henkeln**) 
auch der Name eines Astynomen ist. Ferner giebt das Emblem — 
ein Füllhorn, rechts von der Inschrift und auf den Stücken mit 
dcTOVÖ)nou nur hier vorkommend — auch keinen weiteren Aufschluss 
über die Bedeutung der Namen. 

Ni; 6. AlOY Aiou craninm Xertach. Ste- 

A^TYNOMOY dcruvÖMOu et phani C. K. 1869 

<t>IAOKPATOY 9iX0KpdT0u(c). Hermes, 207 Kr. 120. 

Kr. 7*. TOIAPXErTo. ^ ^ « 

2 > AtoqxivTOu OlDia. Br. 

>. P dcTuvo)ieövTOC, avis. 

" > 'ApxenrörXioc). 

WONJUZVAOJLN 

Ifit Besag auf ein Paar andere Ziegel*^), «ul denen der FUnik« 
lierr emmal TTroXciMtfoc, dae andere Miil Aiovüctoc heieet, nnd anf 
denen, in der lütte des dnreli die Bnohetaben gebildeten Qnadzates, 
bier eine Weintranbe, dort andh dn Vogel als Abieiehen erseheint» 
nnd bei der gewiss ridbtigen Yoranssetaung, dass in einem Staats- 
stempel der Käme des Magistrats vo11«ttodig , der Käme des Fabri- 
kanten, wenn es an Fiats fehUe, abgekürzt gegeben sei — ist Ai6- 
qMTVTOC für den As^ynomen^), 'A(>x^irroXic für den Fabrikberm^ 
in halten. ' Auf die Form dcnivoMeüvTOC, die sieh in der vorstehen- 
den Insehrift snm zweiten Mal vorfindet, habe ich schon frtther^^ 
anfinerksam gemacht. Der den Kopf nach rechts wendende Togel 
scheint ein Babe sa sein. 

Nr. 8. HPfiNYMOY «HpuivÜMm} avis. Olbia. Br. 

ATTfNo dcniv^Mou 
PoZE . . . TTocc(tbttMou). 

Da der seltene Name 'Hpuüvupoc einmal sicher*®), und ein an- 
deres Mal wahrscheinlich einem Astynomen*^), der Name TToceibili- 
vioc aber bald einem Fabrikanten, bald einen Astynomen zukommt^), 
so wäre *Hpiuvu|uoc auch hier für den Magistrat, TToceibuuvioc für 
den Fabrikherrn zu nehmen. Dagegen spräche indessen die, rechts, 
neben den letzten Buchstaben der 2. und 3. Zeile stehende Blume 
— ein balaustiimi — welches sich auf einem andern Heukel^^) bei 



41) St B, II S. 18 N. 16. 42) Steph. B. II S. 210 N. 10 und C. 
R. 1864 8. 243 N. 6. 43) B. S. IV S. 474 N. 9, A. D. p! 141 N. 1. 
44) B. B. I S. 491 N. 18* and B. 8. V S. 497 N. 10* 46) s. Anm. 44. 
46) a 8. IT 8. 476 N. 1, 8. 483 N. 40*. 47) Anm. zu B. S. V S. 
497 N. 10. 48) C. R. 1866 S. 134 N. 21. 49) B. S. V S. 601 N. 
26. 60) B. S. V S. 508 N. 47*. 48*. 61) Stephaui M^L U S. 20 N. 23. 
Jfthrb. t oUm. PhiloU SappL Sd. X. 6 



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34 P* Becker: üeber eine dritte SammL nnedierter Henkelinsclirifteii 

einem Astgrnomen TToccibtIrvioc vorfindet und auch hier, seiner 
Stellung nach, das Wappen dee Poeddonios sein könnte. Hiemach 
ist es xathsam, die Bedeutung der beiden Eigennamen nicht yoreilig 
fest SU bestimmen. 

Kr. 9. . . fiNYMOY CHp)uivi:iMou uva. EertMh. Br. 

. ITYNO (d)cnjvö(iüiou) 
nOIEIAfi TToc€i6ui(v(ou). 

Von dem Henkel Nr. 8 unterscheidet sich der hier aufgeführte 
sowohl durch den Fundort, als auch durch das Emblem, welches eine 
rechts von der Inschrift stehende Traube ist. 

Nr. 10. HOAIITIO 'H(paicT{o(u) arena Olbia. Br. 

AITYNO dcTuv6(Mou), et 

APXEPTO *Apxeirrö(Xtoc). quadiatum. 

Das richtige Verständniss der beiden auf diesem Henkel ge- 
gebenen Namen wird dadurch ermöglicht, dass wir auch hier, wie 
auf den frtther vorgekommenen Stücken^') in 'Apx^irroXtc den Fabri- 
kanten erkennen, und den Namen des *H<paicnoc, welcher sowohl 
unter den Astynomen^), als unter den Fabrikanten^) Torkommt, 
aber öfters auch mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit in 
der einen oder in der andern Bedeutung yerstanden werden kann, 
dem A8t3rnomen Tindiciren, wozu die Stellung der beiden, rechts 
von der Inschrift, gegebenen Abzeichen um so mehr berechtigt, als 
der horizontal liegende und an die erste Zeile sich anschliessende 
Bogen das Wappen des 'Hq>afcTioc, das Quadrat, neben den Buch- 
staben der dritten Zeile, die Fabrikmarke des 'Apx^irroXic tu sein 
scheini 



Nr. 11. ICTIAlO 
ACTYNO 
AlONYClo 

Nr.l8. I< . . AI 

Acnr 

Nr. 18. MNHSKAGOYZ 

AITYNO MOY 



*lcna(o(u) aquila Kertseh. Stepha- 
dcnjv6|io(u) delphino m. C. B* 1869 
Aiovudo(u) insidens. 8.208.N.1S6. 

1c(Ti)a((ou) aquila KertBch. Stepha- 
dCTu(vÖMou) delphmo nl C. B. 1869 
Aibpo(u). insidens. 8. 908 N. 126 

MvtiOKX^ouc um Eertoch. Br. 

dCTUV6jiOU, 



Nr. 14. MN YZ Mv(iiaKX^o)uc uva. Keitach. Br. 

AXTYNoMoYNTOZ dcruvouoüvTOC, 
AHMHTPloY AnunTpiou. 

In den beiden vorstehenden Inschriften wird iu der ersten 
Zeile, da sich die Lücke von hieben Buchstaben iu Nr. 14 durch 

62) B. oben N. 7. 68) B. S. IV S. 409 N. 22. 64) ebend. S. 4G5 
N. 7 b. 56) B. B. I 8. 494 N. 13. 14. 16, 8. 497 N. 85, B. 8. IV 8. 
476 N. 9. 



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ana dem ifidliofaen EumIbucL 



35 



t)CikX€0 vollstSndig ansftlUen ISsst, und da auf beiden Stücken eine 
Weintranbe^') als gem^nfidiaftUches Abzeichen gebraucht isti mit 
grosser Wahncheinlichkeit MvficiicX^ouc zu lesen und darunter, wie 
auf allen bisher bekannt gewcnrdenen Stücken mit dem Namen 
MvnciicXflc, ein Astynom zu erkennen sein, aber ob der Fabxikherr 
anf dem ersten Henkel auch At))iif|Tpioc^), wie auf dem zweiten, 
oder anders"^ geheisscn habe, muss unbestimmt bleiben; dagegen 
ist es kaum einem Zweifel unterworfen, dass die Weintraube, 
welche in Nr. 13, das Wort dcTuvö^ou in zwei Theile tren- 
nend, mitten in der InE^chrift steht, und in Nr. 14 unmittelbar 
unt^r den letzten Buchstaben Yon dcTUVO^oOVTOC ihren Platz hat, 
das Famüienwappen der verschindenen Astynomen Mvt)CtKXf|c ge- 
wesen sei 

Kr. IS*. NESMPITOY N€(o)kp{tou ampho- Olbia. Br. 

AZTYNO . . Y dcnivö(Mo)u za. 

NrfMINI N€UM(n)v((ou). 

Die gleiche, auf einem andern Ziegel aus Olbia wenip^er voll- 
i»tändig erhaltene Inschrift^) giebt zwar keinen Aufscbluss darüber, 
ob in der ersten Zeile wirklich NeuJKpiTOU (NeoKpiTOu) oder nicht 
vielmehr AeujKpiTOu zu lesen sei, rechtfertigt aber auch die Annahme, 
dass man sowohl hier als dort in Neujar|Vioc*'') einen Fabrikanten, 
in NeuuKpiTOC (NeÖKpiTOC) einen Astynomen zu erkennen habe, des- 
sen Abzeichen eine Amphora, rechts, neben den letzten Buchstaben 
der ersten und zweiten Zeile zu sein scheint. 

Nr. 16. rOIIAS2NIOY noc(e)töunriou Signum KertMh. 

A£TYNoMoYNTol dcruvo^cOvroc incer- Br. 

.... KPATOY (0iXo)Kp<lbTOu(c). tum. 

Da beide Namen sowohl unter den Astynomen, als unter den 
Fabrikanten häufig"*) Torkonunen, so ist deren Bedeutung auf dem 
Torstehenden Henkel um so weniger mit Sieherheit zu bestimmen, 
als das Terwischte Bmblem die Entscheidung nicht erleichtert 

Kr. 17*. . . . TAPoPo (Trpuj)TaTÖpo(u) vaa. Olbia. Bt. 

. . TYNo (dc)Tuvö(^ou), 
. . NOri (Ii)vtüirl(u)voc). 



66) B. S. IV S. 481 N. 29, B. S. V 484 N. 83. 84, S. 606 N. 40, 
Stephani C. R. 1869 S. 208 N. 128. 57) Zu den m N. 56 angegebe- 
nen Citaten kommen noch: B. B. I S. 488 N. 82. 83. B. S. IV. S. 481. 
K. so, 8. 60t N. 41 und B. 8. T 8. 484 N. SO-8«. 85. 58) B. S. 

IV S. 471 N. 84, V S. 481 N. 24. 69) z. B. EukXi^c (B. B. I S. 488 

N. 82); noenc (ebend. N. 33), KaXXicB^vric (B. S. IV. S. 481 N. 29. 30), 
•AttoXXuüvioc B. Ö. V S. 483, Adroc (ebend. S. 484 N. 33), OiXoKpdTTic 
(ebend. N. 85). 60) B. B. I S 497 N. 36*. 61) über die Bedeu- 
tmg in dieser Fem des Hamens Ncuufpnoc t. B. 8. Y 8. 604 N. 80*. 
81*. 88) B. 8. V 8. 600 N. 88* uid oben N. 8. 

8* 

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36 P* Becker: Ueber eine dritte SammL unedierter Henkeliuschriften 



Nach andern Inschriften auf Ziegeln" oder Henkeln, auf denen 
TTpuJTaYÖpac der Name des Astynomen, Zivujttiluv der des Fabri- 
kanten ist**), werden beide Niuneu muh in der obi<jfen Inschrift die 
gleiche Bedeutung haben, obgleich auf den angeführten Stücken mit 
dem Namen eines Astynomen Protagoras — - statt eines einhenkeli- 
gen GefUsses, rechts neben den Buchstaben der 2. und 3. Zeile — 
andere Embleme (eine Victoria oder eine Amphora) gewählt sind. 

Nr. 1$. . . ßTAFoPo (TTp)iJUTaTÖpo{i)) capnt huma- Kertseh. 

, . TTNo ((ic)Tuv6(fiou I, num et auimal Br. 

. . TIAß (*Av)Ti(6)a)(pou). incertum. 

ProtagoraSy dessen Wappen der, rechts, unter der ersten Zeile 
nach linka gewendete Kopf zu sein scheint, ist, wie oben^), für 
den Astynomen zu halten. Das zweite Emblem — ein unerkenn- 
bares Thierchen, rechts, neben dem Kopfe — könnte das Abzeichen 
des Fabrikherm *AvTibu)poc sein, dessen Name auf den Henkeln mit 
dcTUVÖ|Liou hier zum ersten Mal vorkommt; aber nach den gegebe- 
nen Buchstaben kaum anders, als ich vorgeschlagen, zu ergän- 
zen ist 

Nr. 19. PYeOKAE«^ nu6oid^ovc) Kertsoh. Stepham. 

ACTYNOMO dcruv6M0((i), C. B. 1869 8. 809. 

tQttOr Ziudbu. Nr. 188. 

Nr. 80. sENlAOY (Xapi)Eevi6ou oaais se- OllnA. 

. . DTNO (dc)Tuv^MOu) dem et Br. 

• . CElAfi (no)cit6ui<v(oii) diota. 

Ein ganz gleiches Stück, vielleicht ein anderes Exemplar eines 
und desselben Stempels, ist schon frtther in Olbia gefunden und von 
mir^ eingehend bespToehen worden. 



Allgemeine und besondere Bemerkungen zu den uns 
überkommenen Henkelinschriften. 

Die bisherigen Untersuchungen*) haben bereits ergeben: l)da8fi 
in Rhodos die zweihenkligen Amphoren auf beiden Henkeln ge> 
stempelt worden seien, 2) dass beide Stempel, zusammen, nur die 
Präposition ini mit dem Namen des fungirenden Magistrats (lepeuc) 
und dem eines Monats, sowie den Namen des respectiven Fabrikan- 
ten des Gefösses enthalten haben, 3) dass, bei der Vertheilung die- 
ser Inschriften, die staatlichen Angaben, wo mö^irlicli, auf den einen 
Henkel, das auf den Ij'abrikanten Bezügliche auf den andern gebracht, 



63) B. B. I S. 488 N. 36. 87* B. S. IV S. 483 N. 40* 40*, B. S. 
V S. 489 N. 51*. 64) B. S. V S. 483 N. 29. 66) t. jN. 17. 06) 
B. S. V S. 611 N. 67. *) B. S. V p. 616 folg. 



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am dem sucUichen Bnmtlftnd 



37 



und das Eine von dem Anderen, wohl nur in Berücksichtigung des 
in den einzelnen Stempeln gegebenen Raumes, getrennt worden sei, 
4^ dass der Monatsname, wenn es in dem Hauptstempel am nöthi- 
gen Platze fehlte, aus diesem in den Stempel des zweiten Henkels 
gesetzt worden und hier bald die erste, bald die zweite Stelle ein- 
genommen habe, und endlich 5) dass die auf den Henkeln vorkom- 
menden Abzeichen, namentlich das balaustium und das Sti*ahleu- 
haupt des Helios, t'tlr staatliche, andere dagegen, — wie die Steni- 
ehen in den vier Ecken einiger Stempel \), oder eine Fackel'), ein 
Beil^), ein Kranz ^j, ein Anker — für persönliche Embleme des 
Fabrikanten zu halten seien. 

Alle diese Einzelnheiten werden, mit Ausnahme eines neuen 
Beleges fOr die doppelte Stempelung der rhodischen Gef&sse, durch 
die Ton mir oben mitgetheilten neaen rhodischen Henkelinschriften 
aus OH»« oder K«rMi sowohl bestfttigt, als anch noch erweitert; 
denn sie nennen uns, nnter Anderem, mehrere bisher noch nicht be- 
knmite Fabrikanten, namentlich einen *At€c{Xoc^ einen Aafiörpioc'), 
einen Aomövikoc*), einen KiWac*), und einen Xdpnc ^^), nnd machen 
es wahrscheinlich, dass, ausser dem balaustium und dem Strahlen- 
hanpte des Helios, anch das Füllhorn") ein rhodisches Staats- 
wappen gewesen sei Wir finden es nBmlich nicht bloss hier an 
der Stelle, wo sonst, links von der Inschrift, der Strahlenkopf des 
Sonnengottes su stehen pflegt^ sondern es ersdieint auch auf mehre- 
ren Henkehi, das balaustium yertretend, in der Mitte der einen 
Kreis bildenden Inschriften^*). — Femer liegen uns in unserem 
obigen Material Ton 28 rhodischen Henkehi, yon denen nur einer ^ 
seiner unvollstftndig erhaltenen Inschrift wegen sich nicht nfther 
bestimmen Utost, 16 Hauptstempel und 11 Supplementstacke ^ 
vor. Ersiere sind wiederum Ton einander mehr oder weniger ver- 
schieden; denn unter ihnen tragen nur drei^^ den YOllstSndigsten 
Stempel, nämlich nicht blos die Prttposition M mit dem Eigennamen 
des \epeuc^^ und einen Monatsnamen im Genetiv, sondern auch als 
Staatswappen — das balaustium ; letzteres, sowie jedes andere staat- 
liche Abzeichen fehlt auf acht**) anderen, und auf den fünf übri- 
gen*'*) beschränkt sich die Inschrift, und zwar bald mit einem staat- 
lichen £mblem^) bald ohne ein solches ^^), blos auf die Präposition 

1) B. B. I S. 423 N. 33. 2) Antiq. Inscript. LXXIX N. 55. 56, 
ß. B. 1 S. 426 N. 63. 3) B. B. 1 S. 430 N. 95. 4) B. B. I S. 424 
N. 4t. 6) Antiq. Inscript. LXXIX N. S6. 6) b. oben rhodisohe 
Henkelinschriften N. 1. 7) ebend. N. 12. 8) ebend. N. 13. 9) 
ebend. N. 20. 10) ebend. N. 28. 11) ebend. N. 24. 12) Antiq. 
Inacript. LXXIX N. 12, A. D. p. 103 N. 202 nnd p. 114 N. 7. 13) k. 
oben 1 N. 22. 14) N. 2. 6. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 14(?). 16. 18. 23. 24. 

S5. M. VI. 16) N. 1. 3. 4. 18. 13. 15. 17. 19. fO. 81. S8. 16) N. 8. 
10. 16. 17) N. 8. 18) N. 6. 7. 8. 9. 11. 14(?). 18. 87. 10) N. 
5. 23. 24. 25. 26. 20) N. 5: Strahlenhaupt des Helios, N. 84. 26: 

Füllhorn. 81) 23. 25. 



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38 P. Becker: Ueber eine dritte Samml. uaedierter Uenkelisschiiften 

im mit dem im Genetiv stehenden Magistratsnamen. Unter den 1 1 
Supplementstücken geben drei^^), und diese ^Ue drei in Rund- 
schrift um ein balaustium, nur den Namen des Fabrikanten im ab- 
soluten Genetiv, aber auf den acht übrigen "^^) tritt zu diesem 
Eigennamen noch ein Monatsname hinzu, welcher bald vor*"*), bakl 
nach^^) dem Eigennamen des Fabrikanten gesetzt wird. Auf diese 
verschiedene Stellung des Monatsnamen habe ich schon früher*^) 
aufmerksam gemacht und gefunden, dass unter den von Stephani 
den von Franz '^*^) und den von mir publicirten rhodischen Henkel- 
inschriften 30 Stücke in die erste, 42 dagegen in die zweite Catego- 
rie gehören. Dieses Verhältniss gestaltet sich jetzt noch ungünsti- 
ger, denn wenn man sowohl die bei der früheren Zälilung unberück- 
sichtigt gebliebenen^^), als auch die in späteren Schriften erst ver- 
öffentlichten Henkelinschriften zu den sich einerseits auf 30, und 
andererseits auf 42 belaufenden hinzurechnet, so steigt die Zahl der 
Stücke, auf denen die respectiven Monatsnamen zu Anfange gesetzt 
sind, auf 50, die der anderen dagegen, wo die erste Stelle dem 
Namen des Fabrikanten eingerüiunt wurde, auf 99, so dass sich 
die ersten zu den zweiten fast ganz genau wie 1 zu 2 verhalten. 
Der Grund dieses Missverhältnisses kann indessen nicht allein darin 
zu suchen sein, dass die ersteren, als die älteren, sich in geringerer 
Anzahl erhalten hätten; denn gerade unter dem neuerdings hinzu- 
gekommenen Material finden sich auf den hierher gehörigen Hen- 
keln anoh die neueren Sohriftzeiohen C^^), C^^) und es soheint 
vielmehr schon frlüiaeitig hinsichtlich der dem Monatsnamen einzu- 
rSnmenden Stelle eine gewisse Willkür geherrscht zn haben, da die, 
der Bnchstabenform nach, in eine und dieselbe Zeit fallenden Hen- 
kel mit dem Namen eines Fabrikanten Marsjas dem respectiven 
Monatsnamen bald die erste Zeile bald die sweite'*'^) zuweisen. 
Bei alledem werden wir von der Annahme ausgehen^, dass der 
Monatsname, als zur staatlichen Gontrole gehörig und nur ans Man- 
gel an Baum von dem Hauptstempel in den zweiten gebracht, in 
Äterer Zeit wohl immer die erste Stelle auf dem Kebenstempel ein- 
genommen und dieselbe dem Fabrikanten erst dann überlassen habe, 
wenn letzterer sdnem Namen dadurch eine grossere Oeltong zu 
geben glaubte. — Weiter muss ich noch darauf aufinerksam madien. 



%2) N. 12. 17 19, 23) N. 1. 8. 4. 18. 15. 20. 21. 28. 24) N. 1. 
13. 26) N. 3. 4 15. 20, 21. 28. 26) B. S. V S. 517. 27) his 
zum Schlusne den Jahres 1866. 28) CIGr. HI. p. V— Xlll. 29) Mac 
FhertsoQ Autiq. of Kertch pl. X. 11, Uenzen bulletino 1865 p. 175 folg. 
80) Stephani C. R. 1867. 1868. 1869, Albert Dnmont inseriptioiis ote- 
mixiuee de Groce p. 7^. -124. 31) sieh oben I. N. 1, Mac Pherson An- 
tiq. of Kertch pl. X. II. N. 20, Stephani C. R. 186Ü S. 195 folg. N. 2. 
9, A. D. p. 77 N. 9, p. 93 N. 128. 32) ebend. p. 76 N. 3. 88) 
Stephani C. R. 1869 S. 196. N. 2, Dumoot p. 98 N. 138. 84) A. D. 
p. 106 N. 176. 178. 86) A. D. p. 100 N. 178. 176. 177. 179. 86) 
i. B. S. V S. 617. 



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aas dem südlichen BosalamL 39 



davss i-ich unter den oben besprochenen 28 rhodischen Henkeln, un- 
geachtet ihrer geringen Zahl, doch nicht blos ein Paar seltener vor- 
kommende Monatsnamen — der TTebaYeiTVuoc^') und der beOiepoc 
TTdvajiOC — vorfinden, sondern dass unter ihnen auch einige 
durch den mehrfachen Gebrauch neuerer Buchstabenformeu^®) ein 
verhäkuissmäsig niedriges Alter beurkunden. Zählen wir nämlich, 
um zuerst von den Monaten zu sprechen, alle Henkel mit Angabe 
eines Monats in den Schriften von Franz*^), Leontieff*'), Stopha- 
ni*-)^ Mac-Pherson '^), Uenzen*^), Dumont*^) und von mir*^) 
zusammen, so erhalten wir im Ganzen 788- Stück mit folgender 
Yertbeilang für die einzelnen Monate: 



für den 'Arpiavioc 
fttr den 'AptajaiTiOC 


109 Henkel 


93 


fi 


für den Babpö^tOC 


37 


n 


für den AdXioc 


117 


n 


für den AiöcGuoc 


15 


» 


für den 0€C^O(pöpioC 


65 


n 


für den 06ubakioc 


8 


n 


fUr den Kapveioc 


36 


f> 


ftir den TTdva^oc 


127 


n 


für den TTdvafioc beuiepoc 


9 


*» 


für den rTebafeiTVUoc 


16 


n 


für den I)Liiv6ioc 


56 


w 


fUr den TcucivOioc 


100 





788 Stück. 



Hiemach sind die Monate 0€ubaicioc, Aiöcbuoc und TTebaTCiT- 
vuoc am sc'hwüchsten vertreten, so dass sie, da die Fabrikation der 
Töpferwaaieu in der kälteren Jahreszeit nicht stark betrieben wer- 
den konnte, jedenfalls für die Wintermonate in Anspruch zu nehmen 
und zwischen den 21. November und 18. Februar zu setzen sind, 
io welcher Zeit dem Geubatctoc (v. 21. Nov. bis 21. Dec.) die 
erste, den Atöcbuoc (v. 21. Dec. bis 20. Januar) die zweite, und 
dem TTcbaTeiTVUOC (▼. 20. Jan. Ins 18. Febr.) die dritte Stelle an- 
saweisen wSre^^. Dagegen ist die sehwache Vertretung des TTdvo- 
MofbcOrepoc, weicher auf dem obigen Stücke^ ausnahmsweise beO- 



37) 8. oben N. 9. m ebend. N. 6. 39) ebend. N. 1. 8. 23. 
29. 25. 28. 40) Corpus inscnpt. Oraeo. III. p. lY seq. 41) IlponHueH 
ly p. 436. 42) Stephani Antiquit^ du Boephore Cimm^rien i'ome II 
(inBcriptions), romptea-rendua de la commisaion Imperiale archeologiquft 
pour les anneeö 1859 — 1869, M^langes greco-romains Tome II. 43) An- 
tiquities of Kertch pl. X. XI. 44) Bulletioo 1865 p. 74 folg. 45) 
loBcriptions c^nuniqnea de Gr^. 46) M^langeB gr^Soo^romains Tome 
I, Jahrbflcher der class. Philologie SupplementDand IV und V und die 
obige .SamiuliiD^' rhodischer flenkelingchnften. 47) a. B. B. I S. 470 
und folg. 4Ö) N. 6. 



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40 Becker: Ucber eine dritte Samml. uuedierter Henkelinwhriften. 

TCpoc TTdvaMoc genannt wizd, auf den rhodisehen Henkeln tlieile 
dadurch za erkUren, dase derselbe aU Sehaltmooat nur periodisch, 
niöht aber in jedem Jahze vorkam, theils dadnreh, dass er auf den 
Henkeln der Kflne wegen mit dem allgemeinen Namen TTdva^oc, 
für welchen, naoh dem obigen Yerseiebiifiee, die meisten Belege 
▼erliegen, öfters bezeichnet worden sein mag. — Was femer die 
neueren Bnchstabenformen anbelangt, so finden wir dieselben nnter 
den obigen 28 Henkeln ans Bhodus auf sechs^^ aus Olbia stam- 
menden Stücken, und swar auf Tier von ihnen ^) das runde C, 
auf je einen die Schriftzeichen C^') und (O^*), und auf zweien 
für den Buchstaben v die Schreibweise N^). Um das Terhiltniss 
dieser Stücke zu dem uns ttberhaupt bekannten Material der hierher 
gehörigen Anticaglien richtig zu beurtheilen, muss man wissen, dass 
die Zahl der rhodischen Henkel in den oben^) genannten Schriften 
sich im Ganzen auf mehr als 1200 belftuft^^), und dass unter diesen 
nur 27 das runde Q 7 das gradlinige C, 7 das rundliche (O, 2 das 
das verkehrt gestellte N und 21 das unter unseren obigen Henkeln 
nicht vertretene runde € aufweisen. — In Bezug auf die staatli- 
chen Embleme von Rhodos ist endlich noch zu bemerken, dass zu 
den beiden, als solche schon anerkannten staatlichen Abzeichen — 
dem balaustiom und dem Strahlenhaupte des Helios — das FüU- 
horn^^) als ein neues noch hinzugekommen ist, dass aber dem 
grossen Sterne, rechts oder links von der Inschrift eine gleiche 
Bedeutung nicht vindicirt werden dürfe, weil er nicht immer gleich- 
förmig dargestellt wird, sondern bald als ein achtstrahliger^), bald 
als eiu siebenbtiahliger^'*) bald als ein sechsstrahliger*^'') erscheint, 
und desshalb, ebenso wie die vier Stenichen in den vier Ecken 
mancher Stempel ^^), nur ein Abzeichen der respectiven Persönlich- 
keiten sein kann. 

Wenden wir uns jetzt zu dem Buche Dumont s^"), in welohem 
die rhodischen Henkel, in sechs die Uebersicht wenig fördernde 
Sectionen zerlegt, im (ianzen MT Nummern umfassen, so können 
wir dem gelehrten Verfasser für die grosse Bereicherung des bis- 
herigen Materials durch eine so grosse Menge neuer, mit grosser 
Sorgfalt untersuchter und mit möglichster Genauigkeit im Druck 
wiedergegebener StUcke nicht dankbar genug sein, müssen abei«zu- 



49) N. 1. 8. 22. 23. 26. 28. 60) N. 1. 8. 26. 28. 61) N. 22. 
6%) N. 8. 58) N. 8. 28. 54) lieh oben Anm. 40—4«. 56) Ich 

beiohrinke mich absichtlich auf eine nicht ganz praecise Angabe, weil 
es mir noch zweifelhaft acheint, ob von den in den obigen Schriften 
zusammengezählte u 1277 Stücken alle wirklich rhodischen ürsprun- 

Ses sind. 56) oben 24. 67) »ich oben meine Bemerkung su 
r. 8, sowie dftMlbst Anm. 48 und 49. 58) B. B. I 8. 422 N. 2«. 
69) Mac Pheraon Antiq. of Kertch pl. X. IT N. 9. 60) B. S. IV 8. 
467 N. 30. 61) B. B. I S. 423 N. 33, A. D. p. 84 N. 61, p. 89 N. 92, 
p. 98 K. 161, p. 108 N. 236. 62} Inscriptions c^nuniquee de Gr^ce 
p. 76-124. 



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a«i dem südlichen ikuelaad. 



41 



gleich bemerken, dass deren Zahl zum Theil desshalb eine so be- 
deutende geworden ist, weil Dumont sowohl viele, von Andern den 
Henkeln zweifelhaften Ursprungs beigezählte und beizuzählende 
Sttlcke für rhodische erklärt, als auch diejenigen in sein Verzeich- 
niss rhodischer Henkel aufgenommen hat, auf welchen sich die 
ursprünglichen Inschiiften nur in vereinzelten Silben oder Buchsta- 
Ven erhalten haben. Bei der Classification der vielen, ihm zu Ge- 
bote stehenden Henkel, welche in Athen und in dessen Umgebung, 
sowie auf einigen griechischen Inseln gefunden*'^) und in verschie- 
dene Sammlungen^) gekommen sind, hat er mit vollem Recht ein 
besonderes Gewicht auf die Beschaffenheit des zur Verfertigung 
eines jeden Gefässes gebrauchten Thones und auf die Gestaltung der 
einzelnen Stücke gelegt, aber wenn es schon an und für sich un- 
walmeheiiilieh ist, dass die verschiedenen Fabriken eines und des- 
selben Ortes in Terscliiedenen Zeiten immer einen ganz gleichen 
Thon ^enurbeitet bStten ond Jahrhnndeiie lang toh den herkömm- 
lichen Formen muik nieht im Entferntesten abgewichen seien, so 
weiss doch Jeder, der, wie ich, das nns überkommene Material in 
einer naeh hvnderten dOilenden Menge ans eigner Ansehannng und 
dgner Prilfnng genauer kennt, dass in der einen nnd der anderen 
Beziehnng ganz sichere Bestimmungen nicht möglich sind, nnd dess- 
halb ist die grossere Yorsicht nnd Zweifelha{%keit derer nicht zu 
tadels, weldie, wenn nicht Süssere nnd innere Grilnde durchschlagend 
waren, die Provenienz der zweüblhaften Stücke unentschieden gelas- 
sen und dieselben in die Classe der fürs Erste noch unbestimm- 
baren gebracht haben. SpStere glückliche Funde haben dann irei- 
licth ergeben, dass viele dieser Stücke mit grosser Wahrscheinlich- 
keit diesem oder jenem Staate zugewiesen werden können, und 
Ihunont ist durch das reiche, ihm zugSngliche Material namentlich 
in der glücklichen Lage, die Lösung der bisherigen Zweifel über die 
Herkunft mancher beanstandeten Henkel wesentlich zu fördern. 
Diese ihm einznrSnmende Auctorität dehnt Dumont indessen auch 
auf die zum ersten Mal erscheinenden Stücke aus, unter denen er 
manche, welche meiner Meinung nach nur mit mehr oder weniger 
Wahrscheinlichkeit rhodi sehen Ursprungs sind, ohne Weiteres den 
rhodischen beizählt. Wird bei ihm auf solche Weise die Zahl 
der rhodischen Henkel schon eine grössere, so wächst sie noch 
dadurch, dass in der sechsten Section^) viele Stücke vorkommen, 
auf denen die unvollständig erhaltenen Inschriften nicht ohne Will- 
kür ergänzt und der in Rhodos gebräuchlichen Fassung angepasst 
werden können. Einige Beispiele werden genügen, um zu beweisen, 
dass die von mir angedeuteten Bedenken nicht ganz aus der Luft 
gegriffen sind. So scheint es mir kaum glaublich, dass Nr. 11^^) 



68) daselbst 8. ». 6^ daselbst 8. 6. 66) 8. 118—124 V. 1-43. 
66) ebend. S. 78. 

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42 Becker: Ueber eine dritte Samml. uuedierter Henkeliuschriften. 

wirklich ein rhodiächer Henkel sei; denn wenn Bumont die lücken- 
hafte Inschrift: 

AriA KAIA .'. durch 'Aria kuI 'A(picT) 
OFENEY .... OT^veu(c) (Utbaf) 

E e(iTvuou) 

zu WToUfitändigen sucht, so ist eine so gewaltsame Ergänzung nicht 
bloss ganz willkürlich, sondern eine um so unwahrscheinlichere, als 
sich der Name 'Aticxc auf den bisher bekannten rhodi sehen Hen- 
keln noch gar nicht, und der des 'ApiCTOf^vric nur als Magistrats- 
name vorfindet. Ausserdem fehlte es überhaupt in den bisheri- 
gen Sammlungen rhodischer Henkel an einem Belege für die 
Existenz eines rhodisclien Compagniegeschäftes für die Fabiikaticu 
von Töpferwaareu, und wenn auch ein solcher durch ein von Hen- 
zen^) beigebrachtes Stück gefunden zu sein scheint, so ist doch 
die vou Dumont vorgeschlagene Ergänzung der zweiten und dritten 
Zeile durch TTebaYeiTVuou ganz unzulässig. Viel wahrscheinlicher 
ist es, dass der Henkel gar nicht nach Hhodos, sondern vielmehr 
nach Knidos gehört, wo wir bereits unter den Fabrikanten von 
Töpferwaaren die doppelte Firma 'Axia koi *AcTO"f^veuc^''') oder 
'Arfia xai 'ApiCTOYe'veuc'^) kennen, und, bei der Wiederherstellung 
des zweiten Namens, die in der ersten Zeile angedeutete Lücke, 
dem Räume nach, wohl richtiger durch *A(cT)o'f^veuc als durch 
*A(piCT)oY^V6UC ausfüllen dürfen. Dieses zugegeben, würde nach 
den beiden Namen die Präposition ini noch in der zweiten Zeile'') 
\md ein mit E beginnender Magistratsname in der dritten Zeile zu 
suppliien sein. — Nicht weniger auflullig ist es, dass Dumont 
drei'") Henkel mit dem, den rhodischen Gefössen bisher ganz 
fremden Namen 'AttoXXiuvioc für rliodische hält und sie ohne 
Weiteres den rhodischen Henkeln beizählt. Auf dem ersten'') 
dieser Stücke hat sich von der dreizeiligen Inschrift nur noch so 
Yiel erhalten, dass man in der ersten Zeile den Namen 'AttoXKo^vigc, 
im Nominativ oder Genetiv, mit Sicherheit wieder herstellen kann; 
aber die sweita Zeile ist ganz verwischt, sowie auch die dritte bis 
auf die zwei, in der Mitte der Zeilei neben einander steheii geblie- 
benen Buchstaben AA. Eine so nnvollstlndlg imd lllokaibaft er- 



67) Franz ClGr. III p. VU N. 112—116, B. B. 1 S. 423 N. 31. 68) 
BoUetino 1865 p. 76 N. 18: TIMAKPATEYZ 

KAI 

0 TOY. 

Einen rhodiachen Fabrikanten TiuaKpärrjc nennt uns FrHnz (CIGr. III 
p. XII N. 426 — 431) und deu zweiten Namen glaube ich, mit Rücksicht 
auf den oben nnter N. 15 beiprocheoen Henkel, dnreh e(eoiMt>r(Ni mit 
einiger Wahrscheinlichkeit ergänzen zn können. 69) Franz. 1. 1. p. 
XIV N. 7. 70) Dumont p. 389 N. 6. 71) wie A. D. p. 251 N. 31 
—38 p. 265 N. 55. 56. 58. 72) ebend. p. 82 M. 89. 40. 41. 73) 
ebend. N. 39. 



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aofl dorn sadUcben Aonlaad. 



43 



baltene Inschrift entzieht sich von vornherein der Möf?]ichkeit einer 
richtigen Ergänzung, und ich gehe daher gleich zu den beiden an- 
deren^*) Henkeln über, welche uns fast ganz vollständig überkommen 
sind. In einem zweizeiligen Stempel liest man ftuf dem einen: 

ATTOAAu) .... 

and auf dem andeni: 

EHIAnO . 
AQNIOY. 

Domoni eigSoxt den ersten Kamen dnrch den Genetiv *AiroX- 
Xui(viou), wofür ich, Ton der Annahme ausgehend, dass auf dem 
ersten 8tficke beide Namen zur Bezeichnung einer und derselben 
Person gebraucht worden seien, den NominatiT *AiToXXdi(vtoc) 
schreiben zu müssen glaube; denn meiner Meinung nach führte der 
Fabrikant 'AiroXXidvioc zur Unterscheidung von anderen Kamens- 
vettem und mit Bezug auf seine Herkunft entweder den Beinamen 
TTidboc, oder er nannte sich zu genauerer Bezeichnung, wie Neu- 
prjvioc ToO AdKUJVOc'*), mit dem Namen seines Vaters im Genetiv 
(TTiciba). An Belegen für die eine oder die andere Deutung fehlt 
es nicht, da sich beide Namen schon fiilher unter den unbestimm- 
baren Henkeln sowohl bei Franz "^): 'AttoXXuuvioc TTic(iba) oder 
nic(ibac), als auch bei mir"): (*A)rOAA(jüNIO(Y)riCIAA bereits 
vorfinden, und als Dumont^**) selbst unter den knidischen Henkel- 
inschriftcn fol-fcnile, iiilmlich , N. 21: ATTOAAQNIOI TTIZIAA, 
N. 22: AnOAAQNIOI niCIA(A), N. 23: (An)OAAÖN(l)0(I) Hl- 
(C)IAA, N. 25: AroAAQNIoZ FIZIAAZ auflEÜhrt. Um so auffal- 
lender und unbegreiflicher ist es, dass Dumont einen und denselben 
Stempel, bald für einen rhodischen, bald für einen knidischen 
hält, was überdies deutlich genug beweist, dass die gewiss sehr 
wesentliche Berücksichtigung des Thones und der Gestaltung der 
Henkel bei der r'lassificirung derselben doch allein nicht ausreicht, 
um uns vor jedem Irrthum zu bewahren. Wie dem aber auch sei, 
iio ist im vorliegenden Falle nur soviel gewiss, dass die drei oben 
erwähnten Stücke Dumont's"^) nicht rhodiychen Ursprungs sind, 
und uns bleibt nur die Wahl, dieselben entweder den noch unbe- 
stimmbaren beizuzühlen oder sie für knidische zu erklären, wofür 
ich mich um so eher entscheiden möchte, als der Name 'AttoXXuu- 
vioc in den rhodischen Stempeln gar nicht, aber in den sicher aus 
Knidos stammenden Stücken sehr häutig vorkonmit. — Obgleich 



74) ebend. N. 40 41. 75) B. S. V S. 508 N. 47: TToc€iöU)v{ou 

dcTUvd^u, NcuMnviou toü AdKiüvoc. 76) ClGr. III p. XVII N. 17. 
77) B. B. I & 4W N. 1«. 78) 8. 376 N. Sl. M. IS. 95. 79) 8. 88 
N. 89. 40. 41. 80) CIGr. UI p. XIV N. 31—34, B. B. I S. 433 N. 

1. S. 3; A. D. p. 168 N. 98» 99. 100. 101, p. 882 K. 6. 7. 8. 9. 10, p. 
848 N. 6a, 6b, 6e. 



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44 P. Becker: Ueber eine dritte Samml. onedierter Henkelinichnften. 

unter den rhodischen Namen die Pati'onymika auf bac^*) zahl- 
reich, und der caduceus den rhodischen Stücken als Abzeichen 
nicht ganz fremd ist, so reicht das Eine und das Andere doch nicht 
aus, um den Henkel N. 26, wo unter der einzeiligen Inschrift (^tti) 
'AKav(6)iba ein horizontal liegender caduceus zu sehen ist, unbe- 
dingt für einen rhodischen zu halten. Denn abgesehen davon, 
dass weder der Name "AKavÖoc, nach 'AKavöibac auf früheren 
Stücken in Rhodos nachweisbar ist, finden wir auch daselbst den 
caduceus nur als persönliches Emblem der Fabrikanten^^), nicht 
aber als ein staatliches, wie es hier bei dem Magistratsnamen im 
*AKavei5a, und iu Knidos, unmittelbar iiatli KNIAION, gebraucht 
wird*"^). Ist es hiernach nicht rathsamer, das Vaterland des Hen- 
kels N. 26 so lange unentschieden zu lassen, bis dessen Herkunft 
sicherer als augenblicklich nachgewiesen werden kann? — Anders 
verhält es sich mit den Henkeln, welche, wie N. 30, den Namen 
'A^ihrra tragen. Dieselben sind bieher sn den Stileken nnsicheren 
Ursprungs^) gerechnet worden, kSnnen aber jetzt mit grosser 
WalirschMnliolüceit fttr rhodische gelten, da einzelne^) nach der 
B^sehaffenbeit des Tbones bereits früher ihre rhodische Herkunft 
za verrathen schienen nnd eine solche auch dadurch bestätigen, 
dass sie im südlichen Bnssland, wo unter dem ausländischen F4bri- 
cate das rhodische sehr zahlreich vertreten ist, zum grossen Theil 
gefunden worden sind. Gegen diese Annahme darf das Vorkommen 
des Namens 'AjüuWrac^ auf knidischen Henkeln nicht geltend 
gemacht werden, weil derselbe in Knidos immer nur den Magi- 
stratspersonen, in Rhodos dagegen stets den Fabrikanten angehört, 
und weil letztere als Fabri^arken — bald einen Baum^*), bald 
einen Kranz ^ bald eine Keule bald Sternchen in den vier Ecken 
des Stempels^) — solche Abzeichen gebraucht haben, welche in 
gleicher Bedeutung auf knidischen Henkeln nicht nachzuweisen 
sind. — Die Einreihnng des Henkels N. 34 mit der Inschrift 
'AvdcTOU in die rhodischen Henkel ist, meiner Meinung nach. 



81) sieh oben unter den rhodischen Henkelinschrift^n N. 1 Anm. 1. 
82) ClGr. Iii p. IX N. 203; AaMCKpäreuc, N. 254: kpujvoc, p. X N. 258. 
269: IMA, Mac Phereon pl. XI. IV. N. 1: 'AvTi|idxou, C. K. 1869 S. 197 
N. 29: IMA, B. B. I S. 427 N. 67. 68: IMA, S. 432 N. III: <t>iXavlou, 
TT€TaT€iTvöou , B. S. IV S. 456 N. 23 und S. 500 N. 39: IMA, B. S. V 
S. 454 N. 33: IMA. 83) A. D. Quatriemc s<^rie p. 146-219 N. 22. 

89. 134. 134a. 148b. 154. 162. 163. 165. 168. 169. 201. 287. 287a. 288. 
S88a. S89. 896. 408. 406. 446. 467. 84) ClOr. III p. XVII N. 7. 8, 
Leontieff ripomi-ieM IV p. 436 H.a., Antiq. N. 40, B. B. I S. 138 N. 4 
B. S. IV ö. 461 N. 2, C. R. 1865 S. 218 N. 49, 1869 S. 210 N. 137 
Henzen bullet. 1865 S. 76 N. 14, B. S. V S. 466 N. 2. 85) B. S. IV 
461. N. 2. 86) A. D. p. 149 folg. N. 41— 5U. 87) A. D. p. 80 

N. 80« B. 8. V 8. 466 N. S. 88) Fiios CIQr. III p. XVII N. 7, An- 
tiq. N. 40, LeontiefF nponii.ieM IV S. 436 IIa), C. R. 1866 S. 818 N.49, 
1869 S. 210 N. 137. 89) B. S. IV S. 461 N. 8. 90) B. B. I B. 
138 N. 4. 



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au8 «l^n BüfiUiohen Boasluid. 



45 



sehr gewagt, tlieils weil der uns hier gegebene neue Name seiner 
Bildung und Beugung nach nicht für Rhodos zu passen scheint^*), 
theils weil die ungewölmliche Gestalt, des Buchstaben ^ auf andern 
r h od i sehen Stücken, so viel mir bekannt, nicht vorgekommen ist. 
Das Eine und das Andere halte ich für ausreichend, um den un- 
sicheren Ursprung des Henkels zu constatiren. — Nachdem der 
bei Franz ^'j bisher Übersehene Name 'AvTi|iaxoc auf einem zweifel- 
los rhodischen Henkel nur einem Fabrikanten zukommen kann , und • 
sowohl Mac Pherson^^j, als auch ich^) nach der Beschaffenheit des 
Materials in den gleichen, uns vorliegenden Stücken ein rhodisches 
Fabrikat zu erkennen geglaubt, hat Dumont mit vollem Rechte den 
in Athen durch sechs wohlerhaltene Exemplare vertreteneu Henkel 
N. 37, mit dem Numen ANTIMAXOY und einem unter demselben 
horizontal liegenden ciiduceus, aus der Zahl der Stempel unsicheren 
ürsprungri''') unter die rhodischen versetzt^), und wir werden 
daher nicht irren, wenn wir die hierher gehörigen, bisher noch in 
irrage stehenden Henkel für Supplemente zu anderen, auf welchen 
eiii Magistrat und ein Monat genannt ist, halten und den Namen 
'AvTifiaxoc einem rhodischen Fabrikanten vindiciren, der den cadu- 
cens als I^ribnarke gebfaneiht bat. — Wie Domont auf die 
Wieder h ers te Hung des tuiTolktSndig erhal(eae& NanMiis im Stempel 

N. 42: APIZT . N. 46: APIITAI . N. 46: APIZTA , wo 

«nf jedem ^eser StUcke der Baum fllr die yerwisobten Endbuch- 
staben ein Yersohiedener ist, mit Recht yerzichtet hat, so hfttte er 
math die Provenienz dieser Henkel schon desshalb unbestimmt las- 
sen sollen, weil der feagHche Name in gleicher ünyoUstSndigkeit 
sieh aaeh anf dem Stücke*^ Yorfindet, an dessen rhodischer Her- 
kunft er selbst sa sweifeln scheint Das gleiche Abzeichen anf NN. 
48, 45 nnd 46 — ein vierstrahliger Stem in den beiden Ecken, 
links — beweist nichts fllr den rhodischen Ursprang, sondern macht 
es nnr wahrscheinlich, dass die obigen drei Henkel mit gleicher 
oder ähnlicher Marke ans dner nnd derselben Fabrik stammen, 
welche aber bei aUedem keine rhodische zu sein braucht — Da 
auf den bisher bekannt gewordenen rhodischen Henkeln der Name 
'Apicninroc gar nicht vorkommt, und die mit Titttoc zusanunenge- 
setsten Namen flberhaupt in Bhodos nnr selten*^) Bind, da femer 



91) Sollte der ipfttere Name 'Avacrdcioc schon in vorchristlicher 
Zeit in anderer Form existirt haben, so hätte der Genetiv desselben im 
dorischen Rhodos nicht 'AvdcT0U| sondern wohl AvdcTa gelautet. 92) 
ClOr. III p. VI N. 22: iirl 'AeovoWrou, Ba6pon(ou. ^AvTlJiaxoc. 93) 
Antiq. of Kertch pl. XI. IV. N. 1. 94) B. S. IV S. 461 N. 8. 95) 
CIGt. m p. XVII N. 12, Antiq. inscript. 79 N. 42, Henzen bullet. 1866 
p. 76 N. 14a, C. R. 1865 S. 218 N. 50, B. S. IV S. 461 N. 3, B. S. V 
S. 467 N. 4. 96^ Um so auÜUiliger ist es, dass Dumont, in offenbarem 
Wldeispraehe mit «eh selbst, ein Paar andere Exemplare desselben 
Stempela (p. 302 N. 2 b) unter den knidischen aufgeführt hat. 97) A. 
D. S. 82 K. 44. 98) ClOr. III p. XI N. 868: hti Hatödiirou, Taxiv- 



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46 Becker: Ueber eine dritte Samml. imedierter Henkelinsobrifteu 

die dortigen Fabrikanten nur ausnahmsweise^^) ihren Namen im 
Nominativiis auf die Henkel zu setzen pflegten, und da endlich der 
Name *Apictittttoc, in vertiefter Schrift, nur noch auf dem Halse 
eines GefKsses unbestimmter Herkunft'"") erscheint, so hätte N. 54 
mit der Inschrift: APIZTITTTTOZ nicht ohne weiteres den rhodi- 
schen Henkeln einverleibt, sondern vor der Hand noch unter die 
unbestimmbaren gebracht werden sollen. — Zur Wiederberstellung 
des auf dem Henkel N. 72, in zwei Zeilen: €171 AP . . J KPATEYC, 
unvollstSndig erhaltenen Namens würde ich nicht mit Dumont den 
ganz ungewöhnlichen Namen 'Ap()Lio)KpdT€uc yorscUflgen, sondern 
vielmehr einen solchen^ der bereits, wie *Ap(xo)KpdT€üC*®*) oder *Ap- 
(TTo)KpdiTeuc^^), auf rhodiselieii Henkefai Magistntoaame vor- 
gekommen ist — IMe ünsiolifirlielt dee rhodiaeheii Ursprungs er- 
w«aft Bich für die Henkel N. 91: AlOAQPOZ und N. 98: ZilOAO- 
POL nicht bloe dadurch, dase auch bei ihnen das schon oben beim 
Namen *ApkTtinioc auf K. 54 ausgesprochene Bedenken — der 
Gebrauch des NominatiTUB bei der Angabe des in rhodischen Stem- 
peln Insher noch nicht vorgekommenen Namens iltöbuipoc — nicht 
flbersehen werden darf, sondern auch dadurch, dass Dumont selbst 
ein Ftar andere Stücke mit dem alleinstehenden Namen AIO- 
AQPOC yon den rhodischen Henkebi unterscheidet — Gegen die 
Annahme Dumont's, dass der von ihm unter N. 98 gegebene Henkel: 

€ni TOY *iTl (Aiob6)Tou 

A..N.CIOY A(io)v(u)cfou 

ein rhodischer sei, spricht einerseits die Fassung der Inschrift, 
welche von der auf rhodischen Stücken gewöhnlichen ganz verschie- 
den ist, und andererseits der Umstand, dass der von Dumont vor- 
geschlagene Magistratsname AiöboTOC, welcher sich auf dem bisher 
benannten rhodischen Henkeln nicht vorfindet, durch keinen anderen 
ersetzt werden kann, weil alle uns bereits vorliegenden rhodischen 
Namen für eine Lücke von fünf Buchstaben zu lang sind. — Da es 
keinem Zweifel unterliegt, dass die von Dumont unter N. 100 — 104 
aufgeführten Stempel mit einem Monatsnamen imd dem Eigennamen 
AiCKOU*^) aus Rhodos stammen, und dass unter dem auf jedem 
dieser Stücke sich vorfindenden Namen AicKOu ein rhodischer Fabri- 



Giou, Henzen Bullet. 1865 p. 76 N. Ib: ini Alvtaoo, ToKiveicu und 
Stephani C. K. 1869 S. 195 N. 3 : ini A-mdinrou, Boöponiou. 99) CIGr. 

m p. VI N. n. 80. 46, p. a n. m. sio. ms. tu. p. xi n. ssi, p. 

XII N. 406, Antiq. inscr. 79 N. 29, B. S. V S. 451 N. 19, C. R. 1869 
S. 196 N. 21, B. B. I S. 428 N. 83, B. S. V S. 465 N. 40 und B. B. I 
S. 426 N. 63 cf. Antiq. N. 66. 100) Stephani C. R. 1869 S. 214 N. 198. 

101) Franz CIGr. III p. VIII N. 170—172 und B. B. I S. 424 N. 89. 40. 

102) B. 8. IV S. 454 N. 7 Tewl. CIGr. 1. 1. N. 160. 108) A. D. p. 810 
N. 66. 104) A. D. p. 90 N. 100: e€c(|Li)o<po(p{ou). A((c)kou; N. 101: 
AaX{o(u), AicKou; N. 102: 'Arpiaviov, Aiocou; K. 108: TTavd^ou, AicKOu; 
N. 104: 6€CKio(popiou, AicKOU. 



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aus dem sädlicheD Bossland. 



47 



kant zu verstehen sei, so dart' wohl mit grosser Wahrscheinlichkeit 
auch denjenigen Henkeln, welche nur den Namen AiCKOu^ ' j tragen 
und bisher für unbestimmbar galten, der rhodiache Ursprung zu- 
erkannt werden. Dumont'^"') hält dieselben sogar zweifellos für 
rhodische und steht dessen ungeachtet doch nicht an, ein von ihm 
selbst geprtlftes Stück mit dem Namen AicKOU^"' ) an einer anderen 
Stelle unter den knidischen noch besuuder.s autziiführen. Ebenso 
werden von ihm die Henkel mit dem alleinstehenden Xauien "€p^uJ- 
voc^^"") MrivoqpiXou '^'^) und ZiupaE "'^) nicht allein unter den rhodi- 
schen'^^j, sondern auch als knidische in einer anderen Section^^^) 
genannt. Diese eigne Unsicherheit Dumont's, wie sie sich hier imd 
in anderen Fällen *^^) zeigt, mofls noth wendiger Weise den Glauben 
an die Unfehlbarkeit seiner anderen Bestimmungen mehr oder 
weniger erschüttern und dieselbe nameiitlifdi in Bezug auf diejenigen 
Henkelinschriften tweSfeUiaft maohen, welche, weil sie bisher nir- 
gends vorgekommen, sich jeder Yergleichung mit bereits bekannten 
Exemplaren entziehen nnd Tor der Hand, wo noch anverkeniibare 
Merkmale ihrer Herknnft fe^en, wohl sicherer den unbestimm- 
baren beisnighlen sind. Zu denselben gehören, meiner Memnng nadi, 
wenigstens folgende: 



Nr. III. 


AÖPO0IOY 


Au)po6{ou. 


Nr. 112. 


ErrEN 


•EtT€v- 




OOANEY. 


oq)dv€u(c). 


Nr. 142. 


HPAKAEYI 


*HpaKX£Oc. 


Nr. 180. 


MENAN 


Mevdv- 




APOY 


bpou. 


Nr. 181. 


MENEKPATEYZ 


MevcKpdrcuc. 


Nr. 28«. 


ZAPATTn 


Zdpcrmc. 



Periier hat Dumont folgende zwar nicht ganz neuen, aber bis- 
her für unbestimmbar gehaltenen Henkel, ohne Motivirung seiner 
abweichenden Classification, unter die rhodischen aufgenommen: 
N. 107: AlOY — Aiou"*); N. 161: KAAAIOY = KaXXiou ; 
N. 162: KAAAQN = KdXXiuv"«); N. 170: KOJMoY"^ — Kui- 



105) Franz CIGr. III p. XVIII N. 57. 58. 106) p. 90, Anm. zu 

N. 104. 107) p. 311. N. 74. 108) p. 93 N. 126. 109) p. 101 
N. 184. 110) A. D. p. 109, N. 288 vetfA. R B. I S. 448 N. 67. 

111) s. Anm. 108, 109 und 110. 112) A. D. p. 350 N. 91 folg. p. 

320 N. 147 mul p. 323 X. 173. 113) a. oben. 114) Franz CIGr. III 
p. XVI II N. 53: Aiou und daneben N. 40: Aeiou, sowie B. S. V S. 472 
N. 55: Aeioc 115) CIGr. III p. X N. 278: KdAXioc, als Genetiv von 
KdAXic tmd Stopluuii G. R. 1869 8. 216 N. 218 (in yertiefter Schrift am 
Haine eiiMV Amphom nnd einen Nominativ KaXX{ac voranssetzcnd): ittX 
KaXXia, MCpKCva (?). 116) Stephani C. R. 1869 S. 211 N. 154: KdXXiu- 
voc (anterhalb ein Schwertin seiner Scheide). 117) sieh die Zeichnung 



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48 Becker: Ueber eine dritte Samml. unedierter HenkelinBchriftea. 

MOU^^«); N. 192: NANIOI = Ndvioc''*): N. 199. 200: NIKIA = 
NiKia»«»); N. 201: NYIIOY = Nudou'-' i und N. 232: nOAYAl- 
NOY = TToXuaivou '^"). Dagegen dürften drei andere auch nur 
Einzelnameu tragende Henkel, welche, ungeachtet ihrer noch zweifel- 
haften Provenienz, von Dumont gleichfalls ohne Weiteres den rbo- 
dischen beigeschlossen werden, ein grösseres Recht als die vor- 
stehenden auf rhodischen Ursprung haben. Es sind: a) N. 185: 
MHNO0 . M . . . = MtivoG(^)m(ioc), ein Name, der nicht bloss auf 
Stücken aus Sicilien ^*^), aus Alexandria und aus Südrussland ^^^) 
bereits vorliegt, sondern auch wegen des diesem Namen beigegebe- 
nen rhodischen Staatswappens — eines Füllhorns**^) — auf 
Bhodos hinzudeuten scheint; b) N. 216a: OAYMTTOY 'OXO^- 
irou^*^ ein Stempel, welchen ioh selbst, nach dem Material und der 
Beeehalfenbeit der salilieieh im afldliolien Bnssland aniQi^iideiien 
Exemplare, auch sohoii ftr einen rhodiBelien erklArt habe^^; und 
o) N. 244. 246: IQKPATEYZ » £uncp&T€UC^. Für die Pro- 
Tcniens dieses Henkels ans Bhodos spricht einerseits der rar Be- 
zeichnnng des Fabrikanten im NominatiT gebrauchte Name Zuncpd- 
Tiic^ anf einem ihodiscihen OefftssstOcke, an welchem sieh beide 
Henkci erhalten haben, nnd andererseits das dieeem Namen beige- 
gebene Abzeichen — eine brennende Fackel mit einem die Hiuid 
Bchlttsenden Teller — , welches Emblem sich auf den Terdnielten 
Stacken bei dem bald im Nominativ'''), bald im GenetiT^ stehen- 
den Namen £ttNcp<&Tf)c oder ZuncpdTCUC wiederholt. — In Berag 
anf die Wiederherstdlnng der nor nnyollstfindig oder lückenhaft 
nns flberkommenen Henkelinschriften sind so manche Coigectnren 
DnmonVs weder gans frei von Willkllr, noch auch der Art, dass sie 
fnr richtig oder doch f&r sehr wahrscheinMch gelten können; nnd 
das zum Theil schon deswegen, weil es ihm bei der Eiginrang 
der mehr oder weniger verwischten Namen mehr um ungewöhn- 
liche und neue, als um solche zu thun ist, welche sieb bereits auf 
den rhodischen Henkeln vorfinden nnd insofern auf gritosere Wahr- 



A. D. p. 09 N. 170. 118) Stephani C. 11. 1869 p. 211 N. 156: K(uü)- 
Mou. 119) CIGr. III p. XIX N. 149, B. B. I S. 441 N. 48. 49, Ste- 
phani B. II 8. 22 N. 33, C. R. 1869 S. 212 N. 161: Ndvioc 120) Frans 
1. 1. N. 150^154: NiK(a, N. 155: NiK{ac, B. B. I S. 442 N. 51. 52: NiK(a. 
121) Stephani C. R. 1869 S. 212 N. 163: X. Nudou. 122) Franz 1. 1. 
N. I7ü; TTaXuaCvou. 123) Franz 1. 1. N. 132. 133. 124) ebend. 
N. 184. 186) Stephani C. B. 1866 8. 185 N. 88. 126) t. oben I N. 
24 und meine Bemerkungen zu diesem Henkel. 127) Franz CIGr. III 
p. XIX N. 168—165, B. B. I S. 442 N. N. 57. 58. 59. 60. 61, B. S. IV 
8. 462 N. 16, B. S. V S. 470 N. 32. 128) B. S. IV S. 462 N. 16. 

189) CIGr. 1. 1. N. 179—184. Leontieff IlponiueH IV p. 436. Antia. 
iuBoript. LXXIX N. 66, B. B. I 8. 448 N. 68. 180) B. B. I 8. 426 N. 
68, 131) Stephani Antiq. l. L K. 66, B. B. I S. 426 N. 63. 132) 
Franz 1. 1. N. 180 Stephani, Antiq. 1. 1. N.66, Leontieff nponuuea 8.486 
IIa). B. B. I S. 443 N. 68. 



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am dem ifidliehen Rnmbuid. 



49 



seheinliehkeit gereohto Ansprüche haben dürfen. Ich erinnere bei- 
spielsweise in der zweiten Section^^^') an N. 3: ETTIEPEQZKAA- 

AIK . . (^1T* l€(>^iuc KaXXiK )t der von Dnmont unergKnzt 

gelassene Eügenname, mit nötbiger Berücksichtigung früher seboii 
bekannt gewordener Stücke ^^), durch KaXXiK(pdT€uc) mit grosser 
Wahrscheinlichkeit***) wiederhergestellt werden könnte, sowie in 
der sechsten Section**'') an N. 11, wo die zweizeilige Inschrift, in 
welcher zu Anfange jeder Zeile zwei Buchstaben fehlen sollen, in 
der ersten Zeile durch (Aa)X{ou, in der zweiten durch ('6TTi)bd)iOU 
ergänzt wird. Gegen die Richtigkeit des zweiten Namens spricht 
nicht blos der raaassgebende Umstand, dass es auf dem Henkel 
an dem nüthigen Kaume für die drei Buchstaben von eiri fehlt, 
sondern auch der ungewöhnliche Namo*^'') *ET^^ba^oc ^^^) selbst. Man 
kömite eher an Zuubducu oder €ubd^ou^^^) denken, wenn nicht 
Wide Namen auf den rhodischen Henkeln bisher nur **") Magistrats- 
perüonen angehörten. — Femer ist es aufiFKllig , dass Dumont bei 
N. 16 (S. 120J für die vor POTOY verwischten fünf Buchstaben 
ihrer sechs (KXeo|uß) giebt und dessen ungeachtet hinzusetzt: 
exemple de restitution tres-probable. — Auf dem Henkel N. 18 
(S. 121) vervollständiort Dumont die Lücke nach den Buchstaben 
ETTIKPA .... durch die Silbe T€uc, also 'E7nKpd(Teuc) , obgleich 
der Name 'ETTiKpatric auf den bis jetzt bekannten Stücken von Khn- 
dos sich nicht vorfindet. Ißt es nicht viel wahrscheinlicher, dass, 
mit Berücksichtigung der bereits vorliegenden Belege ^^^), ^rri Kpa- 
xiba gelesen werde? — Wesshalb Dumont N. 24 (S. 122) seine 
Conjectur im (*AXe£dvjbpou, 'A(Tpiav)iou für sicher hält (restitu- 
tion certaine), weiss ich nicht, da eben so gut wie (*AXeHdv)bpou, 
um nur von den auf rhodischen Henkeln nachweisbaren Namen mit 



18««) 8. 118. 188) B. B. I 8. 427 N. 70: («>iri KoXXtKpdrcuc, 'Ap- 

Tamxiou imd N. 71: Im KoXXiKpdTtuc . Oe(quMp)op{ou , Stephani C. R. 
1869 S. 197 N :Ur ^tt* Urp^ujc) KaXAiKpäreuc. ()l)ige Coniectnr 

gewünne noch üii Sicherheit, wenn .sich meine V^ermuthung bestätigte, 
datiä die von Duiuont in einer gradliiugeu Zeile gegebene Inschrift 
dietet Henkelt, ebenso wie auf dem von Stephani a. a. Orte publidrten 
Exemplare, einen Kreis liildo, und da<4s die von Dumont bei Beschrei- 
bnng solcher Stücke gebranchten Bnchstiibfn L. C. f=» legende circulaire) 
beim l>rucke übersehen worden seien. Wie dem aber auch sei, so ist 
die Inschrift f&r eine Zeile zu lang und der TOn Stephani besehriebenon 
in der Fassang und in der Form der Schriftseichen so ähnlich, dass 
beide Stempel aus einer Zeit zu sein scheinen. 135) S. 120, 136) s. B. 
S. V S. 480 A. N. 22. S. 497 C. N. 12. 13. 137) Nach Üumont's 

Vermuthung steht fruilich auf zwei anderen Henkeln (S. 93 N. 124. 120) 
'EmbdMOu, wofBr indessen Tielleieht richtiger tiH AAyiow ra schreiben 
vll«. 1.38) R. B. I S. 431 N. 102. 103, B. S. V S. 458 N. 50, Ste- 
phani M^. Bd. II S. 215 N. 30 and C. R. 1869 S. 199 N. 62. 139) 
Franz CIGr. III p. IX N. 216—218, B. B. I S. 425 N. 53-55, Stephani 
C. K. 18CG S. 131 N. 8. 140) s. oben Henkel N. 26 and meine Be- 
nariningen wa üm/mühen. 141) Fvans 1. 1. p. X N. 306—809, E B. 
I 8. 488 N. 77, B. IV & 486 N. 90. 81, B. 8. V 8. 464 N. 88 
. JaliA. t tUm. WUL 8«ivL Bd. X. 4 

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50 P. Becker: Ueber eine dhtte Samml. onedierter UenkeUugchrifteu 

der Endsilbe bpou zu sprechen, auch ('Ava£üv)bpou oder (0€p- 
cdvjbpou'^^) oder ('Ovocdv)bpou ^'") die Lücke von sechs Buch- 
staben ausfüllen und, statt 'A(fpiav)iou wohl auch 'A(pTa)iiT)iou 
auf dem Henkel stehen konnte. — Im Stempel N. 29 (p. 122 ) ist 
die Lücke, da die Zahl der Buchstaben in der ersten Zeile nicht 
einige Buchstaben mehr als in der dritten: *ATpioiv{ou enthalten 
konnte, viel wahrscheinlicher durch ^7t(i AXeHid)ba als durch Du- 
raont's Conjectur: ^7t( i AX6Eavbpi)ba zu vervollständigen , zumal 
weil 'AXe^iubac (itters "•') . aber 'AXetavbpibac noch gar nicht in 
rhodischen Hcnkelinscbnileu vorgekommen ist. — Wenn es bei der 
Classification der Henkel mit vollständigen Namen schon oft, wie 
wir im Vorstehenden gesehen haben, denjenigen Bestimmungen au 
der nöthigen Sicherheit fehlt, welche nur nach der Beschaffenheit 
des Thones und nach der Form der Stücke getroffen werden, so ist 
das bei denen noch mehr der Fall, wo die Inschrift nur aus einzel- 
nen Bnohstaben oder Monogrammen besteht Stempel dieser Art 
sind von Andern bis jetet, mit Ausnahme der mit IMA^^) beseich- 
neten, den onbestinmibaFen beigezählt worden; Dnmont hält meh- 
rere*^^ soloher fisgliohen Stücke — ob mit Beoht oder Unreoht, 
Unbe nnentsdiiedeii — fttr rhodisohe. 

Hinsichtlich der rhodischen Abseichen mnss ieh noch be- 
merken, dass das reiche Material DnmonVs nns nicht sowohl viel 
neae gdiefert hat, als vielmehr zur YervollstSndigung und znm 
richtigeren Verständnis« der bereits bekannten mehr oder weniger 
beitrSgt Zu letsteren^^ treten im Qanzen nur vier neue hinzu, 
und von diesen kommen noch zwei — ein Dreizack'^ und eine 
stehende Figur ^ — weil sie auf Henkeln nicht ganz sicheren Ur- 
sprungs erscheinen, weniger in Betraeht als die beiden anderen — 
ein belaubter Baum^^} und die Herme des Helios.^') Das erstere 
der suletit genannten Embleme, wenn überhaupt riehtig erkannt, 
ist die Marke eines Fabrikanten *Amüvtoc,^) wShrend die Herme 
des Sonnengottes, welche auf den drei^) sidier aus Bhodos stam* 



142) Franz 1. 1. p. VI N. 56-60, B. S. V S. 449 N. 9. 10 vergl. 

A. D. p. 81 N. 31. 32. 143) Franz p. IX 2<. 236—238, Stephani C. 

B. 1869 8. 197 96, A. D. p. 96 N. 147. 144) Fraas 1. 1. p. XI N. 
861. 145) Franz I. 1 p. VI N. 48. 49; A. D. p. 80 N. 27. 28. 146) 
Franz, CIGr. III p. X N. 258—262, B. B. I S. 427 N. 67. 6S, B. S. IV S.45G 
N. 23 S. 500 N. 39, B. S. V S. 454 N. 33, Stephani C. Ii. 1866 S. 131 
N. 6, 1869 S. 197 N. 29. 147) S. 116—117 N. 1. 2. 9—16. 148) 
sieh Becker 8. lY 8. 489 und 8. V 8. 619. 149) A. D. p. 96 N. 187. 
160) A. D. p. 103 N. 201. 151) A. D. p. 80 X. 30. 152) A. D. 
p. 98 N. 162, p. 112 N. 265, p. 108 N. 231, p. 112 N. 266. 267. 153) 
sieh oben den Text zu Anm. 83—90. 154) A. D. N. 231. 266. 267. 
Ton den beiden anderen Stfleken kann man um so eher ahaehen , als 
die Unsicherheit ihres an und für sich schon zweiÜBlhaften Ursprunges 
noch dadurch erhöht wird, daas die Herme des Sonnenj^ottes nicht^ wie 
auf jenen, links von der inscbrift, sondern über derselben steht 



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auf dem tfidlichen Russland. 51 

menden Stücken, links vnu der Inschrift, die dem Strahlenhaupte 
des Helios sonst immer ziigfwiosone Stelle einnimmt, ijerecbteu An- 
spruch auf ein rhodisches Staatswappen, dessen sich die auf jenen 
Henkeln genannten Magistratspersonen bedient hätten, zu haben 
scheint. Dieselbe staatliche Bedeutung wird man mit Berllcksich- 
tigung zweier von Dumont veröffentlichter Stücke '^^*) und des von 
mir schon oben*''*'! besprochenen Henkels dem Füllhorn einräumen 
müssen, zumal da es einmal'^') in der Mitte einer Rundschrift vor- 
gefunden wird und dort das gewöhnliche Staatswajipen der Khodier 
— das balaustium — zu vertreten scheint. Dagegen dürfen, wie 
wir bereits oben^ gesehen, sowohl die zwei vierstrahligen Sterne,*''^) 
links von der Inschrift, als auch die in den vier Ecken der Stempel 
angegebenen Steimchen *''^) nur für persönliche Abzeichen der re- 
spectiven Fabrikanten gehalten werden. — Was endlich die neuen 
Buchstabenformen anbelangt, so sind dieselben auf den rhodiachen 
Henkeln Dumont's*^*) folgendermassen vertreten: auf 21 Stücken'^*) 
sehen wir das runde C, auf 13*^) das runde €, auf .') ^''"*) das rund- 
liche (O, und auf je einem die Schriftzeichen C *^^) S ^^'^) und ^ 

Nachdem man l)isher bei der Beurtheilnng der knidischen 
Henkelinschrifteu hauptsächlich auf die von Franz'*'"'*) zusammen- 
gestellten Exemplare und auf die wenigen im südliclien Russland 
aufgefundenen Stücke '^'*j beschränkt gewesen, bietet uns Dumont 



105) A. D. p. 103 N. 202 und p. 114 N. 7. 156) N. 24. 157) Ste- 
phani Antiq. ingcript LXXIX N. 12. 168) sieh den Text zu Anm. 

67—61. 169) A. D. p. 82 N. 42. 46. 46. 160) A. D. p. 84 folg. 

N. 61. 92. 161. 286. 161) A. D. p. 76—124. 162) A. D. p. 77 folg. 
N. 9. 40. 66. 68. 72. 80. 98. 106. 123. 153. 164. 182. 213. 238. 239. 243, 
p. 114 N. 10, p. 117 N. 6, p. 121 N. 20. 28. 36. 163) A. D. p. 85 folg. 

66. 68. 72. 123. 126. 163. 182. 189. 213, p. 114 N. 10, p. 118 folg. 
N. 2. 20. 28. 164) A. D. p. 82 N. 40. 41. 126. 168, p. 114 6. 
166) A. D. p. 76 N. 3. 166) A. D. p 93 N. 126. 167) A. D. p. 108 
N. 237. Während die rhodiachen Henkel Thimont's sich im Ganzen 
auf 447 belaufen, Btammen — nach den Schriften ISt('j)bani'8 , Mao 
Pberaon's und Becker s (mit Einschluss der oben behandelten 28) — aus 
dem vfidKehen RoaeUmcl im Gänsen 418, yon äagnen 188 in Eertoeh und 
der Umgegend, 235 in Olbia gefiindru worden sind. Unter diesen 418 
Henkeln findet nich das runde C sowohl in Olbia als in Kertscb auf je 

7 Stücken, das nmde € in Olbia auf 6 und in Kcrtsoh auf 4, das grad- 
linige C in Olbia auf 3 und in Kertech auf 2, und das rundliche CO nur 
in Sertooh auf 2 Stflcken, sbcnr die andern beiden neueren Schriftceichen 

8 nnd 8 fehlen gänzlich. Nach diesem Zahlenverhältnisse lilBst Bich 
freilich nicht mit Sicherheit sagen, ob Rhodos einen längeren Verkehr 
mit Athen oder mit Olbia und Panticapacum (Kertsch) unterhalten habe, 
aUeiii Enteres iti nieht biet wegen der grösieren Ntthe beider StiUlte 
dae Wabrscheiiilichere, sondern scheint auch durch das häufigere Vor- 
kommen der neueren Buchstabenformen auf den Henkeln Dumont's be- 
stätigt zu werden. 168) CIGr. III p. XIV— XVI N. 1—177. 169) Ste- 

«hani Mel. II p. 210 K. 8 uud C. Ii. löüö S. 214 N. 20, 1866 S. U2 
i IS, 1869 8. 189 K. 68, Becker MA. I S. 488 N. 1—7, Sup. lY 8. 457 
K. 1-^, 8Qp. y 8. 469 N. 1—6. 

4* 

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52 P* Becker: Ueber eine dritte SammL imedierier Henkelinschriften 

grade für die knidi sehen Stempel ein so überaus reiches Material, 
dass dasselbe zu einer erneuerten Untersuchung sämmtlicher m diese 
Kategorie gehörigen Henkel auffordert ww] nur erst jetrt zn einem 
endgültigen Abschlüsse des Gegenstandes führen kann. Hiernach 
glaube ich Folgendes bemerken zu müssen: die Stempel der zwei- 
henkeligen knidi sehen Amphoren sollten, wenn auch in verschie- 
dener Reihenfolge und je uachdera die nöthige Inschrift auf den 
einen Henkel gesetzt oder in beide vertheilt wurde, dreierlei con- 
statiren, nämlich die Provenienz der (Tefiisse, die staatliche Controle 
und die respective Fabrik. Die Provenienz wurde durch die voll- 
stiindige oder die mehr oder weniger abgekürzte Beischrift Kvibiov, 
Kvibiujv^''^), die staatliche Controle durch die Präposition eiri mit 
dem Namen des Kponymos; und die Fabrik durch die Angabc des 
Pabrikherrn bezeichnet. Dazu kommen hUufig noch mannigfaltige 
Embleme, welche bald auf den Staat, bald auf die in den Stempeln 
genannten Persönlichkeiten Pezug haben. Sehen wir uns das Fiin- 
zelne noch näher an, so finden wir auf einci- nicht unbedeutenden 
Anzahl der von Dumont publicierten Heukelinschriften ^"^j als spe- 
ciellen Amtstitel des betreffenden Magistrats den Namen Opoupapxoc, 
welcher — meistens ohne Prä])osition eiri, im absoluten Oenetiv ge- 
braucht und fast immer unmittell»ar vor einem Eigennamen stehend*'*), 
— einerseits, wie bei den Henkeln mit dcTuvö/nou, die Bedeutung 
eines Amtsnamen zu haben scheint, aber andererseits auch als Eigen- 
name anerkannt werden muss. Als >olcher erscheint er — abgesehen 
von meiner schon frülier aiiSgesi)roehcnen Vcrmuthuug ''^) und deren 
wahrscheinlicher Bestätigung durch ein neues Stück ''•'^) — ohne 
allen Zweifel auf einem Dumont'schen Henkel'"®): Kvibi'ov. 'AttoX- 
XiuviOü. 'ApiCTcibiic Opoupdpxou, wo der C'ompagnon des Fabri- 
kanten 'AttoXXijuvioc den Namen 'Apicieibric *'*') führt und der 
Sohn des 0poiJpapxoc genannt wird. Eine gleiche Bedeutung dürfte 
der Name Opoupapxoc auf denjenigen Henkeln haben, wo ihm kein 
anderer Name beigegeben ist, und wo er einmal ^^^) für den Eigen- 



170) Wofür ausnahmsweise (A. D. Sdrie IX p. 326 N. 6) Kvtbiduiv, 
(N. 4) Kvibiöv nnd (N. l. 2. 3. 6. 7) Kvibto (tc. icc^fifc) stehen aoll. 
171) S^rie I p. 126-^138 und Serie XII p. 385. 38G. 172) Die Prä- 

position l-ni findet sich bei Dumont nur auf folgeuden Stücken: Serie 1 
p. 12Ö folg. N. 1. 6. 11. 12. 27. 37. 56; Serie XU p. 386 K. 5. 173) Isur 
auf einem Henkel (A. D. 8^rie XII p. 886 N. 1) ist diese gewOhnliehe 
Stellung nicht beobachtet, nnd sie \vird auf denjenigeu Stücken zweifeU 
haft, auf denen Opoupdpxoi» zwisclicn zwei im absoluten Genetiv ge- 
brauchten Eigennamen steht (A. 1). Serie 1 ji. i;U N. 50. 51. 53. 54 und 
Stephani C. H. 1866 S. 214 ^\ 20, 1866 ö. 132 N. 13), und wo mau 
also nicbi mit Bestimmifaeit sagen kann, welchem von Urnen der Titel 
<|)poupapxoc zukomme. 174) B. M<51. I S. 476, Sup. IV S, 490, Sup. V 
S. 623. 175) A. D. Serie I p. 132 N. 36. 176) S^rie XII p. 385 
N. 2. 177) Ä. D. p. 232 N. 6. 7, p. 246 4. 5. 6«, p. 263 N. 105, 
p. 306 N. 33. 178) A. D. p. 277 N. 38. 179) A. D. p. 125 N. 1 vergl. 
SArie y p. 881 folg. N. 1. 6. 9. 10 etc. 



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aus dem südiicbeu EussUuid. 



53 



uaiuen des Magistrats, und zweimal i für den eines Fabrikanten 
gehalten werden knnn. Da-seliic ist bei einem anderen Stücke''*') 
der Fall, auf welchem Opoupdpxou, wie ich schon bei einem ganz 
ähnlichen Exemplare*'**) behauptet, jedenfalls als Eigenname zu 
nehmen ist, und es nur fraglich bleibt^ ob man ihn für den Namen 
des Fabiikanteu, einen Sohn des 'Ayiac, halten, oder ihn niclii viel- 
mehr dem Damiurgen AeEiqpdvric i Ae£i(pp6vric) als Patronymicum 
vindicieren soll. Wie dem aber auch sei, ^o kann bei den genannten 
Henkeln «an einen Amtstitel um so weniger gedacht werden, als die 
Nennung zweier Magistratspersonen in einem ganz kurz zu fassenden 
Stempel, der nur alle nöthigen Angaben iu sich vereinigen sollte, 
schon an und für sich sehr unwahrscheinlich ist. — Zu gleicher Un- 
sicherheit giebt der auf den knidischen Henkeln vorkommende 
Amtstitel ba^toupxöc keine Veranlassung. Derselbe, nach der 
fehlerhaften Aussprache meistens bajLiiopTÖc und nur ausnahmsweise 
ba^ioupTÖC *^^) geschrieben, ist mit dem Eigennamen des Magistrats 
fiisfc immer Ton der Präposition iid abhftngig und wird ausserdem 
Boeh dflm'^) von einem sweiten Eigennamen im Genetiv, dem 
Patronymicum des genannten Damiaxgen^^), begleitet In einem 
80 voUetSndigen Stempel war nur noch so lißL Flatz, um entweder 
den Namen des Fabrikanten oder die Provenienz durch Kvibfov 
nicht aber, um Beides zugleich anzugeben. Sollte Letzteres ge- 
schehen, so Hess man das Patronymicum beim Namen des Damiurgen 
fort^) und begnügte sich, wie in diesem Falle auch bei den Stempeln 



180) A. D. p. 126 N. 2. 3 veigL p. 231 N. 1» 2. 4 etc. 181) A. 
D. Serie II p. 139 N. 3: ^tri ^a^lo^»p•foü Aftiqppöveuc Opoupdpxou 'Ayia. 
182) Snp. V 8. 460 N. 5: inl bafJio(vjp)Yoö A€Ei9dvEuc 0poupdpxou 'fi\^yia. 
188) A. D. Särie U o. 139 N. 3. 7, B. S. V S. 460 N. 5. 184) Stott 
der Prftpodtion ^Tci kommt der absolut gebrauchte Genetiv nur ein paar 
Mal vor, nämlich A. D. Serie II p. 139 N. 5: AaimiopYoO 'kpoqxivTOU. 
M€v^cpaTOC. Kvifefov und Serie XII p. 385 X 21. 186) A. I). S^ric II 
p. 138 N. 1: ini öajiiioptoü OiXtütou, Kviöiov. N. 3(?). 7. 8. 10. 13, Sdrie 
Xn p. am folg. N. 2. 4. 6. T. 9. 10. 11. M. 22. 186) Dass der sweite 
Name für das PatroDymicnm des MagistratB und nicht für (Un des 
Fabrikanten zu halten sei, trgiebt sich — abgesehfn davon, dano die 
Zahl der knidit^chen Fabrikauteu durch die vielen neuhinzukounnendcu 
Namen iu das Uo^iaubliche erhöht wiirde — achon durch den Tlat^, 
welchen er, in unmittelbarem AoschluBBe an den Torhergehenden Nameu, 
auf mehreren Henkeln (A. D. S^rie II p. 138 N. 1. 3. 7 Sdrie XII p. 
383 folg. X. 4. 11. 13. 20. 22) einnimmt, ferner dnrcli die A})kürzTmgen, 
in welchen dieser zweite Name als der unwesentlichere bisweilen erscheint 
(A. D. Serie II p. 138 N. 1: OiXra, vergl. Serie IV p. 194 N. 313: Xap- 
MOKpa p. 196 N. 323: 'AiroUuj, Q6t, Yll p. 272 K. 4: 9eu . .)> Bowie 
durch den Nachweis, dass auf ein paar anderen knidischen Henkeln (A. 
D. Serie VII p. 281 N. 57. f)H: Aa|LioKp(iT€V)c toö 'ApicToitXcöc) der zweite 
Käme iedenfalU das Pationymicam zu dem erntou ibt. 187) A. D. 
86de n p. 189 K. 8, B. 8. Y S. 460 N. 5. 188> A. D. S^rie p. 188 folg. 
N. 1. 7. 8. 10. 13, S^rie XII p. 882 folg. N. 2. l 5. 7. 9. 10. 18. 20. 
22. 189) A. D. S^e U p. 189 N. 6, Särie XU p. 884 N« 16. 



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54 ^* Becker: Ueber eine dritte SammL unedierter HeokelinschriAen 

mit dem Amtstitel qppoupapxoc *^), mit dem alleinigen Eigennamen 
des betreffenden Magistrats. Femer darf es nicht auffallen, dass 
auf denjenigen Henkeln, auf welchen der Magistrat mit besonderem 
Aintstitel ba/iioupTOC oder qppoupapxoc bezeichnet wird, die sonst 
in den knidischen Stempeln häufig vorkommenden Abzeichen mehr 
oder weniger fehlen; denn unter den 35 Stücken^'") der erstcren 
Kategorie, wo der Magistrat bamoupYÖc, imd den 78 Fxemplaren 
der zweiten *^^), wo er qppoupapxoc heisst, finden wir in jeder nur 
je fünf Honkel mit F^mblemen; ihre Abwesenheit erklärt sich in den 
vollständigeren Stempeln durch den Mangel an Kaum, und in den 
kürzeren durch die Vertheihmg der nötliigeu Inschriften auf beide 
Henkel j von denen uns nur der eine vuiiiegt, der andere aber ver- 
loren gegangen ist. Unter den auf diesen zehn Stücken erscheinenden 
Abzeichen, von denen eines ^'^'^j nicht mehr deutlich zu erkennen ist-, 
haben der Anker, das Hintertheil eines Schiifes '•''') und der Stier- 
koi)f,*^*') da sie auch auf knidischen Münzen vorkommen, jedenfalls 
eine staatliche Bedeutung, während dagegen die Herme, ^''*') der 
Palmzweig ^^^) und die Amphora ^•''') in direkterer Beziehung zu den 
auf den respectiven Henkeln genannten Persönlichkeiten zu stehen 
scheinen, so da-ss die Amphora einmal ^^'•') das Abzeichen des Dami- 
urgen KapvedboTOC, eines Sohnes des Aiovucioc, dann aber wieder****) 
die Fabrikmarke eines Fabrikanten Aiovucioc sein kann. Was endlich 
das Verhältniss des qppoupapxoc zum ba)UioupT6c in Knidos anbelangt, 
so ist uns darüber nichts Näheres bekannt, aber wahrscheinlich ist 
68, dass die amtliche Stellung und Thätigkeit der dortigen Phrurarchen 
mit der der Astynomen'^) in den griechischen Colonien am Nord- 
gestade des Pontes Euxeinos mehr oder weniger Aehnlichkeit hatte, 
und dass oameiiÜich sowohl den Einen ^) als den Andern die 
spedeUe Aufsieht ttber das Töpfergesbhift ftbertngen irar. Bei der 
Terwaltmig des iUinlichen Amtes scheint indessen das Ansehen und 
die Anctoritftt der Astynom^ eine grössere als die der Phrurarchen 
gewesen su sein, da die ans jenen giiechischen Ansiedelungen stam- 
menden Henkelinschriften keines andern Magistrats als des Astj- 
nomen gedenken, es dagegen unter den knidischen nicht an Stempeln • 
fehlt, in welchen statt eines Phrurarchen der bajmioupTÖc genannt, 
und letsterar überhaupt durch die vor seinem Namen, mit oder ohne 



190) A. D. Sdrie I p. 134 folg. N. 50 51. 54. 55. 66(?). 57(?). Serie 
XII p. 386 N. 4. 191) A D. S^rie II p. l ^S 141 N. 1-13, Sdrie XII 
p. 382—385 N. 1-22. 192) A. D. Serie I p. 125—138 N. 1—72, 

Sörie XII p. 385 N. 1—6. 193) A. D. Serie I p. 184 N. 51. 194) A. 
D. S^rie I p. 1S4 N. 49, S^rie II p. 140 N. 8. 196) A. D. Sdrie I 
p. 132 N. 37. 196) A. D. Sdrie I p. 138 N. 69. 197) A. D. Sdrie II 
p. 139 N. G vergl. p. 227 N. 509 und p. 103 N. 129. 198) Sdrie 1 

p. 128 N. 16. 199) A. D. Sdrie XII p. 383 N. 5. 7. 15. 200) N. 6. 
)t01) N. 7. 16. m) B. B. I 8. 488 folg.« B. 8. IV 8. 464 folg. und 
S. 492, B. 8. y 8. 476 folg. 908) B. 8. IV 6. 498. 



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aas dem sfidlicben BosBÜnd. 



55 



Anitslitcl, stoheiidc l'riiposition t7Ti~"') als der lOponymns des Staafps 
gekeunzeichnet wird. Eine solche Bedeutung darf inau den l'hrurarcheii 
um so weniger einräumen, als sie in Kuidos, wie aus der Schrift in 
den beiderseitigen Stempeln zu ersehen ist^*^*''), gleichzeitig mit den 
Damiurgen existirt haben müssen, und als bei ihrer Erwähnung die 
Präposition €7Ti, welche den Begriff der Zeit und des über etwas 
Gesetztseins in sich vereinigt, nur ganz ausnahmsweise^*') gebraucht, 
statt derselben aber der absolute Oenetiv des Amtstitels und eines 
Eigennamens gesetzt wird, These Vertretung der Präposition im 
hört indessen auf, sobald nicht der Amtstitel und der P^igeuname 
zusammen, sondern nur der eine oder der andere im absoluten 
Genetiv erscheint, welcher dann, nach griechischem Sprachgebrauche, 
der den Besitz anzeigende Casus ist und in dieser Bedeutung un- 
möglich auf den Magistrat, wohl aber auf den Fabrikanten Be- 
zug haben kann und, wie iu den Heukelinschriften anderer Staaten*^), 
so auch in den knidischen **^) wirklich Bezug hat. Der Name 
des Fabrikanten kann aber ausserdem noch, \vie viele Henkel'^"'*) 
zeigen, im absoluten Nominativ stehen, welcher Casus bei der An- 
gabe des Magistrats nur in den Heukelinschriften von Thasos^^^) 
vorkommt, aber in denen von Knidos nicht gebräuchlich gewesen zu 
sein scheiiit» 

Was im Vorstehenden spedell vcm den knidischen Henkeln 
mit ba^ioupTÖc nnd 9poupapxoc bemerkt nnd anf ümm nach- 
gewiesen worden, das güt im AflgemaiiMn ancli fttr die ^riel grossere 
ZaU derjenigen BtQeke am EiddoB, auf welehen jene Amtstiiel niolit 
besonders angegeben werden. Da nnn anf jenen, den schon bespro- 
ehenen Henkeln, das oonseqnenfte Festhalton einerseits an der PrS- 
Position ird mit Angabe des Amtstitels nnd der Eigennamen, nnd 



904) Als eins^ Ansnahme ist A. D. S4in» II p. 19^ K. 5; AoMioptoO 
*l€po<)>dvTou zu erw&hnen, wo aber die dtopeh die absoluten Genetive 
vertret-ene Prä])oaition itzi^ vor bamopToO verwischt oder übersehen Pein 
kann. 206) Abgeeehen von den gleichen Schriflzeichen der älteren 
Zeit bei der Angabe des respectiveu Amtetitels ba^ioupTÖc oder <t>poOp- 
a|ixoc, finden wir die erat spftter gebrftochliehen BnoMtabeiifonnen — 
C, €, 03 — auch bei beiden, und zweu: kommen letztere, vereinzelt oder 
sammtlich, bei Dumont (R»^rio II p. 138 folg. N. 1—13 und Serie XII 
p. 3Ö2 folg. N. 1—22) von 35 btücken mit baiuopTÖc anf 19 vor, wäh- 
lend sieh dieselben bei ihm (SMe I p. tU i(Ag. 1—72, XII 
p. 886 folg. N. l*>-6) unter 78 Henkeln mit «ppoupapxoc auch anf 15 
nachweisen lassen. 206) A. D. Serie I p. 126 folg. N. 11. 12. -21. 
56 und Sörie XII p. 385 N. 5('j'), und selbst auf diesen wenigen Stücken 
ist es noch zweifelhaft, ob <ppoOpapxoc Amtstitel oder Eigenname sei, 
mid ob wirklieh die Terwiaehten Bnäittaben durch tid erbost werden 
müssen. 207) Zahlreiche Beispiele dieser Art finden riob namentlich 
auf den rhodi?chen Henkeln und denen mit dcTUvö|iOU. 208) sieh 

Dumont St^rie VI p. 245 folg. N. 1. 2. etc. 209) A. D. S^rie II p. 139 
N. 5, Serie IV p. 208 N. 391, S«5rie VI p. 250 folg. N. 27» 28. 29. 48. 
59. 58. 107. m. 146 Serie VII p. S79 N. 48—45. 67. 178 S^rie XU 
p. 885 N. 8. 810) B. S. Y 8. 584. 



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5(> 1*. Becker: Ueber ciue dritte äamml. uuodierter Uenkeiinschriftcu 

uudererseits an den absoluten Genetiven des Amtstitels und der 
Eigennamen einen offenbaren Unterschied im Gebrauche und in der 
Bedeutung beider Constructiouen coustatirt, und da ferner der ab- 
solute Genetiv der Eigennamen allein, ohne Hinzutritt des Amts- 
titels, nicht schlechtweg den rhrurarchen angehören kann, so dllrfeu 
wir auch nicht anstehen, in den, ohne Amtstit^l, von der Präposition 
tTTi abhängigen Eigennamen — die Damiurgen, dagegen in den, 
im absoluten Genetiv oder Nominativ auf den Henkeln vorkommenden , 
Namen — die Fabrikanten zu erkennen.^^*) Jene — die Damiurgen 
— werden sehr oft^'^ mit ihren respectiven Patronjmicis genannt, 
diese — die Fabrikanten — k0nnen die ^terlieben Kamen nnr dann 
bei Wik baben, wenn es, wegen der Yertheilung der Inschrift auf 
beide Henkel des GefSsses, nicht an dem nöthigen Banme fehlte'"), 
an welehem es aber, bei dem ZnsammendrSngen der erforderlichen 
Angaben in einen Stempel, gebrechen mnsste.'^) Ausserdem sogen 
uns swei im NominatiT neben einander stehende'^), bisweilen noi^ 
dnroh die Cknynnction Kai verbundene Eigennamen '^^) die Doppel- 
firma Yon Gompagniegeschftften, neben welchen es noch andere gab, 
in denen uns drei Theilnehmer'^') als die gemeinschaftlichen Falnik- 
herren genannt werden. Was femer anf den knidischen Henkeln 
die Abzeichen anbelangt, so sind sie anf den Stücken ohne Angabe 
der spedellen Amtstitel bafuoupTÖc oder «ppoOpopxoc sehr gewöhn- 
lieh nnd, wie die Dnmont'sche Sammlung zeigt, noch viel mannig- 
&ltiger «üs nach dem nns vorliegenden Material schon bekannt war.'^) 
Ihrer Bedentnng nadi, sind sie bald fttr Staatswappen, bald fttr die 
Abaeichen der auf den einzelnen Henkeln genannten Persönlichkeiten, 
bald aber aneh fttr gewöhnliche FM>rikmarken ro halten, allein diese 
unterschiedliche Bedeutung läset sich im Einzelnen nur mit mehr 
oder weniger Wahrscheinlichkeit nachweisen. Fttr staatliche Em- 



211) Dass die im Nominativ oder im absohitou (Jenetiv stehenden 
Eigennamen für die Fabrikanten in Anspruch genommen werden 
mÜBS^, da« ergiebt noh offenbar aus denjenigeu kniditchen Henkel- 
Inschriften, in welchen die Conjnnction Ka( zwei, bald im Nominativ 
(A. D. Serie IX p. 827 N. 3. 4. 6), bald im Genetiv (A. 1). Serie IX 

S. 329 N. 5. 8) gebrauchte Namen verbindet und, in beiden Fällen, nur 
ie Inhaber gemeinschaftlicher Fabrikgeschftfte bezeichnen kann. 
212) A. I). Serie IV p. 142 folg. N. 1—16. 17—26 u. s. w. Serie VII 
p. 272 folg. N. 4. 8. 9, 10. 14. 17—19 u. s. w. 213) A. D. Serie MI 
p. 275 folg. N. 21. 22. 2;{. ;J9. 91. 130—133 u. s. w. 214) Mit Berück- 
sichtiguDg dieser allgemeinen Hegel macheu auch ein paar Ilenkel- 
insohnften (A. D. S^ne U p. 139 N. 2 und B. 8. V S. MO N. 5), wenn 
<t>poupdpxou als Patronymicum des Demiurgen AeEiq>dvr)c (A€Ei<ppöv»-|c) 
nnd 'A^ia als <ler Name cinos bekannten Fabrikanten (A. D Serie IX 
p, 328 folg. N. 2. [}. 0. 7. H. 10. U) penommon werden, keine Ausnahme 
(8. oben Anm. 181 182 und den Text). 215; A. D. Serie VII p. 272 folg. 
N. 1. 2. 3. 5. 7. 11 n. b. w. 216) A. D. 84rie IX p. 327 folg. 

N. 3. 4. 5. 217) A. D. S^rie IX p. 829 folg. N. 10. 11, p. 886 N. 88. 
218) B. S. V S. 522. 



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aas dem iüdüchen Kosaland. 



Werne werden vor Allem diejenigen gelten können, welche uns aU 
solche sihon durch «lie knidischen Nfünzen bekannt sind, oder welche 
i«ich, bei ganz verschiedenen Eigennamen, sowohl in den Haupt-, als 
auch in den Nebenstempeln vorfinden und desshalb in keiner näheren 
Beziehung zu den auf den einzelnen Piücken erwähnten Personen 
stehen können. Hierhin sind etwa fulgende zu rechnen: l) der de 
face dargestellte Stier köpf, um welchen sich, wie bei den rho- 
dischen Henkeln mit balaustium, der Name des Eponymos**^) oder 
, des Fabrikanten,"'-"') mit Angabe der Provenienz (Kvibiov) in dem 
einen oder dem anderen Stempel, kreisfönnig herumzieht, und welcher, 
wenn die Inschrift gradlinig iüt, in der .Mitte derselben steht/'*"'^') 
2) der Dreizack, welcher, wenn auch den Nebenstempeln***) nicht 
fremd, sich doch besonders auf den Hauptstempeln **^) vorfindet, wo 
er, horizontal liegend, meistens in unmittelbarer Ni^he von Kvibiov 
oder den Magistratsnamen zu erscheinen pflegt. Wie der Dreizack, 
als gewöhnliches Attribut des Poseidon, auf die Meeresherrschaft 
von Knidos hinweist, so deutet 3) der Anker,**^) 4) das halbe 
Schiff,**"") 5) das Vordertheil eines Schiffes,**^ 6) dar hin- 
tere Tkeil eines Soliiffes,**^) 7) das Bader**^ und 8) der 
Hermesstab*'^ aaf die Seeschifffahrt und den Seehandel des kni- 



«19) A D. 86ne IV p. 159 folg. N. 108. III. 148. 148. S64. 878. 
«74. 402» S^rie V p. 234 N. 21. Särie X p. 340 N. 80. 81. 82. 129 u. s. w. 

220) S^rie IV p. 173 N. 192. 256. Serie VH p. 278 folg. N. 39. 57. 58. 
91. Serie IX p. 3.30 folg. N. 11. 12, ]>. 334 X. 22. 23. S^rie X p 338 
N. 6* 7°. 8. 9. 10 u. 8. w. 221) A. D. iStirie IV p. 177 N. 214. 215. 
887. 854. 409» 458. 8^e V p. 888 N. 10. 8^rie VI p. 864 N. 118. 140. 
141. 142 n. B. w. 222) A. D. S6ne IV p. 202 N. 354» Sdrie V p. 
235 folg. N. 30. 91. 92. Serie X p. 344 folg. N. 40. 47. 103. 104 u. s. w. 
223) A. D. S(5rie IV p. 146 folg. N. 20. 23. 77. 174. 178. 183. 185. 186. 
220 »>. 230. 247 262. 298» 296 u. 8. w. St^rie VI p. 847 folg. N. 9. 42**. 
45. 61. 85. 88. 90. 91. 98 u. t. w. 884) Haupts tempel: A. D. 
S^rie IV p. 144 folg. N. 8. 9. 10. 26. 193. 217. 248. 283. 284» 292. 293. 
296. 315 u. 8. w S^rie VI p. 245 folg. N. 1. 32. 35. 38 u. w.; Neben- 
stempel: A. D. S^rie IV p. 200 folg. N. 345. 357. 464. 496. Serie VI 

S 266 folg. N. I. 85. 184. 8400» VII p. 898 N. 180; ohne Kvtöibv: A. 
. Serie VI p. 866 N. 125. Q&ae VII p. 288 folg. N. 104. 107. 130. 
885) Hauptstempel: A. D. Serio IV p. 216 folg. N. 439. 439». 498. 
SOO, Serie VI p. 252 N. 36, Serie IX p. 326 N. 3; Nebenateni pcl: A. 
1>. Serie V p. 243 N. 90, Serie Vll p. 295 N. 152; ohne Kviöiov; A. 
D. 8^e Vll p. 885 N. 158. 886) Hauptetempel: A. D. S^rie IV 
p. 145 folg. N. 14. 231. 348. .'581. 388. 428. 455. 460. 471»; Xebeu- 
Ktempel: A. D. Serie IV p. 213 folg. N. 4 >2. 423». VII p. 895 N. 149; 
ohne KvKfiov: A. D. Serie VII p. 287 folg. N. 97. 129. 149, Serie X 
p. 354 folg. N. 122. 159. 167. 227) UauptBtempel: A. D. S4rie IV 
p. 180 folg. N. 883. 388, S^rie VI p. 847 N. 12. S^e X p. 887 N. 8. 

228) Hauptstompel: A. D. S^rie IV p. 149 folg. N. 43. 47. 115. 186. 
156. 182. 232. 368. 384». 436. 469. 403, S^rie X p 355 N. 127. 

229) Hftuptatempel: A. D. S^rie^V p. 146 folg. 2s. 22. 59. 76''. 89. 
128. 184. 184*. 148\ 158. 154. 168. 165. 168. u. b. w.; Nebenstempel: 
A. D. S^rie VII p. 273 folg. N. 11. 149, Sdrie X p. 867 N. 814; obne 
Kvibiov: A. Ü. S^e IV p. 185 N. 864. 



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58 i** Becker: lieber eine dritte Samml. anedierter Ueukelinscbriften 

dischen Staates, uud wir werdeu um >o weniger anstehen, diese 
Abzeichen für stfiatliche zu halten, als hie, mit Ausnalime von N. 8 
und N. 7, bei ganz verschiedenen Namen, in den Haupt- und Neben- 
stempeln vorkommen und, nach der ihnen auf den Henkeln an- 
gewiesenen Stelle, füglich nur die ('omplimente zu Kvibiov, statt 
welcher Beischrift ihr Erj-cheinen allein bisweilen*'^} schon ausreicht, 
tscin kr»iinen. Als Repräsentanten der Kj*aft und Maclit von Kiiidos 
sind ferner 0) das aucli auf knidischen Münzen''^' ) häutig dargestellte 
Vordertheil eines Löwen^*^), 10) die Doppelaxt"'^"') ( bipennis) « 
und 11) die Keule^**) zu betrachten, da diese Embleme, ohne Be- 
rücksichtigung der auf den Henkeln genannten Persf^nlichkoiten, 
gleichfalls mit der Beischrift Kvibiov in engster Verbindung zu 
stehen uud die politische Bedeutung des Staates zu veranschaulichen 
scheinen. Wii*. treffen sie nämlich sowohl auf den Haupt-, als auf 
den Nebenstcmpeln und selbst auf solchen Stücken, auf welchen die 
besondere Angabe yon Kvibiov vermisst wird.*^) Ausserdem ist 
noch zu bemerken, dass sich die Insehriften bei N. 9 immer kreis- 
förmig um das in der Mitte befindliche Abieichan — das Vordertheil 
einee LOwen — heniiiisiebeii, dase die Doppelftzt, wenn wegen des 
nicht am Ende der Ineehnft stehenden Namens Kvtbfov ein nnmittel- 
harer AnsehliisB an denselben nicht stattfinden kann, entweder hori- 
ssontal iwisehen den Zeilen liegt ^'^) oder anfiedht an der rechten 
Seite der Inschrift steht ,'^^') und dass die Keule bisweilen yon der 
ein gradliniges Viereck bildenden Inschrift eingeschlossen wird.*^ 
Als Zeiehen der Herrschaft ist 12} das Scepter nur ausnahmsweise 
gebraucht'^ Ausser diesen mehr oder weniger auf den Staat be- 
zOglichen Al»elchen trifft man auf den knidischen Henkeln noch eine 
nicht unbedeutende Zahl solcher Embleme, welche, wenn sie auch 
zum Theil ebenfalls in den Haupt- und in den Nebenstempeln vor- 
kommen, dodi im Ganzen wohl deswegen nicht so hlufig wie die 



280) gieh Anm. 224. 225. 226. 229. 231) Mionnet Deecription 
de mödaülea antiques Vol. III p. 839 N. tOt. t04. 206. 206. 
232) HauptBtempel: A. D. S^rie IV p. 173 folg. N. 190. 194, S^rie 
VI p. 248 folg. N. 13. 27; Xebenatempel: A. D. S(5rie X p. 346 folg. 
N. 48. 66. 152. 170; ohne Kvibiov A. D. Serie IX p. IVM (ohr. N. 24. 
88. 233) Uauptatempel: A. D. Serie IV p. 1U6 folg. N. 316. 317. 
887. 898. 447. 608*. 608. 618. 614, S&cie VI p. 267 folg. N. 86. 160; 
Neben Stempel: A. D. Sörie IV p. 195 folg. N. 319^ 400. 402, Serie 

V p. 23« folg. xV. 32. 51. 74; ohne Kvibiov: A. D, Serie Vll p. 281 i'oh^. 
N. 65. IbH, Soric VIII p. 303 N. 13, Serie X p. 354 folg. N. 119. 189. 
234} Hauptstümpel: A. D. Serie IV p. 154 folg. N. 74. 208». 241. 420, 
86ne X p. 848 N. 88; Nebenstempel: S^rie V p. 281 N. 8; ohne 
Kvt6(ov A. D. Sdrie VIII p. 810 N. 62. 235) sieh Anm. 232. 288. 
234. 236) A. D. S^e VI p. 247 folg. N. 10. 66. 237) A. D. S^rie 

VI p. 263 N. 43. 63». 238} M D. Sürie IV p. 172 N. 187, Sörie VI 
p. 260 N. 26. 239) A. D. Sdrie VII p. 289 N. lU und CI6r. III 
p. XV 8. 67. Auf beiden Henkeln steht das Soeptor bei eioem llsgirtnto- 
nameii. 



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am dem gfidUehen Bnulmnd. 



59 



olngeD gebraucht worden sind, weil ne sich entweder direct auf die 
in den Inflcbriften genannten PereOnHchkeiten m beaehen, oder in- 
direct mit denselben in Verbindung tu stehen scbeineii, so dass sie, 
obgleich eine genaue ünterscheidung nicht möglich ist» bald flür die 
persSaHohen Abieichen der Magistrate oder der Fabrikanten, bald 
fttr die Fabrikmarken der Leteteren sn halten sind. Bei ihrer Wahl 
war es natttrHeh, dass man einerseits die in l^dos Torherrschenden 
Culte, und andererseits die Beschlftigungen der einheimisdhen Be- 
wohner mit Weinbau, Thonwaarenfikbrikation, sowie die dortige Thier- 
und Fflanienwelt besonders bertlcksiohtigte, und so finden sich auf 
den knidisohen Henkeln noch folgende Embleme: der Altar,*^ 
die Herme (des Sonneogottes)'^*^, der Dreifuss*^ der Thjr- 
sosstab'^*), das Ephenblatt*^), das Sistrum**^, die Wein- 
traube"% die Amphora^^, c6e Urne***), die Biene""), der 
Delphin*«»), der Krebs**»), die Schildkröte***), der Baum- 
?weig*5=*;, die Rose^"), das Balaustium***), der Oelbaum«'*), 
das Farnkraut**^, die Blumenkrone*^*), der Krana***) und 
die Pulme.*^) Hieran kommt noch der Stern.**") 

Ansser diesen auf den knidischen Henkeln einzeln gebrauchten 
Abzeichen erscheinen auf einigen wenigen je zwei Embleme, welche 
entweder beide zu den staatlichen gehören, oder von welchen das 
eine zwar auch ein Staatswappen ist, das andere aber eine persön- 
liche Bedeutung hat und in den uns TorUegenden Exemplaren auf 



240) A D. S^rie IV p. 196 folg. N. 825. 338. 838*. 841. 841*. 841^ 
417. 241) A. D. Schrie IV p. 161 folg. N. 118. 120. 121. 123. 129. 

24ß. 258. 269. 509, Serie V p. 231 folg. N. 1» 16, Serie VI p. 258 folg. 
N. 74. 137, Serie VII p. 272 folg. N. 1. 47. 51, Serie VUI p. 203 folg. 
N. 18. 20. 242) A. D. S^rie VI p. 269 N. 146. 243) A. D. S^rie 
IV p. 226 N. 493, Serie VI p. 263 N. 106, Serie VII p. 273 folg. N. 9. 
110, Serie IX p. 336 N. 3, S^rie X p. 340 N. 13. 244) A. I). Serie IV 

S. 146 folg. N. 19. 51. 170. 294. 320. 360, Särie V p. 232 folg. N. 5. 58, 
4ne X p. 344 folg. N. 43. 157. 193. 245) A. D. S^rie IV p. 154 

K. 76». 246) A. D. SArie lY p. 192 folg. N. 800». 448. 606. 606, 
S^rie VI p. 262 N. 41. 132, Serif VII p. 278 N. 41» Serie VIII p. 311. 
N. 72, S^rie IX p. 330 folg. N. 13. VI 1. 2.4.5.7—9. 11 — l lf IG— 19. 21, 
S^rie X p. 341 folg. N. 20. 74. 76. 203. 247) A. D. Serie IV p. 143 folg. 
N. 6* 17. 46. 289. 240. 990. 891. 476 , 8^e VI p. 268 K 108. 104, 
86ie IX p. 329 N. 8, Särie X p. 889 folg. N. 7». 29. 52. 135. 166. 166. 
248) A. D. S^rie IV p. 192 N. 300. 249) A. D. Serie IV p. 183 folg. 
249. 267. 386. 484, Serie VI p. 255 folg. 55. 56. 12ti. 157. 250) A. D. 
S^rie VI p. 229 N. 79, Serie VII p. 267 N. 135, Sörie VIII p. 310 N. 68. 
261) A. D. 8^6 IV p. 198 N. 884. 262) A. D. 8^e lY p. 191 N. 297. 
253) A. D. Seri.' IV p. 189 N. 185. 186, S4rie VI p. 231 N. 2«, S6de 
VIII p. 303 N. 15, Särie IX p. 329 N. 9. Serie X ]). 361 N. 171. 
264) A. D. S(Jrie IV p. 185 N. 263, S. rie X p. 362 folg. N. 182. 218. 



N. 19. 267) A. D. S^rie X p. 841 N. 28. 268) A. D. %6ne X p 363 

N. 183. 259) A. D. S^rie IV p. 228 N. 516. 260) A. D. Serie I 
p. 128 N. 15, Sdrie XII p. 386 N. 7. 261) A. D. Serie lY p. 188 folg. 
N. 284^ 339, Serie X p. 349 I^. 79. 126. 



266) A. D. S^rie VII p. 266 N. 120. 




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60 P* Beeker: Ueber eine dritte SammL nnedierter Henkelinsoliriften 

den im Stempel genannten Magistrat zu beziehen isi Nur bei dem 
allein stehenden Namen 'Apicroqpdveuc'^ sind beide Embleme — 
Aebren und eine Böse — persdnliobe und für Fabrikmarken zu 
halten; auf den ttbrigen zeigt sich einerseits der Anker und der 
Dreizack'"^, der Anker und der Herrn esstab'^), der Anker 
und der Stierkopf*^), sowie das Hintertheil eines Schiffes 
und ein einfaches Aplustre*^, und andererseits die Biene und 
das Hintertheil eines Schiffes'*^ sowie die Herme und der 
Stierkopf.«") 

Was endlich das Alter der knidischen Henkel anbetrifft, so 
mussten die ältesten der bisher bekannt gewordenen Stflcke dem 4., 
die jüngsten dem ersten Jahrhundert vor Chr. zugewiesen werden ^^^) 
uud dieser Bestimnumg entspricht das von Dumont beigebrachte 
reiche Material nur insofern nicht, als letztere bei ihm in eine noch 
spütere Zeit zu fallen scheinen; denn abgesehen davon, dass sich die 
Zahl der Exemplare mit den in Kleinasien "^*') frühzeitig in der 
Cursivscbrift gebräuchlichen Schriftzeichen C,*") 6*") und OJ^'^) 
ausserordentlich vermehrt hat, treffen wir hier noch solche Buch> 
stabenformen, welche viel wahrscheinlicher der nach- als der vor- 
christlichen Zeit angehören und namentlich folgende sind: das grad- 
linige Sigma C,*"*) das viereckige Theta D,^''') das viereckige Omicron 
D,^'»^; das kreuzförmige Phi t,'"> das gradlinige w"*) «oder LU"-) 
und das rundliche omega Ol) Ausserdem bemerke ich vorläufig 
schon hier,^^^) dass einerseits die voreuklidische Schriftweise von 
der Rechten zur Linken, welche auf den knidischen Henkeln Du- 
mont's^*) zugleich mit neueren Buchstabenformen häufig vorkommt, 
nicht als ein Beweis hohen Alters gelten kann, und dass andererseits 
manche Eigennamen, deren Bildung, Ableitung oder Zusanimen- 
setzung den» Alterthume fremd ist, in den knidischen Stempeln für 
sichere Zeugen einer späteren Zeit zu halten sind. 

Nachdem ich im Vorstehenden mich über Alles, was zum rich- 



262) A. D. Serie Vll p. 279 N. 46« 263) A. D. Serie IV p. 157 
N. 93. 264) A. D. Serie IV p. 157 N. 95. 265) A. D. Serie IV 
p. 146 N. 26 vergl. ClÜr. III p. XVI N. 123. 266; A. D. Serie iV 

p. 811 N. 410. 267) A. D. S^rie IV p. 188 N. S84. 268) A. D. 
Serie IV p. 163 fol-. N. 129. 260. 269) B. S. V S. 523. 270) Das. 
N V S. 490 N. 57 und S. 534. 271 > A. ü. Serie I. II. IV-X. XII auf 
52Ö Henkelu. 272) A. D. Serie I. II. IV-X. XU auf 197 Henkeln. 
278) A. D. Serie I. II. IV— X. XII auf 130 Henkeln. 274) A. D. Serie 
IV— Vn. X auf 16 Henkeln. 276) A. D. S^rie IV p. 142 N. 4, 8drie 
IX p. 836 N. 2, Stnie X p. 364 N. 191. 276) A. D. S^rie IV p. 142 
N. 4, Serie VII p. 296 folg. N. 159. 174, St?rie VIII p. 324 N. 184. 
277} A. D. Serie VI p. 249 N. 22, Sörie X p. 273 N. 10. 278) A, D. 
8^ VI p. 254 N. 49, S^rie X p. 867 N. 218. 279) A. D. Serie VII 
p. 280 K. 46. 280) A. D. S^rie VIII p. 311 N. 75. Serie XII p. 886 
!n. 6. 281) Da.s Nähere sieh unten in der Besprechung einzelner 

Stücke der Dumunt .scheu Sammlung. 282) A D. Särie I. II. IV— VIII. 
X. Xli, im Ganzen 60 Stück. 



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auä dem sädlichen Rusaland. 



61 



tigen Verstiiiuliiisse der knidischen Henkeliuschrifteu beitragen 
kaiin, gedugsam ausgesprochen und meine Ansichten hinlUnglich 
begründet zu haben glaube, gehe ich um so lieber an die lieui- 
tbeilung des von Dumont zusammengebrachten reichen Materials'), 
als dasselbe meiner Untersuchung und Forschung als wesentlichste 
Grundlage gedient und die ilim gebflhrende Anerkennung gefunden 
bat Herr Dumont theilt die ihm Torgelegwen knidischen Henkel 
in zwölf besondere Serien, unter denen die zwölfte*) ein Supplement 
zu der zweiten und ersten ist, und die eilfte^) diejenigen Stttcke 
umfsest, auf welchen — statt ToUstlndiger Namen — entweder Ter- 
einzelte Buchstaben, oder uuTerstSndli^e Monogramme, oder auch 
mir rohe Abzeichen, ohne jede Beischrift, zu finden smd. In der 
ersten^), zweiten^) und zwölften") Serie sind dagegen die Henkel 
mit der nttheren Bmichnug tppoupdpxou und bo^ioupToO alpha- 
betiseh zusammengestellt, während in der dritten^ Serie vier 
Stücke mit anderen Amtstitehi (dcruvö^oc, noX^fiapxoc und dTO- 
pavojioc) aufgefUirt werden, obgleich, hinsichtlich der beiden ersten, 
der knidische Ursprung ganz unznllssig ist, auf dem dritten das 
Wort TToX^MapxoCi ebenso wie BoOXopxoc^, Tiehnehr ein Eigenname 
zu sein scheint, und auf dem yierten dTOpavö|iou auf einer ganz 
wiUktthrlichen ErgBnzung beruht Wird hiernach die dritte Serie 
gaos gegnstandlos, so hstte doch in den Serien I, U und XD, schon 
bei der blossen Au^Shlung der dahingehörigen Henkel, auf ^e Prä- 
position im, auf die Terschiedenen Casus, in welohen die Eigen- 
namen erscheinen, und auf die ungleiche Fassung, durch welche sieh 
die einzelnen Stempel von einander unterscheiden, eine grössere und 
die gebührende Rücksicht genommen werden müssen« Dieser Mangel 
an Zusammenstellung des nach der Bedeutung Zusammengehörigen 
wird indessen in den genannten Serien^, in welchen die Zahl der 
Henkel beziehungsweise eine kleine und der Amtstitel schon ein 
maa SS «tobender Leiter ist, viel weniger empfunden, als in den übrigen, 
in welchen die Yertheilung der einzelneu Stücke in diese oder jene 
Serie auf blossen Aeusserlichkeiteu beruht, und wo daher in jeder 
Abtbeilnng 9\rh auch solche Henkel vorfinden, welche nach ihrer 
Fassung entweder gar nicht dahin gehören, oder nur durch will- 
küiliche Ergänzungen dahin gebracht worden sind. So konunt es 
denn, dass in Serie IV — X^), und zwar mehr oder weniger in jeder 
von ihnen, ein buntes Durcheinander herrscht, was um so störender 
ist, als dadurch das Auffinden der in gleicher Bedeutung gebrauchten 
Eigennamen nicht bloss erschwert, sondern auch jede Uebersicht- 



1) A. D. p. 125—386. 2) A. D. p. 382-386. 3) A. D. p. 368—382. 
4) A. D. p. 125— J 38. 6} A. D. p. 138—141. 6) A. D. p. 141—142. 
7} A. D. S^e VI p. 260 N. 24 vergl. Benseler Wörterbuch gr. Eigen- 
namen unter BoOXapxoc 8) A. D. Säzie I. II. XII. 9) A. D. Sorie IV 
p. 142—280; V p. 231—245; VI p. 245—272; VII p. 272—801; VUI p. 
801—825; IX p. 325—836 und X p. 336—868. 



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62 P* Beeker: ITeber eine dritte SemmL miedierter Henkelimiehriften 

lichkeit, die*ziir richtigen Benrtheilang des ganzen Materials nOtfalg 
ist, fost unm(Sglich gemacht wird. Zn diesem üebelstaiide kommt 
noch Verschiedenes, worin ich mit dem gelehrten Ver&sser der in- 
Bcriptions cteuniques de Qr^ nicht übereinstimmen kann, und was 
im Folgenden bei eingehenderer Benrtheilnng sowohl der einielnen 
Serien, als auch der betreffenden Stücke sähst bemerkt nnd be- 
gründet werden boU: 

S^e I (p. 126—138.) Dieselbe enthalt, obgleich hier nicht, 
wie in den andern Serien eine kurze Inhaltsangabe obenan steht, 
diejenigen Henkel, auf welchen das doppeldeutige Wort (ppoüpopxoc 
meistens zwar als Amtstiiel, aber bisweilen auch als Eigenname 
gebraucht worden ist. In letzterer Bedeutung ist <t>poupapxoc na- 
mentlich in NN. 1. 2. 3 zu nehmen, da der Amtstitel allein, ohne 
HinzufUgung eines Eigennamens, ganz unerhört wäre, dagegen ein 
in der Abhängigkeit von der Präposition ^tt( (N. l)") oder im ab- 
soluten Genetiv (N. 2. 3)^^) gebrauchter Eigenname auf deu kni- 
dischen Henkeln sehr gewöhnlich ist, und im ersteren Falle deu 
DamiurgoB, im zweiten den Fabrikanten bezeichnet. — N. 6. Der- 
selbe Stempel ist in gleicher Fassung, aber mit verschieden ge- 
formten Buchstaben bereits auf einem in Olbia gefondenen Henkel 
▼orgekommen; auf beiden Stücken wird der Eigenname 'AtaOoKXeOc 
Ton dem vorausgehenden im Opoupdpxou durch einen leergelassenen 
Banm und durch eine abgesetzte Zeile geschieden und dadurch die 
NichtZusammengehörigkeit beider Namen angedeutet, von denen der 
erstere dann für den Eigennamen des Magistrats, der andere für 
den eines Fabrikanten^*) zu halten wäre. — N. 8. 'ATecTdiou 
statt 'AtecTpaTou ist blosser Schreibfehler*'*), der als solcher zu be- 
zeichnen war, nicht aber für einen neuen Namen ^'^j gelten darf. — 
N, 11 und 12. Da die Präposition im vor dem Amtstitel qppoup- 
apxoc nur ausnahmsweissc gebraucht wird, dagegen vor einem mit 
seinem Patronymicum genannten Eigennamen sehr gewöhnlich ist,*') 
so könnte OpoOpapxoc sehr wohl auch hier der Name eines Dami- 
urgen sein. N. 15. Wenn in der zweiten Zeile wirklich Aiovucioc 
(im Nominativ) steht, und in der ersten die beiden Buchstaben 
durch Opoupapxoc richtig ergänzt sind, so zeigt uns der doppelte; 
Nominativ beider Namen, dass an ein CompagniegeschJift zu denken 
sei, dessen Theilnehmer <t>poupapxoc *'') und Aiovucioc ^) geheissen 

10) sieh oben deu Text zu Anm. 175 folg. 11) A. D. S^rie V 

g. 231 folg. N. 1. 9. 10. S8. 68. 67. 69—61. 80 etc. etc. 18) A. D. 
^rie V p. 231 folg. N. 1». 8—6. 12-14 etc. etc. 13) B. S. IV S. 468 

N. 6. 14) A. D. Sdrio VITT p. 302 N. 3. 15) Aehnliche Nachlassig- 
keiten ünden sich häutig iu deu kuidiachen Uenkelinschrüten z. 13. Serie 
IN. 18 1^ 88 N. 68: <t>poupdxou ttatt <t)poupdpxou , N. 88: OpaciicXcOc 
statt OpocuicXcOc, N. 68: CtKppavbiba ütutt €09povTttKi, N. 65: ZiI>Xu;voc 
Btatt ZöXujvoc etc. Ifi) A. D. St-rie 1 N. 9. 17) A. D. Serie IV. 
18) Siehe oben deu Text zu Aum. 215—217. 19) A D. Serie I p. 126 
N. 2. 8. 20) A. D. Serie V p. 236 N. 26—27, Vüi p. 310 N. 68—72, 



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«Oft dem aftdUciheti Bnsalaiid^ 



6S 



hutteil. — N. 24. Statt des ungeheuerlichen Namens Xp^OKpaTiTTTrou 
glaube ich mit mehr Wahrscheinlichkeit lEPMoKPAT*^) als Ab- 
breviatur für 'GpMüKpÜTfcuc, und flo als Abkürzung vom Patrony- 
micum des Phrurarclien oder vom Namen des Fabrikanten TTü\iti"|C*'") 
vorschlagen zu dürfen. — N. 2ü. Vielleicht wäre in der zweiten Zeile 
für den unverständlichen Namen GeXujxr) . . . mit geringer Aen- 
derung der von Dumont gegebenen Buchstaben OEoAQPHToY, und 
in der ersten Opoupdpxou zu schreiben. — N. 27 sieh unten N. 55. 
— N. 33. Da der zu qppoupdpxou gehörige Eigenname auch im 
Genetiv stehen muss, so kaun au KX^avbpoc gar nicht, aber vielleicht 
an KXeuTTÖXioc oder KXeujvoc gedacht werden. — N. 3G. Je nach- 
dem die auf diesem Uenkel gegebenen Worte entweder als ein zu- 
sammenhungendes Ganze (= im MtviTTTTOu, Kvibiaiv qppoupupxou), 
oder, was in den knidischen Stempeln das Gewöhnlichste ist, als 
vereinzelt dastehende Angaben (= im MeviTCiTOU. Kvibiov. <t>poup- 
dpxou) aufgetasst werden, wird 9poupdpxou entweder als Amts- 
titel oder als der Eigenname eines Fabrikanten zu deuten sein. 
Ilinzu kommt noch eine dritte Deutung, nach welcher Opoupdpxou 
(siehe Ser. II Anm. zu N. 2 und meine Bemerkungen zu Sur. VI 
und namentlich daselbst zu N. 28. 29), gleichfalls ftir einen Eigen- 
namen, und zwar fttr das Patronymicum des Menippos zu halten 
wire. — N. 37. Aus der Bdsdmibung Dnmoiilfs ist nieht za er- 
Mken, ob die Baehslabeii M£N (in der zweiten Zeile) eine ursprüng- 
liche Abbreviatur, oder die Beste eines frttber yollstindigeren, jetst 
▼erwisehten Eigennamens sei^, und dessbalb bemerke ich nur, dasa 
ecateres uns in <t>poupdpxou einen Eigennamen erkennen Hesse, weil 
es wahiaclteinliehftr ist, dass die Abkürzung nicht diesen letsteren, 
sondern das ihm beigegebene Patronymicum'') betroiSen habe. — 
N. 38. 89. Zu den vielen orthographischen Ungenauigkeiten^), 
welche sich in den knidischen HenkeUnsohrifteo yorfinden^ gehdrte 
TToXeMoiou statt TTtoXcMaiou^) nur dann, wenn in dem ersten Buch- 
staben nicht ir und t monogrammartig (rP) ausgedrückt wSren. — 
N. 60. 51. 63. Obgleieh qypoupdvixou, hier zwischen zwei im QeaMtiy 
gebcauohten Eigeimamen stehend, sowohl mit dem einen, als mit 
dem andern verbunden werden konnte, so gehört es doch, weil es 
fiut immer vor dem Kigennamen seinen Platz hat, auch auf diesen 
Henkeln wahrscheinlich zum zweiten, so dass in N. 60 Börpuc, in 
N. 61 Ocuböctoc und in K. 68 6d(ppavTtt>ac für die Fabriinnten, 
dagegen auf dem ersten dieser Stücke *ApiCT€i5T|C, auf dem zweiten 
'ApiCTOKXf)c und auf dem dritten Opdcuiv fttr die Phmrardhen zu 
hslten sind. 



S^rie XII p. 384 N. 15. 21) A. D. Serie IV p. 206 N. 380. 22) A. 
D. Serie VI p. 251 folg. N. 28 29. 138, Serie VII p. 298 N. 174. 175. 
i$) wie Serie 11 p. 138 1 (piAra utatt (I^iAtütuu. 24) i»it!h oben 
Anm. 15. S5} A D. 86ne IV p. 8» N. 478—480, Stfrie X p. aeS 
K. SOO. 



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64 Becker: Ueber eiae dritte öamoü. unedieiter Ueokelmschrifton 

N. 52. Da in der ersten Zeile, wie die zahlreichen Stempel 
derselben Fassung ^''j beweisen, nur der Name des Fabrikanten im 
absoluten Genetiv zu stehen pflegt und die vorhaudene Ltlcke hier- 
nach zu ergänzen ist, so darf das zu Anfange stehende E nicht dazu 
benutzt werden, um die Präposition im in den Text zu bringen, 
und mit derselben fiele auch der von Dumont vorgeschlagene Name, 
wenn niclit schon durch XpiuoYeveuc allein die Lücke gehörig aus- 
geflült würde. — N. 55 gehcJrt, wie N. 27 zu den wenigen Stempeln, 
in welchen die Präposition ^tti, ausnahmsweise, unmittelbar vor dem 
Worte cppoupdpxou steht, ohne dass daraus deutlich zu ersehen 
ist, ob letzteres als Eigenname oder als Amtstitel zu nehmen sei, — 
N. 56. 57. Ohne ans dem Wirrsal der auf diesen beiden Henkeln 
zerstreuten Buchstaben den ursprünglichen Text wiederherstellen zu 
können, bemerke ich nur, dass die von Dumont in diese Stempel 
hineingebrachte Präposition ^tti ein ganz willkürlicher Zusatz ist. — 
N. ü5 sieh oben M. 38. 39. — N. 72. Mit Berücksichtigung meh- 
* rerer Henkel, auf welchen der Fabrikant ApaKOVTO|H^VTic heisst*'), 
ist der auf diesem Henkel lückenhaft erhaltene erste Name durch 
Apa(KOVTo)^^V€u(cj zu ergänzen, so dass Opoupdpxou — weil es 
nicht, wie sonst gewöhnlich, Yor dem Eigennamen steht — mit 
viel grösserer WaJmoheiiiliehUt für dM Fatnmynucnm dea er- 
vtimtaii FM>rikaiit8n ApcucovTOfi^vnc» als für dessen Amtstltel ge- 
halten werden mnss. — Serie XU (p. 885 folg.) K 1. Die ez- 
eeptionelle Stellung des Amtstitels 9poupdpxou, lotßk einem Eigen- 
namen, lieese sich dadnroh erUSren, dass eine dritte Zeile, mit einem 
2weiten Eigennamen yerwiseht nnd desshalb niofat weiter berOek* 
sichtigt worden wSre. N. 8. Ueber diesen Henkel, anf welchem 
<i>poup<ipxou jedenfiftlls ein Eigenname ist, habe ich schon oben*^ 
das Nöthige beigebracht. N. 4. Wie anf einem anderen Henkel*^ 
wird auch hier der Fabrikant Beuböaoc, der Magistrat — CApiCT)c(i)- 
^n^^) geheissen haben. — N. 6. In der ersten Zeile wttarde ich fttr 
Itt( die Buchstaben OPO als ErgSnsnng vorschlagen, wenn dne 
solche überhaupt nOthig wSre, und wenn statt 0P in der sweiten 
Zeile YP gelesen werden könnte. 

Aus den, in den Serien n (p. 188—141) und Xn (p. 882— 
886) Ton Dumont in alphabetischer Btthenfolge auQifefllhrten Stocken 
mit dem Namen bafUOUpTÖc ersehen wir im Allgemeinen; l) dass 
jener, von der PrBposition M abhängige Amtstitel stets unmittelbar 
Tor dem Eigennamen steht; 2) dass dem Eigennamen häufig das 
respective Patronymicum beigegeben wird; 3) dass die Vertretung 
der Plftposition M durch den absoluten CtoetiT bo^iou^oO und 



26) A. D. S«5rie VI p. 24.5 folg. N. 1. 3. 6. 31—38 etc. 27) A. D. 
Serie V p. 286 N. 38—40, Serie X p. 347 N. 66, vergl. Bfinaeler Wörterb. 



und 177. 89) A. D. S^e I p. 184 N. 61. 80) ebenda N. 50. 



d 




Eigennamen I 8. 882. 



88) lieh oben den Text zu Anm. 176 



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WOB 40fli ifldliolifln RmtUuid. 



65 



den des Eigexmamens eine seltene Ausnahme'^) ist; und 4) dass die 
Inschriften, weil in den uns vorliegenden Stempeln die Fabrikanten 
nur selten") und die Provenienz nicht immer angegeben wird, 
gewöhnlich auf beide Henkel vertheilt gewesen sein mtissien. Hierzu 
bemerke ich im Einzelnen noch Folgendes: Serie II N. 2. Die un- 
vollständig erhaltene dritte Zeile wird durch den Namen *A(0r|)vaiou 
zu vervollständigen sein, welcher, wie auf andern Henkeln**), auch 
hier einem Fabrikanten dieses Namens vindicirt werden könnnte, 
aber, was unten noch deutlidier «gezeigt werden soU^^), viel wahr- 
scheinlicher — mit Bezug auf drei ähnliclie Stempel*^), in denen 
die Buchstaben mit den, auf dem hier zu be^prechenden Stücke ge- 
gebenen gleiche Gestaltung imd Form haben — fUr das Patrony- 
luicum des Damiurgen Aiujv gehalten werden darf. — N. 3. Zu 
meinen schon oben^') über diesen Henkel gemachten Bemerkungen 
fflge ich hier nur noch hinzu, dass 'Atictc im absoluten Nominativ**) 
oder Genetiv ^^) als Name eines Fabrikanten häufig vorkommt, und 
dass 0poupdpxou wahrscheinlich nichts anderes ist, als das Patro- 
nymicum des Damiurgen AeHiqpdvric ( AeHiqppövrjC V). — N. 5. Statt 
der Präposition ^tti beim Naraen des Damiurgen, stehen hier, aus- 
nahmsweise*^), der Amtstitel und der Eigenname*') im absoluten 
Genetiv, und so könnte man fast vennuthen, dass das ursprünglich, 
zu Anfange der ersten Zeile, monogrammartig geschriebene ^tti 
verwischt oder Ubersehen worden sei. Der Fabrikant Mev^CTpaioc 
findet sich auch auf anderen Stücken.*^) Die rückläufige Schrift von 
der Rechten zur Linken kann, wegen des am Ende der dritten Zeile 
stehenden runden J, nicht als ein Beweis für das hohe Alter dieses 
Henkels benutzt werden. — N. 6. Sollte der Name des Damiurgen 
nicht KecpaXlbnc gewesen und daher Ke(<paX(b€)uc zu lesen sein? — 
N. 8. Dieselben Namen wiederholen sich, weniger gut erhalten, in 
N. 13, noch unvollständiger in N. 9, und kommen ausserdem noch 
in anderer Fassung vor .**) — N. 10. Die lückenhafte Inschrift dieses 
Henkels Übst sich durch zwei andere^), besser erhaltene , mit Sicher- 
biü WTollst&ndigen und lautete auf allen dreien: M ba^topxoO 
6npOKpdr€uc Zunfipoc Kvtbiov. — 86rie Xn N. 2. Sieh die Tor- 
■tebende ÜT. 10. — N. 8. Statt des auf ttnem andern StOeke^) 
fiüidk geaehriebenen, nnd dort sowohl, als hier fidsch gelesenen nnd 



81) Ah tolclie komnit, da N. 81 in S^e Xll gans nnvaUstSadig 

erhalten ist, eigentlicli nur N. 6 in S^rie I in Betracht 82) A. D. 
S^rie I N. 3. 6, XII N. 14(?) 16. 38) A. D. Sörie I N. 4. 11. 12, XII 
N. 1. 6. 8. 16. 17. 19. 34) A. D. Serie VIII p. .303 N. 9-13. 35) sieh 
meine Bemerkungen su S^rie VI und daselbst zu N. 22. 29. 36) A. D. 
86ie IV p. 184 N. S68— MO. 87) rieh 8. 68 den Text ni Anm. 180. 181. 
38) A, D. Sörie IX p. Stt N. 6. 7. 10. 11. 12. 89) A. D. ebend. N. 2. 
3. 5. 8. 40) sieh Anm. 31. 41) A. D. Särie IV p. 206 N. 381: ^ttI 
'l€po<pdvTOu eußoOXou, Kviftiov. 42) A. D. Serie VIII p. 320 N. 145. 

146. 48) A. D. Särie XII u. 383 N. 9. 44) A. D. Serie XII p. 382 
f%. K. t. S8. 4ft) A. D. S<feie IV p. S05 N. 878: lOlTOY. 
Jakrb. L «Ihi. PkfloL SttRpL Bd. X. 5 

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66 F.- Becker: Ueber eine dritte Samml. onedierter Henkelinschriften 

daher unverständlichen NameiiB Kl ROY ist jedenfalls KITTOY zn 
lesen und zu schreiben, um so mehr, als sich derselbe Name, iu 
anderer Form*^, auch unter den knidischen Fabrikanteu vorfindet. — 
N. 4. Abweichend von der auf knidischen Henkeln gewöhnliehen 
Beugung 'ApicroicXeOc^^) steht hier ganz ausnahmsweise 'ApicrÖKXou. 

— N. 6. Wenn KAPNEA, in der zweiten Zeile, kein Schreibfehler 
iBr KAPNEO sein eollie, so konnte ohne alle Aenderung der gege- 
benen Bnehstaben Kapved(ba t)oO gelesen werden, da der Nam« 
Kapv€4&bac in Enidoe nnter den Fklnilnatfln^) Sften TOilroiiiiiit, 
wibrend KapveöboTOC statt Ka(»V€6boTOC^*) nur noeh einmal^^ 
aaolisnweisen isi — N. 6. Ansser den Ton Dnmont Torgeschlagenen 
Namen kann die Lfleke anch dnreih 'A(ßp)oTA€uc ausgefBllt weiden. 

— N, 7. IXe irier ersten Zeilen dieses Stempels nntecscheiden sieh, 
obgleioh Sohzift nnd Emblem übereinstimmen, doeh Ton N. 6 da- 
durch, dass der Damiurg hier jedenMls KapvcöboTOC heisst, nnd 
dass die dritte (^tovuclou) nnd vierte Zeile (Kvtbiov) weniger toU- 
stBndig als dort erhalten sind. Ausserdem wird dieselbe Insehrift, 
mit Weglassnng der dritten Zeile (Atovuciou), noeh so wiederholt, 
dass die beiden ersten Zeilen derselben in der 7. nnd 6. rOoklinfig 
sn lesen sind. Für eine solche Fassung finden sich* keine anderen 
Belage. — N. 8. In gleicher Bedentong, wie hier, erscheint Aal- 
boXoc aof einigen anderen Henkeln.^^) — N. 9. Dieselbe Inschrift 
findet sich in anderer Fassung auf anderen Stflcken.**) K. 12. Wie 
hier, so ist KaXXibdfioc anch sonst^) der Eigenname eines Dami- 
nrgen. — N. 16. SdbstverstBndlich beisst janf diesem Henkel der 
Bamifirg — Kapvcööoroc, der F^übrikant — Aiovöaoc — K. 1 6. Nach 
einem von mir verdffentlicbten Stempel^) wird statt Aeiqpdvcuc 
richtiger A€(H)i9dv€uc zu schreiben, und die Lücke durch (0poup- 
ttPX)ou *A(Tia)^^) ausznilUlen sein. — N. 19. Obgleich es nicht 
zweifelhaft ist, dass in der ersten Zeile der Fabrikant, in der dritten 
der Damiurgos genannt werde , so lassen sich die respectiren Namen 
doch nicht mit Sicherheit wiederherstellen, denn der von Bumont 
'ApiCTCrrÖpac genannte Fabrikant'^*) könnte auch *Ap(CTaivoc^'), 

•ApiCTOT^vnc«), 'Apicreibac«^), 'ApicröpcuXoc«»), 'ApicroKXnc")» 

46) A. D. Sdrie Vlil p. 318 N. 134: KIIIOY. 47) A. D. S^rie IV 
p. 162 N. 128. 180— 189, V p. 233 N. 12—14, VI p. 247 N. 12» VII 
p. 278 N. 40. 40*. 41 ^ VIII p. 308 N. 60. 48) A. B. VII p. 292 
N. 129—183, V- ^- 173. S<^rie X p. 359 N. 167. 159. 49) A. D. 
S^rie IV p. 208 N. 3i»0~:iiK}, XII p. 383 N. 7. 15, VI p. 266 N. 56. 56. 
50) A. D. S^rie VI p. 262 ^. IUI. 61) A. D. S^rie IV p. 172 N. 187, 
VI p. 260 K. 26». 27. 62) eieh mdne Bemerkung m N. 8 (8^e II). 
53) A. D. IV p. 207 K. 387. 388, VII p. 291 N. 126» 64) B. S. 

V p. 460 N. T). 65) sieh den Text zu Aiim. 181. 182 und meine Be- 
merkung zu Henkel N. 3 (Serie II). 50) A. D. vS(^rie V p. 233 N. 11% 
VIll p. 306 K. 28. 67} A. D. Särie Vll p. 277 N. 35—37. 38*. 
68) A. D. 86rie VH p. 277 N. 87», Vm p. 807 K. 42«. 69) A. D. 
S^rie Yll p. 277 N. 38. 60) Ebend. N. 89, Sc'rio VIII p. 307 N. 42». 
42^ 61) A. D. S^rie VU p. 278 folg. N. 40». 41». 41^. 46—62, Vlll 



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ans dem ifldUoheii BmilMid. 



67 



'A^HCTOT^Xiic**), *ApiCTO<p(ivTic^'^), 'ApicTiuiv**), 'ApictOKpdnic'') g«- 
heissen baben. — N. 22. Sieh oben.^^) 

86rie III (p. 141. 142). Gestutzt auf all die inneren nnd 
äosseren Gründe, welche ich für die wahrschemliche Herkunft der 
Henkel mit dcTuvö^ou oder dcTuvo^oCvToc an anderer Stelle 
geltend gemacht, und welche durch neue Belege aus dem später 
hinzugekommenen Material^) an Umfang und Sicherheit offenbar 
gewonnen haben, scheint meine Ansicht, dass jene fast nur im süd- 
lichen Russland aufgefundenen Stücke®*) für die einheimischen Stempel 
der im Altertliume am Nordgestade des Pontos Euieinos belegenen 
griechischen Colonien, namentlich Olbia's, zu halten seien, auf so 
fester Basis zu stehen, dass sie durch die beiden von Dumont''') 
beigebrachten Exemplare kaum beeinträchtigt und noch weniger er- 
schüttert werden kann. Im Gegentheil, das seltene Erscheinen des 
Amtstitela öcTUVÖfJOU in einer so reichen Sammlung kuidischer 
Henkel, wie es die Dnniont'sche ist, macht es nn und für sich schon 
ganz unwahrseboinlich ' ^ ), dass die so gestempt lteu Amphoren kni- 
dischen Ursprungs sein können, und diese Annahme wird noch 
unhaltbarer, wenn mau sich die auf den betreffenden Stücken ge- 
gebenen Inschriften näher ansieht. Dann ergiebt es sich nämlich, 
dass der bei Dumont in besonderer Zeichnung vorliegende Henkel 
N. 1 mit meinem, aus Nicouium stammenden Exemplare'") voll- 
kommen übereinstimmt und mit diesem von einem und demselben 
Stempel hei"zurühreu scheint; ferner, dass N. 2 dieselbe Inschrift 
trägt, welche auf einem in Olbia gefundenen Ziegel'^) zu lesen 
ist; und endlich, dass ein drittes Stück'*) für eine Doublette eines 
aus Olbia bereits bekannten Stückes'^) gehalten werden muss. 
Ausserdem darf man nicht übersehen, dass in den pontischeu Städten, 
namentlich in Olbia, wo im Uebrigen das knidisrhe Fabrikat 
spärlich vertreten ist, grade die Henkel mit dcTuvöuou, von welchen 
Athen, die so überaus reiche Fundgrube aller anderen knidischeu 
Stempel, nur drei Exemplare aufzuweisen hat, in nicht geringer 
Zahl aufgefunden worden sind'*^) und beständig noch aufgefunden 
werden. Hiemach würden denn die mit dcTUVÖjJOU bezeichneten Ge> 



p. 307 N. 43. 62) A. D. S(^rie VIT p. 279 N. 45. 63) Ebend. N. 4ft« 
64) A. D. Serie VIII p. 307 N. 39. G5) Ebend. p. 308 N. 45. 
66) Meine Bemerkung zu N. 10 (Serie 11). 67) B. B. I S. 606— 61C. 
68) B. S. IV 8. 492—496, fi. 8. Y 8. 627—588. 69) Ausser den beiden, 
von Dumont (S^rie HI N. 1. 2) aufgeführten Henkeln kenne ich nur 
noch einen einzigen (B. S. V S. 482 N. 28), welcher in anderer Gegend, 
and namentlich auch in Athen seinen Fundort haben soll. 70) A. D. 
H€ne HI p. 141 N. 1. 2. 71) A. D. p. «8. 72) B. 8. IV 8. 474 N. «. 
78) B. S. V S. 496 N. 6*: APlIToKAEoYZ |i AmTNOMoY |1 noZEIAßNIoY||. 
74) B. S. V S. 482 N. 28 vergl. Anm. 75) B. B. I S. 487 N. 30. 

76) Kin vollständiges Verzeichnias sämmtlicher hierher gehöriger Stücke 
habe ich gegeben: B. B. 1 S. 483-4^7, B. S. IV S. 464—486. 602, B. 
8. Y 8. 470—618. 

6* 

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68 P* Becker: Ueber eine dritte Samml. uuedierter Henkelimohnften 

fiiase, wenn sie wirklich knitlischen Ursprungs wären, haupt- 
sächlich nur im Verkehr mit den fernen pontischen Städten'*), 
nicht aber im Handel und Wandel mit dem in unmittelbarer Nähe 
von Knidos liegenden Athen benutzt worden sein. Eine so un- 
wahrscheinliche Hypothese kann unmöglich auf Billigung Anspruch 
machen, und man wird sie dadurch beseitigen, dass mau den in 
Rede stehenden Stempeln den knidischen Ursprung ganz abspricht, 
und dieselben vielmehr einem anderen Staate, als welchen ich Olbia 
erkannt habe, zuzueignen nicht ansteht Und in der That, die von 
mir ausgesprochene Behauptung erhält durch die beiden von Dumont 
beigegebenen Stücke, dereu Erscheinen in Athen, bei der directen 
Handelsverbindung mit Olbia, nicht auffallen kann, insofern eine 
neue Bestätiguug, als von den beiden in Athen gefundenen Henkeln 
der eine bchon früher in dem ganz nahe von Olbia belegenen Nico- 
nium"**) vorgekommen ist, der andere dagegen denselben Stempel, 
-wie ein aus Olbia selbst stammender Ziegel, zu tragen scheint, 
und als die gleioblantende Inschrift auf einem Henkel und auf 
einem Ziegel die Provenienz beider Stücke aus Olbia^^) sehr 
walurscheinlioli macht Demi da nicht hkw in dem Torliegenden Falle» 
sondem aneh auf andern Henkeln und Ziegehi die b^eraeitigea 
Stempel ToUetKndig übereinstimmen^^), und da Oberhaupt auf den 
Ziegeln die Namen der Aetynomen oder der Fabrikanten groeeen- 
theile dieselben dnd, welche Terdnselt anch anf den Henkeln an- 
gegeben werden, so kann es keinem Zweifel unterworfen sein, dass 
die einen und die andern einem und demselben Staate angeboren, 
und dieser wird — bd der gewiss riehtigen Yoranssetsnng, dass 
die für die olbiaschen Bauten nOthigen Ziegel ein einheimisches, nicht 
aber ein ans dem farnen Khidos eingeführtes Fabrikat gewesen seien 
— am wahrscheinlichsten der Ort sein, an welchem sie haoptsOchlich 
anfgefonden werden, und welcher Olbia ist Wie dem aber auch 
sei, so ist doch wenigstens soTiel sicher, dass die mit dcTuvÖMOii 
beseicfaneten Henkel keine knidischen sind, yon weUshen sie sieh 
durch die Verschiedenheit der gegenseitigen Namen und Embleme, 



77) Niconium, Tyra, Olbia, Cheraonesos, Panticapaeum nnd 
Tanais. 78) P. Becker, die Gestade des Pontua Euxinus vom later 
bis zum Borystlienes. Petersburg 1852 (aus den Memoiren der Kais, 
arohlologischen GeaeUachaft Bd. V und 71) 8. 84—46. 79) B. S^rie 
V S. 528. Sa«. 80) So Hfeht sowohl auf einem Ziegel (B. B. I S. 488 
N. 87*), als auf einem Henkel (B. B. I S. 488 N. 36), beide aus Olbia: 
dcTuvönou II TTpunaföpou || tou Kuv(ckou, || OiXrmuDV ]| Victoria, und auf 
eioem andern Ziesel aus Olbia (B. S. V S. 489 N. 61*): dcTuvö^ou ij 
TTpwraTöpou )| toO KuvIckou || MiXTidbi^c ij. Victoria; auf einem Ziegel 
(R B. I S. 488 N. 36*) und einem Henkel (B. S. V S. 486 N. 46): dcru- 
vö^iou II TTöcioc Toö ! 'ActIou jj, MiXTidör|c , beide aus Olbia, aber auf 
leteterem noch als Emblem: duae uvae; auf einem Ziegel (B. S. V 8. 
600 N. 28*) und einem Henkel (ebend. N. 24), beide aus Olbia: 6€o- 
TcfTou H dcTuv^Mou II OtXoKpdTouc II, aber auf jenem als Emblem: eaducens, 
auf diesem: oapot Mercarü et oadooena. 



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aus dem südlichen Kussland. 



69 



sowie durch das Vorwalten des ionischen Dialectes und der ionischen 
Beugnngsformen offenbar iinterscheiden. Letzteres spricht ebenso 
deutlich gegen das dorische Knidos, wie es trefflich flü' das milesische 
Olbia passt. — N. 3 und N. 4. Zu meinem schon oben*^) aus- 
gesprochenen Bedenken füge ich, im Widerspruche mit Dumont^^), 
hier nur noch hinzu, dass die dYpavöjüioi auf den in Sudrussland 
geftmdenen Henkeln nicht vorkommen, und dass auf dem Stücke 
N. 4 wahndieliiEßh (i)Ti\ 'ATop(dvaicTo)c^^ Alv(^a), Kvi6(ov zu 
lesen sei 

86rie IV (p. 142—330). Dnmont hat In dieser AHheiluug, 
wie die Uebenehfift zeigt, diejenigen HenkelinBehriflen aas Eoido« 
EosammensteUen w<^en, in welehen anf die Prfiposition iid zwei 
Eigenmunen, beide im Genetiy, folgen, und, nach diesen, die Pro- 
Teniens dnrcli KviMov angegeben wird. Hiemach mttssten also alle 
in diese Serie gebraehlen Stücke da ans Ton den beiden Eigen- 
namen der erstere den Baminzgen^), der andere dessen Fätrony- 
micom^ nennt — nur Hanptstempel sein, sa welohen die respectiven 
Nebenstempel anf den nreiten H^kefai die Namen des Fabrikanten 
(mit oder ohne Angabe des Patronymicnms, der FtoTeniens (Kvibiov), 
eines Emblems) gegeben hätten. Domont hat indessen weder an 
der nothwendigen ünterseheidnng der Hanptstempel von den Neben- 
stempehi, weldie dnrch den Oebraueh oder das Fehlen der Mpo- 
sition iid bedingt wird, noch anch an den für diese Serie von ihm 
sdbst festgeseteten Beetimmimgen streng fesigehalten, sondern hat 
in dieaelbe anch so manche dahin nidit gdkOrige Stllcke angenommen. 
Dahin rechne ich: 1) die grosse Menge ron Nebemrtempeln^^, anf 
welchen die PfeppoeitLon iid yor dem gegebenen Namen fehlt; 2) die- 
jenigen Stttcke, auf welchen der zweite, im NominatiT stehende 
Eigenname einem Fabrikanten zukommt, und welche an und fttr 
sich «dion ein vollständiges Ganze bilden; nnd endlich 3) solche, 
wekhe, weil didProreniens^) oder das PatrooTnucnm*') ansgelassen 



81) sieh oben S. 61. 82) A. D. p. 14S. 88) A. D. Sdrie X 
p. 342 N. 24. 84) Dags alle, von df-r Präposition ini abhängigen 
Eigennamen in Knidos, »ei es, dass die einen mit dem Amtstitel 6a^i- 
oupTÖc, die anderen ohne denselben erscheinen, doch in gleicher Be- 
deatoog gebraucht seien, das ergiebt sich aus einem Vergleiche von 
X. 258-260 (Sdrie IV p. 184) mit N. 2 (Sdrie II p. 139 und meine Be- 
merkung zu diesem Henkel) und von N. 187 (S^ie IV p. 172) mit N. 8 
^rie XII p. 383), sowie, in dem einen und dem andern Falle, auB der 
wiederholmig der gleiehlaatenden Eigennamen. 86) deh oben 8. 08 
Anm. 186. 86) A. D. Sdrie IV p. 144 folg. N. 16. 26». 31. 32. 101. m. 
144. 151. 152. 160. 188. 192, 200. 201. 214. 229. 247 250. 279*. 318* 
336. 31-2^. 345. 3ö4» 367. 362. ^70» 386. 422. 423». 446. 446». 496. 

87) A. D. Serie IVp. 196 folg. N. 816. 317. 369. 390. 391. 447. 506. 506. 

88) A. D. 8<rie IV p. 18S folg. N. 847. 847*. 860. 868. 888. 864. 868. 
293 * 298. 800. 808. 617. 88) A. D. SMe IV p. 174 folg. N. 184. 481. 
488. 483. 



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70 P* Beeker: üeber eine dritte Samml. imedierter Henkeluisehriften 

■ 

oder die Wortstollniig eoie abweichende^) ist, in eine andere Seiie 
Dnmonts geliSren. 

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen glAube ich noch beson- 
dere an einzelne Henkel dieser Abtheilung knüpfen zu mflsaen, and 
dies sind folgende: N. 4. Mit möglichster Beachtung der von Dumont 
gegebenen, aber ganz unyerstttndlichen Buchstaben wäre vielleicht 
ild (K)X€iv(oTiö)Xi(o)c^^) zu Anfange zu lesen« — N. 7*. Statt des 
von Dumont ganz willkürlich dem ersten Eigennamen vorgesetzten 
diTi lese ich in der ersten Zeile als den Namen des Fabrikanten 
•ATft(e)a{(ou).^^) — N. 18. Der unvollständige Name 'Ario . . viba(?) 
mnssohne Zweifel durch *AiTo(XXuj)viba ergänzt werden. — N. 23. Dem 
neuen Namen 'A6av((i)TOU ziehe ich den bekannteren'*'^) *Adav(oKp()TOU 
Tor. — N. 29. 'AKQvbpiba statt 'A(X)Kavbpiba ist entweder ein 
Schreibfehler oder dadurch zu erklären, dass in dem ersten A die 
beiden Buchstaben A und A zugleich ausgedrückt worden sind. — 
N. 32. Für das von Dumont ohne Grund eingeschobene im fehlt 
der nöthige Raum auf dem Henkel. — N. 38 — 40. Da an der 
Existenz der vorgeschlagenen Namen *A|aoY6VTic, 'A|HOT€VTic, 'Afio- 
T^Xric wohl mit vollem Recht gezweifelt werden darf, dagegen Aa- 
\X0fivr\c lind Aa)LiOTeXr|C gewiss existirt haben, so ist auch hier, 
wie obeü'*''j anzunehmen, dass der erste Buchstabe A monogram- 
matisch AA repräsentire. — ■ N. 73 s. unten.''^) — N. 8-4. Die voll- 
ständige Inschrift^") dieses Henkels wird: ^tti AainoTeXeuc *AckXti- 
TTiobiupou, Kvibiov gelautet haben. — N. III. Das auf dem Henkel 
nur zur Hälfte erhaltene 0 darf nicht für ein rundliches 6 genommen, 
und daher auch nicht 'Apic(TaijV£u statt 'Apic(Tai)vou^*^) gelesen 
werden. — N. 122. Es ist wohl nur ein Druckfehler, wenn von 
Dumont ZKu\a(v)oc statt ZKv3Xa(K)oc vorgeschlagen wird. — 
N. 128. Nimmt man das Z am Ende des ersten Eigennamens *Api- 
ctokXcOc auch für den Anfangsbuchstaben des zweiten, so heisst 
letzterer nicht 'Hpdjiißijuv, sondern Zripdjißujv, neben welchem neuen 
Namen Zripa^ißcc^") bereits bekannt ist und sich zu jenem wie Zct- 
paßoc zu ZapdßuiV, verhält. — N. 144. Da in der ersten Zeile vom 
Eigennamen des Fabrikanten, dem Kaume nach, höchstens vier 
Buchstaben fehlen können, so ist die Lücke nicht durch (ApiCTO- 
Kp)dTeuc, sondern durch (GuKpjdieuc, welcher Name unter den 
knidischen Fabrikanten bereits vorkommt'"*^), auszufüllen; in der 
zweiten Zeile darf das am Ende stehende K, welches das Wort 
Kepa^^uiC ^^^) zu repräsentiren scheint, um so weniger übersehen 



00^ A. D. Se'rie IV p. 214 N. 425. 444. 91) A. D. IV N. .394. 395. 
92) Benüüler Wörterb. d. gr. EigennameD 8. v. 'ATaQaloc. 93) A. D. 
lY N. S4. 7•^ 3S. 94) A. D. IV N. 81. 95) sieh die Anmerkung 
wa K 89. 99) Säcie IX. III. p. 326 N. 2>-4. 97) VeigL N. 39 und 
meine Anmerkung zn diesen und den ähnlichen Stücken. 98) A. D. 
IV p. 161. 162 N. 118—123. 99) Benseler a. a. 0. unter Znpaußoc. 
100) A. D. Vm p. 316 N. 105, X p. 353 N. 109. III. 101) Vergl. 



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ans dem sfidlichen Rnsiland. 



71 



werden, ab die m Anfiuige der dritten Zeile angedeatete Lttcke 
dmeh nidhts aaderee als dnreh ein zweitee K za yerToUstlDduien 
ist — N. 168. Das Fatronymioiiin dee Fabrikanten 'Api^^uiv"") 
dürfte *ApiCTOKXf|c geweeen sein, weil iieh dieser Käme unter den 
hndischem MiikMiten «fters^ vorfindet. — N. 302. KX^uiv ist 
anf dieeem, den folgonden^) and mebreren anderen^) Henkeln am 
so wahrschemliolier eine Abkflrsong Ton KX^uivoc und das FAtron j- 
mienm des lespeetiTen Magistrais, des Daminigen, als wir keinen Fabri- 
kanten dieses Namens in Knidos mit Sicherheit nachweisen kOnnen. — 
K. 368—260 sieh oben.^^ — N. 262. DamH Aiovudou nicht ftr 
das PMronjmicmn von dem Daminrgen Aiuiv gehalten, sondern 
^eich als der Name des Fabrikinten erkannt werde, ist dem- 
selben hier and anf einem andern Henkel^) K€P d. h. K€po|yi^uJC bei- 
geAlgt^^; in der dritten Zeile stand wohl mehr oder weniger yoll- 
stanäg: Kvibiov. — N. 278. Statt 'CXcKp^ovroc war TeXei^i^ovTOC 
an sdureiben. — N. 279. Die fehlerhafte Schreibart 'Cviinrou fUr Ai- 
vfaniou iat ans der Ansspncche des Namens an erUSren. — N. 2 84^ Der 
• nur auf diesem knidisehen Henkel yorkommende Name '€p|t€VO- 
Kpdreuc scheint mir so bedenklich, dase ich ihn mit dem gewöhn- 
liflhen 'CpMOapdreuc*^^) vertauschen mOchte. — N. 292. Zu Anfuige 
der ersten Zeile ist in\ verwischt nnd desshalb zu ergänzen. — 
N. 303 und 304. Diese beiden, von Dumont verschieden gelesenen 
und verschieden exgfinzten Stempel, scheinen, mit einander verglichen 
und gegenseitig vervollständigt, dieselbe Inschrift: ini ''Cpfiuivoc | 
6uq>pavTiba, || McXdvTac 'Apic | ToßouXou | getragen, und in den 
beiden ersten Zeilen einen Daminr^os "Cp^wv, den Sohn des €u- 
(ppavTtbac, in den beiden letaten einen Fabrikanten MeXdvrac^^^, 
den Sohn des 'ApiCTÖßouXoCy genannt zu haben. Die Provenienz 
aus Knidos ist nicht angegeben, wenn nicht nach dem letzten Worte 
die Buchstaben KN oder KNI verwischt sein sollten. Der Unter- 
schied zwischen beiden Stempeln besteht in der verschiedenen Form 
der Buchstaben, sowie darin, dass auf dem einen Stücke das Patro- 
nymicum des Damiurgen GiKppovTiba, auf dem anderen dagegen 
richtiger €iKppavTiba lautet — N. 306. '€cTpaTou steht, infolge 



unten N. 262, wo K€P gleichfalls eine AbkärzuDg K€pa^^u>c sein dürfte, 
sowie N. 422, wo das K am Endo der ersten Zeile dieselbe Bedeutung hat. 
102^ A. D. Serie VII p. 280 N. 46-52 X p. 339 N. 8. 9. 103) A. D. 
Serie Vli p. 280 N. 46—62, Vlil p. 307 N. 43, X p. 339 N. 8. 9. 10. 
36. 104) A. D. S^e lY N. 808— tCB. 105) A. D. EMrie IV N. M. 
«87. «87» 287*. 403—406. 106) Ebend. N. 264 vergl. N. 407. 
107) Anm. 84. 108) A. D. S^rie VIII p. .310 N. 68—72, X p. 346 N. 
56—58. 61, XII p. 384 N. 15. 109) A. D. XII p. 386 N. 8. 110) sieh 
oben meine Bemerkungea zu N. 144. III) A. D. Sörie I p. 129 N. 
M— M, IV p. 189 N. 887—994, V p. 888 N. 88, VI p. 868 N. 69. 
VII p. 284 N. 76—78. 80. 81, X p. 349 N. 79. 80. 112) A. D. VII 
p. 277 N. 87, X p. 862 N. 181 vergL IX p. 887 IV 1, X p. 364 N. 
122. 124. 



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72 Becker: Ueber eine dritte Sainml. onedierter Henkelinaohriften 

fehlerhafter Aussprache des Doppelvocals €u, für GuCTpdrou. — 
N. 316. 317. Beide Henkel, zu denen noch ein dritter'^*) kommt, 
haben gleiche Stempel und nennen uns, statt eines Patronymicums 
des Damiurgen EuKpaiiuJV, einen Fabrikanten NiKiac. Dasselbe 
Emblem — ein zweischneidiges Beil — erscheint auf allen drei 
Stücken. N. 331. Statt des fremdartigen Namens MuxciTOptt hätte 
der Stempeischneider vielleicht (A)uxaYÖpa d. h. AuKa^opa schreiben 
sollen. — N. 332. Zur genaueren Bestimmung des Damiurgen €u- 
qppaxöpac werden hier, wie auf anderen Henkeln^**), die Namen von 
dessen Vater und Grossvater zusammen angegeben. — N. 349 — 
351. Der dritte Eigenname Auöoö darf, in Bezug auf den Damiurgen 
'Hpöq)avToc, auch"^) auf diesen drei Henkeln für den Namen von 
dessen Grossvater gehalten werden, da A^ujv — hier das Patrony- 
micum von *Hpöq)avTOC — auf einem andern Stücke ein Sohn 
des Auböc genannt wird. — N. 370. Zu Anfange der ersten Zeile 
war der freie Kaum doch wohl von der Präposition ^tti eingenommen, 
welche nur verwischt zu sein scheint. — N. 373. 374. 377. Diese 
drei Henkel, auf welchen die mehr oder weniger verwischte erst«. 
Zeile, nach einem andern Stücke"^), wiederhergestellt werden kann, 
und aus welchen sich die drei übrigen Zeilen der Inschrift überein- 
stimmend berichtigen und vervollständigen lassen, gehören in die 
XIL Serie Dumont's, da auf ihnen Folgendes gelesen werden muss: 
^TTi bamopTOÖ II KiTTOu 0pd || cujvoc II Kvibiov || , und da dort die 
den Amtstitel bainioupTÖc führenden iStempel zusammengestellt 
sind. — N. 382 und 383 scheinen Doubletten vom Stempel N. 263 
(^TTi A)iuj II voc 'IttttoXöxou II Kvibiov II zu sein und hätten gleich 
nach jenem Henkel aufgeführt werden müssen. — N. 384 und 
384* scheinen Doubletten zu sein, und zwar jene von N. 136*; diese 
von N. 136. — N. 390. 391. Während die Wiederherstellung der 
ersten Zeile (^tt\ A(ujvoc) zweifelhaft ist, muss in der dritten jeden- 
falls Atovucioc gelesen und unter diesem Namen der Fabrikant ^^'*) 
verstanden werden. — N. 414 — 416. Der offenbare Schreibfehler 
MetaKcGc statt MctokXcCc wird entfernt, wenn man im unteren 
Theile de8 am Ende der ersten Zeile stehenden K den fehlenden 
BnoliBUbeii A erkennen wflL — N. 422. Dass in der ersten Zeile 
der Name eiiies Fabrikanten, namentlich des 'Ava^dvbpou ^) stehe, 
das ergiebt sioh nieht bkw ans dem sn An&nge fehlenden ^tti, 
fl(mdeni anoh ans dem mmuttelbir auf den Namen folgenden K^*^) 



113) A. D. IV p. 178 N. 223. 114) A. D. IV p. 217 N. 4i7. 
116) B. S. IV S. 466 N. 15 und meine Bemerkonffen zu diesem Stücke, 
8. 4€e~4e8. 116) A. D. IV p. 197 N. 88t und mebe Bemerkungen 
sa diesem Henkel. 117) A. D. IV p. 212 N. 413, VII p. 901 N. IW. 
118) A. D. S^rie XII. p. 383 N. 3 und oben meine Bemerkung zu diesem 
Henkel. 119) s. Anmerkung 108. 120) A. D. Säne V p. 231 

N. 2. 3. 121) A. D. IV p. 165 folg. N. 144. 262 und meine Bemer- 
kuDgen SU diesen beiden Heakehi. 



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ans dem sfldlichen Baealand. 



73 



d. h. Kepapeujc; in der zweiten Zeile ist die Präposition im mit dem 
Magistratsnamen, in der dritten die Provenienz (Kvibi'ov) angegeben. — 
N. 447 sieh oben.^**) — N. 464. Um den unverständlichen Namen 
Zi(pdv€UC zu einem verständlichen zu machen, wird man annehmen 
müssen , dass über demselben eine Zeile mit den Buchstaben €111 A6 
oder ETTITTPA verwischt oder abgebrochen sei; ein Damiurgos AeHi- 
q>dvT)C kommt in Knidos schon auf ein paar anderen Henkeln '*^) vor. — 
N. 467. 468. Der eine Name TTicivr|C oder TTeicivr|c findet sich als 
Damiurgos auch auf anderen knidischen Henkeln.^**) — N. 479. Statt 
des von Dumont vorgeschlageneu Namens €iceiba(?) wird ('ApiCT)eiba 
zu lesen sein. — N. 497 — 500. Die auf diesen Henkeln gegebenen 
Inschriften treffen wir auch in einer andern Serie Dumont's. — 
N. 505. 506. Der zweite Name: XapfiOKpdTr|C ist der eines Fabri- 
kantcii.^-''J — N. 513. Der folgende Henkel (N. 514) zeigt, dass 
statt AoOatou richtiger AoHaiou zu lesen sei. — N. 528. 529. Statt 
im XpuiiiTTTTOU ist jedenfalls im XpuciTTiTOU**') zu lesen, ohne dass 
desshalb das horizontal gestellte Z ( ^) für einen archaischen Buch- 
staben zu halten wäre. 

Serie V (p. 231 — 245). Der üeber?chrift entsprechend, ge- 
hören in diese Abtheilung diejenigen Henkel, aufweichen ein Eigen- 
name mit dem Zusätze Kvibiov angegeben wii^d, und welche, als 
Nebenßtempel auf den zweiten Henkel gesetzt, sich schon Uusserlich 
von den llauptstempeln dadurch nnterscheiden, dass auf ihnen die 
PrSposition ini nicht vorkommen kann. Derselben hat Dumont die 
nöthige Berücksichtigung indessen nicht eingeräumt, sondern auch 
hier — mehr auf die gleichlautenden Namen als auf deren Bedeu- 
tung achtend — die Nebenstempel mit den Hauptstempeln zusammen- 
gemengt und dadurch das richtige Verständniss der einzelnen In- 
schriften mehr erschwert als gefördert Nadh Ausscheidung jenes 
fremdartigen Materiiis verbleiben nns in der fttnften Serie nur 
Kebenstempel, auf welehen wir in den tetiener^) im "Saa^md&Vf 
mMmm^ im GenetiYiis itehenden Eigemuanea — die Fabrikanten, 
md in KvtMov — dk Tr^makm wa ectamen haben. Bas so ge- 
liditote Mat«nal luetet kerne weiteren Sdiwierigkeiten, und ich be- 
sctotwke miflii daher — abgesehen Ton den orthographiadhen FeUem, 
wdehe in der fehlerhaften Ansspraehe^^) nnd In der NachlSssig- 



Itt) lieh meine Bemeiknngen «q N. 817. 818. 188) B. 8. V 8. 

460 N. 6, A. D. Xn p. 384 N. 16. 124) A. D. VII j) 298 N. 171— lf8 
vfrpl. p. 287 N. 97. 126) A. D. S^rie IX p. 326 N. 2. 3. 4 und meine 
Bemerkungen zu diesen Stücken. 126) A. D. VllI p. 301 N. 196. 
127) A. D. IV p. 280 N. 630. 631. 128) A. D. V p. 231 folg. N. 1. 2*. 

6. 8. 10. 16. 17. 19. 80. 81. 88. 88. 49. 58. 67. 69. 60. 61. 68. 69. 70. 

7. '>— 77. 80. 82. 83. 93—96. 98. 99. 101. 129) A. D. V p. 889 folg. 
N. 7. 11. 11 ^ 20*. 38-41. 46. 130) Mit Ausnahme der m der vor- 
herffehenden Anmerkung angegebenen Stücke, finden wir anf den übrigen 
hienier gehörigen Henkehi den Oenetiyns. 181) A. D. V p. 834 folg. 
N. 19: CxAmOKPATEYC statt Xopfioi^fuc, N. 94; TTQAYKAP . YC 

« 

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74 Becker: Ueber eine dritte Samml. anedierter Henkelinscbrifteo 

keit*'*) der Sterapelschneider ihren Grund haben — auf wenige 
kurze Bemerkungen zu einigen Stücken: N. 5. AMOTEAEY . ist 
AaiLiOTeXeuc '^^) zu lesen. — N. 11. Dass der Fabrikant ApdKUiV, 
nicht 'ApdKiuv(?) geheissen habe, ergiebt sich aus dem Vergleiche 
dieses Henkels mit dem unter N. 41. — N. 16. Je imsicherer die 
Wiederherstellung der ersten Zeile ist, um so sicherer ist es, dass 
in ihr nicht E(7Ti Kvi) A(iov) gestanden haben kann. — N. 23. Statt 
des von Dumont vorgeschlagenen Namens 'Ap(K)r|TOu{ V) ist nach 
dem Facsimile mit grösserer Wahrscheinlichkeit 'Apx(vj )tou zu emen- 
diren. — N. 92. Da die Existenz des neuen, auf knidischen Henkeln 
öfters vorkommenden Namens 'Gttiujv, 'GniovTOC gesichert ist, so 
muss statt im "Ovtoc jedenfalls 'Gttiovtoc geschrieben, und dieser 
Name einem Fabrikanten ^^''^) vindicii t werden. 

Die Serie VI (p. 245 — 272) soll, nach der Bestimmung Du- 
mont's, diejenigen Stücke enthalten, auf denen zwei Eigennamen 
dnroh die Ptftposition im oder durch das Wort KvtMov Yoa einander 
getrennt werden, enthttlt aber thateftehlich ein ^iel reieheiee ICftterial, ' 
weil sich in ihr anaserdeni lux^ Henkel Torfinden, in deren Ih- 
sehriften hd m Anfinge^, Kvi^iov dagegen sowohl in Anfange 
als am Ende^ steht. Der anf solehe Weise Tergrdsserte Stoff 
fordert indessen nidit das gehörige Versttndniss der einaelnen Stempel, 
deren Insdhriften, nadh ihrer TersoMedenen Ftasnng, aoioAi anf ver* 
sehiedene Art zu denten sind nnd nnr richtig yerstsnden werden 
kiSnnen, wenn man nach festen GnmdsItMn an ihre Beortiteilnng 
geht. Hier ist vor Allem in bemerken, dass die fiedentung von 
Kvi5(ov, sowie die der Priposition M nicht Ton der dem einen 
oder dem anderen Worte eingeritamten Stelle abhiagig ist, denn 
jenes beurkundet Überall die Fnyveniens des QeOsses und dieses be- 
leiehnet Überall in dem von ihm abhingigen GenetiT eines Bigen- 
namens — den respeotiren Damiurgen, welchem auf den Stttdcen 
dieser Fassung nur dann dn Ft^ronymieum su Tindichnen ist, 
wenn ein sweiter Eigenname, durch Kvibiov Tom ersten getrennt, 
auch im GenetiTUS erscheint^'*) Sehen whr uns nUmlich N. 86^^ 



statt noXuxdpcuc. 132) A. D. V. p. 232 folg. N. 6: ATTQOAAÖNloY 

statt AnoUtuviou; N. 11: APAKiuN statt ApdKiuv; N. 28: KNIANIN statt 
Kvtbiov; N. 42: KNHAION und N. 61: KNIIAI statt Kvtbfov; N. 79: IH- 
nOAAOXOY Btatt limoXöxow; N. 83: NEMZYITATOY(?); N. 87: NIIKAtl- 
BOYAOY statt NiKacißouXou. 133) 8. meine Bemerkung zu N. 38—40 
in Serie IV. 134) A. D. IV p. 172 folg. N. 185. 220. 465. VI p. 246 folg. 
N. 6. 135, Vlll p. 313 N. 88. 135} A. D. VI p. 246 N. 6. 135. 136) A. 
D. VI p 247 folg. K. 18. 18. tO. Sl. 26. 26» 27. 28. 80. 41. 44. 46. 50. 
61. 54. 50. 57. 62* 62^ 64. 67. 68. 70-72. 83. 94. 97—99. 104»— 107. 
109. 110. 113. 118. 110. 128. 129. 133. 136. 137. 139. 144. 146. 148—150. 
I.'i5. ir.G 137) A. D. VI. p. 252 folg. N. 40. 56. 100. 138) A. D. VI 
p. 240 folg. N. 22. 49. 52. 65. 56. 68. 122. 167. 139) i. B. N. 18: tld 
'Acid^abib II pou. Kviftiov, )| 'AvoEdvbfKni. || 140) A. D. VI p. 250 N. 26: 
IikI Aa . , II Kvt6uiv j! xdpou. 



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AUS dem südlioben Kusaland. 75 



silier an, so worden wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ver- 
mnthen können, dasa durch Kvibiov nicht blos die zusammengehörigen 
Silben eines Wortes (AafiOXapou), sondern auch zwei zusammen- 
gehörige Eigennamen^**) von einander geschieden worden seien. 
Wesentlich wird die Vermuthung dadurch unterstützt, dass die von 
mir für Patron^inica der Magistrate, d. h. der Damiurgen gehal- 
tenen Eigennamen sich mehr ausnahmsweise unter den knidischeu 
Fabrikanten, dagegen fast immer unter den sonst schon bekannten 
Damiurgen und deren Patronymicis wieder vorlinden, und dass die 
Zahl der Fabrikanten, wenn man solche in dem zweiten Namen er- 
kennen wollte, einen übermässig grossen Zuwachs erhielte. Ab- 
gesehen hiervon ist dieser zweite Name, wenn er im Nominativ us 
steht***), dem Fabrikanten zuzusprechen, welchem ausserdem, auf 
andern Henkeln dieser Abtheilung, der in der ersten Zeile im ab- 
soluten Genetiv**') oder Nominativ***) gegebene Eigenname jedenliills 
/ufdllt. Femer muss ich hier noch einiger***) weniger gut erhalteneu 
Henkel gedenken, auf denen die beiden, im absoluten Genetiv ge- 
brauchten und durch Kvibiov von einander getrennten Eigennamen 
80 zu deuten sind, dass ersterer für den Eigennamen eines Fabri- 
kanten, letzterer aber für dessen Patronymicum zu halten ist Nach 
Ausschluss dieser nnd noch einiger anderer Nehenstempel^^ ver- 
bleiben in te tedute Serie fast ebensoviel Hanptstempel^^^ als 
sokliA Stücke, auf irelohiii alles Nttthige in einen Stempel so sa- 
samnwngedifingt weiden ist^*^), dass sie eines sweiten nieht be- 
dinfteii. iSne üntenokeidiuig der dnen Ton den andern bietet, naoh 
den Tcwwagesdncktep Bemerkungen, keine Sehwierigkeit, und dess- 
halb kann ieh ohne Weiteres zu dem übergehen, was im Einaelnen 
noeh eine besondere Beachtnng nOthig maeht: 6. Das in der 
sweiten Zeile stehende iid yerbietet einerseits dieselbe Frftposition 
in der ersten Zeile zu lesen und sichert andererseits den neuen Namen 
*€nCuiv, *€irfovTOC, weUhen ich bereits oben^^ einem Fabrikanten 
sugeqsroohenhabe. Ein gleiidilaniender, TcaBomoni weiter nntm 
angeführter Stempel bitte seinen Fiats hier haben soUen. — N. 6\ In 
der yerwisditen ersten Zeile stand wahrscheinlieh: lirl KaXXi5d(|uia), 
ein Name, der mtor den Bamiingen Öfters Torkommi — N. 6'. Den 
Toa Dnmont gegebenen Bneluribsben entspioht am ersten der No- 

141) sieh unten meine Bemerkung ni N. 98. S9. 14S) A. D. VI 

p. 250 folg. N. 10. 11. 28. 29. 30. 43. 97. 98. 107. 138. 151. 152. 154. 
143) A. D. VI p. 246 folg. N. 1—4. 6. 8. 9. 22. 24. 26. 31—88. 45. 61. 
63» 77—82. 84—92. 101. 132». 136. 140. 141. 157. 144) A. D. Vi 
p. 847 folg. N. 7. 68. 68. 76. III. 118. 186. 146) A. D. VI p. 866 folg. 
N. 69. 69. 73. 125. 140. 141. 161. 146) A. D. VI p. 252 folg. N. 40. 
III. 112. 147) Z. B. N. 18: dirl AcKXriTnabiO poi) Kvibiov ! 'AvaEdvbpou. 
148) Z. B. N. 1: AnunTpiou,' Kvt(Mov), im i 'AYecTpdrou. | 149) A. D. 
V p. 244 N. 92 mit meiner Bemerkung. löO) A. D. VI p. 267 N. 135. 
161) A. D. Mie Xn p. 884 N. 18, lY p. 807 folg. N. 887. 888. VII p. 
891 N. 186*. 



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76 P* Becker: Ueber eine dritte Samml. unedierter Uenkelixuicbriftcn 

rainativ BÖTpuc***) oder Boipric^^. — N. 7. Da aus den in der zweiten 
Zeile gegebenen und auf einem andern Henkel sich wiederholenden 
Bachstaben durch ein eingeschobenes I oder T der neue, aber ver- 
ständliche Name *GpaTib(ac"*) herzustellen ist, und KAP eine Ab- 
kürzung von KapveobÖTOU zu sein scheint, so lautete die Inschrift 
folgendermaassen: *ApicTatvoc, || 'GpaTibiac. || dirl Aaib(dX)ou ||Kap- 
(veobdrou). y In den beiden ersten, im Nominatiy stehenden Eigen- 
ntmen ist die Doppelfirma der Fabrikanten 'ApicraiVOC^ a&d "^po- 
TiÖioc^^ und in Kapveo^drou der vttariiisliA Name dee DmiiirgiB 
AafiMiXoc^) zu erkemMD. ^ N. 10. Der von Dnmont filr die dritte 
Zeile Torgeschlagene Name €diröXioc bembnet luer, als NomiiiatiT 
genommen^, einen Fabrikanten dieses Namens. — N. 11. Die 
mhisoheinlieh so zn mroUstBadigende Inscbrilt: (diA 'Api)cTa(voui| 
NiKÖXa, Kvibfov I 'Atioc 'Apicror^ | vt]c nennt nns in den beiden 
ersten Zeilen den Daminigen 'Apicrcnvoc^^), einen 8obn des Nt- 
KÖXaCy sowie die Proyeniens des OelMses (KviMov), und in der 
dritten und vierten das ancb anf aadern Henkehi erwlbnte Com- 
pagniegeschSft dee *At(oc nnd 'AptCTOT^vnc^*^). — N. 18^ Naeh 
einem andern Henkel anf welchem alier *ApfioicpdT€UC statt *Ap- 
fUMpdrou gelesen wird, stand anf diesem StUdcs, wie yielleioht aoöh 
anf dem feigenden (N. 14): (dit)l 4>i(Xo|ip)p | oriba, Kvi(btov),|| 
*Ap|iOKp6 I Tou. — N. 17. Die Ltoke der dritten Zeile eigliise idi 
dnrch: (ifd '€)tMp(p)dvopoc^^ — N. 19. Der Name des in der 
ersten Zeile genannten Fabrikanten ist wabrsdheinlicb £q>otit>oc^^) — 
N. 26. Von diesem Henkel habe ich schon oben^*^) bemerkt, dass 
der Name des Daminigen Aofio | x&pf^ dnroh Kvibtov in swei 
Theile gesobieden werde. — N. 27. Die erste Zeile lässt sieh dnreb 
(did Aa|iOKp)(TOu^^ aosflUlen. — N. 28. 29. Diese beiden Henkel, 
za denen noch ein paar andere, weniger gat erhaltene *^^) hinsu- 
saftigen sind, geben sSmmtlich, sich gegenseitig ergänzend, folgende 
Inschrift: itd Aa^o(K)piTOu, (K)v(t)biov, Aiovuciou, KpdTiic, TTo- 
XiTi|C, nnd nennen uns einen Damiurgen Aa^6KplT0C, dessen Fatro- 
nymicum, getrennt durch das eingeschobene Kvibiov, Aiovucioc ist. 
Dnrch diese aussergewöhnliche Constmction wird nicht blos, im vor- 
liegenden Falle, der Genetiv Aiovuciou erkl&rt, sondern auch wie 
schon gesagt, die Yermathnng begrtlndet, dass in allen andern kni- 
disehen Inschriften, wo ein tob ^ttC abhftngiger Genetiv einee Eigen- 

152) A. D. I p. 134 N. 50. 153) Benseler Wörterb. gr. Eigenn. 1 
S. 221 8. V. BÖTpnc. 154) A. D. VI jp. 255 N. 68. 155) Von ipdm 
ist 'CpOTÖc, '€paT{bac, EpartMac absnletten. 156) A. D. VII p. 977 
N. 87. 157) A. D. VI p. 255 N. 58. 158) A. D. IV p. 172 N. 187, 
VI p. 260 N. 26». 27. 159) A. D. IV p. 195 N. 319» 319»». 160) A. 
D. IV p. 161 N. 118—123. 161) A. D. IX p. 329 N. 6. 6. 7. 8. 
162) A. D. VI p. 270 N. 160. 163) A. D. IV p. 198 folg. N. 338. 

164) A. D. VI p. S<8 N. 107, VII p. 299 N. 189. 166) i. 
8. 74 d. Teit zu Anm. 140. 166) A. D. IV p. 174 N. 194—197, VI 
p. 261 K 28. 29. 167) A. D. VI N. 42. 138. 



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am dem tfidliohen BoMland. • 



77 



nimens durch Kvibiov von dem Genetiv eines anderen Eigennamens 
getrennt wird , in letzterem das Patronymicum des erstoren zu sehen 
Bei. Ferner wird in der letzten Zeile des vierzeiligen Stempels — 
statt des ungeheuerlichen Namens KpaTOTToXiTTic — die Doppelfinna 
iweier Fabrikanten'®') im Nominativ angegeben. — N. 39. 40. Auf 
dieseu beiden Sttlckeu hat der gleichlautende Name AiokXcöc, wenn 
der zu complicirte Name AiOKXeavbpibac dem Fabrikanten ab- 
gesprochen oder eine willkürliche Aenderung der vorliegenden 
Buchstaben nicht gestattet wird, eine verschiedene Bedeutung, 
denn da ich auf dem ersten dieser Henkel (Kviöiov). AiOKX(eöc), 
^ixi AiOKXe(öc), auf dem zweiten aber Kvibiov. AiokX6(0c || KXe- 
(avb)pi II ba lese'*^^), so führt auf jenem Henkel sowohl der Fabrikant 
als auch der Damiurg den Namen AiOKXfic, während AiOKXfjc auf 
dem zweiten den Fabrikanten mit dessen Patronjmicum KXeav- 
bpibac bezeichnet. — N. 42 s. oben N. 28. 29. — N. 58 s. oben 
N. 7 und lies: 'Gpaiibiac, |1 ^tti (A)aib(dXou) | 'ApiCTOKX(eöc), j 
Kvibiov II . ' — N. 97. 98. Die unvollständigen Inschriften dieser 
beiden Henkel kiiiinen mit Hülfe anderer, von Dumont missver- 
standener Exemphire bis auf den Namen d^s in der ersten 
Zeile genannten Damiurgen, mit Sicherheit auf folgende Weise er- 

gl&zt werden: ^7T(i ) KaXXibdjia, Kvibia, OiXöttoXic. 

AiovOci II oc. Die Wiederherstellung des ersten Eigennamens ; der 
mit YCYC endigen soll, ist unmöglich, wemi man nicht diese jeden- 
frUa fiüfich gelesenen Buchstaben wiUkttrlich ändern und nament- 
M nicht das erste Y mit einem andern Bnehstaben Tertanaelieii 
wiU; die drei letsten kfimitMi» da eiii QenetiT stehen mnss, leiehi in 
€fC oder OYC yerwandelt werden; KfldlXt&difia Ist das Faftronymiemii 
des fraglichen Damiurgen; KviMa statt KvibCov, zur Angabe der 
Pkofenieiiz des Geftsses, Uisst flieh dnreh ein hinzugedaehtee NCpa^ic 
KCpdjuuov) oder Kcpafieia erUSren"^); unter 0iXdiroXtc und 
üiovOcioc sind swm FUirikanten m Terstehen, welche ein gemein- 
MhsftlieheB Gesehift dieser Finna hesassen.'") Knn, alles spricht 
eimbar sowohl gegen die Znllssigkeit Ten Damont*B Bemerknng*^ 
sIs aneh gegen dessen Bestanration der iweiien^^) und dritten*'^) 
Zdle der hierher g^i&iigen Stücke. — N. III. 112 sind Neben- 
'liempel md zeigen das CompsgniegeschAft zweier, auch aof andern 
Henkeln zosammen genannten Ffetbrikanten. — N. 117 wird 
BSflk einem anderen Stempel (4if)l (€öq>paT)6pOL Kvi&((ov). Mc- 
Xdv(Ta) zu lesen sdn. — • N. 186 s. oben N. 6. — N. 136. Statt 



ISS) A. D. TU p. 298 N. 175. 169} Das einmalige KAE steht für 
ab doppeltes. 170) A. D. YI p. S70 K. 151. 16». 168. 154, IX p. 327 

N. 6. 7, p. 328 N. 5. 171) p. oben S. 52 Anni. 170. 172) A. D. IX p. 
326 N. 1, p. 327 N. 0. 173) A. I). VI p. 262 N. 98. 174) A. D. 
VI p. 270 N. 154, IX p. 327 N. 6. 7. 175) A. D. IX p. 328 N. 5. 
176) A. D. Vn p. SaS Iff. 189, IX p. 889 N. 8. 177) A. D. VI p. 867 
H. 70. 



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78 F. Becker: Ueber eine dritte Siinml. nnedierter Henkdiaiehriften 

0iXofi(dTOu) war in der vierten Zeile wohl der Fabrikant 0iXö(iro- 
Xic^^ im NominatiT angegeben. — N. 188 b. oben N. 28. 39. — 
N. 140. 141 sollte in der dritten ZeUe beider Henkel nicht TeXc- 
dir(irou) ab Fatronymicmn der lUnikanien ZKipröc gelten mllB- 
eoi? — N. 147 sn Anfimge der ersten Zeile ist wahreeheinlieii diH 
▼erwisdht oder flbereehen worden, da «IhXofippOTiba, dnroh die Yer- 
eehiedenhmt der Gasns nnd dnieh eine swisofaen beiden Bigwmamen 
horimtal liegende Barre getrennt, aneh auf diesem Henkel, wie 
sonst dem Daminigen angehören wird, wShrend die Bedentmig 
des zweiten Kigeimamens davon abhitiigig ist, ob wirklieh *A^6- 
KpOTOC CApjyioiq>dn)c?) oder nicht viel mehr 'Apfuncpdroii^ ge- 
lesen werden mnss. — N. 151 — 164 s. unten meine Bemerkongen 
an S6rie IX, m p. 826. 837 K. 1. 6. 7. — N. 163 statt des fehler- 
hallen Xapfiovipa war wohl *Af4iovi(b)a sn schreibeii. 

Der Serie VII (p. 373—801) hatDomont die Heakelinschrif- 
ten mit zwei Eigennamen zugewiesen, ohne jedoch dabei anf die 
▼erschiedene Bedeutung derselben zu achten, und so kommt es, dass 
auch hier, — wo die einen von der Präposition ^iri abhängen 
die anderen im .absoluten Nominativ oder Genetiv erscheinen^), 
lind einige in einem einzigen Stempel alle nöthigen Angaben ver- 
einigen '^^), — die wünschenswerthe Einheit des Stoffes vermisst nnd 
Verschiedenartiges zusammengestellt wird. Abgesehen hiervon, sind 
nicht bloss die einzelnen, im absoluten Nominativ oder GlenetiT ge- 
gebenen Eigennamen, sondern auch die zu je zwri oder gar zn je 
drei neben einander im Nominativ stehenden den Fabrikanten an 
vindidren und in den letzteren die respectiven Theilhaber an einem 
gemeinschaftlichen Eabrikgeschäfte zu erkennen. Ausserdem hier 
noch Folgendes zu einigen Stücken: N. 10. Ich lese: ^tti *A(p)aTO \\ 
cpdveuc II AaXiou || und würde diesen Henkel, da der aussergewöhn- 
liche Name *ApaT09(ivr|C in Knidos sonst nicht, in Rhodos aber 
öfters***^ vorkommt, wohl richtiger den rhodischen Stempeln bei- 
gezählt sehen. — N. 21. 22. 23. 25. Da, unabhängig von 'AttoX- 
Xtuvioc, kein TTicibac unter den knidischen Fabrikanten genannt 
wird, so dürfte unter diesem Namen hier weniger ein rompnguon 
dee 'AttoXXiuvioc, als der Beiname oder das Pationyiuiciim ^*^) des 
letzteren zu verstehen sein. — N. 2G. Statt des in der zweiten Zeile 
unverständlichen niZl^N . . wird, nach einem andern Henkel ^^^), 



178) A. D. Vn p. 800 N. 186. 186. 187, X p. 867 N. «14. 178) A. 

n. VI p. 270 N. 148. 149. 160, VII p. 300 N. 188. 180) A. D. VI p. 
248 N. 13» 14. 181) Solche Hauptstempel findet man in der sechsten 
Serie auf 8G Stücken, 182) Die Zahl dieser Nebenstempel ist nicht 

viel grösser als die der Ilauptstempel. 183) A. D. VII N. 64(?). 67, 
76. 77. 80. 97. 184) Stephan! Anliq. T. II inieript LXXIX N. 8. 4. 6. 
Franz CIGr. III p. VU N. 87. 88, Becker Sup. IV S. 464 N. 6. 
185) sieh meine Bemerkungen zn den rhodischen Henkeln und na- 
mentlich oben S. 42 au A. D. p. 82 N. 40. 18Ü) A. D. IV p. 185 N. 262. 



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tum den ittdlushen BuMlaad. 



79 



TTIIIAAKEP d. h. TTidöa Kepa^^uuc zn lesen sein, — N. 37. Die 
Firma des hier genannten Compagniegeschäftes war *ApicTaivoc. 
MeXdvrac, und desshalb ist der erste Name im Nominativ zw ergän- 
zen. — N. 37 a, Die verwischten sechs Buchstaben der ersten Zeile 
glaube ich durch 'AY(iac xai) vervollständigen zu dürfen. ^^') — 
N. 63. Auch hier ist, wie oben 'Apiciaivoc *^*) , der Name des 
Fabrikanten im Nominativus: Aiovucioc zu restauriren. — N. 64. 
Die unvollstlindig erhaltene Inschrift ist entweder durch : (^7Ti)AiOV 
(uciou) II Kparnc. TTo(XiTr|c) || oder wohl noch richtiger'**^) durch: 
(^TTi Aapo 1 KpiTOu Kv II ibiov) Aiov(u || ciou), II KpÄTtjc. TTo(XiTr|c) 
zu ergänzen. — N. 68. Dieselben Namen finden sich in gleicher 
Bedeutung auch in einer andern Serie. ^•*^) — N. 83. In dieser 
lückenhaften und falsch gelesenen Inschrift werden uns die drei 
Fabrikanten 'Ayiac, €Ö7T0 || Xic, '€pMÖ9avT0C || genannt, welclie 
Theilhaber eines gemeinschaftlichen Geschäftes waren **^). — N. 92. 
Nach der fehlerhaften Aussprache ist AdKT)C statt Adxtic*^) ge- 
schrieben worden. — N. 97. Mit Hülfe von zwei andern Hen- 
keln'^'), welche Doubletten von dem hier gegebenen Stücke zu seiu 
scheinen ^ '^), kann die lückenhafte und nicht richtig von Dumont 
gelesene Inschrift auf allen drei Exemplaren so hergestellt werden: 
^TTi ITicivou Eu- II (ppavTiba, || Kapveabac. || Gußou || Xoc H . Beim 
Kamen des Daraiurgeu, der auf ein paai* neueren Henkeln*"') TTei- 
C\vr]C heisöt, finden wir im Genetiv sowohl T7€iCiV€UC *^), als TTeicf- 
vou^^'), welche letztere Flexionsendung hier den Vorzug verdient, 
vreil .sie den auf zwei Stücken *^^) gegebenen Buchstaben entspricht, 
denn in Nr. 173 war, wie aus Dumont's Transcription ersichtlich, 
die Lücke nicht am Ende, sondern vor €Y anzugeben. Ausser den 
beiden Inhabern des hier erwähnten Fabrikgeschliftes des Kapvcd- 
hac und EußouXoc, wird auf einem andern Henkel '^^) "Avbpuiv 
noeh als dritter Compagnon genannt, während sowohl Kapvedbac *^), 
als CfißGuXoc*^^) auf den knidischen Henkeln auch als die alleinigen 
InbalMr beeonderer Oeeehlfte mebt vereinzelt dastehen. N. 102. 
Dinw Hflokol halte kii om bo melir für einen rhodisehen, als 
tonont tellNii^ ein, naeh der Gaataltniig des Stempels gans Mm- 



187) Ä. D. IX p. 329 N. 6. C. 7. 8, VI p. 247 N. 11. 188) A. D. 
VII p. 277 N. 37. 189) A D. VI p. 261 N. 28. 29 und meioe Bemer- 
kmim m diesen Henkeln. 190) A. D. IV p. 185 N. 966. 191) A. 
D. IX p. .329 N. 10. 192) A. D. VII p. 294 N. 145. 146. 193) A D. 
VII p. 208 N. 173, X p. 359 N. 159. 194) Ausser den gleichen Schrift- 
reichen und der gleichen Vertheihmg der Inschrift in ffinf Zeilen, spricht 
dafür das gleiche Abzeichen — das Vordertheil eines »Schiiies — welches 
auf sweien dieser StSeke noch rielilbar nnd anf dem dritten flbeneben 
oder verwischt ist 195) A. D. IV p. 220 folg. N. 467. 468. 196) Ebend. 
N. 467. 197) Ebend. N. 468. 198) A. D. Vll N. 97. 173. 199) A. D. 
IX p. 3S5 N. 29. 200) A. D. VII p. 202 N. 130—133. 201) A. D. 
Vm p. 314 N. 97. 98, X p. 851 folg. N. 99—102. 104. 202) A. D. 

pu 99 M. 198. 



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so P* Becker: Ueber eine dritte SammL anedierter HenkelinBchriften 

liebes lind dieselbe luscbrift (von der Linken zur llecht^n) tragen- 
des Exemplar den rbodischen beizählt und durch die8e Inconse- 
quenz offenbar beweist, dass bei der Classificiruug der Henkel der 
Stoff allein nicht maassgebend sein kann. Die Angabe des rbo- 
dischen Monate 0fcC|ao(p6pioc ist für die l'roveuienz des QefUsses 
aus Rhodos ein gewichtvolleres Zeugniss, als es der verschieden- 
artige Thon verschiedener Töpfereien desselben Staates abzulegen 
im Stande ist, und dessbalb bedarf es kaum noch der Erwähnung» 
dass ein Fabrikant 'GTriyovoc auf rbodischen Henkeln öfters 
vorkommt, und dass ein gleichnamiger in Knidns '^), nach der 
Form der Buchstaben, einer früheren Zeit angehört — Nr. 115 
könnte, wenn eine vierte notore Zeile verwischt oder abgefavoohen 
wSre, in den sohoii oben""^ bwproehenen StOflkiMi gdiOran, auf 
welchen (^ttI bajuioupToO || Kirrov 6pd [ cuivoc, 1 Kvi5lov| an leaen 
ist — N. 139. Mit Bezug auf rndne frdhere Bemerkmig'^ laotete 
die Inaehnft diesea Stttekes wohl nm so wahrseheinlieher: (M TTt- 
dvou €ö I (ppavrdMi, | Kapvedboc | (€öß)ou(Xoc, als daeAhniehen 
hier ebenfiüls dae Yorderthefl eines Schiffes ist — N. 184. Da die 
Ittckenhafto Inschrift durch (dTTi)6afi(iopYoO || Kapv€(öbOTOu) m ver- 
voUstlndigen ist, so dürfte dieser Henlool, fiiüs eine dritte nnd vierte 
Zeile abgebrochen oder verwisdit wire, fttr eine Donblette eines an- 
deren Stockes**^ zu halten sein. — N. 189. Dieselbe Doppelfinna 
findet sich aof mehreren Nebenstempeln. *^ — Nr. 144. In Er- 
innerong an die Doppelfizma Kpdnic TToX(Tf)c^) nnd in Berttck- 
sichtignng eines andern Stempds*'^ mit der Inschrift: TToXiTO. 
KpdTf|., ist vieUeieht auch hier (TToX)(Ta KpaTi6(T0c) oder (noX)i- 
To(c) KpdTi|(TOc) sn lesen. — Nr. 145. M Vervollst&ndige die 
erste Zeüe durch Mxn(c Kfld) und die xweiie durch CdfföXcfioc*^^) 

— Nr. 147. Die unglfloUiohe Co]\jectar Dnmonts (AiciKpdnic ftbr 
AuciKpÖTiic) läHst sich durch eine viel wahrscheinlichere, nimlich 
dui-ch (M)öp(n)ic"*) E(ö)KpdTnc"«) ersetzen. — N. 154. Statt 
•ApiCToCracüc) lese ich *ApiCT6(po)uXo(c)."*) — N. 173 s. oben.«*») 

— Nr. 174. 175. s. N. 144. — N. 180. Der mit seinem Patrony- 
roicum genannte Fabrikant hiess wohl ZKipTÖc^*^ — Nr. 181. 
Die beiden Inhaber eines gemeinschaftlichen Fabrikgeschäftes heissen 
(€ö)cTpaTOC und KX€(i)6iroXic (— KXeöiroXtc**^), lacOiroXic'"^) 



203) CIGr. III p. IX N. 209. 210, A. D. p. 92 N. 119—123. 
201) A. D. VII p. 283 N. 72. 205) A. D. IV p. 205 N. 373. 374. 377. 
206) A. D. VII p. 287 N. 97. 207) A. D. XII p. 384 N. 16. 208) A. 
D. VI p. 264 N. III. 112, IX p. 327 N. 8, X p. 360 N. 166. 209) A, 
D. VI p. m N. 28. S9. 210) A. D. TU p. 998 N. 176. 211) A. D. 
VII N. 91. 92. 93, X p. 363 folg. N. 114. 173. 212) A. D. VII p. 286 folg. 
N. 85 (wo Möpmc in der ersten Zeile zu lesen ist) N. 127. 128. 213) A. 
D. Vll p. 285 folg. N. 85. 174, X p. 353 N. 109. 214) A. D. VII p. 
278 N. 89: 'ApiCTÖßouXoc (n)ei(c)dv(&pou), Ym p. 807 N. 42». 42^ UL 

&S31 N. 9. 215) Meine Bemerfcnng zu N. 97. 216) A. D. VI p. 268 
. 140^142, YU p. 286 N. 89. 90. 217) A. D. V p. 241 N. 76. 218) A. D. 



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ans dem südlichen Boisland. 



81 



wofür nach fehlerhafter Aussprache KXeuÖTToXic geschrieben ist. — 
Nr. 188 ist, was auch das gleiche Abzeichen — eine Doppelaxt — 
bestätigt, eine Doublt tte von einem anderen lieukel'^'*) und muss, 
als solche, durch || ^tti 0lXo^ßp || o(T)iba ( Kvi.) || 'ApMOKpd || T€u(c) 
ergänzt werden. — N. 191 nennt uns den Fabrikanten Möppic^^). 

— N. 194. In der ersten Zeile i.st OiXiaT^oc) im Nominativ der 
Name des Fabrikanten. — N. 195. Nach ein Paar andera Hen- 
keln"-^) wäre: (im OiXitt || ttou Xap || poKpd(T) {| r|C. (Kvibiov) zu 
lesen. — Nr. 197. In der ersten Zeile wird als Name des emen 
Fabrikanten, da Fassnn';' und Schrift mit einem andern Stempel"^) 
übereinstimmen, (Kj|JU(Tjt(poc) gestanden haben. 

Serie VIII (j). 'MM — 325). Wie in den vorhergehenden Ab- 
theilungen, so habe ich auch in dieser die Ausstellung zu wieder- 
holen, dass Dumout bei der Classification der knidischeii Henkel die 
BedeutunL,^ der Namen ganz unbeachtet gelassen habe; denn die 
Kinzelnamen, welche in dieser Serie zusammengestellt werden, hän- 
gen eines Theils von der Präjmsition ^tti ab^^^j, und erscheinen an- 
deren Theils im absoluten Nominativ oder (Jenetiv, so dass erstere 

— den Damiorgen, letztere dagegen den Fabrikanten angehören 
wfirden; jene wären Haupt-, diese Nebenstempel. Den einen, wie 
den anderen feUt das Zengniss ihrer Provenienz durch die Beiflohrift 
Kvtbiov^), und ddeahalb hat Dumont bei der Besthnmiuig ihrer 
Herkunft sich anflsehliewKch Ton der BeBehafienbeit des Hatorials 
oder Tbones leiten lassen. Ob er hierbei immer das Bichtige ge- 
troffen, das bin ich za entscheiden nicht im Stande, aber iBngnen 
darf ich nicht, dys ich manche Stttoke, die bisher fttr rhodische 
galten oder sieh unter den nnbestimmbarett be&nden, nicht ohne 
weiteres den knidischen beiifihlen mochte. Ich eiinnere hier 
namentlich an sohshe, die auch im sttdlichen Bnssland Torgekommen 
sind nnd, weil daselbst die rhodischen Amphorenstempel in yid 
grosserer Zshl als die knidischen yertreten sind, mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit für rhodische gehalten werden können ^^), sowie an 
diqenigen Stücke, anf denen die respeetiTen Namen sich auf den 
zweifelloe knidischen Henkeln gar nicht vorfinden'*'). Wie dem 



IV p. 209 N. 398. 399; V p. 241 N. 74; VI p. 204 N. 108 j VII p. 299 
N. 179. 219) A. D. VI p. «70 N. 150. 220) A. D. VII p. 292 folg. 
N. 187. IM. 190. 281) A. D. IV p. 887 N. 606. 606. 222) A. D. 
p. 327 N. 8 Tergl. VI p. 264 N. III. 112. 223) Ihre Zahl beliluft sich 
auf r)5 Stück. 224) Die einzige Ausnahme macht der Henkel N. 61, 
wo dem Kigennamen KNI beigefügt kt. 825) Z. B. N. 1: ini 'Ate- 
Mdxou, fl. B. 8. IV S. 45S N. 1. 8; K. 8: 'AtaeoicVeOc s. B. S. Y S. 448 
N. 1; N. 2*»: *AvTl|yidxou mit caduceus als Abzeichen, s. B. S. V S. 467 
K. 4; dazu kommen auch N. 74: A(ckou a. CIGr. III \y. XVUI N. 56. 67, 
A. D. p. 90 N. 100—104; N. 150: Miioieou 8. Stephaiu C. R. 1865 S. 21:{ 
N. 10, A. D. p, 101 folg. 2s, 186—191. 226) A. D. Vlll p. 308 folg. 
N. 4»s 'AprifUi; N. 67: Aa(ou; N. 68: AY)|iöbou (ArmOXou?); N. 86: 'Cvt- 
Kfeu; N. 108: €ökXcötou (eM€fTOU?)| N. 108: €öfni|Mfcrou(?); N. 110: €ö- 
JftM. f. olMS. PUloL BuftL Bd. X. 6 

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82 P> Becker: Ueber eine dritte Samml. imedierter Uenkelingchrifton 

aber auch sei, so verbleibt in dieser Serie doch noch eiue sehr grosse 
Zahl solcher Stempel, welche jedenfalls knidischen Ursprungs sind 
und nur richtiger und (Ibersichtlicher au anderer Stelle hätten auf- 
geführt werden sollen. 

S6rie IX (p. 325—336) enthält, in I~VIIT ünterabtheUun- 
gen, die kleine Zahl derjenigen kniditichen Henkel, welche sich 
durch gewisse Besonderheiten von den übrigen unterscheiden und 
daher, in keine andere Serie hinelupaasend, hier besonders aufgeführt 
worden sind. Unter iiiiien überrascht uus in Sonderheit der erste 
Henkel (I), dessen rhodischen Ursprung die beiden ersten Worte: 
in\ kp^oc zu bezeugen scheinen, der aber jedenfalls aus Knidos 
stammt, da dort, abgesehen von der zweifelhaften Ergänzung (Kvi)- 
b(ov**'), die Namen 'ApiCTOK^c und M^VTic — ersterer als Eigen- 
name eines Damiurgos ^**') , letzterer als das Patronymicum^^'**) zu 
demselben — Öfters vorkommen, während in den rhodischen 
Stempeln M^v^c gar nicht, und*ApiCTOKXfic***) nur unter den Fabri- 
kanten genannt wird. Die ganze Sehwierigkeit beschränkt sich so- 
mit auf das emage Wort lep^oc (statt icpiCuic) welches, als Amts- 
titel aof rliodisolieii Henkeln gam gewOhnlidi, hier zum ersten 
Mal auf einem knidischen ersoheinen würde. Es ist nnr die 
Frage, ob auf dem StOoke wirkliok ditl tcp^oc nnd mclit yielmekr 
bajLiiop-foö^^') (mit Terwieoktem und zu supplirendem iiri) gestaut 
den hiEkbe, was nm so weniger sn benrtheikii ist, als Danumt von 
dieser so interessan t en bisdixift keine Zeiehnmig nr Oontiole der 
Ton ihm TorgeeeUagenen Lesart gegeben hat — Die itlckcnhaft 
erhaltene Inschrift (II) eütneht sich einer sicl^ren Beurtheüung, 
aber wemi nur das von Domont angedeutete felA, so kflnnte 
Kvib 1 euc 'ApxoT I öpa gelesen, nnd die ZaU der Eigennamen 
dnxoh Kv(br|C, neben Kvibii'''), nm einen neuen Termehrt wer- 
den. — In die dritte ünterabtheilnng (DI) hat Domont solche 
Stücke angenommen, anf webhen die l^Tcniens der respeotiT«n 
Qeftsse dnxeh Kvtbia*^, Kvibtduiv''^) nnd KvibUiv^ beaeichnet 
wird Abgesehen Ton den offenbaren Sehreibfehlexn Kyibiv***), 

pi6T(ju(?); N. 130: Kdbou; N. 139: KTifjaoc; N. 140*: KX^dou; N. 144: 
Auk(ckujv; N. 157: NiKX€iöoc(y); N. 162: TTdTrujCv?); N. 173. 174: Zrüpa? 
▼ergl. B. B. I S. 443 N. 67. 227) Nach der Schramrong scheint bloa 
fBr ^e beiden letzteren Bnohilaben des Namens M^n^Coc) Baimi ni ssin, 
80 dasa die vierte Zeile durch AION(ucioc), den Namen des Fabrikhetm, * 
ergänzt werden könnte. 228) A. D. IV p. 162 folg. N. 128—139. 

229) A. D. IV p. 186 N. 275. 340. 352. 433. 434, VII p. 274 N. 14. 

230) ClGr. III p. VII N. 120—122, ß. S. IV IS. 500 N. 3ö. 231) Die 
Zshl der Bochitaben von EnilEPEOC und /kAMIOPTOY ist nicht bloe die 
gant gleiehs, tondem es können aach einige von ihnen ohne weiteres^ 
andere mit geringer Aendenmg von der Lesart Dumont's für (6afi)i(o)pf o(0) 
verwendet werden. 232) Benseier Wörterbuch gr. Eigennamen Bd. I 
unter Kvibr\. 233) N. 1. 2. 3. 6. 7 nnd A.' D. IV p. 164 N. 73, p. 226 

N. 498. 500, VI p. 270 N. 161. 162. 154. S84) N. 6. 285) K. 4 mid * 
A. D. lY p. N. 499. $86) D. IV p. 146 folg. N. 99. 199. 476, 



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woM dem BtUDioheii BiiatlAiid. 83 

Kvibviv**') und Kviibiov"*^), welche alle statt des gewöhnlichen 
KvibioVj seltener KvibiOJV stehen, ist der adjectivische Gebrauch 
des Femininums, bald im absoluten Nominativus Singnlaris (Kviöia), 
bald im partitiven Genetiv Pluralis (Kviöidujv, znaammengezogen 
Kviöifiv) dnroh ein zu supplirendes K€pO|yiic Kcpdfitov) oder 
KCpapibujv (= K€paMiujv) zu erklären. Ausserdem veranlassen die 
einzelnen Stücke noch zu folgenden Bemerkungen: Nr. 1. Da auf 
den knidischen Henkeln sowohl TToXiTric unter den Damiurgen*^), 
als auch das Compagniegeschäft der Fabrikanten 0iX6TroXtc und 
Aiovucioc***) öfters vorkommt, so ist wohl ohne allen Zweifel: ^Tti 
noXi(T)€u(c) II ('A)Tia. Kvibicu <t>iXö | iroXic Atovucio(c) zu lesen. 
Ausserdem liegt — bei der geringen Anzahl der mit Kvibia be- 
zeichneten Henkel und bei der auffUligen Wahrnehmung, dasB uns 
auf denselben einerseits, abgesehen von den Magistratanamen, stets 
dieselben Fabrikanten OiXöttoXic und Aiovucioc genannt, und dass 
andererseits wiederum, ohne Angabe der Fabrik, immer dieselben 
Magistratsnamen (diri TipaciKpaieuc *Ava^dvbpou) angegeben wer- 
den — die Vermuthung sehr nahe, dass Kvibia die specielle Marke 
einer bestimmten Fabrik gewesen und als solche, namentlich im 
Compagniegeschäfte der beiden Fabrikanten OiXöttoXic und Aiovu- 
cioc gebraucht worden sei. Diese Hypothese gewinnt dadurch an 
Wahrscheinlichkeit, dass sich bei Dumont auch einige Stücke***) 
finden, welche, weil auf ihnen nur jene beiden Namen angegeben 
werden, flir die zweiten Henkel der betreffenden Gefösse gelten 
und, als solche, mehr oder weniger die Supplemente zu jenen unvoll- 
ständigen Hauptsjj^mpeln***) sein könnten. — N. 2. 3. Andere 
Exemplare desselben Stempels hat Dumont irrthümlicher Weise 
auch au anderer Stelle***) veröffentlicht, statt alle zusammenzustel- 
len. Die in diesem Hauptstempeln fehlenden Namen der Fabrikan- 
ten standen, wie schon ^**'') bemerkt, auf den zweiten Henkeln. — 
Nr. 4. Ein anderes Exemplar des hier besonders aufgeführten 
Stempels findet sich bei Dumont auch in einer anderen Serie **^. — 
Nr. 6. 7. Die fünfzeilige, lückenhafte Inschrift dieser beiden Stücke 
kann, mit Hülfe anderer Exemplare**'), welche Dumont in verschie- 
denen Serien zerstreut und unrichtig gelesen oder verstanden hat, mit 
voller Sicherheit, ausgenommen den Eigennamen des Damiurgen 



XU p. 386 N. 20. 237) A. D. V p. 236 N. 28. 288) A. D. V p. 238 
N. 51. 889) A. D. IV p. m N. 479, ▼ m folg. N. 68. 69, X p. 851 

X. 146. 240) A. D. IV p. 222 N. 475. 477 vergl. N. 472—474, VI p. 
«68 N. 187. 841) A. D. VII p. 270 X. 161. 152. 154, IX p. 327 N. 67: 

(twl KaXXiöd^a . Kvibia . 0iX6itoXic Aiovucioc. 242) A. D, 

vn Pv 300 N. 186—187. 243) A. D. IV p. 164 folg. N. 73. 497 (?) 498. 
600, IX p. 318 N. 1. 8t.£irl TiiiaaKpdrcvc 'AvcCdv6pou, Kvt5ia. 844) sieb 
Anm. 243. 246) sieh meine Btimerkung zu N. 1. 246) A. P. TV p. 226 
N. 499. 247) A. D. VI p. '202 N. 97. 98, p. 270 N. 151. 152. 153(?). 
164, EX p. 328 N. 6. 248) Da der (jenetiv des fraglichen Eigennamens 
■nf €YC aoiBgegaDgen zu Bein scheint, so wird der vierte Buchstabe vom 

6» 

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64 P. Becker: Ueber eine dritte SammL onedierter Henkelinschxiften 

wiederhergestellt werden und sie lautet also: (im )€UC || KaX- 

Xibd^a, II Kvibia. || OiXöttoXic Aiovuci || oc || . — Wenn die vierte 
Unterabtheilung (lY) für alle Henkel bestimmt war, auf welchen 
die Conjunction Kai zwei, in gleichem Casus (dem Nominativ oder 
Genetiv) stehende Eigennamen von Fabrikanten mit einander ver- 
bindet und uns in ihnen die beiden Inhaber eines gemeinschaltlicheu 
Geschäftes erkennen lässt, so hiitten hier einerseits noch einige 
Stücke ^*^) ihren Platz finden, und andererseits ein Paiir von Dumont 
aufgenommene'^*^) in eine andere Serie gebracht werden müssen. 
Auf dem Henkel Nr. 1 muss nämlich in der ersten Zeile nicht KAI, 
sondern jedenfalls KNI d. h. Kvibiov, in der zweiten (als Patronymi- 
cum zu "Gpuou)^^^) wahrscheinlich €u(qppaVTjibo(u), in der dritten 
M€(XdvTac) 'Apic, und in der vierten endlich ToßouXou gelesen 
werden; hiernach wäre die Inschrift folgende: "€p|LiOU. Kvi- 
(biov). II €u((ppavT)ibo(u) || ^ Me(XdvTac) 'Apic || ToßouXou |) . — 
Ebenso wenig gehört Nr. 5 hierher, da, wie wir schon oben"^"*) ge- 
sehen haben, in der dritten Zeile KNIAI(A) gegeben war, wofür 
Dumont irrthümlich KAI gelosen und geschrieben liat. — IV. Nr. 2. 
Obgleich sich die Inschriften auf diesem Stücke nur zum Theil er- 
halten haben, so ergiebt sich aus der beigegebenen Zeichnung des 
Henkels doch schon soviel, dass Dumont die Reihenfolge der An- 
gaben ganz willkürlicli verändert hat. Die Inschrift begann mit 
.KNIA(iov) und etwas niedriger standen die durch KAI verbundenen 
Namen zweier Fabrikanten, vielleicht C€ttit)ONOI"*) KAI KAA(XiTT- 
TTOc)^^''). — IV. Nr. 3.4. Dasselbe ( 'onnjagniegeschUft nennen uns, 
mit kleinen Varietäten, auch andere Henkel — Nr. 5. Der 
Compagnon des Kuboc0^vr|C heilst auf anderen Henkeln*^') AnM^** 
Tpioc. — In der fünften Unterabtheilung (V) finden sich die Hen* 
kel mit dem Namen 'Aifictc, welcher seltener der Eigenname von 
Damiurgen^^) als von Fabrikanten'^^ ist und, in letitarar Beden- 
tong, entweder im abeolnten NominatiTos'^ oder im absolateii 
GenetiTOB''^^) steht. 'A^iac, nioht oft alleiniger Inhaber eines 
Fabrikgesch&ftes hat meistens noch einen**") oder gar swei 
Gompagnons^^) nnd seheint namentiioh mit *ApiCTOT€vnc ^''^^) iSn- 



Ende der ersten ZeiU* kein Y gewesen sein. Sieh meine Bemerkung 
S.77 zu öerie VI p. 202 N. 97. 98. 249) A. D. VII. p. 301 N. 197, IX. V 
p. 889 N. 6. 8. vergl. VU p. 877 N. 87a. 250) N. 1 tind N. 6. 861) 
rieh meine Bemerkung S. 74 zu Serie VI. 252) A. D. IV p. 193 N. 
304, X. p. 354 N. 122. 124. 253) sieh meine Bemerkungen S. 83 zu 
fcieiie IX III N. 6. 7. 251) A. D. VII p. 283 N. 72, X. p. 348 N. 70. 
255) A. D. VII. p. 290 N. 118~121a. 250) A. D. VI P. 264 N. III. 
112, Yll p. 898 N. 139 8. meine Bemerkung S. 81 m vll p. 301 N. 
l'97. 257) A. D. VII p. 293 N. 142. 140. 141. 258) N. 1. 3. 4. 9. 13. 
259) N. 2. 5 - 8. 10—12. '260) N. 6. 7. 10. 11. 12. 261) N. 2. 5. 8, 
262) N. 2. A. D. II p. 140 IS. 3, U. S. V. p. 460 N. 5. 263) N. 6. 8. 
18, A. D. Vn. p. 877 N. 37 a. 204) N. 10. 11. A. D. VII p. 286 N. 88. 
865) N. 6. 6. 7(?). 11. 18. A. D. Yll p. 877 N. 37a. 



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MB dem südlichen fiuBBland. 



85 



gere Zeit geschäftlich vorbundea gewesen zu sein. — "Die sechste 
Unterabtheilnng (VT) hat Dumont denjenigen Henkeln eingeräumt, 
welche den Namen "Avbpuuv tragen-^'*'). Derselbe, ausschliesslich 
Fabrikanten augehörig, wird immer im absoluten Nominativ ge- 
braucht und scheint eine in Knidos sehr bekaunte, aber vielen Wand- 
lungen unterworfene Firma gewesen zu sein. Denn abgesehen da- 
von, dass die alleinigen Inhaber dieses Geschäftes bald mit ver- 
schiedenen Patronymicis '-'*'') , bald ohne eine nähere Bestimmung*^) 
genannt werden, trifft man den Namen "AvbpuJV auch in Compagnie- 
geschäften neben einem^*''''') oder zwei*^*^) Theilnehmem. — In 
Nr. 8 wird als Patronymicum wohl AOAüüNOC zu lesen sein. — 
Nr. 10 a. Von den drei Theilhabern dieses Compagniegeschäftes 
scheint der dritte den Namen *ApiCTe(a)c geführt zu haben. — 
N. Die lückenhafte Inschrilt kann vielleicht durch ("Av^bpiuv 
'AT(iac) *ApiCTo(T^vric)"^) ausgefüllt werden. — Nr. 29. Mit Be- 
zug auf andere Stücke*'*), ergänze ich: "Avbpiuv Kapv(€dbac €u)- 
pOuXoc. — Hinsichtlich der drei, die siebente und achte Unter- 
abtheilung (Vn. Vm) bildenden Henkel bemerke ich nur, dass sich 
die beiden ersten von einander hauptsächlich dadurch unterscheiden, 
daes KubocO^viic auf dem ersteren*''), einem Hauptstempel, der 
Eigenname des Damiorgen, und T^xvwv der Name des Fabrikanten 
ist, wllirend auf dem anderen, einem Nebenstempel, KvbocO^VT)C, 
wie aneh sonst^^), der Fabrikant lieisst, und die miTerstfindHf^en 
Sehrifbeiolien in der zweiten 2Seüe ftlr eine die Provenienz andeu- 
tende Fabrikmarke gehalten werden konnten. — Yen viel grösserer 
^ehtigkeit ist Nr. 8, anf welchem Stücke die dem Worte Kcpa^ieik 
oder Kcpafi^uic"^ entsprechende Beisohiift ^iröei Uber die Bedeu- 
tung der aof den Henkehi absolut gebrauchten Namen sicheren 
Auftchluss giebt und uns in ihnen em fttr allemal die Fabrikanten, 
wie hier *Apicriuiv, erkennen iSsst — 

Die Serie X (p. 886 — 368) bietet uns endlich diejenigen Hen- 
del, welche, ihrer mangelhaften Erhaltung wegen, weder mit Sicher- 
heit in eine der vorhergehenden Serien eingereihti noch, hinsichtlich 
ihrer Inschriften, ohne WiUkllr wiederhergestellt werden kennen, 
und desshalb glaube ich mich hier, nachdem mandie von ihnen 
schon an anderer Stelle die nffthige Berflcksichtigung gefunden, auf 



26»») Uebrigens finden wir auch in dieser Abthoilung Stücke, die 
entweder gar Dicht dahin gehören (N. 11. 12. 13. 14) oder nur durch 
willkflriiehe Ergänzungen dahin gebracht werden kOonen (N. 4. 7. 14a 
— 14f. 20. 2t). 267) N. 1. 6. 6. 8. 16(?). 18(?). 22. 28. 80. 82(?). 

26m N. 2. 24(?). 27(?\ 28(?). 31(?). 2r,9) N. 4. 5. 6. 9(?). 16. 17. 26. 
2f). 270) N. 3. 10. 10a. 29(?). SA. 271) verpl. N. 33, A. D. IX. V 
i). 330 X. 14. 272) A. D. VII p. 298 N. 173, X p. 359 N. 159. 273) 
K. 1: lirl Ku&o(ce^) | €uc | T^xvwv. 274) A. D. IV p. 176 N. t60(?) 
vn, p. 293 N. 140—143, IX. IV. p. 328 N. 5. 275) Sieh meine Be 
aierkuiig ö. 70 su A. D. lY. p. 165 N. lU und B. 8. V. S. 487 N. 47* 



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86 P. Becker: Ueber eme driftle SammL unedierter Henkelimchrifteii 

die wemgeik StOoke beeobiänken zu mtlsseD» welche in der einen 
oder der anderen Bemehnng Mervon eine Ansnabme machen, oder 
ftos andern Gründen der Beaditiing werth nnd. Dies wären fol- • 
gende: Nr. 6 a nnd Nr. 33. üeber den Namen 'Amot^X^c sieh 
oben'*'). — Nr. 24. Dieser Henkel könnte, da der Name 'Atopd- 
vol nnter den knidischen Fabrikanten ^^^) gar nicht» nnter den 
rhodisohen sehr häufig'^^) Torkommt, aus Rhodos stammen, und 
zwar mit einem Monatsnamen in der verwischten zweiten Zeile. — 
N. 51. Nach andern Henkeln ^'^) wire Kub(oc0e'vr|c) ArmriTpioc 
oder Ku6(oc6^vi)c) Armn^picu zu lesen. — Nr. 63. In der fast 
ganz verwischten ersten Zeile stand wahrscheinlich^^) (APICT)O(K), 
und also im Ganzen: 'ApiCTOKXfic. Anjit'iTpioc. — Nr. 83. län an- 
deres Exemplar desselben Stempels haben wir schon ohen^^^) kennen 
gelernt — Nr. 116. Adxn^ und EOrröXejyuK erscheinen auch auf 
ein paar anderen Henkeln als C^ompagDons eines Fabrikgeschäf- 
tes. — Nr. 122 und Nr. 124. Ueber ganz ähnliche Stempel: in\ 
''€p|iuivoc I EikppavTiba, | MeXdvrac 'Apic || ToßouXou. habe ich 
schon oben*®^) gesprochen. — Nr. 144. Eine Doublette***) dieses 
Stempels: 9pdcu)(v) 0r|pOKp(dTeuc) erweist die Unrichtigkeit von 
Dumont's Conjectur: 0(eubd)Liou). — Nr. 146. Die vollständige 
Inschrift scheint *'^^) : MdciüV || K(dXXi)Tr || (ttoc) gewesen zu sein. — 
N. 159. Ueber die Restitiifion der lückenhaften Inschrift ' dieses 
Henkels: im TTicivou 60 || 9pavTiba, || Kapvedbac. || . Eußou || Xoc. 
sieh oben**''). — Nach anclem Stempeln -^^j würden die beiden Fabri- 
kanten wohl richtiger : Kpd(Tepoc) und NiKacfi ßouXoc) heissen. — 
N. 194. Dieser Henkel ist nach der Beschaflf enheit des Thones, 
wie Dunioiit selbst ansieht, sowie nach der Inschrift (in* kpeuJC 
Zcvapeiou) und nach dem Emblem (einem in der Mitte der Rund- 
schrift angegebenen Füllhome) ^^') jedenfalls ein rhodischer. — 

Es würde zu weit führen, wenn ich hier die zahlreichen ortho- 
graphischen Fehler, welche sich in Dumont's knidischen Henkel- 
inschriften vorfinden , ganz vollständig aufzählen wollte , und ich 
darf von dieser Anforderung um so mehr absehen , als die nütliigen 
Verbesserungen grüsstentheils so nahe liegen, dass sie nicht leicht 
von Jemanden verkannt werden können j bei alledem glaube ich aber 



276) Meine Bemerkung S. 70 zu A. D. IV p. 148 N. 38—40. 277) 
sieh meue Bemerkung S. 69 in A. D. III p. 142 HI. 278) CIGr. III 
p. VI N. 19. SO. 81, Mac Pheraon Antiq. of Kertch pl. X N. 7. 8, Sto- 

phani C. R. 1866. S. 212 N. 2, 1869 S. 196 N. 5, B. B. IS. 421 N. 10— 
14, B. S. V S. 448 N. 4. 5, A. D. p. 78 N. 15—19. 279) A. 1). VII 
p. 293 i^ . 140—142. 280) A. D. VII p. 278 N 41 a, p. 280 N. 46— 
5S. 688. 881) A. D. IX p. 889 N. 10t *Air<ac COnoXtc 'CpMÖqxzvToc 

282) A. D. VII p. 294 N. 145. 146. 288) S. 71 zu A. D. IV p. 192 
N. 303' 404 vergl. IX p. 327 N. 1. 284) A. D. VII p. 289 N. 113. 

285) A. D. VII p. 290 N. 119. 286^ S. 79 zu A. D. VII p. 287 N. 97. 
287) ClGr. III p. XI N. 345, biephani Aütiq. inscript. LXXIX N. 12, A. 
D. p. 114 N. 7 Tergl. p. 108 N. 808 folg. 



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ans dem BÜdliohen BoaslancL 



87 



doch darauf aufmerksam machen zu müssen^ dass viele der uns vor- 
liegenden Fehler nicht bloss in der Nachlässigkeit und Unkenntniss 
der Stempelschneider ihren Grund haben, sondern auch in der in- 
correctheit der einheimischen Aussprache des Griechischen, in 
welcher manche Buchstaben entweder nicht zu der ihnen gebühren- 
den Geltung kamen, oder so imdeutlich ausgesprochen wurden, dass 
sie, wegen des ähnlichen Klanges, mit andern verwechselt werden 
konnten. In der einen oder in der anderen Beziehung sind folgende 
fügenthttmlichkeiien hervorzuheben: 

a iteht liatt o: Kapveabörou *^') fdr KapveoöÖTOU 
e „ „ m: *€viinrou für Aivimrou. 

c „ „ n: *ApicT6?)€|noc^^') für 'ApiCT6ftriuoc. 

*lilpo<pdvTOU ^'") für 'lepoqpcivTOU *••). 
c oder n statt ei: '€pnvil>a 2«*) für eipnviba 

'KXnvoTröXioc^^") für KXcivottöXioc*»')- 
€ lieht statt »: Cqpaip^ujv für Cqpaipduv 
C „ M CcTpdxou "^^') für €ucTpdTou 

e€6iup(?>a"«) für 0€uöiupiba 
et „ „ €V: 'ATaeoKAek^«*) für 'AYaOoRXeOc*"*). 

'€ukX€Ütou '^•) für €OkX€{tou. 
IJ „ „ l€: 'HpoqpdvTOU für kpocpdvTOu'®*). 
I „ „ €: Mcviöäiaa '°^) für Mevebd^ia. 
I „ M Aiovidou ^^") für Aiovudou. 

AiciKpdxTic'*') für AuciKpdTiic. 

AiciTTTTOu***) für Audirrrou. 

TToXiKXeOc"") für noXuKXcOc. 
te „ „ e: 'IcpimoKpdreuc"*) für 'GpiiORpaTeuc ^'*). 
0 „ „ a: €ü(ppovTifea^**) für EöqppavTiba'*'). 
O „ i> €: 'lirrronöveuc^*®) für 'Itttto^i^vcuc. 
• McvoKpdxeuc ^**) für Mev€KpdT€uc"*'). 



28«) A. I). VI. p. 262 N. 101. 289) z. B. A. D. IV p. 208 N. 

SfO—SW. 190) A. D. IV p. 187 N. S79. 891) A. D. IV p. 168 
N. 127. 292) A. D. VII p. 291 N. 122. 293) A. D. IV p. 206 N. 
381. '204) A. D. VII p. 293 folg. N. 137. 160. 295) A. D. II p. 189 
N. 7, VI p. 237 N. 42. 296) A. D. IV p. 211 N. 408, Vll p. 293 N. 
186. 137. 297) A. D. IV p. 209 N. 395. 298) A. D. VU p. 284 
K. 80. 899) A. D. VU p. 284 N. 7«. 800) A. D. IV p. 179 N. 887, 

&198 N. 305, VII p. 282 N. 61, p. 296 N. 149. 301) A. D. IV p. 178 
. 22S. 302) A. D. VII p. 296 N. 162. 808) A. D. Vll p. 297 N. 
164. 166. 304) A. D. IV p. 146 K. 18. 806) A. D. IV p. 144 N. 
S— 18. 806) A. B. TDI Ä 814 N. 108. 807) A. D. IV p. 801 N. 
349_S51. 808) A. D. IV p. 206 N. 881. 309) A. D. IV p. 215 
N. 435. 310) A. D. IV p. 166 N. 89. 311) A. D. VII p. 294 N. 147. 
312) A. VII p. 294 N. 148. 313) A. D. VIII p. 322 N. 166. 314) 
A. D. IV p. 206 N. 380. 316) A. D. IV p. 189 folg. N. 287—290. 

816) A. D. IV p. 198 N. 808. 817) A. D. lY p. 198 «. 804. 818) 
A. D. VI p. 266 N. 125. 819) A. B. IV p. 816 N. 444. 880) A. D. 
IV p. 818 II. 419—481. 



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88 P> Beoker; üelwr eine dittia 'Samml. imedierter Henkeliiisclinfteii 



o ftolit staAt i|: Mdvoroc'*') f8r M6n|T0C***). 
o „ I» ou: baMsofTroO**") fOr 6a|uou|rroO 

^ioaoD|»{fta**^ für Atoacoupi&a**'). 
V n » *• Aiovua^**') fttr AtovudcNi. 

Icubtiipoii'*^ für labibpou***). 

KOttoüW«) £ör Ktrrou»"). 

ZicöpTOc"*) IBr ZidpTOc"*), 

luicüiuyM«) für Zuidttiv'**). 
h „ „ x: €Ö9pav(i^*'*) fb €öq>pavT(5a*''). 

für Mdcxw«*). 
TToXuKdpeuc*^*) ftti^TToXuxdpcuc***). 
noHÖKOpMOC**^) fttr TToJü&xopjuux. 
X statt der ABpiration: XapMovtba***) fdlr *Ap|iov(5o. 

XappoKpdTeuc*^^ imd CxapiioKpdreuc*'^ nebea 

'Ap^oxpdT€uc •*•). 
* XopiiOKpdrou*^^ neben 'Ap^oicpätou**^. 

In der Volkssprache waren femer folgende Buchstaben weniger 
hörbar und fehlen desöhalb mehr oder weniger in den Henkelin- 
intichriften: 

i: 5a|LiopYoO ^^') ptatt ?)a^loptoö, ba^toupYoO. 

0€u6uüpba 3*'^) statt 0€u&u)piha 
X: ^AKOvftpiba»"^-') statt 'AXKavbpCfto. 

'HpOKcibou statt HpaKAeibou. 

McfaiccOc***) statt MeTaKXeöc. 
^: KXcußpÖTOu"^ statt KXeuußpdxou 
p: 'AtccrdTOü statt *AT€CTpdTou**'). 



321) A. 1). IV p. 180 N. 234 a. 322) A. D. TV p. 216 N. 433. 

434. 323) A. D. 11 p. 138 folg. N. 1. 2. 4—6. 8—12, XII p. 382 folg. 
N. 1— «8. SM) A. D. n p. 189 N. 8. 7. 886) A. D. X p. 849 N. 
81. 82. 326) A. D. IV p. 165 N. 141. 264. 266. 327) A. D. IV p. 
182 N. 247 b. 328) A. D. IV p. 164 N. 139. 329) A. D. IV p. 164 
N. 136. 136 a. 330) A. D. IV p. 205 N. 373. 331) A. D. XII p. 383 
N. 3. 332) A. l). VU p. 299 N. 180. 333) A. D. Vll p. 286 N. 89. 
884) A. D. VIII p. 398 «. 177. 886) A. D. IV p. 294 N. 490. 886) 
A, D. I p. 134 N. 53. 337) A. D. VI p. 258 N. 76, VII p. 292 N. 129. 
338) A. D. VII p. 286 N. 92. 339) A. I). VII p. 295 N. 153. 154. 

340) A. D. VIII p. 321 N. 163. 341) A. D. Vll p. 295 N. 153. 154. 
342) A. D. V p. 244 N. 94. 343) A. D. V p. 244 N. 96. 344) A. 
D. X p. 868 N. 109. 846) A. B. VI p. 272 N. 162. 846) A. D. IV 
p. 299 N. 698. 694. 347) A. D. V p. 234 N. 18. 348) A D. IV 
p. 165 N. 145, V p. 234 N. 19. 349) A. D. IV p. 229 N. .524a. 

360) A. D. VI p. 248 N. 13a. 14. 361) A. D. H p. 140 IS'. 11. 352) 
A. D. VU p. 297 N. 166. 16a 868) A. D. VII p. 297 N. 164. 364) 
A. D. IV p. 147 N. 99. 866) A. D. VDI p. 816 N. 116. 117. 866) 
A. D. IV p. 212 N. 414—416. 357) A. D. II p. 138 N. 1, VITT p. 310 
N. 137. 138. 358) A. D. IV p. 209 N. 393 b, VI p. 263 N. 106. 107. 
369) A. D. 1 p. 127 N. 8. 360) A. D. VI p. 246 N. 1. 6. 6. 



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ans dem lüdUchen Bawland. 



89 



0poupdxou'®') statt Opoi'pdpxou. 
0poudpxou '®^) statt Opoupöpxou. 
c: 0pduivoc ^•^) statt Gpdcuuvoc 

Avfepof ^v€u statt AvfcpoY^veuc 
'ApiCTOKXcO statt 'ApicTOKXfOc ^"^^X 
"ApiCTOT^Xfu^"^) statt 'ApicTOTcXeuc^' '). 
Aa|iOT€X€u^'') statt AaMoxAcuc. 
AiokXcö"») statt AiokAcüc '"3). 
ApaKovTo^^veu ^'*) statt ApaKOviontveuc ^'*). 
'eniT^Xcu •»•) statt '€mT^Xeuc. 
'€p^0Y€V€u"^ statt '€p^OY^v€uc ^"). 

'6p|llOKpdT€U statt '€p|HOKpdT€UC '"°). 

€ÖKpdT€u statt eöKpdTCUc"*). 
ecwpibcu»«*) statt 0€uq)(b€uc'»*). 
McvcKpdrcu*'*) ttatt MevcKpdTCUC***). 
SevoiAeO'«') slitt scvoicUOc*^. 
TtMoEiveu*^ fi»it TtfioEivcuc 

Ferner bietet die Declination der knidischen Eigennamen 
manches Besondere, das, neben der regelmässigen Beugung, nicht 
bloB in dem häufigen Gebrauche dorischer Formen und der dori- 
schen Genetive auf a und euc besteht, sondern sich auch, wie das 
beifolgende Verzeichniss zeigt, in anderem bemerkbar macht. In 
dem Verzeichnisse sind die Casusendungeu der Nominative und Ge- 
netive augegeben, und werden letztere durch Belege aus den auf 
den üenkeln gegebenen Namen als wirkliche constatirt. 

Nom. ctc, Gen. o: 'AMt^o***), 

'ApxoTöpo'*«), 
' €öq»pctv6pa**^ 



361) A. D. I p. 127 N. 12. p. 134 N. 53. 362) A. D. I p. 139 

N. 98. 868) A. D. VI p. 960 N. 86. 87. 864) A. D. IV p. 265 N. 

373—377. 365) A. D. IV p. 194 N. 312. 366) A. D. IV p. 155 N. 
78. 79. 367) A. D. IV p. 163 N. 131. 368) A. D. IV p. 16-2 N. 
128. 369) A. Ö. IV p. 165 N. 145a. 370) A. D. IV p. 166 N. 

148. 371) A. D. V p. 232 N. 5. 372) A. D. IV p. 179 N. 230. 231. 
878) A. D. IV p. 178 N. 229. 998. 999. 989. 374) A. D. I p. 188 

N. 72. 375) A. T). X p. 247 N. 60. 376) A. D. V p. 237 N. 44. 
377) A. I>. IV p. 189 N. 285. 378) A. D. IV p. 189 N. 286. 879) 
A. D. IV p. 190 N. 290. 294. 380) A. D. IV 190 N. 293. 381) A. 
D. IV p. 171 N. 176. 819. 889) A. D. 17 p. 194 K. 818. 383) A. 
D. IV p. 171 N. 176. 884) A. D. IV p. 150 N. 51 887 folg. 885) 
A. D. IV p. 214 N. 425. 386) A. D. IV p. 213 N. 420. 421. 426. 387) 
A. D. IV p. 180 N. 231. 388) A. I). IV p. 180 N. 232. 380) A. 
D. IV p. 171 N. 181. 390) A. D. I p. 132 N. 38. 39. 391) A. D. 
IV p. 478—480, X p. 865 N. 900. 89$ A. D. IV p. 149 N. 48—69, 
VU p, 274 N. 14-18. 398) A. D. IV p. 148 N. 87, p. 154 N. 75. 

894) A. D. VII p. 286 96. 99. 



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90 P* Bedrars CTeber eine dritte Samml. anedierter Henkelinschrifben 













IToWta*'). 










Horn, tec, Gea. te: 










BouMpXtbo^^ 














Nom. ^ac, Gen. ^a: 




Nom. (oc, Gen. k: 






ropTia*«»), 




NiKia*»») (NeiKki). 


Nom. lac, Gren. lou: 


•H-nciou*»«). 


Nom. Xaoc, Gen. Xdou: 


NiKoXdou*'»). 


Nom. Xac, Oen. kn: 


NiKÖXa*"). , 


Nom. aS, Gen. omoc: 


ZicäXaxoc**'). 


Nom. a£, Gen. oktoc: 


•AxopdvaicToc*"). 


Nom. v|c, QmL i|toc: 


KpdTIlTOC*"). 




AdxHTOC***), 






Nom. r)c, Gen. ou: 


"epiiou*'»). 


Nom. önc, Gen. öcuc: 


'Apicreibeuc*»»), 




'AplCTOMnb€UC 




'AcKXriTridbcuc**'), 




e€uq:)i6€uc*"') (8euq>€iöeuc). 


Nom. örjc. Gen. 6ou: 


ApiCTClöOÜ*«»), 



396) A. D. VI p. 261 N. 70. 396) A. D. VI p. 286 N. 136. 397) 
A. D. IV p. 221 N. 470. 472. 473. 398) A. D. IV p. 207 N. 886—388. 
417, VI p. 270 N. 162, VII p. 291 N. 126a, XII p. 384 N. 12. 399) 
A. D. IV p. 216 N. 48S. 486. 400) A. D. YH p. 977 N. 38, VIH p. 
307 N. 40. 49. 401) A. D. I p. 127 N. 12 IV p. 188 N. 284». 480, 

VIII p. 309 N. 64. 402) A. D. I p. 128 N. 13. 403) A. D. I p. 131 
N. 30—32. 404) A. D. VI p. 267 N. 128. 129. 40fi) A. D. VII p. 
276. K. 21—23. 406) A. D. IV p. 146 N. 16, p. 186 JS. 270. 407) 
A. D. IX, p. St8 Mg. N. 1^. 8. 0. 18. 40^ A. D. IV p. 888 N. 
486, VI p. 250. N. 25. 409) A. D. IV p. 169 N. 163. 166. 288—290. 
410) A. D. VIII p. 316 N. 113—116. 411) A. D. IV p. 218 N. 452. 
4125 a. D. vi p. 247 N. 11. 413) A. D. IV p. 162 N. 122. 414) 
A. D. m p. 142 N. lU, X p. 343 N. 24. 416) A. D. VIII p. 320 N. 
148b, IX p. 888 N. 16. 418) A. D. IX p. 331 N. 6. 8. 417) A. D. 
IV p. 149 N. 4S, p. 159 N. 107. 418) A. D. VIII p. 418 N. 94. 95, 

IX p. 327 N. 1. 419) A. D. I p. 134 N. 50. 420^ A. D. V p. 248 
N. 18. 421) A. D. IV p. 169 N. 162—168. 422) A. D. IV p. 150 
N. 61. 887, VII p. 286 H. 84. 84». M8) A. D. VI p. 868 N. 88. 



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aufi dem südlichen BqmIaiuI, 



91 



Nom. Önc, Gen ßcuc: 
Nom. vv)c, Gtiu. veuc: 



Nom. V11C, Gen. vou: 
Nom. T^vnc, Gen. t^tcuc: 



Nom. kM|c» Gen. ickcOc: 



Nom. ttkt^ Gen. tAäuc: 
Nom. kMK, God. vAiooc: 
Nom. KXfjc, Gen. kXoO: 
Nom. Kpdti|c, Gen. «pdituc: 



'AcKXriTiidbovj*'*), 
•HpaicXeibov)*'^*). 
KX€ume€uc*^«). 
A€Eiq)p<iv6uc*''), 
OXcxp^pvcuc**"), 
fTeidvfoc***), 
TijLioElvcuc*^. 

ncidvoü«"), 
TiMottvow***). 

•AvftpoT^veüC***), 

*ApiCTOT*voic***), 

AioT^vcuc***), 

'€pmot€vcuc^^. 
*AToeoid^^ 
'AinctokAcOc^**), 
GeuicXcOc**^, 

ICpOKMc««*), 

scvonUOc^*). 

PobOKÄto««^. 

scvokX^ouc^. 

*A|»iCTOicXoO««f). 

'A|ncroic|idT€iic^), 

'ApflOKpdTCUC^^ 

©npoKpdrcuc***), 
KuboKpdrcuc**^, 



424) A. D. VIU p. 309 N. 56. 426) A. D. Vlll p. 316 N. 117. 

416) A. D. Ym p. 519 N. 141. 427) A. D. II p. IW N. 8. 428) 

A. V. IX p. 329 N. 9, XII p. 386 N. 7. 429) A. D. IV p. 220 N. 467. 
430) A. D. IV p. 171 N. 181. 431) A. D. IV p. 221 N. 468. 432) 
A. D. IV p. 226 N. 601, V p. 245 N. 100, VI p. 269 N. 146, VII p^ 300 
N. 184. 433) A. D. IV p. 165 N. 78. 79. 484) A. D. IX 

p. 819 N. 5. 8. 486) A. D. IV p. 176 N. 203—220. 486) A. D. I 
p. 128 N. 16. 437) A. D. I p. 134 N. 52, IV p. 189 N. 286, VII p. 
273 N. 9. 438) A. D. I p. 186 N. 7. 439) A. D. I p. 134 N. 51. 
440) A. D. IV p. 178 N. 220. 441) A. D. IV p. 177 N. 215. 216. 

448) A. D. IV p. 178 N. 182, p. 219 N. 467. 468. 468. 468. 448) A. 
D. I p. 134 N. 49. 444) A. D. IV p. 219 N. 456. 445) A. D. XII 
p. 383 N. 4. 446) A. D. VII p. 278 N. 42— 44 a. 447) A. D. VI 
p. 270 N. 150. 448) A. D. I p. 128 N. 18, VIII p. 313 N. 84. 449) 
A. D. IV p. 189 N. 287—294 VII p. 285 N. 86. 87. VIII p. 315 N. 104. 
106, X p. 850 N. 86. 460) A. D. 17 p. 194 N. 812. 818. 807—809, 
V p. 239 N. 56. 57, Vn p. 285 N. 86. 87, VIII p. 215 N. 104. 105. 
451) A. D. U p. 140 N. 10, XU p. 882 N. 2. 462) D. XV p. 211 
N. 411. 



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92 P. Boeker: Ueber eine dcHfte Samml. anedierter Henkeliiifohriften 



Nom. KpdTf|c, Gen. Kpdrou: 



Nom. tthn^ Gen. m^vcuc: 
Nom. M^c, Gen. ii^vov: 
Nom. cd^c, Gen. c6^6uc: 



Nom. cOtviic (ien. cGevou: 
Nom. T^n^ Gen. t^uc: 



Nom. T»ic, Gcu. T6uc: 
Nom. q)dvTr|c, Gen. fprivreuc: 
Nom. qMXVToc, Gen. (pdvrou: 



Nom. q>dvi]c, Gen. qpdveuc: 



M€V€KpdT€UC***), 
Tl|IOOICpdT€UC*"), 

Xap^KpdTcuc *^*). 
*A|>|ioi(pdTOti *^^, 

'6p|U0KpdT0U**'), 

eöKpdrou«»^, 
CdpuKpdrou^ 

M€V«KpdTOu"'>, 
XopfUMpdTOU 

ApolcovTo^dvcvc *••), 
*liiiroMiveiic«««). 

ApaKovro^i^ou *•*), 

OlXOjLl^OU 

'Av6poce^v€uc *•'), 

Kuboce^vcuc*"), 

OiXoce^vcuc*®^. 

'Av&pocedvou*'°). 
'ApiCTOTf'Xeuc*''), 
AauoT^Xcuc*"), 

eTTlT^X€UC ♦"). 

TToXiTeuc*'*). 
'Hpoqpdvreuc*'*). 
'Hpoq)dvTOU '^*'), 
AioqpdvTOU *^^). 
'€p)Lioq)dvTOU 
'IcpotpdvTOU*"), 
ApicToqpdveuc 
AeEiq)dv€uc 
'6ffi9dv£uc*"*). 



453) A. D. rV p. 2 LS N. 418—423. 454) A. D. IV p. 226 N. 

497—500. 455) A. I>. IV p. 229 N. 628. 624, VI p. 271 N. 159. 160. 
456) A. D. VI p. 248 N. 13 a. 14. 457) A. 1). VII p. 299 N. 183. 

468) A. D. IV p. 191 N. 295. 296. 459) A. D. VllI p. 316 N. 103. 

106. 107. 480) A. D. X p. 888 N. IIS. 481) A. D. IV p. 218 N. 
428a. 462) A. D. TV p. 148 N. 38, p. 229 N. 624a. 463) A. D. 
1 p. 138 N. 7t>, X p. 347 N. 60. 464) A. D. VI p. 2( 
A. D. IV p. 185 N. 266, VII p. 283 N. 68. ' 



1). iV p. 206 N. 379. 472) A. D. IV p. 148 N. 39. 40. 198, V p. 232 
N. 5. 473) A, D. Vp. 237 N. 44. 474) A. D. IV p. 222 N. 475. 
477. y p. 944 N. 98, YTp. 968 N. 187, IX p. 896 N. 1. 478) A. D. 
V p. 239 N. 60. 476) A. D. IV p. 201 N. 349—351. 477) A. D. 
IV p. 183 N. 251. 253a. 478) A. D. IV p. 191 N. 294a 294b. 299. 
300. 301, X p. 350 N. 89. 479) A. D. II p. 1.39 N. 5, VII p. 291 N. 
128. 480) A, D. VII p. 276 N. 46 a. 481) A. D. IV p. 220 N. 464, 
XU p. 884 N. 16, B. 8. V 8. 460 N. 8. 489) A. D. lY p. 160 N. 114, 



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aas dem südlichen Rosslaad. 93 
Nom. (pdvT]c, Gen. <pdvoii: •AvnqKWou*®'), 

G(€)oqMivou"*). 
Nom. x^c, Gen. x&geoc: TToiuixdpcuc^*}. 
Nom. xfiipqic, Gon. x<ipMi: Äa|iox<lpou**^ 
Nom. wÄic, Gen. ivAXioc: ^ApicronöJUoc^, 

KXcivoirdXioc***), 

KXeuKdJUoc«*^, 

Mnvoin6JUoc«*<). 
Nom. |[6Jlioc, GoD. «oMou: TToXiou^**), 

^ *ApiCTOiroXCou***)^ 

ediroJUou«*«). 

Nom. tc, Gen. loc: Bdicxmc***), 

M6piaioc«**). 

Nom. HC, Gen. uoc: Börinioc**'). 
Nonu «pdnr, Gen. «pAvoc: 8cuq>Avoc^, 

TlM04|MlbV0C^*^. 

Nom. qifMuv, Gen. 9p0¥0c: Aufd^povoc**«), 

©kppovoc^^*), 

riudq>povoc***), 

Miö<ppovoc**^ 
Nom. uiv, (Jen. ovoc: "^iiovoc 

Idcovoc«^«»). 
Nom. ttiv, Gen. uivoc: 'Apicruivoc^^*), 

'Gpiiujvoc '^*'), 

Opdcuuvoc 

KA^iüvoc»'«), 

Mdpujvoc"«), 

T(nuivoc'"), 

0o(öiuvoc*"). 



p. 18« N. 247. 267 V p. 888 N. 47, VI p. 253 N. 46. 48 VII p. S88 N. 
7S. 483) A. D. IV p. 155 N. 83. 484) A. D. IV p. 220 N. 467. 485) 
A. D. X p. 357 N. 140. 141. 486) A. D. V p. 244 N. 96, VI p. 251 
N. 36. 487) A. D. Vi p. 260 N. 26. 488) A, D. VUI p. 308 N. 
4S. 47. 489) A. D. IV p. m N. 894. 896. 490) A. D. I p. 181 N. 
84, IV p. 150 N. 48, p. 170 N. 175. 179. 491) A. D. VII p. 295 N. 
150. 492) A. D. VII p. 297 N. 178. 493) A. D. VIII p. 807 N. 41. 
494) A. D. IV p. 195 N. 319 a. 319 b. 495) A. D, IX p. 332 N. 10. 

10 a. 496) A. D. VII p. 292 N. 127. 128. 497) A. D. I p. 134 N. 
80. 498) A. D. IV p. 904 N. 809. 370, VII p. 889 110. III. 499) 
A. D. I p. 134 N. 47. 48. 500) A. D. IV p. 187 N. 277. 501) A. 
D. IV p. 200 N. 343-344. 502) A. D. IV p. 224 N. 491. 503) A. 
D. 1 p. 133 N. 40. 41—48. 604) A. D. IV p. 191 N. 297. 298, X p. 
849 N. 81. 8«. 99. 606) A. D. VT p. 861 N. 90-98. 606) A. D. 
TV p. 197 N. 830, p. 818 N. 414-416. 507) A. D. IV p. 193 N. 304, 
X p. 350 N. 91. 93. 95. 508) A. D. l p. 134 N. 53, IV p. 174 N. 197. 
5i>9) A. D. IV p. 186 N. 264, p. 211 N. 4U7. 510) A. I). IV ]». 198 

N. 386. 611) A. D. I p. 133 M. 46. 512) A. D. iV p. 191 N. 59. 



I 

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94 P. Beeker: Ueber eise dritte flemaiL miedierter Henkeliiiieliriflen 



IKe auf den Henkeln knidischer Amphoren angegebenen Eigen- 
namen lerfUlen in vier besondere Classen; in die erste gehören 
diejenigen, welche bisher noch gar nicht vorgekommen und also 
ganz neu zu sein scheinen; in die zweite solche, deren Existenz 
duroh knidiflohe Henkel beraits constatirt worden ist^); in die 



ölS) A. D. U p. 139 N. 7, IV p. 186 N. 267—272. 276. 614) A. 
D. IV p. 211 K. 410, VI p. 247 N. 8, VII p. 27« N. 46b. 515) A. D. 
IV p. 201, N. 849, p. 211 N. 412, VII p. 290 N. 117. 122. 516) A. 
D. IV p. 187 N. 278, p. 211 N. 410, 492-95. 517) A. D. IV p. 172 
folg. N. 186. 220. 4G5, VI p. 246 N. 6. 6a. 518) A. I). TV p. 172 N. 
156. 262. 519) A D. IV p. 186. N. 261. 262. 620) A. D. iV p. 194 
N. 815-^17. 5«1) A. D. IV p. 811 N. 409. 588) A. D. Vm p. 881 
N. 156. 623) A. D. IV p. 224 N. 488. 490. 624) A. D. II p. 140 
N. 8. 13, IV p. 214 N. 425. 489, VII p. 296 N. 159, XTT p. 383 N. 9. 
626) A. D. XII p. 886 N. 22. 626) A. D. IV p. 198 N. 338 folg. , VI 
p. 858 N. 74, VlU p. 816 N. 118. 627) A. D. IV p. 142 N. 1—7. 

588) A. D. I p. 187 K. 8. 589) A. D. IV p. 151 N. 58. 61. 68. 580) 
A. D. I p. 127 N. 11. 631) A. D. IV p. 169 N. 168. 169. 532) A. 
D. I p. 130 N. 25. 533) A. D. IV p. 162 N. 66. 534) A. D. II p. 
188 N. 1. 685) A. D. I p. 128 N. 14. 586) A. D. IV p. 171 N. 
178. 587) A. D. IV p. 169 N. 168. 165. 588) s. Benteler Wörter^ 
bnoh der grieohitelieB Sigennemen. 



Nom. ttiv, Gen. ovroc: 



ApdKOVTOC 
Kp^OVTOC*»*), ' 
A^OVTOC"*), 
T€X€Kp^0VT0C '*•). 

•eiriovTOC*"). 
Bfauvoc"«), 
Afuivoc **•), 

6ÖKPOTÜUVOC '•"), 

Kparfuivoc 
Niidujvoc*"*), 

Zmdujvoc*"), 
Zun-(ujvoc ''**). 
Zurrfipoc ''"). 
€ucppdvopoc *••). 
'Afaeivou '"), 
'AxecTpdTOu "*), 
*Ava£dvöpou •••), 
'AcxXiiinabUfpou 
•GcuMmou"»), 

eCUbÖTOU 

'limoXöxou ""), 

KX€Ußp6T0ü"*), 

Aiovuciou **'), 

AoEaiou"«), 

Aujcieiou**'). 



Nom. iiuv, Gen. iovioc: 
Nom. ittiv, Gen. <urvoc: 



Nom. TIP, Gen. ripoc: 
Nom. vjup, Gen. opoc: 
Nom. o€, Gen. ou: 



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ans dm ifidUoben Boaiktfid. 



95 



dritte die Mlten galnmiiolitoB; und in die rierte endlicli die mehr 
oder weniger bebuonten. Yen den letiten wird kier nicht die Bede 
sein, aber von den drei anderen Glaaaen gehe ich nachstehend em 
▼oUetlndigeB Yeruiehnias. Und lo enehemen 1) ala nene: 

CAeovÖKpiTOc) 'AeovoxpiTou 

('Ap^oKpdTT^c) 'Ap^oKpÖTf uc ood 'ApiiOKpdTOu*^*), 
(A€£i9pövnc) A€Eiq)pöv€uc'^') 
(AoEatöpac) Ao€aT6pa '^*), 
(Auidq>puiv) Auidfppovoc *^), 

('€mJ)dmoc) *€in6a|Li{ou 
('€ir(aiv) €iriovTOC***), 

•€pa'n6iac'^^), 

(*€pM€VOKpdTT]C) '€pH€VOKpdT€üC***), 

(CClTTÖXlOC) €OTToXiou ^*»), 
(€u(ppavöpac) €ü9pavöpa 
(€u(ppavoc) €uq)pdvou"'), 
(KA€ivöiroXic) KXeivoTTÖXioc*"), 
(KX€ÖiroXic) KXeowöAioc"»), 
AuKicKiuv 

(MtivöttoXic) MfivcmöXioc 

(N€660TOC) N€06ÖT0U"«), 

(NiKQvöpac) NiKQvöpa**'), 

NiKXeiöoc (?) 

(TTuibÖTpoqpoc) TTaiboTp690u ^**), 

(TTicivT]c, TTfcicivric) TTeiciveuc und TTeidvou"'}, 

(TToXenaioc) TTüX€|iaiou *•*), 

IrpaTOUTroXic *®'), 

IqKxipiiuv ^•*) und IqxwpÄuv *•*), 

(a>av(6ac) ^aviba'^**) (Oaiviba?), 

(0iXoceivnc) 0iXoce^v€uc'*^). 



589} A. D. nr p. 146 folg. N. M. 76 b. 8i. 16«. 540) A. D. IV 

&146 folg. N. 19. 149. 166, Vi p. 270 N. 160. 641) A. D. VI p. 248 
. 18a. 14. 542) A. D. II p. 139 N. 8. 643) A. D. V p. 236 N. 



546) A. D. IV p. 179 folg. N. 185. m 465, V p. 944 N. 98» VI p. 846 

N. 6. 186. 647) A. D. VI p. 247 N. 7, p. 266 N. 68. 648) A. D. 
IV p. 188 N. 284b. 649) A. D. IV p. 195 N. 319a. 3l9b. 560) A. 
D. VII p. 286 N. 96. 99. 661) A. D, IV p. 198 N. 338 a. 339. 552) 
A. D. IV p. 209 N. 394. 396. 663) A. D. V p. 241 N. 76. 554) 
A. D. Vni p. 820 N. 144. 565) A. D. VII p. 295 N. 160. 556) A. 
D. VI p. 266 N. 122. 667) A. D. VI p. 268 N. 186. 668) A. D. 
Vin p. 321 N. 157. 559) A. D. IV p. 160 N. 110. 560) A. D. IV 
p. 220 N. 467, VII p. 298 N. 173. 661) A. D. IV p. 220 N. 468. 

662) A. D. I p. 132 N. 38. 39, p. 137 N. 66. 663) A. D. VIII p. 828 
K. 172. 664) A. D. VH p. 284 N. 76. 666) A. D. VII p. 284 N. 8a 
566) A. D. VI p. 269 N. 146. 667) A. D. VI p. 271 N. 156. 



81. 





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96 P.Becker: Ueber eine dritte Samnü. unediertor Henkelinsoliiifteii 



■ 2) als tfnr auf Henkeln schon erwähnte: 

. jApttKovrofi^ftlc''*) ApoKovTOfalvcuc*'*) und ApaKovroM^vov*'^)» 
ÖopcCnoXK**'), 

(0i|poKpdTiic) SnpoKpdreuc*'^, 
(KapveööoTOc) Kqivco&dtou "% 
(K\i|v«iroAic) KXnvon^oc»'*)» 
(KXctamri&oc) KX€iaiiir(bo**^, 

(KX€uir(eric) KXcwirieeuc»"), 
(KX€i>TroXic) KXcimöXioc"«), 
(KuioKpdxiic) KubOKpdT€UC '^'^), 
Kubcxe^vnc**»), Ku6oce^v€uc*"), 
(NiKadMoxoc) NiKOOfidxou ^'''), 
(TiiiaciKpÜTtic) Ti/LiaaKpdT€uc**^), 
(OiXo^ßporibac) <t>iXo)A^Tiba**^), 
«mXdwoXic"»), 

(XcipfiOKpdTi|c) Xapfu>KpdT€uc**^ und XopjüioKpdTou 

3) alfl nicht gewöhnliche: 

('ÄT^CTpaTOc) 'ATCCTpdTOü*'*), 
(•AvbpoT^viic) Avftpot^veuc'**), 
CAv6i|ioc) 'AveiMou"«), 
(*Ap(cTpaToc) 'ApicxpdTou'**), 
CApicCcyroc) *Apic(^)Tou"«), 
(Aa^oT^vr|c) AafitoT^veuc 
(AafioT^Xr)c) Aa^or^Xeuc 
Cevtnicoc) *ev(iraou<^>*) (Aivimcou?), 



668) Ä. D. IV p. 171 N. 178. Ö14, V p. 236 N. 32. 33, VUl p. 311 
N. 76. 669) A. D. V p. 2S6 N. 88—40. 670) A. D. I p. 188 N. 

72, X p. :M7 N. 60. 571) A. D. IV p. 185 N. 2GG, VII p. 283 N. 68. 
572) A. D. VIII p. 316 N. 118. 573) A. D. 11 p. UO N. 10, IV p. 205 
N. 371, VI p. 260 N. 83, XU p. 382 N. 2. 22. 574) A. D. IV p. 208 
N. 990—298. 676) A. D. VII p. 298 N. 186. 187. 676) A. D. IV 
p. 209 N. 396. 897. 677) A. D. VIII p. 819 K. 141. 678) A. D. I 
t>. 131 N. 34. 35, IV p. 160 folg. N. 48. 179. 361. 398. 399. 457. 458, 
V p. 241 N. 74, VI p. 256 N. 63—64. 579) A. J). IV p. 150 N. 52, 

VII p. 274 N. 16. 680) A. D. Vllp. 293 142, IX p. 328. 681) 
A. D. VII p. 994 K. 140. 141. 148, IX p. 886 N. 1. 689) A. D. Vll 
p. 296 N. 167. 168, X p. 361 N. 169. 583) A. D. IV p. 154 N. 73. 
584) A. I). IV p. 228 K. 5ü, VI p. 270 N. 149. 150, TLl p. 300 N. 188. 
586) A. D. VI p. 262 N. 97. 98, VII p. 300 N. 186—187, IX p. 328 
N. 6. 686) A. D. IV p. 229 N. 623. 624, VI p. 271 N. 169. 160. 
687) A. D. lY p. 148 N. 88, p. 229 N. 694ft. 688) A. D. VI p. 946 
N. 1. 5. 32. 36. 92. 589) A. D. IV p. 165 N. 78. 79. 590) A. D. 

VIII p. 305 N. 28a. 591) A. D. 1 p. 127 N. 10. 592) A. D. V p. 
236 N. 23. 693) A. D. IV p. 148 N. 38. 694) A. D. IV p. 148 
folg. N. 89. 40. 198, V p. 989 N. 6. 696) A. D. IV p. 187 N. 979. 



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aus dem südlichen Euaalaad. 



97 



(€0crpaTOc) €öcTpdTOü •••), 
('HpöqjavTOc) 'HpoipdvTOü**'), 
(^cöbaMOc) GcuMfiou***), 
(eeu9€(6nc) ecu<pe(&cuc***), 
(ecuqxbv) OciKpdhHK*^, 
(IqiötpavToc) '^po^dyrou*^*), 
(KoMUMfiac) KoXXiUi|ia^ 
(Kfrroc) Kfrrou««*), 
(ndJUoc) noMou«^» 
(PbftoKKnc) Po6o«X6uc*«^ 
(Iitfd^pttiv) £uid<ppovoc*^, 

(TcXaqp^) TcXcKplovroc***)» 
CTcXcdqiiMuv} TeUd^povoc*^, 

(0iXoM6n|c) MoM^vou**^. 

Abgesehen von der vorstehenden Classification gebe ich zum 
Schluss noch ein Verzeichniss derjenigen Namen, welche, ursprüng- 
lich Patronymica, in Knidos die Bedeutung besonderer Eigen- 
namen erhalten haben imd als solche in den dortigen Henkeliu- 
schrifben gebraucht worden sind. Sie erscheinen hier fast immer 
nur im Genetiv, zu dem ich einerseits den zu supponirenden Nomi- 
nativ, und andererseits den Namen, von dem sie abgeleitet sind, 
hinzusetze und dabei bemerke, dass letztere — die Stamnmamen — 
akh sof tai uns aus Kmdos überkommenen Stücken nur in wenigen 
Ftilai BsehiraiMii lusen, und dMS daher der gleichzeitige Gebrauch 
der eiaeii, wie der anderen nidit gewöhnlich gewesen sn sein scheint. 
Es sind hier folgende zu nennen! 

('A(\)Kavbpi5ac) 'A(X)Kavbp(ba'") von "AXKavbpoc, 
('AAeEavhp(bac) 'AXcHavbpCfca«") von 'AX^tavbpoc«'«), 
('AvaEavöp(hac) 'AvatavöpCfta"'*) von 'AvdEavöpoc**'), 
(*AvasnnT{5ac) 'Avatmniöa von 'AvdEiimoc, 
CAiToAXu)vi6ac) 'AnoXXwviöa*"), von 'Aito\\i(ivioc**^ 

696) A. D. IV p. 178 N. 223. 697) A. D. IV p. 201 N. 349—361. 
6M) A. D. ly p. 169 folg. N. 168. 169. 460. 599) A. D. 711 p. 185 

K. 84. 84a. 600) A. D. IV p. 204 N. 369 VII p. 289 N. 110. III. 

601) A. D. II p. 139 N. 6, VII p. 291 N. 122. 602) A. D. IV ]k 207 
N. 386—388. 407, VI p. 270 N. 162, VII p. 291 N. 126a. Xll p. 384 
N. lt. 60S) A. D. y p. 905 N. 878,711 p. 290 N. 115, XII p. 888 
N. 8. 604) A. D. IV p. 221 N. 471, VU p. 299 N. 118. 605)^. D. 
I p. 134 N. 49. 606) A. D. IV p 224 N. 491. 607) A. D. IV p. 
187 folg. N. 278. 492—495, VIII p. 324 N. 179. 180. 608) A. D. VI 
p. 262 N. 37. 38. 143. 609) A. D. I p. 134 N. 47. 610) A. D. VI 
p. 271 N. 156. 611) A. D. ly p. 147 N. 99. 80. 619) A. D. IV p. 
147 N. 31—33. 613) A. D. IV p. 148 N. 34—37. 614) A. D. VIII 
p. 305 N. 24. 27. 616) A. D. IV p. 152 N. Gl -G3. 616) A. D. IV 
p. 153 N. 69. 70. 617) A. D. iV p. 15G N. 87—91, VII p. 276 N. 

IIa, X p. 884 N. 11. IS. 18. 618) A. D. IV p. 167 N. 98. 95—97. 

l»iab. f. clM. Philo]. SnppL Bd. X. 7 




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98 P. Becker: üeber eine dritte Samml. imedierter HenkeHmcbriflen 

('AacXamdbac) *AcKXaind(a*'*) von 'AcxXairiac, 
(*Aciaiiind&i)c**<) 'AcxXnmdfta imd *AacXi|ind&€uc«*>) , von 

*AacXf)inöc, 

(BouXapxttoc) BouXapxiba*'*) von BoOXapxoc, 
(AiocKopibac) AiocicopCba^^^) von AitaopoCi 

(AiocKOup(bac) AtocKoupiöa®'^) von Aidacoupo^ 
(6lpnv(bac) 6lpriviba ®*") von Glp^viuiv, 
(*€inviidbac) 'GmvjKiöa**') von "6mviKoc, 
('€pnoq)avTiöac) 'epiaoqpavrCöa ®**) von 'CpllöfpaVTOC**^, 

(eußouXibac) €ußou\^^a "^") von eößouXoc, 
(EOqppavTiöac) 6v)q)pavT(öa^''*) von €uq)pdvTTic, 
(9aXiMßpoT(öac) 0aXi|ißpoTi'öa °^-') von OaXiiißporoc, 
(Gcubujpibac) 66u6ujp(ba®^^) von 0€uöu)poc***) 
(Kapvcdbac Kapvcdba "^^) von Kapv^ac, 
(KXcavbpibac) KXcavbpiba von KX^avöpoc, 
(NiKiöac) NiKibcx'^^^) von NiKiacO"»), 

(0avi6ac) Oaviöa*^'^) von 0avoc oder <l>dvioc oder von <t>alvoc 

(<i)uivibu?) 

(0€ibuj(v)(&ac) <t>eibtu(v)(ba®*') von Oeiftiuv oder 0a(bu*v 
(<t)iXapxtbac) cPiXctpxiöa ''^•'') vou 0iXapx<)C, 
(OiXiTTTTibac) OiXinTTiba'^") von <J>iXmTT0C "*''), 
(<^)lXo)ißpoT\^ac'> <t>iXo|ißpoT(ba'"'*) von (t>iXöfißpoTOC, 
(<t>iXTeiö(tc) cJnXxciöa*''") von <t){XTr|C, 

(Xapfiovi(,b)ac) Xap|aovi^ö)a'^*'*j von Xappövioc oder Ap/jovioc. 

Obgleich sieb, nach dem Eracbeinen meiner letzten Abband« 
Inng^), die Zahl der thasiBchen flenkelinschiiften durch die 



tJ19y A. D. IV p. 188 N. 284 a. 480. 620) A. D. VllI p. 309 N. 
68. 621) A. D. 1 p. 127 i^. 12. 022) A. D. IV p. 169 N. 162->168. 
628) A. D. I p. 128 N. 13. 624) A. D. X p. 849 N. 81. 82. 626) 
A. D. III p. 141 N. 1, IV !>. Ifi5 N. 141 X. 255. 626) A. D. II p. 18H 
N. 7, IV p. 228 N. 517. 518, V p. 237 N. 42. 43, VI p. '251 N. 5H, Vll 
p. 283 folg. ^i. 70. 103. 110. III. 137. 027) A. D, 1 p. i;iö ^. 66, X 
p. 848 N. 72. 198. 628) A. D. IV p. 192 N. 801a. 629) A. D. IV 
p. 191 N. 294 a. 294b. 300. 301. 630) A. D. IV p. 186 N. 274. 338a. 
631) A. D. I p. 134 X. 53, IV p. 187 N. 298a. 303. 304, VI p. 258 N. 
76, VII p. 292 N. 129. 173, X p. 354 N. 122. 124. 159. 032) A. I>. 

IV p. 202 JS. 352—364, V p. 239 N. 61, X p. 355 N. 129. 131. G33) 
A. D. IV p. 202 N. 266a, V p. 240 N. 64—66, VI p. 268 K. 46. 84. 86. 
88. 90, VII p. 296 N. 162—164. 634) A. D. VIII p. 317 N. 121. 122. 
686) D. VII p. 292 N. 129. 636) A. D. VII p. 292 K. 132—133. 

637) A. D. 1 p. 131 N. 30—32, IV p. 208 N. 893a, VI p. 261 M. 31. 
84. 688) A. D. VI p. 266 N. 128. 129, VU p. 296 N. 169. 689) A. 
D. IV p. 217 N. 446c. 447. 640) A. D. VI p. 269 N. 146. 641) A. 
D. X p. 366 N. 207. 642) A. D. IV p 151 N. 59. 613) A. I>. 1 
p. 136 N. 58. 644) A. D. IV p. 227 N. 610. 045) A. D. IV p. 227 
N. 604—609. 646) A. D. IV p. 228 i^. 611. 612, VI ». 269 X. 147— 
160. 647) A. D. I p. 188 N. 44. 648) A. D. VI {>. 272 N. 162. 
1) Ueber eine zweite Sammlnng nnedierter Henkelinschriften ans dem 



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Mu dem Büdlichen Eiuslaiid. 



99 



Scliriften Stepliani' s"-), Dumont's^) und meine obige Sammlung*) 
von 151 auf 'Mi') ve^grüst^ert und ali^o mehr als verdoppelt bat, bo 
geben doch sämmtliclie, neuhinzugekommenen Stücke uns immer 
noch nicht die gewünschten Aufschlüsse über dasjenige, worüber 
uns die bisher bekannt gewesenen im Dunkeln gelassen, und wo- 
rtiber die Henkelinschriften anderer Staaten, deren vollständiges 
Verstäudniss kaum mehr in Frage gestellt werden kann, nur inso- 
fern einiges Licht verbreitet haben, als man mit vollom Rechte ver- 
muthen darf, dass das Stempeln der Amphoren in allen respectiven 
giiechibchen Staaten gleichen Grund und gleichen Zweck gehabt, 
dass sich aber dabei die einen von den andern diu'ch die Beobach- 
timg besonderer Eigenheiten unterschieden hätten. So kann es denn 
keinem Zweifel unterworfen sein, dass auch die tbasischen Hen- 
kelinachriften, ebenfo wi» die mit dem Amtstitel eines Astynomen 
beseidmeten, oder wie die ans Bhodoe und Enidoe, eine siaaillclie 
Bedeniong beorkimdeii^) und beenapniclien, aber dessen nngeaditei 
wissen wir doch immer noeh nicht mit Sicherheit, welcher you den 
beiden Eigennamen, die anf den Henkeln hSnfig entweder im Nomi- 
aatiT oder y^kfirst erseheineii,' dem Magistrat, nnd welcher dem 
Fabrikanten angehört; wissen noch immer nicht, ob die Einsei- 
namen, die gleichfalls nicht selten neben der Beischrift 8aduiv Tor- 
kommen, den Magistraten oder den Fabrikanten eingeriumt werden 
sollen, imd halten et nnr fkir wahrsehsinlich, dass in letsterem Falle 
der Name des Magistrats vor dem des Fabrikanten den Yorzng er- 
halten, nnd dass Bie& der Fabrikant blos durch ein beigegebenes 
Emblem kenntlich gemacht habe, sowie dass derselbe, wo auch ein 
solches fehlt, durch einen zweiten Stempel mit besonderen Abzeichen, 
aber ohne jede Inschrift vertreten worden sei. Hieniach könnten 
denn die von Dnmont den tbasischen Henkeln beigezählten Stücke^, 
wenn sie wirklich tbasischen Ursprungs sind, und die jetzt ihnen 
fehlenden Buchstaben wirklich nicht verwischt oder zerstört wären, 
als Supplemente derjenigen Stempel gelten, auf welchen blos Oociuiv 
und ein Eigenname^) angegeben wird. Sicherer als diese eben aus- 
geeprocbene Vermuthung ist dagegen die offenbare Wahrnehmung, 
dass die älteren Bucbstabenformen auf den aus Südrussland stam- 
menden tbasischen Henkelinschriften gewöhnlicher sind als auf 
den in Griechenland aufgefundenen, und dass erstere daher durch- 
schnittlich einer früheren Zeit angehören als die letzteren; denn 



• 

sildlicben RuBsland, im fünften Sopplementband der Jahrbücher für 

classische Philologie. 2) Corajites-rendus de la commission Imperiale 
archeologique pour les annees 1867 (S. 206 N. 7—12), 1868 (;S. 123 N. 
4. 6), 1869 (S. 200 folg. N. 69—117). 3) A. D. Inacriptions cerami- 
qoes de Or^ (p. 69^74 N. 1— lfi4). 4) ITI. Thasiflche Henkelin- 

Schriften S. 19—21 N. 1—13. 5) B. S. V S. 524 und daselbst Anm. 109. 
6) A. D. pl. V N. 27. 2s, i>l. VII N. 12. 14, pl. Vül N. 9. 14, pL IX N 
1. 3. 7) A. D. p. 61 folg. 7. 42. 

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100 P. Becker: Ueber eine dritte Samml. anedierter Henkelioflchhften 

wir finden einerseits nicht nur auf jenen allein das aUerthlimlichere 
Schriftzeichen V statt Y^), und audererseits bloss auf diesen die 
neueren Buchstabenformen und CO^^), sondern sehen auch, dass 
die ältere Schreibart des Sigma (^)") und pi (P)") auf den tha- 
sischen Stücken des südlichen liusslands viel gewöhnlicher ist als 
die neueren P>m hstaben Z uud TT, welche dagegeu auf den Henkeln 
aus Griechenland vorzuwalten scheinen. Auf letzteren*^) ist ausser- 
dem noch das sichelförmige C bei weitem zahlreicher vertreten als 
auf den andern***). Nimmt man dies alles zusammen, so wird es 
wahrscheinlich, dass die thasischen Henkel aus den Fundorten 
Sttdrusslandfl dem 4, 8. und 2. Jahrhundert vor Chr. Oeburt an- 
gehören, wShreiid die ans Athen ataiiuiienden swischen dis dritte 
nnd erste Jahrhundert der yorehrisOidien Zdtreoimong iUlen dürf- 
ten. — Mit der YergrösBening des Materials ist auf den thasi sehen 
Henkeln auch die Zahl der Embleme gewachsen, da, abgesehen von 
den thasischen Staatswappen^), zu den schon früher bekannten 
persflnliohen Abziehen der Magistrate oder Fabrikanten noch neue 
hinzugekommen sind, nnter denen ich an dieser Stelle bloss auf die- 
jenigen aufinerksam machen will, die ich in meiner zweiten Samm- 
Inng nnedierter Henkelinschriften aus dem sfidlichen Bnsdand noch 
nicht kennen irnd angeben konnte. Es sind dies folgende: ein can- 
thanis^^, ein Widderkopf^, ein Bokianion^, ein Alabastron*^ 
ein Schwert in der Scheide'*'), eine Amphora'^), eui Kyathos**), ein 
Pilos^), Beinschienen^), ein Anker ^^), em Thymiaterion*^, ein Ge- 
dtth*'), ein Schwan oder eine Gans*^), eine Weintraube'*)^ eine Gi- 



8) Franz elementa epigraphicea Graecae p. 110. 126. 149, Stephani 
C. R. 185U S. 141 N. 4. 9, 1869 S. 201 fol^. N. 67. 68. 72. 87. 89. 114. 
117. 9) A. D. p. 63 N. 21. 10) A. D. p. 70 N. 68. 90. 11) Statt 
t treffen wir das spatere Schriftseichen Z nur auf folgenden Stocken: 
Stephani C. II. 1868 p. 124 N. 5, Becker B. T S. 436 N. 1—4. 9. 16, 

B. S. IV S. 458 N. 1, B. S. V S. 461 fol^'. N. 7. 9. 10. 12. 12a. 16 und 
in meiner obigen Sammlung thaäiächer iieukelinachriften III S. 21 N. 12. 13. 
t%) Pflr r (B. B. I 8. 487 N. 16, B. 8. IV S. 459 N. 7. 11, B. 8. V S. 
464 N. 12. 12a mid oben miter den thasiBchen Henkelinsdunften III S. 20 
N. 8, Stephani C. R. 1864 p. 243 N. 5, 1865 S. 213 N. 15. 16. 17, 1866 
S. 133 N. 17, 1867 S. 206 N. 7. 10. 12. 1869 ö. 203 folg. N. 82. 98. 106) 
steht n nur auf folgenden Uenkehi: Stephani Ii. U S. 17 N. 9. 12, 

C. B. 1869 8. 908 N. 85. 95, Becker 8. TV 8. 458 N. 9 und 8. V 8. 
466 N. 16. 13) A. D. p. 62 folg. N. 12. 14. 16. 17. 21. 22. 26. 28. 
88. 38a. 42. 43. 61. 65. 56 und pl. IV 8. 9. 11. 13. 22, pl. VI N. 9. 14, 
pl. VII N. 6. lüjpl. Vm N. 1. 2. 4. 8. 10. 11. 19(?). 14) B. B. I S. 
485 N. 9, B. 8. IV 8. 458 N. 9. 5. 10, B. S..V S. 468 N. 6. 16) R 
8. V 8. 594 (am Ende). 16} Stephani C. R. 1869 8. 901 N. 67—71 uud 
oben unter den flenkelinechnften III S. 19 N. 2. 17( C. W. l«G7 S. 
206 N. 10. 18) C. R. 1867 S. 206 N. 7, 1869 S. 203 N. «4 cf. A. D. 

S. 63 folg. N. 17. 73. 19) C. R. 1867 S. 207 N. 11. 20) C. R. 1868 
. 194 N. 5. 21) C. R. 1869 8. 901 N. 72. 99) C. U. 1869 8. 909 
N. 73. 23) C. R. 1869 S. 202 N. 76. 24) C. R. 1869 S. 202 N. 74. 
25) C. R. 1869 S. 202 N. 80. 26) C. R. 1869 N. 75. 94. 27) C. R. 
1869 S. 202 N. 78. 79. 28) C. R. 1869 S. 203 83. 29} C. R. 1869 



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ans dem »fidliohen RiuslMid. 



101 



cade**), ein Bogen'*), ein Gorgoneion^*), ein aufrecht stehender 
Zweig swischen zwei Geftaeen^, und endlich ein Kerykeion nebet 
emem Sieme^). Ausser diesen mannichf altigen Emblemen fehlt es, 
im Widerspruch mit Dumont^), auch nicht an Stücken ohne jedee 
Abzeichen; dieselben sind indessen viel seltener bei den in Griechen- 
land aufgefundenen Exemplaren^) ala bei den ana dem aüdlichen 
Boßsland stammenden*^. 

Bei der Beurtheilung der von Dumont**) unter 124 Nummern 
publioirten Thasischen Henkelinschriften muss vor Allem bemerlit 
werden, dass 40 derselben bereits früher von Perrot mit beige- 
gebener Zeichnung der einzelnen Stücke veröffentlicht worden, und 
dass diese mit Wiederabdruck der beiden dazugehörigen Platten in 
Dumont's Sammlung thasischer Henkel wiedererschienen und da- 
selbst von Letzterem einer erneuerten Besprechung unterzogen wor- 
den sind. Diese Zusammenstellung aller in Griechenland, und 
namentlich in Athen aufgefundenen thasischen Henkelinschriften 
trügt nicht blos zur deutlicheren üebersicht des ganzen uns daher 
zugekommenen Materiales bei, sondern giebt auch mir Gelegenheit, 
um auf die Ferro t'schen Stücke eingehender, als es in meiner letz- 
ten Abhandlung^**) geschehen, hier nochmals zurückzukommen, 
üebrigens muss ich gleich vorausschicken, dass ich die schon früher 
für nicht unfehlbar gehaltene Ansicht, als ob die Provenienz der 
einzelnen Stücke nur nach der Beschaffenheit des Thones sieber zu 
bestimmen sei, auch in Bezug auf die thasischen Henkel nicht 
unbedingt für richtig halte und mich -vnelmehr darüber wundere, dass 
Dumont sogar in solchen Füllen, wo ihm selbst die Thonmasse kein 
sicherer Leiter zu sein scheint, an dem einmal adoptirten Principe 
doch festbSlt, und dieses oder jenes Stück, ohne jede Berücksich- 
tigung der. gegebenen Inschrift nnd anderer Indiden, einem Staate 
zuweist, in welchem es als da ünieom erscheint, wfthrend es in 
einem aaten ein ganz gewtfhnlieher Stempel sein würde. Als eolft- 
taatea Beispiel einer so ganz wiUkOrHehen BesÜramung liegt uns 
das StOek nnter Nr. 60 vor, welches — migeaohtei seines zweifei- 
haAen Ursprungs ^*), und obgleich einerseits sowohl <l>poupdpxou, 



S. 203 N. 86. 30) C. R. 1869 S. 203 N. 86. 31) C. R. 1869 S. 204 
N. 92. 88) C. R. 1869 S. 204 N. 95. 33) C. B. 1869 S. 204 N. 90. 
S4) C. B. 18S9 8. 904 N. 96. 86) A. D. p. 61 N. 7. 86) A. D. p. 
61 folg. N. 7. 84. 42. 92. 117. 118. 37) B. B. I S. 436 N. 11. 12, B. 
S. V S 463 folg. 9. 9a. 13. 14. 18, Stephani C. R. 1859 S. 142 N. 17, 
1860 8. 93 N. 6, 1862 S. 28 N. 4, 1866 S. 134 N. 16. 17, 1867 S. 206 
N. 6. 6, 1866 8. 808 folg. N. 74. 81. 99. 100. 109—117 imd oben imter 
im thadschen Henkelinchriften mS. 19—21 N. 3-9. 11—18. 88) A. D. 
p. 60 — 74. 39) Revue arch^ologique. Nouv. Serie. Deuxiöme ann^e Vol. 
III p. 283—289. 40) B. S. V S. 461—466 und S. 623-525. 41) A. 
D. p. 70 N. 60: fragment de provenance donteuse. Le rouge de ia terre 
B*Mk paa celoi des prodnifta de Thaaos; maia lei pailettaa aont en trti- 
giand nombie. 



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102 Becker: üeber eme diitte SammL anedierter Uenkelinschriffceii 

uls auch die Form und Fassung des Stempels ■*"), sowie dor vorge- 
schlagene dorische Genetiv auf €uc offenbar nach Kuidos hinweisen, 
und andererseits das Fehlen jedes Emblems vietmehr für Knidoa 
als für Thasos spricht, — dennoch von Dumont ohne Weiteres den 
thasischen Henkeln beigezählt wird. Ein solelies, get^cn That- 
sachen und Wahrscheinlichkeit verstossendes Verfuhren lässt sich 
kaum anders erklären als dui-ch «las übertriebene Bestreben, ganz 
Neues und recht viel Interessantes geben zu wollen, ein Bestreben, 
welches sich bei Dumont nicht bloss auf den vorliegenden Fall be- 
schränkt, sondern sich auch dadurch äussert, dass er bei der Ver- 
vollstiindigung lückeuhatt erhaltener Namen weniger an bereits be- 
kannte und desshalb schon viel wahrscheinlichere Namen denkt, als 
an seltnere und an solche, welche entweder noch nie vorgekommen 
sind oder schwerlich je vorkommen werden. So hat Dumont z. B. 
in Nr. 18 den ganz ungeheuerlichen Nomen KXeovu)H(pujv, für wel- 
chen KX€0)uir)5nc, KXeo^ebuiv, KXeößouXoc, KXcotevnc, KXeÖKpiToc, 
KXeoKubn^ eto. keinen&lls, wobl aber der von ihm auf einem kni- 
di sehen Henkel gelesene Name KpaTOitoXixric^^) als analoge Zu- 
aammeneetcung gelten kann, fttr einen thasischen erldSrt, statt 
daran su erinnern, dass in den Stempeln dieses Staates hftufig^^) 
zwei £igennamen im NominatiY genannt werden, dass nnter ihnen 
sowohl NüjLupiJUV^^) als* KXcoqMihr^ schon vorgekommen sind, nnd 
dass also, wie ans der Zeichnung^^) des in Bede stehenden Stflckes 
zn ersehen isty'Gociuiv. Nö|upuiv. KX€o((pi&v). gelesen werden mflsse. 

Nach diesen Yorbemerkmigen habe ich za einzelnen StQcken 
der ]>iunont*schen Sammlung thasischer Henkelinsehriften noch 
Folgendes hinzozofllgen: Nr. 3. Da an den unvollständigen Eigen- 
namen, nach der beig^benen Zeichnung^), sowohl zn Anfinge, 
als am Ende, nnr ein Bndisiabe zn feUen scheint , kann die 
Goigectur Dmnont*s, der in der zweiten Zeile 'AM<pav(bpoc) liest, 
keinen Anspruch auf Richtigkeit machen; dagegen entspricht der 
von mir vorzuschlagende Name (TT)a)üMp<i(nc)*'') allen Anforderungen 
an eine zu billigende Wiederher stellimg. — Nr. 6. Bei der Ergän- 
zung des Eigennamens hat man die Wahl zwischen 'A7roXX(iuvioc)^) 
und *ATroXX(öbujpoc)**). — Nr. 7. Dass das Fehlen eines Emblems 
auf den thasischen Henkeln keine Seltenheit sei, habe ich schon 



42) A. D. p. 1i>8 N. 17. 18: |j <^poupupxou [[ '€mKpdT£uc. |i 43) A. I). 

S. 251 N. 28 und meine Bemerkung zu diesem Stücke. 44) z. B. B. 
. Y 8. 461 folg. N. 8. 4. 7. 9. 9a. 1«. 12a. 18. 14. 18 and oben nnter 
den thasischen Henkelinschriften S. 19- 21 N. 1. 6—9. 11—13. 46) Sfce- 
phani B. IIb S. 209 N. 6, C. R. 1869 S. 141 N. 2—6, 1809 S. 125 N. 80. 
46) Stephaui B. II S. 209 N. 9, C. R. 1Ö66 S. 133 N. 16, 1869 S. 203 
N. 82. 91—93, B. S. V S. 464 N. 12. 12 a. 47) A. D. pl. VI N. 16. 
48) A. D. pl. VI N. 18. 49) A. D, p. 66 N. 33 und pl. IV N. 5, so- 
wie Stephani C. R. 1864 S. 948 N. 6. 60) B. S. V S. 461 N. 1. S. 
. 51) B. 8. IV S. 468 2. 



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utm dem sadUeben BaeslaocL 



103 



oben'**) nachgewiesen. — Nr. 8. Nach der von dier^cni liuiikel ge- 
gebenen Zeichnung ^^') ist zwischen AP|3£ und E nicht Kaum für 
drei Buchstaben, und desshalb dürlte hier, statt der von Dumont 
vorgeschlagenen Namen 'Apic(TOT)ei X)-)c ) oder 'Apic(TO,u)e(vncX 
wohl richtiger 'Apici T)€'(ac oder *Apic(T)€\jic) zu h^seu sein. Ein 
analog gebildeter Name wiire Mvrijner|C oder Mvri)LieüC ''). — Nr. 9. 
Der auch auf andern thasischen Henkeln vorkommende Name 
*ApiCTO(pdvr|c'''') scheint hier dem Magistrate anzugehören, uähreud 
KA., wie unten"'') das Monogramm S"!, die Marke des Fabrikanten 
sein könnte. — Nr. lU. Statt des wunderlichen und den, in der 
Zeichnung^') gegebenen Schriftzeichen gar nicht entsprechenden 
neuen Namens von Dumont: BpovTOKXnc glaube ich (A)piCTOKXfic 
mit grösserem Bechte yonchlageii zu dttrfen, welcher Name sich 
schon dadaroh empfiehlt, dass die mit dpicroc snsammengesetzten 
Personennamen, wie *ApicTaTÖpr|c ^**), *ApicT65iKOC*'), 'ApiCTcCbnc'^), 
*ApiCTOfi^vtic^^), 'ApicToqpdvnc^^) auf den thasischen Henkeki sahi- 
reich yertreten sind. — N. 11 und 12, Der Name i^taTÖpoc findet 
sieh aoch auf emem schon früher pnblicirten Stocke*^. — Nr. 18. 
Der fragliche Name wird nicht Aupidv, sondern (KaX)Xi(puiV^) ge- 
wesen sein. — Nr. 14. Der thasische Ursprung dieses Henkeb 
erscheint mir wegsn des im Genetik, nnd nicht im Nominativ stehenden 
Eigennamens nnd wegen der in Thasos nnr selten fehlerhaften 
Orthographie, um so swttlfelhafter, als in der ersten Zeile, statt 
^QQ., yieUeieht AMIO.^) su lesen und das Stttek dann unter 
die rhodischen Henkel^ m setsen wSre. — Nr. 15. Bei der 
bisher angenommenen Lesart hat man den Genetiv des Eigennamens 
'HpcxpuDvTOC durch ein verwischtes im zu erklären gesucht ^^), allein 
da es in dem Stempel, wie aus der Zeichnung^) ersichtlich, für die 
SU ergfinzende Prfiposition an einem schicklichen Platse fehlt, da 
ÜBmer die Existenz des Namens 'HpöqpavTOC in Thasos gesichert ^''') 
ist, und da überliaupt die ausgeschriebenen Eigennamen auf den 
thauschen Stücken, wenn sie nicht von ini abhängen, im Nomina- 
tiv zu stehen pflegen, so verdient die Lesart 'Hp6<paVT0C den Vor- 
zug vor der frtlheron. — Nr. 17. Die bei dem Eigennamen ange- 
deutete Lücke läöst sich mit grösserer Wahrscheinlichkeit durch 
'Hpo(p(uiv)^^) als durch *Hpo<p(avTOc) ausfüllen. — Nr. 18. Ueber 



52) sieh S. 101 den Text zu Anm. 35 nnd 30. 53) A. D. pl. VI N. 15. 
54) B. S. V 8. 466 N. 14, C. R. 1869 206 N. 115. 66) St B. II a. ' 
8. 17 N. 8, C. K. 1869 8. 200 N. 69. 66) A. D. p. 66 N. 86. 67) 
A. D. p. 16 Fig. 6. 68) Stephani C. B. 1859 S. 141 N. 2. 69) 
C. R. 1860 S. 93 N. 4. 60) C. R 1866 S. 133 N. 14, 1869 S. 203 N. 
85, B. S. V S. 461 N. 8. 61) B. S. IV S. 458 N. 3, B. S. V S. 461 
N. 4, C. R. p. 200 N. 59—63. 62) sieh oben meine Bemerk, zu N. 9. 
68) B. B. I 8. 486 N. 9. 64) B. 8. Y 8. 468 N. 9, 81 G. R. 1869 8. 
201 N. 65. 74. 80. 65^ A. D. p. 90 N. 101. 66) ebend. N. 102— 
104. 67) B. S. V S. 524 Anm. 109. 68) A. D. pl. IV N. 22. 69) 
A. D. p. 63 N. 16. 70) St. C. R. 1869 S. 202 JN. 81. 



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104 P- Becker: üeber eine dritte Samml. miedierter Henkeluncbriften 

die luäcbrift dieses Henkele: 6aciujv. Nufiqpiuv. KXeo((püuv) ist 
sobon oben^^) gesprochen worden. — Nr, 19. Mit Bezug auf meine 
Bemerkung zu Nr. 15 wird hier in der ersten Zeile KXeo(9Uiv) 
zu lesen sein. — Nr. 30. Der thasische Ursprung dieses Stempels 
scheint mir um so zweifelhafter, als bei dessen Bestimmung nur die 
Farbe des Thones^^), und nichts Anderes berücksichtigt worden 
ist. — Nr. 32. Nach der Zeichnung dieses Henkels bin ich nicht 
im Stande, den falsch gelesenen und imverstftndlichen Namen Dn- 
mont's: *OXu^q)dvou durch den richtigen zu ersetzen. — Nr. 33. 
Der nnvoUstündig erhaltene Name lautete nach ein paar anderen 
Henkeln '"'J wahrscheinlich fTajiqpt drjc). — Nr. 34. Da für den 
thasiöchen Ursprung dieses Henkels jedes sichere Anzeichen fehlt, 
alles vielmehr gegen denselben zu sprechen scheint, so habe ich ein 
Uhnliches, in Olbia gefundenes Stück wohl mit vollem Rechte den 
unbestimmbaren Stempeln beigezählt. — Nr. 36. Den Namen TTu- 
Oiojv kennt man schon in Thasos durch andere Henkel''); über das 
Monogranim S"l sieh oben'^) meine Bemerkung. — Nr. 37. Je 
wahrscheinlicher in der ersten Zeile der Schreibfehler TTuXdbe nicht, 
wie Dumont vorschlägt, durch TTuX(ib€(uc) — denn für den Eigen- 
namen ist, statt des für das ionische Thasos nicht passenden 
dorischen Genetiv auf euc, ein Nominativ das Gewöhnliche — , 
sondern durch TTuXdbri'^) oder vielmehr durch den Nominativ TTu- 
Xübri(c) ergänzt werden muss, um so unsicherer und unverständ- 
licher sind die in der zweiten Zeile gegebenen Buchstaben, in denen 
Dumont* KEP A(M) AP erkennen und hierin eine Abbreviatur von 
KEPAMEQNAPXQN sehen will. In einer so wunderlichen Deutung 
der unverständlichen Buchstaben wird Niemand, glaube ich, den 
Schlttssel zu dem Rftthsel finden, das er selbst zu lösen nicht im 
Stande ist — N. 88. 38 Zdrupoc, in VerUndnng mit einem an- 
dern Kamen, lat «nf thasischen Henkeln selioii firlUier vorgekom- 
men^ nnd muBB einmal'^)» in der Abhängigkeit Ton der Präposi- 
tion diH, jedenftlls der Eigenname des Magistrates sein. — Nr. 89. 
Ein aoB dem slldliohen BüBsland stammendes Stttok trigt wahr- 
seheinlidi aneh den Kamen <NCbuiv^. — Kr. 40. Den Ton Per- 
rot^ im KonünatiT hergeetellten Kamen <t>{XiCKo(c) giebt Dnnmnti 
im Widersiimohe mit dem in Thasos herkSmmludien Brandie, im 



71) sieh (8. 10t) die Einleitanff ssnr Benrtheilmig der thasi sehen 

Henkel Dumont's. 72) Stephani B. II b. S. 209 N. 9, C. R. 1869 8. 203 
folg. N. 82. 91—93, B. 8. V S. 464 N. 12. 12a. 73) Perrot a. a. O. 
p. 287 N, 30. 74) A. D. pl. Vll N. 1. 76) St. C. B. 1864 S. 243 
N. 6 und oben N. 8. 76) B. 8. Y 8. 470 N. 88. 77) 8t. C. R. 8. 
212 N. 17, B. S. IV S. 460 N. 11, B. S. V S. 461 N. 8. 78) zu N. 9. 
79) B. B. 1 S. 435 N. 6, St. B. II a. S. 18 N. 12, vergl. C. R. 1869 8. 
203 N. 98. 80) St. C. R. 1869 S. 201 N. 68. 75. 76, vergl. oben unter 
meinen thasischen Uenkeliuschriften N. 13. 81) St. C. E. 1869 S. 210 
N. 136 : ^iTl IaTÖpo(u). 82) Si C. B. 1869 8. 201 N. 71. 88) Bevae 
aroh^ogiqne. Annde 1861 YoL Jü p. 287. 



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aus dem Büdlichen Bnnland. 



105 



Genetiv: OiXiCKofu). — Nr. 41. Vor dem ueueu Namen Au( Ei v)ioc^) 
oder Au(£ric')ioc glaube ich dem schon bekannten Au(ciß)ioc den 
Vorzug einräumen zu dürfen. — Nr. 43. ^lit Bezug auf einen an- 
dern Henkel könnten die Buchstaben BA den Namen des Fabri- 
kanten Bdiiuv repräsentiren. — Nr. 44. In die augedeutete Lücke 
passt der Name Aeu(KUJv)*'^ besser als der von Dumont voi*geschla- 
gene Name AeuKiTTTTOC. — Nr. 45. üeber den Namen TTaiCTpa(T)oc 
sieh Benseier — Nr. 46. Da die Inschrift, der Zeichnung nach^''), 
eine nur zweizeilige zu sein scheint, so kann kaum ein anderer 
Name als ropyöc in der unteren Zeile gestanden haben, allein wenn 
der Raum, links, zwischen den beiden Zeilen ursprünglich auch ein 
Paar, jetzt verwischte Buchstaben getragen hlitto, so würden diese 
wohl <t>\ und der ganze Name (cpiXjopYÖc gewesen sein. — Nr. 48. 
Für den von Dumont auf diesem Stücke unvervollständigt gelassenen 
Eigennamen empfehle ich, nach der Zeichnung^) und dem Texte ^^), 
A(n^o)q>d(vri)c. — Nr. 49. Der durch diesen Henkel fOr Tliasos ge- 
sicherte Name (AX)K€(bnc könnte auch anf einem andern tliasisehen 
Stocke**) snr WiederhersteUnng des dort noch fragliehen Namens 
(P)äK£i(oc) durch (A)XKei(bTiO benutzt werden. — Nr. 60. Der 
la Aafimge Iflekenhafte Name heisst jedenfiüls (A)€iWmac^'). — 
Nr. 69. Die nn^oHsttedige Inschrift, welche ich mit einiger Wahr- 
aoiMuiUohkeit dnroh itd €(i(pudXou)^) und Auc{b(t)c)y für welchen 
Namen einarseitB die Composita mit Xtüui''^), und andererseitB die in 
TImmos sa Penwnennamen gewordenen Fatronymioa**) auf U>f)C ana- 
loge Znsammensetiniigen sind, sn TerroUstlndigen glanbe, ist nm 
80 interessanter, als sie die kleine Zahl der thasischen Henkel 
fgrgrCs s ert*^, anf welchen der Ton der Prl^sition iid abhängige 
EigennanM^ hier €öpu6Xou, mit Sicheiheit ftr den Uagiatnit in An- 
apnudi genommen werden dart — Nr. - 76. üeber diesen Henkel, 



84) Perrot a. a. 0. p. 286. 85) A. D. p. 67 N. 41. 86) B. 
I ü. 435 N. 6. 87) St C. Ii. 186a S. 209 N. 4, 1868 S. 123 N. 5. 

88) WOrterbneh der gr. Eigennamen II 8. 1106. 89) A. D. pl. VII 
N. 2. 90) A. D. pl. IV N. 6. 91) A. D. p. 68 N. 48. 92) St. 
C. R. 1865 S. 214 N. 18. 93) Stephaoi M«51. II a. S. 17 X. 9, C. K. 
1867 S. 206 N. 7, 1869 S. 204 N. 95. 94) St C. B. 1869 S. 201 N. 
72, S. 206 N. III. 114. 116. 96) St C. R 1869 8. 141 N. 4. 6, 1866 
B. 213 N. 16, 1869 8. 904 N. 89. 97: AucikXt^c und oben A. D. p. 67 N. 
41: Aucißioc 96) St C R. 1866 S. 133 N. 4, 1869 S. 203 N. 85. 87, 
B. 8. V S. 461 N. 3: 'Ap^CT€^^Tlc; oben A. D. p. 68 N. 49: 'AXKCiönc; C. 
B. 1859 S. 144 N. 19: AiK^plölibi C. R. 1859 S. 142 N. 7, 1868 S. 123 
N. 4, 1869 8. 900 folg. N. 61. 84. 91, B. 8. V 8. 464 N. 10 ond unter 
meineii obigen thafiischen HenkeUnachriftcn X. 2. 6: 'HpaKXeibtic; C. 
R. 1869 S. 202 N. 78: Gpacwvfbnc; C. R. 1865 S. 213 N. 15: iTrirf- 
hr]c, B. B. I S. 436 N. 12, St C. R. 1866 S. 133 N. 17, 1869 S. 206 
N. 113: Aeuuv(öiic; und oben A. D. p. 64 N. 28: Nixibnc 97) B. 
B. I 8. 486 N. 10: M Ivdpuj, Oocfauv ctducena; abend. N. 14: kfd 5c- 
voqidvcoc Oodov, cepias C. &, 1869 8. 910 N. 136; (tri Zorftpmi, caput 



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106 ^> Becker: Ueber eine dritte Samml. uuedierter ileukeliubciiriiteu 

auf welchem, ausser Gaciuiv, die beiden abgekttrzten £igennameu 
ApiCTO|ui^(v)icj und Aa)id(cTt]c) zu lesen sind, sieh 
Abhandlung^). — Nr. 86. Da unter den ÜiatisoheD fiigennamen 
die auf luiv ausgehend«! sehr gewöhnli<di''), die mit OiXoc znsam- 
mengesetston säir selten sind^^), so wttrde man, mit Bezug auf 
einen andern Henkel ^^^), die sweite Zeile woU richtiger dnrch *Afi- 
q)((u)v) yenroUstftndigen, smnal da auf beiden Stfleken eine Amphora^ 
das beiderseitige Abzeichen ist — Nr. 61 — 74 und Nr. 76 — 86, 
sowie 877—124. Die unter diesen Nmnmem gegebenen Henkel 
entziehen sich mehr oder weniger einer eingehenderen Beeprechnng, 
theils weil die auf ihnen noch lesbaren Buohstaben zu keinen, 
einigermaassem sicheren Conjectnren benutzt werden kOonen, theils 
.weil sie ganz fehlen, und die meisten dieser Stftoke ihren thasi- 
schen Ursprung nur der subjectiven Ansicht Dnmonfs verdanken, 
welcher ihnen, den Heimathslosen, nach ttusserlichen Merkmalen, 
namentlich nach der Beschaffenheit und Farbe des Thons, das in 
Frage stehende Beimathsrecht in Thasos ganz eigenmächtig zuer- 
kannt hat. Abgesehen von seiner so unsicheren Bestimmung und 
Ton der schon oben ausgesprochenen Behauptung, dass die thasi- 
sehen Henkel Sudrusslands älter seien als die aus Griecheuland 
von Perrot und Dumont yeröffentliohten, sind hier noch die folgen- 
den Embleme zu nennen, weil sie nur auf letzteren vorkommen: 
eine Vase*^*), ein doppelter Berg*"*) (?), eine Lyra***^*), ein Palmen- 
zweig*^^), eine Herme*"*''), eine Pflanze^®'), ein Frauenkopf *^), ein 
Hund*"^), ein schreitendes Schwein**®), ein nakter Manu"*), eine 
Maske**'), SUen**»), ein alter Kopf***), eine Biene***^), ein Hahn*'»'') 
und eine Dioscurenmütze unter einem Stern**'). — Zu diesen, schon 
so mannichfaltigen thasischen Abzeichen kommen nyn noch die 
vielen anderen, tlnreh die aus dem stldlichen Russland stAmmenden 
Henkel uns schon früher bekunni ^'owordenen, welche ich, zur leich- 
teren Uebersichtlichkeit des ganzen Materials, hier nochmals zusam- 
menstelle. £s sind folgende: der knieende Herakles als Bogen- 



98) B. S. V S. 462 vergL St. C. B. 1869 p. 200 N. 69—64 und N. 
99. 99) So Alcxp(uiv (St. C. R. 1869 S. 904 N. 91), BtTiwv (B. S. 

V S. 463 N. 7, St. C. R. 1869 S. 200 N. 60), MiKi'iuv (St. C. R. 1859 
S. 145 N. IH), '0(p(wv (St. C. R. 1866 S. 133 N. 15), TTuOiiuv (B. S. IV 
p. 460 N. 11, St. C. lt. 1866 S. 214 N. 17, B. S. V S. 462 N. 3), Xa- 
piuiv (St. C. R. 1869 S. 206 N. 116). 100) nur 0€Öq)iXoc (B. S. V 
8. 466 N. 18. C. B. 1869 8. 148 N. 17, 1869 S. 204 N. 88). 101) St 
C. R. 1869 S. 201 N. 72. 102) A. D. p. 60 N. 1. 13. 103) A. D. 
p. 62 N. 10. 104) A. D. p. 61 N. B verpl. C. R. 1859 N. 19. 105) 
A. D. p. 63 N. 18. 106) A. D. p. 63 folg. N. 16. 22. 43. 72. 91. 107) 
A. D. p. 68 N. 80. 108) A. D. p. 69 N. 99. 109) A. D. p. 69 N. 50. 
HO) A. D. p. 69 N. 62. III) A. D. p. 71 N. 64. 84. 112) A. D. 
p. 72 N. 77. 78. 113) A. D. p. 72 N. 82. 114) A. D. p. 72 N. 83. 
115) A. D. p. 73 99. 116) A. D. p. 73 Ii. 94. 95. 117) A. D. 
p. 74 N. 119. 



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aiM dem afidliohen RoBalaad. 



107 



ßchlUze"®), eine Schildkröte »'0, ein Doppelbeil ^^^), ein Delphin'-'), 
ein Schiffsschnabel'^^), eine Keule '-^), eine Diota*"), eine Blume *^^), 
ein Thyrsosstab ein Fisch^^'), Eros'-^), eine Ziege^'^), v'm 
Kranz '^*^), ein Blätterornameut'^'), eine Eidechse ein Vo^^el''^**^ 
ein l(ad'^"*), ein Kervkeion '^•^), eine Fackel '^*^), ein Käi'er''*), ein 
Helra*^), einlaufendes Thier '''^), ein Helioskopf "^), ein Kranich»**), 
eine Weinrebe , ein Seept'crd '*^) , ein Pentagon'"), ein FiÜl- 
horn^*^), ein Seekrebs , eine ionische Säule**'), ein Adler "^), 
eine Schöpfkelle^'"'), ein jugendlicher Kopf''"*), ein Baum'-''), eine I 
phrygische Mütze***), eine Dioia und ein Blatt *"'^^), ein Kerykeion 
und Stern '^^), ein Stern, ein Geräth und eine Kuf?el '•''•^}, eine Keule 
und ein Stern *^^, ein Skyphoa und eine Amphora'*'), und endlich 
eine Aohre und ein Kreis**®). — 

Von der Ansicht ausgehend, dass mau bei der Classificirung 
der Henkel mit grosser Vorsicht zu Werke gehen müsse und den 
fraglichen Stücken nur nach Berücksichtigung aller äusseren und 
inneren Merkmale ein bestimmtes Vaterland anweisen dürfe, glaube 
ich die grössere Menge der von mii- in meiner vierten Abtheilung 



118) 8. B. 8. V S. 4G1 N. 4, C. R. 186» S. 200 N. 50-G4, A. D. 

&66 N. 37. 75. 110) B. B. I S. 435 N. 4, Stephani B. IIa. S. 13 

. 19, St C. a 1859 8. 141 N. 8, 1867 S. 907 N. 19, 1889 8. 909 N. 
81, A. D. p, 66 folg. N. 33. 86. 120) B. B. I S. 435 N. ß, St. C. K. 
1869 S. 201 N. 66. 66, A. D. p. 64 folg. N. 24. 25. 41. 65. 67. 121) 
St. B. II b S. 210 N. 7, C. R. 1864 S. 243 N. 6, 1869 S. 203 N. 87—89. 
91, A. D. p. 69 folg. N. 16. 66. 69. 122) B. B. I S. 485 N. 9, B. S. 
IV S. 460 N. 13, B. S. V S. 461 N. 2. 5. 16. 198) B. B. I S. 485 N. 
5, B. S. V S. 4C3 N. 8, St. C. R. 1869 S. 204 X. 93. 07, A. D. p. 74 
N. 114. 124) B. B. I 8. 135 X. 7, A. D. p. 61 folg. N. 8. 76. 125) 
B. B. I S. 436 N. 13. 126) St. C. ß. 1805 S. 214 N. 17. 127) B. * 
B. I 8. 484 N. 1, B. 8. lY 8. 458 N. 1. 11. 198) 8i C. R. 1866 p. 
133 N. 14. 129) B. B. I S. 436 N. 14, Ä. D. p. 7.3 N. 88. 130) 
B. B. I S. 437 N. 15. 131) St. B. Ha. S. 17 N. 9, 0. R. 1866 S. 133 
N. 18. 132) B. B. 1 S. 437 N. 16, B. S. IV S. 459 N. 7, B. S. V S. 
464 N. 12a. 133) B. S. IV 8. 468 N. 2. 134) B. 8. IV S, 460 N. 
9, St. C. R. 1866 S. 214 N. 16. 185) B. B. I 8. 586 N. 10, dOr. III 
p. XVII N. 2, C. R. 1868 S. 123 N. 4, A. D. p. 61 folg. N. 9. 26. 38. 
136) B. S. IV S. 460 N. 10, St. C. R. 1869 S. 205 N. 98. 101. 137) 
B. S. IV S. 460 N. 12, B. S. V S. 461 jS\ 3. 138) B. S. V 461 N. 1, 
Stephani B. Ha. 8. 17 K. 11, C. R. 1860 0. 98 N. 4. 139) B. 8. Y 
8. 464 N. 11, St. C. R. 1865 S. 214 X. 19. 140) B. S. V S. 466 X. 
16. 141) 8t. C. R. 1859 8. 141 X. 10, 1869 S. 803 N. 82. 142) 
Stephani B. IIa. S. 17 X. 8, A. 1). p. 72 X. 81. 143) St. B. IIb. 

S. 209 X. 6, C. B. 1869 S. 141 X. 1. 144) St B. IIb. S. 209 X. 6. 
146) CIGr. m p. XVn N. 5, A. D. p. 67 folg. X. 40. 74. 146) Ste- 
phani C. R. 1869 S. 141 X. 9. 147) ebend. X. 16. 148) St. C. R. 
1859 S. 141 X. 11. 14*)) ebend. X. 13, 150) ebend. X. 14. 151) 
ebend. X. 18. 152) ebend. X. 16. 153) B. Ö. iV S. 469 X. 6. 
154) B. 8. y 8. 464 N. 10,.C. R. 1869 N. 96. 155) C. R. 1859 8. 149 
N. 16. B. S. V S. 466 X. 17. 156) Stephani B. IIa. S. 17 N. 10. 

157) C. R. 1869 & 149 N. 12. 158) C. IL 1869 S. 148 N. 16, 1860 
S. 93 1^. 6. 



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108 F> Becker: Ueber eine dritte Samml. unedierter Henkelmgchriftea 

unbestimmt gelassenen Stempel dadurch erklären und entschuldigen 
zu dürfen, dass ich das von mir dieses Mal veröffentlichte Material 
nicht aus eigner Anschauung, sondern nur nach den mir eingeschick- 
ten Copien kenne und also bei den einzelnen Stücken über deren 
äussere Gestalt und die Beschaffenheit des respectiven Thones kein 
sicheres Urtheil haben kann; denn dass das Eine, wie das Andere 
nicht ausser Acht zu lassen und nicht zu unterschätzen sei, habe 
ich sowohl in meinen früheren Abhandlungen über Henkelinschrif- 
ten, als auch oben bei Beurtbeilung des Dumont' sehen Werkes 
wiederholt erklärt und mich nur dagegen yerwahrt, dass bei der 
Bestimmung nicht dieser Faetor aüi^ maassgebeiid sem dürfe. 
Die Zahl mmner obigen 29 Henkelmscfariften unsidieren Ursprungs 
wird indessen um mehr als ein Drittel dadurch verringert, dass iäi 
unter ihnen mit mehr oder weniger Wahrsdieinlichkeit eine fUr 
thasisch^^^), eine andere fttr knidisch'^, eine dritte'*^ f&r 
ein Erzeugniss deqenigen Staites halte, in welchem der Magistrat 
den speciellen Namen äcruvöjyioc ftthrte, und daes endlieh aoht^^ 
rhodische zu sein scheinen. 

In Besng auf die mit Marken beseichneten Henkel meiner 
fünften Abteilung, deren Provenienz am wenigsten ohne eigne 
Anschauung der Stücke su bestimmen ist, und die überhaupt nur 
Abieichen uns unbekannter Persönlichkeiten sind, beechrlnke ich 
mich auf die Bemerkung, dass die in Nr, 8 gegebenen Buchstaben, 
aber in anderer Vertheilung, in einem früher von mir publiderten 
Stempel vorgekommen sind. 

Wie die aus dem südlichen Russland stammenden Henkel und 
Ziegel mit der Beischrift dcTuvÖMOU oder dcTUVOfloOVTOC ') sowohl 
das richtige Verptttndniss der auf ihnen gegebenen Inschiiften er- 
möglicht, als uns auch den Schlüssel zur richtigen Deutung der auf 
den Henkeln anderer Staaten vorkommenden Eigennamen geboten 
haben, so bestätigt das oben mitgetheilte neue Mateiial nicht bloa 
in der Hauptsache die früher ausgesprochenen und angenommenen 
Ansichten über den Zweck und die Bedeutung der hierher gehörigen 
Stempel, sondern es gestattet uns auch ein weiteres Eingehen in 
manche Details, über welche die bisherige Untersuchung noch nicht 
zu einem vollständigen Abschlüsse gekommen ist. Zu diesen Einzel- 
heiten gehört die Frage über das Vaterland der mit dcTUv6|J0U 
oder dtCTUVO^oOvTOC bezeichneten Stücke, welche Dumont^), ein paar 
ihm selbst zugängliche Henkel aus Athen von den in Südrussland 
aufgefundenen unterscheidend, den knidischen beizählt. Eine 
solche Unterscheidung ist indessen, wie wir schon oben^) gesehen 

169) N. 1. 160) N. 20. 161) N. 24. 162) NN. 3. 6. 6. 7. 15. 
as. S6. «8. 168) B. a I p. 444 N. S6. . 1) BetSku M^^es gi^ 
romains T. I p. 481—497, Sappl. IV der Jahrbflcher fflr clasusche Phi- 
lologie S. 464—486 u. S. 502. Suppl. V S. 476—618. 2) Inscriptione 
c^ramiques de Gr^ce p. 141 N. 1. 2 und Anm. p. 142. 8) s. S. 67 folg. 



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«OB dem tfldlichen Rasilaiid. 



109 



haben, eine ganz unstatthafte, weil die Inschriften mit öcTuvo^ou, 
welche auf jenen zwei Henkehi Dumont's und auf einem dritten in 
Athen erworbenen*) stehen, sich auch auf den Stücken aus Olbia 
vorfinden und zwar in so übereinstimmender Fassung, dass weder 
an der gemeinschaftlichen Herkunft der einen und der anderen, 
noch an der gleichen Provenienz sämmtlicher in diese Kategorie ge- 
hörigen Stücke aus einem und demselben Staate gezweifelt werden 
kann. Dass dieser fi-agliche Staat ein ionischer, und aUo nicht 
das dorische Kuidos gewesen, das beweist das Vorwalten ionischer 
Namen und ionischer Beug^mgsformen, neben welchen die do- 
rischen nur ausnahmsweise vorkommen^). Als letztere sind in der 
vorstehenden Sammlung zu constatiren: Ziucia®) neben Zujciou'^), 
Neu^Tivlou*^) neben Neo^Tiviou^) und Noujuriviou***), 0€ubujpou'^) 
neben Geobwpou^^) und Mvaciac'^) neben Mvficic''*) und Mvnci- 
KXfeOuc^'). Dagegen zeugen für die ionische Bevölkerung des 
fraglichen Staates einerseits die Genetive auf eoi und die zahl- 
reichen Eigennamen auf ic*^), die einen Genetiv auf lOC bilden*'*), 
and andererseits die Personennamen auf KXfic, welche im Genetiv 
nicht kXcuc, wie in Knidos » sondern kX^ouc haben ^^). Derselbe 
loniüniu oiEmbart sieh ftmer in den mit Kpdroc mflammengesetsien 
ESgennamen, bei welcben der GeiMtiT nicht anf cuc, wie meistens 
in l&tidos'^ wobl aber auf coc*^), ouc**) oder ou^ ausgeht Kann 
Memaoh das Vaterland der Stücke mit dcruvÖM^^ dcTuvoMoOvTOC 
in keinem Falle ein dorischer Staat, also anch nicht Knidos sein, 
ao darf dagegen nnter den ionischen Tor allen andern das von 
MüesMm gegründete. Olbia für die Heimath derselben gehalten 
werden. Für dieses Looal sprechen, wie ich schon firOher bemerkt 
babe*^), sowohl mehrere, wenig gebrSachliche Personennamen^), 



4) B. Snppl. V i>. 482 N. 28. 5) R. Sappl. T S. 529. 630. •) 
oben A. N. 5. 7) oben C. N. 19. 8) oben C. N. 15*. 9) oben 

A. N. 8. 10) oben A. N. 3. 11) oben C. N. 3. 12) B. S. IV^S. 
4«9 N. 28. 18) 6. 8. Y S. 506 N. 89. 14) oben A. N. 11. 16) 
oben A. N. 16 a. 16) B. S. V S. 529 Anm. 168. 169. 17) "Ctaipic 
(oben A. N. 3), Mvf^cic (oben A. N. 18), Zf^vic (B. M^l. I S. 485 N. 18, 

B. Soppl. V 8. 480 N. 20. 21), Idrapic (B. S. V S. 485 N. 40 und S. 
600 N. 20*), 'Apx^irroXic (oben C. N. 7* und 10). 18) ZcOHioc (oben 
A. N. 4), Tipurdvioc (oben A. N. 21*), TTöaoc roDen A. N. SS) nnd Kivti»- 
Xioc (oben A. N. 15b). 19) wie GtipikX^ouc (oben A. N. 14. 16), TTueo- 
kX^ouc (oben A. N. 24. 25, C. N. 19), MvncDcX^ouc (oben A. N. 16a), 
'ÄTacucX^ouc Q>ben B. N. 1) und 'ApicTOKX^ouc (oben C. N. 2). 20) b. 
oben 8. 89 folg. 81) wie 'CmKpdrcoc (oben JL N. 10), 'HpoKpdreoc (B. 
M^l. I S. 491 N. 7), MqtiKpdTCOC (ebend. N. 9), OiXoKpdxeoc (ebend. N. 
14* Sup. IV 8. 478 N. 15). 22) OiXoKpdrouc (B. S. V 8. 484 N. 35 
und S. 500 N. 23* 24), 'iTnroKpdTOiK (B. S. IV S. 476 N. 8). 23) Oi- 
Xoi^TOU (B. Mäl. I 8. 493 N. 10, 8. 496 N. 29*, 8. IV 8. 481 N. 28, 
8. V 8. 496 N. 9. 84) B. 8. V 8. 588. 85) wie Hoadönc (B. 8. 
V S. 485 N. 39), TT6ac (oben A. N. 22 und auf einer milesißchen Münie 
(Mionnet Deecnpt. Sappl VI N. 866) TTXciCTOpxiöric (oben A. N. 18). 



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110 P. Becker: Ueber oine dritte Samml. unedierter iicukelinschril'ten 



die sich einerseits in den Stempeln mit dcTiivö|40U oder dcTuvo- 
jUOÖVTOC, und andoit'iseits in grösseren olbia'schen Inschriften"*') 
vorfinden, als auch die Eigennamen Böpuc"') und Zd^apic^'*), welche, 
den örtlichen Flurnamen BopucOevr|C und Zdfapic entlehnt, nirgendB 
so gut hinpassen als nach dem in unmittelbarer Nahe jener Flüsse 
gelegenen Olbia. Dasselbe ist der Fall mit dem auf einem Henkel 
aus Kertsch^) und auf einem Ziegel aas Olbia ^) gegebenen Eigen- 
namen TvpiTiic, welcher, nnprOnglicb sor nlberen Beieicbnnng 
dnes aus dem benachbarten Tyra eingewanderten Fremdlings ge- 
braneht, im Laufe der Zelt — ebenso, wie bei uns die Namen 
Leipziger, Berliner, Warsdianer — ans emem Beinamen ein eigent- 
licher Personenname geworden ist, nicht aber über die nSchste Oert- 
lichkeit eine weitere Verbreitung gefunden hat.*^) Bei der zweifel- 
losen Ableitung des Namens Tupinic von Tupa, bei dessen allei- 
nigem Vorkommen in beiden obenerwähnten Stempeln mit der 
Beisdirift dcruvÖMOU, und bei dem Auffinden jener beiden Stocke 
in Olbia und Eertsch (Panticapaeum) ist es sehr wahrscheinlioh, 
dass sowohl das eine, wie das andere aus einer einheimischen M>rik 
herroigegangen, und dass diese, da die Ziegel gewiss einen seltneren 
Exportartikel abgaben, eine olbiasohe gewesen ist, was um so 
wahrscheinlicher, als Olbia für die Ziegel mit Angabe eines Astj- 
nomen eine bei Weitem reichere Fundgrube gewesen ist als Panti- 
capaeum (Kertsch); denn nachdem zu den 40 schon fr Uber bekannten 
Ziegeln oben noch fünf neue ^) hinsugekommen sind, beläuft sich 
die Gesammtsahl auf 45, von welchen nur fünf aus Kertsch, die 
übrigen alle aus Olbia stammen. Ja, von jenen fünf Stücken ist 
das erste, von Köhler publicierte^), aller Wahrscheinlichkeit nach^ 
aus den Ruinen Olbia's hervorgegangen, und in Bezug auf den 
Fundort der vier übrigen habe ich- die mir zugänglichen Angaben 
auf Treu und Glauben angenommen und über deren Bichtigkeit keine 
speciellen Nachforschungen anstellen können; nur soviel darf ich 
mit Bestininitlieit sagen, dass alle von meinem Freunde, dem Herrn 
PA>fessor Philipp Bruun, und mir selbst zusammengebrachten £xem- 



86) GIGhr. II 8. 188 K. 8068 und S. 180 N. 8068. 87) oben A. 
N. 4. 88) B. 8. V S. 485 N. 40, daselbst S. 600 N. 80*. 89) oben 

C. X. 3. 30) oben C. N. 4*. 31) Die autonomen Kupft'rmünzon 
Tyra's tragen, mit Ausuahme einer cimdgen Hilbcmcn, auf welcher TY- 
PANON steht, stets den Namen der Stadt: TYPA, wiüireud aui den 
Kaitermünien fiut ohne Ausnahme der Käme der Einwohner: TYPA> 
NßN gelesen wird (s. A. Orimm: die Münzen von Tyras, in den Berliner 
BliUtcrn für Münz-, Siegel- und Wappenkunde VI 1. S. 27- 44). Letz- 
tere heissen indessen, namenthch in illterer Zeit (Ilerod. IV öl) auch 
Tuptxai und der einzelne Tupirric (Tzschucke ed. Pompon. Mel. II, 1 
% 7. 88) B. 8. V S. 68». 33) oben A. N. 81 C. N. 4» 7». 16* 
17* 31) Sup. IV S. 466 A. N. 11*, ebendas. a 476 A. N. 4* S. 

486 A. N. 42*, S. 489 A. N. 54 und S. 497 C. N. 10*. 36) B. S. lY 
S. 466 A. N. 11*. 36) B. S. V S. 636 Anm. 262. 



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ftOB cleiii aikUichen BusaUuML 



III 



plare in Olbia allein, nicht aber in Kertsoli gefunden worden sind. 
Ausserdem luusa ich noch bemerken, dass die Fassung der hierher 
gehörigen Inschriften auf den Ziegeln keine andere ist als die auf 
den Henkeln, sowie dass die auf den Ziec^^eln genannten Astynomen 
oder Fabrikanten und die ihnen beigegebenen Abzeichen fast alle 
auch auf den Henkeln vorkommen, und dass von Ersteren sowoiil 
die Einen als die Anderen bisweilen dieselben Namen führen,'^') 
Endlich darf man nicht ausser Acht lassen, dass, abgesehen von 
solchen staatlichen Emblemen, die auch in verschiedenen anderen 
Städten mehr oder weniger gebrüulich waren *'^), das Olbia eigen- 
thümliche, auch auf den Münzen dieser Stadt sehr gewöhnliche Ab- 
zeichen — ein SeeatUer auf einem Delphin — auf nicht weniger als 
15 Henkeln^^) und 4 Ziegeln*^) vorkommt, Dies alles zusammen- 
genommen führt zu einem dreifachen Resultate: l) die Stempel auf 
Henkeln und Ziegeln mit der Beischrift dcTUVÖ|uiou oder dcTuvo- 
fioOvToc stammen aus einem und demselben Staate; 2) dieser 
Staat ist ein ionischer und scheint 3) das milesiscbe Olbia am 
Hypanis (Bug) zu B«Ui. — Waa die Embtome auf den Henkeln und 
Ziflgebi dieser Al)tlieUmig betritt, so IconiBifiii za den bereite be- 
kannten^^) ans den StQeken der Torstehenden fl^mwiiwwg noeh fol- 
gende binzn: ein acroetolion^, eine in jeder Hand eine Fackel 
tragende Demeter^), ein bSrtiger, in ein Obergewand gehlOlter 
Mann, mit einem Sidaihns anf dem Kopfe und einem FttUhom in 
der IJnken^) nnd eine de faoe stehende Fran.^) Die einen, wie 
die andern werden, wenn sie sich yereinielt vorfinden, je nach 
ihrem Elrsdieinen bei gana veraehiedenen Namen aowie nach der 
Stelle, welohe sie auf den Stempeln einnehmen, bald fllr staatUehe, 
bald fOr persönliche Abzeichen der Astynomen gehalten werden 
miBsen. So werden i. B. eine Weintranbe^, ein Seeadler anf einem 
Delphin ^^), eine Amphora^) eine Demeter mit einer Fackel in jeder 
Hand^), ein stoasender Stier^) fllr ataatliche Embleme, dagegen 

37) So : M(51. 1 S. 488 I N. 35* und S. V S. 486 N. 4fi, Mel. I S. 
488 1 N. 37* und ebend. X. 30, S. IV S. 472 A. N. 39* und ebend. X. 
18, 8. y 8. 478 C. N. 18* imd oben A. N. 8, 8. Y S. 486 C. N. 6* 
und oben C. N. 2, S. V S. ÖOO C. N. 23* und ebend. N. 24. 38) s 
8. IV S. 493. 39) oben A. N. 8. 9. 10. C. N. 11. 12 und fnllier: ß. 
Mel. I. S. 493 III K. 11. 12. 18, B. S. IV S. 474 B. N. 10. IIa. S. 479 
C. N. 28, B. 8np. Y 8. 478 A. N. 14, 8. 608 C. N. 88. 88. 80. 40) 
Mfl. I S. 404 dS N. 19*, B. S. V S. 478 N. 18* 8. 491 A. N. 58*, S. 
497 C. N. 11* 41) B. Sup. V S. 530. 531. 42) oben A. N. 3. 

43) oben A. N. 4. 27. 44) oben A. N. 12. 45) oben A. N. 13. 

46) oben A. N. 7. 16a. 22, C. N. 9. 13. 14 und trülier ß. Mel. 1 S. 486 
I K. 2«, B. 8. IV p. 464 A. N. 8. 4, S, 468 A N. 80, 8. 474 6. N. 8a, 
S. 478 C. N. 16. 17, S. 481 C. N. 20, S. 48G C. N. 51, B. Sup. V S. 476 
A. N. 2. 3. 5 a, S. 484 A. N. 38. 84, S. 497 C. N. 10* S. 506 C. N. 40. 

47) B. oben Anm. 39 und 40. 48) oben C. N. 15* nnd früher B. 
Bnppl. IV 8. 470 A. N. 87, 8. 472 A. N. 86, S. 476 C. N. 8, 8. 478 C. 
N. 22, 8. 484 C. N. 40a. 49) oben A. N. 4. 7 vergl. B. 8. IV S. 466 
A N. 8. 60) oben C. N. 46 mid frfiher B. M^L I 8. 496. UI N. 80, 



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112 P< Becker: Ueber eine dritte Samml. onedierter Henkel inschrifteo 



eine sich windende Scblauge^'^), ein sich bäumeutles oder guloppirendes 
Pferd ein Stern ^^), ein aufrecht stehender Lorbeerzweig^*) für 
persönliche Wappen gewisser Familien gelten können. Wie dem 
aber auch sei, so ist wenigstens soviel gewiss, dass die Fabrikanten 
auf den Henkeln und Ziegeln mit einem einzigen Abzeichen schon 
deswegen letzteres nicht als das ihrige in Anspruch nehmen dtlrfen, 
weil dasselbe, bei der Erwähnung gleichnamiger Astynomen, durch 
die Angabo verschiedener Fabrikanten keine Aeuderung erleidet, 
ßoudem vielmehr häufig dasselbe bleibt. So wird z. B. das Emblem 
— ein nach rechts laufender Hund — bei dem Namen des Asty- 
nomen GnpiKXf^c, eines Sohnes des 'AiroXXl&vioc, keinem Wechsel 
unterworfen, obglekh Ulf dem einen jener Henkel der Fabrikant 
TTuOtic, auf dem andern <t>iX/i^uiv heimt: so finden wir eben beun 
Astynomen *€Xiroc oder *€Xir6c einen Fabrikanten KoXXtcO^viic^'^), 
dessen Stelle indessen auf andern Henkeln ein OcObuipoc^^, oder ein 
MovriOeoc^ oder ein TeOOpac"*) einnimmt, wibrend dodi anf allen 
vier Stileken eine Weintraube das Emblem ist Als solches seben 
w ein flieh bttomendes Pferd anf ein paar anderen, anf welchen der 
Astynom b«de Mal *HpaicX€Cbt|c toO MiKpiou, der FMirikant aber 
einmal Mvf|ac^/da8 a&dere Mal TTaitflc*^) genannt wird. Dasselbe 
ist bei einem Henkel**) und einem Ziegel^ der FaU, anf denen 
beiderseits der Astynom TToXOicruip ToG Af^tiTpiov nnd das Ab- 
seiehen ein bSrtiger Kopf de &ce ist, der f^brikant aber anf dem 
Henkel KXcaivcTOC, auf dem 2äegel <I>iX^huiv heissi Ausserdem 
kommen in der Torstehenden Sammlung noch andere Stücke^) in 
Betracht, welche gleichfiAlls l>e8tstigen, dass die einzeln erscheinenden 
Embleme, mögen sie staatliche Aboeichen oder persOnliehe Wappen 
sein, in wechselseitiger Beziehung zu den Astynomen, nicht aber 
zu den Fabrikanten stehen. Anders verhält es sich mit den selte- 
neren Stempeln^), die zwei verschiedene £mbleme zeigen und 
auch in der diesmaligen Sammlung durch fünf Exemplare^ der 
dritten Abtheilung vei*treten sind. Neu sind von ihnen die rier 
ersten: ein Vogel unter den Köpfen yon zwei Stierem, ein Thier- 



B. S. V S. 607 C. N. 45. 51) B. I S. 495 III N. 21* B. S. IV 
8. 488 C. N. 88*, S. 486 G. N. 18, B. 8. V 8. 608 G. N. '47* 48*. 

69) oben A. N. 11 und früher B. MeT I S. 490 I N. 45, B. S. IV S. 480 

C. N. 27. 28, S. 485 C. 48, B. S. V S. 505 C. N. 37. 38. 38*. 53) 
oben A. N. 16 und früher B. S. IV S. 464 A. N. 1; B. S. V S. 476 A. 
N. 1. 64) B. MäL I S. 486 I N. 24. 25. 26. 27 , 6. 8. V 8. 470 A. 
N. 26. 66) oben A. N. 14 nnd 15. 66) oben A. N. 7. 57) B. 
Sup. IV p. 478 N. 16. 58) ebend. N. 17. 59) B. Suppl. V S. 498 
N. 14. 60) oben A. N. 11. 61) B. S. V S. 480 N. 17. 62) oben 
A. N. 19. 63) B. Sud. V S. 486 N. 42* 64) oben A. N. 24 und 
A. N. 25, A. N. 4 und Suppl IV 8. 466 M. 8, A. N. 15a und A. K. 
15b, A. N. 16a und C. N. 14, sowie S. V S. 484 N. 34, oben C. N. 1 
und Suppl. IV S. 479 C. N. 20. 66) B. Sop. V 8. 681. 682. 66) 
oben C. N. 4*. 6. 10. 18. 20. 



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am dem ffidlichm B^ssland. 



113 



Schädel und eine bärtige Herme, ein Bogen und ein Quadrat, ein 
menschlicher Kopf und ein unbestimmbares Thier, aber das fünfte — 
ein sitzender Hund und eine diota ist auf einem andern Henkel^*) 
schon früher vorgekommen. Auf allen diesen Stücken darf das eine 
Abzeichen, je nach der Stelle, welche es in dem Stempel einnimmt, 
für den Astynomen, das andere, bisweilen offenbar eine Fabrik- 
marke*'"*), für den Fabrikanten in Anspruch genommen werden. Unter 
den doppelten Emblemen ist das eine sehr häutig eine Wein- 
traube ^^j, welche ich schon oben"*^) den Staatswappen beigezählt 
habe. — Die kleine Zahl solcher Henkel oder Ziegel, auf welchen 
der gewöhnlich absolut gebrauchte Genetiv dcTUVÖjiOU mit einem 
Personennamen von der Präposition ^tti abhängig ist, wird in der 
obigen Sammlung wiederum durch vier neue Stücke vergrössert 
und so im Ganzen auf 17 Exemplare gebracht. Unter denselben 
lassen sich folgende Varietäten unterscheiden; l) die Inschrift be- 
ginnt mit der Präposition ^rri, von welcher der Eigenname des 
Magistrats und dessen Amtstitel (dcTUVÖjLiou) abhängen und schliesst 
Bat dem Naaun des Fabrikanten im Nominativ oder Genetiv 
2) bei oingen Angaben wird dieselbe Beihenfolge, aber ndt Aiu- 
kemmg des Wortes dcnivöfjou beobaehtet^'); und 8) zu Anfiinge 
steht der Name des Fabrikanten im Nominativ oder OenetiT nnd 
auf denselben folgi dann die Ftiposition M mit dem Eigennamen 
des Magistrats nnd dessen Amtstitel (dcTUv6|uioij).^*) Die einfachste 
dieser drei Fassungen» die sweite, wird zngleioh die älteste^^ 
sein nnd leiofanet sich mit der dritten, nach den nns ttberkommenen 
Stflcken, dadweh ans, dass in bdden der S ee ad le r auf einem Delphine 
— das bekannte Staatswappen 01bia*s — das gemeinschaftliehe 
Emblem aller ist Dagegen haben Ton den Stempeln der ersten 
Fassung zwei^^ gar 1^ Abseiehin, während letstscas anf je drei 
Stocken ein Seeadler anf einem Delphine^') oder eine Weintraabe^^), 
anf 2 eine liegende Aehre'^ nnd anf einem eine Diota nnd eine 

67) B. S. y 8. 611. e.V. 67. ' 68) oben C. N. 10; ein Viereck. 

69) B. S. V S. 501 C. X. 26, S. 512 C. N. 61; B. S. IV S. 475 C. K 
6; ebend. 8. 485 C. N. 47 . S. V S. 610 C. K 53; B. S. V S. 511—513 
C. N. 66. 64 i S. V S. 497 C. N. 12; B. S. IV S. 502 C. N. 68*, S. V 
8. 495 C. 8* S. 600 C. N. «0* 70) «. oben 8. III Anm. 46. 71) 
oben N. 7. 8. 9. 10. 78) oben A. X. 7. 8 und früher Mdl. I S. 491 II N. 
14* mit der richtigeren Lesart (B. S. IV S. 479 N. 18* und Anm.): ^Tri 
OiXujvfc dcTuvöiiou, (J>iXoKpdTnc, Möl. I S. 492 III N. 3*, daselbst S. 494 
ni N. 19*, Sup. IV S. 478 C. N. 16. 17, S. 479. C. N. 18*, Sup. V S. 
497 C. N. It* 8. 498 C. N. 14, S. 510 G. N. 68. 78) oben A N. 9: 
kvX *€v&rmoo, Ti^OipioC, Snp. V S. 478 A. N. 13 * 8. 479 A. N. 14. 
74) oben A. N. 10: 'CmKpdTeoc, ^irl 'AiroXXoöuüpou äcTUv6|Liou und früher 
Sup. iV S. 474 B. N. 10. IIa. 75) B. Sup. V S. 632. 76) m\. I 
8. 499 m N. 3* Snp. V 8. 498 G. N. 14. 77) oben A. N. 8« nnd 

früher I 8. 494 III N. 19* Snp. V 8. 497 G. N. 11*. 78) oben 
A. N. 9 und friiher Sup. IV S. 47 R C. N. 16. 17. 79) Mäl. I S. 491 
II X. 14* (vergl. Anm. zu N. 18* in Sup. iV S. 479), S. IV 8. 479 C. 
JAlub. f. cUm. PliUol. SnppL Bd. X. 8 

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114 P' Becker: Uebei eiae dntte SftmmL nnedierter HenkeUnsohriften 

Weintraube**) ist. — Auf fast allen Henkeln mit der Beischrift 
dcTUVÖiuou oder (XCTUvomoövtoc werden die lui-chriften in gradlinigen, 
unter einander stehenden Zeilen gegeben und es finden sich die 
Embleme an ihren Seiten oder zwischen den Zeilen, aber auf einigen 
Ziegeln®^) und auf ein paar Henkeln*'^) ist die Fassung eine andere: 
hier bilden die Buchstaben, wie häutig auf den thasischen Stücken ^^), 
ein gradliniges, meist längliches Viereck, in dessen Mitte das re- 
spective Abzeichen seinen Platz hat. Diese Art des Stempeins er- 
forderte eine grössere ebene Flüche, als eine solche auf den gerun- 
deten Henkeln vorhanden ist, und desshalb konnte dieselbe haupt- 
sächlich nur auf deu Ziegeln in Anwendung kommen. — Das 
Pai-ticipium dcTuvo|LioövTOC, wofür ein Paar Mal**) dcTUVO^euvroc 
steht, findet sich auf den bis jetzt bekannt gewordenen Stücken im 
Gkmzen 70 Mal*^), und zwar in der Abtheilong A. 41 , in der Ab- 
theilung B. 3, und in der Abtheilung C. 26 Mal. Das aeUaere, und 
nur in unserer ersten und dritten Abtiieilang häufigere Ersoheinen 
Yon dcruvoMoOvTOC wird wohl dadurch zu erkUren sein, dass einer- 
seits das Verbum dcruvoficfV überhaupt erst spftter aufkam als das 
Substantivurn und Stammwort dcruvö^oc, und dass andererseito die 
Fassung der Inschriften, wie sie uns in diesen beiden Abtheihmgen 
vorliegt, eine jüngere ist als die der zweiten Abtheilnng, welche 
auch aus andern Gründen**) für die filtere gelten kann und nnr 
jünger sn sein scheint als diejenige, die mit iii begann*^ und sieh 
nur auf die Eigennamen des Magistrats und des Fabrüouiten be- 

■ftliWhfiV fcA- — — 

Beyor ich die Torausgeechickten allgemeinen Bemerkungen über 
die mit öcTUVÖfiou oder dcruvofioOvTOC bezeichneten Henkel nnd 
Ziegel mit einem alphabetisdien Namensrerseichnisse der in der 
obigen Sanunlung genannten Astjnomen und Fabrikanten ab- 
scbliesse, will ich noch diejenigen Namen angeben, welche unter 
sftmmtlichen bis jetzt bekannt gewordenen Stücken dieser Kate- 
gorie desshalb besondere Beachtung verdienen , weil sie überhaupt 
sonst gar nicht oder doch nur sehr selten' TOrkonmien und daher in 
Pape's Wörterbooh der griechischen Eigennamen (dritte Auflage, 
neu bearbeitet von Dr. Gustav Eduard Benseier, Braunschweig 
1863 — 1870) theils ganz fehlen, theils nicht gehörig berücksichtigt 
worden sind. Letztere habe ich in dem nachfolgenden Yerzeiohnisse 
mit einem ihnen vorgesetzten Kreuzchen bezeichnet: 
I 

N. 18*. 80) Sup. V S. 610 C. N. 68. 81) R M^l. I S. 490 folg. 
II N. 5* 13*. 14*, Sup. IV S. 472 A. N. 39», S. 477 folg. C. N. 11* 
18* Sup. V S. 497 C. N. 10* und oben C. N. 7* 82) B. S. V S. 510 
folg. C. N. 53. 66. 83) sieh z. B. Sup. V S. 461 folg. und Stephani 
CR. 1869 8. 800 folg. N. 69—88. 84) B. Sup. Y S. 497 C. N. 10^ 
oben C. N. 7* 86) in der vorstehenden Sammlung A. N. 16. 19. 26, 
C. N. 14. 16. 86) sieh Sup. V S. 632. 633. 87) Sup. V S. 478. 
479. A. N. 13*. 14, und oben A. N. 9, sowie A. N. 7. 8. 



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mt dem tacUicben Baailaiid. 



115 



{ ' AeqviTnToc ), Aönviinrou 
'AcnOac»*), 'AcTiou»"), 
(Bop€(ac), Bopciou"'), 
t(Böpuc), Böpuoc"^^), 

("evÖHMOCj, 'Evbrmou'*), 
('e-iriönMoc), '6in6i'iMOu'*), 
•eraipic*'*), Ceraipioc), 
(€6JMi)pi6nc), eöfetuptbou«*), 
t(HpatcKoc), HpaToeou**), 
(*HpiIjvu(ioc), 'HpurvOnou*'), 
t ('Hq)aicrööuipoc), 'H9aiCTob<jE»- 

t(6€dT€tToc), Ö«rfiiTOw"0f 
(eiMttoc), OucUou^**), 



(eucixnc\ 0uciX€U) 

t('ICTpUJv) 'ICTplUVOC 
( ICTIKVUV) 'ICTlKtJÜVOC 

(KivuiXic), KiviuXioc 
(KoüpuXoc), KoupüXou '^'), 

Mev^KpiTOC (M€V€KpiTOU\ 

(MiKoc), tAiKOv'^X 
(WtKpiac), MiKpiQu"**), 
(M(ocXoc), MiAcXou"!), 
Mv^cic^'O, Mvricioc"^\ 
t(NdvuK<>^ oder Ncrviac), Na- 

(Ndvuiv), Ndvuivoc"«), 
(Nourfaifv}, Neniriiwoc"'), 



88) Stephani Mel. II S. 18 N. 4 {= B. Sop. IV S. 464 A. N. 1), G. 

B. 1865 S. 214 N. 22 (— B. Sup. V S. 476 A. N. 1), oben A. 16. 
a9) Beeker HA. I 8. 488 I N. 1. 90) daeelbst 8. 488 I N. 85* und 
Snp: V 8. 486 A. N. 46. 91) B. Sup. V S. 493 B. N. 9 92) B. 
M^i. I S. 483. 484. I N. 4. 5. 6, S. 493 III X. 5. 6. 7, St. Mtl. II S. 212 
N. 14. 15. 16 (=- ß. Sup. IV S. 465 A. N. 8. 9. 10), Mac Phereon aiitiq. 
of Kertch pi. X N. 3 (= B. Sup. IV S. 476 C. N. 7), B. Sup. IV S. 476 

C. N. 8., St C. R. 1861 8. 175 N. 4 B. Snp. V 8. 496 C. K. 7), B. 
Sup. V S. 496 C. N. 9 und oben A. N. 4. 93) B. Sup. JV S. 478 C. N. 
16. 17, B. Sup. V 8. 498 C. N. 14 und St. C. R. 1868 S. 124 N. 6 (— 
oben A. N. 7). 94) B. Sup. V S. 478. 479 A. N. 13.* 14, oben A. N. 
8. 9. 96) 6. Snp. Y 8. 480 A. K. 22, 8. 497 C. N. 19. 18. 96) St. 
C. R. 1867 S. 207 N. 13 (=» oben A. N. 3). 97~i St. MdL II S. 21 N. 
28 (= B. Sup. IV S. 479 C. N. 19). 98) 15. Su]). V S. 507. C. N. 44. 
99) Stephani C. R. 1866 S. 134 N. 21 (= B. Su)}. V S. 480 A. N. 19) 
und oben C. 8. 9. 100) St C. R. 1862 S. 28 ^;. 2 (= B. Sup. V S. 
486 A. N. 48), 8i G. R. 1861 8. 176 N. 8 (— Snp. Y 8. 486 A. N. 44), 

B. Snp. V S 487 A. N. 47* und oben A. N. 21*. 101) B. Mel. I S. 
494 III N. 16, B. Snp. IV S. 479 C. N. 21, B. Sup. 492 B. N. 4. 5, St. 

C. E. 1866 S. 134 N. 22 (— B. Sup. V S. 500 C. N. 22) B. Sup. V S. 
600 C. N. 21. 28*. 24. 102) St. C. R. 1860 8. 94 N. 7 (— B. Sup. V 
S. 495 C. K. 1 aV 103) B. M^l. I 8. 489 I N. 43, Mac Pherson antiq. 
of Kertch pL X X. 9 (= B. Sup. IV 8. 481 C. N. 31), B. Su]>. V S. 490 

A. N. 57. 104 ' B. Mel. I S 491 IT N. 8. 105) B. Sup. V S. 503 
C. N. 30*. 31* 106) Stephani C. R. 1869 8. 208 N. 127 (= oben A. 
N. 16 b). 107) B. Svp. Y 8. 476 A. N. 6. 108) oben A. N. 16. 
109) Stephani C. R. 1869 S. 209 N. 131 (= oben A. N. 23), C. R. 1868 
S. 124 N. 8 (= oben B. N. 3). 110) St. Mel. II S. 19 N. 19 (= Sup. 
lY S. 469 A. N. 21), M61. 11 S. 213 N. 20 (=- öup. IV S. 471 N. 30), 

B. Sup. lY 8. 471 A. N. 31, S. 480 A. N. 27, St. C. R. 1865 S. 215 N. 
24 (<=- B. Süll. Y 8. 480 A. N. 17), Snp. V S. 605 C. N. 87. 88, Stepha- 
ni C. R. 1868 S. 124 N. 7 (= oben .V. N. 11), C. R. 1867 S. 207 N. 15 
(= oben A. N. 12). III) St. Mel. II S. 18 N. 17 (= Snp. IV S. 474 
B. N. 10). 112} St. C. R. 1868 S. 124 N. 7 (=- oben A. N. 11). 113} 
8t. M^l. n 8. 20 N. 2S (mm Snp. lY 8. 481 C. N. 81). 114) 8. Benae- 
1er Wörtetb. d. gr. Eigennamen s. v, Ndvioc, Dumont inacript. c^ram, 
de Grece p. 102 N. 192. 116) B. Su].. V S. 484 A. N. 36. 116) B. 
Sup. V 8. 493 ß. N. 11. 117) B. mi 1 S. 488 I N. 34, S. 493 III 



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116 P.Becker: Ueber eine dritte SammL unedierter HeukelinBchriften 



t.COpGoc), "Opeou 
TTaicfic"*), 

tCrraaxdpnc), TTaaxdpowc oder 

TTaox<ipou "*), 
(nX€icra|ix(&ilc), TTXeicrai>xibou ^''X 
tCTTodftiioc), TTooft/ioü"*), 
tCTTpöXooc) npoJUtou»**), 
tCITpdXoxoc), TTpo^öxou**"), 
CTTuppiövic), TTupp(6ou ^**), 



Zivunriuiv"'), ZtvumÜMVoc"»), 

(ZttfdXiic), ZuidXci»^'^ ' 
TiiMbptoc*"'), (Ti|JUi|rfou), 
(Tuji('nic}, Tüjitroü *■•), 
t(0iX(cnoc), 0iXict(ou**^ 
(<Wvnc), <WvTwc»»*X 
(XojnurCuiv), Xoiwrrbiivoc^, 
t(Xa|i^ev<5nc), XnpiScvttou 



I. Namen der Astynomen. 

*ATaaKAf^c B. N. 1. GcOftiupoc C. N. 3. 

Alcx^vTlc A. N. 6. 0r|piKXf)c ö 'AiroXXujviou A. N. 14. 15. 

'AmivTUJp B. N. 2. *lcTiaioc A. N. 16 a. 16b. C. N. 

'AvOecTripioc ö Noujiinviou A« N. 3. 11 (?). 12 (?). 

'ATToXXö&uüpoc A. N. 10. MriTpöbujpoc ö AGriviTrirou A. N. IG. 

'ApiCTOKXf^c (?) C. N. 2. MvriciKXfic A. N. 16 a, C. N. 13, 14. 

'ApT€|i(bujpoc C. N. 1, NediKpiToc C. N. 15. 

'ArraXoc A. N. 1. 2. TTacixdpr|c ö Armn^piou A. N. 17. 

Böpuc 6 ZeuHioc A. N. 4. TTXciCTapxvbnc ö 'AwiijAdvTOU A. 

ArmnTpioc 6 'HpoSivou A. N. 6. N. 18. 

Aioc (?) C. N. 6. TToXuKTUjp ö Aimn^Piou A. N. 19. 

AiöcpavTOC C. N. 7.* TToc€iöuüvioc A. K. 20, C. N. 16 (?). 

"CXiroc A. N. 7. TTodöeioc ö 'HcpaiCToöiüpou A. N. 
'CvÖTmoc A. N. 8. 9. 21.* 

'HpaKXeibtic (ö '€KaTuiüu) A. N. 13. TTocic A. N. 22. 

'HpoKX€i&»ic ö MiKpiou A. N. 11. 12. TTpöXaoc ö Mikou A. N. 23. 

'HpOfvuMoc C. N. 8 (?). 9 (?). TTpurrorföpac C. N. 17.* 18. 

*H9a(cnoc C. N. 10. TTpuiTO<pdvnc (?) B. N. 4. 



N. 9, Mac Phereon antiq. of Kertch pl. X N. 9 (= B. Sup. IV S. 481 
C. N. 34). 118) St. C. R. 1862 S. 28 N. 3 (= Sup. V S. 502 C. N. 
28). 119) St. C. R. 1865 S. 215 N. 24 (— Sup. V S. 480 N. 17). 120) 
B. Sup. IV S. 482 36, St. C. R. 1863 S. 210 N. 8 (— B. Sup. V S. 
507 C. N. 48). ISl) St. Md. U 8. 214 N. 21 (— B. Sup. IV 8. 471 

A. N. 34), St. M(5l. II S. 20 N, 26 (= B. Sup. IV S. 477 C. N. 10), B. 
8ap. IV S. 482 C. N. 37, St. C. E. 1866 S. 134 N. 26 (= B. Sup. V S. 
490 A. N. 65), oben A. N. 17. 122) B. Sup. V S. 486 A. N. 40 und 
oben A. N. 18. 123) B. Sup. V S. 488 A. N. 48. 124) St C. B. 
1869 8. 209 K. 181 (— oben A. N. 28). 125) B. Sup. V S. 488 A. N. 
49. 50. 126) St. C. R. 1865 S. 216 N. 33 (= Sup. V S. ^13 C. N. 
65). 127) B. Sup. V S. 483 A. N. 29. 128) B. M^l. I 8. UU I X. 

16, Sup. IV S. 472 A. N. 38. 39*; oben C. N. 4*. 17*. 129) B. Sup. 
Y 8. 604 C. N. 85. 180) B. Snp. Y S. 504 C. N. 80. 131) Si. C. 
R. 1859 S. 142 N. 21 (= B. Sup. IV S. 474 A. N. IIa), oben A. N. 9. 

17. 132) oben C. N. 3. 4.' 133) B. Sup. V S. 493 B. K 8. 134) 

B. Sup. IV S. 484 C. N. 45. 135) B. Mel. I S. 489 I N. 44, St. C. R. 
1866 S. 136 N. 29 (— Sup. V S. 491 A. N. 60). 136) B. Sup. V S. 
511 C. N. 57 und oben C. N. 20. 



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ans dem sOdUohen &uBlaod. 



117 



noeoKXnc a. n. 24. 25., c. N. 

iT^tpavoc A. N. 26. 



19. OaiviTTTTOC A. N. 27. 
Xapi^cviönc C. N. 20. 



II. Namem der FabrIkMilra. 



'ATdeuiv C. N. 1. 
*AirH5aipoc G. N. 18. 
*AiroXXö6wpoc A. N. iS. 
*ApTeKi{&ujpoc A. N. 15 a. 
*A|>x«irToAic C. N. 1* 10. 
'AcTuXoc A. N. 4. 
Afm/|Tpioc G. N. 14. 
Adbpoc G. N. 12 (?). 
'€inxpdTT|c A. N. 10. 
"Eraipic A. N. 8. 
KoXXice^c A. N. 7. IS. 24. 
KcqKiXliiiv A. N. 22. 
Ktmkkc A. K. 16b. 
KXecrf'vcTOC A. K. 6. 12. 
KTifiatfv A. K. 27. 
Mcv^xptTOC A. N. 16. 



MfKoc (?) B. N. 3. 
Mvfjcic A. N. 11. 
N€onf|vioc A. N. 8. 
NcuMnvioc C. N. 16* (?). 
TToc€i6Ujvioc C. N. 2. 8 (?). 9 (?). 
20 (?). 

TTp^ovic 6 0carp6mHi A. N. 21*. 

noenc a. n. 14. 

Zivunriufv G. K. 17*. 
ZttHrCac A. N. 6, G. H. 19. 
Ti^idpioc A. N. 9. 17. 
TupiTfjc C. N. 8. 4*. 
OiX^uiuiv A. N. 16. 
0i\oicpdTiic A. N. 1. 2. 18a. 26. G. 
N. 8 (?). 18 (?). 



Dreaden, d. 11. September 1877. 



^ftkrb. t, oUm. PhUol. Sappl. Bd. X. 



8** 



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EMENDATIOISIES AESCHYLEAE 

SCKIPSIT 
H. VAN HERWEBDEN. 



JahrV. t el«M. Ph^ol. SvppL Bd. X. 



9 

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Continebit hoc opiisculum non tantiira eas coniectiiras, iu quas 
novissimo tempore Aeschyleas fabiüas diligeutissime perlegens incidi, 
sed etiam eas, quae hic illic in compluribus scriptiunculis dispersae 
liodieque mihi probantur. Quod faciendum putavi propterea quod 
haruin pleraeque ad paucissimorum virorum doetorum notitiam per- 
venisse videntur. Quas autem Dindortius in ed. Vta poetarum Sceni- 
conim Graecorum aiit recepit aiit commemoravit, nihil causae erat, 
cur hic repeterem. Singulas fabulas ordine porcurrens versuum 
numeros notabo ä&cundum hanc, (^^ua praecipuu uäuä äum, Dindorßi 
recensiouem. 

Ad PivomotlidXLDau 

Vg. 89. TTOVTIUJV T€ KUfAUTlUV 

Licet ope loconun, quos interpretes ad haec rerba tuenda con- 
gessenmt, t^^cicM<i P^f m fortasse defendi possit, ita tarnen ab hoc 
looo et a Btatn mentis, in qno Promethens yersator, aUenimi mihi 
Tidoior, nt Aesehylnin ita scripsiBse persuadere mibi neqneam. Et 
displicnit onm alüs tnin viro, qui mnltomm mihi instar est, Nanekinm 
Tc^, eoins tarnen oonieetnrae vrjpiOiaovftTKdXiCMa non &yet| 
qnod ferma vrjpiG^oc pro dvdpiO|uioc siTe dviipiO^oc (utnntor enim 
ntraque) apnd tragieos nnsqnam reperitor. Mdins igitor oonieoisset: 
dvdple^ov dTxdXiCfia. Mihi, dl. Sspi 115 et 716, in mentem 
vemt dWiptOMOV KdxXociia 

112. ihicrfeptoc (sie) bec|iota iroccoXeufi^voc 

Ifiser hie foetos nescb cnins poetastri, qni ope tba. 20, 56, 65, 
aL hone Tenicalnm satie otiosom finxisBe yidetor, anctori sno qnan- 
toehu r ed da t n r. In eo oonigendo operam et oleom perdidernnt 
Dindoifins seponeas irpocircicapfi^voc, Moritlns Sehmidtlns irpouc€- 
Xodficvoc, BkmfieldnB ihraiOptoic Getenun falsarins pioeal dnbio 
hand aane optimis nnmeris dederat: 

t^fiOptoc bccjLiotc ir€iraccaX€Ufi€voc 

274* irfOece^ \m irfOccOc, cuMirovficare 

T^p vOv ^oTouvTl. TaOrd toi TrXaviwji^vn 
TTpdc dXXor' dXXov 7n])iovf] irpociCdvci. 

Ad sententiam recte olim in Ex. Grit proposui iravTaxQ, sed 
olditteranda non faesat Toeola TOt, qnam eententiis propriam esse 
eonatat Kune igitor corrigo irdvTa toi itX. kt^, L e. calamitas 
omsia perTagans modo hnne modo illum aggreditnr. £an- 

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122 H. van Herwerden: 



dem fere confusionem infra reperies Agam. 551. Ad verbum TiXa- 
väcOai iunctum cum accusativo cf. Eurip. Hei. 604: Tidcav TiXavTiOeic 
Trjvbe ßdpßapov xQöyat. 

291. Mnemos.Vp. 188(N.S.): oOk ^CT'ÖTiü(Äv)prooi)K^CTivÖTUJ. 
430 de Atlante: ydc oupdviöv xe ttöXov vujtoic uTTOCieva^ei. 
Hermanni lenissimam correctionem u7T0CTeYd^€i non leviter com- 
mendat locus Aeschyli ap. Athen. XI p. 491 A (fr. 298): 
a\ b* ?*ttt' "AxXavToc naibec dbvo^aciadvai 
itarpöc ji^TicTov dOXov oöpavocTeTf) 
kX^cckov. 

Cm cmendKtbai DindiofiiiB pneferre non debnmt mam oob- 
iecbiiam öxdy ct€v6lI€L 

443. TÄv ßpoToTc hk iri^^ttTa 

dicoOcad* (bc cq>ac vT)Tr(ouc dvrac t6 irplv 
^wouc ^etiKO Kai <pp€Viihf dicfipöXouc 
MendoBum esse nfn^koxa, arguimt ipsa sequentia. Aplam foret: 

Tdv ßpoTofct IpTjiaTa. 

Cf. Emu. 500| Sepi 666. 

472. ir^irov6'ac aiK^c icfbi*. 
Oraeoa Yerbomm oompoaitio poatiüat: 

aWkc ir^itovOac irf||yi*. 
499 sq. In linenMS. L L leribendimi oonieoi: 

Kai xpoidv tiya 
Ixovc* dv e!f| ba(|iociv irpöc fibov^jv 
XoXyj, XoßoG T€ iTotK(Xi)v €0fiop9iav 
pro ^x^V — fibovif)V, xoXfic XoßoO T€. 

666. t6 biafiqpibiov hi }ioi ixiXoc irpoc^irra 
TÖb* dK€ivö 0* ÖT* djLiqpi Xourpd 
KQi \ixoc cöv upevalouv kt^. 
Quia biajüiqiibiov pnedicativum, seqnitor non esse articulo, qui 
praeponitw, locnm. Emendttiio mihi non oessit, qvare alüs yerba 
oommendo. 

599. In Mnemos. L 1. supplebam K^vrpoic (del) q>oiTaX^oiC 

621. Fr. tocoCtov dpxu^ coi caqn)v(cac ^6vov. 

lo. kqI TTpöc T€ TouTOtc T^ppa Tf)c inf\Q irXdvHC 
[beiEov tic Icrai ToXaiTruipw xpövoc] 

Deleto versa otioso, quo cormmpitnr stichomythia, intellige 
caq)Tivicov Tlp\ia x. L tt. Locmn emendavi in Stud. Grit i. p. Sc. 
Gr. pag. 95 sq. (Studia Critica in poetas scenicos Graecorum, edidit 
Academia regia disciplinanim Nederlandica Amstelodami ap. C. 6, vaii 
der Post, 1872, insunt duo fi*agmenta Aristophanis inedita). 

664. caq)üjc ^TTiCKT)7TT0uca Kai jüiu60Mp4vf| 
spurium esse ostendi Muem. 1. 1. 

685. In Mnem. 1. 1. correxi cu GdXTie pro CUVOaXlTC. 

692. djLiqpdxei Kfevipuj ipuEeiv i|/uxdv. 

Biudorfius reposuit ipuEeiv. Mihi propter K^vrpqi apUua 



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Emendationei Aescbyieae. 



123 



videtur vuHeiv. Nam vOxTeiv ept Kevieiv. Hesychiu« vuTiöiitvoc: 
K€VTOU|H€VOC. Litera iji nata est e sequenti vocahulo. 

728 pro dc|i^VU)c more Aeschyleo et fere antiquiorum scri- 
peezim ficjuevat Cf. 23. 395; Pars. 736. 
885 sq. In Mnem. 1. 1. conieci: 

OoXcpol hk \&foi trrdouc' elicQ 
CTUTVfic TtpocKpoufiactv dn|C 
Tal irpocKVücjiiaciv, pro rrpöc Ki3|Liaciv. Ininm cometnm ett 
notfiouc* pro irrcrfouc'. 

924. OaXaccfav re rn^ /nvdicTcipav [v6cov] 

TpCaivaV; aixMf|v rfiv TToceibtS^^ ocebqt. 
Nöcov oomotori defioiontenL pedem siq^ipleiiti debeii tnspicor. 
^tam font ßd6pu)v yel ir^bou. 

1013. aäeobfo rifi q>povoOvn pfi KoXuk 

oM{ KoO* aihfjv oOöcvöc MctZov c^vci. 
(Mbevöc fi€!Zov noto xau signifioai irdvnuv dXdxtcrov. Qoia 
▼ero Meroaxius demoiutrare Tult nihil esse Promeüiei airogaatia 
, imbeoOliiis (drdp cqwbpOvct dc6€V€i co<p(cMan), proivas non 
asBaqaor quid Dhidorfium morerii, nt h. L redperBt iufelioein Staoleii 
oomMtazam fietov. 

1034. Mn^' auOabiov 

eOßouXiac dficivov' f|T^q} itot^ 
Malim in generali eententia neutrum genns dfietvov. 
1085. CKipTf b* dv^Muiv 

irvcOjiiaTa TrdvTUJV crdciv dvriirvoov. 
Sic baec Terba constituerini; deleto non tantiim onm Dindorfio 
diioÖ€iKvO^€va, sed etiam gloesemate ek dXXi^Xa 

Ad Septem, o. Thebas 

• 

Ys. 29. Insigni errore, qnem in lexico Aeachyleo xepeüvit, Din- 
dorfius scripsit vuicn|Topi)c6ai (sie) pro viiicn|TOp€tcOaL • 

43. Toupoc<patoCvTec ic ficXdvberov cdxoc. 

Pimotiim temporis non dubito quin Taupoc9aYoCvT€C sit glosse- 
ma genninae lectionis |UTiXoc(patoOvTec , quam b. v. iocnlariter ad- 
bibens servavit comicus in Lysistrata vs. 187. Tnterpretamen tum 
provocavit sequens raupe (ou q)övou. Mf^Xa tragicis non sunt, ut 
Hörnern, oves tantum et caprae, sed KOivuuc — Travia id TeTpairoba, 
nt est ap. Hesychium s. v. Cf. Dindorf. in lex. Soph. s. v. Res non 
polest melius demonstrari quam fi-aenTiento Niobes (fr. 155), ubi 
^r|Xuuv commemorantur ^UK^6Moi Kai ßpuxriMaia. Perperam igitur 
idem Dind. in lex. Aesch. ^fjXov ovis interpretatur. C. A. (= com- 
mentatio Amstelodamensis, i. e. Verslagen enMededeelingen der 
koninklijke Nederlandsche Academie van Wetenschappen, 
afd. letterkunde, 2de reeks. deel V). 

141 m. Mnem. 1. 1. una litnra delevi verba ceOev d£ aVaioc 
tCYÖvafiev ut ma^estnm glossema verborum ^^vouc irpo^dTiup. 

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124 



H. TM Herwerden: 



196. K€i fiifi TIC dpxflc Tfjc i^f\c dKOucerai — 

i|if)<poc KOT* auTuiv 6Xe6pia ßouXeuceTai. 
Gneonm esse nego ßouX€U€iv i|ii)q>ov. Deleto interfiretaiiieiiio, 
subsiitiiani: 

i|;fi(poc Kar' auTUJV öXeOpia bioCccTat. 
Heqr^hitts bioiccTai: biaKpiOrjceTai. Vid. Eurip. Or. 49 et 1652, 
et saepe ita scriptores pedestres. Vulgatae adTeraatar quoque pro- 
xime sequeng ßouXeudTU) in eadem eenarii sede podtoiiL 
220. ^TTlbOlfAl Tdvb* 

dcrubpoMOUjit^vav nöXiv xal CTpdT€U|i' 
dTTTÖ^evov TTupl hcSn^. 
Quis non potius credat ipeam urbem dioi a poeta oonflagrari 
quam oiYeB! Coniecl: 

Kai crpoToO 

baTTTOfievav TTupi batuj. 
Cf. Prom. 368 et Iliad. Y 183. Ita vero, ?el ai non sonpserim, 
intellexerini certe: cxpaioO — TTUpi baiou. 

333 sqq. Impngnata Weckleini (Aescb. Stud. p. 56) con- ^ 
icciura, locum conclamatuin fose traotavi in Comm. Amst. et aio 
tentavi, ut scriberem: 

KXauTÖv b* dcTubpö)aoic 

uj^öbpoTrov Tove'iJuv TTpondpoiöev bia^Aei^/ai 

bujjidTiuv CTUTepdv öböv 
hac senientia: Miserum est,"immaturam decorptam ab hoste 
(puellam) ante ora parentiim ex aedibus paternis abduci in 
servitiitem. Veiba autem biajueiipai — öböv interpretor: pro 
aedibus odiosam viam commutare, i. e. pro felici xrita in domo 
paterna abduci in .serviiutcm; ut dixit Euripides Iph. T. 398. 'Acii^- 
Tiba (taiav) EüpiÜTTac biaficii^ac. Cf. Dind. lex. Aesch. Add. 
P.426A. 

375. Xe'TOifi' uv eibujc eu id tüljv tvaviiiuv 

ujc T* ev TTÜXaic CKacToc eiXrixtv irdXov. 
Collatis locis vs. 55, Eurncu. 32, Pera. 187 facilis snspicio est 
reponeudum esso TrdXuJ. Aut hoc verum est, aut poeta dcderat: 

ujc t' TTuXaic ^KttCTOC ^C7raK€v TidXov, 
ut scripsit in Agamemii. 333 

ujc ^KttCTGc IcKttcev tOxhc irdXov. 
Ita eiXnX^v foret glossatoris. Vid. 423, 451. 
432. ix^i hk (Capaneus) cnf^a t^MVÖV ^bpa irupqpopov, 

q^X^T^i b^ XafLiTTdc bid X€potv ibitXtCM€vii. 
Yerins Tideinr diirXicjuevifi, seil, rqj dvbpl Xa^itdbi. Eorip. 
Baoeh. 732: 

liTec0€, eOpcotc bid x^P^S^v d)1rXic^^vaL 
Aesohylns ita soripät pro dymXiCTai btd x^pu^ Xofiiv^ 
(pXcYouciri. Ynlgatom non tnetur locus Enripidens es lone 998, cnios 
alia raÜo est. Simile .vitiam infra Tidebimna ad ClM)oph. 732. 



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125 



435. TOiujbe q)UJTi ni^ne Tic HucirjceTm, 
Dindorfius delet-o TT^fitre post TOiiube inseruit Tiube. Post TOitube 
nihil deest. Cf. 499 TOioöbc q)UJT6c Tteipav eO q)uXaKT^ov. Qua- 
propter praefero lenijssimam correctionem, quam proposui inExercit. 
criticis p. 94: TOitube (pujTi b' eiir^ Tic HucTrjceTai. De Tic in 
oratione indirecta pro öcTic dicto cf. Lex. Aesch. p. 375 B. 

562. Getuv GeXövrujv b' av aXiiOeucai^* i-fib. 

Vulgo recepta est Wellaueri correctio qui, metri gratia tnins- 
posuit öv b*. Valde dubito nura recte, quoniam particula ctv, quao 
ad optativum pertinet, sie male iungitur cum participio. Insuper 
praetulerim. h. 1. merum optativum modo conditionali. Utinam, 
Yolentibas dis, vere haec dixorim! Quare conieci: 
G€U)V GeXövToiv, laui' aXTiGeucaiju* ifw. 

678. bic T* dv TeXeuTri touvo|u* dvbaTou|Lievoc. 

Recte in Studiis criticis p. 2 corrigebam bicc^ TeXeuTr), 
i. e. nomen Polynicis duplici terminatione dividens. Schol. eic buo 
biaipuiv TÖ övofitt ToO TToXuveiKOuc, tö ttoXu Kai tö veiKoc 

622. Vid. infra ad Choeph. 581. 

695 Et. (piXou Totp l\Qpa jaoi Traipoc idXaiv* dpd 
HripoTc diKXauToic ömaaciv TTpoci^dvei, 
XcYOuca K^pboc irpÖTcpov ucTtpou juöpou. 
Int^rpretandum arbitror: commomorans lucrum posteriori 
fato Cseriori morti) praeferendum. Adigit nempe patris impre- 
catio Eteoclem ut, dummodo frater sua manu pereat, longiorem vitam 
vilipeudat. Ambos enim alterum alterius manu occisum iri Üedipus 
praedixerat. Saepius autem npÖTCpoc et Tiporroc Graece siguiiicare 
potior, potisßimus notum est. 

720. TTe'qppiKa tciv tuXecioiKov Beöv ou 9eoTc Ojuoiav, 

TTavaXaefi KaKÖjaavTiv, iraTpoc euKTaiav '€pivuv. 

Suspecta est producta in altere versu extremi pedis lonici prima 
syllaba^ non correpta praecedentis pedis ultima. Quare Aeschylum 
h. 1. (quod in plurimis adiectivis trium terminationum tragicos per- 
misisse sibi constat) adiectivum cuKTaToc commune fecissc suspieor 
et scripsisse: TTttTpoc €\JKTaiov *€pivOv. Minus recto DindorHus 
virgulam posuit post TravaXaGfj, sino distinctione coniungeus oO Oeoic 
öjioiav TTavaXaGn. Nam xaKOinavTic pocul dubio hic est substantivum 
arcte iungendum cum TravaXaGfi, nimis veracem Yatem male- 
rnm. Cf. dXriGöjiavTic et H;eubö|iavTic, alia. 

772. Tiv' dvbpuüv fctp tocövö' dGaujuiacav 

Geoi KOI Euve'cTioi 

TTÖXeOC Ö TTOXußOTÖC T* ttiwv ßpoTiJuv; 
Ifane? di Oedipum admirati sunt, qui hominem persecuti sunt 
per totam vitam? Conieci : 

H^voi Ktti HuvecTioi TTÖXeoc 
i e. iam peregrini quam cives. 

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126 



H. van Herwerden: 



0 



810. ßapea b' odv 6\nuc q}pdcov. 

Li Gomm. Amst. malebam h* dvO* pro b' o$V. 

849. bmkaX jiiepijivat, bibu)Li' dcTavöpca- KOicd 
adTÖqpova, bijiiopa T^Xea rAbc irdOrf- 

CoUatis 788. 893 et'938 conieoi dvricpova, (|uocl fortasse legii 
yeias intenn^B ad h. L expUouu dXXtfXoKTÖvot T^p ^t^vovto. 

Quae legnutor inde a vs. 1005 usqne ad finem si onusiBBei 
poeta, melius prospeiisflet aetioniB nnttati. IIa hoc drama oommis 
tonninaretiir, ni Penae. Aeflohyli tarnen ezemplimi eeeotne ert in 
Fhoenissis Earipides. 

AA Fezsas. 

Ys. 166. TaOrd |yiot bmXf) piptfiv* ibppacTÖc dcnv <pp€dv» 
fi^Tc xpnMdruiv dvdvbpuiv icXfiOoc Iv Tijif c^ßctv, 
dx^^nM^TOict Xdfiirciv <pu»c, 6cov cO^voc ir&pa. 

Ita dura et inelegans est haee stnietazae inaequalitas, qua in 
eadem sententia eontnagitiir yerbnm tnuisitiTiun eom intraasUiTo, 
ut prius in mendo oobare snspicer. Pro c^ßetv ^ptam foret irpdireiv. 
Yid. Bind. lex. Acsch. s. y. 

173. €u TÖb* tcGi, rnc dvacca rncbe, mt) ce bk cppdcoi, 

^ifjT' Ikqc |iif|T' £pTOV, «Ifv dv buva^ic f)T€Tc6ai O^Xq. 

ManifeBtum esse arbitror poetam pro qppdcai dedisse futnmm 
(ppdceiv. Quod sequitur div f|T€ic6ai tarn inepte dictum est, 
nt hodieque Innge praeferam quod olim conieci in Exeroitationi- 
buB criticis: u)V öv buva|Liic y* ^Miv xeXeiv. 

250. TToXuc ttXoutou Xi|uf|V. Conieci ßaGuc CA. 

329. TOiuivb€ Tttivb€ vOv uiTCjyiV^ceiiv iT^pu 

]f entionem facere de aliqua re Graece non aliter didiar 
quam ^in|AVnc6f)vat (s. livricOrivaC} tivoc s. ic€p( tivoc. Composltam 
^OMVncBilvat ne admittit quidem praepositionem irepl Correzerim 
igitnr: 

TOiOuvbe Tiivbe vöv direiuvricGTiv tr^pi. 

380. idHic hk Td£iv irapeKciXei v€wc juaKpäc. 

NaCc jLiaKpd collective dictum pro classe valde suspectum est, 
saltem siuo exemplo. Omnino vero feicndum non videtur in hac 
Terborum compositioue. In £xerc. criticis p. 95 reqnirebun et 
nimc requii'o veujv juaKpujv. 

701. Pro X^Hac correxi XeSuuv Mnem. 1. 1. 

725. 960 M^TOic TIC fjXee baijaujv, ujctc jaf) (ppoveTv KaXuic. 

Depravata esse verba Tic fjXöe studui demonstrare in C. A. 
Emendatio est incerta, quia plura apta se oflferunt. Nam loci ratio 
admittit tarn cqp' ^TrfjXGe quam cq)' Active aut Tic t^tc- 

829. Ttpöc TaÖT* dKeivov ciuqppoveTv kexpuM^vov 
mvucKeT* euXÖToici vouGeTr|juaciv 
\f\la\ GeoßXaßoövG* u7T€Pk6ituj Gpctcei. 

Qui sapere ipse cupiat, hunc hortari nihil opus est. Quapropter 



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EmenMioiiM A«MhjUM. 



127 



oalidiofl, me indioe, IHndorfiiis haaoleetioiMiii reeepit pro MecBoei libri 
et apographomm scriptnra Teriieiiiia K€X|>f||i^vot, L e. Xerxem 
Bi Tiiltis ■apere (resiinsoere). Inani Iota Weekleiniiia: 
irpdc toOt* ^Kctvov vovOcrcfv iccxpnM^voi 
mvöcKCT* cdXdyoia cuiippovicfiaciv. 
899. Kai TdK ekredvouc mtä icXflpov lodvtov noXudvbpouc 

'6XXdviuv iKpdTuve ctpcT^po^tc q»pedv. 
Soloeee pronomeii cqi^tepoc ad umiii bomlnem relatnin, ipös 

enim h. e. poeticnm ^Kpdruvc nemo 
fiuale cum Hermaimo e pedeetri ^Kpdrci depraTatmn eeie etatiMl 
Nvper in lonis Eurip. editione mea proposni: 

'€XXdvu)v ^KpdTuve coqpaTc qppeciv. 
Opponitur antem per totem Mnlam Dani pmdentia ao Bapieatia 
Xends levitati et arrogantiao. 

922. axal^i rdv dTToCciv 

4Pov HepHqi KTa^^vav Aibou 
cdicTopi TTepcav* cj^boßdrai fäp 
iroXXol 9d»T€C, xSiiMC dvOoc, 
To£obd^ovT€c, ndvu Tap<pik nc 
Muptdc dvbpd^, £E^<pdiVTai. 
Ita Dindorfius e Passovii comectnra edidit pro oormpta codids 
ßcriptnra dybaßaTai. At parum eleganter dictum est me iudice 
^iboßdrai — ili(pQ\\ja\. In C. A. suspicabor in APA AB AT AI tres 
primas Hieras dittographia natae esae e saperscripto AlAou, qnibas 
resecüs corngendom OBse: 

flßatai fctp KT^. 

986. fTepcaic drfauoic Kaxct TTpOKaxa Xeteic. 

Vehementer haec vox tornit interpretes. Stanleio Kaxa rrpOKaKa 
ßunt mala malorum praesaga, Schiietzio mala pracscutia, 
Todtio mala pro malis orta et suscepta. Nulla harum inter- 
pretationum nec huic loco ncquo infra vs. 990 prorsus convenire 
videtur. Rectissime Diudorfius in lexico exposuit valde mala. Prae- 
positio TTpo in hac compositione vim habet intensivam uon aliter 
quam in irpöirac et TTpotuXrjc. 

10Ö3. pe'Xaiva &\x}Ae}i\h^iai 

Ol, CTOvöecca TiXaT«. 

Ita Dindorfius recte pro dv jueuiEexai, sed praeterea manifeste 
corruptum est ^eXaiva. üna literula mutata cxibit vera scriptura: 

MdX' aivd b' dfijuejuiteTai kt^. 

Alvd adverbialiter pro alvüuc, ut recte aupra vs. 576 äXoc 
aivd pro dXi beivd couiecit Diudorüus. 

Ad SnppUoea. 

Vss. 34 sqq. sie interpnngendos muuui in CA.: 
£v0a XaiXam 

XCtMWVOTUirifJ, ßpOVT^ CTCPOTT^ T* 



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128 



H. van HerMdflii 



öußpocpöpoiciv t' dveiioic, axpiac 
dXöc dvTr|cavTec öXoivro. 
Intei*posita enim virgulis continent descriptionem XafXcnroc 
X£iM^voTU7TOU. Ni feceris, dv^fioic post XaiXairi turpiter abundabit. 
116. \X^O)im jii^v 'ATtiav ßoOvtv 

(Kopßav* etöi»&v eu, t^, Komtc) 
noXXdm h* d^irirvu» £(hr Xoid^ 
XCvotav fi Zibovdj^ KoXÜTTTpqc. 
Our Danaite tarn fidenter dionnt Pelopoiiiiesiim eallm htuc- 
bamm atrmoiiam? Gogitaatae Pelopem Phrygem in ea tnra renmi 
quondam petitain? At neqne reote oondadi inde potuit, mm ignotas 
foisae Peloponneso linguas peregi-ioas, neque ea acaentia ab Aegyptiis 
pnellia expectah poteai Ne multa; nmotia nadaia, ooixeiarim: 
IX^OMat )kbf *Aidov ßoOvtv, 
xapßdv* oöbdv el, t&, «owetc irri 
Le. propitio mihi Apiam terranii ai peregrinam sermoaem, 
qao preeea meaa faado, o tellaa, iatellegia. 
Eod€m errora ia Agamemaoae vs. 500 ediiur 
cO npöc eO «povcia irpocO^ni irAot 
ubi, quod Tocala cl abandat (aam irpocOilpcn ia aialam paxtem acdpi 
iM aaqait), reqniro: 

€l kt1| L e: ntiaam eaiau 
Daaaoa e looginqao prosinoieBa ArgiYornm oc^naa appropia- 
qaaaies, haac facit coniecturam: 

184. Tax* &v irpöc fj^dc Tf)cbe flic dpxnt^TOi 

dirTf)p€C elev dTT^'X^v 7T€^^JC^evou 
Ataecsatiaxeotodioi patavarim 6imf|P cifütt irpöc riva, nec satis 
fere caasae erat, cur ipsam regam venire siispicaretur. Potius credas 
aam aaspican regem mittere apaoalatorea. FaciUima corraotio focat: 
öiCTi)pac eUv, i. e. ii^i|feiay. 
At aaqae Wvm tragid (mora Homerico) pro TrefiTreiv de 
personis asurpasaa ^idaatnr, aaqua öicTi)p€C aoa tuetor gloeaa 
Hesychidua. Loeam igitnr aMorma eoiaa aoauaando. 
247. Danaos ad regem Argivoram: 

ifth hk TTpÖC TTÖTCpOV U)C 1x1]^ X^TIU, 

^ TTipöv nepou (sie) pdßbov, f| TtöXtiuc dfov; 
Sic codex. Dindorfius pdidit ipoö reliqua intacta rclinquens. 
Admodum vero probabilis et paene certa Semper mihi visa est 
Schuetzii coniectura latere lepöpaßbov, sive Ipöpaßbov malis. Qnae 
ei vera est, consentaneum est sub vocabulo non Graeco Tt^pov deli- 
tescero substantiviim cum illo adiectivo coniungeudum. Olim ia 
Exerc. er it. p. 109 e THPON leni manu elicui PHTOP, L e.: 

f| pT'iTop' lepöpaßbov, f| TTÖXeujc dtöv; 
an ad oratorem sacram virgam gestautem, quemadmodum 
poetam grandiloquum appellasse suspicabar TÖv KripUKO, caducea- 
torem, memor Eomanos quoque anüqaiores iegatos Yocare BoUtos 



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Emendationes AeschyleM. 



129 



esse oratores. Post sedecim azinös nondum video quid obstet huic 
coniecturae. 

390. bei TOI ce (peufciv Kaxoi v6)liouc touc okoBev, 

ibc ouK exouci Kupoc oubev ä^cpX coö. 
Oberdickius „aus der Gerichtssprache, sich vertheidigen, litem 
eflfugere, erweisen." Unum cedo exemplum, ubi cpeufeiv in iure 
Attico aliud signilicet quam reum esse, accusari. Numquam 
dgnifileat se defendere, nedum probare. Equidem verum esse 
puto, mutata interpunctione : 

bei Tol c€ (paiveiv, miä v6|liouc touc oikoOcv 
die atk Ix^vcx xOpoc oOb^v ö|Liq)\ coü. 
Danai filiabue probandum est in Aegjpto bac in re alias vigere 
leges quam in Griiom. Cf. Ex. orit. p. 109. 
407. bet TOI poOcCac (ppovrilioc cumipiou, 
5{ici)v KoXu^ßnTTipoc ic ßu06v MoXcfv 
bcbopKÄc 6fijLia ^tib' [aTav] (jjvufi^vov. 
Abtvxde additor drav, quari poeta diim Toliiiaaot nihil 
ftrignam ocolomm caligatUmem. l^beriTOOiilamUbnriia defidentem 
pedem explentibna roote stataiflse mihi tidaor in G. A., aed aim- 
pUdnB et meliiis qoam ibi fad locum hodie aao redintagrarim: 
bebopKÖc (IxovTa) jiiiib' lj'vu)^dvov. 
466. fixouca Koi hiyoic dv* od fie q>eOS€Tau 
Arofioumaimain WeUii ezpEoaüAnam: et haeo andiTi neqne 
reliqna me fngient repadians, teneo qnod ibidam conied: 

dKoOco^ai* X^TOic dv icri 
434. ^xfi* diioppupOQ Xdioc 

4moO* Kor' dpxQc qNXdTioc Xeuic 
Gned aennonia nana et ratio poetulat i^6c. 
469. Tofc ficcociv icdc Tic eövoiac qi^u 
SabstantiYum cövoia non habet pluralem nnmenini, nee locna 
aat genetiTO. Me igitor d andiaa, eOvDiac, memm est seribae 
c^dX^a pro euvoiav, natum e scriptura eövoiä <p^p€i, oonfaaia, qnod 
eaepe fhetom, liieris qp et C9. Cf. Choeph. 243: 

TTtcTÖc b* dbeXqpöc fyA* ^|iol c^ßac <p^puiv. 
612. Rex. cuqnfiov ein touttoc edqnifioufi^vq. 

Chor. ouToi Tt eaöjüMi 5uc9op€iv (pöpqi qtpevöc 
Begü dioti ratio magno opere oomnüondat quam olim protoli 
ooniectnnun piobatam Heimsoethio: 

oGiot Ti OaOjyia bu cOpoetv qiöpqi q>p€v6c. 
Adieetiyo buc6poo€ Aeaohylaa nana eat in Peraia m. 636, 
941, 1076. 

716. Danaus de adventantibus filüs Aegjrpti: 

KOI irpiDpa 7Tpöc9€v 6\i^ac\ ßX^irouc* 6b6V| 
oiaKOC iSuvTTipoc ucTOtTOu veiuc 
aföv KaXd)c KXuouca tüuc av ou cpiXr). 
Ita hodie, praeennte Hermanno, edi seiet pro oodicum lectione 



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130 



H. Tan Herwerden: 



TUiC &v, licet neque seutentia sit satis perspicua, neque tujc sie 
usurpari relative exemplis demonstrari poBsit. Solus Oberdickins, 
quod sciam, loci corraptelam agnovit. Ego iam alibi, nisi fallor, 
(ubi vero, iam non memini) legendnm esse snasi: 

drav KoXuic KXOouca, toIciv 9(Xn 
i e. nimis bene andiene iis (i. e. eomm iadido) qnibas non 
ett amiea (nolns), 8oiLip8i Danao eiusque filiabos. Quid soholiasta 
legerit ex eins ywUs: oOtwc b^ f)Miv, kXOouco toO oTcncoc, od 91X11 
den, non apparet, siquidem eodem iure interpnngas: oihuic b^ (se. 
drav KttXilk) f))iTv icX^uca toO oldxoc oö 91X1) dcriv. Sed panun 
rcfert: soboUa enun ad bane fitbnlam yalde reotonÜa «ne Tidentar. 

748. Chor. boptnoTitc b* ^xovrec icuoviiimbac 
vf|ac ^irXeucav ibb* dmTuxct köti(i 
nöXet fieXoTX^iip cihf crportl^ 

Mdneldas merito offensos Toce NÖTi|f ooniecit /Mqi Tel icpdTi|i. 
Nentnun prorans mihi snilioit, qua ntraqne tox iantnmmodo ad 
renugaiioneni, non aimnl ad velonun xunm nniTennmqne navigandi 
laborem perlinet Qnoeiroa eqnidem praeiolerim qnod etiam lenhu 
proposni in £xerc. orit p. III: 

vf|ac lirXeucav ibb* dmTuxei KÖirip. 

802. Chor. T^k Oavdv IXcuOepoO^m 9tXaiaKTuiv Koucurv. 
Harne codida scriptaram depravatam eaae com metri ratio (ef. 794) 
evinoeret, Dindorfius iusto andaciiis reposuit 9iXocTdvuiv eomeofcoTa 
prorsos improbabili et ab arte eritioa alieniseima, qnonian nemo 
librarias yocabiilam ab nan oommum non valdo recedens inter- 
pretatorus fuisset per vocem eximie poeticam. Hino mihi quidem 
longe probabilior anapieio videtnr, eorrectorem aliqaem, com in oodiee 
repperiaaet yennim sie scriptum : 

T<p 6av€ IV dXeuOepoöfiai 4>IAAI . . . QN xaKoiv, 
de numeris parum sollicitam ex ingenio aappleriaae qMXai(aiCT)uiVy com 
debuisBot <PIAAIAlQN i. e. 9iXaiX(vuJV, i. e. naeniis plenoram. 
AiXivoic KaxoTc dixit Euripides Helen. 170. Praeterea vid. Agam. 
121, 139, 159; Soph. Ai 627; Eur. Phoen. 1620, Or. 1305, H. 
F. 348. Quam facile aatem post Ai intercidere potuerint literae 
simillimac AI, cadit in ociilos. Si vero quis mero librarii errore 
(|>1AAIAINSN ex<t>IAAiAKTQN abiisse statuere malueiit, nonpugnabo. 

811. Xiici^d |i* öx^ifi' embe, ndTep, 

ßiaia )if] 9iX€ic 6puiiv 
ö|Li)iaciv dvbiKoic. 

Coniecta sunt 91X010, (paibpoic, crdpHric. Eqnidem praetulerim: 

ßiaia \ir\ qpiXuic öpuiv 
öji^aciv dvbiKOic* 
|jf) 91XUJC, i. e. ^xöpOJC. Adverbio noster usus est Agam. 216, 1581, 
1594. Verba ö^i^aciv dvbiKoic typographico errore deüderantur in 
Dindorfii edit. Vta poetarum ßcenicorum. 

940. fiex Axgiyorom ad Aegyptiadarum praeconem: 



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EmendAtiones Aetobyleae. 



131 



TttuToc h' ^Koucac plIv kqt' euvoiav <ppevuiv 
üTOic (5v, €iTr€p euceßfic 7:1801 Xötoc, 
Toidbe bfiiiÖTrpaKTOc TröXeiuc jiia 
\^f\(poc K^Kpavrai, jirjTTOT* dKboövai ßiqi 
CTÖXov fwvaiKÄv. 
^Danai filias, ait rex, volentes quidem abducas, sed invitas non 
licet, ut suffragiis suis cives unanimes decreyerunt*' Apodosin 
autem poeta yariata, quod saepe facit, oratione ita m^otniayit, at 
dioeret „at tmanime populus sciyit pnellas tradendas non esie 
invHiB''. Quapropter m» indioe «di oportnofat: 
Tofa hk ttvidirpencToc ktX. 
950. TcOt \xky rdö' ^bn iroX^^u dljpccOon v^ov* 

ik vdcn KcA Kp6roc lolc dpceav. 
In Comm. Amsi impugnata Pononi oonieetora, quam Dindoifinfl 
recepit, oonieei: 

Tc6* o5v i6ib* fibr\ icöXcmov (4p€c6at bioy 
sm Toonlam flbt] ad IcOi ovo ad atpecOcn trabendam pnlas. Et 
vioDf tta d«Dimn recte liaberat, ai Aigivi nnper aUa beUa gessissent, 
q[aa de ro nnUa wt m hac fiibola nuntio. Eadam da eanaa anspectam 
habao acziptoxam anpim t& 841, nU i«k ait: 

pop^a t* ctirac ndXcfiov cdfpccOoi vlov. 
• GoUato avtani va. 439 aoribi poaait: 

pap^a cö T* Chirac icöXefiov «TpccOai ii^tov — 
ant lenhia v^otc, l e. Aagypti fifiia, memoratia in verau pfaaoedantL 
Getaran Wov iI^u) in ore ngia non aaqna inaptnm aaae ao hie in 
ore oadooeatoria, yix est quod mooeam. 
994 aq. tentayi in Comm. Amat. aio: 

Trfic b* )li€to(k4i T^uiccav cötukov 9op€i 
Kcocfiv, t6 t* elTTCiv €Ö CTUTcT iLiucaTM* öttuic 
et bene dicere piacali instar odit. Iniuria autem ibi baeai in 
van ptaepositionis dv. Cf. Dind. Lei. Aeaeh. p. 118 A. 
996. \}\iäc b' dnaivw Korraicxuveiv i^i. 
Ubi ^iraivuj ponitiir pro irapaivw, reqnirente ipaa rai natura, 
z^t datiTom, nt recte iegitnr Choeph. 58: 

öpTv b* diraivuj rX^J^ccav eütpitfiov q)^p€iv (L q>opetv). 
Logo antem Enzipideo Andrem . 552: 

äXX' dvqßiiTnpiov 
fnb^f\y p' dnaivui Xajußdvciv 
genninam lectionem esae pevotvui, cupio, dudnm monu. 
Qoare Aeschjlo hic reddere non dubitem: 

i&fxTv b* ^TTaivuj nr) xaraicxOveiv Ipil 
ibpav ^xoiicaic Tif|vb* iiricTpeirrov ßporoic 

Ad Agaanenmonem. 

Va. 10. u»b€ f&p Kpaiei 

tuvcuKdc dvbpößouXov iXnU^ov K^ap. 



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132 



H. Tin Hunrofta: 



Lioet iam Ffaiynioliiu (Bekk. Am p. 19, 23) T«rba sie serqvta 
legisse Tideator oommemoraiiB qiuntniiiviB neglegenter dvbpößouXoc 
Tuvif|, nesdo tamen an gemünaiii lectionem ante oouIob halmeiit 
graminatioiia, cni HeByohü lexieon debeat glotaam dvbpöXfifiov: 
dvbpöc ^xovcav Xf||uux, vi ad himc Aeaclijli loonin referens bene 
codids leäioiieni dvbpoX^T)V «miodttnt doetna HeByobii editor 
MoriaiiiB Scbmidi SimiUier anpra in Septem ya. 43 fyiiiXo- 
apaToCvT€C Tidimua oeaaiaae glmwemati t aupoc<paTo0vT6C HoHator 
aateoi Phrynidii «mmpliim et uiiiTena Tetenim grammaticonim In- 
onriSy ne Scbmidtio obtemperemua In Heaycbii verbia pro IxiAKWß 
snapioanti ^xov. 

36. Ta b' dXXa crr<d icri 

Yaa. 36 — 39 longe aptiorem locmn nanciscentur, si mecam 
transposneria atatim post vs. 19, ubi custoa tetigit triBtem renun 
oonditionem. Quo facto et tocabula Td b* dXXa habebimt quo refe> 
rantur, et laetiora moesta exceperint ad finem oiatiomB usque continuata. 

26. Exclamatio U>0 ioO utique tnnaponiiida atatim poat ya. 22. 

62. iToXudvopoc ä^(pl TuvaiKÖc. 

Kaxatemia, qiiod eo aaltem tanq^ore chorus Helenam multoram 
maritorum uxorem dtcere non poaaet, cL djLupiveiicf| va. 686 

coniecit d|Li<pibr|pioc. Si quid mutandum, nec potins aoquiescendum 
Scholiastae interpretatioui Tf)c noXXoüc fiVi)CTi)pac ixouciic, eqnidem 
oorngere malim: 

XiTiecdvopoc djuqpi TuvaiKÖc. 
Non ignorabat Aeacbjliis, ut opinor, nobiliaaimoa Steeicbori 
ex ürestia versus: 

Oüv6Ka Tuvbdpeujc pe^ujv ttot^ ttuci ÖeoTc 
Houvac Xdöex' T^Tiiobuupou Kuirpiboc* Keiva b* dpa Tuvbdpei« 
Koupaici xoXiuca^eva biTOfiouc t€ 
Kai TpiYu^ouc TiGrici Kai Xiirecdvopac 
78. ^Apric b* ouK evi x^9<h 
Dudum scribendum proposui: 

"Apei b' OUK ^vi x^P<*7 
i. e. nec Marti locus est (in pectore puerili).^ Et sie novissime 
GübertuB. 

106. ^Ti rdp 9e60€V Kaianveiei 

ireiOd) lioXTTdv 
dXKdv cufjqpuTOC alu)V. 
Pci*peram ex mea aeutentia reeepta est a Dindorfio Bothii 
coriectio dXKa, quam uo satis quidem intellego. Quidni enim dXxdv 
sit appositio praedicativa verboruin TreiÖuJ lioXirdv? C'arminum 
buadam suum robiir esse pulchre dicuut seueü. quid mutaudum 
foret, equidem luiige mallem: 

dXKdv cu)iqpuTov duiv 
i. e. robur nobis proprium, quod iam Heathium proposnisse docet 
me editio Blomfieldiana. 



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EmencUtio&eB AMobyleae. 



133 



127, irdvra hk TnjpY<Juv 

KTr|vr| TTpöcöe id br|Mi07TXTi6fi 
Moipa XaTToHei -rrpöc t6 ßiaiov. 
Quod editur irpocGe id nihil praestare codicis scripturae 
TTpocOcxd facile est agnoscere. Interpretes si audias, 7Tpöc9€ id 
brmiOTiXriGfi significat, bi Alusis placet, id TTpöcOev UTiö Tou br^ou 
TcGricaupiCfieva, quasi articulus ita traici queat, ut taceam irpöcGe 
tnrpiter abundare. Quia autem turrium (i. e. muri) nnllae sunt 
possessioneB, atque requiritnr notio rd ^vt6c tutv Tnjptu^v, scri- 
bendnm coniflia: 

trdvTa bl irupYUiv 
kt/ivt) "vT0c8e Td bi|M<<>iF^n^ 
Mof0a XairdSct icpöc tö ßiaiov. 
TTupxuiV €vTOcO€ iiiuiMronim ratio coniuBgere Tetabat poetam. 
Sed ^de quam longo mtemllo y. c inte m 1067 (idqne in ipso 
dialogo) yocola ndpoc a regimma sao dutet 

Idem Toeabnlöm Homarieoai Blomfieldi», iiibeiite metro, pro 
MoOev reftitnit in Penis, tb. 992. 

Yarba seqaentia miserrime habita sie tentaYi: 

oTov ixfi TIC dra OcdOev icve<pdcir| irporim^v (?) 

cröjyuov fiifii Tpoiac. 
CTpaT<j> (pavcictv t^p McpOovoc ^Apr^iuc drvd 
irravotciv Kud mtrpöc, 

a^droKov irpd Xöxou Morepdv irrdica Oiio^^voict. 
Ynlgo sine sansn: Tpoiac CTparuiO^v. oTKip Tdp ktL Da 
TOGola T^p posita in sede tertia, nbi dno prima vocabnla arele eo- 
baereant, consnlas Diadoifii lexicon Aeschylenm pag. 65 B. 
164, Olk Ixu) TTpoceiKdcai irdvr* ^7TiCT06Mii&H€V0C 

iTXf)v Aiöc, €l TO MdTav dird qppovrSboc dxOoc 
Xpf| ßaXeiv ^TiiTUjiAUic 
Haereo in fidrav, qnomam omais molestia, nbi semel vanam 
et inanem esse cognoveris, sponte sna animum zeUiiqnitb At in 
codice Mediceo non sie legitur sedTÖbcfidTav, qnod primns mntavit 
Panwios in t6 fuirav. Equidem latere orediderim: 

€i Tob' dtav dirö qipovTfboc dx6oc 

Xp4 ßoXeiv dTTlTUpU)C 

Cf. f) ^av \\mi\, — citVi, — cihrpaSia, ot IkffVi irdvot, cd 
dxav TpoqHXt, Bimüia apad tragic^s. 

3^9. TÖ b' €0 KpaxoiTi, jnfi bixoppÖTTUJC IbeTv. 

TTOXXUJV TOIP ^CGXÜÜV TTjV ÖVTICIV eUÖjiT]V. 

Pamm proficimus cum Hermanno corrigentes Tr|vb€ pro Tf|V 
aut Trjbe cum Heimsoethio. Utroque enim modo vitiosus restat aoristus 
CiXö^riv, nec satis clara tit loci sententia. >5isi egregie fallor, 
Clytaemnestra hoc dicit: multorum bonorum, quorum Troiae excidium 
causa sit, nullum fore fructum (övTlciv), nisi Graeci salvi redieriut, 
itaque fausta fortuna imminenti ab iraüs difl pericnlo praevaluerit mani- 



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184 



festo biX0f>(>6iTUic ibeiv). Quapropter corrigandum esse sospioor: 
TToXXujv rap ^ceXöv Ti\v övnciv e(}xoMtti* 
Qaod coniecit Madüyus elxov &v et soloecnm est pro ixoi^i* 

&V, neque aptum. 

541. ujcT* dvbttKpueiv t* 5^^aclv xopac utto. 
Collato vs. Euripideo Orest 1122 (üjCT*dKbaKpöcai Y'^vboGev 
K€XoipM€VTiv) , ubi eadem est in libris wietas, h. 1. praetolerim 
Triclinianam lectionem ^KÖaKpueiv. 

551. £u ydp TT^TTpaKTai. lauxa b' ev iroWifi XP^Vifi 
id |i€V TIC äv X^Eeiev euTieTUJC cxeiv, 
Td b' auTe KdTTijao^qpa. Tic bi 7TXr)v Oeuiv 
ctTTavT* dirrinujv töv bi' aiujvoc xpövov; 
Karsteni coniecturam pro depravatx) TttÖTa reponentis xauTd 
vanam esse arguit sequens tq )h^v — Td bi. In C. A. recte correxi 
Trdvxa, quod supra quoque ad Prometb. vs. 275 siinillime in lauTd 
abiiäse vidimiis. Hanc meam coniecturam Dindorfius commemorans 
in Lexici Aesobylei addondis p. 430 A ipise mavult TToXXd, ingenti 
mutatione et me iudice minime necessaria. Quidni enim praeco cauaae 
Buae inserviens, rem paululum ezaggeret? £t pro ndvTa militant 
sequentia xic bk — xP^vov; 

556. CTTapvdc irapri^eic Kai KaKOCTpiÜTOuc. 
Sub vocabulo non Graeco et manifeste depravato sine dubio aliud 
latet, quo somnus significetur. Quam rem qui primns animadvertit, 
Keckiuä infeliciter reposuit vocabulum invenustiätiimuin bcnbens: 

CTTapvdc T€ yi-^ieic 
Equidem certe longe malini: 

CTTapvdc T6 ßpiHeic kt^. 
Verbo Homerico ßpiZeiv Aeschjlus supra usus est vs. 276. 
670. t\ touc dvaXu)0^VTac dv i^ncpiu X^yciv; 

TÖV IfSma b'dXteivxpn fuxnc noXiipcdTOü. 
In bis reMa nec gnunmatioa eonstei nee sententia. ütriqne 
sfttisfiet bae lenissima mutatione: 

tC toOc dvaXuiB^VTac vWi9M^ X^t^^v 
TÖV Id^vra KdXrctv xpn Tuxnc itoXitkötou; 
L e. t( xp^ t6v IfSma iy M/r)cp4i X^t^iv toöc dvoXtuO^vrac xal 
dXtelV Tijxnc iraXiipcdrou; (bonun seiL, quo ipsi quoque tanguntor 
noersiitee tristem sooionmi sortem). Deinde qid seqnitmr Tenueabu 

Kai iroXXd xatpciv cu((q>opdc xaToSuS) 
abesse fere maUem. 

684. del Tdp l|P4 TOic t^pouav cd gaOetv. 
Omnino probaada videtnr Eqgeri eonieetara voOc pro TOtc 
Sed insnper viLde mibi dispHoet cd, qoo deleto, legerim: 
del Tdp voOc lipouci fiavOdvetv. 
Postquam )LiavOdv€iv in |iaOeiv aÜerat (perpetna emm est in 
libris confusio infinitiTorum praesentis et aoristi II), eonreetor aliqnis 
mens metram fnlsisse videtnr inserta Toenla bic pamm apta. 



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135 



641. icoXXoOc bl TToXXi&v 4SaTtc6^VTOC ööfiuiv 
dvbpoc 5iirX4 u^iCTVfu Tf|v 'Aptic «piXet, 
bfXoYXOV difiv, tpoiviav CuvuipSba. 
Yefbiim valde snspeetnm et hnonsqne infelidtor tentatnm lemssime 
corrigi poteet rescribendo dSavucO^vtac, L e. confectos. Cf. 
Homer. A 363, Y 452. 

672. X^TOUciv f||iäc ÜJC öXuiXdrac, tI firj; 
ri absolute podtam ne Gfaeonm qnidem esse arbitror : ita raro reperi- 
tnr. Alieraxnin tragioonun ser^tis exemplum est in Aiace vs. G68, quod 
iam olim correxi. Utrociue looo, revocata lineola, qua in libris antiquis 
littera N notari snpra litteram praecedentem Bolebat, legendum videtnr 
Ti lif^y; quod com apad alios soripiores tum praesertim apud Platonem 
(eaepe eimiil cum formola fidic ot^;) freqneatiflsiine legitur. Vera 
forand&feliciter librariorum manus evasit in Eumenidibus vs. 200 sq.: 
Chor. ^xP^cac ujct€ töv H^vov Mr|TPO'<ToveTv; 
Apollo. ^xpr\ca ttoivoc toö -rrarpöc iT^|Lii|iai. Ti ftijv; 
796. öcTic b' dfaeöc TTpoßaTOYVuuiJiJuv, 
ouK Iqti Xa06iv ö^^aia 9ujtöc, kt^. 
Satis mii-abilis esset in sublimiore poesi huius vocabuli usus, 
niaichoms id adhibens alludere videretur ad Agamcmnonis imporium, 
quem Homerus cum aliis ducibus appellaverit TTOipeva XaÜJV. Longe 
alia ratio eat Yocabuli Aeschjlei linTOTVlüJüiUDV, de quo vide fragm. 
CCXXXVIII. 

813. biKOC T«P OUK OTTO YXaJCcrjc Oeoi 

kXijovt€c ctvbpoevfiTac 'IXiou q)6opdc 
eic aifiairipöv t€Öxoc du bixoppÖTTiuc 
xi/riqpouc 606 VTO* tlu dvavTiiu kutei 
^Xttic TTpocriei x^ipoc ou 7TXr)pou|.i^viu. • 
Alias coniectums leuitate et probabilitate huuscio an viiicat 
Xflpoc, i. e. spes vidua, inanis. Hoc adiectivum interdum esso 
generis communis, lexica docebunt. 

818. KttTTVip b* dXouca vöv ^t* £{5cr|)Lioc iröXic, 
ÄTTic OueXXai Ziujcr cuv8vricK0uca bi 
CTToböc TTpoTT^jiTrei iifovac irXouTou nvodc. 



icöXiv btriM^VCV 'Apteiov bdxoc 
[finrou V60CCÖC, dcinbTi9Öpoc Xeutc], 
irrjbnM' öpo^ctc dfup\ TTXcM&bunr bOav kt^ 
Versam mdiunim, in quo praeter caetera olfensioni est qnod 
iagens eqnns lignene, tot annatomm capax, ineptisaime vocator 
eqoi pnllns, additom eeae enspicor ab aliqoo, qui non ooncoqneret 
eooatmetioiiem ad synesin: öpoOcoc pro öpoOcav. 

Ys. 8 1 9 in oommentatione AniBtelodameiiai diu non improbabilem 
miliivideriWeilii o<»iiectiiram bucOv^jcKOUca pro cuv6v/jcK0UCO, 
niai qood iobente analogia conicere debniaaet buc6VfiTo0ca 

Be tarnen diligentina conaiderata, nihil mihi nnnc mntandnm 

JaM. 1 «UM. VkOoL Bunl Bd. X. 10 



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ise 



H. Ttti Henrerden: 



videior. Primus de sanitate loci dubitavit, quod sciam, Karstenus, 
qnis sie scribit: „Quis attentius legens non agnoscat repngnantiam 
6886 in yerbis Kuci — cuv6vt^CK€iv, cum vivente eommori s. una 
mori? neque tautum in yerbis, sed etiam in rebus: (kn\c ducXXaiC 
8ignificant incendium procellae instar lorens; iam quum incendium 
vivit et fer¥6t, fovilla non emoritur et restinguitur, sed ardei Necesse 
est haec in concordiam redigi. Alterutrum dici postulat ratio: vel 
„incendium subsidit, sedatur, et simul favilla moritur" vel contra 
„incendii furor viget, et simul favilla ardet, acstnat." Speciosins 
tarnen quam verius haec disputata sunt: nam praesertim ubi agitur 
non de unius aedificii iuceudio sed de magna urbe, (piae flammis 
vastatur, ipsi rei naturae congruum est, alia prius , alia posterius 
jf^nie consumi, itacjue furente adhuc incendio (<iuod iam satis diu 
duraverat. Vid. 818), hic et illic emori et restingui favillas. Latuit 
autem Karsienum, praoj »ositionem in cuv6vr|CK0Uca neu cum praegressis, 
quod sano ridiculuni loret, iimgendam esse sed pertinere ad rriova 
ttXoötov. Favilla pro.sequitur s. comitatur Troianorum opes in 
fumum redactas simul cum iis moriens. Quam vera sit haec 
poetae descriptio sentient omnes, qui urntjuam magno incendio affue- 
ruut. Surgit enim una cum fumo favilla, ut mox exstincta humi recidat. 

H37 s(|i|. llunc locum in Comm. Amtst. bic corrigi posse 
existimavi, ut legeretur: 

• (vel iUbexli ^oi) 

öjuiXiac KCtTOTTTpov, clboiXiov CKiäc, 
boKoOvrac elvai xdpra Tipeufievek i\»oi, 
pövoc b' 'Obucceuc^ Öcircp oux ^küiv lirXct, 
ZcuxOelc Ito^c f|v i^oX c€ipaq}6poc 
Vnlgoelbdic — iHcirfcTapai, öjaiXfac — cTbuiXov CKific. 
In Us cibtdXuiv CKidc egregia est Eeekn emendatio, quae tarnen 
manifesto sola non suffidt. — Cf. Enr. Hipp. 428 sqq. 
852. vOv b* ic lüiAadpa xai bö|yu>uc iq>ecT(ouc 

4X0ÜIV Oeotci irptS^ra bcSuiicoMo». 
Valde SQspeeta mihi est stmctora yerbi beEioOcOat (h. L — 
dcird2!€cOai, irpoccrf6p€U€tv) cum daiiyo. Gorrigendum snspicor: 
Ocoöc jLi^v irptSyra b€EM(»co^al. 
Voculae fi^v non seqnente hi. exempla yide in Dindorfii lexioo 
Aeschyleo in yoc p^v snb 5 pag. 210 A. 

863. Kai t6v jiUv fixeiv, t6v b' dnctcqt^pciv kokoO 

Kdxiov dXXo iTf)pa, XdcKOvrac böfiotc 
Planum esse arbitror male inferri post {|k€IV yerbnm dircctpdpciv, 
pro quo aliud requiritur veniendi yerbum, ut utrumqne yerbnm 
iungi possit cum parücipio Xdocovrac. Optime haberet: 

Kttl TÖv M^v nK€iv, Tov b' dnc ic^pp€tv, KoncoO 
xdKiov dXXo TTfifja XctcKOvrac bö^oic 
Cf. PoUax Vm, 168 et Said. i. y. diretdippncev. (C. A.). 



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Emeadatiouea Ae&chyleae. 



137 



V88. 895 — 902, damnAtoa s Dmdorfio, postnlaii Terßu 903 
monni in Comiii. Amsi BoDie antem ridioola quae üs inest exagge- 
ntio prodit Clytaemnestae animnm snbdoliim et insinoemm. 
874. Totijjvb' iKOTt kXqöövuiv iraXimcdruiv 
iToXXdc ftvui9€V Äfyrdvac ipif\c b^pnc 
^Xucav dXXot irpdc ß(av X6Xn^Mi^Vl1C 
Aliomm ooniectnriB,qnaTnmnnllaniihi 8sii8fiMsit,accedatliaeomea: 
— noXXdc dvf|itTOV dprdvoc i^if^ b^pnCt 
dXXoi'b* ^Xucav, irp6c ß(av XeX^mui^viic 
941. Glyt Totc b' öXßiotc m\ t6 viKac6ai Kp^itet 
Agam. fS xal cö vixiiv T^vbe hf^ioc lieic; 
MeliiiB intellegam: 

oö Kai cö viicnv Tfjcbe brjpioc ticic; 
L e. Bonne etiam tu, quae a me postulas ut vinci me patiar, 
ipsa magui facis victoriam in hac altercatione? Ti^cbe re- 
qniri iam vidit Aui*atus. 

944. dXX*, el boxet coi xaOe*» urrai Tic dpßuXac 

XUOI TCixOC, TTpÖbOuXoV f|LlßaClV TTObÖC 

Ktti ToTcb^ ^* d|Lißaivov9* aXoupfeciv 9eujv 

pir\ TIC TTpöcuuGev ö^^aTOC ßdXoi qpGövoc* 

TToXXri T«P aibujc cujpaToqpöopeiv ttociv 

9eti(jovTa ttXoötov dpfupuJvriTOuc G' üqpdc. 
Locus pessime liabitus, quem sie fere con-igendum esse suspicor: 

dXX*, ei boKei coi tqOG', vnai Tic upßuXac 

Xijoi TQxoc TTpöc öXßiav Ttoboc ßdciv. 

TToXXfi -fcip cxibujc buJ^aTO(p6opeTv, ttociv. 

q)e€ipovTa ttXoutov dpfupuuvrjTouc 0* uqpdc. 

Ktti Toicbe yi' ejußmvovö* aXoupfeciv Üeüuv 

|ir| TIC TTpöcujGev ö^aaToc ßdXoi (peövoc. 
Transposui duos versus, (juia manifesto calceos exuere se iubet 
servam Agamemnon, ne corrumpat vestem pretiosissiraam. Deinde 
pro absurdis vocabulis TTpöbouXov eußaciv Troböc reposui couiecturam 
nieam, amplexus Schuetzianam buj^aTOcpGopeiv potius quam Franzia- 
nam e\naT09Öopeiv pro codicis lectione cujpaToqpGopeiV. Sic enim 
rectissime habet q)peipovTa in versu sequenti, quod faenmt qui in 
noTOOVTO yel CTeißovia mutarent, dummodo virgula ponitur ante 
iTocWy qnod iuugendom est enm <p8eipovTa. 

1006. Kol irdr^c edOmropi^v 

dvbpdc £iraic€v dipavTOV Ipjua. 

Kai TÖ Filv irpd xpnM<^Tuiv 

KTTiduiv ÖKVOC ßaXdiv 

cqievbövac dir* €^\xiipov 

oitK Ibu irpdirac bdfioc 

0^* dirdvTtce acdipoc 
Felici transpoflitioiie partem hnins loci eorreiit Schwerdtius; 

10* 

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188 H. Tan Herweidmi 

qua xeoepta tlind agendom snperest, siqmdem non satis mtdUgitar, 
quo referenda sint yocabnla rd \Av, Nee eonigere snffeeerit: k^* 
6 ^^v 7Tp6 xpvm<&TU)v KTficiufV dicvoc, qoia aegre oaremvs obieeto 
yerbi ßaXdiv. Ilinc mihi yemt in mentem: 

K^TO fl^VTOI XPnM«TU)V 

KTTiduiv ÖTKOv ßaXüjv (sc 6 dvf|p) 
ccpevbövac dir' eu^^Tpou, 
ouK d7TÖvnc€ CKdq>oc, 
odb' ibv irpÖTiac böjüioc 
irpMOvac fi\uuyf äfov. 
1017. noXXd TOI ööcic iK üidc d|ui9iXa(pifjc t€ xal dXIicuiv 

dir€T€lfiV 

vfjcTiv ujXecev v6cov. 
In Comm. Am st. coriexi fiXacev. Vid. DiudorfittB in addendis 
ad lexicon Aeschjleum pag. 429 B. 
1025 sqq. ei be ^x] TetaTM^va 

^loTpa fioTpav OcOliv 
€ipT€ Mf) TtXeov (p^p€iv, 
TTpoqpOdcaca Kapbi'a 
yXoiccav dv idb' iUxtu 
Scripserim sie: 

€1 be )if| TexaTMe'va 
^oTpd )Lioi TIC öeujv 
elpYe ttKcuj qpepeiv, 
7Tpoq)9dcaca Kapbiav 
ifXiucca TrdvT* av iHxei. 
Quos Ultimos versiculos cum Schuetzio, coUato Tsocrate ad Demonicum 
§41 TToXXoTc fdp f\ TXiJUTTa TTpoxp^x^i ^ric biavoiac. Verbum 
q>^peiv positum est, ut saepe apud tragicos, nuntiandi sensu, uecjue 
igitnr satie cansae erat, cur in Comm. Am st. id mutarem in Bpoeiv. 
Sed reqniiitnr irX^ui pro irX^ov, qnia ttX^ov cp^petv alio sensu usur- 
pari aeeolet 

1060. dXX' eTircp ^crl xcXibövoc 5iicr|V 
dTVurra q)u)vf)v ßdpßapov xcxnvi^vni 
dcui q)povefv X^touca irelOu» viv XÖYqi. 
Dindorfins annotat „Sententia postnlat, eoUato vs. 1060: 
cTcui <pp€vupv luvctca b^Hcrai Xötov 
vel kX^uc«, yel IkoOco ktX.'^ At immane qnantom discrepat ea 
leetio a eodicie soriptnra, et yersna^ ad quem Dindorfins proyocat» 
potins aignmento est poetam in tarn yiolno yem aliter Bcripeiue. 
Mihi qnidem eatiB plaeäret: 

cfcui q>pevd^ XoßoCca irciOoiT* dv Xöyq). 
i e. etcuj cppevdkv XaßoOca t6v Xötov, iT€(6otT' dv airv^. Poesie 
qnoqne iretcerai; sed ilhi mntatio lenior est 
1136. Iw luj TttXaivac xaKÖTTOTnoi voxav 

TÖ fäp dfidv 6p6(fi irdOoc iircTX^ttca* 



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Emendalaonet Aeielqrleae. 



139 



iroi brj ^€ beöpo Tfjv TdXcnvav Hya-fec; 
oubdv noT* el \ir\ Huv0avouM^vriv. ti f6p; 

Non recipere me indice Dindorfius debueraiHennaimi et Franzii 
coniecturas 0pO€iC et iix ^fxiac Prorsus enim nihil chorus 
(1129 — 1135) dixit, ande credere posset Cassandra choram ad ipsius 
fatum alludere. Neque cboro, quod bene animadTertendiun, aut hic 
aut alibi directe respondet misera vates (qnae non ante y8. 1178 ad 
tranquilliorem mentis statiun redit), sed mente percita suis tantnm, 
iit eeöXriTTTOi solent, cogitationibus occupatur. Manifesto igitor 
Casandra sua tantum verba iuj — Tuxcti respicit, quibus se suam- 
met ipsius caedem significare indicat versu corrupto, quem sie cor- 
xigere non dubiio: 

TO fotp ^Mov öpöuj TrdGoc inefxivj. 
meam enim clamori (meo) calamitatem (sc. eins mentionem) 
superinfundo (admisceo). 0pöov, clamorem, vociferationem, 
apte Casandra appellat vaticinia sua, qviae tiebili voce crebris inter- 
mixta exclamationibiis edit. Vide KXaxYqi vs. 1152. Casu procul 
dubio accidit, ut vocabnlum Homericum Gpöoc hodie in tragiconim 
scriptis nusquam appareat, qui verbis cognatis Optecöai, Öpceiv et 
epO€ic6ai haud i-aro usi sint. Quoniam vero Graeco dicitur x^iv 
qxuvriv, q)0OTTOV, a\j6r|V, ^Aoc, Opfivov, yöouc, similia, usum verbi 
dTTCTXt^v nemo hic iure mirabitur. Scriptnrae autom vitiiim nullo 
negotio sie explican potest, quod cum ex Opöuj, omisso do more iota 
adscripto, factum esset notum tragicorum librariis 6poüü, corrector 
€TreTX^uj iuxta OpoÜJ non ferens illud mutaverit in participium, quod 
referri posüet ad Gaaandraiii. Vitium me pervetustom apparet e 
echoliasia, qui explicat cuvavojiitEaco, itaqno luäniilaiite oealos bellum 
illad in^fxiaca, quo namiri misere iugulantor. 

Poii haeo tiz neeesse est duMun in vs. sequenti me tiieri libri 
ecBiptiiiuii flT<>T€C oontia Hennamii eonieetonun fjTaT^v, quam Din- 
doffine reoepit Omnino enim decet fnrentis penonam Ula (Aga- 
memnooie) proeopopoeia. Ct 1107 Ub TdXoiva, TÖbc t^p TcXetc Sed 
eogebat Hermannnm, quique enm seonti snnt, a oodioo disoedere in- 
ftliz praeoedentia Teraiooli ooireotiow 

1169. Akoc o<tbkv dinfK>K€cev 

t6 Mit icöXiv M^v dkircp oOv Ix^i iradetv. 

Gnunmatiea Graeca praegresBa negatiöie postolat |tj| od, quod 
libnrii synisesin, ui Tidetor, ignoraatee aaepe in poeturom Bcriptis 
oblitterarunt. Editorum est id nbiqne reetitoere. De hoo loeo iam 
monni in Exerc. Grit. p. 98. 

1219. valbcc 6ctvövT€C ibcTrepel rrpoc toiv (piXujv, 

Xetpac [Kpeiüv] irXTi6ovT€c oUeiac ßopdc kjL 

Beete, ut Tideiar, Martimns correxit die iröpeic. Sed absurde 
pneri suas manuB proprüs camibua implere dicuntur. Aüquis hic 
latet «ROr, nam pcooäl dubio implm eos dixit poeta manum 
patrie, pueros eomefluri. Fortaase igitur Kpcd^v est glossema ad 



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t 

140 



H. 



ßopäc olim adscriptum, quo deleto reponendum est narpöc. Et 
Kp€U)V ßopäc iam per se valde siispectnm est. 

1222. eK TÜJvbe TTOivdc q)r|)ai ßouXeOeiv xivd 
Xeovi' ctvaXKiv ev Xex^i CTpiuqpujjaevov 
oiKOupöv, oi)aoi, Tuj laoXövTi becTTÖiri. 
Verbi tuj |ioXövTi becTTÖTii Casandram significare dominum 
suum Agamemiionem neminem poterat latcre; (|uapropter vehementer 
mihi sus])ectus est qui additur in codice verdiculus laDguidus et hic 
parum aptus: 

qpfc'peiv fdp XPn TO bouXiov 2utöv. 
Seq[uentia sie ex meis ot alionim coniecturis coustituerim: 

veüuv b* ^TTQpxoc *IXiou t' dvacTotTric 

ouK oibev, oi'a 'fXüucca )nicr|Tfic kuvöc 

Xeitaca KotKreivaca qpaibpüv ouc, biKnv 

ÖTr|C XaGpaiou bTiHexai KttKrj Texvr). 
-i. e. navinm aiitcm iniperator Iliique eversor ignorat (jualis 
sit lingua libidinosae (istius) cani»! Quae primum quidem 
lingit blandeque aures movet atque extendit, mox vero 
latentis Noxae instar malitiose mordebit In bis |LiiCTiTf|Cf 
quod odiosae vertere solent, interpretatns smn libidinosae, ut 
Casandra respidat Clytemnestrae cum Aegistlio adnltemim. Ad 
emeadationes looi depravatissmii quod attinet, mihi debetor hypostigme . 
post KUVÖC et in fine TCXvr) pro tOxt), reliquae alÜ8: TS. 1 pro 
yo88io,T8.2 et 3 oia pro ola et XeiSaca pro X^acoTjrhwittio, v. 3 (pm- 
bpöv oGc pro (paibpövouc Ahrensio, v. 4 b^Serat pro TCiiEeTOi Mad- 
▼igio. Minus recte bunc locum traetaviin Gomm« Amstelodamensi. 
1285. In C. A. sie, duabus additis literulis, emendavi: 

(irp)dS€iv viv ÖRTiacjüUi KCt^^vou irarpöc 
ulturnm eum (Orestem) esse caedem patris iaoentis. Yid. 
Dind. lex. Aescb. in add. p. 432 B, unde disoo idem iam ante me 
vidisse Schoemannum. 

1290. ioCca irpdSui rXificofiai Td KorOaveTv. 
Manifesto non suf&oit Heathii oorrectio ioOca KdYtJ^i quam 
reoefdt Dindorfius, multo etiam minus id quod contra dialogi sermonem 
peocavit Coraes, lettres in6dites p. 103,proponens ioOca TTpöccui. 
Mihi nondum displicct (piod olim proposui in Analeotis tragicis 
(post Oed. Kegis editionem) p. 202: 

ioCc' d8paKToc rXiicojyiai tö KttrOaveiv, 
ut haeo opponantur vs. 1286: 

Ti bfiT* iifiii KdToiKTOC dib' dvacT^vui; 
ubi KttTOiKTOc Scaligeri est correctio pro KdrotKOC, sed rectius for- 
tasso Mu^^gravius KaxcKVOC coniecit. Cf. etiam vs. 1302: dXX' ic6l 
TXi'iiaujv ouc' Ott' euTÖX)LiOü (ppevöc. Formam sibi ignotam 
pro ctTapaKTOC librarios corrupisse nihil est quod miremur. Huius- 
motli requiri nofionem intellexit etiam Maehlyiis, qni nnper ioöc* 
dTpecTOC coniecit. De ddpaKTOC cl Bekk. Anecd. p. 352, 16. 



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Emendotiones Aescbjleae. 



141 



1309. Casandra qpövov b6|aoi iTVtouciv aljuarocTa f f]. 

Chor. Kai ttujc; TÖb* ö^ei GundTtuv tqpfcCTiuJV. 
Non expedio pronomen TÖbe, quia TÖb* ölei pro o'i'b' öZiouci 
dictum esse non i>otest, nec impersonale Ö^ei pronomen nou respuit. 
Quapropter hüdie<iue probo qnod loco modo laudato proposui: 
Kai TTUJc; TTpocö^ei eujudiiüv dqpfcCTiuuv. 
Contrario errore tob' abiisse videtur in Tipöc Choeph. 414, 
ubi legerim xöb' ^ttoc kXuouc<ji. 

1358. Chor. oOk olba ßouXnc f|CTivoc luxibv Xifw, 

ToO bp<i^VT6c im KoX t6 ßouXcOcai ir^pu 
Corrigatnr irdpoc, nt nascato irita sententia: ante agen- 
dam consnlto opaa esse. Ita emm poeia dicet: agcntis est, 
vt prins (quam agat) deliberet TTepi pro ircpl toO bp&v dioi 
poBse quia credat? Sed praeterea fere malim: 

Toö bpO^öc im T&P t6 ßouXeCcm irdpoc 
Kai tarnen ferri posse Tidetnr. 

1374. Olyi irii^c t^p Tic ixidpoXc ix^ iropcuvwv» qifkotc 
boKoOciv cTvat inmovf(c djpKÖcroT* fiv 
qxSpEctcv (kpoc icpeiccov ^xmi^^aToc; 
lam Engerns xecte haesit in omissa neoeasaria negatione, sed 
Titü oi^ginem non intellent, soloeee Toonlam oO substitaens parti- 
onlae non minus necessariae dv. Nempe poeta dederat: 

OÖ T^P TIC ^X^PO^C KT^ 

gloasator autem supra od soripseiat iTuk, quod libiarii more suo in- 

trodaxerunt in textum. 

1377. Clyt. i^i b* dtuiv ob' ouk d(ppövTiCTOC [iraXai] 
ve(Kr|c TraXaidc f|Xd€, cuv xpoviu t€ iif\y. 

Apparet ex verbi cuv Xpdvip jAi/iv in verbis prozime prae- 
eedentibos olim lectam esse notionem aliqnam oontrariam, qaalis est 
sero, aegre, tarda, yix. Tarn vero enm irdXai et ineptum sit et 
facile per errorem scribi potaerit a libraxio (qoi intempestive iT(xXaific 
exarare aggressus errorem postrjuam animadvertit, ne codicis sni 
nitori noceret, corrigere supersederit) , nihil est probabilius quam, 
deleto isto advcrbio, substitoendam esse illam quam supra dizi no- 
tionem. Ita<iue conieci: 

I^Ol b* dlYÜUV Öb* OUK dcppovTiCTOC pöXic 

veiKTic TtaXaidc fjXöe, cuv xpovtu fiqv. 
1424. iäy b€ TOu^TToXiv Kpaivij Oeoc, 

TViucei bibaxOeic öipe foxjy tö cujcppovt iv. 
Utrum in codice a an ai legatur vix dispici potest , itatjue cii- 
ticis porinde esse debet. Mihi quidem Kpdvr) b. L praeferendum 
videtur „si coutrariam foriunam deus dederit". 
1431. Kai Tr|vb* dKOueic opKioiv i\\(uv BejJiv. 
"Akoucov in CA. requirebam, et nunc requiro. 
146üöti<i. Locum niisere habitum sie constituerim: 

baifiov, öc dfiTTiTveic biufiaci Kai bi(puioici TavTaXibaiciv, 



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142 



H. Tau Herweiden: 



Kpdroc (q)e)iciijJuxov gk T^vaiKOiv, 

KupbiöbTiKTOV dpoi, Kpatuveic 

^TTi be ciujaaTOC biKav 

KOpttKÖc exBpa ciaeeic' dKVÖ|iuuc 

öjLivov \j)LivoOc' eTieux^Tai (veKpuj). 
00iciqjuxov cx conicütuia mea dedi pro icöijJUXOV, pro quo 
Bauchenstein KaKÖi|iuxüV coniecit, Hennannus de solo metro soUicitus 
t' lcöi|;uxov. In q)9icii|JUX0V, quod formavi ad analogiam vocabu- ' 
lorum qpÖiCiiViDp, q)ÖicißpOTOC, prima syllaba brevis es^e jiotest, quia 
futnnun <pd(cui ab Attiieis poetis corripitur. Apte autem hoc dicitur 
de Glytaenmestr» ei Helena, quamm haeo ttoXXuiv dvbpuiv 
ipuxac AovcHikv i&Xecev (1465), illa maritum ocddit. ruvaiKoIv pro 
TUVOtKiS^V Gorreiit Eeokius, ix^pä pro ^x^PoO Engeros, CTttOefc* pco 
CTaO€k SchüetsdiiB, Ikvöjhuüc pro dvvö^uic Triolioitis. Tandon i^voOc* 
dedi de meo pro u^veiv, quod non intelligo, et V€icpip insend de 
Engen conieotunu 

1590. S^via ^ ToObe bOcOeoc Twrrfip 

['ATpeöc, irpoOüfiuic moXXov fi (piXuic, irarpl] 

Tdjjüuip, KpcoupTÖv f)iuap eöOOfiwc dfciv 

bOKwv, irap^cx€ baXxa Traibciuiv xpcwv. 
Impeaae nuxor, qaem üieLiisi ▼ersiouluin, hueueqae critioomiii 
obelum efEiigisee. Niel enim genae simt et iragae quaecumqne cri- 
tici crepant de TersibiiB non genninis, hie versus spurius est, qtd 
oonstet duobus manifestis glossematis 'Arpeuc (ad irOTii)p cf. 1583) 
et TTttTpl (ad TliifAifi) et verbis subridiculis irpoOöjüUUC m^XXov 
q>iXuic; ut taceam panun eleganter in duobne ysb. contignia legi 
iTpoOü^uic et eOOüfiuic 

Quam Vellern aeqne &oile demonsti ari poese^ id qnod mihi Teri 
simülimum videtur, spurium esse vs. 1595: 

lepuiTT* dvu)6€V dvbpttKdc Ka6n)Li€Voc 
quo omisso, nemo basreret in reliqnis, modo, mutata mecam inter- 
pimctione, eic oiationem continnes: 

H^via be ToObe bucöeoc Trairip 

Tib|i(u, KpeoupTÖv rjMap €uOu)aiuc äf^iv 

boKUJV, Trape'cxe baiia Traibeiujv Kpeiuv, 

Tci ^€V TTObripri KQi x^püjv aKpouc Kxevac 

acrm*' *0 b' aÜTU)v auTiK' dfvoia Xaßujv 

IcGei ßopdv ucujTov, üjc öpdc, yevei. 
Sed quicumque homo curiosus versiculura illum addidit, ut 
explicaret, quo pacto Atreus dcr||ua Tbj^ebtuo filii membra praebuerit, 
locum vehementer turbavit, nec Tyrrhwittio, Blomfieldo, Weilio, 
Casaubono, Weckloinio coniecturis suis Ikputtt', dveuöev, dTtujeev, 
xaGriiutvoic, baiouiaevoc tenebras prorsus dispellere contigit. — Cur 
in vs. 1597 ÜJC öpdc Bothio suspectum esset, nulla causa erat. 
Yidorai cniin chorus per mortem Agamemnonis, quam dcuiTOC üla 
ßopd iuisäot Atrei generi. 

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EmendatioiiM AetchjlMO. 148 



1605. Aegisthus de se cnm Thyeste paire ])nl8o in exiliom: 
TpiTov Yotp övTa ji' dni öc'k' dOXiti» Traipi 
cuve^eXauvei tutBöv övt' dv CTrapxdvoic. 

In Schneiden et Meinekii coniecturis ^Ti bucaOXiUi et ^Ti 
Tpica8Xiuj male redundat vocula ^Ti, (|iiae cum tutBöv övra illic 
posita iiingi uon possit, iu Schoeraanniana vero im öucaGXiUJ prae- 
poeitio. Ineptiiätiime autem abnudaret im bu', qiiod Emperiiis pro- 
poßiiii, cum praesertim filium natu minimum se esse satis in vs. se- 
quenti sigmlicet Aegisthus. Non fuit bis viris l'elicior Weilius coniciens 
eTTiTeK*, quod cum ob eandem causam reiciendum est, tum qoia 
adiectivum imieh notione multum diversa soleat usurpari. 

Omnes autem criticos fugisse luiior desiderari in vcrs\i depra- 
vato substautivum prorsu.s uecessarium, ipio filius aui puer.signi, 
ficetur. Qualo t^ubstantivuui cum omitti a poeta nulio modo potuerit- 
probabili coniectura scribenius: 

TplTOV TOP OVTtt |H£ T^KVOV (»6X141 TiaTpl, 

TpiTov Tcip dvra fi* ulöv d9Xit|i noTpi, 

TpiTOv Top dvT« ira!6d pt* d0X(i|i irorpl 
QnilraB aeribendi ntionibns moa addam hano (laartem: 

Tpitov top ^vra tviv dOXiip ircrrpi, 
propterea quod liao Toee iragiisi in diTerbüs vei non sunt. Ex re- 
hqmB autem qaae Tera ait, nemo fiusfle ceito dixerii 
1608. Kol ToObc Td^p6c fmfdpiiiv Oupotoc d^, 

icdcav cuvdqfoc fiiixav^ bucßouXfoc 
BeoteKaxstenna cößouXfac, aed pzaeterea depnmUiam vldetiir 
Oupaioc Nam neqne foria (cf.Choepb.116) A^giathna Agamumnonem 
ant vi aui inaidna petiveral, aed domi (e£ 1636 aq.) neqne qoo aenan 
alienuB dioeretor, aatta aaaeqnor. Niai egregie &l)or, poeta dedexat 
dpatoc notione actiTa, nt yooabnlnm nanKpatnr Trach. 1202, qui 
diraa alicni impreeatnr. Soph. fr. 791 pro Oupatov L dpaiöv. 

Ad ChoephoroB. 

Ya. 32. T0p6c yäp 6peö6pi£ 9Ößoc 

böfiiiiv övcipÖMavTic, imvou icdrov 
irWttiv, dufpövuKTOv d^ßöo^a 

HuxöOev ^aK€ ircpl q)ößtü, 

TuvaiK€ioiciv dv biujiaciv ßapuc ttitvujv. 
Nihil proficitur Porti coniectura nepupößuic, quae non toUat 
taatolpgiam, Conieci : 

— dujpövuKTov d(ipöana 

fiuxöeev ^XaK€ Trapdq)opov, ktX. 
cl. Lucian. am. 13 d^i^aveo ti kqi Trapdqpopov dvaßodv. Sub- 
stantive TTQpaqpopd noster usus est li^umcn, 330, 342. Hesychius 
TTapdq)opoc: — ^ccttikuic 



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144 



H. Tan Herweiden: 



61. (iOm\ b* 67TlCKOTTeT AlKttC 

xaxcTa touc juev ev 9061, 

TU €v jaeiaixiiiu) ckötou 

fjevei xpovi^ovrac ÖXH? 

TOUC ctKpaToc €xei vuH. 
Diligentia vere Germanica Weckleinius in docto et utili libro, 
qaem inscripsit Studien zu Aeschylus, p. 150 sqq. collegit 
partinKiue examinavit plurimas eruditorum de hiüus loci interpieta- 
tiono sententias, quibus rcieciis ipse suam his verbis proposuit: das 
Richieraint der strafenden Gerechtigkeit erschaut schnell 
die off»Mi])aren Verbrecher; diejenigen aber, deren Schuld 
sich noch in Zwielicht birgt, erwartet erst mit der Zeit 
die Strafe; Mildere aber deckt nichts zu Ende führende 
Nacht (d. h. keine Bestrafung bewirkende oder jede Bestrafung 
ausschliessende Nacht). Hanc interpretationem poetae verbis uon 
respondere manifestum est; ita enim necessario poeta (ut metrum 
ntmc negligam) aliquid dediaset quäle boc esi: touc fi^v iv <pdei 
d^apTÖvrac, rd M toOc iv jjeraixMiui ck6tou kt^ Aesehylns Tero 
sperte didti ubi (s. qnando) institia divina bcnmiiei (malefioos), alios 
seriös, alios ocios respiciat Quod antem deinde aii alios prorsas 
eff ngere Yindietam divinam, id Aesobyleae theologiae ita oontra- 
rium est, nt poeta boo onmino dicere non potnerit') Nee opponi 
stropbae yerba antlstropbka (qoae est Tin doeti sententia), vel inde 
patet, qnod Yooabulis bt' atfior' 4Kiro6^vO* i^irö x^vöc Tpoqx>0 
nuUa inest particola adyersatim 

ünde vero qnaeso et quo inre baue elieoit Oppositionen!: „Ver- 
breoben weiden tbeils sofort, tbeils spftt, tbeils gar niebt bestraft; 
der ICord aber wird immer bestraft** ? Gboms manifesto in stropbe, 
ubi de malefioomm poenis agit, iam oogitat GLytaemnestram, itaqne 
in antistropbe buius scelus diserte oommemorai 

Nisi Qgregie fUlor, duo tantom oritiei perspexeront quam inter- 
pretationem cum poetae verba tum sententiarum nexus reqnirerent, 
Paleius et Naegelsbaobius, quorum ille dielt „threc periods arespoken 
of; the prosont tiine, or prime of lifo — tbe twilight or evening of 
life; and tbe nigbt or death, which comes äKpavTOC (ita ood») before 
punisbment bas OYertaken its Tictime*^ Nägelsbach : „discemit poeta 
tria poenarum tempora ^07r#| biKTic touc m^v Iv q)dei (in vita) diTiCKO- 
TTcT ÖTav ^ TttxeTa, touc b' mgtqixmiuj ckötou (in tenebrarum et 
lucis confiniis), touc b' eiriCKOTTei Kai dTToBavövTac. Kgo ipso dudum, 
antequara has inteqjretationes cognovi, hacc in exenii)laris mei mar- 
giue adscripserim : „Omncs malcticos sorius ocius poeua manet, alios 
enim numinis iustitia in luce (h. e. in media vita) resjüeit^ alios in 
lucis et caligiuis iutervallo (b. e. in extrema senectute); alios, 



1) Cf fragui. 884 (Dind.) et imprimis Tennm o05' ^tko^^^i viiE 

KaKwc eiptac^^vo. 



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Ein«ndatioMi Aetohjleaa. 



145 



quftndo mera est nox (i. e. poBt mortem demmn)^*. Seribendum 
enim patabam ei mmc pato: 

Touc h\ ÄKpaxoc itrex vuH. 
Quam autem apte senectus vocetur ^eraix^tov ckötou sentiet is qui 
cum consideraverit Universum Graecorum senectutis horrorem tum 
Aesobyli meminerit verba in Agamemnone vs. 82 de sene: övap 
n^€pöq)aVTOV dXaivei. — Aliter nnper in bis ipsis Anualibus 
vol. 115 et 116, 1 p. 2 sqq. b. 1. et iiiterpretari et emendare conatus 
est Schoemannus, qiii mibi «[uidem ininime pcrsuaeit. 
72. TTÖpoi xe rrdvTec £k jiidc öboö 

ßaiVOVTCC TOV 

X€po)aucfi qpovov KaGaipoviec ioucav jadiav. 
Scboliasta, <iiii interpretaiur: TidvTec oi TTOTajuoi €ic tv cuvep- 
XÖ/üievoi habuit ante neulos, quod poetao reddere non dubitem: 
TTÖpoi xe TtdvTec tic öööv ^lav. 
Praeterea mendosum v&i ioucav, sub quo participio latet, ut 
recte ait Dindorfius, creticae menaurae vorbum, cj^uod restituere mihi 
videor rescribeus: 

Tiöpoi xe Ttdvxec eic öbov ^iav 
ßaivovxec xöv 

XCpOMUcii q)6vov KaOaipovrcc i^vucav ^dxav, 
Timm fmstra Bolent perficere, i. e. irustra eese solent. Quem 
asiim abeolatem Tetborom dvÖTCiv et reXcIv, omisso 6böv, poetis 
satiB fiuniliarem esse quis nesdt? 

Haie loco appodte conferas Shakespearii yerlMi in Macbeth II 2: 
Will all great Neptnnes oeean wash this blood 
clean from my band? No; tbis mj band wil ratber 
tbe maltitudinoiiB seas incarnadine, making tbe green 
one red. 

Bectissime Scboemanmis Ann. L L ts. 71 vu|yi<piKU&v IbuiXiuiv 
de fontibas intelligenda esse monidt. 

109. qtO^TTOu x^ouca ccfivd toiciv eikppociv. 

Scboliasta explioans: €(%at dtaSd toIc ed «ppovoOctv, Tifk 
'Atafi^MVCVi bnXov6rt legit, nisi falb r: 

99^TT0u x^ouca Kcbvd xoiciv eucppociv. 

Hesychius K€bvd: dtaOd ce^vd. Idem adiectivam C€|ivöc 

vitio legitur infra vs. 975, ut mox videbimns. 

185. ii ÖMMÖETuiv b4 btipioi mirroucf jiot 

cratövcc dqppOKToi bucxiMOu irXtvilAupiboc. 

Vertont gattae aridae vel sitibundae, quod quid sibi velit, 
nomqnam potui intelligere. Ineptissime autem scboliasta: Trp4>iiv 
fitcücxoi. 'Qc biqiiov "ApTOC t6 ttoxc övubpov. 

Recte qnidem et tragice dictum foret quod olim proposui 
bitrxuxoi, ut ex ambobns ocolis craTÖvec inteUigerentur, sed hodie 
ut lenins praetulerim: 

öfifAdTiuv bk bii|iiiuv Ycl öpfidioiv — biitiiotv kt^ 



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U6 



H. Tan Hflrwwden: 



Q Iiibus verbis Electra affectus soi vehementiain significat, qui 
ex oculis suis contmiio fleia sioois lacrimas excieat, uve öi^/iujv, 
Bitientibns, i. e. plorandi aTidis, mterpretari maviB; qaod redit 
eodem* Bimile vitii genus tetigi mox vs. 251. 

189. dXX' oM. M!f|V viv f) ktuvouc' dKcipcrro 

^Mn T€ fitliTTiP oubaniuc b* ^ifiibvuMOV, 

(ppövrma TTttici bucdeov Treiran^vn. 
Displioet mihi langnidom epexegema bucOcov, et maUm: 

oubafAuk b* ^Kibvujyiov 

qjpöviijia iraid öi^cOeoc ncirofi^vi). 

225 — 229. De hoc loco dispatavi In Comm. Anist Vs. 228 
nunc sporium esse orediderim potins qnamoorrigendnm, nt ibiproposni. 

247. IboO hk t^wav — CKr|Vij)Mactv. Comparatio tarn foeiliB 
ad intellegendam, nt non possim non Interpohäwri tribnere tres 
seqnentes hosce: 

ouTU) Käyik T^vbe T*, *HX€KTpav X^TUUi 
ibeiv TidpccTi cot, irorpocrepf) yovov, 
dfiqxu qpUT^v ^xovra Tf^v auT^v böiiiuiv. 

QnoB versns ne addere qnidem potuit poeia propter formam 
orationis, qua usus est in pra^gressis: iboG bk T^wav. Aesohylos 
Orestem et Electram aquilae mortnae pullos appellans respexit ab 
altera parte vivi Agamenmonis gloriam et fortitiulinem et potentiam, 
ab altera miseram sortem et inopiam et imbeciUitatem mortui übe- 
rorum, quonun alter viveret in exilio, altera paene serrae loco in 
domo patema. Misere vero ineptit intei-^^olator dicendo ambos eodem 
premi exilio, quod de Euripidea Electra fortasse qnodammodo dici 
posset, de Aeschylea absurde dictum est. Qiübus versibus eieotis, 
pulchre praegressos excipiunt verba: Kai toO Guxfipoc — T^pOtc; 
ubi poeta figurcitam oratiouem paulisper intermittit, ita tarnen ut 
uno vocabulo veoccouc usurpando caveat, iie niinis abrupte id fecisse 
videatur, cui rei eo raagis erat cavcn luin, (juia in proximis redit 
ad eandeni imaginem: out' deTOÖ TtveöAa kt^. (('. A.). In versibus 
quos damnavi hoc quoque arguit inteqiolatorein, quod post pronomen 
demonstrativ um irivbe veraiculum (252) nondum plenum, malorum 
Terbiücum more, explevit yocabulis otiosissimis 'HXeKlpav XetUJ* 

260, ou Totp dvTeXfjC 

eripav TiaTpiuav irpoc^epeiv CKqviüMaciv. 
In Co mm. Am st. correxi 7iaTp4JOic, comprobante Dindorfio, 
Add. lex. Aescb. p. 430 B. 

302. TO ^f) iroXirac euKXcecTdrouc ßpOTWv 
Tpoiac ävacTOTfipac euböSqi q>pevi 
buoTv TuvaiKOiv iLb* uttt^köouc tt^Xciv. 
Nemo, credo, monitus non sentiet, quanto pulchrius magnificis 
bis versibus terminetur longa Orestis oratio quam misello versiculo, 
qui compositus a falsario ad explicandum cur (quasi obscnmm hoc 



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EiMdaAioiiit AMohyleae. 147 
68B6tI) poeta cüxisBet buofv nwancotv in cocüoibiis editionibiisqii« 

yemun boh iam dndiim damnatmn esse eo nuigis muror, qiiod 
neoesBariom dativam AIt^cOiu poetaster metri coaetos aqgastÜB cmtSL 
ütnim vero sie, an el b' homo dedarit pamm eiiro. 

414. Vid. ad. Agam. 1309. 

427. dvuüGcv dWKoeev. Conied IvcpOcv in C. A. Vid. Dind. 
Add. lex. p. 422 A. 

434. Ore&t. t6 ttov drifuuc IXcSac, olfior 
TTOTpoc b' dtimüciv dpa tCcci 
^Kdn fikv bat^6vu)v kt^. 
'Atimuic \if€\v pro X^t^iv dnfia Graecnm esse nemo mihi 
persnadebit, itaque locum yitiosum esse apud me oonstat. äoflpicor: 
TO Ttav OETiiiUJC ^peHac, oipoi. 
TTarpöc b* dTi)iiuciv dpa Ticeic kt^. 
ut haec dicat Orestes, continuata, quam soior orsa erat, oratione ad 
Clytaemnestram. Cf. 430 Possis tarnen etiam »ic: 

TO iravTÖToXnov IXcHac, ot^oi kt^. 
i.e. audacissimum, mea soror, facinus commemorasti! Cf. 
Agam. 221. Utra correctio probabilior sit, aliis diiudicandum relinquo. 

455. In scholio ad h. 1. correxi KUT* auTÜuv, contra patris 
interfectores, pro kqt* qutöv. C. A. 

606. TToTbec fäp dvbpi KXr]bövec ctuiripioi 
Gavövrr q)eXXo\ b' (hc dtouci biKTuov, 
TÖv €K ßueoO KXtüCTTipa cuj^oviec Xivou. 
Vel ipaa comparationis ratio scribere suadet: 

xXribüvoc cwTripioi, 
qnod et magis sobrie et vemistius dictum est. 
514. TTuG^cOai b* oub^v dcT* lliu bpö^ou, 
iTÖOev xodc ^Treiivpev, Ik tCvoc Xötou 
fi€6<kT€pov TiMidc* dv^Kcaov ffdOoc; 
eovövn b* od <ppovoOvTi betXafo x^9^^ 
ininntt** oÖK ^xoi^' ftv clicdcai Tdbc. 
tA irdvra fap nc ^KX^ac dv6* otfMrroc 
Ivdc, |i&TT|V 6 pöxOoc' dib* i%€% \&foc 
Qindqnid est aLegantionun honmram, tat ado, probabit, qnod 
poat pxomoman demonstratiTnm rdbc ts. 617 omiaerim yeraiim 
Bpnrinm laognidam et anbineptnin: 

Td bd^, Mcfiu b' kcd tf|c dfioprioc 
Qm addidit, non videtur inidllexisse Yidetor rdbc aignificare 
hane rem. 

565. Oreai Kai bf| 6upu)pu^ o5nc fiv <patbp4 cppevl 
bSSarr', dircibf) baipovä bönoc xaicotc 
MCVoOmcv o5tiuc d»CT' iiT€iKd2:€tv Tivd 
böfjouc nopocTcfxovra xal rdb' ^vWireiv* 



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148 



H. TW Herweideii: 



„Tl bf) TTuXaiCl TÖV \k€TT]V d7reipY€T6 , 

AiyicOoc eiTTep olbev ^vbrmoc Tiapiuv;*' 
Verbum tTTCiKd^eiv iiunKiuam aliud significat quam suspicari, 
conicere, nec poiii potest pro aicOavecGai, qiiara notionom ci hic 
impertiuntur intcrpretea. Propterea uondum me poeuitet couiecturae 
olim propoaitae: 

UJCT' dTTO l KTl'Z^eiV Tivd, 
ut nos comniiseretur aliquis praetereuntium. Cogitari 
qiKK^ue j)osset de reponeudo ^TTiCKÜZieiv, sc TOic dupuipoic, si 
de activa huius verbi forma certius constaret. 

Ultimum (juem adscripsi versuni Diudorfius uUro me ludice 
corrupit pro verbis sanis&imis ^vbrmoc Trapujv reponeiis CKbriMOC Ttep 
itiv. Sed alle vitio versus labonvt. !Niäi euim egregie lailor, poeUe 
reddi oportet: 

Tl bf] TTijXaici TÖV iKeiriv dTreipTexe, 
AiYic6oc eirrep ^vbov, ^vbrmoc rrapiwv; 
L e. siquidem Aegisthus, qui certe nou pcregre profectus est, est 
intim. Verba eniiu ^vbiijLioc iropuiv homo addit ad significandum, 
cur Aegisthum domi esse Buspioeto. Yulgata iMdio olbcv ita solet 
eiplieari, quad salnntelligeiidiiiii sit t6v Wtiiv tropövra, at ueque 
Ulla homini causa erat, cur id suspicaretiir (etircp aatem Indkafc 
persnanonem), neque Aegisthusi mBidiamm metaens, hospitos fiusUe 
admimme yidetar, ita ut pamm probabUe sit kimc ianitoribus Orsstem 
ezdndentibus iraseitanim foisse. 

671. cl b' o$v dfidipui pdXöv IpKciuiv mfVd^v 
icdKctvov Iv Opdvoiciv €Ö(>ijou irorpöc, 
fi Ka\ fioXuiv ^iT€iTd pLOx KaT& cröpia 
dpct, cd(p' Tc6i, xal kot* öcpOaXjüioik ßoXct, 
iTplv oÖTÖv €liTeiv „iTObairdc 6 S^voc;" vexpdv 

Non sufßcit Bambergeri GomcÜo (|aam iure recepit 

Dindorfius, sed simul legendum: 

bid CTÖfia 

&p€i, ktX. 

i. e. biapei t6 ctÖ^O, quod quid sit nemo erit docendus. Praepositio Kttrd 
male repetita est • yersu sequenti Bis scriptiB video Schoemannum 
Annal. p. 18 sq. suspicari tvavTa pro lireiTa, tum KaKÖCTOjuia 
dp€i et KdK* ötpGaXMOic ßaXei. 

581. u^iv b' ^Traivo) x^ujccav eucprunov (pipeiv. 

Graecum est in ea re qjopeiv, ut gerere latiue dicas, non 
ferre. Saepissime a librariis utrumque verbum coufunditur, cpia de 
re vid. Cobetus Mneni. IX p. 116. Eodem modo currigatur locus 
Aeschyleus SuppL 994. Nam Sept. 622, ubi optime haberet: 

T^povra töv voOv cdpKa b* f]ßujcav cpopeT 
lectio cpe'pei in Medicco cud. nuinu recentissima superöcripia est veteri 
lectioni q>uc€i, uude e Weüaueri couiectura hodie receptum est 



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EmMidationei Aescbyleae. 



149 



ipOcL Dabito tarnen mun reote. Etemm q>0€tv rpixoc^ mbrfmOj 
nripOf similia oonstaniiiisa dienntor ii, quibns erines» cetera crescere 
inoipiniit, non de üb quibns lam erevemnt, ita nt pemiire nee eatis 
honorifice Ampluanuis homo iam senior dioeretnr t^povra töv voOv 
c6ipm b' fißdicav qiOetv, et neceBsariimi ibi quoqne videatnr q>op€f. 
Neqae emm q>opetv tantnminodo „de omnibiiB pariibus corporis et 
de corporis culta omatnqiie dicitnr (yerba smit Oobeti 1. 1.)'', sed 
etiam translate de meute et indole, ut y. e. Soph. Ant. 705: 

vuv Sv fieoc noOvov iv ccwtCu qpöpei. 
Qaare xumduin me poenitet ooniectorae, Ant. 1089 sq. Sophodem 
seripsisse: 

«ai Tvqi Tpecpciv xfjv fXCkxav i^c^xanipav 
Tov voöv 1* «j^ieivui tu^ ippeydv «bv (f. od) vOv qiopet 
pro <p^p€i. 

594. (ppovrifia Tic \lfo\, Aegre careo particula dv. An 
(ppöviv TIC (öv) X^TOi? C. A. 
599. cu2!u-fouc b* o^auXiac 

eTiXuKpotTric dTTepiuTToc ^puuc icapaviK^ 
KViubdXujv le Kai ßpoTÜuv. 
Imo vero: KVuubdXuuv le Kai ßoTUJV, i. e. beluarum ac pe- 
cudum. TTapaviKOt intelligo: male vincit. Seutentia: Amor autem 
iste qui omnia vilipendens (dTrepiOTTTOC, direpißXeTrTOC recte 
explicat dTiepuJTröc Phrynichus Bekk. p. 8, 8; Germanice dicas 
rücksichtslos) mulierum pectoribus imperat, male vincit 
(i. e. impudeutia et feritate superat) beluarum pecudum(iue con- 
iugia. Ita demum haec sententia recte cohaeret cum pra«cedeatibus. 
BpOTUJV librarius incogitanter repetivit ex vs. 597. 
623. CTiei d7T€|LiVTicd|iav djueiXixujv 

TTÖvuuv, dKaipujc hi buc9iXec f afir|X€U|Li* <in€uX€TOV böpioic 
TuvaiKoßouXouc t€ )nr)Tibac (ppevuiv 

^TT* dvbpi T€UX€C9ÖpUJ 

in* ävbpi bdoiciv dTTiKÖTtu ceßac, 
Tiuiv h* dO^pfiavTcv iciiay &Ö)liiuv 
TuvoiKciav ftroXfiov aixM<üv. 
Arena sine caloel Beete pröeol dubio Stanleios correxit rtui 
pro Tiuiv. Bernde cadit in ooidog praeoedens yoeabnlnm dßac non 
habere qno referatnr, itaqne mendosnm esse. Qnoniam yero in prae- 
greesis manifesto verbnm desiderainr, nihil est probalnlins quam id 
yerbom latere snb vitioeo iUo dfac 

Sententiaram nezns hninseemodi qnid postnlare mihi videtor: 
im\ — irdvov, dxcdpuic tö biicq>tXU — 



lif' dvbpl b<jk>iav i/yiqiöpifi Mfifw, 
Tiu» b* dd^p^iavTcv Icrtev böfAuiv, 
tuvaiKciov (t*) droXfiov olxfidv; 
'CmKÖTip, qnod Heimsoethins in ^tK^np mntant, celat potius 



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160 



H. Yftn ^fwonlMii 



^incpößuj Le. (poßcpiff, qao sensu yocabulom osorpavit Sophodes 
0, C. 39. 

'Aö^pliiavTOV dcTiav, quod male dOpdcuviov explicat scliol., 
intelligo focum uon accensunif i. e. domum, ubi maritus ouk 
ai8€i TTÖp im TTic ^CTiac (cl. Agam. 1435: 'Iwc öv atör) TtOp ^9' 
dcTiac ^iLiT^c AtTicÖoc), Y^vaiKeiav — äioXpiov autem ignavumque 
Imperium muliebre. 
Sequuntur haec: 

KttKOJV be Trpecßeuexai t6 Armviov 
Xöyuj* Yoäxai be br\ ttö8€i KaioiTTTucTOV ' 
Vix aliud latere puto quam hoc: 

fooiTai hl ff] (tellus) 7T(i6oc KaidtTTucTOV 
quod non eget interprete. Hartungü coniectura ^)t]^60€V, nuper 
probata Schoemaxmo, eo laborat inoommodo, qaod suspechis est 
usas passiviis ToO todtTOk Ita flRttem idmiil omnBlomfieldo sriboidiuii 
Bit ßofirai. 

670. In comm. Amit pro btKaiuiv T* öfifidruiv oonieoi 
KaX<l>v T€ ßpuüfLidTUiv, ita tarnen nt de hoc Temi, nam genninoa 
nt dnUtaran propter iiifioetain yerbonun compositioiiem: irdpccTi 
— irapoucCa. Qno deletOi rerocanda faerit oodieis ledio dcXicrfipia 
pro OcXicnipio. 

684. Pro altero cYt* odv ibidem propoim cTO' die Vid. Dindort 
lex. Aeech. Add. p. 480 A. 

698 sq. Ibidem poet longiorem oo&tra WeoUeini oonieotoiam, 
quam proposnit in AeschyL Studien pag. 161 sq., dispntationem, 
probata pvlohra Bambergeri eorrectione l6iKt\c pro KoXf)c, ipie 
pro oomipto TrapoOcav proposui ^atcicav, d. Agamemn. 606. 

706. Ibidem oonatas snm demonstrare pro KareScvuifi^vov 
probabilioB esse KaTi|Stttifi^vov, i e. dignnm iadicatnm, qni 
tanti momenti nnntinm alEÜrem, dve ins snm, cL Agam. 672. 

7 1 9 sq. non una de causa Bospectayi ibidem. 

732. TToT bi\ irareic, KiXtcca, btufAdruiv irOXac; 
Permire dictum est traTcTv TTuXac pro foras procedero. Expectabam 
eqnidem ttoT hi\ Traxcic, KiXicca, buufidrujv Ttdpoc; ut dixit Sophocles 
Aiac. 73 CT€iX€ bw^&TVJV Tidpoc, et non semel Euripides. In 
sequenti versu pro d^icOoc proposui dfiiKTOC, i. e, dtpioc, in- 
sooiabilis, in Comm. Amst. 

744. ÜJC )Lioi Tot TtaXaict cuykck pa|i^ va 
dXfn bucoicia [loTcb* dv 'Aipdujc böjLioic 
tuxövt' nXYuvev iv cT€pvoic qppe'va. 

Quia üraece dicatur cuxK^Kpainai KaKOic simil., ihm KUKci fioi 
cuTKCKparai, in Comm. Amst. malui cufKCKpa^evr), coucretae 
sc. illis doloribua. Verba autem inclusa per se (juidem spectata melius 
abesse dicebam, non tarnen fortasse dedecere bonam vetulam ver- 
bosiorem orationem. Ex buius quoque persona forsitau possit de- 
fendi parum elegaus dictio dXtn — dXtuve, ubi malit aliquis iTd6t|. 



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Emendatione« Aeichyleae. 151 

754. Pro TpÖTTU) (ppevoc in C. A. requirebam et nunc requiro 
TTÖpuj (ppevoc, via ingenii, i. e. coniectura. Cf. 768. Deinde 
pro lectione codicis h{y\fr] Tic, impugnata Wellaiieri TrapabiopGuicei 
scribentis biij/rjcic, conieci b\\\nr\ viv, de qua emendatione Yid, 
Dmdorfius add. ad lex. Aesch. p. 426 

795, Tic äv cujJö^evov ^u0jaöv 
toöt' ibeiv bdirebov 
dvoM^viwv ßrmdTuuv öpefMOi; 
Nuper in Mneraos. vol. V (N. S.) p. 196 coiTexi iboi kott TT^bov. 

807 pro dvibeiv (cod. dv ibeiv, qiiod labern concepit e 8e(iuenti 
Ibeiv) in C. A. conieci dvex€iv, emergere, cl. Soph. 0. B. 174 et 
Herud. Vni, 8. 

860. Pro 7T€ipai conieci irpijjpai, i. e. CTÖftaTa, mucrones 
d. Prometh. 423. CA. 

883 sq. De horum versuum diMcultatibos vide quae pluribns 
difpatevi in commentatioxie AmstelodameiiBL 

904. Orestes ad matrem: 

Inou, Trp6c odrdv rdvbe (Aegistiram) ce c<pd^ai O^Xui*' 

Graecum est irap' adrdv. C. A. 

976. CeiAVol m^v f)cav iy dpövotc t66* fSficvoi, 

«pCXoi bi m\ vOv, die iireucdcai ird6n 

iröpecTi KTi 

Beeie MeÜems Mnem. VI p. 107 ird9€t emendant pro fird8T|. 
ICniiB plaoet qaod pro C€fiyoi, euiiiB yocabnli oomiptelam mani- 
fesio päiodit seqnens q>{Xoi, iMdem sabstitnit &ivoi, L e. koivoL 
Mihi Yerom vid^tar qiiod Bz. crit p. 106 proposm c^fiirvoi, 
ooneordes. 

1013. qiövou hk icnKlc SOv XP^v«|) Su^ß<&XX£Tat 

Terba composita com praepoeitione cöv, abionmqne oonspira- 
tionBm signifioant, constmi solent cum nudo datiyo, velut cuv- 
4^IV, cu^q>uJV€iv, cuMM^TpekOoi, ceH. Quare reposnerim riu XPOVi|f. 
Insnper articnlos hie necessarius esse videtur. C. A. Cl Bxerc 
crit. p. 103. Assentitor Dlndorfliis, lex. Add. p. 431 A. 

1015. iraTpÖKTOvöv 6' ütpaqxa irpocqiuJviSrv TÖbc 
äXtui m^v Ipya xai irdOoc r^voc T€ nfiv, 
älr\Koi viKTic Tf|cbe ixx&c^cu 

NoB fero in Aes^jlo immanem soloecismum non nisi extremae 
aetatis scriptoribus permittendum , verbum dX^ui iunctum cum sub- 
stantivo (non cognato einsdemve aut similis notioniB) ia casu qoarto. 
Hon ignoro Sophoclis locam in Aiace vs. 790 s<}.: 

Toöb' cicdKOue Tdvbpoc, ujc r\Ke\ cpepujv 
ATavTOC fmiv TTpdHiv, tiv T^X-fnc* i'i^ — 
8ed ibi leni manu corrigi potest: f|C nXtnc' ^T^- Nam dolendi 
verba, quae plerumque cum dativo aut cum praep. ^tti c. d. con- 
struuntur, interdum a poetis iunguntur cum genetivo causali, velut 
Agam. 554, Hecub. 1232. De quarto cafiu post x^^P^^v docta et 

itkA. L clMt. FliiloL SapFL Bd. X. 11 

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152 H. van Herwerden: 

acenzaia est diapntatio Lobeckii ad Aiao. 136. Looo tarnen quem lUe 
oonfert ex Ghoephoris 449: 

xaipouca iroXt^baxpuv t<^ov, 
ubi Yerbiun xot^P^tv absnrdimi est» dodtun Dobraens eridenier emen- 
davit x^ouccu 

* hm ut revertar ad locnm qaem nmio traeto, ibi Bcripserim: 
xXdu) p^v ifTfa Kai irdBoc t<^voc T€ irdv. 
AHter loeam eq[)edire conatna est WeilivB in ana hnius febolae editione. 
1038. odric juepönuiv dcivf) ß(oTOV 

bid irdvT* drtfioc dficiiiiei. 
Teneo qnod proposui Exere. erit» p. 104: 
o(hic ficpdiruiv dctvfjc ßCorov 
bid irdvT* drtipdv d|ii€(i|f€t, 
cL Emu. 305: dctvfjc b' aiuiva bioixveT. 

Ohorns vitam hnmanam yocat noxae plenam. 
1047. buotv bpaicdvToiv €i6ir€Tidc TC^ibv icdpa. 
Hoc loco et Again. 553 

Td TtC dv X^g€l€V €dir€Td^c ^x^iv 
Td b' aOT€ Kdirliiio^(pa. 
manifestum est Aeschylnm adverbio cOTreTÜuc tribnisse noüonem 
yocabnli € 0 t u x uli c , quam observationem in lexicis desidero. Caeterom 
id nemo mirabitur, qui leputaTerit euiT€TilC et cognata vocabnla 
ducta esse änö toö €Ö iriirreiv, qnod proprio de felici talomm 
iai^tn did constat. 

*Ael TTiiTTouciv et Ai6c KUßOl. 

1063. fcx€, (pößoii viKui iroXü. 

Longo malim Xiav, nimis, pro qno illnd a glossatore potnit 
substitui. Hosychius: Xiav* Ctpöbpa, ITOXO, lldvu, drOV, icXUpdk. 
C. A. Cf. Dind. Add. p. 430 B. 

Ad Bmuesilidoa. 

Vs. 6. TiTttvk dXXn TtaTc xöovoc Ka^iUio 

OoißTT bibujci r\ TCVe'GXiov böciv 

Ooißiu' TO Ooißric b' övo)Li* ^X€t Trapuuvufiov. 
Quia övo|aa TTapajvujaov est nomen ductum ab alio nomine, 
uec TTapd)Vu^ov iuugi potest cum <t>oißric, quippe posito inter arÜculum 
et aliud substantivum, certum arbitror poetam dedisse: 

<|)oißi|)* *TTÖ Ooißric b* övofA' ^x^i Trapuuvu^ov, 
in qno versu sie scripto cave iimgas Trapuivu)iov dirö 0oißr]c, quia 
irapibvu)yiov regit genetivnm, sed innge: dnö 0oißnc b' ^x^^ övofia 
irapuuvujüiov. S^mSiier ts. Stio enm alüs malim: 

fi hi\ *nö |LiriTp6c beurepa TÖb* Uiero 

^avT€!ov 

pro T 6 Mi)Tpöc, licet ibi fortasse res non aeqne certa sit. Librarios voonlae 
diiö apocopen ignorantes pro no legisse to non est qnod mireris. 



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Enkendationes Aeschyleae. 



153 



44. ^xovT* ^Xdac 8* uM^iTevvriTov KXdbov, 

X^V€l ^€tiCT(|l CUKppÖVUüC dCT€pi)i^VOV 

dp ffjTi ^aXXifi. 

Snspectam babeo, nimc, ui öHm, ^et^cT4J, neodnm diaplieet 
qnod proposui in Ex. crii p. 104 Xi)v€i b* IXtKTij^ icri. 
67. Kttl vGv dXoOcac TÄcbc t&c ^dp^ouc öpfc 
öiTvtfi irecoOcai oi Konrdimicrot KÖpat 
NuKTÖc iroXmal iralbec» alc ^irwrai 
6£i&v TIC o(fb* dvOpunroc 6r|p irore* 
Koxdhf b' &caTt Kdrr^vovTO ktL 
Peimoleiiom aoMolnthoii, cnins nnUA idonea esoBa ezoogitari 
poteat, labens remoyerim corrigendo: 

(hrvqi ffcbiikvTat b' a\ icri 
idqne eo lubeninia quod Oitvi|i ndrrciv pro iciirrctv cic öirvov 
4v ihnn|i luiflqiiain rep«rtiim est Neo potoit Temis «zoidiste, quia 
mdd a YS. 68 iisqne ad 71 sqq. omnia aretutime oobaerent. 

76. Hnnc ▼emim reoto delevit in ed. Y. Seen. DindorHus. 
£go de ea re iam monueram Ex. er it. p. 194 (ubi simul ex ANAIEI 
elieui AAAICI, i. e. äXaici pro &v d€\). 

103. In Gomm. Amst ineor oodicie serqitiiram icapbCif c^Oev, 
quam confirmat ipse poeia versu sequenti, contra ne aptam ({uideni 
Hermanni conieoturam xapbiac ö8cv reoeptam a Dindorfio, inter- 
pretando Kapb{(|i per q)p€v(. (Hesychius KOpbiii* xal 6 XoTlCfiÖC 
Ka\ TO cuvii6€C. ) Ys. 105 spurium videri ibidem dixi. 
110 Bq. 6 b' ^HoXuEac o¥x€Tai veßpoö blicriv, 

KQl TaUTa KOU<pUJC Ik fi^ClüV &pKUCTdTUIV 

ujpoucev, u^iv 4TKaTiXXu)i|;ac \xifa. 
Qnis iimquam vidit formulam xai Taöxa (i d q u o) sie coniunctam 
cum verbo fmito? Nee mirum, ut oj)inor, nam vetat ipsa rei natura. 
Beete haberet Kai laÖT* — öpoucac, quod nietro prohibetur. Quin 
igitur mcndosum sit TaÜTa, dubiam esae nequit. iiecte olim £x. 
crit. p. lOö repoBui: 

Kttl Kotpia Koucpujc. 
Cf.Pers. 519 Kotpra cacpujc, Agam. 801 Kdpi' dTTo^oucuuc, alia. 
125. Ti coi TTtTTpaKTtti TTpayua TrXfiv reuxeiv Kaxd, 
Memonindae cert€ Dindorfio fuerant egregiao »Stunleii et Wake- 
fieldi eoniecturae ir^npiUTai et TeiaKTai. Nam irenpaKTai vitiosum 
esse certum est. 

223. ncuxaiiepav. SchoL öoXiuüTtpav. Lege cxoXaio- 
T^pav C. A. 

246. In Exerc. Crit. p. 107 ronieci: 

TTpöc ai^axoc craXaTM^v pro ai^a köI 
276. dfuj bibaxOeic KttKoTc eTriciauai 

TToXXouc Ka9ap^ouc, küi XeT^iv öttou biKq 
cifdv 0' OjaoiuiC ev xtube TTpufiaati 
(pujvfciv eidxOnv irpöc coqpoO bibacKdXou. 

n* 

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154 



H. Tan Herwerden: 



Frustra me torsi, ut e primis Torbis Oreslii elkmm stntaiiiiAin 
cum reliquis satis bene eohaarentem. Bz iis enim ^oae stalim rab- 
sequuntur iure expeetos in hoo ofatknos «zordlo noiidnm mentioiiiiii 
fieri de lutrstioiiilniB, de qnibns yb, 280 sqq. fatnnu erat diondi 
locus, sed mhil aliiid dioere matriddam quam: longa malornm 
experientia ae dootnm esse, utrnm identidem faoere oppor- 
tunnm esset, loqui an taeere. niatam antem esse Ka6apfio(»c 
pro neoessaria Tooe KOipotk mero librarii errore aberrantis ad yb, 384 
contendo et dedisse poetam: 

ifih bibaxOek dv kokoIc McroMai 
iroXXoici KaipoOc, koI Xiy^w dicou bixn 
axdv 6* öfioiuic kt^ 
Duo ad b. L sunt scholia, quorum prius quidem 6 dcri, 
TfiXiKaOra di|iuxAcoc (leg. dTuxrjcacX & iroXXuiv 4Mftt\ KOGopMilhf, 
qnod ezilitate sna prodit Byiantinam originem, refeitor ad tra- 
ditam lectionem, alterum yero, doctum et Alexandrinum, ad eam 
ipsam, quam de ooniecturae restitiii. Ol ^vaTefc oöt€ lepip 
7Tpoci^€cav o^€ irpoc^pXeirov odrc bieX^TOvrö rtvt' xal nop' 
EupiniÖQ* 

t( ciY^c; Moiv q)6vov Tiv* ciptdcui; 
"Enci *Op^cTnc niWei biaX^T€C0ai öoküuv In ivayiic cTvai 'Extli, 
q>f)Ci, bibax6€\c cuv Kaxui iCjt d^auToO Ka\ olov bibacKdXoic 
Xpi£»M€VOC tqTc ^paTc cujucpopaTc ^Triciapai Kai citöv kqi XoXciv 
ÖTTOu bei, EKATEPOY KAIPON tiTVuickujv. Nulla in bis de luslra- 
tionibus (qimni vero inepte in vulgatis Orestes iactat histrationum 
suam exj)erientiam!) mentio, sed docte et luculenter ab erudito 
grammatico ea ipsa sententia, quam sana ratio requirit, exponitiir. 
Hoc insuper ([uaeri potest, an forte vetus interpres non ttoXXoTci 
Icgerit, sed ^poici. Quam rem tarnen' non fidenter afürmarim, quia 
autiqui in iTiter{)retando magifi universam sententiam quam »ingula 
Yocabula spectare assolent. 

Fallitur ad h. 1. Weilius, (pii verbis audacter transpoBitis in- 
felicissime coniciens Kaö' öppouc, quod, si dis placet, significet in 
bospitiis, contendit vitiose sibi respondere kqi — t€. Non enim 
sibi respondent, sed ad KQi repetendum est verbum iiricTO^ai. 
CA. Cf. Dind. Add. p. 428. 

299. ouToi c* 'AttöXXujv oub' *A0rivaiac cO^voc 

pucaii' dv ÜJCTC jüifj Ol) Tiapr]jLi€Xrm^vov 

^ppciv ktX. 

Aesohjlum pro inerti et languida voce scripsisse TTapeHrjuXrm^vov, 
i. e» miseriis confectum atque exbaustum, probabile reddere 
oomitas smn In Studiis criticis in poet. scen. Graec. p. 3. 

312. cöSubbcatot b* fjbö^ee' elvoi. 
In Exerc erit (1862) p. 107 Bcribebam ,,Soloeoa oratio est 
Lege c^xö^ee"*. Idem vidisse DonaldsoBiun docet me Dindorfii ed. 
Y. SoeniG. 



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fixnendationef AeiohyleM. 155 



341. im bi Tip T€9u|a^vuj 

Tobe jn^Xoc TTOpaKOTTd, TTapaqpopct (pp€VobaXf]c, kt^. 
Aures meas ita misere vexat lonica illa 7TapdXr|Eic, cuius milliiin 
novi exemplum, post paeonicum ordiuem, ut <pp€VobaXf)C vitiosum 
esse credara. Paeonicae mensurae requiro vocabuluin, ut (ppevO' 
^avrjc, quod conieci in Exerc. crit. pag. 107. 

347. TiTVOMCvaici Xdxn Tab* ^9' djiiv eKpdvOr), 
deavdiuuv b* direxeiv x^pac, oüöe Tic ccti 
cuvbaiTujp jieTdKOivoc 

Aliud requiri viros doctos non latuit. Prienius et Hermanmis 
eoniecerunt dOavdiuJV bix' ^X^^v T^pcic, quibus merito Weiiius 
obifldt Toculam hk non »bnndare; non enim incipere Diras, sed per- 
gere enamre munera sna. Quapropter ipse reposuit: dOavdTWV b* 
dLTxixeiy Ik&c Ingeniöse; sed nihil obstat, quominns eiaam lemas 
corriganras: 

deavdnuv b* dir' ^x^iv T^potc, 
oollsto Snpplicam loco ts. 684: 

voucuiv b* dcpiöc dir* dcTi&v 
!2^oi KpoTÖc dT€pinf|C 

Soholinm ad h. L pfj irXiicidZIciv f||yidc TOic Ocotc, ad quod 
Weilins proTocavit, aequo iure pro nostris oonieetnris et pro leotione 
Tolgata dtari poterit. Nihil omnino inde effioi posse manifestam est. 

429. dXX* öpKOV QU bilavr* &v, ou boOvai O^Xoi. 

Melins Ahrensius öv — O^Xui, quod et ipse Ahrensii conieotu* 
rain ignorans proposui, cl. vs. 432, Ex. crit. pag. 104, quam'Din- 
dorfius ei — 6^Xoiv. Probabile enim est Fuiias reyera hic Orestem 
irpoxaXciv eic 6pK0V, et sie etlam melius quadrat Minervaeresponsmn: 

KXueiv biKaioc jidXXov fj TTpä^ai 6€X€tc 
£gregie aut«m fallitur Weiiius, coniectora nihil opus esse dicens. 
Videtur igitur boOvai (offerre) intelligere praestare, quod si recte 
&ceret| poeta bis idem dieeret, ut taceam desiderari disertam oblati 
sacramenti mentionem. 

470. TO TTpdTMa jueiJov ^ Tic oleiai TÖbe 
ßpoTÖc biKdceiv. 

„Haec ßive €i Tic, quod libri et schol. habent, sive r\ Tic, sive 
et TIC scribis, ab hoc loco aliena sunt. Nam si Minerva rem maio- 
rem esse praedicat quam a moiiali diiudicetur, neque Oresti respondet, 
qui rem deae, non hominum, iudicio commiserat neque sibi ipsa cou- 
stat, quippe quae eandem rem civibus suis commissura sit. Si ex 
Prienü interjjretatione [quae sola verbis respondet] dicit rem gra- 
viorem esse quam mortalis, i. e. Orestes, opinetur, ne hoc quidem 
aptum est. Orestes enim non levem habet eam causam, quam deae 
sapientissimae committit, idemque vs. 416 Furiae fecerant." Apposui 
verba Weilii, quia non potest loci corruptela luculeiitius demonstrari. 
Inde tarnen minime sequitur dicendum fuisse: haec Iis maior est 
ad diiudicandumquam eae quae inter homiues agitantur, et 



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156 



H. van lierwerden: 



Talde dubito num ipse Aescbjlus iutellexisset, quam vir soUers pro- 
posuit coniecturam : 

TO TTpctTM« MtiZlov f\ eX Ti ceieiai lobt 

ßpOTOlC blKOlieiV — 

in qua, ut de ceteris taceam, inaudita foret eiusmodi pronoiuinis de- 
monstrativi traiectio. 

Sprotii igitur hac oi)inione, auctor suni ut, (juod a prima mauu 
Uber Med. habet, ßpOToic mutetur in ßpoTOUc, quod «it obiectum 
verbi biKttleiv, ut sententia sit: Haec res maior est quam <|uiö 
putet, iudieium exercere de mortalibus. ^finerva orsa a .seu- 
teutia generali sie ferme ratiociuatur. ,,(iuod prima tacie (dtae prae- 
sertim) facilo possit videri, id est satis grave; nee vero mihi licet 
ipsi hanc causam decernere: te enim, supplicem meum, religioni duco 
condemnare, hanim yero te absolute fürorem reform ido. Nihilominus 
cum res eo redierit nt aüqnid sit mihi faciendum, instituam per« 
petmun aliquod iadiciiim e dTibas meis constans, qui, causa tesii- 
moniifl et argumentis beiie iitrimque insiraeta et ozata, suffiragia 
ferant inraia." C. A. 

476. aCrroi b* Ixodci ^oTpav ouk euir^juireXov. 
Yox semei lecta, quam SchoL explicat €Öira(>a(TT]Tov, eOxtpr], 
€Ödp€CTOV (cf. Hesycb. bucire'McpeXoc — bucdpccTOc) nesdo 
an, suadente falsa etymologia, iicrperam tradita sit, dederitqae 
poeta eön^iLicpcXov, formatum ad analogiam noti adiectivi Homerici 
e regione oppositi bucTr^^<peXoc. SWe antem poeta, quae est Din- 
dorfii opinio, ts. 480 ad eam vocem respexit, sive non, res redit 
eodem. Nemo enim dubitet, quin Aeschylns eum aeqoalibns omnibus, 
inteirogatas de vocabnlorum c^^ficpcXoc et buciT^)yiq)€Xoc origine, 
a verbo ir^fiiretv ea deriyatums fnisset 

480. TOiaOra pkv rdb* ^ctCv dpcpörepay yiveiv 
ir^lAirciv T€ Tdcbc, Txf\}i' djar|X«vu)C t' ^x^i. 

Sic Bindorfins correzit deprayatam codids scriptonun: 
ir^jLiireiv T€ bucTri^inaT' dfnix^vujc dfioi. 

FttoUo lenins cofzezerim de: 

ird)iir£tv TC Tdcbc, nf\}i*' djinx^^vuic Ix^- 

Qnod asyudeton dnbitabundae orationi apprimis aptom videtar. 

664. bi' aiujvoc be tov irpiv dXßov 

^'pinari TTpocßaXujv biKac ujXct* ÄKXauToc, dcroc. 

Scholiastam löv TToXuxpöviov öXßov ex|tli('aiitem secuntur 
interpretes. At inaudita est eiusmodi articiili traiectio, ne(|ue 
aliter verba couiungi grammatica siuit (^uam bT aiujvoc TrpocßaXiuv 
aai d&XeTO, quorum utrum»iue absurdum est. Quare bi* alujvoc quin 
in mendo cnbet, non potest dubitari. Aptum foret biaviaiiu — 
SpiiaTi, adrerso (proprio navem ex adverso penetranti) sco- 
pnlo; ant si mayis biovTaia, i. e. vehemeuti ictn, cl. Choeph. 
▼.640. CA. 



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Emendatioaeg Aeid^leae. 



157 



570, atäv dpi^t€i. 

Si Sanum est d^t/jt^t, Aescfaylum ooatra onmiiun Graecorom 

consuetudinem impersonaliter [et insolita notione] hoo verbo usus est. 
Difficile autetn dictu est, utrum scholiasta, qui explicat cujiiqp^pei, 
legerit dpriTCi, an TTpocr|Kei, quod hic expectes. Nam Hesychius 
qiioqne glossani 7rpocqK6i ezplicans inträ alia interpretamenta 
posuit cufi(p^pei. C. A. 

577. (povou be tou5' tfw KaOdpcioc 

Kai cuvbiKrjcujv auTÖc. 
Quoniam nulla ost in spiritibus codicum anctorita^, eodem iure edi 
potest auTÖc i. e. 6 auröc, ut Apollo dicat „ego qui Orestem lüstinvi, 
idem patronus ei ero". Quae scribendi ratio mihi nmio ut olim 
(£z. crit. p. 107) alteri praeferenda videtur. 

502. EkpouXkiJi X€lp\ TTpÖC b^pTIV Te|l((»V. 
Non faeile expediee praepositionem TTpöc, nisi mecum agnoveris T€^üjv 
esse glossema genuinae lectionis ßaXiwv. Cf. Eur. Orest 1350 
(pdcTavov be Trpoc bepr) ßaXmv (uude hic quoque malim b^pij. 
Ad Accus, cf. Ion 582, 685, qui tarnen loci sunt paulo diversi) et ita 
saepe TrpocßdXXeiv, velut Phoen. 735, Ale. '5<>7. Piueterea cf.Or. 61, 
Ipb. T. 785, 1374. C. A. Vid. Dind. lex. Add. p. 431 B. 

605. Foriae Clytaemnestrae scelos attennant dicendo: 
ouK f|v öfiatjuoc «purröc 8v Kai^iaovcv. 
Qaibus verbis ineptissime respondet Orestes quaerendo: 

quum debuissct: 

ifw bt jaiapac Triebe ttluc ev aiuaii; 
aut aliquid saltem in haue .^ententiam. Matris eniin suae se con- 
sanguirieum e.sse iiogaro uon poterat. Sed negare poterat se tarn 
scelestam mulienMii pro matre sua agnosccre. (^uicquid j)octa scripsit, 
verba ^r|Tp6c Tfjc £fyif]C ut glossema expungenda qsüq aibitror. C. A. 
In sequentibus: 

TTUJC xdp c' ?Op€i|i€V dvTÖc, liu )Liiaiqpöve; 

^JjVTic; uirevjxei laqipoc ai}ia (piXiaTov; 
ubi ibidem Tiiuc glost«atoris esse et ou substitueDdiini conicci (vid. 
supia ad Agam. 1374), forta.sse vera est Weilii interpretatio: quo- 
modo enim mater in utero te aluit nisi sauguine suo? 

611. bpacai Ydp ujcirep iciXv ouk dpvoO|i€9a' 
dXX' ei biKoiuJc efte ^fj rrj crj q)p€vi 
boKti TÖb* aijua KpTvov, d»c toOtoic 9pdcui. 
Qni boins loci difficultates bene ezposuit Weilins acute cooiedt: 
boKei, TÖ brj ^01 xptvov. 
Sed mimm est et bunc et ceteros criticos praeteriisse vitiosum esse 
bOKCi et requiri boKUJ, seil, bpdcai. Et rescripto boKUJ, fortasse 
^ servari poterit TÖb' aijua iiuigendum cum bpdcai (dXX' ei — boKUJ 
TÖb' ai^a öpacai). LocuUo enim ai^a bpäv, caedem committere, 



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158 



H. Yaii H6fW6id6iis 



satis defenditnr loeo Euripideo Or. 406 et similibiiBi quos attuli in 
Exercii crii pag. 11. C. A. 

719. Chor. ir^ hk M^k TUXoCca Tf)c bfici|C 

ßopcta xdiiKf, ifjib* 6|yuX^cuj irdXiv. 
TTdXiv pro ai^ic, L e. (Screpov, Attice non ponitar. Qiuaaateiii 
Duae dicendo irdXiv contra poetae mentem indicarent^ se iam antea 
Atticae infestas iuiBse, prociü dubio corrigendum irdvu, qnod inn- 
gendnm cnm ßopeio. Qnam emendationem proposui in Studiis 
critieis, pag. 3. 

768. TOic ti^iä iropßaivouci vGv öpKuifjara 

djuniXdvoici 7TpaHo)Liev bucirpa^iaic, 
Horum versuum auctori leddcndum est quod schpsit 

ä^T)xdvouc TTap^HoMev bucTtpaHiac. 
nt suspicabar Ezerc. crit. pag. 107. Cod. Med. dfiiixdvotc, apo- 
graphum Augustanuin irap^Ho|üiev; quod yerum esse apparet e dativo 
Totc irapßaivouct, qui e irpdSojiiev suspensus esse nequii Ecce 
aiitem versus, quales seqiiiores pangere solebaut ^ quorum notum 
Omnibus exemplum est Castohonis Solensis apud Athen. Xp. 454 F 
Carmen: 

Ce TÖV ßoXülC I VlCpOKTUTTTOlC | buCXeijUEpOV KT€. 

Viel. Poi>oni Suppl. atl itraef'at. lul lleciil>. ed. pag. XIX. lüde 
vero novum et invicimn, ut ü])inor, argunientiiin accedit Diudorlianae 
sententiae, vas. 767 — 774 Aeschylo esse abiudicandos. 

825. Geai ßpoxuuv crrjcriTe bvjCKr|Xov x^^^^va. In Exerc. 
crit. p. 107 conieci KTicriie. Nunc LimvdodiuMi idein proposuisse 
disco e lexico Aeschyleo (s. v. iCTr|)ai) Diudortii, qui tauien praeeunte 
Hermanno traditam UM-tioneni tuetur loco Sophocleo 0. C. 1041: 

TTplV dv ce TÜUV CU)V KUpiOV CTriCUJ T^KVUJV. 

ütriuhrnio tarnen loci non prors^us eandeni rationom esse crediderini. 
Loco enim Sophocleo icidvai Kupiov non aliter dictum est, quam 
kidvai Tivct Tupavvov (i. e. Ka9icTdvai) dicitur 0. Ii. 9 iO, Ant. 686, 
ut Latine non tantum dicitur constituere aliquem regem, ducem 
sim., sed etiam testem, bpectatorem. Cic. de orat. I. cap. 24: 
te mearnm ineptiarnm testem et spectatorem fortnna oon- 
stituit. Sed, ut constituere boc eeneu didtnr tantnmmodo de 
personis, ita Ghraece Icrdvai; Kiltctv contra et Ti6^vat et iroielv, nt 
faoere et reddere, de ntrisque, et personis et rebus, nsnrpatur. 
Qnare de emendationis veritate non fuerat dnbitaiidnm« 

846b877. diT6 T^p fie TtMolv bavot&v 6€idv 

bucirdXojüioi irop' odb^v lipay böXot. 

Suspecta mibi est sciiptnra 6€uiv, cnm qnia ipsae Fnriae deae 
sunt) tum qnia boc imprimis indignantur, qnod natu maioree iunior um 
dolis cireumventae sint Cf. 728, 731, 778 (808). Iddrco crediderim 
v^uiv esse genninam lectionem, Qedjv snperscriptnm interpretamen- 
tum, qno l ]^ro ea mtgrarit in teztnm. Correctionem ntroque loco 
confirmat Minervae responsio vs. 848 sq. et 882 sqq. 



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159 



931. 6 be Mf) Kupcac ßapeuiv toutujv 

ouK olbev Ö6ev 

TrXrjYai ßiÖTOu (TTpocerraicav). 
Plerique critici sedem vitii iudicanint ßape'ujv (ita codex, nam 
ßapeujv reposuit Ahrensius) conicientes TTpaiLv, 'iXapiiiv, ßpaßeiuv. 
Solu« Frauzius rede adortus e.^t negationem coniciens 6 be br\. At, 
ubi transitus fit ad coutraiium, iion his particulis locus est, sed 
Toculis T€ ^nv. Cf. Prom. 871. Sept 1062. Agam 1378. Quare 
sufipicor: 

6 T€ KUpCaC KT^. 

t . A. 

997. xo^PtT€ xctiptT* dvaicifiiaici ttXoutou, 

Xaip€T* dcTiKoc X€UiC, iKxap fi)ievoi Aiöc 
TTttpOevou qpiXac 91X01, cuxppovoövrec xp^^vifj. 
Annotat Weilius „quid sit ciiü(ppovoövT€C dv XP^vip non expedio, 
nam cwqppocuvii non interdnm sed Semper tempeirti?» est. In men- 
tem miU venit cuNppovoOvrcc €Ö<ppövuic, oolL Agam. 330 f^vm 
KOT* dvbpa ci&q)pov* edq>p<Wuic X^tctc**. Qnasi Tero hoo looo d^* 
fendatnr immams taatologia quam poeiae ol»faradit! £fi ad coniecturas 
ait confugiendom, band inepte snspioeris: 

cuMppovouvrcc iv KÖpip 
temperantes in satietate, dictum d£ujLi«6puK, quo respioiatiir 
notom proYerlniim Timt Kopoc Gppiv. Nisi forte XP^vip licet 
inierpretari iempestive, anieqnam sero esi. Nnsqiiam tamen 
liaae fonmilam sie oBuxpaiam repperi. C. A. Pro {jj|i€VOi recte 
Bergkiue flM^vric. 

1021. aivui T€ ^06ouc Tilivbc tiuv Koxvrfpi&twiv 
itiy^fw T€ qp^TT^i XajLiTrdbuiv ccXacqpöpiuv 
ßc Touc ^vepee koI kätu» yfioyU Tdirouc] 
Huv TTponöXoiciv. 
loclusl versiculuin, qualem yel pessimun poetastmm fecisse 
paderei. Nam qui metri scUicet angustiis compulBus lungere poteei 
IvepOe Kai Kdriu, vocabula prorsns icobuvaiioOvro, is vix homo est» 
nedum homo litteratus. In praegressis, qnia ttcmM'U) obiecto caret, 
yalde mihi abblanditur Heimsoethii coniectura alvui T* doibouc 
1032. BäT€ böjüiouc ^€TdXal qpiXÖTi^oi 

NuKToc TTOibcc dcTraibcc un' eÖ9povt itomit^* 

€ikpaM€iT€ hk, x^wpixar 

Tdc U7TÖ Keuöeciv uj^utioiciv 

[KttiJ TijLiaic Kai euciaic nepkcTiTai [vjxtf lej IcecBe. 

eucpajueiTe be TiavbaiLiei. 

Sic, resectis additamentis et insei to ecec6e, omnia bene procedunt. 

In his verbis voculam xai iam delevit Hennannus, sed non 
magis genuina videntur vocabula xuxot xe. Quae nata esse suspicor 
e xuxnie, quod adgcripserit de metro securus aliquis magistellus, 
qui verbum desiderari recte intellexerit Sed yerbum ülud quod 



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160 



H. van Uerwerden: 



perierat vL\ aliud fuit ({uaiii €cecOe. Ii enim (jui corrigimt TrepiceTria 
(pro TrepiceTTTai) Tuxoucai vel tuxoit' äv poeiae obtrudunt oratio- 
nem vix Gi*aecam, nccjue rectiuß ipse hunc locum tractavi in Co mm. 
Amst., nisi <iuod fortasse vere ibi .statui uuf ufioiciv cum Ti|aaTc 
Ktti Guciaic iungendum esse, (jnia Diras nunc demum Athenis coli 
coeptas nun in antitiiuun scd in novum sacellum deduci probabilo 
sit^ deascpie antiquissimas par esset coli caerimoniis vetiistis. Hac 
emendatione simul liberamur necessi*ate, quae Dindorfium, ut verba 
€Oq)afiieiT€ bi x^P^^^^i ^ parenihesi poneret, coegit; cui rationi vebe- 
menter refragantur poäita moz toG irapaXXrjXou verba euq>a|Li£iT€ 
hk iravbafAcL ^üo lod eam Faleio, rcquirente certa lege sermonis, 
correzi böfiouc pro böfiqi. Codex ho^w. Possis quoque böjiov. 

Ad S'xagmenta. 

XXIIB. 6 TaGpoc b* lomv icupfEeiv tiv* dpxav, 

<p6dcavToc b' in* ^pToic irpoirnbricerai vtv. 
In hoc obscuro Baccapuiv fragmento manifeato corrupta soat to- 
cabnla Tiv* dpxdv ei in* Ipfoic. Qoia aatem b xaCpoc Tidetar 
0886 Baocbns, is quem coniii petitunia dioitiir, vix alins esse potest 
quam Edonoram rez Ljreurgns, qni tetralogiae, ouqb baec fabula 
seeonda pars fuiti nomen indidii Qoae res me movet nt scribendum 
snspioer: 

6 ToOpoc b* €oiKev KupiSetv t6v dpxöv, kt^ 
Chorus BasBaridum Ljcurgo a Bacoho ezitinm imminere oanere 
Tidetnr. Sed quid lateat snb dir* ^pT^ic alius fortaese ezpediet 
Aptmn forct eXacppOfC, sed lenius retpiiro reinedium. 

CXCY. TTiKpoi fäp KoO bid I6ri\c dTfioi. An xal bixo ^ÖH^i 
i. e. Gavdcijuoi? 
CCXXXIXI. TOI bi H^vtü t€ CT^cpavoc, dpxaiov CT^q>oc, 
beciLiiüv apicToc, Ik ITpofiiid^uic Xötou. 
Pamm probabüe est poetam in uno versa coniunxisse vooabula 
Icobwainouvra, qualia sunt cxdipavoc et CT^q)oc. Quapropter vere 
mihi coiTCxiase videor in Exerc. Crit pag. 2 TrXeKOC, (juod vo- 
cabulum antiquitus, ut ex parodia Aristopbanis (Ach. 454 etPac. 528) 
apparet, trajjficis familiäre reddidi etiam Euripidi in lonis vs. 39, 
Sed praeterea mutata interpnnctioue requiro (uam (juae sit illa Pro- 
methei oratio non expedio), quod iain dudiim alio.< video couiecisse, 
XuTOU pro XÖTOU. Nam Prometbei coronam XOtOU 8. dtVOU, L e, 
ex vitico agno casto factam esse Consta t. 

CCXXXVIIl fortas.^H sie constitneiidum: Antiq. < ar. llist. 
Mirab. C. 127: tluv bt OiiXtiuv 2ujujv TpOTTiKLUiepov q)T]Civ tivai 
Tupöc Triv cuvouciuv iTTTTOV - 9üiveTUi be Kai AicxüXoc icTopiKÜuc 
TO TOlOÖTOVOUTUJ 7TUJC eipr)Kevai Trpöc idc Ttcxpütvüuc evTaicToEoTiciv 
aiboT f-iev (T^pV) ctYvaTc rrapBevoic, fautiXiuüV 
Xe'KTpLDv dTTeipoic, ßXtfinditüv peirti ßoXn. 
xal biaXiTTibv irpuctüqKfcv 



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Emendatione« Aetohyleae. 



161 



v^ac T^vaiKÖc ou jue XdOQ <pX^tu>v 
dq)6a\|uöc, fixic dvbpoc fj T^Ttun^vn' 
Ixw b4 TouTUfv Oufidv linroTvUlfiova 

Codd. äbwv ToTc et acrei ^f), qnonim hoc iam Heathius 
Gomiit. Cf. Eurip. Med. 672« Audr. 420. Dabinm est uirum An- 
tigonns priores Ydrsus argnmenti gratia apposuerit, an tantammodo 
p]X>pter oppositionem cum sequentibus. ülud si fecit, dicere possis 
revera virginalem illum pudoreni prodere, licet inconsciam, virorum 
appeteutiam, siquidem ante iiul)ertatem pucllac rectis oculis viroa 
intueantur. Paullo violentius torel KOtTai pev ('fö.\)^, noc fortasse 
necessarium, quia veilȟ ptirtiv iam inest propendeodi notio; nee 
tarnen nego me ita scriptuni lere malle. 

CCXLVIII. Sic constitui Plut. Mor. pag. 1087 in Plutarcheis 
et Lucianeis pag. 41: Kai ö xpovoc ö |i€V toutujv ou ttoXuc, dXX* 
ujC7T€p (dcT€p€c) Ol bictTTOYTec ^Eaijuv cifia Kai cßtciv ev TT] capKi 
XaMßdvouciv ö be tou ttovou (ttoXuc, ou) jadpiuc 6 AicxuXou 
OiXoKTrjTnc kavöc* ou tdp 6 öpdKUiV, 9r|civ, dKfjKtv, dXX' 

^vÜJKice 

beivfjV CTOjLllUTÖV ^KqpUClV, TTObÖC Xaßujv. 
Praeeunt« enim Madvigio, verba oO ydp 6 bpdKUJV evfjKtv qviae 
vulgo, correcto baKUiV pro 6 bpdKUüV, Aeschylo tribuuntur, Plutarcho 
adiuilicavi. 

CCL VLL. KOI Touc GavovTttc ei O^Xeic euepTCieiv, 
ö Toöv KttKOupYeiv d|Liq)ib€Eiiuc ^xe\ 
Kai )LirjT€ xoipciv nr|T€ XurreicBai ßpOTOUc. 
f||LlU»V M€VTOl N^|Ll€ClC icB* uiTcpT^pa 

Kai ToO OavövToc f) biKq updccct Kdrov. 
Acote Engems agnoTit rerba esse Priami respomdeiitis ad 
AehtlHs orationem, quo probabillter refert yersam a SiÜLda 8. iro- 
XaiT€v(c seryattun 

€d€pT€Tf)cai T^p t6 ciufui* oö ßoOXo^ai. 
Loci valde deprayati tree yenns priores ita legerim: 

Kol TOilC OaVÖVTOC €i 6Ä€IC €Ö€pT€T€tV 

€Tt* oi^v KaKOupTctv, dMqnbeSfuic 
otc ^y^Tc xaipciv fi^e XunefcOai icdpo, 
hac sententia: et mortuis siye bene siye male facere yis, 
perinde id iis est, quibus nee gaudio nee dolore affici est 
reliqamn. In bis etr* oOv debetur Hermanno, udpa Madyigio» otc 
mihi BpoTOi3c more sno Stobaei librarii pro deficiente pede supple- 
yisse videntor. Fänlo quidem lenins corrigere possis jüiöpoc, fatale 
est, dubito tamen niun reote, quia pöpoc constanter de morte 
tragici usniparnnt. Ultimum yersum, quem non sanarunt emditomm 
conieetnrae, non magis ipse expedio, nisi forte sufficit: 

KQi TOU 9avövToc fi biKTi TTpdccei Tdq>ov» 
et (a nobis) iustitia poscit mortui sepulturam. Hniusmodi 
certe sententiam oontextus postokure yidetnr. 



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162 



H. Tan Herwerden: 



CCCXX. eil' ouv coq>iCTt)c KaXd irapaTTaiuJV xtXuv. 
Imo vero: 

eti* ouv coqpiCTf)c KaXct Trapfjv Traitjv xtXuv. 
CCCXXX. Harp. s. V. )iaXaKiZ!o|Liev. AicxvjXoc dXabiuJKeK|ufiTi 
fiaXKiU)V TTobi. Dindorfiuij si cngnovissct evidentem meam (in Exerc. 
crit. pag. 6j emendationem : eXa, biuuK€, jir] Ti jnaXKiuuv Tiobi, non 
edidisset, opinor, cum Hemianno quae oppositis frontibus secum 
pugnant: ^Xa, bluK* dKjLir)Ti ^oXkiiuv nobi. Cf. Cobet Muem. III 
pag. 107. 

CCCLZX. Plnt Mor. p. 626 D o\ Toip TTpecßuTepoi TTÖppiu rd 
TpdfijüictTa Tilhf ÖMM^tnuv dirdrovrec dvartviOacouctv, dtT^^^v 
oö bOvovrar ko\ toOto irapabnXiIh^ 6 AicxuXoc ^iiclv o^bi dir' 
oÖTdv oO tdp dtT^Oev T^puiv hk TpctMMOTci^c t^voO ca9f)c. 
' AdiutoB TerbU FlntareheiB in Ezeroit crii pag. 9 band Iniopte 
mihi videor laoeras sjUabas (ovo comiplaLaa gmem oodicaa Flutanfai 
Moratinm imprimis laborani) ita süpplevisse, ut aasoanftor Tenns 
Aeaehylo non indigni: 

dir(tti6ev) o$T(ac)ov (rdb*), od ^ttOOev 

T^pwv (dv od)b€(ic) TPOMiioTcte ic^Xot aupf^ 
Finem fadam in ientaado fragnL GGGLZXL Flai Mor. pag. 434 A 
tf|c iv Cöpoiqi x<xXKiT{boc, 4Jt fjc ibTi^iou(>T€iTO Td i|»uxp4^ttTa 
rifv IvfGtVf die AicxuXoc cTpriKc 

Xapdiv auTöeaKTov Gußoiicdv Citpoc 
Emenda «at emendatio ex Plntarehi interpretatuuie, neqne igitnr 
dubito, qnin yera lectio sit haec: 

Xapdiv ubaroßaTTTOV €u9oin6v £(q)oc. 
VuxpifiXaTa enim audiebaut tela quae^ cum fabricarentur, du- 
randi cansa aqua (£rigida) tingebantur (sie enim Latini). Cf. 
Horn. Od. 9, 392; Flut, Mor. pag. 136 A aL Ut hic ubOTO abiit in 
auTO, prorsuB similiter ubari in aurQ depravatum est apud Anti- 
phanem, ut nuper monui ad Tonern pag. 133 et Mnemos. VI pag. 63 
(N. S.). Literas autem ß et 0, tt et k saepissime confundi a librariis 
notum est omnibus. Ad pedem tribracliyn sie divisum in sede se- 
cunda apud Aeschylum consule C. F. Mulleri librum utilissimum de 
pedibus aolutis cett. pag. 21. Ileperto quod verum est repudio 
una cum aliorum coDiecturis (auTÖGriKTOV, auö6nKT0V, ubpö0r|KTOV, 
aÜTÖc BnKTOv) ea qaae ipse conieci in Exercitationibus criticis 
pag. 8 sq. 



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Emendaüonet AeschyleM. 



163 



Addenda ad Prometheum. 



788. col irpd^ov, 1oi, noXübovov nXdviiv 9pdcui, icrl. 

Frostra quam, qnM eavsa moyere potnerit poetam, nt non 
nteretnr, quo onm rdiqds poeÜB uti Bolet elegantiore Terbonim or« 
diM soribendo: 

col TTporrov, *loT ttoXuöovov qppdcuj TtXdvtiv. 
Hand raro librarios revocare logicum Terbomm ordinem in 
Tolgus notum est. 

790. öiav TT6pdcTic peTGpov TiTreipuiv öpov, kt^. 
Vide ne verius sit Tirreipoiv, i. e. Europae et Asiao. 

958. TpiTOV TOV VOV KOipaVOUVT* ^1TÖl|IOfAai 

akxicxa Kai xdxicTa. 

Pugnare haec videntur cum Promethei yerbis 757 — 774. Yide 
imprimiB vers. 774. An igitur olim fiiit: 
atcxicra xai KOtKicia? 

974. f| KQ^e fdp Ti cu|Li9opaTc ^-rraiTia; 
Requiro genetivum cu|iq)Opäc. Litteraa a et ai et au perpetuo 
confundi solere a librariis quis ignoratV 

1087 participium dTTobeiKVup^va iam ipsi Dindorfio suspectum 
fdisse nunc dibcu ex eins editione Teubiieriana quinta. Suspicionem 
repudiasse videtur, quo tempore curabat quiutam editionem poetarum 
Scenicorum Graecorum. Immerito. 



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Hz 

AUGUST WILHELM ZÜMPT. 



ZUR £EINN£ßUNG 
AN SEIN LEBEN UND SEINE SCHRIFTEN. 

TOM 

GUIDO PADELLETTL 



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1 



Carl Gottlob Zumpt, der ausgezeichnete Gelehrte, hatte das 
seltene Glück in seinem NeflFen und Schwiegersohne, August 
Wilhelm Zumpt, einen Mann zu finden, der nicht allein mit der 
Liebe eines Sohnes, sondern auch mit dem tiefsten Verständniss seiner 
wissenschaftlichen Verdienste ihm in der Vita C. T. Zumptii ein 
würdiges und dauerndes Denkmal setzte. Es ist dies wirklich ein 
seltenes Glück: denn wie gross und geehrt auch der Mann sein mag, 
dessen Leben man beschreibt, so entspricht doch der Liebe und Ver- 
ehrung häuhg nicht die nöthige Kenntniss seiner wissenschaftlichen 
Verdienste, oder wenn diese in dem Biographen zu finden ist, so 
fehlt nur zu oft die Wärme und die Liebe, die solche Aufzeichnungen 
beseelen müssen, wenn sie über die Grenzen einer dürftigen Notiz 
hinausgehen sollen. 

Obgleich A. W. Zumpt eines so schönen literarischen Denkmals 
nicht weniger würdig als sein Oheim wäre, so ist ihm doch ein 
solches Glück nicht beschieden. Der durch diese beiden ausgezeichneten 
Gelehrten bekannt gewordene Name stirbt mit dem Letzten in der 
Gelehrtenwelt aus. Damm ist die ernste Aufgabe, eine kurze Er- 
innerung au sein Leben und seine Schriften zu entwerfen, mir zu- 
gefallen, der ich zwar durch die engsten Bande der Verwandtschaft 
mit ihm verbunden war und ihn wie ein Sohn liebte und yerehrtei 
andererseits aber erst in der letzten Periode seines Lebens ihn gekannt 
iMbe, und, andeiren Studien zugewandt ^ ein selbständiges ürtheil 
Uber ihn nur da baben kann, wo die pluldogiscben Fonehnngen 
sich in das Gebiet der historisclien Bechtawissensobaft bineinerstreeken. 

Die Angabe mnaste mir sebr sohwer fiülen. lob glaubte aber 
deonoeb mick Dir niebt entxieben tu dürfen, weil iob sie als eine 
heiSge PiBcbt dankbarer Liebe gegen den tbenren Yerstorbenen an- 
sehe und weil ich flbeneagt bin, dass aooh schon die folgende knise 
Darstellung der wissenschaftlichen Thitigkeit A. W. Zumpt^s nicht 
ohne Interesse fllr die Fachgelehrten sein wird. 

2. 

August Wilhelm Zumpt wurde am 4.December 1816 in KSnigs- 
bctg in Preussen geboren. Seine Eltern waren der Banrath Heinrich 
WiUielm Zumpt und Smilie Auguste geb. POrschke. Er besuchte 
suerst das Gjmnasium sn Elbing und später, in ^olge der Yer- 
setanntg des Vaters nach Frankfiirt tJO^ das Friedrichsgymnasium 

JaM. 11 dMn PUkL SiviL Bd. X IS 

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168 



daselbst, welches damals wegen der treflnichen Lehrer und besonders 
der tüchtigen Leitung von E. F. Poppo, Herausgeber des Thukydides, 
in grossem Rufe stand. Mit grossem Talente und einem starken 
Willen begabt, durchflog er alle Klassen und erhielt, erst 17 Jahre 
alt, mit grossem Lobe das Maturitäts-Zeugiiiss. Für die Universitöts- 
studien begab er sich nach Berlin, wohin ihn nicht nur der Ruf 
dieser Hochschule, sondern auch die Anhänglichkeit an den Onkel 
C. G. Zumpt zog, welcher damals schon berühmt und seit 1827 
Professor der römischen Literatur an derselben war. Der Einfluss des 
Director Poppo hatte ihn veranlasst, sich hauptsä^jhlich der giiechisch^ 
Philologie zu widmen, aber dem Beispiele des Onkels folgend, der 
ebenso begonnen hatte, gab er sich bald beinahe ausschUeasiich dem 
römischen Alterthum hin. 

Mit grossem Emst und Eifer folgte er 3 Jahre lang denVor- 
trfigen berühmter Lehrer, unter welchen, ausser seinem Oheim, die 
Namen Boeckh und Lachmaun zu erwähnen genügt, und beschloss 
auch in Berlin, wo er sie angefangen hatte ^ seine akademischen 
Studien. Von dem sonst üblichen Besuche anderer Hochschulen hielt 
ihn nicht allein die Verehrung für den Onkel, welcher selbst ohne 
männliche Erben ihn bald als Sohn betrachtete, sondern auch ein 
zarteres Gefühl zurück, die Liebe, die ihn schon seit frühester Jugend 
an dessen ilteste Tochter fesselte. Diese floUte später, als seine 
Gattin, dar Sdiwerpmikft einea aa Üraaiiaii nad Traner . reuben 
FuBdlienlalMna nad eine TezatlacbiiMvoIle €tafldirtin. aeinaa wimn* 
aohaftUdien Strebena werden. 

So ted A. W. Znmpt In ainein Alteiv daa flir aiidflra.JflngUnge 
eine Zeit dar Soorglosigkeit nnd heftiger LaidaiUMliaflaB aajein pfletgt, 
in dam gastfreim Haoae des Onkaia einen Bobavan Bkte gegen ^a 
Btflme dea LebanB nnd den Impuls, dw awiani ganan Daaiin dia 
beetimmende Sidlitong gegeben hat 

Die wiHBaaanliaftiidum Arbeiten^ bei danea der OnkeL ihm aar 
Seite und vor Angan ataad, die Liebe aar Oaunne nnd. bald die 
Franden einar eigenen Familia — er heiratfaete niaht OtA Aber 38 
Jahre alt — wann nnd Mieben bia an aein Labanaenda aaina banpt- 
8ieUi<dute Franda. 

Am 6. Aogoat 1836 abaidvirie er daa lAüoBopbiieba Dpefeor- 
esamen, behnft dessen er eine inteeeamita Abhandlung aber daa 
Qedieht dea Bntilias Namatiantia de reditn eno geflehrieben hatte. 
Diese seine erste kritische Arbeit, welcher bald weitere ^Observatioaaa' 
und eine Ausgabe des Gedichtes selbst folgteiif yerschafiPte ihm ver- 
dientes Lob. Wenige Tage später erlangte er nach einer Prüfung 
▼or der wissenschafUiehen Prüfungscommission die unbedingte facultas 
docendi, von welcher er sehr bald Gebrauch machte. Wir sehen ihn 
von Michaelis 1836 bis Ostern 1837 als Probeoandidaten am Friedrich- 
Wilhelms-Gynmasium, sodann als A^'uncten und ordentlichen Lehrer 
am Joaehimsthalsehan, endlieh vom l..^[iril 1838 an als erdentUebsn 



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Zur Erummi« m JLW, Znmpt lfi9 

Lehrer am Fniednch'Worderschen Gymnasium in IhAtigk^t. An 
letzterem blieb er bis zum Jahre 1851, nachdem er im Jahre 184G 
den Titel Professor erhalten hatte, den er durch bedeutende 
Leistungen auf dem Gebiete der römischen AlterthomewieBenBohaft 
wohl verdient hatte. 

Es ist dies vielleicht die glücklichste Periode seines Lebens; in 
ihr hat er die Schätze seiner aiü' fast allen Gebieten selten grossen 
Gelehrsamkeit gesammelt und die Grundlage aller seiner späteren 
Arbeiten gelegt. Und das inmitten der angestrengtesten Thätigkeit 
in der Schule, in welcher er, nach dem Beispiele seines Schwieger- 
vaters, mit der grössten Gewissenhaftigkeit und Liebe wirkte. Was 
er in der Lebensbeschreibung C. G. Zumpt's so schön auseinander 
gesetzt hat, über die Pflichten eines Lehrers, über die Lehrmethode, 
über die Kunst die jungen Leute zum Fleiss anzuspornen und ihren 
Seelen jene Liebe zur classischen Literatur eiuzuflössen, welche unt-er 
civilisirten Völkern stets das gesundeste und zuverlässigste Element 
der Cultur bleiben wird — dies Alles übte A. W. Zumpt mit Erfolg 
in seiner langjährigen Thätigkeit als Lehrer. Es lag ihm vorzugs- 
weise der classische Unterricht in den beiden Abtheilungen der 
obersten Classe des Gymnasiums ob, und obgleich er eiue grössere 
Arbeitslast alb jeder andere Gymnasiallehrer in Berlin trug, so er- 
müdete er nie die Schüler anzuregen und für das Höchste zu 
gewinnen. Von Vielen derselben, die jetzt in den verschiedensten 
Lebensstellungen smd, habe ich mit der grössten Anerkennung und 
Verehrung von ihrem Lehrer und den Erfolgen seiner hingebenden 
Lehrthätigkeit sprechen hören. Kein gewissenhafter Sohfller wUms 
seine ClMBe, ohne eine grttndUohe Kenntnias te lateiiuseheii Sptaefae 
«ad litexfttw «rlajigt m MmoIi 4w W. SSm&pi eeib Minen enlen. 
LehijalucenYollstibidigbeliernchte, Wer za jener Zeit das QymnMinm 
ed«r den Lebxer weäiseln mnsste, gedenkt nooli lebliaft des Ter- 
lostes, den er dadnzoh erlitt 

Die EeuBbnss der alten Sprachen tmd Literatnren war aber 
Hiebt der einage Gewinn, den die SehUler ernteten und welchen der 
Lebier besweiikte. A. W. Znjapt hatte «>e bohe Anscfaanung von 
der Bebak nad den Pflichten etnes Lehonnk Er woUle die erstere 
Hiebt waat als eine Lehr-, sondem ancb als eine BUdungs- nnd Er- 
aebongsanstaltaageseben wissen. Die bunanistiscben Stodien waren 
ibm niobt allein. cbUn da» denVerstaiid, sendem «mcb den Cbarakter 
sa Uld«, nad er bat Äee doordi sein Verbalten bewShrt, welches 
swar immer slrengi aber gerecbt nnd wohlwollend war. Viele werden 
noch mit Dankbiurkeit seiner guten BatbsdilBge und der Bttcksicbt 
gedenken, mit welcher er sieb bemflhte, die Sohttler, die von dem 
reebten Wege abgekemmea waren, auf denselben surttoksnleiten.^) 

') Nachdem diese Zeilen geschrieben waren, habe ich von einem 
alten Freunde der l'amiüe Zumpt und berühmten Professor der Berliner 
ümrenitit eine kozie aber intereisante Qban^rittik des Ventecbenen 

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170 Chiido P«deU«tti: 

Er hatte ein warmes Herz und wirkliche Liebe für die Jugend; 
und die Jugend, welche scharÜBichtig ist und wahrhafte Liebe wohl 
heraus fühlt, vergalt es ihm mit gleich treuer Anhänglichkeit. 

3. 

Mit dem Uebergang von dem Friedrich -Werderschen zu dem 
Friedrich -Wilhelms -Gymnasium im Jahre 1851 fing für ihn eine 
neue Periode an. Er füllte sie aus mit seinen gelehrten Forschungen 
und der strengen Hingabe an seine Amtspflichten als Lehrer; aber 
grosse Kränkungen und Enttäuschungen machten ihm von da an sein 
Leben schwer. Im Juni 1849 hatte ihn ein harter Schlag durch den 
in Carlsbad erfolgten unerwarteten Tod seines Schwiegervaters C. 
G. Zumpt getroffen. A. W. Zumpt verlor in ihm nicht nur einen 
treuen Vater, sondern auch einen imisichtigen Rathgeber und eine 
Stütze. In seinen Studien über die römischen Alterthümer hatte er 
sich längst den eignen Weg gebahnt und betreten; auch hatte sein 
Name schon einen guten Klang in der literarischen Welt, wie es 
unter Anderem seine Ernennung zum correspondirenden Mitgliede 
des römischen archäologischen Instituts und die Verleihung des 
Professortitels genugsam beweisen. Dies genügte aber nicht, ihm 
die äussere Stütze zu ersetzen, die ihm der Onkel in seiner Stellung 
als üniversitätsprofessor und Mitglied der Akademie der Wissen- 
schaften geboten hatte. W^er erführe nicht früher oder später, dass 
Talent, guter Wille, ÜBster Charakter, Gelehmmkeil mclit bnirttohen, 
um ftnssere Anerkeniraiig su vereehalfon, imd dass eine gewisse Oe- 
sefameidigkeit des Wesens, die Angeliörigkeit an eine Coterie sieh 
darin viel stärker erweisen I Diese traunge Wahrheit mnsste A.W. 
Zumpt in jener Zeit bei Terschiedenen Gelegenheiten erfiiJireD« Er 



erhalten. loh gebe hier daiani, wu nch anf die Thfttigkeit in der 
Schule bezieht. 

Zumpt's Unterricht beschränkte sich seit vielen Jahren auf die • 
oberste GymnasialclaBse. Hier vertrat er vürzüglich die lateinische 
clandche Literatiu* in Form und Inhalt In letzterer Beziehung gab er 
seine tiefe EenntniBs der Geschichte kund, in enterer Hinsicht war es 
Correctheit und Stil, worauf er in Vorträgen und Aufgaben sein Be- 
streben richtete. Es war uns, schreibt mir einer seiner jetzt in Aemtern 
btehenden Schüler, immer eine Freude, ihm zuzuhOren, wenn er lateinisch 
•nShlte oder disputirte; ich habe noch jetzt Terechiedene VOM dicbrte 
Vorträge über Cicero und Tsrntos, deren Leben und V(^erke, welche in 
classischem Stil von ihm vorgetragen, von uns nachgeschrieben und er- 
lernt wurden. Sie enthalten eine Fülle des Stoffes in philosophischer 
und politischer Erörterung. Natürlich war aber auch Correctheit der 
8pnu»e nnd dea Stila OegeDstand seiner Xritik nnd seiner Bemerkongen. 
Eme sehr häufige Cengnr war: In primis opera danda est, nt miisa nimia 
uhertate dicenai sermone simplici utaris et latino. Wenn er nun auch 
mitunter bitter und sarkastisch gewesen sein soll, so genoss er doch 
niehtsdeetoweniger der Tollkcmmeiuten Hochachtung seiner Seiifller. Er 
Terkefarte mit ümen im Unterricht ohne Pedanterie, aetrte sich nicht 
Balten im Docuen unter de anf die Bank. 



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Zur Eiimioiing sn A« W. Znmpt. 



171 



war «m Mann toh oooMmtiYen OnrndflStitfL und ▼«mgie clmr 
Anioritlt die Anerkamnmg oieht, allm er Terataod .nicht sich sa 
bllekep, nmVorUieile xu eriangen, welche oft Mlimer toh affBctirter 
ünabhlngigkeit su emichen wiBsen. Obgkidk Ton Kator hOchst 
freundfioli, liebenswllrdig und gesellig, Teretend er es nichts sich einer 
einflnssreklien Goierie ansoschfiessen nnd persönliche Ant^athien 
xn Terbeigen. Gans in seinen Stadien, in der Schale and der Familie 
aoli^hend, hatte er ansser dem grossen Keise der Verwandten, die 
er mit inniger Liebe om&sste, und den TOm Mtemhaiise seiner Fraa, 
ich mikihte sagen, angeerbien Bekannten, nur wenig persdnlidhe 
Freunde. Man würde A.W. Zompt sehr fhlsch beurtheilen, wenn 
man glaubte, dass diese Isolimng von einem übertriebenen Gefühle 
seiner Verdienste herrührte. Wer das Glück gehabt bat, ihn näher 
sa' kennen, weiss wohl, dass er die scblichte Bescheidenheit des 
wahren Gelehrten besass.^) Sein Verhalten mag oft missTerstanden 
sein, sofern es aus dem grossen UnabhftngigkeitsgefUhl gegen Alles 
und gegen Alle entsprang. Und gerade diese Eigenschaft seines 
Charakters bereit.ete ihm sehr bald grosse Schwierigkeiten und er- 
weckte ihm mächtige Gegner, wenn nicht geradezu Feinde. Dies 
seigte sich yomehmlich in der Frage der "Redaction des Corpus 
inscriptionam latinarum. Die Zurücksetzung, welche er bei dieser 
Gelegenheit erleiden musste, ist eine der herbsten Erfahnmgen seines 
Lebens gewesen. Es liegt mir fern, irgond Jemand wegen der vielen 
Ungerechtigkeiten anklagen zu wollen, die ihn seit jener Zeit trotz 
seiner allgemein anerkannten wissenschaftlichen Verdienste nnd nn- 
geachtet seiner immer wachsen Inn Leistungen auf dem Gebiet der 
römischen Alterthumskunde getroffen haben. Die Eigenthümlichkeit 
seines edlen Charakters, welche ihn oft schweigend dulden hiess, und 
die grosse Autorität und der £inflass seiner literarischen Wider> 
sacher erklären manches. 

4. 

Za diesen Schattenseiten seines Oelehrtenlebens sollte sieb anch 
schweres hänslicbes Unglück geseUen. in den Jahren 1863 nnd 68 
starben, «ner nach dem anderen, seine beiden beiss geliebten Sohne, 
13 and 5 Jahre alt» innerlich nnd ftnsserlicb reich begabte Knaben, 
der Stola nnd die Hoffiinng der Sltem. Ult ihnen erlosch die Er- 
wartung, dass die wissenschaftlichen Traditionen des Grossraters 
nnd Vaters wlixdig von ihnen weiter geftthrt werden kSnnten; denn 
es blieben den EsSam mar drei Tochter, die sieh frOh ▼erheuatheten. 

') Ich freue mich, dasselbe Urthcil io der oben genannten Quelle 
wiederzufinden. Ausser seinem Berufskreise und seiner häuslichen Thätig- 
keit war sein Verhalten ein liebenswürdiges, bsinabe sa bescheidenei. 
Bs fUÜte ihm nicht am Bewusiteein seiner Würdigkeit, wohl aber an 
jenem Bewusstsein einer Prädestination für einen noch höheren Wirknngs- 
neis, wenigstens an dem Willen, dasselbe geltend zu machen, wie 
manche Andere es mit Erfolg verstehen. 



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172 



Guido Padelloiti: 



Der tiefgebeugte Ystor fiMid eins AUiitimg AMunms mir in 
der unausgeseMfla ErfttUuDg eeiiier Amtipflkhten vdA in der Foii- 
fletrang seiner wiaBeneeKafflichen FoiBelimigeii« Seine Arbettainft 
murd dnroli dae ünglllek eher getteigerfc ale Tenundeft; ZeugnisB 
daTon gibt diie in diese Zeit ftlknde VerOffentlifllniiig zweier seiner 
wichtigsten Weite, der Oesefaiehie des Cximinabreehts dwftensolMn 
Bepnblik und flbor das Gebnrtsjalir Christi, einer anoh «ef dem 
Gtohiete der Theologie epochemadienden Seiirift, und netar anderer 
grosserer und Ideinerer Abhandlungen. 

Eine Brholuig von seinen angestrengten Besidiiftigangen fiind 
er in dieser Zeit in den manoherlei Reisen, die er wiedeilieH n 
wissensohalttieheii Zwecken machte. So war er in den Jahren 184d, 
1860 und noeh Tiele Male in Bauend, wo er treue Freunde liatte, 
nnd wo sein Name die verdiente Anerkennong fiuid( and in den 
Jahren 1851, 1867, 1864 in Italien. Es waren nicht allein die 
alten Erinnenmgen und die schöne Natur, welche er hier liebte'^ 
sondern nooh mehr das Volk, welches er freondlieh «nd talentvoll 
fand. Mit manehen Gelehrten hat er dort enge Freundschaft ge- 
sehlossen, wie soiMm sein Schwiegervater es gethan, und nicht wenige 
von ihnen erinnern sich mit Vergntigen des liebenswttrdigen Fremden, 
der, weit entfernt ilire wissenschafUiohen Leistungen zu unterschätzen, 
trotz ihrer An^roohslosigkeit ihrsn iprassen Werth anerinnnte mid 
hochachtete. 

Die ausgedehnteste und interessanteste Reise, welche A. W.Zumpt 
antemahm, war der langersehnte Besuch des Orients. In den Jahren 

1871 — 72 bereiste er Griechenland, Aegypten, PalHstina und Klein- . 
asien nicht zu streng wissensclmftlichen Zwecken, sondern mit dem 
Wunsche, die Bekanntschaft dieser dem Alterthumsforscher so ver- 
trauten Länder durch eigene Anschauung zu vervollständigen. Ich 
hatte das GlUck auf der Reise in Griechenland sein Begleiter zu 
sein, und weiss, welchen reinen imd hohen Genuss er dort gefunden 
hat. Wir haben die ehrwürdigen Ruinen und Tempel Athens zu- 
sammen gesehen und während einer Reise von Nauplia nach Athen 
die classischen Gegenden durchwandelt, deren Namen so viele Er- 
innerungen erwecken: Argos, Mykenä, Korinth, Megara, Eleusis und 
andere. Diese Reise, welche wir in der angenehmen Gesellschaft 
zweier in Griechenland weilenden Philologen, Dr. Hirschfeld und 
Dr. Geizer, unternahmen, wird meinem Gedächtniss ftlr immer ein- 
geprägt bleiben, obwohl mich meine anderweitigen Pflichten von der 
Seite meines Schwiegervaters abriefen, und mich so verhinderten, 
femer jene kostbaren Erfahrungen zu theilen, von denen er selbst 
so tiefe und lebhafte Eindrücke zurückgebracht hat. 

5. 

Leider scheint sich von dieser Zeit an der Keim der Krankheit 
entwickelt zu haben, die ihn so &üh dahinraffen sollte. Ein un- 



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Zur ErinBiRttg m A. W» Zmnpi 



in 



zweifelhaftes Zeiehen davon war die Abnahme seiner Körperkrttfte^ 
während die GeistdB&iaelie ihm bis zum Ende erhalten blieb. Er 
legte daher den ersten Krankheitssymptomen wenig Wichtigkeit 
bei, yeränderte seine Lebensweise nicht, hielt seine Lebrstunden, 
arbeitete unermüdlich fort, ja er erfreute sich an Plänen zu nouon 
Reisen. Ein umfassender Entwurf erfüllte in diesen letzten Jahren 
sein Denken und beanspruchte alle seine hoho geistige Kraft. Er 
schrieb an einer Geschichte des Kaisers Augustus, welche die Grund- 
lage zu weiteren Forschungen über die zu sehr vernachlässigte 
•Kaiserzeit bilden sollte. Dies war mehr seine eigentliche Absicht 
als die blosse Rehabilitation des wahren Gründers des römischen 
Reiches, der übrigens nach der historischen Methode schon richtiger 
beurtheilt wird, als es nach der rhetorischen Schule geschah. Das 
Werk soUte zwei Theile umfassen, im ersten die politische Geschichte 
des Augustus behandeln, im zweiten den Zustand des Kaiserreichs 
unter ihm. Als ich im Sommer 1875 in seiner Gesellschaft* am 
Brenner verweilte, hatte ich den Genuss, einen grossen Theil des 
ersten Bandes von ihm selbst vorlesen zu hören, in welchem sehr 
ausführlich und mit lebhaften Farben die Begebnisse jener höchst 
interessanten Periode vorgeführt werden. Er nahm sich damals vor, 
das Ganze und besonders die gelehrten Anmerkungen einer noch- 
maligen Umarbeitung zu unterwerfen, was auch geschehen ist, so 
dass der erste Band im Allgemeinen zum Druck fertig ist» 

Im October desselben Jahres 1875 kam A. W. Znmpt direct 
ycm Berlin nach Italien, um uns in meiner Vaterstadt, in IConiakino» 
wä b«nMlMii, wo wir damalB den Herbst solwMhten. Stadt und 
Lmd tmi dm Bcisindeii W jetzt gänalidt vnbekaiiimt/dfiim sie 
Hegen Ton dm groMtn ISiiiBbriiBMniBa «fewfts entfiBmth Ihm wie 
vBserem geslirten. Fmade Prof. Bruns wob Berlin, der in derselben 
Zeit nnsern Steineichenberg besuchte» bot die Neuheit der Land- 
sehaft, sowie nieere dortigen Sfittsn und unsere Agrarrerbtttnisse 
«amherlei Intecesse. Es fhUte ihm weder an Muth und Lust sum 
Reisen, noefa an der gewohnten Bflhrigkeii; es nahmen aber seine 
LebenskrAfte zusehends ab, und obgleich wir ein so frühes Ende 
aisht ahnten, so fSagen wir doch an ernste Besorgniss sn hegen, 
üs wir ihn im darnnf folgenden Sommer 1676 in Qastein wieder 
sahoi, iMden wir seinen Zustand Tenehlimmert, obglekli er nie 
M seinem Iisiden m spreohen oder sn Uagen |»0egte und seinen 
Gleiehmnth und seine Lebensfrisohe sieh stets bewahrte. Z ur völligen 
Ersehtttterung seiner Gesundheit, trugen wahrscheinlich die Yer- 
Sndemngen viel bei, welche kurz Torher am Friedrich-Wilhelms- 
Gymnasium eingetreten waren. 

Im Monat März 1876 war Direotor fianke gestorben, ein ge- 
lehrter und wohlwollender Mann, von dem man aber sagte, ich weise 
nicbt mit welchem Beohte, dass die unter seiner Leitung stehenden 
▲astaHen, sn denoa jeaes Gymnasium gehörte, nicht mit ausreichender 



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174 



Guido Padelletti: 



Energie verwaltet würden. Die Wahl des Nachfolgers war demnacli 
von Wichtigkeit, und sie erfolgte leider lediglich vom Standpunkte 
der administrativen Erfordernisse, so dass die Verdienste derjenigen 
Professoren unberücksichtigt, blieben, welche, wie A. W. Zumpt, der 
Anstalt vorzugsweise den ^vissenschaftliche^ Ruf verliehen hatten. 
Ich kaim und will nicht untersuchen, welche Gründe gegen ihn vor- 
gebracht wurden; dass ihn aber seine wissenschaftlichen Verdienste, 
sein edler und fester Charakter, seine umfassende allgemeine Bildung, 
seine KenntnisBe der modernen Sprachen zu dieser Stellung be- 
rechtigten, darüber kann bei Unbefangenen kein Zweifel entstehen. 
Er bat dedialb nm erneu Ungevem ürlaab und später, naeh desaen 
AUanf^ um seinen Absohied. Mail ymaoM» ihn dmeh ehrende Zu- 
sagen und Yerspreohnngen in seinem Amte zu erhalten, er war aber 
eatsehlossen, die Lehrtfafttigkeit anftogeben nnd sieh nun ganz seinen 
wissettschafUiehen Arbeiten, der Pflege seiner Gesundheit nnd semer 
Pämilie zu widmen. Es sollte ihm jedoeh nicht lange beschieden 
sein, die so theaer erkaufte und wohlverdiente Buhe su gemessen. 
Im Winter yerschlimmerten sich die Symptome der Krankheit, die 
SchwSche nahm zu, und kurz nach, dem Umzüge in eine freuncQiohe 
Wohnung, wo er freiere Luft und gi^fssere Buhe hfttte gemessen 
können, ereilte ihn der Tod. 

Sonntag den 23. Apiü 1877 in der Mittagsstunde, wihrend 
die Aerzte eben zu dner Gonsultation zusammentreten sollten nnd 
er immer noch an eine weitne Beise zu seinen Kindern dachte, 
endete ungeahnt yon ihm selbst und ganz sanft sein Leid. Ein be- 
neidenswerther Heimgang, der aber die Seinen zu unerwartet traf 
und mit unnennbarem Schmerze erflUlte. Der Gattin war es vor- 
behalten, ihm die brechenden Augen zu schliessen: denn als seine 
Kinder herbeieilten, konnten sie nur noch seine Hülle dem Schooss 
der Erde tibergeben helfen. 

Sein Leben war das eines deutschen Gelehrten, der nach dem 
höchsten Ideale strebt — Mühe und Arbeit — ohne anderen Lohn 
als den, welchen treueste Pflichtecfttllnng jedem wahrhaft Edlen 
geben muss. 

Ein fast übergrosser Zug von Freunden und Schülern begleitete 
ihn auf seinem letzten Gange nach dem alten Jerusalemer Kirchhof, 
wo ein Denkmal von schwarzem Granit mit einem Bronzercliefbild 
seines geistvollen Antlitzes in classisch heiterer Buhe sein Grab 
bezeichnet. 

Non omnis moriar. 
6. ' 

Der zu früh aus unserer Mitte Dahingeschiedene wird aber noch 
lange fort leben, nicht allein in der Erinnerung der Seinen, sondern 
anrh in der Ueberlieferung der römischen Alterthums Wissenschaft, 
um welche er sich viele Verdienste erworben hat. Es bleibt mir 



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Zur Erinneniog ftn A. W. Zumpt. 



175 



nun noch übrig, diese iiß Liebt zu stellen und gegen etwaige un- 
gerechte Vonirtheile oder böswillige Angriffe zu schützen. Ich werde 
nicht lange bei demjenigen verweilen, was als Fortsetzung der Ar- 
beiten von C. G. Zumpt betrachtet werden kann, nÄmlich bei den: 
neuen Ausgaben der lateinischen Grammatik, der Annaleu und des 
Q. Curtius. Hier konnte sich nattlrlicb die Originalität seines Talents 
nicht zeigen: es handelte sich vielmehr nur darum, auf dem durch 
die Arbeiten des Onkels eröffneten Wege weiter zu gehen; man 
miiss darum den Fleiss und die Genauigkeit sehr anerkennen, mit 
«r jene in anderen Zeiten und unter verschiedenen päda- 
gogisoiiea Bedtlrfiiisseii «atstandeiieii Sdhnlbttcher immer uf der 
Häie der Fortmdixitto der grammatischen imd luetorisdien Stadkn 
an erlialten Terstand. Ueber die lateiniacbe Grammatik hrandie ich 
moht anafttlirlioh za reden: seit ihrem ersten Erseheinen war ihr 
die Kritik in ganz Deatschlaad nnd im Auslände sehr geneigt, 
wie sie aneh mit waehsendem Interesse die weiteren Ausgaben be- 
gleitete, ffie bat ein halbes Jahrhundert lang« die Heirsehaft in den 
BOiddentsehen Schvlen behauptet, trota des Erscheinens anderer 
GrammatikeD, die besonders ans der yergleichenden Fhüotogie Otapi* 
tal sa soUagsii Tersnchten, nnd trob der widerstrebenden Interessen 
Ton Hemnagebem mid Bacbhindlem. Ich branche mcht die zahl- 
reichen Üebersetcnngen in fremde Sprachen sn erwähnen: ftnftig 
Jahre sind fBr enie Grammatik eine sehr lange Herrschaft, die nnr 
durch den grossen inneren Werth des Buches sn erkliren ist. 
A. W. Zompt selbst hat in der LebensbeschreibuDg von C. G. Zumpt 
den Ursprung und die Bedeutung der lateinischen Grammatik aus- 
einaBdergesetst Seit dem Jahre 1849 hat er die weiteren Ausgaben 
besorgt, ohne jedoch seinen Namen demjenigen des Verfassers hin- 
soinfllgen. Weil er mit der Entstehung des Buches so genau be- 
kannt war und er es selbst beständig in der Schule gebrauchte, war 
A. W. Zumpt der geeignetste Eortsetzer und Verbesserer des Werkes. 
Die drei Ausgaben, weldie er nach dem Tode des Onkels bearbeitet«, 
die Ilm bis zeichnen sich durch zahlreiche Zusätze und Ver- 
besserungen aus. Man kann insbesondere aus den Vorreden der 12. und 
13. Ausgabe ersehen, welche beständige Rücksichten er auf die unter- 
deesen erschienenen grammatischen Untersuchungen und die kritische 
Bearbeitung der Schriftsteller genommen hat. Von den Annales, 
diesem so nützlichen Nachschlagewerke, besorgte A. W. Zumpt im Jahre 
1861 eine dritte Ausgabe (s. Anhang IT No. 29 ), die viele Ziisiitze so- 
wie einige ihm selbst oder Anderen beim Fortschritte der Wissenschaft 
nothwendig erschienene chronologische Berichtigungen enthielt. 

An die Arbeiten von C. G. Zumpt reiht sieh auch die zweite 
Schulausgabe des Q. Curtius de gestis Alex<iudri Magni. Dieser 
Schriftsteller, der mit einer gewissen Ungunst betrachtet worden 
war, ehe C. 0. Zumpt seinen Fleiss und seine Gelehrsamkeit auf 
ihn verwandte, ist seit der Zeit richtiger gewürdigt und in den 



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176 



Qoido Padelletti: 



flyiniMWiCTi tilt flhuwriiiohftr fluhriftBtftllttr wilM^^P^ flingwftlwrlr wffrdftn. Seit 
don Mm 1848 aber, wo dieMteSohnlaiiigabe endikB, irftran neu» 
TextosTerbeBBerungen tob Banüialfeeii PUlologen, nameafliA toft 
Jeep, Yorgeaelilageii irordeii, imd ee handelte flieh darun, ab in einer 
neuen Ausgabe za berttdkaiebtigen. Diesee that nnn mit yuÜBt üm« 
flieht A. W. Znmpt (a. Anhang II No. 80). * Einiges/ sohiaht er 
in der harzen Vonede, ^trogen daen die Arbeiten ton Gelehrten bei, 
wetohe aioh nach YertäfenttiofaiiBg dee kritieehen Apparatoi wSk der 
Yerbeflaerang Terderbter Stellen besddtftigien; AndeEes isfe ana 
eigenen Stadien entotanden, weldie eine noohmalige Erwigong dee 
hMidflohrifUiehen Leaartn herradet Die krikiaohen Gtun^ltae 
sind dSeflelben, welche der Verßuner hatte: nnr streageree Feflfthalteft 
an dem durch die Handeehriften üebeilieferteii und, wo diee offen- 
bar verderbt war, Yermuthangen, haben an nenen Scgebnisaen ge- 
ftthrt Es ist hier nioht der Ort, dieae Abweichungen aufziufthlen, 
noeh viel weniger, sie zu begründen: dazu behalte ieh Mir eine Uhr 
dere Gelegenheit tot.' Ich glaube nicht, dass er später, was er 
hior versprach, ausgeführt hat. Es ist aber jedflofells höchst auf* 
fallend, dass der letzte Herausgeber des Cortias nun Soholgebrauch, 
H. E. Foss (Lipsiae, Teubner, 1874) die Schulausgabe von A. W. Zumpt 
völlig ignorirte. Ein Blick in dieselbe hätte ihn belehrt, daes ein* 
zahle Yennuthungen von C. G. Zonq^t, die ihm verwerflich scheinen, 
schon von A. W. Znmpt verlassen und viele flohwMcige SteUen viel 
einfatiier als dnxch aeme Yorschläge erUlrt worden waren« 

7. 

In diesen verschiedenen Publicationen liat A.W. Zumpt, wie gesagt, 
das Werk des Onkels in dessen Geist und mit der grössten Pietät 
fortgeführt. Er hat ihm ausserdem in der Schrift ^De C. T. Zumptii 
vita et studiis' (Anhang II No. 16) ein unvergängliches Denkmal 
errichtet. Diese liebensbeschreibung, welche an die Schilderungen 
erinnert, die wir von den älteren Meistern der holländischen Schule 
besitzen, beginnt mit den ersten Jahren des berühmten Mannes und 
führt ihn in organischer Entwicklung durch die Begebenheiten des 
Privatlebens und die Fortschritte seiner wissenschaftlichen ThUtig- 
keit zum Ende seiner ehren- und erlolgreichon Laufbahn. Nichts 
erscheint mir geeigneter, um zur Nachahmung zu reizen und die edle 
Liebe zur Wissenschaft wach zu erhalten, als das treue Bild eines 
Willensstärken Mannes, der für nichts Anderes als für die Erforschung 
der wissenschaftlichen Wahrheit gelebt. Ich glaube nicht zu über- 
treiben, wenn ich sage, dass die Lebensbeschreibung von C. G. Zumpt 
diese Wirkung hat, und dass sie ausserdem ein wahres Muster ihrer 
Art ist. Was besonders die Reinheit der Sprache und di6 Eleganz 
des Stiles betrifft, wüsste ich nicht, welcher moderne lateinische 
Schriftsteller mit A.W. Zumpt zu vergleichen wäre. — Das bringt mich 
auf natürlichem Wege zu einigen Bemerkungen allgemeinerer Natur. 



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Zur Ehnpezung an A. W, Zompi 



177 



Der Gebrauch der lateinischen Sprache in den Schulübungen, 
in den gelehrten Abhandlungen und in den akademischen Reden 
hat zur Folge gehabt, dass sich in Deutschland länger als in an- 
deren Ländern Europas die Kenntniss und die üebung des Latein- 
schreibens erhalten haben. Selbst aber dort bat nur zu früh diese 
gute Gewohnheit angefangen sich zu verlieren. Schon im Jahre 1782 
klagte F. A. Wolf: *üm die Vortheile, die eine allgemeine Sprache 
der Gelehrten zur Ausbildung des menschlichen Wissens verschaffen 
kann, auch so allgemein als möglich zu machen, müsste das Latein 
wieder in seine ehemaligen Rechte eingesetzt werden, aus denen es 
seit mehreren Jahren in und ausser unserem Vaterlande vertrieben 
worden und den heutigen AnsBichten nach in Zukunft noch mehr 
werden wird/ En Ist in der That so, ine der grosse Philologe sagt, 
4Bb dnttsolMii Gdiftrtea hAm siidi gewöhnt, ihre grössma W«ii» 
im te hiwinwihflfc Sprteh» m t^rÜMissn. ' Dis kl «in gi' on ai imd 
sehr m bedanemdes Wadttaäm der nushen und weiteren Ter- 
tesitittig der dmteoheii FmohuQgsn in aaderen Llndeni, befOBdon 
in Fnolnkik und Balien: wthnsnd der Q«1nraneh der latelnlsckMi 
Qpffteho M8 den galumi Htenxiseh gebikletai Rnzopft euw inJure 
QelelniaDrepiibUk sobaiffeii wflfde^ wie es ns der Bwiiwonnceieife der 
SUl geiroieo itt Zn der NlltilielilMtofrage gesiltt neh sb«r «um 
ttid«re mekridbi Die I3»w<dmbeii, Aber chieiriBehe AlUrMmer In 
eäanr lebeodeii SpvMhe m sehreiben, eehcmt mir Mf denliiWt lelbti 
keinen gnten Binflnss n flhen. Um die Fragen des rBmischen Alter- 
timina m bohaiBdabi, ist keiae flpnohe gesignsler als die inraciaa 
tmA nlasftifleka latninisohn Die nenei— » flmanhsii hiiuieffeB ««J im* 
besondere die dentsehe vermfigen sehr wobl die abstraoteeten Ge- 
danken und die feinsten Nttaacen einer Idee snm Anidraek sn briageiii 
aber in dieser EigensohafI, die ja in vieler Beziehung ein grosser 
Yonng ist^ liegt die Gefahr, geistreiche Qedanken nad aiodeme An- 
SObamnngen auf das classische Alterthum zu tt b e r trug e ik Selbst in 
dsm gelehrten Deutschland sind leider die Mftnner immer seltener 
gcmrden, die ein reines und elegantes Latein zu sehreiben ver« 
stehen. Unter ihnen stehen die beiden Zumpt unleugbar in erster 
Beihe. Ihre lateinischen Schriften beweisen, dass sie nicht alleia die 
Geheimnisse der ^itache und des Stils yollständig besitzen, sondern 
auch dass sie sidi gewöhnt haben, durch das beständige Studium der 
Alten römische Dinge römisch zu denken. An C. G. Zumpt hat man 
schon oft die Gewandtheit und Men gefölligen Fluss der Bede' gelobt, 
und man braucht nur die lateinischen T?edon zu lesen, die A.W. Zumpt 
im Anhang der Lebensbeschreibung veröffentlicht hat, um sich zu über- 
zeugen, dass eine gleiche Eleganz in der Einfachheit und eine gleiche 
Wirkungskiafi in der classischen Ruhe sich nicht leicht wieder- 
finden. Es ist erkl&rlich, dass A. W. Zumpt in der Schule des Onkels 
sich den schönen Stil aneignete, und ich glaube nicht zu über- 
traben, wenn ich sage, dass der lateinische Stil von A. W. Zumpt 



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178 



Guido Fadelletli: 



nichl ma die €k>nrectlieit und Elegaiis des OnkelB enrddhte, sondeni 
ibn an FflUe und BeiolitlinnL des Ansdrueks ttbeitra£ Aneh ist 
A« W. Zompt darin sobr za loben, daas er troti der Biditang der 
Zeit Yon der lateinischen Spraehe viel mehr als C. G. Zompt Ge- 
hrauch gemacht hat, wie in dem Gommcntar som Monnmentom An- 
cyrannm» in den Gommentationes epignq[>hicae mid in den Stndia 
Bomana. Er hat mit der Thafc gegen die von Vielen Uess heUagte 
YemachlSssigmig des Lateinischen angekSmpft nnd ein yerfareflUoheB 
Vorbild des in der Bearbdtong der römisehea Alterihümer aasa- 
wendenden Stils gegeben. 

8. 

Ich wende mich nonmehr sn seinen eigenen Arbeiten, die einer 
etwas lungeren Auseinandersetzong bedUrfen. IGr scheint, dass sie 
sich bequem in drei Cla&sen eintheilen lassen: Ausgaben und Er- 
läuterimgen von classi sehen Schriftstellern, Gommentare zu lateinischen 
Inschriften und verschiedene Abhandlungen über römische Geschichte 
und AlterthUmer. Wir werden in diesen Weiken überall grosse 
Gelehrsamkeit mit seltenem Scharfsinn vereint finden. Die wissen- 
schaftliche Laufbahn von A. W. Zumpt hat mit der kritischen Illu- 
stration eines Dichters der Verfallzeit angefangen, des Rutilius Clau- 
dius Namatiaiius, dessen Gedicht de reditu suo seinem poetischen 
Gehalte nach von keinem grossen Warthe ist, aber wegen der Nach- 
richten über Personen und Oertlichkeiten viel Interesse darbietet. 
A. W. Zumpt hat es zum Gegenstande seiner Doctordissertation ge- 
macht und später im Jahre 1836 eine grössere Arbeit (Anhang II 
No. 2) veröffentlicht, in welcher mit ausserordentlicher Quellen- 
kenntniss alle Fragen beantwortet werden, die sich auf Namen, 
Vaterland, Leben und Aemter des Rutilius bezichen. In dieser 
Schrift bekundet A. W. Zumpt sein seltenes Geschick für die Er- 
klärung der lateinischen Schriftsteller. Vier Jahre später, 1840, 
erschien in Berlin seine Ausgrabe des Rutilius ( Anhang IT No. 3). 
Es ist bekannt, dass die einzige Handschrift, die am Ende des fünf- 
zehnten Jahrhunderts im Kloster von Bobbio gefunden wurde, heute 
als verloren betrachtet werden muss. Es bleiben also für die Kritik 
des Rutilius nur die bolognesische Editio princeps vom Jahre 1520 
und eine Abschrift aus dem sechzehnten Jahrhundert, die sich in 
einem Miscellancodex der Wiener Bibliothek, wahrscheinlich von 
der Hand Sannazaro's, befindet, tlbrig. A. W. Zumpt war nun der 
erste, der die Wiener Handschrift benutzen konnte und so einen 
besseren Text als viele seiner Vorgänger herstellte. In die reichen 
Anmerkungen übertrug er alle Ergebnisse seiner gründlichen Arbeit, 
80 dass eine geringe oder gar keine Nachlese auf diesem Felde übrig 
geblieben ist. In der That haben die späteren mir bekannten Ar- 
beiten ttber den Namatianus den Commentar nicht bereichert. So 
die üebersetsung yon Collombet (Itiueraire de B. Namatianus etc. 



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Zur Erinnening an A. W. Zumpi. 



179 



Lyon 1842) und diejenige von Itasius Lemniacus (Alfred von Reumont, 
Berlin 1872), der die ihm so gut bekannten Küsten der römischen und 
toskanischen Maremma bis ins Mittelalter hinein illustrirt und darum 
von dieser Seite viel Interessantes darbietet. Der Text allein 
ist jüngst einer neuen Revision von L. MtlUer unterzogen worden, 
der den Rutilius in der Teubner'schen Sammlung herausgegeben hat. 
Dieser hat dae Verdienst gehabt, die Wiener Handschrift von 
Th. Gomperz neu vergleichen zu lassen, und diese Durchsicht hat 
einige andere Lesarten gebracht. Diese sind aber nicht von Be- 
deutung, und die Emendationen, die Müller versucht hat, nicht immer 
glücklicher als die seines Vorgängers. A. W. Zumpt selbst hat diese 
neue Ausgabe im philologischen Anzeiger besprochen, einzelne Ver- 
bessenmgen gebilligt, andere als unnütz oder verfehlt verworfen, und 
"wii" können mit diesem I itheil nur übereinstimmen. 

Derjenige Thoil der Kritik der classischen Schriftsteller, bei 
welchem der Philologe und der Historiker mehr als sonst Schärfe 
und Sicherheit des ürtheils beweisen kann, ist ohne Zweifel die 
Frage über die Echtheit ganzer, einem alten Schriftateller zuge- 
schriebenen Bfieher. Besondere Vorliebe oder besondere Abneigung 
gegen einen Antor ftthren leicht dk eompet«Bt8Bteii Gelehrten irre. 
Der grosse Philologe K. F. Httmann war sksherlich ym solcher Vor- 
liebe nicht frei, als er die Briefe des Cicero und Brotos zu yer- 
theidigen nntemahm.^) Seit der Hüte des Torigen Jahrhunderts 
wimlieh hatten zwei englische Gelehrte, John J. Tnnstall nnd 
J. MarUand gewichtige Orfinde daftlr beigehraehti dass jene Briefe 
nicht edit sein konnten, sondern von einem Declsmator herrtlhien 
mflssten, der weder in der Zeitgeschichte noch in der Oiceronischen 
Sprache sehr bewandert war. Hermann, dnroh seine Stadien anf 
jene Briefe gebracht, fimd es aoffUlend, daas aHe Gelehrten, selbst die 
dentsdien, nach so grasen Fortschritten der Philologie^ sich bei den 
Aigwneaten der beiden EngUbider beruhigt hatten, und so entstanden 
die Vindiciae der LatinitSt jener Briefe, in welchen es Hennann gelang, 
MarUand in yerschiedenen Paukten Irrthttmer nachsuweisen und 
mit scheinbaren Gründen die Echtheit der Briefe su Tertheidigen. 
Es trat ihm aber kun nachher A. W. Zumpt mit einer kteiniachtti 
Abhandlung entgegen, in welcher er Markland in den wesentliehsten 
Ponkten in Schuts nahm, und mit vielen grammatischen Be- 
merkmigen die Unmöglichkeit darlegte, dass Brutas und Cicero, 
aber besonders der Letztere, das Latein der von Hermann wieder 
als echt ausgegebenen Briefe geschrieben haben könne (Anhang II 
No. 9). A. W. Zumpt beschrinkte sich aber nicht allein darauf, das 
sa beweisen und die Argumente Hennaon's su widerlogen, sondern 

Inclitae aeademiae Albertinae ßegiomontanae tria saecula feliciter 
peracta gratulator bonaque vota feoit Geor^ Auguita interprete^ Car. 
Frid. Hermanne. Ingunt vindiciae Latinitatu epistolarum Ciceronis ad 
M. Brotom et JBmti ad Cicoonem. Gottingae 1844. 



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1 



er wählte ausdrücklich einen Brief von Cicero an Brutus, in welchem 
Tunstall und Markland sehr weniges zu tadeln gefunden, um an 
ihm Zeile für Zeile die Unmöglichkeit darzuthun, daae Cicero in 
solcher Weise und solche Dinge geschrieben haben sollte. Als Her- 
mann iu demselben Jahre 1845 zwei Gegenschriften erscheinen Hess, 
nahm Zumpt die ganze Fi-age in einer Kecension aller von Hermann 
darüber veröffentlichten Schriften auf, und zwar in den Berliner 
Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik 1845 Novemberheft Seite 
721 — 752. Hier wurden von A. W. Zumpt den alten Argumenten 
neue hinzugefügt, sprachliche wie sachliche, und trotz der grossen 
Autorität Hennann' s glaubt seitdem kein l^'achmaim mehr an die 
Echtheit besagter Briefe. 

9. 

Da wir von Ciceroiiiaclien Werken sprechen, ist es hier am 
Platze, etwas über die Ausgaben der Reden pro Murena und de 
lege agraria zu sagen, die A. W. Zumpt in den Jahren 1859 und 1861 
mit einem gelehrten Commentar veröflPentlichte. Es ist natürlich, 
daas, wie schon 0. G. Zumpt (vgl Vita Seite 105 £) sidi von 
diesem grossen SohnftoteHar besonders angezogen fttbUe, tauik er 
ilm ak den liitteliMmkl seiner Qlaa^ Kein 
anderer alter SehriftsfeeUer kann in der Thai eine reieheie Fand« 
gmbe für fi^[H(aehe, stiUstiBeke Elegana^ geednditiifllie Kmmlnlsiie 
jeder Art» über die Vergangenheit sowie Uber sein eigenes» so wksh? 
tiges Zeitalter daxbfieten. Schon G.G. Zumpt batte sieh Torgenommen» 
kntisohe Aufgaben der fenehiedsnen Beden (anner den edirien 
Teninsn) m bearbeiten, und hatte an diesem Zweoke in Bom die 
Tiagomuniinianisehen Oollatianen mit groeser Genanigfcoit abge« 
fidhneben (vgL Vita B. 109 t), A. W* Znmpt ging aneh lange aut 
demselben Gedanken am, beeonders da er die wichtigen Colktkmen 
benatsen konnte, kam aber mar aar Heransgabe der oben er- 
wiknten Beden. 

Die Bede pro Mnrena eradnon im Jahre 1869 aüt einsr 
wichtigen Binleitmig Uber die Peradnlaahkeit te Mnrena, Uber da« 
Verbrechen des Ambitos uid. die Htandsohriften der Bede, mit einem 
fiOKtlanfadan Commentar anm Text nnd endlich mit der vollstfindigen 
varietas lectionis der Lagomarsinianischen nnd anderer Handsehriftstt. 
Die fleissige und gelehrte Arbeit wurde im Allgemeinen von der 
Kritik gttnatig amlgenommen. £b &eat ans, hier besonders der ein* 
gehenden und würdigen Becension yon Ludwig Kajser in den 
Neuen Jahrbüchem fltr Philologie und Pädagogik zu gedenken»^) 
Kaj^ssr nimmt zwar nicht alle £mendationen nnd Co^jectoren 
yon Znmpt an, glaubt auch nicht, dass dem Lagom. Codex No, 9, den 
Zumpt &st anssohlieeslich sdner Bevision an Gmnde legte, so nn- 



') Bd. LXXXI (1860) Heft 11 S. WS. 



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Zur EriaMKiBg au W. Znmpi 181 

bedingt zu folgen sei, aber seine Kritik ist ttberall freundlich und ob- 
jecÜT. Die Meinungsverschiedenheit in einer so T^enig sicheren Frage, 
wie die Textestiberliefemng der Oicer. Reden, verleitet ihn nicht, die 
unzweifelhaften Verdienste des Herausgebers zu vergessen. Nicht das 
Gleiche ist von Prof. K. Halm zu rühmen. In einem in dor Akademie 
der Wissenschaften zuMünclun im Jahre IMjI gehaltenen Vortrag über 
die Handschriften zu Ciceros Rede pro Murena, der auch als kritisch- 
polemische Abhandlung besonders erschien, griff er Prof. Zumpt so 
heftig und mas»los an, dass der Letztere sich genöthigt sah, ihm in 
einem längeren Aufsätze in der Zeitschrift itir das Gymnasial- 
wesen XV, 12, Seite 882 ff. zu antwortfm. Der kampflustige Mtln- 
chener Grelehrte enviderte noch einmal in derselben Zeitschrift mit 
einer gleich langen 'Entgegnung' (XVI, 5, Seite 377 ff.), welcher 
Zumpt eine kurze Schlusserklürung im Novemberhefte Seite 833 f. 
folgen Hess. Ich kann und will hier kein Urtheil über die literarische 
Controverse ftillen. Nur Eines sei bemerkt. Zumpt hatte wieder- 
holt in der Lebensbeschreibung seines Onkels, Seite 109, und in der 
Vorrede seiner Ausgabe vca>ichcrt, dass C. G. Zumpt ausser den 
Lagom, Collationen nicht ein Wort über die Kritik der Ciceronischen. 
Reden hinterlassen habe. Wer die Redlichkeit und Wahrheitsliebe 
A. W. Zumpt's und die Verehrung, die er für den Onkel hegte, kennt, 
musB staunen, dass Prof. Halm lediglich auf Ginind eines CoUegien- 
heftos vom Jahre 1846, welches einige ganz unbedeutende, mit der 
Aeuen Ausgabe überemstimmende Lesarten und Conjectaren enthielt» 
es wagte, iba der Freibenterei und HetftiSTerletzung aaniklagen. 
A. W. Zumpt bat Becbt gebabt, diese ^Verleomdiing^ znrfickzaweisen. 
ISr rechtfertigte sieb TOUstindig, was ja nnr fix diejenigen nᚄg 
war, die Ibn niebt persSnliob kannten. 

Die Ausgabe der Beden de lege agraria wurde nacb denselben 
kritiseben Grundsfttien wi% die andere besorgt und fand aueb die- 
selbe Au&abme bei der^ Kritik. Es gebt ihr eine Einleitung 
Uber das Servilisobe Oesets und die Handscbriflen, die zur Grund- 
lage des Textes gedient batten, yoraus. In der Abhandlung Aber 
das Serviliscbe Oeeets ist das ürliieil Zumpt*s Uber die PersQnHob« 
k«H des TonofaUigaideii F» 8«rv0iai Bnllns bsmeikAnswerUi, weUbes 
von dfla gsaKdbnlWitn abweicht Der fovthnitede Conunenlur slebl 
dem anderen an FtUle der Gelabrsamkeit nkht naeh, was um so 
wiehtiget ist, als das Aignment bei Weitem mebr SebwierigkaüeB 
Ufitot. 8ebc interessant ist endüoh der Bzcuxb de lege ounata^ 
WD die Frage der Curiei, der Curiatcomitien und des Gurialjgeeetees 
giossentheilB im Widerqvnch mit der in den rtfmischen Alterthttmem 
berrschenden Auffassung behandelt wird. Was die Constitnimng 
dea Tentes beteifilb, so folgte Zumpt auch hier dem Codex Lagom. 9 
ant gmasr Tlreue. Den sonst wohlwollenden Becensenten erschien 
ne zwar zu exclusiv, doch mussten sie zugestehen, dass diese Handr' 
scbrift TOT den bisher benutzten den Yoisug yerdienew Alle stimmten 



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182 



Guido PadfiUetti: 



zugleich darin Uberein — und das ist für Ausgaben, die besonders In 
den Händen junger Leute sind, sehr wichtig — dass der sachliche 
Commentar vortreölich ist, und dass alle in das Gebiet der Antiquitäten 
und Geschichte fallenden Fragen mit grosser Genauigkeit und' 
gründlicher Sachkeimtniss besprochen sind. 

10. 

Ausser Cicero zog auch Livius A. W. Zumpt besonders an. Er 
hat sogar die Absicht gehabt, eine kritische Ausgabe dieses Autors 
SU besorgen, doch haben ihn andere Studien immer wieder daran 

gehindei*t. Als er im Jahre 1857 in Verona weilte, nahm er den 
Codex rescriptus jener berühmten Dombibliothek in Augenschein, 
in welchem viele Seiten der ersten Decade des Livius enthalten sind. 
Die Handschrift war schon durch F. Bluhme im Jahre 1828 bekannt 
geworden, der im Rheinischen Museum darüber berichtete, aber seit- 
dem hatte kein anderer Gelehrter seine Sorgfalt darauf verwandt. 
Zumpt Hatto nicht die Absicht, die ganze Handschrift abzuschreiben: 
denn es bedurfte dazu mehr Zeit, als er zu seiner Verfügung hatte, 
auch der Anwendung chemischer Mittel. Er wollte die Handschrift 
nur prüfen und ihren Werth feststellen. Die sehr mühsame Arbeit 
war schon eingeleitet, als die Anzeige eines Familieuunglücks ihn 
eiligst nach Berlin zurückrief. Die 14 Seiten, die er hatte ab- 
schreiben können, blieben mit der Handschrift verbunden, zum Ge- 
brauch Derjenigen, die nach ihm kommen würden, und erst nach 
zwei Jahren, im Jahre 1859, nachdem Detlefsen die Handschrift 
sorgsamer untersueht und im Fhilologus XIV besprochen hatte, ver- 
?)ffentlichte er das Kesultat seiner Forschungen in einem Programm 
^lieber Titel und Eiiitheilung des Liviauischen Werkes, über die alten 
Emendationeu desselben und über den Werth der Veroneser Hand- 
schrift', von der er zwei Seiten abdruckte (Anhang II No. 22). 
Er hatte damit Nichts weiter bezweck^ als einen kleinen Beitrag 
zur Kritik des Livius zu liefern. Sp&ter hat Theodor Mommsen alle 
Fragmente jenes wichtigen Palimpsestes herausgegeben. 

11. 

Wir gehen nun zu denjenigen Werken von Zumpt über, die als 
Illustrationen von lateinischen Inschriften zu betrachten sind. Es 
sind deren nicht wenige und alle von bedeutendem Umfange, und sie 
zeugen von dem Fleiss, mit dem er sich, seit dem Jahre 1840, der 
römischen Epigraphik widmete. Heute hat die epigraphische Wissen- 
schaft grosse Fortschritte gemacht, sowohl in der Sammlung des 
Materials als in der Interpretation desselben. In jener Zeit aber 
lag dieser Zweig der classischen Alterthumswissenschaft in Deutsch- 
land noch sehr darnieder, und Zumpt war einer der Ersten, der seine 
Bedeutung füf die Erkenntniss der Geschichte und Verfassung des 
römischen Staats richtig gewürdigt und die Inschrüten in seinen 
Werken benutzt hat. 



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Zar ErümeruQg an A. W. Zumpt. 



183 



TMe erste wichtige Arbeit in dieser Bezielmnir war sein Commentar 
zum uiouiimenium Ancyrauum. Dieses für die Geschichte der 
In.-5titutiuuen und des Kelches unter Augiistus so ^erthvolle iJenknuil 
hat immer die Aulinerksamkeit der Gelehrten auf sich gezogen, 
nachdem es im Jahre 1554 zum ersten Male Yon Verantius und 
Busbequius in Ancjra entziffert worden. Der berühmte Gräcist 
Johannes Franz, bewogen beBoadera dnxch die in Apollonia in Pisidien 
von Arondel gefundenen Fsagmente der grieohieeheB üeberaetzung, 
und dnnii die BeseardieB in Ana minor von Hanuhon, fasste den 
Entschlnw, alle grieehidien nnd lateinisohen Fmgmente de« JaäM 
renun ab Augusto gestamm einer neuen Revision zu untenieiheii. 
Der TeztenreTiaion wollte er einen Commentar beigeben und hatte 
ihn schon in der Art nisaaimeogestellt, dass er seine eigenen An- 
merkungen den besten des Casaubonus, des Qronorius und des 
ChishuU hinzufügte. Jetzt wendete er sieh noch an Zumpt, um auch 
Yon ihm Beitrage zur ErlKuterung des Teztes zu erhalten. A.W. 
Zumpt aber wurde bald gewahr, dass auf diese Weise für die ErUXrung 
des werthYollen Denkmals nicht ausreichend gesorgt sei Von dem 
Wunsche beseeh, das lateinische Exemplar herzostellen und zu er- 
IftuterUt erbot er sich einen eigenen fortlaufenden Commentar dazu 
zu schreiben. 

Obgleich er die kritischen Uülfsmittel, welche S{>äter hinzu- 
gekommen sind, nicht zu seiner Verfügung hatte, und die Inter- 
pretation an und für sich viele Schwierigkeiten darbietet, wurde 
dennoch dieser Commentar eine yortrefiliohe Arbeit, auf die man 
selbst nach den neuen Au si^^nben von Mommsen und Bergk noch heute 
mit vielem Nutzen zurückgehen darf. Was die Emendationen und 
Ergänzungen der Tafeln betrifft, so i»t der Scharfsinn bewunderns- 
würdig, mit dem Zumpt oft das Richtige traf. In dieser Be- 
ziehung müssen wir hier die Ungereclitigkeit und, ich möchte fast 
sagen, die Feindseligkeit offen beklagen, die Theodor Mommsen fast 
auf jeder Seite seiner neuen Ausgabe in dem ürtheil über Zumpt^s 
Werk bekundet. Sie ist besonders aus der Art zu ersehen, in welcher 
Mommsen die Leistung Mordtmann's beurtlieiit, welcher im Jahre 
1859 im Auftrage der Akademie der Wissenschaften von Kou- 
stautinopel nach Ancyra reiste, um das Denkmal nochmals zu unter- 
suchen. Dem ihm gewordenen Auftrage gcmiiss sollte er den noch 
verborgenen griechischen Thei! aufdocken und vom lateinischen Theil 
ein Apographum und einen Abdruck zurückbringen. 'Sed' schreibt 
^lommsen^), Ves nobis cessit non ex voto. Graeca quae latebant ut 
retegerentur domini loci non perniiserunt; ectypura fieri posse is cui 
ea res mandata erat nogavit, cau*atu> ita inseriptioneni ipsam pessum 
datum iri. Misit idem quod exceperat exemplum, quo quamquam 

Res gestae divi Augosti etc., Berolini au. Wcidiuaimos MDCCCLXV, 
S. XIX. 

Jthxh. t. cImi. PMlol. Sappl. Bd. X. 1$ 



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184 



Guido PadeUetti: 



complures locos recte ex lapide emendavit, tarnen totam rem 
nequaquam peregit ea qua par erat cura et simplicitate: nam 
aliis locis neque iis paucis, deceptus maxime supplementis 
Ziimptianis, ea sibi videre visiis est in lapide quae proposuerat 
editor Berolinensis ; cuius culpae luculentum exemplum praebet caput V, 
24 — 34. Qiiaie invitus quidem, sed necessario hoc exemplum ita 
adhibui, ut ei soli fidem non haberem nisi in re evidenti.' Offenbar 
war die grösste Schuld von iMordtmauD, die Zumpt'sche Restitution 
gekannt und ihm Recht gegeben zu haben, wo er das Richtige scharf- 
sinnig getroffen. Nach Mordtmann kam der Franzose Perrat im Auf- 
trage des Kaisers Napoleon des Dritten nach Ancyra und Apollonia. 
Mit einer genanen Befvision vennelirte er in reicliem Maasse dieTor- 
aarMtm Ittr eine neue Ausgabe des Denkmals , die Tb. Mommsen 
dun spftter ansfObrte. Naäi der Bevision aber Ton Perrot, die viele 
Emendationen von Mordtmann bestttigt, hstte er sein nngereebtes 
Misstranen gegen ibn tmd Zumpt unparteüseh fallen lassen sollen. 
Selbst Bergk» der mit einer gewissen Yonebmbeit die Arbeit 
Zmnpt*s bebandelt, gibt docb so, dass Mommsc^ gegen Mordtmann 
sebr wenig gerecht gewesen isi ^Qoamqnam panllo iniqnins de ea 
(sc Mordtmanni opera) indicat, nam non solom mnlta ezpedivit 
quae poetea Pemti tesiamonio confirmata sunt, veram etiam nonnuUa 
solios Merdtmaani acies deprebendil") Statt dessen finden sieh die 
Spuren seiner Abneigung, selbst in den AnmeriEungen des Corpus 
inser.lat., wo MotdtmanD jeden Augenblick als yon den Zumpt*schen 
Vermutbungen betrogen ereebeinti') 



Dem Studium der lateinischen Inschriften verdanken auch die 
zwei Abhandlungen 'De Lavinio et Laurentibus Lavinatibus* und 
* De Augustalibus et Seviris Augustalibus' (Anhang II No. 11, 12) 
ibren Ursprung. Der erstem dieser Abhandlungen (1845) geht eine 
kurze Auseinandersetzung der kritischen Ghrundsfttze Toran, die nach 
Zumpt in der Bearbeitung eines Corpus inscriptionnm latinarmn zu 
befolgen gewesen wären. In jener Zeit hatte sich eben die Pariser 
Akademie der Wissenschaften entschlossen, den langgehegten Wunsch 
der Gelehrten zu erOillen und eine vollständige Sammlimg der 
lateinischen Inschriften herauszageben. Zu diesem Zwecke war eine 



') Ueber die Mommsen'Bche Ausgabe hat sich Zumpt nur in einem 
Schalprogramm unter dem Titel 'de monumento AncTrauo •aj^plendo' 
Berlin 1869, auBgeBproohen. In demselben bekSm^ er einige Ton 
Mommsen vorgeschlagene Erg^bisimgen und bandelt wieder flber die Ton 
Augnstus bekleideten Aemter. 

*) August! rerum a se gestarnm indicem com gxaeca metaphrasi 
edidit Theod. Bergk. Gottiugae 1873, nag. 14. 

^ Um dem Mser ra zeigen, dass inr dies nicht ebne Grund getagt 



nur möglich war, wollen wir einige Beweise bringen. Monmisen ■ohxeibi^ 



12. 




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Zur ErinnemDg an A. W. Zmnpi 



185 



leitende Commission oompetenter M&nner ernannt worden, und es 
schien als ob der lobenswerthe Vorschlag sehr hald ins Werk gesetzt 
werden sollte. Eine der ersten nnd schwierigsten Fragen, die sich 
bei derartigen Veröffentlichungen darbieten, betrifft zweifelsohne die 



dasa insbesondere V, 24 Agg. des Monnmentum Ancyrauum den offenen 
Beweis der Schuld von Mordtmann geben. Wir wollen also diese 
Fragmente Zeile f&r Zeile durchgehen. 

Zeile 14. Anstalt populi//mmd liest Moidtmann Bomani, was 
nicht ZQ yerwnndem ist, und Monunsen bemerkt S. LVl ^SomaiU 
Mordtm. qui in sequeutibus pleraqne snpplementa Zamptiana protolit 
tanqnam in lapide 8ibi visa.' 

Zeile 26. Mordtmann Liest Ärtaxia cum: so hat Znmpt, aber auch 
Monunsen , nnd ameh pnmkuia m ist tob Mommsen angenommen. 

Zeile 26. Mordtmann liest regnwn anstatt ttgi jjm (Perrot), aber 
auch Mommsen ergänzt regnmn. So konnte es also auf der Tafel stehen 
nnd Ton Mordtmann gelesen werden. 

Zeile 27. Mordtmann liest per UJIf<mm tramferre gut tum pri- 
v^mis srsl. Mommsen bemerkt: 'ex Znmptio magis qnam ex lapide.' 
Warum? Zumpt hatf>«r [Ttb. Nejroftiem qui tujm efrcU pricignua mem 
transferrej. Mordtmann setzt das transferre voran. Perrot hat per 
iJIJronem ira //// ouj/// mihi privignus ercU. Mau hätte Zumpt loben 
mOnen, der mtt einem Paar Baelistaben fortreinieh «i^Bst hatte, und 
Ifordtmann war nicht sehr zn tadeln, der tranaftrre anstatt tradere ge- 
lesen hat, denn tradere beruht auch auf Vermuthnng, die nur des Aaomss 
wegen eine grössere Wahrscheinlichkeit hat. 

Zeile 28. Mordtmann hat eandem gentem postea //// gentem et rebellantem 
dt m ita m per Gaium. Mommsen bemerkt sn . . . . gmUem: 'proptcr tnsiir- 
gw rfs s t Zumptii*. Eine sehr ungerechte Bemerkung l Perrot hat später 
etwas mehr eniziil'ert, nämlich . . . iscmtem uud es war danach leicht 
zu ergänzen, wie Mommsen gethan, desciscmtem. Mordtmann aber, 
der, wie Lucas und Chisholl vor ihm, nur emtem gelesen hat, konnte 
sehr leidit C mit O Terweeliseln. Taicas und Onishull haben auch 
.... gentem: haben sie so yielleicht auch gelesen, nm Zumpt geflkUig 
SU sein? 

Zeile 29. Mordtmauu hat gelesen regia Mcdorurn ArtoßBOMdit fUo 
regmL Mommsen bemerkt 'ez sumptio'. Aber warum? Wenn GhisnuU 
und Lucas nicht gelungen ist etwas zu entziffern, Perrot aber regis 
MedorumArta ///// filio // gen(dam) gelesen hat, warum konnte Mordtmann 
nicht ein Paar Buchstaben mehr lesen? Es war oü'enbar zu hart, ein- 
gestehen sn müssen, dass Zumpt die Ergänzung der gansen 
Zeile Yollstftndig errathen hatte. 

Zeile 80. Mommsen nimmt die Lesung' von Mordtmann an. 

Zeile 31. Mordtmann liest n«,/ während Perrot ne hat, Mommsen 
bemerkt: ^quoniam supplerat Tigranem Zumptius', nnd dann in seiner 
Bestitution nimmt er die Erg&nsung Zumpts einfaeh an, und 
um Mordtmann nicht Recht su geoeo, fOgt er hinsu: 'in lapide Tidetnr 
esse me etroT(d lapicidae.' 

Zeile 33. Mordtmann possiderUibus et antea iiicUiam et, während 
Lucas nur possidenti&MS und Perrot postidenttbus t . . . Sieüiam et hat 
Mommsen bemerkt: 'Zumptium magis describens, opinor, qnam lapidem.' 
Lieber als einzugestehen, dasa Zumpt das Richtige getroffen hat, zieht 
er vor die Zuverlässigkeit von Mordtmann zu bezweifeln. In leinen Er- 
gänzungen nimmt er das et antea von Zumpt auf. 

In der Zeile 84 endlieh kommt die Gewissenhaftigkeit tou Mordt- 
man Uar m Tage. Lucas und Chishull lesen ohne Weiteres oosiqiatos.* 

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186 



Guido Padelletti: 



Vertbeilung der verschiedenen DenkmSiler. Ist die Ordnung nach 
Materien oder die chronologische oder die geographische vorzuziehen, 
oder ist vielleicht eine gemischte Ordnung die beste Lösung V Zurapt, 
der beim Studium der Inschriften oft zum Nachdenlceii über die 
Ordnung eines zukünftigen Corpus inscrii)tiouuni veranlasst worden 
war, setzte seine Ideen summarisch auseinander. Damals war das 
geographische System für ein Coi inis inscriptionum das zweckmässigste, 
denn der Zweck desselben ist nicht die AlterthtLmer zu erklKren, sondern 
die Inschriften ins beste Licht zu stellen, nnd 6B kann dolier fttr den 
grOBsten Theil derselben das cbronologisohe System niebt angenommett 
werden. Wenn aber das geographische das einzige ist, welches sieb 
fttr eine Sammlung s. B. griechischer Inschriften eignet, so kann 
sich doch ein Zweifel in Betreff der lateinischen Inschriften erheben, 
denn das rOmiscbe Boich besitzt eine starke Einheit in vielen Theiien 
der Verfassung, in den höheren Aemtem, im Heerwesen etc. Es 
ist also eine Ausnahme zu machen für den Theil der Inschriften, 
der sich darauf besieht, wSbrend die natOrliohe geographische 
Ordnung für alle Municii>al- Inschriften beizubehalten wSre. Eine 
andere Ausnahme betrifft die nicht zahbreiohen Inschriften, die filter 
sind als die Bflrgerkriege, aus der Zeit nämlich, wo das Bttrgerrecht 
aUsn Latinem und Bundesgenossen gegeben wurde und die Bomani- 
sirung Italiens sieh vollzog. Dieser Theil könnte chronologisch- 
geographisch geordnet werden. Das üebrige würde sich in zwei 
grosse Glessen vertbeilen: die erste wttrde alle die Inschriften ent- 
halten, welche die Central -Verwaltung und Alles was von ihr abhängt 
betreffen; die zweite alle anderen, die sich auf die einzelnen Muni- 
cipien beziehen, nach geographischer Ordnung und jedes einzelne 
Municipium systematisch geordnet. Das ist im Grunde die Ein- 
theilung, die Zumpt mit einigen Cautelen fOr ein Corpus inscriptionum 
damals empfohlen hat. Wie sehr sie den Anforderungen eines 
solchen Werkes entspricht, kann man daraus ersehen, dass die 
deutschen Gelehrten, welche die von den Franzosen fallen gelassene 
Aufgabe im Auftrage der Berliner Akademie wieder auinahmen, 
keine bessere Eintheilung finden konnten und mit wenig Verände- 
rungen der von Zumpt vort(< schlagc non folgten. 

Die in der Vorrede zu der genannten Abhandlung hingeworfenen 
Gedanken wurden später von ihm seihst in einem 'Entwurf zu einem 
Corpus inscriptionum latinamm', den ich unier seinen Papieren ge- 



Zumpt wiederholt dasselbe occupaias. Wäre Mordtmann ein weniger ge- 
wissenhafter Mann pcwesen, der die Zumiit'bche Restitution allein zum 
Führer genommen hatte, am sich die Arbeit leichter zu machen, so hätte 
er hier auch oeenpaias gelesen. Br schreibt aber, wie später Perrot 
oem/f/tM. Das ist der beste Beweis, dass er, wo er nicht lesen konnte, 
nichts ans dem Kopfe oder aus den Büchern hinzugefügt hat, und dass 
die Buchstaben und Worte, die er in anderen bteiien hat, sich wirklich 
auf dem Sterne befiuideo. 



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Zur Erionenuig an A. W. Zumpt 



187 



funden habe, besser entwickelt, und prScisirt. Ich habe alle Ursache 
zu glauben, dass dies ein Entwurf ist, den er der Herliner Akademie 
der Wissenschaften til/orrcichte, als diese rait der Absicht umging, 
die Erbschaft der frauzüsischeu Akademie anzutreten. Bei der Bc- 
arbeit'inf]^ eines Coqnis inscriptiotium konnte mm die Akademie einen 
Gelehrten kaum bei Seite lassen, der so viel Competenz in der Frage 
gezeigt \md mit epigraphischen Arbeiten sich bemüht hatte, das so 
lange entschlummert gewesene Interesse für einen der wichtigsten 
Theile der römischen Alterthümer zu wecken. In der That wurde 
er nun auch von der philosophisch -historischen Classe der Akademie 
mittelst Schreibens vom 15, Februar 1S47 mit den Vorarbeiten zur 
Sammlung der römischen Inschriften betraut. 'Wir benachrichtigen 
Sie', so lautete der Auftrag, 'dass die philosophisch -historische 
Classe den Beschluss gefasst hat, Ihnen die literarische, hier in 
Berlin vorzuuehmende Arbeit, behufs der Herausgabe einer Samm- 
lung römischer Inschriften zu übertragen. Sie werden hierbei den 
von Ihnen, sowie den von Herrn Mommsen überreichten Plan im 
Allgemeinen zu Grunde legen, Ober etwaige Abänderungen den noih- 
wendigen Briefirecbsel fuhren, aber andere erliebUehe Pimkte alter 
mit der bierfllr Ton der Akademie ernannten Commission in Ver- 
bindung treten und deren Znatimmnng, sowie nOtliigen&UB die der 
philosophisch -historischen Classe einholen. Insonderheit werden Sie 
die Inschriften der dnzelnen Commnnen von den Übrigen gesondert 
Bammeln, damit es der Classe möglich sei, Uber deren Bearbeitong 
nach Umstanden su disponiren/ 

Diese Vorarbeit, Är welche Znmpt sich fttnf Jahre Zeit ans- 
bedungen hatte, war in sechs Jahren zn Ende geftthrt Wfihrend 
dieser Zeit wurden ihm mannigfiiche Unannehmlichkeiten Yon Seite 
der akademischen Commission bereitet, die eine sich steigernde Ab- 
geneigtheit gegen ihn an den Tag legte, bis ihm endlich, nachdem 
er die Arbeit abgeliefert, durch Schreiben Tom 6. Juli 1853 be- 
deutet wurde, dass die Akademie ft&r die Bedaction des Corpus 
inscriptionum ihn nicht weiter zu benutzen gedächte. Ich will hier 
die unangenehmen Verhandlungen jener Zeit nicht näher berichten, 
welche Zumpt natürlich auf das schwerste verletzten, und bin gern 
geneigt zu glauben, dass seine Gegner lediglich vom wissenschaftlichen 
Interesse für die gi'osse Aufgabe des Corpus inscriptionum geleitet 
zu sein glaubten. Wie dem aber auch sei, die Bttcksichtslosigkeit 
ihres Verfahrens wird sich nie rechtfertigen lassen. 

13. 

In der Abhandlung über die Laurentes Lavinates geht A. W. 
Zumpt von einer pompejanischen Inschrift aus, um die dunkle Frage 
dieses Priesterthums aufzuhellen. In derjenigen *de Augustalibus 
et seviris Augustalibus' stellt er diese merkwürdige Einrichtung der 
Kaiserzeit auf gleicher Grundlage in das richtige Licht und be- 



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188 



Qoido Padalletti: 



richtigt das, was Egger darüber geschrieben hatte (Examen critique 
des historiens anciens de la vie et du rögno d'Auguste, Paris 1844), 
gründlich. Bass Zumpt auch in dieser Frage mit seltener Scharfe 
das Richtige getroffen, beweist die Anerkennimg so ausgezeichneter 
Gelehrten wie Henzen und Marquardt, die früher die Meinung von 
Orelli und Egger über den Ursprung der Augustalen getheilt hatten, 
aber von den Zumpt'schen Argumenten tiberführt wurden.*) Es 
wurde ihm freilich noch vorgeworfen, dass er weder die besten Ab- 
schriften der Inschriften benutzt, noch die wlluschenswerthe Voll- 
ständigkeit der Beweise erreicht hätte. Diese Mäugel erscheinen 
aber durchaus erklärlich, da Zumpt in Berlin nicht die Möglichkeit 
hatte, alle in Italien besser gelesenen oder neugefuudeneu Inschriften 
zu verwerthen. Ueberhaupt war ja an eine Vollständigkeit der 
inschriftlichen Beweise nicht eher zu denken, als bis ein Corpus 
inscriptionum latinamm «zisürtei Zumpt wollte gmde beweisen, 
dass sellist die Torbandenen Sammloagen für die niostrstion der 
römisclien Alterthttmer nicht genflgend benutst würden, und dass er 
ans lockenhaften Urkunden die Wahrheit zu emiren verstand, das 
Bchmllert nicht, sondern steigert sein Verdienst 

Man machte ihm auch den Vorwurf, dass er gar kein Gewicht 
auf die Bevision der noch yorhandenen Steine und des ttbrigen 
inschriftlichen Materials lege und die einzige Aufgabe der Epigraphik 
in der kritischen Emendation der gedruckten Recension erblicke. 
Wer auch nur oberflächlich die Anforderungen dieser Wissensehafb 
kennt, wird zugeben mOssen, dass beide Angaben sich gegenseitig 
eigfinzen. Walnre Qelehrsamkeit kann weder tob einer sorgfiUtigen 
BeTirion der noch Yorhandenen DenkmSler absehen, noch diese ohne 
tiefes, sachliches Verstfindniss Yomehmen. Dass Zumpt dieser Ansicht 
war, das bezeugt sein Entwurf zu einem Corpus inscriptionum lati- 
namm, worin es heisst: *Da ein Corpas inscriptionum latinamm 
aus besonders für diesen Zweck anzufertigenden Abschriften zu 
sammeln, theilweise nicht möglich, theilweise unnöthiger Aufwand 
von Kosten und Zeit wäre, auf der andoi-u Seite aber, wenn bloss 
gedruckte Bttcher benutzt werden, das Material ebenfalls nicht ganz 
yollständig zusammengebracht und zum Theil nicht correct genug 
geliefert werden kann, kommt es darauf an, diese beiden Wege auf 
eine zweckmässige Art zu verbinden/ Zumpt ist freilich weiter der 
Meinung, für die Revision der Denkmäler könne die Correspondenz 
mit den italienischen Archäologen und Gelehrten genfigen, schliesst 
aber doch mit den Worten: * Indessen verkenne ich nicht, dass, 
wenn die Mittel dazu beschaflTt werden können, auch noch die, 
ich mJichte sagen, modenie Weise nützlich und zweckmässig ist, 
die Arbeit durch Reisen zu fördern, die eben sowohl dazu dienen 
mttssten, das schon zusammengebrachte Material zu revidiren als 

») S. Zeitschrift für Alterthumswissenachaft 1848 No.25 — 27. 37—40 
und Marquaidt Hdb. der rfimischen AlterthOmer IV (1878) S. 618. 



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Zur Erinnerang an A. W. Znmpi. 



189 



die Gelohrten anikasiielMii, toh ämm hauan Mittheiluogen la er- 
warten wttren.' 



Die beste Antwort, welche Zvmpt seinen Kritikern geben 
konnte, war die YerOffenUiebiing des ersten Bandes seiner Gommen- 
iationes epigraphioae im Jahre 1860, dem er naoh 4 Jahren einen 
sweiten folgen Uess. Dieses wichtige Werk, das sich seinem Titel 
nach der Methode der Torgenannten Dissertationen ansohloss, gab 
ein hervorrageodes Zengniss nicht allein von der Gelehrsamkeit des 
Verfassers, sondern auch Ton der Neuheit und Originalitftt seiner 
Forschnngen. üs begrOndete für immer seinen Baf bei den compe- 
tenten und unparteiischen Fachgelehrten.^) Unter diesen Abhand- 
luigen werden wir besonders dreier £!rwähnung thun, die wirklich 
ein neues Licht über noch wenig bekannte Einrichtungen des rdnuschen 
Staatswesens verbreiten. So erneuerten die Abhandlungen über die 
Qoaiiuorviri und über die Quinquennales die Grundlage der Kenutniss 
Ton den Municipalmagistrateu. Zumpt gelang es zum ersten Mal, die 
wahre Bedeutung der Behörde der Duumviri und der Quattuorviri in 
den Städten zu erklären, die gegenseitigen Yerhiiltnisse dieses Beamten- 
collegiums, die wahre officielle Lage der Municipalcensoren oder 
Quinqueiiuales, und der Praefocti und Curatores, die noch Savigny 
in seiner Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter verwechselte. 
Mit Recht schrieb also Marquardt im Handbuch der römischen 
Alterthümer (III, 1 S. 347j da wo er auf die Miinicipalverfassung 
zu sprechen kommt, dass Mie gelehrten und iinilangreiclien For- 
schungeu von A. W. Zumpt in dessen Commentationes epigraphicae 
Uber die schwierigsten in diesem Abschnitte zur Sprache konunenden 



') Ich freue mich, hier das Urtheil wiederzugeben, welches in dem- 
selben Jahre, wo die akademische Gommission Zumpt von der Bedaction 
des Corpus inscriptioDum ansschloss, ein ansgetmchneter Philologe, Emil 
Kuhn, Ober die Commentationes fllllte: 'Das vorliegende Buch ist ge- 
eignet, in einem ausgedehnten Kreise das lebhafteste Interesse zu er- 



die Beichhaltigkeit und die relatiTe Wichtigkeit der in demtMben nieder- 
gelegtem Resultate wissenschaftlicher Forschung Die Erwägung 

ihres (der Inschriften) Inhalts für den Zweck ihrer systematischen Zu- 
■ammenstellunc? hat ihn nun auf eine Mon^e von Beobachtungen und 
£rgebniiUien geleitet, welche noch Niemand vor ihm wahrgenommen 
hatte und die In Verbindung mit den aus den Schriftstellern geschöpften 
Kachrichten in völlig unerwarteter Weise in vielen Fällen ein neues 
Licht über die darin behandelten Gegenntilnde verbreiten. Diese Be- 
merkung tindt-t auf die gegenwärtige Schrift wegen der Wichtigkeit der 
darin behandelten Gegenst&nde in i^ch höherem Grade iJs enf «e letste 
grössere Schrift des Verfassers de Augustalibus et de seviris Augostalibus 
Berlin, Schröder 1846, Anwendung Der Unterzeichnete ergreift die 
Gelegenheit, hier die Versicherung auszudnicken , dieselbe habe sein 
wissenschaftliches lotereisBe und Nachdenken in einem Grade iu Anspruch 
genommen und gelBMelt, wie seit Jahren keine andere.' 



14. 



wecken. Dieses Interesse gründet 




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190 



Ghiido PadeUetti: 



Punkte zaerst ein neheree Urtheil mOglioh gemaekt und zun Tbeil 
YÖUig nene Be&nltate herbeigefttlut' hftUen. Von der Zeit an worden 
die Ergebnisse jener Abhandlungen Gemeingut des wissenschaftlichen 
Verkehrs, und die neuesten Untersuchungen und Entdeckungen haben 
sie nicht bedeutend modificirt (siehe Handbuch yon Monunaen 
und Marquardt IV S. 463 Agg.) Dasselbe kann gesagt werden von 
der fleissigen und gelehrten Abhandlung de coloniis Romanorum 
militaribus, die alle älteren Schriften über denselben Gegenstand in 
die zweite Linie versetzte.^) Marquardt nennt sie mit Recht 'die 
erste gründliohe Untersuchung Uber die Ilauj)! punkte des römischen 
Colonial Wesens'. (S. Becker -Marquardt Hdb. JU, 1 S. 311; vergl. 
Monunseu- Marquardt Hdb. IV S. 427 llgg.), deren Resultate haupt- 
sÄchlich durch Marquardts Handbuch Verbreitung fanden und f(ir 
die betreffenden Untersuchunixen grundlef?end blieben. Die andern 
Abhandinngen eiTeichen, was rmran<:r und Wichtigkeit des Argumonteb 
betrifft, den Werth der drei ebengcnanntrn nicht, sie enthalten aber 
nichtsdestoweniger viele interessante Forschungen. 

Die Commentationes epigrapliieiio, die dem Verfasser einen der 
ersten Pliit/.e unter denjenigen (ielehrten sichern, welche sich um 
die bessere Pflege der E})igra])hik verdient gemacht, und zwar in der 
besten und fruclitbarsten Weir^e (so ein competenter Heurtheih'r, Zell, 
in den Heidelberger Jahrbiicliern der Literat uri, haben intlessen 
zu einer unerfreulichen literarischen Controversc Veranlassung gegeben. 
Nur die Pflicht des Piographen nöthigt uns ihrer zu erwähnen. In 
der ersten seiner Commentationes hatte Znini)t ein wichtiges FragiVient 
von Muuieipalfasten nach einer Pighianischen Handschrift der Berliner 
Bibliothek wieder edirt, ergänzt und erklärt. Alle andern Heraus- 
geber hatten sie Capua zugeschrieben, und er nannte sie auch 
Campanische Fasten. In demselben Jahre 1850 sprach Momnisen 
▼or der Leipziger Gesellschaft der Wissenschaften gelegentlich von 
jenen Fasten und behauptete, sie könnten unmöglich Capua angehört 
haben, wttrden viehnehr iDr Vennaia passen. Der Ton dieser Bede ist 
ziemlich ruhig, auch erkennt Monunsen das Verdienst Zumpta an, 
die Pighianische Abschrift bekannt gemacht zu haben, und gesteht, 
dass er selbst * durch genauere Beobachtung des Wechsels der 
MunicipalSmter im Wesentlichen auf das richtige Ergebuiss gefahrt 
worden ist'.^) In den Inscriptiones regni Neapolitani erschienen 
die Fasten geradezu als Venusinische (No. 697). Zumpt antwortete 
anf die Einwendungen Mommsens erst im Jahre 1853. Wer an 
seinen in diesem Jahre erfolgten Ausschluss aus der Bedaction des 
Corpus inscriptionum denkt, wird sich nicht wundem, dass die 
Antwort etwas lebhaft und bitter ausfiel. In dieser ^Defensio' (s. 

') In dieser Coramentatio arbeitete der Verfasser eine seiner ersten 
Schriften um, uemlich die De C. lulii Caesarif» coloniis. Herlin 1841. 

*) Berichte Aber die Verhandlungen der sftchDiscben Ge8<*llscb8ft der 
Wissenschaften zu Leipsig 1850 Seite SS4 Agg. 

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Zur Erinnerung an A. W. Zumpt. 



191 



Anhang II No. 18) klagte Zumpt: es trete ihm eine gewisse Coterie 
überall feindlich entgegen und behandle seine Arbeiten, die nach 
dem Urtheile unabhHngiger Miinner zum ersten Mal mehrere 
Punkte der römibchen Alterthümer aufgeklärt hatten, als werthlos. 
Mommsen benutze ausserdem die Kesultate seiner Forschungen, ohne 
seinen Namen zu neniu'U. Kr griff den Dünkel derjenigen an, die 
für das Studium der lateinisclien Epigraphik besondere \md seltene 
Fähigkeiten verlangten, und zeigte, dass weder der epigraphische 
Stil noch die epigraphische Kritik sich wesentlich von dem Stil und der 
Kritik der classischen Schriftsteller unierecheide. Dai-auf ging er 
zur Terllieidiguug meiner Meinung über den Ursprung der Fasten Uber. 

Monmisen erwiderte darraf im BheiniBchen Museum IX, 8 
S. 481 Agg., aber mit einer HeftigMt, die in dem persOnüclien 
Tböle der Polemik alle Grenzen llberschreitet, welche die Achtung 
Yor eich selbst und yor Anderen dem Gelehrten anferlegen sollte. 
Einen desto wohlthnenderen Eindruck macht die gemSssigte und 
freundliche Kritik des berühmten G. B. de Bossi, der ans seiner 
genauen Kenntniss der handschriftlichen Sammlungen Yon Inschriften 
neue Gründe fllr die Ansicht Mommsens schöpfte und dartber im 
Giomale Aroadico, Jahrgang 1853, berichtete. Obgleich er sidi 
Mommsen anschloss, erkannte er doch die unleugbaren Verdienste 
ZumpVs in der betreffenden Untersuchung an und gestand, dass in 
der Anordnung der Fragmente (eine viel wichtigere und schwierigere 
Frage als der Ursprung der Fasten) Zumpt der Einsige gewesen, der 
sich ohne die Stfltze des handschriftlichen Materials der richtigen 
Restitution am meisten genShert hatte. Die Mftssigung des rOmischen 
Gelehrten veranlasste Zumpt, die Frage in einem an ihn gerichteten 
lateinischen Briefe mit grösserer Ruhe wieder aufzunehmen (siehe 
Anhang II No. 19). Es ist nicht meine Aufgabe /.u untersuchen, 
wer in dieser langen Controverse liecht behalten hat: ich will nur 
envShnen, dass es in Deutschland an competenten Männern nicht 
fehlte, die Zumpt Beoht gegeben haben.') 

15. 

Es bleibt mir nun übrig, die dritte Classe der Arbeiten Zumpts, 
die Schriften nUmlich, die sich auf verschiedene Abschnitte der 
römischen Geschichte und Alterthümer beziehen, ins Auge zu fassen. 

Seine wichtigste Arbeit über einzelne Frn<:rn d« r romischen 
Alterthümer sind nach den Commeiitationes epignii>hi<'ae die Studia 
Komana, die im Jahre 1859 erschienen; diese sollten nach der Absicht 



') So Hchrieb Zell in den Heidelberger Jahrbüchern der Literatur, 
1859 No. 51: 'Von den drei AbhandliiDgeu des ernten Bandes diebcs 
Werkes hat die erste YersDlaeNrag zu einer wiMratchafUichen ContrOTene 
gegeben, welche fQr di<' ejugruidilHchcn Stadien von fruchtbarem Interesse 

ih«t und b' i welch<'r der Verf.i-s< r s»'iTi*' Aiisicht^'n und frühereu Be- 
hauptungen mit glücklichem Erfolge begründet hat.' 



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192 



dee YerfiuBm Bern Hauptwerk fortsetien. Die epigraphiaehe Methode 
ist hier siemlioh TerlasMii und die gewöhnliche Art der ErOrtenmg 
yorgeMgen. Die erste Abhandlung, welche die HSlfte des Bandes 
einnimmt, gibt die Geschichte der Prolins Gallien nnd bertthrt 
selbstrerstindlieh oben grossen Theil der politischen Geschichte 
Borns, da diese Prolins in den grossen Ereignissen der letrten Zeit 
der Bepnblik nnd der ersten Kaiseneit eine Bolle geqpidt hat 
Hierher gehOrt der ürsprong des CSsariaaisohen Krieges, den Fr. 
Hoffinann nnd McmmaeD zu gleicher Zeit wieder behandelt hatten. 
Nun beschlftigt sich Znmpt in einem kritischen Anhange zu der 
Abhaadlnng über die Provinz Gallien mit den Schriften beider Ge- 
lehrten und liefert einen interessanten Beitrag über den Streit 
zwischen Cäsar und dem Senat und einen zweiten über die Aemter 
des Dictator C'lisar. £ine schwierige nnd dunkle Frage, trotz der 
reichen Ueberlie/erung, da es sich dämm handelt, die Angaben der 
capitolinischen Fasten mit den widersprechenden Nachrichten der 
Schriftsteller in Einklang zu bringen. Eine dritte Abhandlang unter- 
nimmt, die wichtigen Denkmäler der Salpensanischen und Malaci- 
tanischen Städteordnung von einem neuen Gesichtspunkte aus zu 
erklären. Während Mommsen, und nach ihm die grosse Mehrzahl 
der Gelehrten, die zwei spanischen Städte als latinische Gemeinden 
betrachtet hatte, ging Zumpt von dem classischen Begriffe des 
Municipinm aus. Er verneinte, dass es andere als municipia civium 
Romanorum gebe, und erklärte die (Jesetze in dem Sinne, dass ihre 
Verfügungen über die Latiner nur diejenigen Latiiier beträfen, die 
sich als Insassen in der Stadt oder in den der Stadt zugetheilten 
Dörfern befanden. Diese ErklUiting war neu und nicht unwahr- 
scheinlich, so dass Walter sie als vollständig bewiesen in die zweite 
Auflage seiner römischen llechtsgeschichte aufnahm und ein hol- 
ländischer Gelehrter, van Lier, sie vertheidigte. Sie wurde aber 
von Hübner im Corpus inscriptionum latinarum II, 253 bekämpft. 
Die letzte Abhandlung der Studia Romana handelt von der stufen- 
weisen Ausdehnung des römischen Büi gerrechtes und geht von der 
berühmten l^ede des Kaisers Claudius aus, 

"Viel geringeren ümfangs, aber nicht weniger interessant sind 
vier andere Schriften über die Entstehung des Colonats (Anh. II 
No. 8), über die Erwähnung des ins Italicum auf Inschriften (No. 13), 
über die tribunicische Kaisergewalt (No. 24) und über die Latinität 
(No. 28.) Die Frage nach der Entstehung des Colonats im römischen 
Kciche ist eine sehr dunkle und schwierige, gewinnt aber eine grosse 
geschichtliche Bedeutung durch die Beziebimgen, die sie mit allen 
ökonomischen und socialen Zuständen und mit der Agrarverfassung 
der Verfallzeit hatte. Es ist denmach nicht zu verwundern, wenn 
nach Savigny, der sie zuerst in den Abhandlungen der Berliner 
Akademie der Jahre 1822 — 23 behandelte, die berOhmteeten Boma- 
nsten nnd Philologen sie snm Gegenstand ihrer Forschungen machten. 



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Zur Erinnenuig an A. W. Zumpt. 



193 



Unter ihnen war Zumpt, der die Meinung Puchtas bekämpfte 
und die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf alle von Ansiedlungen 
Überwundener Barbarenstämme innerhalb des Keichsgebietes han- 
delnde Nachrichten lenkte und diesen Ansiedlungen die Entstehung 
des Colonatä zuschrieb. Er kann als der Hauptrepräsentant dieser 
Meinung angesehen werden, denn Wenk hatte in seinem Commentar 
zum Theodosischen Codex nichts Anderes gethan, als auf Grund der 
bekannten Constitution über die Scyren eine gleiche Vermuthung 
aufgestellt, ohne sie jedonh zu begründen. Trotz der lieber- ' 
treibungen von Huschkc vermochte die Meinung Zumpt » Savigny 
zu überzeugen, der in seinen vermischten Schriften sie unbedingt 
als die einzig mögliche Erklärung des Ursprungs <les Colonats ansah. 
Auch Marquardt nahm sie in sein Handbuch auf (s. Becker-Marquardt 
III, 2 S. 189) und behielt sie auch in der zweiten Auflage bei (s. 
Mommsen- Marquardt V S. 232).*) 

Da^'enige, was Zumpt über das ius ItaUoum in der Zeitschrift 
für geschichtliche Rechtswissenschaft schrieb, ist nur eine Unter- 
snbboDg sweier Inschriften, in welchen Walter den Beweis finden 
wollte, daee dieeee Beeht einen persönlichen Chankter Ullte. Das 
Besoliat Ist, dass in koner Ton beiden das ins Italicnm erwShni 
wird, und bestfitigt so anf negatiTem Wege die richtige Meinung 
Savignys ttber die vorwiegend temtoriale Natnr dieses Bechtes. 
Anch ttber das ins Latii, eine andere mehr&ch debattirte Frage, 
sprach er nicht ansflüurlich in dem Anftatse im Philologns: ^Fragen 
aber Latinitit', sondern beschrSnkte sich darauf, die Einwendungen 
Yon Bndorif (de maiore ac minore Latio etc. BeroL 1860) gegen 
seine Emendationen des Gesetaes von Salpensa und seine Ideen 
ttber die spanischen StSdteordnnngen xa widerlegen. Der Vortrag 
endlißhi den er in der 18. Fbilologenversammlnng in Wien 1868 ttber 
die tribmüdsche Gewalt der rümischen Kaiser hielt, hat den Zweck, 
allein die Frage ttber die Anfibige dieser höchsten Gewalt zu 
belenohten vnd die widersprechenden Angaben der Schriftsteller 
Ober den üebergang von der republicanischen zur monarchischen 
Verfassung zu yereinigen. Es ist ein schOn gedachter und ge- 
schriebener Vortrag, dessen Verbreitung aber geschadet haben mag, 
dass er nicht besonders abgedrockt wurde. 

16. 

Wir kommen nun auf A. W. Zumpt's giosste und umfang- 
reichste Werke, das ( 'i-iniinalreoht und den Criminalin-ocess der 
römischen Republik. Beide sind das Resultat langjähriger Unter- 
suchungen und werden auf diesem wichtigen und uuifassenden Gebiete 
der römischen Alterthtimer und des römibchen Ivechts immer Haupt« 
werke bleiben. 

Die neueste Untersuchung über die Entstehung des Colonats ist 
die Ton Heisterbergk. lieipsig 1876. 



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1Ü4 



Guido Padelletti: 



Was die ältore Philologie über das Strafrecht und den Straf- 
process der liönier gelei>?tet hatte, war nicht vi<'l und nicht sehr 
wichtig. Wir haben die Schriften von Sigouius und Invemizzi, die für 
ihre Zeit ausgezeichnet, für unsere geradezu ungenügend sind. Die 
heutigen Juristen und Philologen sind aber meist auch nicht zu tief 
in den schwierigen Gegenstand eingedrungen. Man hat einzelne 
schätzbare Beitrüge, denen jedoch der innere Zusammenhang fehlt, 
und die einzigen Werke allgemeineren Inhalts sind das Griminal- 
recht der Bdmer von Bomnlus bis auf Justisifla von W. Bein 
(Leipzig 1844) nnd die Gesehiohte des rSmischen CriminalproceBseB 
bis snm Tode Jnstinianfl von G.Geib (Leipzig 1842). IMeyerdienste 
dieeer Werke sind nicht zu nniersohätzen. Alle diejenigen aber, 
welche sie benutzt haben, kennen wohl auch deren grosse IfttngeL 
Das Bein*8che Buch ist mit dem bekannten Fleiss seines Autors 
verfasst, yerliert aber in der systematischen Anordnung den Faden 
der geschichtlichen Entwickelnng, auf welchen so sehr viel in dem 
römischen Staatsleben ankommt. Die Schrift von Geib ist vom 
historischen Standpunkte aus besser, scheint mir aber die Entwicke- 
lnng der GericfatsverfiMSung und des Processes nicht genau wieder- 
zugeben. Ausserdem Terlangten die Fortschritte der Alterthnms- 
wissenschaft seit den vierziger Jahren schon an und fftr sich eine 
neue Bearbeitung des römischen Criminalrechtes. 

Zumpt wollte seine Arbdt auf die repnblicaaische Epoche be- 
schränken, mit seinem Werke besonders zur Erkl&rung der olassischen 
Schriftsteller beitragen und die Processe, welche von ihnen erwähnt 
werden, verstttndlich machen. Andererseits aber gab er auch, in 
diesen immer noch sehr weiten Grenzen, die ganze Entwickelnng der 
historischen Fragen, welche mehr oder weniger mit der Geschichte 
des Strafrechts in Verbindung standen. Sein Werk kann bald als 
eine voUständige Darstellung der römischen Verfassung, bald als ein 
umfassender Commentar zu den wichtigsten Denkmälern der Gesetz- 
gebtmg gelten. Die Vollständigkeit seiner Ausführungen findet ihre 
Erklärung darin, dass er oft von der hergebrachten Auffassung ab- 
weichen und die seinige eingehend begründen musste. 

Dei- Plan des Werkes ist einfach und den Lrrot<sen Peiioden der 
Geschichte des römischen Staates entsitrecliend. Im ersten Abschnitt 
des ersten Bandes verfolgt er untej- dem Titel Mie Beamten- 
und Volksgerichtc' die ersicn Anlange des Stratiechts in Rom 
von der Zeit der K«'lnige bis auf die Deceni viral -Gesetzgebung. Der 
zweite Abschnitt unifasst die Vollendung der römischen (Jerichts- 
Verfassung und des Processverfalirt^ns. Wie der erste, so zedUUt 
auch der /vveiie Band, welcher die Sc Ii w u rg»' rirh tc l)ehandelt, in 
zwei Theile. Der er.ste enthält die Entwickelung der quaestiones 
perpetuae bis auf L. Snüns ( ie>etzgebung nm\ theilweise die Gesetz- 
gebung selbst. Der zweite Theil setzt die Bc^precliung der Sulhmischen 
Emrichtungen fort und verfolgt die weitere Entwickelung derSchwur- 



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Zur Erinnerung an A. W. Zumpi. 



195 



gerichte bis zum Euile der Republik. Es ist hier niclit dur Ort, das 
grossartige Werk zu analysiren. Ich bemerke nur, dass uns darin 
die gründlichsten und wichtigsten Untersuchungen über controverse 
Punkte der rümischcn Verfassung auf jedem Schritte begegnen. Was 
insbesondere das Criminalrecht und den Criminalprocess anbelangt, 
80 ist hervorzuheben: die üiitersuchxmg über die Strafxechtspflege 
des PrKtors; die'scfaaarfo üiitoneheidung zwischen ordentUohem nnd 
snssefordeiitlicbeiiL YvtiBhxm, nnd swisdton den zwei Abstufungen 
des Stra^rocesses, welche bei andern Schnftstellem ganz Terwisoht 
sind. Ferner die genaue Entwickelung der qnaestiones perpetuae ans 
den senatorischen Gommissionen; die bessere Charatorisirung der 
Strafgesetze Ton Sulla; der ausführliche Conunentar zu der lex Acilia 
repetnndanun, und endlich die zahlreichen 'Bemerkungen Aber die 
Comelischen und Julischen Gesetze. 

An dieser Stelle muss ich bemerken, dass Zumpt's Ideen Aber 
die Metbode der historischen Forschung in diesem Werke mehr 
als in seinen anderen Schriften hervortreten. Was er früher ge- 
legentlich angedeutet, dass er ein Gegner der Methode Niebuhr*s 
sei, tritt un6 hier als eine langjährige, wissenschaftliche Erfiihrung 
gereifter üeberzeugung entgegen. Er schliesst sich in diesem Werke 
enger als sonst an die Ueberlieferung an, und flberall, wo sieh 
Anlass dazu bietet, fuhrt er den Beweis , wie man nicht zu schnell 
die Autoritftt eines alten Schriftstellers einzig aus dem Grunde an- 
fechten und verwerfen dürfe, weil er mit den Angaben ciiios anderen 
Iii* ht übereinstimmt. Zunipt Versuchthier, so oft er kann, Widersprflche 
in den alten Schriftstellern aufzuklären oder zu beseitigen, und ver- 
wirft dabei die ebenso verlockende wie für die historische Wabrhmt 
▼erderbliche Methode, die Autorität eines alten Bchriftätellers zu 
verachten, weil sie zu den eigenen Coustructioncn und Vermuthungen 
nicht gut passt. Selbst wenn Zumpt in dem Bemtthen, Widersprüche 
der alten Schriftsteller zu lüseo, manchmal zu weit gegangen wäre, 
so wird man dieses Verfahren nur als Uebertreibimg eines au sich 
richtigen Grundsatzes ansehen dürfen. Es bleibt ihm jedenfalls das 
Verdienst, die Nothwcndigkoit einer gr^)^sen'n Bescheidenheit und 
Besonnenheit in der Kritik der alten ÖchriftsteUer wieder zur Geltung 
gebracht zu haben. ^ 

Nach Vollendung seines Crimiualrechtes fühlte Zumpt selbst, 
dass durch die grosse Ausführlichkeit, mit welcher er alle Fragen 
des Staatsrechts, der Gesetzgebung, der (jeschiehte behandelt hatte, 
die mit dem Strafrecht der Republik zusammenhängen, seinem Werke 
zwei wichtige Kigenbchatt»n , die Kürze und die Uebersichtlichkeit, 
verloren gegangen wiiren. Er fand besonders, da^^ darin das Process- 
verfahren kein recht anschauliches Bild bot. Deslialb Hess er bald 
darauf den 'Criminalprocess der römischen Kepidjük' folgen (Anh. II 
No. 38j. Zumpt geht darin von der Form aus, dia der Criminal- 
process zu Ciceros Zeiten angenouimen hat, und erläutert die «Schrift- 



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196 



Gmdo PadeUetti: 



steller und die Bechtsqnellflii darüber, aneb viele ans* der Kaiaeneit. 
Der Plan ist sjstematiBcb, die DarateUnog gedmngen. Es ist ein 
vortrefflich gedadiies und gesohriebenes Bucb, das kein Philologe 
und Jurist entbebren faum, der sieb den Criminalprooessen der 
lettten Zeit der Bepnblik sawendet 

17. 

Die Scbriften, die iob nocb zn erwihnen babe, bebaadeln swei 
versobiedene gescldcbtliobe Gegenstlnde, baben aber doob das Ge- 
meinsame, dass sie vorwiegend cbxonologiscbe üntenmobimgen ent- 
balten. Die wichtigste ist die Abbandlmig über das Qebortsjahr 
Christi (Anh. II No. 36). Dieses chronologische Ptoblem, welches 
schon 80 viele Gelehrte beschäftigt hat, bot Zumpt zagleioh eine 
erwünschte Qelegenheit, einselne wichtige Punkte der römischen 
AltertbUmer wieder aufzunehmen, wie die doppelte Statthalterschaft 
des P. Quirinins in Syrien ; den römischen Census ; die Weltkarte; die 
Commentare des Agrippa und den angeblichen Beichscensns des 
Kaisers Augustus. Zumpt befindet sich dabei im Widen^ruch mit 
anderen Gelehrten, entwickelt aber überall seine ausserordentliche 
Fülle des Wissens, welche auch dieser Schrift besonderen Werth ver- 
leiht. Das Problem des Geburtsjahres Christi wird durch seine Unter- 
suchungen wesentlich verein&cht, er gelangt zu dem Resultate, dass 
die Nachrichten von Lukas in seinem Evangelium der Geschichte 
nicht widersprechen, sondern sämmtlich ihre Erklärung finden. Es 
ist daher nicht zu verwundem, rlas.s diese Schrift Zumpts besonders 
von den deutschen und englischen Theologen mit Dankbarkeit auf- 
genommen und gefeiert wurde (s. z. B. die llecensionen in der Zeit- 
schrift für lutherische Theologie IV S. 731 flg. und im englischen 
Spectator vom 30. April 1870). 

Zwei andere chronologische Untersuchungen betreflFen das Ge- 
burtsjahr und den Geburtstag des Cäsar und des Augustus so wie 
den von Cäsar emendirten Kalender (Anh. II No. 40. 41). Die 
erste Abliaudlung hat den besonderen Zweck, die Nachrichten des 
Macrobius und der Calendarien mit denen des Dio Cassius über den 
Geburtstag Cilsars und die Angaben des Petronius und Appian über 
sein Alter zur Zeit' des Todes mit anderen biographischen Daten in 
Uebereinstiuimung zu bringen. Die Untersuchung veranlasste Zumpt, 
gewisse merkwürdige, mit räthselhaften Ziffern versehene Münzen 
von Cäsar uud Antonius zu besprechen, die Eckhcl und Borghesi zu er- 
klären versucht hatten, \md für die Zumpt eine neue uud scliarfsinuige 
Deutung vorschlügt. Dio zweite Abhandlimg stellt sich die Aufgabe, 
die chronologischen Daten mit den Zeugnissen der Schriftsteller Über 
die Kalenderverwirrung in Einklang zu setzen und den Geburtstag 
des Kaisers Augustus darnach zu bestimmen. 

Der Aufiiatz ttber die Lustra der BOmer (Anhang II No. 43), 
eine ninsfaraftion mid Rechtfertigung der Nachricht bei OentoifBiia 



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Znr Erinnermig an A. W. Zompt. 



197 



de die nat. 18 über die Zahl der Lustra, ist besonders gegen Borghesi 
gerichtet, der ein Missverständniss bei diesem Schriftsteller annahm 
und danach 72 statt TT) Lustra feststellte (Oeuvres II, 1 ff.). Zumpt 
unterwirft bei diesem Anläse die geeemmte UeberUefennig in Betreff 
der Censoren und der Lustra einer neuen Prüfung, und es zeigt sich, 
dass dieselbe nicht übei-flüssig gewesen i^t. Denn selbst Mommsen, 
der mit den meisten Neueren Borghesi gefolgt war, anerkannte in 
dem Handbuche der römischen Alterthümer IT S, 210 Anm. 1, wo 
er auf die (il)erlieferte Lesung der Stelle des Censorinus zurück- 
kommt, die Eichtigkeit der wichtigsten Ausführungen Zumpts. 

18. 

So viel von der ThJitigkeit A. W. Zumpts als Gelehrter und 
Srhriftsteller. Es wird genügen, um z\i zeigen, was für ein aus- 
gedehntes Gebiet der rümischeu Alterthuiiiswissenschaft er durch- 
wandert und beherrscht hat, trotz seiner angestrengten Amtä- 
beschSftigungen und trotz der nicht allzu lang bemessenen Lebens- 
zeit. Sowohl in der Zahl seiner Werke als auch in der Wichtigkeit 
der Fragen, die sie behandeln, hat A. W. Zumpt den berühmten 
Oheim übertrofTen. Er hat dessen wohlbekannten Namen nicht allein 
mit Wtlrde getragen, sondern noch bekannter gemacht. 

Wollen wir nun zum Schluss in einem kurzen Satze seine be- 
sonderen Verdienste zusammenfassen, so tinden wir die hauptsäch- 
liche Bedeutung seiner Arbeiten Mn der bc??(>iinenen und scharf- 
simiigen Anwendung seiner ebenso umfas^veiulen als tiefen Ktnut- 
niss der classischen Schriftsteller und der lateinischen Epigraphik 
für die realistische Erklärung der öffentlichen Institutionen des 
römischen Staates*. Auf diesem Gebiete ist er oft anderen Gelehrten 
vorangegangen, besonders was den Gebrauch der Inschriftoll betrifEti 
nnd hat sich bis zum Bnde eine grouBe TJnsbhBngigkeit der An- 
eichten und Origiinlitlt der ünterBnchungen bewahrt. 

Ich glaube nicht» dass die Liebe für den ausgezeichneten Mann, 
der mir 'in jeder Hinsicht ein fast nnerreichbares Vorbild scheint, 
mich mr üebertreibnng semer wisseoschafUiehen Verdienste ver- 
leitet hat Wenn es demnacb befiremden muss und uns oft betrübt 
bat| dass A. W. Zmnpt wUnrend seines Lebens nicht mehr ftnssere 
Anerkennung gefunden bat, so halten wir die Hoffnung fest, dass 
eine neue Generation von Gelehrten die Beüemgenheit nnd die Vor- 
nrtheile der vorangegangenen überwinden und das rechtschaffene 
Verdienst znr richtigen Würdigung gelangen lassen werde. Die 
Menschen gehen vorttber — die Wissenschaft blnbi 

Eom, Apia 1878. 

Guido Padelletti. 

[OMtoitai mm 8. Jali 1878.] 



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198 



Guido PadeUetti: 



Anhang. 

VerseiolLiiisB 
der Werke toh Carl Qotüob und August Willielm SSnmpt. 



I. 

C. a. Zumpt.^) 

1. Hegeln der latemischen Syntax, mit 2wei Anhttngen. Von 
C. G. Zumpti Collaborator an dem Friedriolie-Werderscheu Oyrnnasio 
zu Berlin. Berlin, Hitzig, 1814. (IcL 8^ VIU — 76 8.) 

2. Aufgaben zum Uebersetzen aus dem Deutecben ins Lateimecbe 
aus den besten neuem lateimschen Schrütstelleni gezogen von 
C. G. Zumpt Berlin» 1816, bei Ferd. Dümmler. (8^ VI — 345 S.) 

3. Oratio de Martino Luthero scholariim In Germania conditore 
et emendatore, liabita nonis Novembr. an. MDCCCXVII in Gymnasio 
Fridericiano a Car. Timotb. Zumptio profess. reg. (Programm) Ber- 
lin 1818. fkl. S". 20 S.) 

(Wieder abgedruckt in A. W. Zumpt's De C. T. Zumptii vita et 
studiis S. 143 ff.) 

4. Lateiuische Grammatik yon C. G. Zumpt, Professor am 
Friedrichs -Wenlerscbeu Gymnasium zu Berlin. Berlin, bei Ferd. 
Dttmmler, 1818. (8<>. VI — 237 S.) 

5. Annaleß veterum regnorum et populorum, imprimis Ro- 
manorum, confecti a Car. Timotb. Zumptio, Berolini, 1819, ap. 
Ferd. Dümmlerum. (4". XX — 168 S.) 

0. Latein isclie Grammatik von C. G. Zumpt, Prof. am Friedricbs- 
Werderschen 0 ymnasinni zu Berlin. Zweite vermehrte und berichtigte 
Ausgabe. Berlin hei Ferd. Dümmler, 1820. (^!^ X - .'517 S.) 

7. Oratio in vigintiquinquennalibus regis Sereniö^inii Frideriei 
Wilhelrai III. concelebrandis hahita in Gymnasio regio Joacbiniico 
a. d. XVII Kill. Dec. MDCCCXXII. 

(Wiederabgedruckt in A. W. Zuinpt's De C. T. Ziunptii vita et 
studiis S. 151 ff.) 

') Von diesem Verzeichnigs siud die zahbeichen KecenHiouen von 
C. G. Zumpt und die versebiedeneu Ausgaben des weniger selbständigen 
^AusBuge« ans der lateimseben Chrammatik' ansgeschlosaen worden. Senat 
wfirde da» Veizeichuigs zu umfangreich geworden seiu und hätte seinem 
eigentlichfii Zwecke nicht mehr entsprochen. Wir können aber nicht 
umhin, mit A. W. Zumpt (De C. T. Zumptii vita et studiis S. 118) hervor- 
snhebcn, dass die erwähnten Recensionen noch heute interessant sind 
und einen reichen Schatz von Gelehrsamkeit entlialten. INe meisten 
fmdon si( h in den Berliner Jahrbflohem fBr wissenschaftliche Kritik 
Jahrg. l»271t. 



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Zar EriDoeniDg an A. W. Zumpt. 



199 



8. Aufgaben siud üebenetieii ans dem Deaiaohen Im latdinsche, 
ans den besten neuem lateiniBchen SchrifUteUem gezogen tol 
C. 0. Znmpi Zweite Ausgabe. Berlin 1822, bei Ferd. DOmmler. 

9. Lateinische Grammatik Ton C. O. Zompt, ProiiBSSor am 
KOnigL Joaohimstbalsdien Oyrnnasinm za Berlin. Dritte vermehrte 
nnd berichtigte Ausgabe. Berlin, bei Ferd. DOmmler. 1823. (8^ 
Vm - 666 S.) 

10. Oratio habita in Friderid Wühelmi m. Be gis Aug . na- 
taliciis LIX Berolini in Gymnasio Joachimico a. HBCGCXXIIL 

(Wiederabgedruckt in A. W. Zumpt's De C. T. Zumptü yita et 
stndiis 8. 169 C) 

11. Lateinische Grammatik Ton G. 0. Zumpt, Dr. der Philo- 
sophie und Professor am E5nigl. Joachimsthalschen Gymnasium zu 
Berlin. Vierte Ausgabe. Berlin, bei Ferd. Danunler, 1824. (8^. 
Vin — 556 S.) 

12. Bemerkungen Aber Alezanders des Grossen Geschichte, die 
Organisation seines Heeros und seine Art den Krieg zu ftihren. (In 
der Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges, 
BerUn und Posen 1824. Sechstes Heft &, 315 — 334.) 

13. Aufgaben nun Uebersetzen aus dem Deutschen ins La- 
teinische, aus den besten neuem lateinischen Schriftstellern gezogen 
Yon CG. Zumpt. Dritte Ausgabe. Berlin 1825, bei Ferd« Dümmler. 

14. Geographische Nachrichten bei den alten Schriftstellern 
von Medien, Persien und Susiana verglichen mit den Entdeckungen 
der neuem Reisenden. (In derselben Zeitschrift, IV. Bd. 4. Heft, 
1826, S. 42-60.) 

15. üeber die Verhältnisse der griechischen Freistaaten zu 
Philipp und Alexander von Macedonien. (In derselben Zeitschrift, 
Y. Bd., 1825, 7. Heft S. 23—36, 8. Heft S. 168—171, 9. Heft 
S. 249—267.) 

16. Q. Cui-tii Rufi de gestis Alexandri Magni regis Macedonum 
libri qui supersuut octo. Ad fidem codicum mannscriptorum recen- 
suit Gar. Timoth. Zumptius. Adiecta sunt nova librornm argumenta 
et diversitas lectionis Freinshemianae. Berolini, 1826, sumptibus 
Ferd. Dümmleri. (8^. XXX - - :i7H S.) 

1 7. Lateinische Grammatik von C. G. Zumpt, Dr. Ftlnfte Aua- 
gabe. Berlin, bei Ferd. Dümmler, 1826. (8«. IV — 643 S.) 

18. Lateinische Grammatik von C. G. Zumpt, Dr. Sechste Aus- 
gabe. Berlin, bei Ferd. Dümmler, 1828. (8^ XII — 659 S.) 

19. Oratio aditialis professurae extraordiuariae habita d. HI. lan. 
MDCCCXXIX. 

(In A. W. Zumpt s De ( '. T. Z. vita et studiis, S. 171 flf.) 

20. M. Fabii Quintiliani de institutione oratoria libri duodecim. 
Editionis Spaldingianae volumeu V. Supplementa adnotationis et 
indicem continens. Curavit Gar. Timoth. Zumptius. Lipsiae, 1829| 
snmptibus Frid. Christ. GuiL VogeliL (8®. XXVm — 478 &.) 

Jahrb. t oton. PhüoL Sappl. Bd. X. 14 



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200 



Goido Padelletti: 



21. Aii^b«n zum üebersetsen ans dem Dentsehen ins La- 
teuuflohe, ans den besten nenem latemisehen Sehxiftstellern gezogen 
Yon 0. G. Znmpt, Dr. Vierte yermelirte nnd beriehtigte Aasgabe. 
Berlin, 1829, bei Ferd. Dttmmler. (8^ XVI — 444 b7) 

22. M. TulUi Ciceronis Verrinamm libri Septem. Ad fidem 
codicom mannscriptonun recensnit Gär. Timotli. Znmptias. Adiecta 
est diyersitas leetionis Emestianae. Berolini, 1830, snmptibas 
Ferd. Dttmmleri. (8^. XU — 508 &) 

23. M. Tnllii Ciceronis Verrinamm libri Septem. Ad fidem 
codicom mannsoriptorom recensnit et explica^it Gar. Timoth. Znmptins. 
Berolini, smnptibns Ferd. DOmmleri, 1831. (B^ XLH — 1102 8.) 

24. M. Fabii Quintiliani institatioois oratoriae libri duodecim. 
Ad fidem codicum mannscriptoram recensnit Gar. Timoth. Znmptins. 
Adiecta est varietas scriptnrae Spaldingianae et breris annotatio 
critica. Lipsiae^ 1831, snmptibas Fr. Chr. GniL Vogelü (8®. X — 
621 S.) 

25. Lateinische Grammatik von G. G. Znmpt, Dr. Siebente 
Anflage. Berlin, bei Ferd. Dllmmler, 1834. (8^ IV — 719 8.) 

26. Eine Beise von Fatras nach Athen im Jahre 1835. 

(In ^Berlin nnd Athen'. Eine Zeitschrift Jahxg. 1836 No. 1^4, 
6—12, 27—30.) 

27. Decretlun munidpale Tergestinum de honore Fabii Seteri 
seenndnm yeterem lapidem denuo recensitum et illastratnm. Beroliai, 
HDGGGXXXVn. (Akad. Programm.) (4^. 20 S.) 

28. Lateinische Grammatik von C. 6. Zumpt, Dr. Achte Aus- 
gabe. Berlin, bei Ferd. Dtimmler, 1837. (8^ IV — 729 S.) 

29. Oratio aditialis professiii*ae ordiuariae litt. Latin, habita 
d. XXVI m. lul. MDCCCXXXVII. 

(In A. W. Zumpt's De C. T. Zumptii vita et studiis S. 178 ff.) 

30. M. Tullii Ciceronis de officiis libri tres. Cum selectis 
Ig. Mich, et lac. Fiid. Ileusingerorum suisque notis scholarum in 
usum edidit Car. Timoth. Zumptius. Brunavigae, ap. Vieweg et 
fiUum, 1837. (8'^ XIV — 231 S.) 

31. Ueber Abstimmung des römischen Volkes in Centuriat- 
comitien und über den M. Curius, der den Velinus abgeleitet. Zwei 
in der kOuigl. Preussischen Akademie der Wissenschaften gelesene 
Abhandlungen von C. G. Zumpt, M. d. A. Berlin, lö37. (4^. 
30 S.) 

32. M. Tullii Ciceronis de officiis libri tres. Ad solam 
prisconun ezemplarium fidem recensuit adiectisque lo. Michaelis 
Heiunngeri et snls adnotationibns explicatiores editnrns erat laoobus 
Fridericns Heosiiiger. Editionem a Goar. Hensinger, lae. F^. filio, 
curatam repetbrit snisqne animadveraioiiibiis anztt Gar. Timotli. 
ZnmptiQS. Bmnsvigae, ap. Fr. Yieweg et filinm, 1888. (8^. LH — 

628 a) 



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Zur Ennnenuig an A. W. 2iimpi 



201 



33. Oratio natalieüs Friderid Wilhelmi IH regia Boraisomm 
celebrandis auetoritate mu^erBitatis litterame Fridericae Gnilelmae 
die III. m. Aug. a. MDCGCXXXVlll haMta. BeroUni, tjpia NaaokiL 
(4<^. 14 S.) 

(Wiederabgedmekt in A. W. Zumpfs De G. T. Zumptii Tita et 

stodiis S. 188 ff.) 

34. üeber Ursprung, Form und Bedeutung des Centnmviral- 
gerichts in Rom. Eine in der Kdnigl. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften gelesene Abhandlung Ton C. G. Zumpt, M. d. A. Berlin, 
1838. (4^. 26 S.) 

36. Annales vetemm regnorum et populomm, imprimis Bo- 
manornm confecti a Car. Timotbeo Zumptio. Editio altei*a passim 
ancta et con*ecta. Berolini, 1338, ap. Ferd. Dümmleram bibliopolam. 
(4". XX — 168 S.) 

36. Ueber die römischen Ritter und den Ritterstand in Rom 
und über den Unterschied der Benennungen Municipium, Colonia, 
Praefectura im n)raischeTi Staatsrecht. Zwei in der Königl. Preuss. 
Akademie der Wissenschaften gelesene Abhandliuigen yon C.G.Zumpt, 
M. d. A. Berlin, 1840. U^. 60 S.) 

37. Ueber den Stand der Bevölkerung und die Volksvermehrung 
im Alterthum. Eine in der Königl. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften gelesene Abhandlung von C. G. Zumpt| o. M. d. A. Berlin, 
Dümmler, 1841. (4^. 92 S.) 

38. Ueber das Leben des Horaz und die Zeitfolge seiner Ge- 
dichte, namentlich der Satiren. Abhandlung von C. G. Zumpt. (In 
dem Werke: Des Q. lloratius Flaccus Satiren erklärt von L. F. 
Heindorf. Keu bearbeitet von £. F. Wüstemann. Leipzig, Herbig, 
1843, S. 1—42.) 

39. üeber den Bestand der philosophischen Schulen in Athen 
und die Succession der Scholarchen. Eine in der Kilnigl. Preuss. 
Akademie der Wissenschaften gelesene Abhandlung von C. ü. Zumpt, 
M. d. A. Berlin, Dümmler, 1843. (4*^. 95 S.) 

40. Aufgaben zum Uebersetzen aus dem Deutschen ins La- 
teinische, aus den besten neueren lateinischen Schriftstellern gezogen 
von C. G. Zumpt, Dr. Fünfte, umgearbeitete Ausgabe. Berlin, 1844, 
bei Ferd. Dümmler. (8^ XIV — 470 S.) 

41. Ueber die bauliche Einrichtung des römischen Wohnhauses, 
Vtm 0* G. Znmpt, ord. Ftof. an der EOnigl. ünlversitftt und Mitglied 
der Akademie der ^V^saenseliaften zn Berlin. Beriiii, bei Ferd« Dltmin- 
1er, 1844. (8<^. 32 S.) 

42. Lateinische Grammatik von G. G. Zumpt, Dr. Nennte Aos- 
gabeu Berlin, bei Ferd. DOrnnder, 1844. (6^ IV — 774 S.) 

43. De legibus indioüsqne repetundamm in repnblica Bomana 
eoBunentationes dnae lectae in consessibus academiae litt reg. Bero- 
linensie a Gar. Timoth. Zumptio anctore. Berolini in libraria Dttmm- 
leriana» UDCCOXLV. (4<». 70 S.) 

14* 

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202 



Guido PadeUeiti: 



44. Leben und Verdienste des Laurentius Valla. 

(In der Berliner Zeitschrift für Gescliichtswisä. IV, 1845. S. 397 
bis 434.) 

45. Die Religion der Römer. Von C. G. Zumpt, Professor und 
Mitgliede der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Berlin, bei 
Ferd. Dünimler, 1845. (8^. 31 S.) 

46. lieber die persönliche Freiheit des römischen Bürgers und 
die gesetzlichen Garantien derselben. Eine philologisch-anticiuarische 
Abhandlung von Dr. Carl Gottlob Zumpt, Professor an der Universi- 
tät zu Berlin. Darmstadt, Lange, 1846. (8^ 54 S.) 

(Auch in den Verhandlungen der achten Versammlung deutscher 
Philologen und Schulmänner in Darmstadt, 1846. S. 27 ff.) 

47. De legibus iudicii.sque repetuudarum in republica Romana 
commentatiü tertia lecta in consessu academiae litt. Reg. Berolinensis 
a Gar. Timoth. Zumptio auctore. Beroüni, in libraria Dümmleriana, 
MDCCCXLVII. (4° 41 S.) 

48. Q. Curtii Rufi de gestis Alexandri Magni regis Macedonum 
Ulm qui rapersttiit ooto. Ad fidem oodicum manuscriptonun et 
olim ftdhnntamm et wom eoBatomm FloFentinonmi «i Bemensiom 
reoemsuit et eomineiitario mstmxit Car. Timotb. Zumptiu8. Bmnsvigae, 
1^. Fr. Yieweg et fiUvm, 1849. (8®. Xm — 621 8.) 

49. Q. Curtii Bnfi de gestis Alexandri Magni regis Macedonum 
libri qni saperennt oeto. Ausgabe zum Sobulgebranch mit einem 
erUlrenden Commentar von C. G. Zumpi Braimscbweig, Verlag 
Ton Fr. Yieweg nnd Sobn, 1849. (8^. Vm — 327 8.) 

60. Latemisohe Grammatik von C. G. Znmpt, Dr. Zebnte Auf- 
lage. Berlin, Ferd. DOmmlers BaehbdL, 1860. (8^. IV — 722 8.) 

61. üeber die bauliche Emricbtong des rOmischen Wobnhanses 
Ton 0. G. Znmpti ord. Pro! an der Ktti%L ümversitttt nnd Mitglied 
der Akademie der Wissensehaften zn Berlin. Zweite Auflage. Borlin, 
Ferd. Dttmmlers Verlagsbdlg. 1862. (8<*. 29 8.) 



1. Observationum in Rutilii Claudii Namatiani Carmen de reditu 



Berolini, typis Trowitzschii (1836). (8^ 44 S.) 

2. Observationes in Kutilii Claudii Namatiani Carmen de reditu 
suo. Scnpsit Aug. Wilh. Zumptius, Dr. Berolini, tjpis Trowiteschil, 
1836. (8^. III S.) 

3. Rutilii Claudii Namatiani de reditu suo libri duo. Re- 
censuit et illustravit Aug. Wilh. Zumptius, Phil, Dr., Praec. Ord. 
QymiL Frd. Werd. Berel. Addita est Etrariae orae tabula Utho- 



IL 

A. W, Zumpt. 



suo pars prior. Dissertatio 




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Zur ErinneruDg an A. W. Zumpt 



203 



graphica. Berolini, 1840, sumptibus Ferd. Dümmleri (ß^. XXVI — 
230 S.) 

4. Ciceros Bücher von den Pflichten von Aug. Wilh. Zumpt 
(iu Ciceros sämmtliche Werke in deutschen Uebertragungcn unter 
Mitwirkung von Fr. H. von Strombeck, F. Jacobs, J. G. Droysen, 
A. Westermann, A. W. Zumpt u. A. m. herausgegeben von Reinhold 
Klotz. Leipzig, Pocke, 1840. 1841. Erster Band. S. 352—504). 

5. Ciceros Bücher von den Gesetzen von Aug. Wilh. Zumpt 
(in dem ang. Werke, zweiter Band, S. 609 — 710). 

6. De C. lulü Caesaris coloniis. Berlin, 1841. (4^. 41 S. — 
ProgKunm.) 

7. Honoruni gradus sub Imperatoribus Hadriano et Antonino 
Pio secundum veterem lapidem Dacicum explicati. (Im Rhein. Mus. 
für Piiüologie, N. F. 2. Jahrg. 2. Heft, 1842. S. 249—89.) 

8. lieber die Entstehung und historische Entwickelung des 
Colonats (im Rhein. Mus. für Philol. N. F. 3. Jahrg. 1843). 

9. De M. Tullii Ciceronis ad M. Brutum et Bruti ad Ciceronem 
epistolis quae vulgo feruntur. Scripsit Augustus Wilhelmus Zumptius, 
Berolini, E. H. Schroeder, 1845. (4^ 44 S.) 

Vgl. die Recension der Gegenschriften K. F. Hermanns in den 
Berliner Jahrb. für wissensohafUiche Kritik, Jahrg. 1845 November- 
heft, S. 721 — 752. 

10. Caesaris Augusti index rerum a se gestarum sivo monu- 
mentum Ancyranum. Ex relicjuils graecae iuterpretationis restituit 
loannes Franzius, conimeutario perpetuo instruxit A. W. Zumptius. 
Berolini, ex libraria G. Reimeri. MDCCCXLV. (4^^. 120 S.) 

11. De Lavinio et Laurentibus Lavinatibus commentatio epi- 
graphica. Praemissa est de ratione condendi corporis inscriptionum 
latinarum brevis expositio. Scripsit Augustus Wilhelmus Zumptius. 
Berolini, E. H. Schroeder, 1845. (4°. 36 S.) 

12. De Augustalibus et Seviris Augustalibus commentatio epi- 
graphica. Scripsit Augustus Wilhelmus Zumptius. Berolini, E. H. 
Schroeder, 1846. (4^ 86 S.) 

13. Ueber die Erwlilinung des ius Italicum auf Inschriften (in 
der Zeitschrift für gesch. Rechtswiss. Bd. XV H. 1. 1848. S. 1—18). 

14. Augusti Wilhelmi Zumptii commentationum epigraphicarum 
ad antiquitates Romanas pertinentium volumen. Berolini, in Ferd. 
Buemmleri libraria, 1850. (4^ X — 502 S.) 

(Inhalt: Fastorum municipalium Campanorum fragmentum 
restitutum et explicatum; de quinquennalibus municipiorum et colo- 
niarum; de quattuorviris munidpalibus; de coloniis Bomanorum mili- 
taribus libri quattuor.) 

15. Eclogae ex Q. Horatii Flacci poematibus. Edinburgi, 1851, 
(Chambers* Educational Course. Classical Section edited bj 
Drs. Schmitz and Zumpt.) 



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204 



Guido PftdflUfltlit 



16. De Caroli Timothei Zumptii vita et stadiis namtio Aug. 
Wilb. Zumptii. Accedont Caroli Timothei orationes latinae Bez. Berolini, 
in Ubraria Dtlmmleriana, 1851. (8^ 197 S.) 

17. üeber die Siegel der röm. Augenärzte (in Denkmäler imd 
Forschungen, Archttologiflche Zeitung, Jahrg. X, Ko. 38, 39. 1853. 
S. 426—432). 

18. De £eistorum municipalium Campanorum fragmento defensio. 
Berolini, ap. Ferd. Duemmlerura, 1853. (4'*. S.) 

19. Augusti Wilhelmi Zumptii de fastorum municipalium C'am- • 
panorum fragmento ad C. B. de Rossium epistola critica. Berolini, 
ap. Ferd. Dümmlerum, 1854. (4°. 32 S.) 

20. 1 fa-sti municipali di Venosa etc. (Recension des de Rossi'- 
schen Aufsatzes in den Heidelberger Jahrbilcheru der Literatur 1854 
No. 32 S. 497 ff.) 

21. Augusti Wilhelmi Zumptii commentationum epigraphicarum 
ad antifiuitates Roraanas pertinentium volunicn alterum. Berolini 
apud Ferd. Duemmlerum, 1854. (4'*. VI — 278 S.) 

(Inhalt: Titulus ('onradiensi.s Arrii Antonini restitutus et 
expUcatus; de Sjria Konuinoruni jirovincia ab Caesare Auguste usque 
ad T. Vesi)asianum; de Macedcjniae Konianorum provinciae praesidi- 
bus qui fueruut usque ad T. Vespasianum.) 

22. De Livianorum librorum inscriptioue et codice anti(iuissimo 
Veronensi. BeroUui MDCCCLIX, t/pia A. W. Ha/nii. (4^ 39 S. — 
Programm.) 

23. Augusti Wilhelmi Zumptii studia Romana sive de selectis 
auti(piitatuni Romanarum capitibus commentationes quattuor. Berolini, 
ap. Ferd. Duemmlerum, MDCCCLIX. (8» VI — 390.) 

(Insunt commentationes: de Gallia Bomanorum proyincia usque 
ad imperatorem Vespasianum; de dictatoris Caesaris honoribus; de 
Malacitanonun et Salpensanomm legibus mimicipalibus; de propaga* 
tione oitiiatiB Romanae.) 

84. Vortrag ttber die tribnnicisohe (Gewalt der römiiöhen Xialser 
(in den Verbandlungen der 18. Vereammlung dentecfaer Philologen, 
Scbulmlmier und Orientaliston in Wien Tom 26. bis 28. Septomber 
1868. Wien, Gerold's Sobn, 1869. S. 102—118). 

26. H. Tnllü Gioeronis oratio pro L. Mnrena. Beoensnit et 
explicavit Aug. WUL Zumptius. Beroliiii in Ferd« Dnemmleri Hbraria 
MDGCGLDC. (ß^. LH — 192 S.) 

26. Lateinische Grammatik Ton C. G. Zumpt. Elfte Aufl. Berlin, 
Ferd.Dtlmmler*8 Verlsgsbnchhndlgiy 1860 (besorgt von A. W. Zumpt). 

27. 11 Tullii Gioeronis oratbnes ires de lege agraria. Be- 
oensnit et ezplicavii Aug. Wilb. Zunqpüns« Berolini, ap. Ferd. 
Duemmlerum, MDGGGLXL (8°. XXXVI — 2 20 a) 

28. Fragen Aber Latinitit (im Philologus XVTL 1861). 

29. Annales veterom regnorum et popnlorum in primis Ro- 
manomm confecti a Garob Timotheo Zumptio, tertium editi ab 



4 



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Zur Eriimernug au A. W. Zumpt. 



205 



Augusto Wilhelmo ZumptiOb BeroUiii, apud Ferd. Daemmlerum, 
MDCCCLXIL (8^ ZXH — 208 S.) 

SO. Q. Cnrtii Bafi de gestis Alexandii Magni regis HBcedonnm 
libri qni snpersnnt octo. Ausgabe sam Schulgcbranoh mit einein 
dentsehoi erUSrenden Ccmunentar yon G. G. Zumpt. Zweite be- 
richtigte Auflage, besorgt yon A . W. Zumpt. Braunschweig, Yie- 
weg und Sobn, 1864. (8^ Ym — 348 

31. Lateinisohe Grammatik von C.G.Zun^ Zwölfte Aufl. Be- 
arbeitet Ton A. W. Zumpt Berlin, Ferd. Dflmmlers Verlagsbuehb. 1865. 

32. Das Criminalrecht der rSmisohen Bepublik von A« W. Zumpt* 
Erster Band: die Beamten- xmd Volksgerichte. Erste Abtheilung: bis 
zur Gesetsgebung der swQlf Ta^aln. Berlin, Ferd. I>fimmler*s Verlags- 
buchhandlung. 1866. (8<^. X — 464 8.) 

33. Zweite Abtheilung: seit der Gesetzgebung der 

zwölf Tafeln. Berlin, Ferd« Dflmmler^s Verlagsbuchhandlung. 1866. 
(8<>. X — 474 S.) 

34. Das Criminalrecht der römischen Republik von A. W, Zumpt. 
Zweiter Band: Die Schwurgerichte. Erste Abtheilung: bis zur SuUa- 
nischen Gesetzgebung. Berlin, ferd« Dflmmlers Verlagsbuchhandlung. 
1868. (8<>. XVI — 440 S.) 

35. — Zweite Abth.: von L. Sulla bis zum Eude der 

Republik. Berlin, Dümmler'sVerlagsbuchh. 1869. (S^ XIII — 542 S.) 

36. Das Geburtsjahr Christi. Geschichtlich-chronologische Unter- 
suchungen von A. W. Zumpt. Leipzig, Druck und Verlag von B. G. 
Teubner, 1869. (8^ XI — 306 S.) 

37. Augusti Wilhelm! Zumptü de monumento Ancyrano supplendo 
conimentatio gymuasii Berolinensis Friderico - Guilelmi programmati 
praemissa. Berolini, ap. Ferd.Duemnilerum, MDCCCLXIX. (4^. 24 S.) 

3H. Der Crimiiialprocess der römischen Republik von A. W. Zumpt. 
Ein Hülföbuch für die Erklärung der Classiker und Rechtsquellen. 
Leipzig, Druck und Verlag von B.G. Teubner, 1871. (8". XV — 558 S.) 

39. Lateinische Grammatik von C. G. Zumpt. Dreizehnte Auf- 
lage. Bearbeitet von A. W. Zumpt. Berlin, Ferd. Dlimmlers Ver 
lagsbuchhandlung. 1873. 

40. Aug. Wilh. Zuuiptii de dictatoris Caesaris die et anno natali 
commeutatio gymnasii Berolinensis Friderico-Guilelmi programmati 
praemissa. Berolini, tjpis heredum Hayniauorum, MDCCCLXXIV. 
(4°. 31 S.) 

41. De imperatoris Augusti die natali fastisque ab dictatore 
Caesare emendatis comm. chronologica. Accedunt tabulae paralleloe 
annorum Riimanorum et lulianorum 63 — 46 a. Ch. Scripsit A.W. 
Zumptius. Conimentatio ex annalium philologicoruui Supplemente 
septimo seorsum expressa. Lip^iae, in aedibus B. G. Teubneri, 1875. 
(8^ S. 541 — 606.) 

42. Ueber die Lustra der Römer (im Bhein. Museum für Philo- 
logie, N. P. Bd. XXV S. 465—606. Bd. XXVI S. 1—38). 



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U£B£B EINE N£U£ SAMMLUNG 

UNEDIERTER HENKBLINSCHRIFrEN 

AUS DEM SÜDUOHEN BÜSSLAND. 

OrAQHT&AG.) 



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Dtts bereits sn An&ng dieses zehnton SupplementlMuides der 
Jahrbllcher für dassisohe Philologie (8. 6—36) mitgetheilte neue 
Material an vnedierten HenkeUnsdniften aus dem sfldliohen Suss- 
land wire -viel yoUstSndiger erschienen, wenn ioh httte Toranssehen 
kennen, dass ich, gleich naeh dem Abdrucke meiner dritten Sanun- 
loDg unedierter Henkelinsohriften, eine Menge fitst anssohliesslioh 
in 01b ia aufgefiindener neuer Stücke in sorgfifltigen und — bis 
auf die, in einzelnen, missrerstandenen Buchstaben — ganz treuen 
Copien, mit der Bitte um deren Veröffentlichung, aus Kischinefif er- 
halten wttrde. Diesem Wunsche des geehrten Besitsers, Herrn 
Johann von Surutschan, komme ich um so lieber nach, als das 
mir cugestellte neue Material neue Belege für die Bichtigkeit 
meiner in der obenerwähnten Abhandlung ausgesprochenen und be- 
gründeten Ansichten darbietet. Hiemach werde ich mich denn auch 
im Folgenden hauptsächlich auf die tiöthige Sichtung und specielle 
Erklärung der einzelnen Stücke beschränken und nur, im Hinweis 
auf meine früheren Arbeiten über denselben Gegenstand, am Schlüsse 
auf dasjenige kurz zurückkommen, was hier noch eine besondere 
Beachtung zu verdienen scheint. Ferner bemerke ich, dass ich so- 
wohl bei der Behandlung der nach.-^tehenden Henkelinschriftcn die 
frühere Anordnung und Reihenfolge, als auch bei den Citaten, 
unter welchen meine neuerdings hinzugekommene Abhandlung im 
zehnten Bande der Jahrbücher durch B. Sup. X. bezeichnet wird, die 
früheren Abkürzungen (s. B. X. S. 4) heibehalten habe. Unter dem 
Buchstaben S ist die Sammlung Surutschan 's zu verstehen. 



I. Rhodische Henkelinschrifben» 

Nr. 2. A . . . ONAETZ 'A(Yae)o(K)^c. Olbia. S. Nr. 8. 

ünter den rhodischen Fabrikanten ist der Name 'AtdOoicXflc 
ein sehr gewShnUeher^). 

Nr. %. EHlArErrPA . oYYAKINoloY halaustmm. 

Iid •AT€CTpd(T)ou, YoKivetou. Olbia. 8. Nr. 48. 

Die Inschrift bildet einen Kreis, in dessen Mitte ein balaustium. 

1) Frans C. I. G. m p. Y. N. 8-8, B. M61 I S. 480 N. 2, Sap. Y 
S. 448 N. 1 , HcDzen bullet 1866 p. 76 N. 11% Steidiani 0. B. 1869 B. 194 
N. 1, A. D. p. 76 N. 1. 2. 8. 



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210 Becker: Ueber eine neue SammL unedierter Hepkelinachriften 

Derselbe Käme des Magistrats findet sich bei Franz ^) und bei Becker^), 
aber mit anderen Monatsnamen. 

Nr. 3. nAUXINA (£>ir* AtcxCva, Olbia. S. Nr. S7. 

PiANloY (*AT)pu)tv<ou. 

Da auf den rbodiBohea Henkeln die FMlpositum iid vor dem 
Amtstitel Up^uic iast immer, aber vor einem Personennameii» der 
mit dnem Yooal aofibigt, nur aaanabmsweise elidiert wird, so stand 
auf dem obigen Stücke ursprünglich wohl auch irtX Alcxiva, und 
nicht in* AicxCva. Bei demselben Namen des Magistrats wird auf 
anderen Henkeln^) ein anderer Monatsname angegeben. 

Nr. 4. ANTI . . . oY •AvT!(|bidx)ou. caduceus. Olbia. 8. Nr. 7. 

Ganz ähnlichen Stempeln ist der rhodische Ursprung schon 
früher^) zugesprochen worden. 

Nr. 6. EnAIirroAloY itr(l) *A(p x€)ii6Mc)> Olbia. 

KAPMEloY Kop(v)€(ou. S. Nr. 28. 

Obgleich der Name(n6Xioc)TToX(ou^und(6öiT6Xtoc)€dTroXiou**) 
vorkommt, so wird hier doch, da der Name aus apxuü und irdXtc, 
und nicht aus äpxw und iroXtöc zusammengesetzt ist, der NominatiT 
*Apx^TroXic und der Genitiy *ApxeTrdXtoc gelautet haben. Die Bioh- 
tigkeit dieser Flexion wird in den knidisohen Henkelinschriften 
durch folgende Genetive bestfttigt: KXetvoitöXioc ^ (von KXctvdiToXtcV 
KXeoiTÖXtoc^ (von KXcöiToXic), KXeuiröXioc Tvon KXeOiroXic), 
KXiivoiröXtoc^^) (vom KXitvöiroXtc), MrivoiröXioc^^) (von MrivdiroXic). 
Dieselbe Beugung findet sich auch auf den rhodisohen Henkeln bei 
den Genetiven "ApicTOTTÖXioc") (von'Aptcr6iroXic)und9opctiT6Xioc 
(von OapciiroXic). Hiernach wird denn auch hier nicht *ApX£itoXiou 
geschrieben, sondern nur fiUschlich so gelesen worden sein. 

Nr. e. BPoMloY Bpo|ü(ou. Olbia. 8. Nr. 7S. 

Nr. 7. BPOMloY Bpo^(ou. sertum. Olbia. 8. Nr. e. 

Die beiden vorstehenden Stempel unterscheiden sich, nach der 
Form der Buchstaben, dadurch von einander, dass der erstere, der 
ältere, kein Abzeichen hat, auf dem zweiten, dem jüngeren, da- 
gegen als holclies, rechts von der Inschrift, ein Kranz zu sehen ist. 
Dessen uugeachtet stammen doch beide aus Bhodos^^). 



2) C. I. G. III p. V N. 13. 14. 3) Sup. TV S. 454 N. 3, Sup. V 
S. 448 N. 3. 4) C. I. G. III p. VI N. 39. 40: AaMou. 5) B. Sup. X 
S. 45. 6) Benseier Wörterbuch der gr. Eigennamen II S. 1219. 
6») A. D. IV p. 196 N. 819». 819^ 7) A. D. lY p. 909 N. 894. 896. 

8) A. D. V p. 241 N. 75. 9) A. D. I p. 131 N. 34. 35, IV p. 160 folg. 
N. 48. 179. im. 398. 399. 467. 458, V p. 241 N. 74, VI p. 256 N. 63—64. 

10) A. D. VU p^98 N. 136. 137. 11} A. D. Vll p. 295 N. 160. 
19) Frans 0. 1. O.in p. Vn N. 186. 18) C. R. 1869 8. 196 N. 94. 26. 

14) 6. M(51. I S. 424 N. 41, Hensea bullet. 1866 p. 66. Keil in Benseler'« 
WöEt gr. £ig. unter Bpöfuoc S. 980, Stoph. C. E. 1869 S. 219 N. 112. 



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au dem südlichen Bussland. 



211 



Nr. 8. E"IAAMAIN:. i(ix)\ Aa,uaiv(^TOu), Olhia. 

A. . AM. . idV 'A^T)a/i(iTjiou. S. Nr. 18. 

Derselbe Monatsname'^), sowie anoli andere finden sich bei 
einem Magistrat Namens AapaiveTOC 

Nr. 9. MoKPATEYC {hd Ao)fioKpdT€uc balanitiam. 

Olbia. 8. Nr. U. 

Di« Lfioke binn, da in der kreisförmigen Inscbrift, in deren 
Mitte em balaiisttimi, nur flliil Bnehstaben so feUen aefaeinen, dnroli 
M Aa") oder dnrch inX Ti^ avsgefttllt werden. Von diesen bei- 
den Namen kommt der sweite — TijLtOKpdrnc — anf den in Olbia 
gefnndenen Stileken gar nicht vor, wSkrend auf denselben der erstere 
— Aa^iOKpdTTic — bald einer Magistratsperson*'), bald einem Fabri- 
kanten''^) sn yindicieren ist. 

Nr. 10. AAMOK . . . .Yt Aa|iOK(pdTe)uc balanstiiim. 

Olbia. S. xVr. IG. 

Die Buchstaben bilden einen Kreis, in dessen Mitte ein balau- 
stiom. Ueber den Namen AttjUCKpairic s. oben Nr. 9. 

Nr. 11. AMOflAOY (A)a)io<pUou. balaastiam. 

Olbia. S. Nr. 64. 

Rundschrift, mit balaustium in der Mitte. Franz ^^) nennt uns 
ein Uhnliches Stück aus Alexandria, auf welchem, sowie hier, Aofiö- 
91X0C der Name eines rhodischen Fabrikanten ist. 

Nr. Ii. ETIHPAroP. «nt 'Hpat4p(a), Olbia. B. Nr. S6. 

YAMNoloY ToKiveloif. 

Derselbe Eigenname des Magistrats ist mit anderen Monats- 
namen schon Mher^ Toigekommen. 

Nr. 13. EnioE ^nl (0)€(o^i)- caput boÜa Olbia. 

BPoToY ßpÖTOu. radiatum. S. Nr. 10. 

Das Strahlenhaupt des Sonnengottes, links von der Inschrift, 
setzt des Henkels rhodischen Urspnmg ausser Zweifel und ist für 
die Bestimmung von dessen Provenienz um so entscheidender, als 
Ö€ÖMßpOTOC in Rhodos, unter den mit ßpOTÖc zusammengesetzten 
Namen ^^J, in den Henkelinschriften dieses Staates bisher nicht vor- 
gekommen ist. 

Nr. 14. POC poc, (AcüKbu). Olbia. 8. Nr. 88. 

EHIOE . TO lirl e^(c)TO- 



16) FranE C. I. 0. HI p. VIII N. 183. 16) ebend. N. 184-190, 
B. M^L I p. 424 N. 43. 44, Sup. IV S. 456 N. 13. 17) B. MdL I S. 425 
N. 48, Sup. V S. 452 N. 24. 18) C. I. G. III p. XIII N. 444 19 h. 
Anm. 17. 20) Ü. Mül. I S. 426 N. 49. 60. 61, Sup. V S. 452 N. 25 
und die folg. N. 10. 81) C. I. Or. HI p. IX N. 806. 88) C. I. Gr. 
in p. IX N. 889—881, B. S. IV p. 4M N. 16. 17. 88) B. Snp. X 
8. 6 N. 8. 



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212 P- Becker: Ueber eine neue Samml. unedierter Henkelinachriften 



Da die Lisdirift von ernem längliehen Yiesecke begrenzt wird 
und also anf den Seiten nichts- fehlen kann, so bilden die drei Buch- 
staben der ersten Zeile den SehlnsB des ist der zweiten Zeile nicht 
ToUstSndig gegebenen Namens S^CTOpoc^), nadi welchem ein Monats- 
name, wahrscheinlich AaXiou verwischt ist 

Nr. 15. IFoKPATEYC *!(inT)oKpdT€uc. balaustium. Olbia. S. Nr. «. 

Rundschrift nm ein in der Mitte stehendes balaustium. Der 
Name 'lTnTOKpdTi]C wird unter den rhodischen Fabrikanten oft^^) 
genannt 

Nr. IG. MIKY Mticö(eou). hidanttimn. Olbia. 8. N. 75. 

In Bandschrift. Ausser dem von mir gewiss richtig wiederher- 
gestellten Namen Mik06ou stand anf der zerstifrten QBÖte des Hen- 
kels wohl auch noch ein rhodisoher Monatsname, wie sich ein sol- 
cher anf anderen Stücken vorfindet. 

Nr. 17. NL.IlAoZ Ni(Kd f )if)oc. Olbia. S. ^Y 51. 

Den mit dem Einzelnamen NiKOtfiboc bezeichneten und früher 
den incertis beigezählten Henkeln glaube ich jetzt, nach dem Vor- 
gange Keil s^^) und Dumont^s^), das rhodische Heimathsrecht zu- 
erkennen zu müssen. 

Nr. 18. . . . £€NOK (^) EevoK- Olbia. S. Nr. 79. 

. . Y . 0^(c). 

Ein ähnlicher Henkel bei Franz ^^). 

Nr. 1». EPIZENoITPAToY itil EevocxpciTOU, Olbia. 

PAp/VE-OY (K)apv€(Oou. S. Nr. 39. 

Den Namen HevocTpaToc führt der Magistrat auch auf einem 
andern rhodischen Henkel^^). 

Nr. 20. NO (hd S€)vo- Olbia. 8. Nr. 18. 

<|>ANToY ^pdvTou. 

Rhodische Henkel mit dem Nanieu eines ZevöqpavTOC, als 
dem eines Magistrats, sind schon früher iu SUdrus-sland^'J aufge- 
funden worden. 

Nr. 21. OAYMnOY OXujuwrou. fax. Olbia. S. Nr. 73. 

Ueber den rhodischen Ursprung ähnlicher Henkel und über 
das Emblem (rechts von der Inschrift) — eine brennende Fackel 



24) siehe B. Sup. X S. 12 N. 16 und meine Bemerkung zu diesem 
Stücke. 25) B. Sup. X S. 13 N. 19. 26) Stephani C. R. 1^05 S. 213 
N. 10, A. D. p. 101 folg. N. 186—190. 37) Franz C. 1. Gr. Iii p. XIX 
N. 144—148 und B. H«L 1 8. 441 N. 60. 28) Benseler'a WOrterb. gr. 
Eigennamen II S. 990 a. v. Nficainc. 29) Inscript. c^ramiques de Gr^ce 
p. 102 N. 193 — 195. 30) C. I. Gr. III p. XI N. 348. 31) Stephani 
C. K. 18G9 S. 198 N. 41. 82) B. Sop. IV S. 467 N. 27. 28, Sup. X 
8. 15 N. 24. 



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ans dem tfidlichen BunlMid. 



218 



mit einem Teller zum Schutze der Hand — habe ich schon frtther'*) 
gesprochen. 

Nr. Sl nATPQNo ndrpuivo(c). Olhia. 8. Nr. 40. 

Der hier, ohne jedAn Zusatz, im aWolnteii Gonetiv gegebene 
Name TTdrpuivoc ersdiemt auf einem anderen Staeke**) mit einem 
iliodiaGlien Monatsnamen, dem AdXtoc, nnd es ist dalier waliraehein- 
lidi, daas anoh die Henkel mit obiger Inschrift, deren PMYenienz 
firüher ganz unsicher^) war, ans rhodiseben Eabriken fiervorge- 
gangen sind. 

Nr. 23. EIIICPL i7rMep^(iuc T7au> caput Solia Olbia. 

^aN| cavia radiatum. S. Nr. 34. 

Nach (lern links von der Inschrift gegebenen Abzeichen — dem 
Strahlenhaiipte des Helios — stammt der Henkel aus Rhodos, aber 
die Inschrift ist so verwischt, dass meine Wiederherstellung auf 
Sicherheit keinen Anspruch machen darf. Unter den rhodischen 
Magistraten ist übrigens der Name TTaucaviac, auf welchen in der 
zweiten Zeile noch ein Monatsname, vielleicht AaXl0U| folgte, in 
den Henkelinschriften sehr reichlich vertreten. 



Nr. 24. mrTAYCANIA 
OE<...oPtoY 

Nr. 16. El..**< 
AVIA 
A . AloY. 

Nr. M. AYtA 
tA 

AMoY 

Nr. 17. EiM.AY 
ZANIA 



{tyni TTaucavCa,* 
6€cOioq>)opiou. 

TTav)c- 
a(v)Ca, 
A(o)Xiov. 

{iid TT)auca 
(fTav)dMOii. 

^ii€ XljttXh capnt Solis 



Ollua. S. Nr. 74. 



Olbia. 8. Nr. 14. 



Olbia. 8. Nr. 60. 



Olbia. 
8. Nr. 78. 



cavfa. radiatum. 

Der Helioskopf, an der linken Seite der Inschrift, bezeugt die 
rhodische Provenienz des Henkels. Ueber TTaucaviac siehe oben 
Nr, 23 und Anm. 

Nr. 28. ETnCYMMAN . . HANAM . . balanstiam. 

iiA ZuHMdOcou), TTovdKou). Olbia. S. Nr. 24. 

Die Buchstaben bilden mam Kreis, in dessen Mitte ein balau- 
siitim. Mit Ausnahme eines einzigen Henkels*^, ersehdnt der Name 
Ci^Miioxoc auf allen übrigen Stocken immer") in der AbhBngigkeit 



88) Snp. X p. 48 b) N. 116» mid c) N. 244. 245. 84) Steph. 
C. R. 1869 S. 198 N. 43. 35) B. Sup. V S. 470 N. 84. 36) Franz 
C. I. Gr. III p. XI N. 365—374, Stephani Antiq. Inscript. LXXIX N. 18, 
C. R. 1869 S. 198 N. 44—46, Becker Möl. I S. 429 N. 89—92, Sup. V 
8. 467 N. 47. 48, Dnmont inscript. c^ramiques p. 106 folg. N. 218. 219. 
128. 225—229. 230* und die hier folgenden NN. 24r^7. 37) A. D. 
p. 109 N. 289. 88) Frans C. I. Gr. m p. XII N. 407—411, Mac Pherson 



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214 P. Becker: Ueber tarn aeiie Suaml. naedierter Henkelitteelunfteii 

Yon ifd und meutenthefls mit der Angabe eines rbodisehen Monats- 
namene. 

Nr. 29. EniT . MOAIKOYA . . loY balausüum. Olbia. 

iixX T(l)^oö{Kou, A(aX){ou. S. Nr. 66. 

Rundschrift mit V)alaustinm in der Mitte. Unter den rhodischen 
Magibtratspersonen lliitlet sich schon der Name Ti^ÖöiKOC^}, jedoch 
mit Angabe anderer Monatsnamen. 



IL Enidische Henkelinschriften. 

Nr. 1. NIAlolV^ (K)viMov, in' gignum incertum. 

YrPA ^ ^ eö(p)u(K}pd- Olbia. S. Nr. üb, 

EY^ (t)€uc. 

Das mit seiner dreieckigen Spitze in die Buchstaben der zwei- 
ten Zeilen hineingeschobene und mit seinem schaftartigen unteren 
Ende in die dritte Zeile hinnnterreiobende Emblem scheint ein 
Qeschose zn sein. Der nicht sehr gewöhnliche Name €upUKpdTric 
kommt auch auf einem anderen Henkel , welchen Dumont^^) den 
knidischen beizählt» Tor, hat aber auf jenem Stücke im Geneti7 
die abweichende Bengnng EöpUKpdrou.^ 



IQ. Thasische Henkelinsdiriften. 




Nr. 1. Ii 1 {iu*) *A(pi)crdpxoü, Olbia. 

amphoxa. 8. Nr. SIS. 

(6odinv). 

Da anf den thasiscben Henkeln, zn welchen 
der Torstehende nach der Fassung und Geetaltnng 
der Inschrift, sowie nach dem Emblem — einer swiscben den beiden 
Zeilen aufrecht stehenden, zweihenkligen Amphora (s. die Zeichnung 

bei Dumont [A. D. p. 15 Fig. 3]) — zu gehOren scheint, die Namen 
entweder im Nominativ oder, abhSngig yon der Präposition ^iTt, im 
Genetiv*^) zu stehen pflegen, dagegen der absolute Genetiv nicht 
gebräuchlich i.st, so wird auf <lei- linken Seite, nach YoX, noch ETTI 
oder ETT, und Baduiv zn nnterst gestanden haben. 

Nr. 2. ^ ^ CAptc)T66uc(oc), diota. Olbia. S. Nr. 67. 

(ead)uiv. 

Nach der Fassung der Inschrift, welche 
auf die beiden Längenseiten des Stempels be- 




Antiq. of Kerteh pl. II N. 4, B. H^. I 8. 480 N. 100. 101, Henien 

bullet. 1865 p. 76 N. 10, Stephani C. R. 1864 S. 24.3 N. 3, A. D. p. 109 
N. 240—24.3. 39) Franz C. I. Gr. Iii p. XII l N. 435—439. 40) vgl. 
A. U. pl. XII N. 9. 41) p. 353 N. 112. 42) B. Sop. X ä. 91. 92. 
43) B. Sup. X a 106 Anm. 97. 



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MS dem Bfldlicheii BunlaDd. 



215 



scbrlnkt gewesen zu Bein sclieiiit, nnd nach dem iwieohen denselben 
angegebenen Embleme — einer anfreofat siebenden Diota^) — darf 
man den Henkel um so eher fttr einen tbasischen halten, als sich 
der Name 'AptCTÖÖiKOC anf einem andern thasischen Stocke^) 
berdts vorfindet. 



Nr. a. — AfU 



PoAoTc 



(6)ac{(ujv), delphinni. Olbia. S. Nr. 70. 

CH)pöö<w)(c). 

In dem zwischen den beiden Zeilen horizontal liegenden Ab* 
zeichen wird, wie anf andern thasischen Henkeb^ ein Delphin 
zn erkennen sein. Der Name 'HpöboToc ist anf einem thasischen 
Stücke schon frtther^^ Yorgekommen. 

Nr. 4. KTHnI KTii(c){(ac), Olbia. S. Nr. 11. 

0^t\Q 0ac(uj(v), 
EYPY €upO(aXoc). 

Die schon früher bekannt gewordenen thasischen Henkel- 
inschriften zeigen deu einen ^) oder den anderen^) der auch hier 
abgekürzt gegebenen Namen. 

Nr. 5. KY Kt&Oivoc), oder Kö(woc), OlUa. 

BAt Oadiim), B. Nr. 68. 

HPA 'Hpa(KXd&t|c). 

Je sicherer der Torstehende Henkel nach der Fassung der In- 
achrift nnd nach den noch erhaltenen Bnchstaben der zweiten Zeile 
thasischen Ursprungs ist, mit nm so geringerer Sicherheit lassen 
aidi die Namen in der ersten nnd dritten Zeile wiederherstellen: die 
Ton mir Torgeschlagenen haben nnr insofern einige Wahrsdieinlioh- 
keit für sich, als KOjLivoc^ nnd KOwoc^^} je einmal, 'HpoicXetiMic 
aber hSnfig^^) anf thasischen Henkeln vorgekommen ist. 

Nr. 6. H-^^ Mvride(€oc), amphora. Olbia. 

¥ (Oacfuiv) S. Nr. 25. 

£ Mvr|c{0€OC verdient vor andern mit uvr|Cioc 

zusammengesetzten Namen, die aber auf den thasi- 
schen Henkeln bisher überhaupt nicht vorgekommen sind, schon 
deswegen den Vorzug, weil zu denselben der über einer aufrecht 
stehenden Diota angegebene Buchstabe o zu gehören scheint, und 
Gaciujv in eine Zeile, wie sonst gewöhnlich, auf der rechten, jetzt 



44) B. Sup. X S. 107 Anm. 124, A. D. pl. IV. 15. 18, pl. V N. 33. 
45) Stephani C. R. 1860 S. 93 N. 4. 40^ A. D. p. 62. pl. IV N. 22 
und p. 64 pl. IV. N. 21. 47) ß. Sup. V Ö. 464 N. 11. 48) ß. Mel. 
I 8. 4S6 N. 11., Stephani C. R. 1869 8. 149 N. 17, 1869 S. 805 N. 106 
—107. 49) St C. R 1869 S. 201 folg. N. 72. III. 114. 116. 50) B. 
Sup. IV S. 460 N. 10. 61) Steph. Mel. II S. 17 N. 11. 62) St. C. R. 
1859 S. 141 N, 7, 1868 S. 123 N. 4, 1860 S. 260 folg. N. 61. 84. 96, 
B. Sup. V S. 464 N. 10. Sup. X S. 19 N. 2. 6. 

Jahrb. f. cUsa. Phüol. Sappl. Bd. X. 15 ^ , 

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216 P* Becker: üeber eme neue SammL anedierter Heakeliiiflehrifteii 



abgebrochenen Seite hineingebracht war. Ueber die Form der Am- 
phora sieh oben Nr. 1. 



Nr. 7. 



roYAYAAoY 



(i)Tr' O0X(i)dbou, cadn- 
Odduiv. eens. 



Olbia. 
S. Nr. 20- 



Mit Berücksichtigung der schon oben '*^) geraachten Bemerkung, 
dass auf den thasischeu Henkeln die respectiven Personennamen 
nicht im abboluten Genetiv zu stehen pflegen, wird auch hier, wie 
in Nr. 1, die Präposition im in der ersten Zeile nicht fehlen dür- 
fen^), und deren ursprüngliches Vorhandensein ist um so sicherer, 
als ein Buchstabe zu Anfang zerstört zu sein scheint. Das zwis^chen 
den beiden Zeilen angegebene Abzeichen kann ein horizontal liegen- 
des Kerykeiou mit kurzem Schafte sein.^*') 

Nr. 8. V 

(TT)ajiq)dnc. piscis. Olbia. S. Nr. 82, 

Auf der zerstörten oberen Seite dieses Stem- 
pels stand entweder 0ac(u)V^ oder, wahrscheinlicher noch, ein ande- 
rer Personenname^'); in ersterem Falle fehlte jede andere Inschrift, 
wUhrend im zweiten, auf der abgebrochenen linken Seite des Hen- 
kels, 9aciuuv zu lesen war. Das in der Mitte der beiden oder der 
drei Namen angegebene Abzeichen ist jedenfalls ein Fisch, welcher 
aber nach der mir vorliegenden Zeichnung kein Delphin^*) zu sein 
scheint. Der Name TTafi9dnc findet sich schon in andern thasischen 
Uenkelinschrif ten ^^). 

Nr. 9. OMW. 



AMc|>AH( 



THA.MA 



GodttKv), lignnm incertom, Olbia. 

TnX(^)Ma(xoc). S. Nr. 19 

Die iSngeran Personemiftmen werden in den thasischen Stem- 
peln oft^ yerkttrst gegeben, znmal wenn sie aacb nnansgeschrieben, 
wie hier Tri^^M<>(xoc), schon yerstlndlieh sind. Als Absuchen: acht 
kegelfiSnnig gestaltete, nach anssen spitz snlanfende Dinge gruppiren 
sich strahlenfitnnig nm einen im Oentnun isoliert stehenden Pnnkt. 

Olbia. ä. Nr. 61. 



Nr. 10. 



Nr. 11. 




TT 



OA 
-\ 



K 

6a(ciu)v). 



Oa(civwv) 



Olbia. S. Nr. 63. 



63) Iii N. 1. 64) B. öup. X S. 106 Anm. 97. 65) ebend. S. 107 
Anm. 186. 66) A D. p. 66 N. 88 mid pL IV N. 6 und dasa B. Sup. X 
S. 102 folg. N. 3 und N. 33. 57) St. C. R. 1864 S. 243 N. 6. 58) A. D. 
pl. IV N. 22. 21, pl. V N. 36. 59) B. Sup. X S. 102 Anm 4'.>, S. 104 
N. 83 Anm. 75. 60) z. B. B. Sup. V S. 461 N. 4: API^ToM. statt 
'ApiCTOM^vnc, N. 9: KAAAI0 statt KoAXupuiv, 10: HPAKAE statt 'Hpa- 
idU(i6nc), N. 18: AEfif ttatt A€uiy(4iiv|c). 



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tarn dnn tAflUiehaii Bosalaiid. 



IV. Inscbrifben uusichern Ursprungs, 
a) auf Henkeln: 

Nr. 1. E oA i(iTi 'ATr)oX(Xui)- Olbia. S. N. 1. 

NoAoToY vo66tou. 

Der Fassung nach kann der vorstehende Stempel sowohl ein 
rh od i scher als auch knidischer sein, allein da die mit *AiTÖXXuiV 
durch Ableitung^^) oder Zusammensetzung**) gebildeten Eigennamen 
auf den Henkeln in Rhodos fehlen, dagegen in Knidos gans ge- 
wöhnlich^^) sind, und unter denselben sich auch der seltene Personen- 
name *ATToXXöboTOC •'^j vorfindet, so wird der noch viel seltenere 
Name 'AitoXXujvööotoc^) jedenfiÄUs eher in Kuidos, als in Rhodos 
vorgekommen sein. Diese schon an nnd fih* sich grosse WahxBohein- 
lichkeit würde zur Gewissheit, wenn auf der abgebrochenen rechten 
Seite des Stückes, wie in der ersten Zeile AQ, so in der zweiten KN 
oder KNI gestanden htttte. 

Nr. S. AE ytm. Olbia. 8. Nr. 60. 

Eine ya>e steht in der Mitte des kreisförmigen Stempels und 
unmittelbar über derselben AE. 

Nr. 3. H.Ol ' Olbia. 8. Nr. 17. 

ÄK 

Nr. 4. MHNo^ .... Mr|vo(q>(Xou), signnm incertnm. Olbia. 8. Nr. 76. 

Einen iihnliclien Henkel, dem aber jedes Emblem fehlt, hält 
Dumont*"^') für einen rhodischen, und diese seine Bestimmung ge- 
wönne an Sicherheit, wenn in dem, links von der Inschrift, gegebe- 
nen Abzeichen auf dem vorstehendeu Stücke das rhodi sehe Staats- 
wappen — das Strahleuhaupt des Helios zu erkennen wäre. 

Nr. 6. MIAA tAlha. m efc cadacent. Olbia. 8. Nr. 46. 

Die Weintraube erscheint rechts, das Kerykeion unterhalb der 
gegebenen vier Bnoluitaban. Drei tiiiüiehe Henkel, nnter denen der 
eine als Abieicben — > ein Kerykdon, der andere — eine Weln- 
tranbe, nnd der dritte endlich gar kein Emblem zeigt, hat Franz^ 
mit Beöht nnter die SMcke nnbestimmter ProTenienz angenommen, 
denen anoh dag Torstehende Exemplar bis anf Weiteree beizn- 
Bcblieesen ist 

Nr. 6. M . Tl Olbia. S. Nr. 8S. 



61) 'AiroXXUivtoc, *A«oXXiuv(bac. 62) z. B. *AinkXX65uipoc 68) nebe 
Dnmont inscript. cdram. p. 166 folg. N. 87—111; p. 282 N. 6—10, p. 278 

N. 40, p. 306 \. .'{1—30, p. 3H5 N. 2. 64) C. I. Gr. III p XIV N. 26. 27, 
65) 8. Benseler Wörterb. gr. Kigenn. I S. III. 66; a. a. 0. p. 104 
N. 184. 67) C. I. Qr. HI p. XIX N. 136—137. 

15» 

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218 P« Becker: Ueber eine neue SammL nnedierter HenkeUnsd^riftea 



b) anf iea Halse ior Aaii^orais. 



Nr. T. INO^A 
TOKAII< 

Nr. 8. IN 

TOKAH< 



Olbia. S. Nr. 66. 



Olbia. 8. Nr. 86. 



(•AYae)Tvoc, 'A- 

(pK)T0lcX(nc). 
(ptC)TOKXI)C 

Die beiden vorstehenden Inschriften bind einander so ähnlich, 
dass sie von einem und demselben Stempel herrühren können. Es 
scheinen zwei Personennamen als Firma eines Thonwaarengeschftftes 
genannt zn sein, allein ob die von mir oben vorgeschlagenen dia 
richtigen seien, mag dahingestellt bleiben. 

Nr. 9. ILLo^ iimoc, Olbia. S. Nr. 140. 

Da die zweite Zeile yon der Beohten sor Linken, die erste von 
der Linken zur Bechten gelesen werden mnss, so kSnnten beide sa- 
sammen uns Tielleidit einen Fabrikanten TeX^ciinroc nennen. 



Nr. 10. MYC 



MOc diota. 



OlUa. S. Nr. 86. 



Das zweihenklige Geftss steht rechts Yon der Insehxift. Die 
Insehrift soheint die Firma eines Compagniegeschäftes zu sein, in 
welchem der eine Theilhaber MOc heissti der andere aber einen nn- 
bestimmbaren Namen flOhrt^. 



Nr. 1. 



Nr. 8. 



Nr. 6. 



V. Mit Maxken bezeichnete Henkel 




Tjn. S. Nr. 8. Nr. 8. 



Olbia. Nr. 4. 
& Nr. 87. 




Tjrra. S. Nr. 8. 



Olbia. S. Nr. 46. 



Nr. 6. I ^ 



OUna. 8. Nr. 68. 




Olbia. S. Nr. 67. Nr. 7. Olbia. S. Nr. 80. 



88) Tergl. B. Sap. 7 & 478 N. 4. 



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am dem ifidlichen BuftUnd. 



219 



VI. Inschriften auf Henkeln und Ziegeln 
mit Asgabe des Wortes dcruvöiAou oder dcruvoMoOvroc 

Die in diese sechste Glasse gehörigen Stdoke sind, je naehdem 
das Wort dcTUVÖMOU oder dcTUVOjyu>0vTOC sa Anfange, am finde 
oder in der lütte der Inschrift steht, von einander za ontersoheiden 
nnd werden im Folgenden, hiemach gesondert, in einer der drei 
angenommenen Untuabtheihnigen alphabetiseh anfgefthrt Die Zie- 
gel sind an einem den respeotiTen Nnmmem beigefügten Stern- 
ehen sn erkennen« 

A) Imwlixiften auf Henkeln nnd Zi^ln, in denen das Wort dcruvÖMOv 
oder dcTuvo^oOvToc n Anfange steht 

Kr. 1. Mo (dcniv6)|iQ(v) Olhia. 

NoYToY (AlcxQvou toO tiopaemn. 

<IA . NloY (noc)eift(«i)vtou, 8. Nr. M. 

rOMQNIoI (*A)iiD(XX>(ivioc 

Der auf NoY ausgehende Name des Astynornen ist nicht mit 
Sicherheit zu ergäii/eii, ktiiinte aber, wenn man .sich nach der Zahl 
der fehlenden Buchstaben auf die bereits in dieser sechsten Classe 
vorgekommenen Namen beschränkt, nur Akxivnc oder Cx^qpavoc 
gewesen sein, und von diesen beiden Namen würde der erstere den 
Vorzug verdienen, weU AlcxivTlc sehr hSufig^) unter den Astynornen, 
CT^qMXVOC dagegen nur unter den Fabrikanten^*^) genannt wird. Als 
solcher erscheint hier, wie schon Mher'^), *ATroXXdivtoc. Das rechts 
von der Insehiift angegebene Ahseiehen sch«nt ein Tropaeun sn sein« 

Nr. S. •-- (dcTuvo|ioOvToc) Olbia. 

A . . . . ATYoY I o •A(vTnr)dTpou TO S. Nr. 21. 

YACoAA . A . PoY 0 *A(iT)oXX(o)b(di)poü, 

H4>Al...^No^ 'H9ai(cT(ui)voc 

In jttngerer Söhrift, bei anderer Vertheilnng der Bnöhstaben 
nnd mit einem anderen Fabrikanten findet sieh ein Astynom *Avt(- 
irorpoc ToO 'AiioXXobiiipou sehon auf einem froher bekamt gemach- 
ten HenkeL^ 

Nr. 3 H (iirl '€v?>)ri(Mou) , aquila del- Olbia. 

AQ (TToc€!)fe<J()(vioc). phino insidena. S. Nr. 10. 

Bei der nötliigen Beachtung des Abzeichens — eines auf einem 
Delphine stehenden Seeadlers — und bei der wiederholten Wahr- 



69) B. Mdl. I S. 490 N. 1. 2. 3, Sup. IV S. 464 N. 2—6, S. 473 
N. 2, Sup. V S. 476 N. 2. 3, S. 494 N. 1, Steph. C. K. 1869 S. 207 
N. 118. 70) B. Sup. X S. 30 N. 26. 71) Steph. MeL II. S. 18 N. 4, 
B. Sap. IV 8. 464 N. 1. 1%) Mac Fheison pl. X N. IS— B. Siq». lY 
p. 471 N. 86. 



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220 Becker: Ueber eine neue Samml. unedierter Uenkeiiaschriftcn 



nehmung, dass auf anderen besser erhaltei;en Stücken "^^) die IVli- 
position ^TTi, mit Auslassung'*) oder mit Angabe'"^) von dcTuvÖfiou, 
nur V)eim Namen "Gvbrifioc gebraucht worden ist, darf die von mir 
oben Vorgeschlageue Conjectur nicht für eine ganz willkürliche ge- 
halten werden , obgleich der Fabrikant auf dem obigen Ziegel weder 
TiiLmupioc'*^), noch NeojLirivioc"), noch *Apx^TTToXic sondern TTocei- 
tiuvioc'^) zu heissen scheint. 

hl 

Nr. 4.* HAH (iirl '€)vöfi(MOu) aquüa Olbia. 

YNO (dcT)uvö(Mou), delphino S. Nr. SO. 

XERTo ('Ap)x€irr6(Xioc) iiiBideiis. 

Siehe die vorhergehende Inschrift ^^), von welcher sich die obige 
durch Angabe des ^tfiiit«l8 dcTUVÖjiiou , sowie durch den Namen 
des Fabrikanten^^) imtencbeidet 

Nr. 6. A^TYNoMo dcTUvö|no(u) ülbia. S. Nr. 49. 

IKEIloYT 'iKcciou t(oö) 

C:~T *€(c)T(iaiou). 

Die Inschxiffc söheint uxaprflnglicli eine vierzeilige gewesen, nnd 
die vierte Zeile mit dem Namen des FUbxikanten nur abgebrochen 
in sein. Der in den drei vorhandenen Zeilen genannte Asl^nom 
*Ik^cioc ist wegen seines verschiedenen Patronjmicnms eine andere 
Pers(hi]iohkeit als seine uns schon bekannten Namensvettern.^*) 

Nr. 6. AITINoMoY dcT(u)vö,uou equus. Olbia. 

HPAKAriAo 'HpaKX(€)((ö)ou S. Nr. 30. 

Toi MI IHoY To(ö) Mi(kpOou, 

"IS2To^ (TTp)iwTOC. 

Meine Wiederherstellung der obigen, in einer ungonuuen nnd 
daher unverständlichen Copie mir vorliegenden Inschrift ist um so 
sicherer, als das hier gewählte Emblem — ein nach rechts schrei- 
tendes Pferd — bei einem Astynomen 'HpaKXeibric toO MiKpiou 
schon früher vorgekommen ist und nur einmal von einem ganz 
verschiedenen Abzeichen — einem stehenden bärtigen Manne **^) — 
vertreten wird. Einen Fabrikanten HpuiTOC haben nns schon andere 
Stücke genannt. 



73) B. Sup. V S. 478. 479 N. V.i* 14, Sup. X S. 27 N. 9. 74) B. 
Sup. V a. a. 0. 75) B. Sup. X S. 2G N. 8 und unten N. 4. 76) Snp. V 
p. 478 N. 13^, Sup. X p. 27 N. 9. 77) B. Sup. V S. 479 N. 14, Sup. X 
8. 86 N. 8. 78) •. die folg. N. 4. 79) 8np. IV 8. 477 K. 11* 8. 483 
N. 39» Snp. V S. 494 N. 1. 80) N. 3*. 81) B. Sup. X S. 33 N. 7* 
S. 34 N. 10. 82) B. Mel. I S. 486 N. 23: 'Ik^cioc toO Ctuciou; Snp. V 
8.481 N. 24: 'Ik^cioc toO 'AvTiTTCtTpou ; a. a. 0. N. 25: Mk^ooc tod Cijuiou. 

83) Steph. C. Ii. 1866 S. 216 24 = B. Sup. V S. 480 N. 17, C. E. 
1868 8. 194 Nr. 7 — B. 8iip. X 8. 97 N. 11. 84) 8teph. G. B. 1867 
8. 207 N. 16 =- B. Sup. X S. 27 N. 12. 85) B. M(51. I S. 485 N. 18, 
8. 489 N. 89, Sup. IV 8. 608 N. A. 40. Sup. Y S. 489 N. 68. 



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ans dem BttdUohcn Bnnliiid. 221 

• 

Kr. 7 Y (äcTuv6|Lio(u) tropaenm. Olbia. 

NIKI . . YToY (M)iK(p(o)u toO S. Nr. 36. 
API^TAfoY 'ApiCTaTü;po)u, 
ot ('H9aic'n)oc. 

Der unverständliche Name des Astjnomen und der fast ganz 
verwischte des FabnkanteD können nach einBaar anderen Henkeln^), 
auf denen ein tropaenm auch als Abzeichen enohemt, mit grosser 
Wahrscheinlichkeit so, wie ich oben angegeben, gelesen werden. 

Nr. 8. NoMoY (dcru)v6|ieu figora ho- Olbia. 

nnOY (^iXOmroii, minia 8. Nr. 47. 

IXAPoY (nac)ixdpoii(c). stanÜi. 

Gegen die Richtifjkeit obiger Lesart auf dem nach links abge- 
brochenen Henkel ]jcs.^c sich indessen einwenden, dass auf den bis 
jetzt bekannt gewordenen Stücken mit dem Amtstitel dcTuv6|aou 
sich der Name OiXittttoc nicht vorfindet, dass von den zuhlreichen 
Zusammensetzungen mit i'ttttoc^') auf den in diese Classe gehörigen 
Henkeln nur die Namen 'AOrjvnTTroc*®) und OaiviTuroc^'') vorge- 
kommen sind, und dass TTacixotpriC) sonst wobl nur der Name eines 
Astynomen^) oder dessen Patronymioom'^), hier einem Fabrikanten 
angehören soll. Diesen Bedenken kdniite dadnrch abgeholfen wer- 
den, dass man, nach einem anderen Stempel^, in der sweiten Zeile 
zu AnfiEmge 0atvi und dann zwischen den Namen (0aivC)imou und 
(nac)ixapou(c) den Artikel ToG, für den es in der dritten Zeile 
nicht an Banm zn fehlen scheint, einschöbe. Hiernach wflrde die 
dreizeilige Inschrift: dcTUv6|LU>u 0atviinrou toO TTacix<ipouc nnr zur 
Bezeichnung der As^omen gedient, und der uns unbekannte Name 
des Fabrikanton in einer abgebrocdienen 'nerton 2Seale gestanden 
haben. Diese Vennnthnng gewinnt dadniüh an Wahrscheinlichkeiti 
dass die Embleme anf dem obigen und dem zuletzt erwilhnten Hen- 
kel grosse AehnUchkeit mit einander haben; denn auf beiden er- 
blicken wir eine stehende Figur, aber dieselbe lüüt, wie Stophani 
▼ennuthet, auf dem Ton ihm veröffentlicbten Stocke — einen Schild, 
auf dem oMgeu aber — einen Speer (?) in der linken Hand. 



86) Steph. Mel. II S. 213 N. 20 = B. Sup. IV S. 471 N. 30, B. 
Sup. IV a. a. 0. N. 31. 87) Benaeler ^Vörterb. d. gr. Eigennamen I 
8. XXIX. 88) Steph. M^l. 11 S. 18 N. 1 = B. öup. IV S. 464 N. 1, 
C. & 1866 8. S14 K. «2 a- B. Sup. V 8. 476 N. 1, B. Sop. X 8. 88 
N. 16, immer mit einem Stern als Wappen. 89) Steph. C. R. 1866 
S. 134 N. 26 = B. Sup. V S. 190 N. 56, B. Sup. X S. 30 Nr. 27, bald 
mit einer stehenden Figur, bald mit der Fackeln tragenden Demeter als 
beigegtibeues Emblem. 90) Stephani M^. II S. 214 N. 21 = B. Sup. 

IV 8. 471 K. 84 (oaduceuB), Steph. Mäl. II S. 80 N. 86 — B. 8ap. iV 
& 477 N. 10 (fax erecta), B. Sup. IV S. 482 N. 36. 37 (fax erecta), 
Steph. C. R. 1863 S. 210 N. 8 = B. Sup. V S. 507 S. 43 (fax?), B. Sup. 

V S. 507 N. 44 (fax erecta), B. M^. I S. 493 N. 8 (ohne Abzeichen), 
B. Sup X S. 28 N. 17 (ohne Abzeichen). 91) Steph. C. R. 1866 S. 134 
N. 86 B, Sup. y S. 490 N. 66. 88) i. Anm. 81. 



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222 P* Becker: lieber eine aene Samnil. imediertor He n kelinach ri ften 



Nr. 9 * . . TYNoMoY (dc)TUvönou Viclo- Olbia. S. Nr. 21. 

ToY Tou ria. 

Not voc 

N . . . . V . . . 



Die obige Inschrift ist auf einem Ziegel zu mangelhaft erhalten, 
als dass sie sich ohne willkürliche Aenderoog der gegebenen Buch- 
staben wiederherstellen lieese. 

B) InBOhriften aaf Henkeln und Ziegeln, in denen das Wort dcruvö^ou 

oder dcTuvo^oOvToc am Ende steht. 

• 

Nr. 1. nOAASH><IO< CA)iro)ÜU(ivtoc, Olbia. 

AZIAAAAPoP (n)aadba *ATOp- 8. Nr. 69. 

(dvoncTOC dcru) 

Da die dritte Zeile des vorstehenden Stempels abgebrochen zu 
sein scheint, und da sowohl ein ^AttoXXujvioc®^) — unter den Fabri- 
kanten, als em TTacidbric (mit dem Genetiv TTacidba**) und TTacid- 
bou'^^) — unter den Astjnomen schon früher vorgekommen ist, so 
werden in derselben, wie in der vorhergehenden, eilf Buchstaben 
gestanden haben und diese — dvQKTOC, als die zur YerToUstSodigung 
des Nameni 'ATopdvaicTOC nöthigen, und dcru, als gebrSnebliclie 
AbkOnnng Ton dcruvö^ou*^, gewesen sein. Dam kommt, dass 
eines TTacidba weder auf rhodisohen, noch auf knidischen Hen- 
keln ErwShnnng geschieht, und dass nur äuf ereteren der Name 
'ATopdvoS'^), sowie nur auf letsteren der Name 'AnoXXt&vioc^ 
vorgefunden wird. 

Nr. 2. AANTo^ (M€)XcivTo;u), aquila del- Kertsch. 

iriAroA (^)irl 'AttoX- phino insidens. S. Nr. 84. 

AoAQAITY XobtO(pou) dcTu(v6|iou). 

Die obige aussergewöhnliche Fassung des Stempels, in welchem 
zuerst der Name des Falirikanten und dann die Priipositiou ^Tii mit 
einem Kigennanien und dem Amtstitel (dcTUVÖjHOu ) angegeben wird, 
hat sich bis jetzt ausschliesslich beim Namen eines Astynomen 
*ATToXXiubopoc mehnnals^^) vorgefunden, jedorli auf jedem Stücke 
mit Angabe eines anderen, bald im Nominativ^ bald im Genetiv 

98) Steph. M^l. II S. 18 N. 4 B. Sup. IV S. 464 N. 1, B. Sup. V 
8. 488 N. 81 und oben A N. 1. 94) B. Sup. IV 8. 471 N. 88: dcruvo- 

(loOvToc TTaadba toö 'HpoMrou. 96) B. 8np. V S. 486 N. MO: «cruvö- 
\iov TTacidbou, KXcaiv^Tou. 96) siehe den zunächst folgenden Henkel 
N. 2. 97) Franz C. I. Gr. III p. V N. 16, 17, B. Mt^l. 1 S. 421 N. 10 
— 14 , Mac Pherson antiqoitieB of Kertch pl. X N. 7. 8, Steph. C. IL 1866 
8. 918 N. 8, B. 8up. 7 8. 448 N. 4. 6, A. D. inseript c^ram. de Gito 
8. 78 folg. N. 16—19. 98) A. D. p. 288 V N. 7, p. 246 VI N. 8, 
p. 272 VTI N. 1. 2, p. 275 N. 21—23. 25. 26. 30, p. 306 VIII N. 33. 
99) B. Sup. IV S. 474 N. 11% Steph. C. R. 1869 S. 207 N. 121 = B. 
Sup. X S. 27 N. 10, und Steph. Möl. II S. 18 N. 17 = B. Sup. IV p. 474 
N. 10, wo statt *AiioXXuKviou} aooli wobl 'AiioAX(o)6dfpou sn leten let 



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aus dem südlichen liussland. 



223 



stehenden Fabrikanten, als welcher auf dorn einen dieser Henhel 
TipiLpioc, auf dem andern 'ErriKpctTeoc, auf dem dritten MiocXo(c) 
oder MiöcXo(u), und auf dem vorstehenden endlich MeXdvTOU an- 
gegeben wird. Das Emblem, rechts von der Inschrift, ist aof allen 
diesen Tier Sifieken ein nnd dasselbe, nämlich ein anf emem Del- 
phine stehender- Seeadler, nnd die Form der'Bnehstaben nntor sich 
eine so ShnUche, daes alle vier Henkel ans einer nnd derselben Zeit 
stammen, ja dass der anf ihnen genannte 'AiroXXöbtupoc eine nnd 
dieselbe PerOnEchkeit sein konnte. Gegen Letsteres spriche einiger* 
massen die ErwBhnnng so ganz Yersebiedener Fabrikanten, nntor 
denen der hier snm ersten Mal anf einem Henkel mit dcTuv6^ou 
erscheinende Name MeXdvrnc deshalb von besonderem Interesse 
ist, weil die Terschiedenartige Flexionsendong eines nnd desselben 
Namens — hier: MeXdvTYic, McXdvTOu, nnd im dorischen Knidos: 
MeXdvrac, MeXdvTa'^ — wiederum beweist, dass die respectiyen 
Stacke nicht gleicher Provenienz sein, nnd namentlich nicht alle, 
wie Dnmont^^^) annimmt, ans Enidos stammen können. 

Nr. 3. oQ 0UJ Olbia. S. Nr. 48. 

I oYAloN Y (t)oö Aiovu(c{ou) 

ACTYN oMoYN dcTUvofioüv(Toc) 

Der Name des Astynomen lässt sich nach den beiden, in der 
ersten Zeile erhaltenen Buehsteben oQ nicht wiederherstellen, aber 
dessen Patronymicum wird wahrscheinlich Atovucioc gewesen sein. 
Wegen des sichelförmigenC (sigma) gehOrt der Stempel xn den neueren. 

C) lüBchriften auf Henkeln und Ziegeln, in denen das Wort dcTuv6|iou 
oder äcmvoMoOvToc in der Mitte steht. 

Nr. 1. AOQN CAT)deuiv, avis. Olbia. S. N. 66. 

TY NoMoY (dc)TUvö^ou 
loY (ou 

Je sieherer der Fabrikant, wie schon anf anderen Henkeln ^^), 
so aneh anf dem vorstehenden 'AYdOuiv heisst, nm so fraglicher ist 
es, ob d^r in der dritten Zeile genannte A^iynom, von dessen Namen 
die fünf oder sechs ersten Bnchstaben fehlen, (rXauK)iac^^ oder 
(Aiovik)ioc'^ oder anders geheissen habe. Das Abzeichen, rechte 
Yon der Inschrift, — ein nach Links sitzender Vogel — ist das 
Wappen des Astynomen, giebt uns aber keinen Anftchlnss» weil es 
sich nicht frOher bei jenen in die Lttcke passenden oder bei anderen 
anf iou im Genetiv aasgehenden Namen vorgefunden hat 



100) A. D. VI p. 257 N. 70 vergl. p. 266 N. 117, X p. 362 N. 181. 
101) B. Sap. X 8. 67 S^rie III. lOS) B. Snp. X 8. 81 N. 1 
103) B. M6]. I S. 384 N. 7, 8np. V 8. 607 N. 48. 46. 104) B. Snp. IV 
S. 479 N. 24 und Anm. 



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224 Becker: Uebcr eine neae Samml. unedicrier Ucnkeliuschrifben 



Nr. 2.* Ai^XINO Atcx{vo(u) Olbia. 8. Nr. 18. 

ACTYN...Y acniv(d|ioii), 
^Nfi CtvuKirCufv). 

Da der Name Aicxiv^ic nur unter den Astynomcn^^*), dagegen 
der eines Civojttiujv, mit Ausnahme eines einzigen Ziegels blos 
unter den Fabrikanten ^^^) vorzukommen scheint, so wird deren Be- 
deutung auch hier keine andere sein. 

Nr. 3.* loYAZ (Ai)ov(uc)iou avi«. Olbia, S. Nr. 19. 

_ ^ ÖCTU(vÖ|UOU) , • 

^ 5 (TTocei6u))vioc 

AOIJANOIV " Aiovudou. 

Die vorstehende Inschrift ist in der mir zugekommenen Copie 
nnTerstündlich, und ich wtlrde auf deren Wiederherstellung verzich- 
ten, wenn ich aie nicht fttr die Doublette eines Stempels ^^^) hielte^ 
in welchem auch mitten in einem durch Buchstaben gebildeten 
Oblongum sowohl ein rechtshin stehender Vogel das Abzeichen ist, 
als auch die Vertheilung der Buchstaben in die vier Seiten dieselbe 
zu sein scheint, aber die beiden ersten Buchataben der rechten Seite 
nicht lY, sondern sind. 

Nr. 4. ETilEA £(ir)l "aCnou) nva. Olbia. 

ACTYNo dcnivöOMm), 8. Nr. 68 

YMHA/I (N€)4mv|v{<ou). 

Die von mir für die erste Zeile vorgeschlagene Lesart wird durch 
y^Qf 100^ andere Henkel gesichert, auf welchen, bei gleicher Fassung 
der Inschrift mittelst der Präposition M und bei gleicher Wahl einer 
Weudtranbe*^) aU AbBeieh«n, der Astynom überall ''Qiroc oder 
*€XiTfic^^^) heisst, wShrend der Fabrikant auf jedem dieser Stocke 
einen anderen Namen führt, und zwar auf dem ersten GcObwpoc, 
auf dem zweiten MavriOeoc, auf dem dritten Teudpac, auf dem 
vierten KaXXic6^vnc, und auf dem obigen endlich NeujLirjvioc"^ 
genannt wird. 

Nr. 5. ('€cTial)oc, signum Olbia. 

oMoY (dcTuv)ö|iou incertum. S. Nr. 53. 

oENoYt (KaXXK)etvouc. 

Die vorstehende Ergänzung der linkshin abgebrochenen Inschrift 
glaube ic)i nach einem andern, vollständig erhaltenen Henkel ^^^), von 

105) B. Snp. y S. 494 N. 1 und Anm. dum, Steph. C. B. 1869 
S. S07 N. 118 »> B. Snp. X 8. S6 N. 6. 106) B. Sap. IV S. 472 
N. 39*. 107^ B. Mdl. I S 494 N. IG, Sup. V S. 483 N. 29, Snp. X 
S. 31 N. 4* und S. 35 N. 16. 108) B. Snp. IV S. 477 N. 11'*^ 
109) B. Sup. IV S. 478 N. 16. 17, Sup. V S. 49« 14, Stephani C. ß. 
1868 8. 1^4 N. 6 -» B. 8ap. X 8. 36 N. 6. 110) B. Snp. V 8. 498 
Anm. zu N. 14. III) Steph. a. a. 0. 112) über die dorische Form 
dieses Namcma bei drn Fabrikanten s. B. Snp. IV S. 476 N. 4*, Sup. V 
S. 608 ]S. 47* 113) B. öup. V S. 498 N. lö. 



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aoä dem büdiichen ßasidaiid. 



225 



welchem der obige eine Doublette zu sein scheint, richtig goti orten 
zu haben, zumal da das hier nicht deutlich zu erkennende Abzeichen, 
unter der dritten Zeile, für den Best eineä dort angegebenen Schififs- 
schnabels zu halten ist 

Nr. 6. Hct>AI ■H(pai(cTiou) Olbia. S. Nr. 9. 

ACTY dcTu(vouou) 
FIPANA (€)lpdva. 

Von diesen beiden Eigennamen wird der erste — dem Astjno- 
men*^*), dor zweite, ein ungewöhnlicher, welcher nach Bildimg und 
Beugung ein dorischer ist, und sich zu €ipiiva(ou (unten Nr. 10) 
ebenso verhält, wie *Ap€Taioc zu *Ap^Tac, *ApiCTaToc zu 'ApicTOC, 
*AXKaioc zu "AXkoc — dem Eabrikanien angehören. 

Nr. 7.* OEOl G€o(t€(tou) eadaceni. Olbia. 

ATTYNO dcruvöOuni) 8. Nr. 9. 

(|>IAOKPATOY 0aoKpdt«u(c). 

Ein ganz ähnlicher Stempel, in welchem das Kerykeion dieselbe 
Stelle und Stellung wie hier einninunt, ist schon früher auf 
einem Ziegel ans Olbia vorgekommen. 

Nr. 8. MIKPlüY AIYNo MiKpiou dcTUvo- equus. Olbia. 

MoYNTOt noOvToc, S. Nr. 31. 

KINßAloI KivuüXioc. 

l)ie frühere Annahme^''), dass Mixpiac in einer Uhuliohen 
Henkeünschriit iOx den Fabrikanten zu halten sei, wird durch iwei 
spHter bekannt gewordene Stttcke^^"), sowie durch das vorstehende 

widerlegt, da das dem Astynomen zuzuerkennende Abzeichen — ein 
nach links galoppirendes Pferd — sich auf allen diesen Stücken 
beim Namen eines MiKpiac wiederholt, und also dem zweiten Namen, 
welcher auf jedem ein anderer ist, nielit angehören kami. Auch 
hndet sich ein KivuiXic schon früher ^^^) unter den Fabrikanten. 

Nr. 9. Po(ElAfiNK)YT.. noccibuMou t(oO) ^ Olbia. 

AltXIPloY ACnr AIcx(pOou dcrv(vdMOu), S. Nr. 71. 

TEYH TöHepac). 

Von allen bisher bekannten, bald mit''^), bald ohne den 
Namen ihres Vaters genannten As^omen nntonscheidet sieh der 
obige TToc€ibdivioc doroh sein Patronymicom (toO Aicxpiou), welcher 
Name, neben Aicxpiujv^), anf einem Henkel hier zum ersten Male 



114) B. Sup. X S. 34 N. 10. 115) B. Sup. IV S. 494. 495. 
116) B. Sup. V S. 500 N. 23*. 117) B. Sup. IV S. 480 N. 27. 118) ß. 
Sup. V S. 505 N. 37. 38. 119) Bald 'AitoUdivioc toö MavTiO^ou, bald 
^iXoKpdTTic, bald 'Arrac, und endlich oben K(vu)Xic 120) Steph. C. K. 
1869 S. 208 N. 127 = B. Sap. X S. 28 N. 15" und S. 115. 121) B. 
Sup. IV S. 474 Nr. 11, S. 486 N. 52. 122) B. Sup. IV S. 473 N. 6. 6, 
B. Sup. V b. Ö07 N. 42*. 47*. 48*, Sup. X S. 29 N. 20. 



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226 i^« Becker: Ueber eine neue Samml. unedicrtcr lienkelinschriften 



yorkommt, sich aber schon früher auf einer koischen Münze '^^) vor- 
findet Der Fabrikant TeuOpac ist anf den Henkeln mit dcruvöjiou 
schon öfters '^^j genannt worden. 

Nr. 10. oc sigrnim Olbia. 

CTYNo (dc)Tuv6(^ou) incertum. S. Nr. 77. 

HNAlo (eip)nvaio(u). 

Da der in der ersten Zeile bis auf die beiden letzten Buch- 
staben zerstörte Name nicht ohne Willkür wiederhergestellt w erden 
kann, so lässt sich auch nicht mit Sicherheit sagen, ob der Astjnom 
oder der Fabrikant Glpi^vaioc^^^) geheissen habe, und das um so 
weniger, als dieser Name in der hier gebrauchten Form nioht früher 
auf den Henkeln dieser Abtheiluug vorgekommen isL 

Kr. 11. kl II . Yo Olbia. 8. Nr. 16. 

AtT.NO dCTCuHCMOu) 



!• Kamen der Astynomen: 



Aicx(vi|C C. N. 2 * 
Aicxtvi|c ToO TToc€i6iuviou A. N. 1. 
'AvriTraTpoc toO 'AiroJÜUtödipou A. 
N. 2. 

'AnoXXööujpoc H. N. 2. 
Aiovucioc C. N. 3.* 
eXTTOc C. N. 4. 
•evÖHMOc A. N. 3.* 4 * 
*HpaicXei5i)c toO Mixpiou A N. 6. 



'H4pa(cnoc(?) C. N. 6. 

0€6t€ITOC(?) C. N. 7 * 

'Ik/igoc toO '€cTia(ou A. N. 6. 
KoXXicO^VTic C. N. 6. 
MiKpiac C. N. 8. 

MiKpi'ac Toö 'ApiCTOTÖpou A. N, 7, 
TTacuihr|c 'AyopdivaKTOC B. N. 1. 
TTottiöuCrvioc toO Aicxpiou C. N. 9. 
0iAsiiiroc(?) A. N. 8. 



II« Namen der Fabrikanten: 



•ATdOwv C. N. 1. 
'AiroXXarvioc A. N. 1 , B. N. 1. 
'Apx^irroXic A. N. 4.* 
€ipdvac C N. 6. 
€ipi|vot!oc C. N. 10. 
'GcTiüloc C. N. 5. 
'H<paicTK>c A. N. 7. 
'HqpaicTduv A. N. 2. 
KiviuXK C. N. & 



McXdvnic a N. 2. 
Ncu^^oc C. N. 
TToaxdpT^c(?) A. N. 8. 
TToc€ibi6vioc A. iJ. 3.* 
TToc€i6ifjvioc Aiovudou C, N. 8.* 
TTpiwToc A. N. 6. 

ZlVlUTTllUV C. N. 2.* 

TeOepac C. N. 9. 
0iXoKpdTr|c(?) C. N. 7.* 



Nachdem ich im Vorstehenden sSmmtliche Henkelinschriften 
aa8 der Sammlung des Herrn Johann von Surutschan einzeln 



123) Mionnet descript. de m^d. ant. III p. 406 N. 85. 124) a. B. 
Sap. V S. 477 N. 6. 126) B. oben N. 6. 



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ani dem tfidHohen Biudaiid. 



227 



ao^eftdirfc, gesichtet und eingehend besproohen habe, erlaabe ich 
mir jetzt noch einige allgemeine Bemerkungen za jeder der sechs 
Abtheilongen, in welche das neue Material oben zerlegt worden ist; 
es sind dies folgende: 

In den anf beide Henkel der rhodischen Amphoren gesetz- 
ten Stempeln werden die Angaben so yertheilt, dass die staatlichen 
in dem einen — dem Hauptstempel*) — und die privaten in dem 
anderen — dem Supplementstücke oder Nebenstempel ^ — erschei- 
nen, und von dieser allgemeinen Begel findet eine Abweichung nur 
dum statt, wenn es in dem Hanp^tempel für die beabsichtigten 
Angaben an Baum fehlte. In diesem Falle wurde ein Theil der auf 
das Staatliche bezüglichen Inschrift, namentlich der Monats- 
name, in den Nebenstempel hiDflingebKaGht und steht hier entweder 
Yor^ oder nach*) einem Eigennamen, welcher dem betreffenden 
Fabrikanten angehört. Die meisten der auf den obigen 29 rhodi- 
schen Henkeln gegebenen Namen sind schon früher vorgekommen, 
aber zum ersten Mal erscheinen hier unter den Magistratspersonell 
die Namen 'ApxeTToXic'') imd GeÖ^ßpOTOC*'), und unter den Fabri- 
kanten NiKafic'j und TTdTpuJv'^). Die staatlichen Abzeichen sind 
auf den 29 Stücken reichlicher vertreten als die persönlicheu, 
dei\n von erstereu findet sich das balaustium auf 8 Henkeln'^), das 
Strahlenhaupt des Helios auf 3^^), und von den zweiten ist auf je 
einem Henkel der Hermesstab ^^), ein Kranz ^"j und eine brenueude 
Fackel mit einem die Hand schützenden Teller'') zu nennen. Was 
endlich die Zeit betrifft, aus welcher die obigen 29 Henkel stammen, 
so gehören alle, nach der Form der auf ihnen gegebenen Buchstaben, 
in das dritte oder zweite Jahrhundert vor Ch. G., und nur einer"), 
auf welchem das gradlinige C ^'^) vorkommt, föllt in eine spfitere Zeit 

Die überhaupt sehr geringe Zahl knidischer Henkelinschrif- 
ten aus dem südlichen Russlaud wird auch hier nur durch eine ver- 
mehrt, in welcher die in den kuidischen Stempeln gebräuch- 
lichen Eigenthümlichkeiten — wie solche im Allgemeinen aus den 
vielen in Athen vorhandenen Stücken'^*') imd hier im Besonderen 
aus der theils von der Linken zur Rechten, theils von der Rechten 
zur Linken zu lesenden Inschrift, aus dem zwischen die Buch- 
staben eingeschobenen Emblem und aus der Flexion des Eigennamens 
EOpUKpaieuc zu ersehen sind — zum Theil zum Ausdruck kommen. 



1) 8. oben I N. 2. 6. 8. 9. 19-14. 18—80. 23—29. 2) 8. oben T 
N. 1. 3. 4. 6. 7. 10. 11. 16—17. 21. 22. 3) z. B. B. Sup. X S. 4 

folg. N. 1. 13. 4) 8. oben N. 3 vergl. B. Sup. X S. 6 folg. N. 3. 4. 
16. 20. 21. 28. 5) oben J N. 6. 6) I N. 13. 7) 1 N. 17. 8) l 
N. n. 9) I N. «. 9. 10. 11. 16. 16. 98. 99. 10) I N. 18. 99. 97. 

11) I N. 4. 12) I N. 7. 13) I N. 21 14) B. Ma I S. 425 
N. 46. 64, Steph. Mel. II S. 209 N 2. 3, B. Sup. V S. 449 N. 7, A. D. 
p. 76 N. 3, B. Sup. X S. 14 N. 82. 16) oben X N. 14. 16) A. D. 
p. 126—386. 



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228 Becker: üebei eine neue Samml. miedierier Henkelituckriften 

Unter den uns bekaunten tbasischeii Henkelin.scliriften , von 
denen die grössere Zahl — aus Südrussland ^'), die kleinere — aus 
Athen*®) stammt, sind erstere um so interessanter, als sie, nach der 
Form der Buchstaben, die älteren sind*^) und, wegen ihrer durch- 
schnittlich besseren Krhultung, ein richtigeres Verständniss ihrer 
respectivcn Angaben ermöglichen. Die staatliche Bedeutimg dieser 
auf einen Henkel"') oder auf den Hals^*) des Gefösses gesetzten 
Stempel erweist sich offenbar sowohl durch die Reischrift GaciLUV 
(0UCIOV, 0aci, 0a, 0), als auch durch den Gebrauch derjenigen 
Embleme, die sich aucli auf den thasischen Münzen voi'finden, 
so dass der öfters hierzu noch kommende, im Nominativ stehende 
Kigennaine, nach dem Vorgange der Henkelinsrhriften anderer Staa- 
ten, jedenfalls auch ein staatlicher, und zwar entweder der des 
Eponymos oder der des mit der Controle der Töpferwaaren betrau- 
ten Magistrats sein wird. Diese gewiss richtige Deutung des Einzel- 
namens wird indessen unsicher, wenn zu demselben noch ein anderer 
Eigenname, gleichfalls im Nominativ, zur Bezeichnung des Fabri- 
lauiteii hümitriti, da man nicht mit Bestimmtheit sagen kaaSt w«l* 
eher von beiden dem Magistzai, weLoher dem FabxäheKm agkemme. 
Abgesehen von diesen b^den Arten der thasischen Stempel gab 
es in Thasos noch eine dritte, bei welcher ein Eigenname, in .der 
Abhängigkeit von der PrSposition diri, im GenetiT steht nnd, wie 
dieses in Rhodos und Knidos der Fall ist, den Eponjrmoe — der 
dort Up€uc, hier bafiioupTÖc hiess, auf den thasischen Henkeln aber 
mit keinem besonderen ijntstitel erscheint — > beieidmen, nnd also 
wohl anch fBr die Bedeatimg dieses einen ESgennamens massgebend 
sein wird. Belege fOr jede dieser dreiartigen Stempel, unter denen 
die dritte die seltenste ist, finden sich in der obigen Sammlung 
thasischer Henkelinschriften, und zwar ffehOren in die erste'^) 
Kategorie — 4*«), in die zweite^ — 6*«) und in die dritte*') 

17) Im Hanzcn sind es HK) Stack. 18) nach A. D. p. 60—73 

BoUüQ 124 lienkel thauische sein, aber viele derselben sind ffanz un- 
sicheren Unprnngs, andere gewiss nicht ans Thasot. 19; B. Snp. 
X S. 99. 100. 20) Antiq. T. II. Insoription LV. N. 1. S. 8, B. Sap, 
IV. S. 491. -21) B. Sup. IV. S. 459 N. 3 n S 191. 22) B. Sup. 
V S. 524. 23) Im Ganzen lifj^en 1 U Stücke dieser Art vor, von denen 
ö6 aus Athen, 85 aus dem südlichen Xiushlaud. 24) oben III N. 2. 3. 
8. 9. 36) YoD den hierher gehörigen 105 Heukeln sind 6 in Athen, 
99 im südlichen Basshmd gefunden worden. 26) III N. 4. 6. 6. 10* 11. 

27) Wir kennen überhaupt nur 7 Stempel dieser Art und zwar 2 ans 
Athen, ö aus Südrussland; es sind folgende: 1) B. Möl. I S. 436 N. 10 
(ans Olbia): ^irl Ivdpuj, Oadov. caduceus, 2) Antiq. d. Bosph. Cimm^rieo. 
Inscripi LV N. 1 (aus Kertsch): (iir)l Tr|(X)€q>dv€oc, Oadwv. capra, in 
zwei Kxemplaren, von denen das eine in der Kaiserlichen Ermitage zti 
St. Petersburg, das andere in der Sammlung des Herrn Sabatier (Souve- 
nirs de Kertsch pl. I N. 5), 3} Perrot, licvue archeologique, nouvelle 
B^e, deoxi^e aan#e, troisitaie Tolume, Paris 1861 p. 887 N. 22 pl. IX 
N. 22, A. D. p. 62 N. 16 und pl. lY N. 22 (aus Athen): (^iri) HpocpOiy. 
Toc. 8aduiv. delphinos, wo man aber, meiner Meiaung nach (s. B. Sup. 



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ans dem gfidlielieii Bnnland. • 



229 



— 2^ Stttokd. Was das Alter der oben"^) behandelten 11 thasi- 
sehen HenhelSnsdhriften anbelangt, so gehören sie nach der Form 
der Bnchstaben, unter denen die neueren Schriftzeichen fehlen, theils 
in das 3., theils in das 2. Jahrhundert vor Gh. 0.^) Die auf ihnen 
gegebenen Embleme sind, mit Ausnahme emes einzigen mir nicht 
Yerstfindlichen Abzttohens'^), schon früher vorgekommeQ. 

Die Zahl der Inschriften unsicheren Urspnmgs auf Henkehi^) 
oder am Halse ^) der Gefftsse ist in der Sammlung d|S Herrn Snrut- 
schan keine grosse und wKre wohl eine noch geringere, wenn ich 
die betreffenden Stücke aus eigner Anschauung kennte und, bei 
deren Classificirung das Material und die Form derselben nicht hfttte 
unbeachtet lassen müssen. 

Von den 7 in der fünften Abtheilung aufgeführten Fabriks- 
marken scheint nur eine^) nicht neu zu sein, aber die andern er- 
seheinen hier alle zum ersten Mal. 

Nachdem ich die Ansicht Domont's^), als wären die Henkel 
mit der Beischrift dcTuvÖMOu oder (icTuvo)ioOvTOC kniclischen Ur- 
sprungs, hinlänglich^^) widerlegt und dieselben vielmehr Olbia vin- 
dicieren zu müssen geglaubt habe**), hebe ich hier noch besonders 
hervor, dass die auf diesen Henkeln und Ziegeln bisweilen vor- 
kommenden Formen und Flexionen''^), weil sie sich hauptsftchlich 
nur in den Namen der Fabrikanten vortinden, einer besonderen Ciasso 
der Einwohnerschaft angeliürt haben dürften. Eine solche bildeten 
in Olbia, der Tochterstadt des ionischen Milet's, die dort an- 
sässigen dorischen Fremdlinj^e, welche, vom Genüsse des staat- 
lichen Bürgerrechts ausgeschlossen, in Sonderheit auf ihre gewerb- 
liche Thiitigkeit angewiesen waren, nur ausnahmsweise zur Civitiit 
und zur Bekleidung eines staatlichen Amtes, wie das der Astynomeu, 



X S. 103 N. 16), HpöipavTOC eadu)v lesen muss. 4) Steph. C. K. 1869 
8. 210 N. 186 ^ani Kertseh): hd £oTOpo(u). caput Satyri. Dieser Henkel 
iri»ht bei Stephani unter den Stücken unsicherer unkunft, darf aber 
nach der Form des Stcmiiels und nach dem Namen Tdrupoc, welcher 
nur auf thasischen Henkeln (C. 1(. 1869 S. 201. 202 N. 68. 75. 76) vor- 
kommt, für einen thasischen gehalten werden, 6) A. D. p. 69 N. 62 
(MB Atlien): Eö . Aua . . . , was, wie ich glauhe, durch ^-rrl 6u(pud- 
Xou) Au(c{6iic) (öac) zu vervollständigen ist, 6) oben (aus Olbia) III N. 7: 
f^^-rr' OuXfi)dfeou. Gadwv. caduceus, 7) oben (aus Olbia) TTT N. 3: (^ttI) 
*A(pikTdpxou (0odwv). 28) oben III N. 3. 7. 29) UI N. 1—11. 
80) B. Snp. X p. 100. 81) III) N. 9. 82) B. Sap. X p. 100. 101. 
33) 8. oben IV N. 1-6. 84) IV N. 7—10. 35) oben V N. 1 
vgl. B. Mel. I S. 443 N. 20. 36) A. D. p. 141 H6ne III N. 1. 2. 37) B. 
Sup. X S. 67—69, S. 108—110. 38) Dafür liefert nns ein obiger Henkel 

SL B. N. 1) insofern einen neuen Beweis, als der wenig gebräuchliche 
une TToad&nc in, einer groiten olbiaachen Inschrift (C. L Gr. II p. 
133 N. 20G0 V. 9. 10) unter den fünf Strategen (cTpaniTeOt welche dem 
Apollon ("AttöXAujvi TTpocxaTTi) ein Weihgeschenk darbringen, sich vor- 
findet. 39) B. M^l. 1 S. 609, Sap. IV S. 494, Sap. V S. 630, Sup. X 
8. 109. 



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230 f^* Becker: Üeber eine neue Saaunl. unediertor HenkelinBchxiften 

gelangten und, wenn sie sich des vollen Bttrgerrechtä erfreuten, die 
dorische Bildung und Flexion ihrer Namen ebenso beibehielten^), 
wie dieses noch gewöhnlicher der Fall bei denjenigen war, die, aus 
ihrer gewerblichen Thätigkeit gar nicht heraustretend, als Metoiken 
fli^TOiKOi) ohne die Gerechtsame einöfe eingeborenen Bürgers in 01- 
bia lebten und dort von Geschlecht zu Geschlecht das Töpferhand- 
werk zu betreiben ptie^'tcu. Hiernach erklärt es sich am Einfachsten 
und Natürlich^en , ^vie in einer Stadt mit vorwiegend ionischer 
Bevillkeruug sich Dorismcn in die Eigennamen einsclileichen und 
erhalten konnten, und wesshalb sich in den lleukelinschriften mit 
der Beischrift dcTUVOjLiou oder acTuvoMoCiVTOC die Namen Neufir)- 
viou neben Nou)ur|viou und Neo|i)iviou, TTacidba neben TTacidbou, 
Zujcia neben Zujciou, 'ATroXXuJViba neben 'ATToXXuJVibou, öeubo)- 
pou neben Geobtupou, 'ATToXXaviou neben 'AttoXXujviou, *AGavo- 
buupou neben 'A0r|ViTTTTOu, Mvacia neben Mviiciac, Mvr)CiKXeouc 
vorfinden. Auf gleiche Weise lassen sich denn auch in der obigen 
Sanunlung die Namen (Gipdvac) €ipdva '^) und (6ipr|vaioc) €ipr|- 
vaiou^"j leicht erklären, zumal da jeuer Name - einem Fabrikan- 
ten , dieser — einem Ast ynommen zuzukommen scheint. — Die Zahl 
der selteneren Stücke, auf denen der Amtstitel dcTuvö^oc imd der 
Eigenname des Magistrats von der Präposition im abhängen, wird 
hier wiederum um vier Exemplare**^) vermehrt, so dass uns mi 
Ganzen jetzt 25 derartige Stempel in dreifacher Fassung**) vorliegen. 
Jede dieser drei Varietäten ist in der Surutschan'schen Sammlung 
durch zwei**'') oder je einen Stempel*'') vertreten. Hiezu muss ich 
noch bemerken, dass die Embleme in der ersten dieser Fa>suugs- 
arten — wo von dei- voraustehenden Präposition iiri der Eigenname 
des Magistrats und de^-scn Amtstitel dcTUVÖ^oc abhängig sind und 
zuletzt der Fabrikant im Nominativ oder Genetiv genannt wird — 
viel mannichfaltiger sind als in der zweiten — wo in den Angaben 
zwar dieselbe Reihenfolge, wie in der ersten befolgt, der Amtstitel 
aber ausgelassen wird — und in der dritten — wo auf den Namen 
des ün Nommativ oder Genetiv stehenden Fabrikanten die Frftposi- 
tion iid mit dem Eigennamen des MagiAtrats und dessen AmtoHiel 
folgt; demi in der ersten IVusung ist dM Ataiolien bald eine Won- 
tranbe^^, bald eine liegende Aehre^, bald eine Diota und Wein- 
traube^), bald ein Seeadler, der mit ausgebreiteten Flügeln auf 

40) 2. B. B. Sup. IV S. 474 N. 9, A. D. p. 141 III N. 1: Aioocou- 
piha (icTuvö^ou, Antiq. Inscript. LV N. 4 = B. Sup. IV S. 473 N. 1: 
ABavoboüpou Tou NiK^a dcTOvo|uoüvToc. 41) oben VI. C. K. 6. 

42) oben VI C. N. 10. 43) oben VI A. N. S*. 4*, B. N. 2 und C. 

N. 4. 44) B. Sop. X 8. 118. 45) oben VI A. N. 4*s ktd *€yhf^ 
dcruv6^ou, 'ApxcTrröXioc, VI C. N. 4: ^ttI 'Qttou dcTuvö)iou, Ncu^v)vioii. 

46) VI A. N. 3*: iiii '€v6^u, TToceibiuviou ; VI B. N. 2: McXdvrou, 
tirl •AiroUoöUipou dcxuvönou. 47) B. Sup. IV. S. 478 C. N. 1«. 17, 

Sup. X S. 26 A. N. 7, oben VI C. iS. 4. 48) B. Mcl. 1 ö. 4yi 11 is. 
14* Sup. IV S. 47« C. N. 18*. 49) B. Sup. V 8. ttlO C. N. 68. 



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aus dem südlicben Euasland. 



231 



einem Fische steht und denselben verzehrt ^''*^), während in den In- 
schriften der zweiten^^) und dritten Fassung**) das zuletzt ge- 
nannte Emblem (der Seeadler auf einem Fhsche) — jenes allbekannte 
Bild auf olbiaschen Münzen — sich beständig wiederholt. — Unter 
den 23 Stücken unserer sechsten Ahtheüuug, von denen 18 — 
Henkel, und 5 Ziegel sind, erscheinen 8^) ohne jedes Emblem, 
aber die übrigen 15 tragen theils staatliche, tlieils persönliche 
Abzeichen. Zu ersteren ist der Seeadler auf einem Fische**), die 
Weintraube*^), die Siegesgöttin*'), das Tropaeum***) und vielleicht 
auch das Yordertheil eines Schiffes^ und der Hermesstab ^) zu 
rechnen, während ein Vogel *^*)« eine stehende Figur und ein 
Pferd ^) persOnlielie Wappen zu sein scheinen, und das verwischte 
Emblem eines Stttckes^) sich der Beortheilnng entzieht. Alle hier 
genannten Embleme sind indessen schon früher auf den Henkeln 
oder Ziegeln mit der Beischrift dcruvöfiou oder dcTuvo];ioOvTO€ tot- 
gekommen. Anders yerhftlt es sich mit den anf denselben gegebenen 
Namen, nnter denen (Eipdvac) Eipdva**) Überhaupt nen sein dOrfte, 
(ATcxptoc) Aiqcpiou^ nur dnrch eine Münze von Cos bekannt za 
sein scheint, und ('AropAvaE) 'AtopdvaiCTOC*^ anf den Stücken die- 
ser sechsten Abtheilnng zum ersten Mal sich Torfindet Unter letz- 
teren erscheint hier nur auf einem^ das sichelfSrmige Sigma (C), 
so dass nur dieser Henkel allein aus dem ersten, alle übrigen 22 
aber aus dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Ch. G. stam- 
men dürften. 

Dresden, den 28. Juli 1878. Faul Becker. 



60) B. Mel. I S. 494 III N. 19*, Sup. V S. 497 C. N. 11*, 8up. X 
8. 26 A. N. 8, oben VI A. N. 4* 61) B. Sop. IV S. 474 Ii. ^. 10. 
11 , Sap. V S. 478 A. N. 18* 8. 479 A. N. 14* Sop. X 8. «7 A. N. 9, 
oben VI A. N. 3*. 62) B. Sop. IV S. 171 B. N. 10. 11» Sup. X S. 
27 A. N. 10, ol)en VI B. N. 2. 53) oben VI. A. N. 3*. 4* C. N. 2*. 
8*. 7* 64) oben A. N. 2. 5, 11 N. 1. 3, C. N. 2* 6. 9. 11. 66) oben 
VI A. N. 8*. 4* B. N. 2, yergl. B Sup. X 8. 118 Anm. 77. 66) oben 
VI C. N. 4 vgl. B. Sup. X S. 113 Anm. 78. 67) A. N. 0* vergl. B 
Sup V S. 530 Anm. 188. 68) oben A. N. 1. 7, vergl. B. Mdl. I S. 489 
N. 42, B. Sup. IV S. 470 N. 26. 30. 31, B. Sup. V S. 480 N. 19. 3G und 
S. 531 Anm. 203. 59) oben C. N. 5 vergl. B. M6l. I S. 487 iS\ 29. 34, 
B. Snp. IV 8. 474 N. 18, B. 8Qp. V S. 498 N. 16 nnd 8. 680 Anm. 194. 

60) oben VI. C. N. 7, vergl. B. Sup. V S. 530 Anm. 190. 61) oben 
VI C. N. 13 vergl. B. M^l. I S. 491 N. 13* B. Sup. IV S. 472 N. 38. 
39* S. 477 N. 11* B. Sup. X S. 33 N. 7*. 8. 62) oben VI A. N. 8, 
vergl. B. Sup. V 8. 681 Anm. 201, Sup. X 8. 27 N. 18. ' 68) oben VI 
A N. 6 nnd C. N. s vergl. B. Sup. V S. 530 Anm. 191. 64V oben VI 
(• N. 10. 65) oben VI C. N. 6. 66) oben C. N. 9. 67) oben VI 
B. N. 1. 68) oben B. N. 8. 



Jahrb. f. cUst. PhUoL Sappl Bd. X. 



16 

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Druckf elller. 



8. 15 Z. 17 TOD oben: M Nikocoy^ (statt kid NiKaorrApac). 

8. 16 Z. M Yon oben: 0<&vtou (italt 0avTou). 

8. 89 Z. 4 von nnten: dem Ai6c8uoc (statt den Ai^iuoc). 

8. 40 Z. 11 und 17 Ton oben: M (itatfc N). 

8. 68 Z. S Ton oben: kann (itatt kann). 

8. 69 Z. 6 Ton nnten: Palme (itatt Pnlme). 

8. 80 Z. 11 von nnten: KpdniToc (itatt Kpcrr^Toc). 



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* 

DIE SAGE 

VOM TODE HESIODS. 



NAC3H IHREN QUELLEN UNTERSUCHT 

VON 

O. PRIEDEL. 



Yftlul». f. eliM. Phflot Soppt Bd. X. 



17 

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Ueber Hesiode Tod beriohton folgende Schriftsteller: 



I. Der Auotor oertaminis Homeri et Hesiodi^): 

ToO b* dxuivoc biaXuO^VTOc 6i^ttX€uc€V 6 'Hcioboc elc ^eXqpoOc 
Xpncöfievoc Ka\ tt^c viktic dnapxac xijj QtC^ dvadrjcuiv. irpocepxo- 
^^vou h* auTOu Tifi vatji ^vOeov t^vofi^vnv rfjv irp<Mpj)Tiv qNXCtv 

6llT€TV 

ÖXßloc ouTOC dvfjp, 8c i}jiöv bö|Liov d|iq)moXeu6i, 
'Hdoboc Moucr|ci terijuevoc dOavdiricr 
Tou b' T^Toi KXeoc ^crai öcov x' ^TriKibvaTai riüüc 
dXXd Aiöc TieqpuXaHo Nepeiou koeXXijliov öXcoc* 
KeTOi bl Töi Oavdioio t^Xoc TreTrptuiLi^vov ^cn'v. 
öb* *Hdoboc dKoucac toO xp^icmoO xfic TTeXoTTOVvricou m€v dvextupei 
vopicac xfiv ^Kei Ntju^av xov Öeov XeT€iv, eic b* Oivoiiv") xfjC 
AoKpiboc eX0ujv KaxüXuei irap' 'Afiiqpicpdvei xai favuKXopi, xoic 
Orifeujc Ttaiciv, ayvoricac xö /iavxeiov 6 ydp xöttoc ouxoc ÜTrac 
dKaXeixo Aioc Ne^Aeiou Upöv. biaxpiß^c b' auxifi iiXeiovoc t^vo- 



^) Die Schrift irepl '0^r)pou Kol 'Hciöbou Kai toö ylvovc kqI dYtuvoc 
auTwv ist nach H. Stephanus' erster Ausgabe (Genf 1573^ öfter abgedruckt 
(Wettermann ßiOTpdq)oi p. 33—46), zuleta nadi noohmaugerVeii^eichnDg 
dee Cod. Laar. 56, 1 von Fr. Nietzsche in den Acta societatis philoIo^e 
liipsiensis T, 1. p. 3 — 23 von neuem herausgegeben worden. Die citirte 
Stelle bei Westermann 13. 214 p. 41. Nietzgche Z. 209 p. 17. 

*) (MvÖTiv. So im Goa. Lear., im Apograph. Steph. (s. Kietuche), in 
der Ed. princ. — Olv6i] (aus oliüvi] Pens., vmvib i\ Monac., rfi oldvq Geney.), 
f| Oivön und Tf|c OIvöt^c bei Tzetzes prolegg. ad comm. in Hes, opp. p. 15 
ed. Gaiaf. Oxon. 1820. Cf. Valent. Rose im Aristoteles pseudepigr. p. 507. 
Westerm. p. 49, 97. 101. 104. Nietzsche Acta Z. 219 not. Doch folgt aus 
Thnk. m, 95, 8. 96, 1, dau der Ort 0(vei6v liiees: tbpMftro H (ö An- 
IJOCB^VTic) OlvciJrvoc xf^c AoKpiboc .... aö\icd|aevoc tCu crparCp iv toO 
A\bc ToO Neiieiou tu) Icpö», iL 'Hcioöoc ö TTOir]Tt^c X^texai uttö tu»v TcOrri 
dtroeaveiv, xpi^^^v aurij» iv Ne^^qt toöto naöCiv, d^a ä^t dpac iiro- 
peOexo Ic tV|v AItuiXIov. — Olv€div schreibt auch Steph. Byz. u. d. W. 
Daher ist mit Bursian, Geographie von Grieehenlaad I, 146 Anm. 9 eine 
Verderbnis von Olvetbv in den viel bekfinnteren und öfter genannten 
Namen Oivör] anzunehmen, wie solclie zumal ausserdt'm durch eine del- 
phische Inschrift bei Wescher et Foucart Inscr. n. 410 b elegt ist; im Texte 
■elbft ift niehtB m Sndeni. Flach im Hermet Ym (1874) p. 465 legt 
dieter Namentvenehiedenheit m viel Gewicht bei, wovon tpftter. 

17* 

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236 



0. Friedol: 



jievTic ToTc Oivoeuciv^) UTTOVor|cavT€C oi veaviCKOi ttiv dbeXq)r)V 
auTUJV juoixeueiv tov 'Hciobov, dTTOKTeivaviec fic t6 MeraEiJ Tfjc 
Giißoiac (dafür wol 'Axatac) Kai Tf|C AoKpiboc TreXa-foc^j KttTCTröv- 

TICCXV TOÖ VGKflOU TpliaiOU TTpÖC TT^V '(}]V UTTO beXqpiVUUV TTpOC- 

evexöevToc, ^opTr|C tivoc eirixuLipiou rrüp' auToic oucr|c 'Apiabv€iac 
(^TTi MoXuKpiac?)^) 7TdvT€c ^TTi TOV aiYittXov Ibpaiaov Km tö cüjjia 
YVuupicavTec ^kcTvo jaev irevGricavTec eOaipav, touc be qpoveic dve^ri- 
Touv. Ol be (poßr]6evT6C ifiv tüjv ttoXitüjv opyriv KaiaciTdcavTec 
dXieuTiKÖv CKUcpoc bie'-rrXeucav eic Kpriiriv oüc Kaid juecov töv 
tiXoöv ö Zeuc Ktpauvujcac KaTeiröviiucev, tue (pqciv 'AXKibajuac 



^) OlvocCciv. Handschriftlich Olviliav, was als Ortsnamen auch Marck- 
ßcheflPel llciviodi fragm. p. 23 (daneben aoer p. 30 Oenoe als Heilig^tum 
des Zeus), Westermanu p. 41, 22S (der aber dafür Oiv€U)vt vorschlägt) 
und Hiller Eratosth. carm. rell. p. 81 (aber in Klammern OtvetuveOciv) 
im Teocte beibehalten. Barnes: Oiviüjciv, Gocttling: OiveiDciv, was Rote 
p. 512 aufnimmt. Sauppe oratt. Att. II, Ifjo (St<'i)h. Byz. Olveiüv, Otvcuj- 
veOc) Olv€iuv€0ci, dem sich Nietzsche rhein. Mus. XXV (1870) p. 538. XXVIII 
(1873) p. 223. 229. Acta p. 18, 223, sowie Vahleu Sitzungsber. der 
kaw. Akad. sä Wien, phil.-hist. Kl. XLIH, 1868. Heft 1. 2. p. 601 an- 
Bohlieaaen. Bass die Bewohner von Oinoe gemeint eind, darf %vi7^en des 
folgenden auToic nicht wol bezweifelt werden. Da nun aber der Auetor 
nicht Oineou, sondeni Oinoe saj^, so wird auch nicht das Gentile von 
Oineon, sondern von Oinoe einzusetzen sein. Das lautet nach Analogie 
von *Apavöt) 'Apcivocöc (Polyb.) und OoXöt) 0oKoeik (Steph. Byi.) Olvoeöc, 
also OlvocOctv, was dem HandtclixifUicheii am oftdurteii kommt. 

*) Hierdber apllter. 

^) 'Apiaöveiac. In der Parailelstelle bei Plutarch (n. IlL^ wird das 
bei Buiion und Molykria Ton den otolisohen Lokrera gefnerve Fest 

'Pia genannt; ans ^meanias n. V) darf man schliesscn, das.s es dorn 
Poseidon hiiH{? gewesen, ja Tliuk. II, 84 berichtet von einem Tempel 
des Poseidon auf Khion, Pausanias X, 11, 6 von einem ebenda dem 
'Iheseus und Poseidon gebrachten Opfer. Wyttenbach nun vermutet 
adnott ad Plal mor. Yip. 986, ad p. 162 C: Apiabvdac sei ans einer 
Verderbnis von 'Piu)v bei Plutarch entstanden. Reiske will bei Plutarch 
*Pi€iu)v (gegen den Sprachgebrauch), Goettling statt 'Piujv 'Apiabveiuiv, 
dasselbe Rose p. 511, Stark dagegen in Hermanns Gr. Antiquit. II. § 64. 
Anm. 12 p. 449. MoXuKpiac statt 'Apiabveioc — Bergk, Analecta Alezan- 
drina pari. I im Marburger Progr. 1846 p. 29, welcher 'Aptabveiac bei- 
behält, nimmt eine doppelte Fassung der Sage an: nach einer war das 
Fest bacchisch und hiess 'Apidbv€ia, nach der andern dem Poseidon lieilig 
und hicss Pia oder Aöiq)ta. Allein ein bacchisches Fest hat keine ander- 
weitige Qewfthr, Tielmrar deuten obige Stellen wie die Hilwirkoiig der 
Delphine entschieden auf Poseidon hin. Flach 1. L p. 465 geht ▼on dem 
Diialiemus einer opuntischen und ozolischen Sago aus; nach ersterer war 
das Fest der Ariadne, nach letzterer dem Poseidon heilig; in unsrer 
Stelle wurde der Name des ei-steren unter Verwechselung der Lokali- 
täten mid Saffon in die letsteie hineingetragen. Nietssche endlich Acta 
p. 18, 227. XXV, 588. XXVni, 235 vermutet: 'P(oü &Tyeiac 'der Weihung 
▼on Bhion', was freilich hinsichtlich der Bedeutung nicht ohne Bedenken 
ist. Vielleicht ist das Wort als eine tibelangebrachte gelehrte Kemi- 
nisoenz, die wenig zu dem vorangehenden unbestimmten tivöc passt, 
aberhaupl zu tilgen. SoBst steht der handsohfiftlichen Lesart em ini 
MoXuKpiac 'in der Nfthe von Molykria' noch am nilohsten. Diese Stadt 



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Die Sage Tom Tode Hesioda. 237 

Mouceiqi^. *€paTOce^vnc hi (p?|civ dv 'Hciöbqi^ KTifievov ical 
"AvTiqiov Toik TovikTopoc^ itd trpoeifnuiidvQ alrCt^i dvaXövroc^ 



lag in der Nähe von Bhion, und nach ihr wurde das Vorgebirge übcr- 
haopt MoXtncpiKAv oder MoXÖKpiov genannt. Stmb. YIII, S, 886: KoXoOa 
H (t6 'kyripffiw ^ tö 'P(ov) [koI] MoXÜKptov *Piov. 

^ Dies wird mit Recht gegen die unberechtigten Koigektnren Goett* 
lings: KaXXi^axoc Mouce^i oder 'AXia^d|yuic M€ca|Vioiäp Ton allen 

Herausgebern geschützt. 

^ dv ^viiTToba» Laur., ivr|7röÖ4) Apogr. Steph., iv '€vr|Trööuj Stephanus, 
Marcksch. p. 23, Vahlen p. 602. — Iv 'Av5pair6öa> Barnes und Wester- 
mann p. 42 , 239. — iv iwdTq 'OXuMind&t Bemhardy Eratostb. p. Sil 
(doch ist nicht an die Chronographie, sondern an ein Gedicht zu denken). 
— Olv6r|c oder Ne^^ac iröXei oder Trebitu Karl Mueller, Ctesiae et 
chronogr. fragm. p. VJO (^allein nicht eine Ortsaugabu, sondern ein Buchtitel 
wirf erwartet). — kv 'Hprfövuj Holsten (^v 'Hpitövri Osann, p. «5, wogegen 
Bergk. p. 18). — 4v 'Hciuöui Goettiing coli. diar. antiq. stud. is.io. p. 860 
und Heaiod, carm. p. XV, was nach l?tr(j^k3 üborzongender Darlegung 
(bes. p. 19) unbedenklich als richtig augenoninien werden kann. Der 
Titel war: Hcioöoc i\ AvxepivOc (p. 27). Cf. iliUcr p. Ö2 f. Bergk, Grioch. 
Literatargeseh. I. p. 922, 10. 

*) Bei Sratosthenee selbst stand niebt rcnröicTuip, sondern rdvuS. IMes 
geht aus einer Stelle des Choiroboscos (oder Herodian) in Theod. p. 81, 

27 Uaisf. hervor, der sich vielleicht sogar mit Rücksicht auf diese Stelle 
aui' Eratosfahenes beruft, um die Abwandlung Favus Tüvukoc zu beweisen, 
und als Erklftmng dieses (wol poetischen) Namens den (jedenfalb üb» 
lieberen) AnsdmcK ravöicruip anrdbrt: rdvuS TdvuKoc, ö ravÖKTwp, Tiapd 
TU) '€paT0c6^v€i • ÖpävuS OpdvuKoc, 6 0p6voc, Txapä Kop(wrj. Wie einer- 
eeits dieser Name für die Annahme eines eratoatheniachen Gedichts zu 
sprechen scheint, so ist andrerseits der für denselben an unsrer Stelle 
eingetretene l&ngere Ansdmek entweder mit Ber^k p. 19 so sn erkUren, 
dass der Anetor cert wie scbon oben, so ancb nier die gewöhnliebere 
Bezeichnung gewählt, oder mit Hill er p. 82 80, dass Eratosthenes aus 
metrischeu Rückuichteu bald die längere, bald die kürzere gebraucht habe. 
Genaueres bei Bergk p. 17 ff. Hiller p. 80 ff. 

^ ivoXövrac. Cod. Lanr. dveXövrac, was Nietzsche Acta 19, 234. 
XXV, 688. XXVIIl, 227 (mit Ergänzung freilieb eines aöröv) Hiller p. 88 
beibehalten. Alle übrigen (z. B. Westermann p. 42, 210) schreiben dvcX- 
eövrac (wie Apogr. Steph. und Ed. iirinc.) — MarckschelVel ji. "27"^: 

Sropterea rediisse videntur dici, quia tempestate ab ulterioro fuga pro- 
ibebantor. Aber der Stnrm, darch den die MOrfer naoh der erst- 
genannten Quelle nmkamen, kann doch nicht eine Ttpoeipnu^vn ahla für 
ihre Rückkehr genannt werden. Nietzsche XXVIII, '227 fragt: 'woher 
kam<'n dit; Mörder zurück? und: ,, unter der vorher erwähnten Be- 
schuldigung?*^ nämlich der, Hesiod umo^ebracht zu haben?' Er schreibt: 
dvcAdvrac; 'Ktimenos nnd Antipbos sin^ nacbdem sie Hesiod auf Ghmnd 
jener Anschaldignng — nämlich der Verführer ihrer Schwedter zu sein 
~ ermordet baoen, gnopfert worden. Ratsam Ui dabei, vor dveXövrac 
ein aüxdv einsoschiebeu.' Dagegen bringt Flach p. 46ü die von N. selbst 
angegebene Sebwierigkeit vor, 'dass naob der erstoi Dazstellnng Hesiodos 
des Siebrochs scbnlaig war, nach der des Eratosthenes aber unschuldig. 
Da nun der Auetor in Kratosthnncs, seiner ausführlichen Quelle (wie 
Plntarch) lesen konnte, da-^.s der I)i(}it«^r keine Schuld hatte, so konnte 
er nicht sagen, dass sie ihn irci irpoeipnjuievi} airiqi getödtot.' Das ist 
xicbtig, wenn man ancb alTia bier niobt doxcb Sebuld, sondern doieb 



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2d8 



0. Fziedel: 



ccpaTiacOfivai Geoic toic Hevioic*^) utt' *€upuKX^ouc tou |.idvT€iuc 
THV M^VTOi TiopS^vov, Tqv d^eXcpnv tuuv iipoeipt))uieviJUv, fieid if)v 



Anschiildignng übersetzt: die blote Anschaldigiiog in der zweiten Qaelld 

itit immer nicht dieselbe, wie die wirkliche Sclndd in der erston. — 
Flach schlit'rt dveXOövxac vor und erklärt: 'die au« der oben erwähnten 



der Aaotor aaf das Fest im Bericht des Alkidamas bemehen, von einem 

Hinaufgehen anf das Fest aber sei die Rede, weil sie den Leichnam ins 
Meer versenkt hatten und das Fest etwas landeinwärts in Molykria auf 
der Uübe des Küstenge bir^cs war. Allein da.ss mit dem einzigen allzu- 
knappen dvcX6övTac (ohne etwa clc ri\v kopTY\v) das Hinaufgehen auf das 
Fest bezeichnet werden sollte, scheint mir bei der sonstigen Genauigkeit 
des Auetors nicht wahrscheinlich. Ausserdem ist der Akt des Hinauf- 
gehens in dieser Faissung der Sage zn unwichtig; nicht einmal von aus- 
führlichen Quellen wie Piutarch wird seiner besonders gedacht. Im 
Gegenteil fuhrt der Anctor gewiss nicht ohne Absieht tmd Bedeutung 
nnr die wichtigsten Abweichungen von der lotztbesprochencn Fassung 
an: die Gegensätze in den Namen, in der Bestrafung der Mörder, in der 
Auffassung von Schuld oder Unschuld Hesiods. Ich schlage in mög- 
lichster Üebereiustimrnuug mit dem Laur. vor statt dveXövTQC einfach 
ivaXAvTOC « dtprehensos, conviotos, damnatos, fiberltthrt. Capior. in 
llesych. ivaXövTa* cuXXir|q)6^vTa, KparfiOIvTO. Analog ist die Konsv^tion 
bei Demosth. in Aristocr. § 3R p. ßS2: t6v TrccpeuTÖra in' ahin q)rtvou 
Kai ^aXuiKÖTQ, womit su vergleichen Herodian Iii, 10, 11: äXövTa ini 
CTdceci damnatnm seditionnm, ob seditiones, oder P]ui Pericl. 22: iirl 
KOKOlc fpToic äKovc. Dann ist die trp. alxCa weder des Mildchens Ver- 
führung durch Ilcsiod, noch das Fest, Koiidoru Ilesiods Ermordung, sie, 
deren Erwähnung oder Andeutung übrigens auch schon durch das fol- 
gende Kai auTov dvaipcÜ^vTa gewissermasseu gefordert wird. Ihre Be- 
stfttigung findet die feoi^ektar einmal in den Worten des Pansanias: 
^T^v€TO rfji MoXuKpi^ ctfiav f\ biKi], die gleidi&lls anf ein Volksgericht 
hindeuten, andrerseits vervollständigt sie den zwischen dem Bericht des 
Alkidamas und Eratostheues obwaltenden gegensätzlichen ParallclismuK: 
Fluchtversuch der Mörder — Ergriffen- und Ueberführtwerden derselben ; 
Yemichtang derselben dnrch Zeus — Bestrafung dnrch ihre Mitbürger. 
Somit wäre zu übersetzen: '(auf Grund) der oben erwähnten Sohnld — 
lAmlich des Mordes — überführt wurden sie geopfert*. 

G€ok Tolc Hevioic. Apocpr. Steph. Q^^, Ed. pr. Gccuoic, eccfAolc 

v(oiC (sacri ritus) Bergk ]>. 24, Oecucüc toic tcvioic "Wcstcmianii 12, 241, 
Bornhardy Ei-atosth. p. 241. IHc Handschrift hat Oeok, wonach öcoic 
Eevioic bei Marckscheffel und Hillcr p. »2, 85, Öcoic toIc Eevioic bei 
Vietssohe Acta p. 19, 885. XXVni, 8ST. Flach p. 466. Das OccmoHc des 
Apogr. ist nach Schöll Hermes VII (1873) p. 234 aos snflllliger Be- 
Hchädigunp des Originals entstanden. Zu dem etwas ungewöhnlichen 
Plural 6eol t^vioi vgl. PoUux I, 24, der ebenfalls Beol E^vioi und Paus. 
III, 11, 11, der eine *A9r|vä Eevia erwähnt. 

") Dass dieser Enrykles mit dem von Aristophanes Wesii. 1019 
(cf. Scbol.) und Plato Soph. p. 252 C (cf. Schol.) erwälinten Eurykles 
identisch sei, ist onwahrschemlich , da l^ratoi^thrnes diesen, der doch 
wol ein Zeitgenosse jener Autoren war, kaum mit Hesiod in Verbindung 
bringen konnte, und weil überhaupt nach den sonstigen Notizen der 
Ch«riJ[ter dieses Humes lüelit recht sn dem Tone nnsrer Erxählung 
passt. Bergk p. 88 f. not HiUer p. 85. ef. Hennann, Oiiech. Aniiq. II, 
§. 42, 16. 




Mit der Veranlassung soll sich 



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Die Sage vom Tode Ucsiods. 



239 



96opdv^-) dauTiiv dvapificai, q)9apfivai b* uttö tivoc Stvou cuvöbou 
Tou 'Hciöbou, Ar|)Liiübouc övojia'*), öv Kai auröv dvaip€6f|vai und 
tCüV auTÜJv'^j qpTici. 

üciepov b' 'Opxoji^vioi Kaid xpncM^v M^Tev^TKOVrec auröv 
Tiap' auToic I9a4iav Kai ijxi-^pa\\)av iid Tij> Td<pi|j* 
*AcKpri \iky iraTf>k iroXuXrjioc, dXXÄ dai&mc 

6cTia irXtiHCinruiv th Mivmdv kot^x^^ 
*H€töbou, ToO irX€?CTOV iv dvOpidiroic kX^oc 4criv 
dvbpuhf Kpivo|i4^vuiv iy pacdvqi co9{nc. 

IL PMkkMi odar (fkibitigßg) Jobannet TketM«^): 

TeXeuia b' ö *Hcioboc ev AoKpibi toioutotpöttuuc. ^eid ttiv viKrjv, 
fiv auTÖv veviKTiK^vai 9aciv im Tr| TeXeuTri *AM(pibd|LiavTüC, tic 
AeXcpouc inoptvOx] Kai iböQx] auttp outoci ö \pY\c\i6c' 
6Xßioc ouTOC dvf)p, öc inöv böjiov d^<ptTToX€uel, 
'Hcioboc Mouqici mi^voc dBaydigci* 
ToO h* fjToi kX^oc Ictai &0V t* limcCbvoTon ipc 
'AXXd At6c ir€<pOXa£o Newton KdXXiMov dXcoc' 
*K€i T<ip Toi*^ eavdroto tAoc ireTTpuuju^vov icrfv. 



") <3ew0bnlicbe Lesart q)ujpdv, was aber weder als icXoirfi oocb als 

{pcuva ertr&glicbeu Siun gibt. Der Laurent, hat qpOopdv, waa Nietzsche 
Acta 10, 237. XXVUI, 227 und Ililler p. bereits luifgenommen haben, 
bohr i)as.seml bezieht sich darauf das folgende q)6apf)vai 6' zurück. 

Nietzsche XX VT II, 229 geht von der Unwahrscheinlichkeit aus, 
dass zwei sonst durchauä übereiuätimmende Berichte wie der onsriffe und 
PhiAarobB (s. III*) in Besn^^ auf einen Namen — Ar|fiUi6r|c, Fbitarcb 
TpidYXoc — nicht übereinstinmien sollten. Er hält die genauere und 
atren^ lokalisirte Darstellung bei Plutarch für richtiger und vermutet, dass 
der eigentliche Name TptüiAoc ausgefallen, Aniiiüöouc aber adiektivisch 
» plebejisch, popnlaris („ein geringer, gemeiner Mann") m nwsen seL 
Allerdings ist Ari.uuj&n^ sonst als Eigenname nicht belegt. Doch recht« 
fertigt Nietaeches Bedenken die Annahme einer Lücke noch niobt b^- 
reichend. 

liemhardya Aenderung üctujv (Erat. p. 241), welche nur Wester- 
mann 42, 245 (cf. Nietzsche Acta lU, 239. XXVUI, 229. Hüler p. 82^) 
anfgenommen bai^ ist unnötig, da die Begebung des aiMtv iaS die 
MOraer Hesiods ipuis klar ist 

Prolegg. ad comm. in Hes. opp. p. 15. Westermaiin p. 48, 88. 
MarckscheflFel p. 22 f. Bergk p. 24 not. Val. Rose p. 505 tf. Nietzache 
p. 18 not XXVlll, 229. Derselbe Text bei Gaisford (poet minor. 11. 
Ozon. 1820} erst unter TTpÖKXoc Atdboxoc (p. 3), dann unter Ja. Tzetses 
(p. 9). Ueoer den Autor dieses Traktats s. unten. 

Die Handschriften, Tzetzes edd. Trine, und Basil. koI ydp toi, wofür 
Heinsins aus der I^arallelstelle im Certamon kcTSi hl toi, Goettling Kai ydp 
iK€i, "Westermann 48, 96 und Nietzsche 'k€i fäp toi setzen. Als ein- 
fachste Aenderung empfiehlt sich 'ke! aus Kai; das seltenere Wort ging 
in das gewObnli<me Uber. Freilicb ist k€I ffir äc^ nur bei Arebilocbo« 
belegt: Gram. Anecd. I, 249, 27: mtpä x6 boABl KClÖi Kai 'k& Trapd 
*ApxiX6xui p. 71, 33: TÖ ^K€i ou AiOpiov ircpiciraTm xal bid Ti*iv diro- 
Kotnf^v TOU ixCiecv (1. ^Kei6i), öirep koI Kaxd irddoc ^ovoojXXaßov 



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240 



O. Fii«del: 



6 bk Tf|V iv TT€Xoirovvr|cip Nep^av (puTÜJV ev Oivöq Ti)c AoKpiöoc 
UTTÖ *Af«pupdvouc Km ravuKTopoc tOuv 0r|T^wc iralbujv dvaipeiTOi 
Ktti piirrcxai elc Tf]v OdXaccav d)c qpöeipac ifjv dbeXq)f]v dKciviuv 
Kxifi^VTiv'^, ii. f\c iftyvx\dr\ ö Cnicixopoc. eKaXeiio be fi Oivön 
Aiöc Ncpeiou \ep6v. )ji€Td hk Tpirriv fm^pav Otto beXqpivujv irpdc 
TÖv alTta\6v ^HrixOn "^o c&na iLieTo^u AoKpiboc kuI 6ußoiac xal 
leavpav ciOtöv AoKpol dv Nen^cji ifl iftc Olvöric. o\ hk <pov€ic auToO 
vnöc £7TißdvT€C dTTCipÄVTo (pu^eiv, x^tM'J'vi hk bi€<p8dpr|cav. 'Opxo- 
jm^vioi b* ucTcpov KttTd xpncMÖv dvcTKÖvrec td 'Hciööou dexa ed- 
irrouciv inecri ir) diropa Kai ^ireYpaM^av tdbe' 

*AcKpn M^v TTttTplc 7ToXuXr|ioc, dXXd OavövTOC 
öcTe'a TrXriHiTTTTLUv Mivuüuv Kaie'xei 

*Hci6bou, ToO irXeiCTOv ev dvOpujTTOic KXeoc eCTiv 
dvbpuiv Kpivofievuiv 4v ßacdvoic^^) coq)inc 



T^IWCv KCl. Eiuc Stelle bei Eratosthenes bleibt unsicher (Hiller p. 61). 
Allein die aucii bin IToracr vorkommcndou Formen von Kelvoc sowie das 
KelBi der ParuIIelbiulle dienen di r Aenderuug zur Stütze. 

") Krtja^vTiv. Die in den Hdsehr. und Ton HiMrckaeheffel p. 23. 26. 
32 (Trincavell. KTCtjui^vii) KriiM^vri genannte Schwestor heisat weiter 
oben bei Tzct/<'s KXuu^vr): *ApiCTüT^\r|C . , . Crrici'xopov töv neXoTTOiov 
€Tva( (pY]Ci ulüv Hciüöou Tf\c KXujuivrjc auriu ^tw^O^viu Tfjc Aficpi- 
«pdvouc Kai ravÜKxopoc dfeeXtpiic, BuTaxpoc bi <t>»vftu)c. Da nun auch bei 
ProU. Scholl, ad Hes. op]>. 268 ateht: OiXöxopoc bk Crticixopöv (pr\c\ 
t6v dii6 KXvM^nCt so hat Wittenbach ad Plni morall. 162C (t. VI p. 985) 
auch an unsrcr St«'lle dies eingesetzt, was dann Gaihford, Güttiiug (prat-f. 
Ylll not. **), Welckcr (Kl. Sehr. 1 p. 157 ff.) Kose (p. 506 f.) haben. Allein 
Kxripfevr] führt doch viel natürlicher auf KTip^vr^, und dies hat auch 
Westermann p. 48, 82. 49, 100 verbessert, Bergk p. 25 not. (und Kuhn 
ad Paus. TX, iil, 5) weiter begründet, Nietzsche Acta p. 18 not. XXVIII, 
223. 280. Hiller p. 81 angenommen. Danach ist überall KTitA^n zu lesen. 
Der Name ut auch sonst belegt: Horn, o 363: 

oOvcKa pi' ouT^i ep^H^ev ä^a Krip^vTi TavüirfirXt|i' 
femer wird er noch besonders durch den verwandten dea Ktimenos bei 
Eratosthenes, Pausanias (n. V), Suidas (n. VI) gestüt-zt, da oft in (Jcnoa- 
logioen dergleichen ähnliche Geschwister- und Gattennaraen vorkommen; 
cf. Nietzsche XXVIIl. p. 224. 230. Die Verderbnis von KTi/atvi] in das 
belnuintere KXup^ ist mit J. Schmidt de Herodotea^ qnae fertor vita 
Homeri p. 84, 3 vielleicht zn erklären aus einer Reminiscenz, welche die 
Uehertragung des ietischen Namens der Mutter Homers auf Hesiods Ge- 
liebte verursachte. — Abweichend Welcker (Marcksch. p. 25), geg^n den 
Hermann, opusc VI, 1, p. 152. 

i<>) Wyttenbaeh ad 162C (VI, p. 986 f.) nach Gert irpoccvcxO^mK für 
m\%ßr\ iEriv^xÖn» was Marcksch. p. 30*' billigt. Eine Verwechslung war 
leicht, und ^triv^x^n ist gerade in Bezug auf den hier geschilderten 
Vorgang recht üblich: llerod. I, 24. 23. Vlll, 49. 76. (Thuk. I, 64. 
IV, 12). Plut. terrestr. an aquat c. 36 p. 984 E (t. IV, p. 993) p. 986 A. 
Enrip. Hec. 701. Chaxito 7, 6. Gleiohwol liegt ein zwingender Gnind 
sor Aendening nicht vor. 

Rose p. 507 und WcKtennann ziehen der überlieferten Form 
ßacdvoic ßacdvuj vor, was sich im Certamen findet und überhaupt das 
Gewöhnlichere ist. Graphisch ist die Korrektur sehr leicht^ nötig freilich 
ist ne nicht (ßdcovoi bei Plat legg. XU, p. 946C). 



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Die Sage vom Todü Hcüoda. 



241 



tTTtTpttMJt 5t Ktti TTivbapoc* 

Xaipe bic nßncac Kai h\c 161900 dvTißoXr|cac, 
*Hciob\ dvepuJTTOic ^eipov txujv cucpinc 

in. Plutaroh an mehreren Stellen. 

a) ConT. sepi aap. c. 19 p. 162C. (t. I p. 639 ff. Wjrtt)^): 

Eben hat Gorgias die wunderbare Bettung des Axion durch 
Delphine erzSUt, da sagt Solen zu Diokles: &kä Taüra M^v, lü 
AiökXcic, dTT^c GciXyv icvu m\ Ciiiep f)^dc' dvOpt^mvov hk koI 
irp6c fifific TÖ ToC 'Hciöbou TrdOoc* dic^Koac yäp Xcmc t6v Xöyov. 
OOk lfwj€' elirov (D. spricht von sieh). *AXX& Mf|V dStov/ruB^cOai. 
MiXiidou T^p, d>c loiK€V, dvbp6c, ^ SevCac ^Koivurvei 'Hdo^oc xal 
biaiTi]C dv AoKpotc, toG ^vou Ourorpl Kpu<pa cutt^vom^vou kqI 
<pujpa8dvToc öiroMiCav kx€V die tvouc dir' dpxnc xal cuvemKpuqiac 
TÖ dbixivia fiTibcvdc öiv atnoc, öprfic b^ Kaip<|i Ka\ biaßoXi) irepi- 
1TCCUIV dbddüc *AirdicT6ivov yäp aüftöv ol tflc iraibCcioic db€X<pol 
irepl t6 AoKpiKÖv Ndfieiov lv€bpeOcavT€C xal mct* aöroO t6v 
dKÖXouOov, t|i TptüiiXoc f^v ^vofxa. Tuiv b^ cuipdruiv elc rf^v 6dXac- 
cov dicö^vTuiv t6 pfcv Toö TpuitXou elc t6v Ädqpvov TroTafiöv Icui**) 
(pcpöiüievov dTrecx^Bn TrepiKXOcTip xoipdbi ^ixpöv dir^p Tf|V OdXac- 
cav dvexoiiq)*^). ica\ ^^xpi vOv TpiuiXoc f\ xoipdc KaXeirar toO 
'Hciöbou TÖv v€Kp6v euGuc dTrö thc uTToXaßoöca beXq)iviüV dTeXri 
TTpöc TO Piov ^KÖiniJe Kai Tr^v MoXuKpiav*^). '€tutX<»V€ bk AoKpoic 
fl Twv *Piuiv KaGecTüüca Bucia xai iravrjTupic, ?\\ öcfoiKxy In vOv 
iTcpiqxivi&c irepl t6v töttov dKcivov ibc uj(p9t) npocqpepöficvov 
t6 oSipuif doufidcavTCC die eUdc in\ t^iv dicTf|v Kcrr^bpofiov Ka\ 



Marcksch. p.24f. Rose p.ölOf. Bergkp.22f. Nietzsche XXVIII p. 228. 

'■"j IcWf handßchnftlioh ftuj. Als „hinaus" kann inau IEuj nicht fassen, 
da €ic TÖV Ad<pvov KOTajaöv dabei btebt; als „draimi^cn'' ebenfalk nicht, 
da dann durch das xu (Sem allein in siehende q)€pöpevov (drausnen um- 
bergetrieben) das Torherige eic t6v A. it. ohne Besiehnng bliebe. Am 
leichtesten i^t Roses Aenderung (p. 511) in IcMi. Möglich ist freilich 
auch eine Verderbnis aus dem — ohne v allerdings selteneren - ^tujöe 
oder die Umstellung des iiiu hinter q>epüfatvov und seine Verbindung 
mit toqc^On* >*det (auf) in den Daphnosflass (zu) hineintreibende Leich- 
nam wurde dmusten (an der Mündung) au einer ein wenig aus dem 
Meere hervorstehenden Klippe festgehalten.'* Zum Meere passt ßu» vor- 
tretllich; und dass die Klippe im Meere selbst sich befand, zeigt sowoi 
die Stelle als auch der Name x^^pdc, welcher fast nur von detgleichen 
im Meere befindlichen Felsb&nken gebraucht wird. Suid.: ic^pai Xdat 
eaXdccr) f\ iSoxal f| öxOn Trcrpubv. Herodian. epim« p. 158: xoip^ 9a- 
Aocda n^Tpa. Anth. Palat. Iß. 

*^ Dies, nicht ÜTTexoucq (Kose) scheint statt des handscliriftlichen 
direxoOq) vorzuziehen. 

") Die Ton PalmeriuR graec. antiq. IV, SO p. 486 vorgeschlagene 
Aenderung Kard rfiv M. ist nicht nötig, da man sehr gut mit Wytten- 
bach VI p. 986 die Worte als £v öid öuotv t6 'Piov MoXOKpiov Stiabo) 
erklären kann. 



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242 



0. Friedel: 



fViupicavTec In Trpöcq)aTOV töv^*) veKpov ctTtavTa beurepa toö 
2r|T€Tv Tov qpovov €ttoioOvto bid Tf]V boEav tou 'Hciööou. Kai 
TouTO |nev laxeuuc lirpa^av, eupövxec toi»c cpoveTc auToOc xe Ydp 
KttTeTTÖvricav Z[OuvTac xai Tf|v oiKiav Kai^CKavpav ^^). — didcpri bk 
6 *Hcioboc TTpoc TU) Neiueiiu' xöv xdqpov ol ttoXXoi xujv Hevuuv 
ouK icaciv, dXX* dTTOK^KpuTTxai iÜriTouiLievoc uit' *Opxo/i€Viujv, üjc 
q>aci, ßouXofi^vuJV Kaxd xpn^M^v dveX^cGai rd Xeiipava Kai Qa\^ai 
Txap' auxoTc. 

b) terrestriane an aqiiatilia animalia siut callidiora c. 13 

p. 969 E. (t IV. p. 933 Wyit.y^): 

Es ist erzHhlt worden, wie mittels eines trenen Hundes durch 
Fjrrhiis die Mörder von dessen Herrn entdeckt seien: 

TaCra bk m\ 'Hciöbou KÖva xoC coqpoC bpdcai X^touci, touc 
ravuKTopoc ^eX^T^avTa toO NcniitaicTiou iraiöac, i&<p* div'Hdoboc 
dic^6av6V. 

c) ebenda c. 86 p. 984D. (i IV. p. 992 Wjti): 

Nachdem die Delphine besonders ihrer xmeigenniltzigeu Menschen- 
liebe wegen gerühmt sind, wird fortgefahren: 

'Hci6bou tk Kaxd Kaipöv aöidc fmdc, (h cpiXe, dv^fiviicac* 
drdp oö T^oc !k€0 mOSüiv. "Ebci bfc töv Kt5va alriacdiLicvov*') 
irapaXmctv xoiic bcXcpfvac* Tuq>Xdv tdp nv x6 lirjvupa toO Kuvdc 
öXaicToOvTOC Kai ^^Td ßoflc dnKpepofi^vou to?c «povcOctv, ei \xr\ t6v 
vcKp6v^ irepl t6 N^gciov 6aXdcq) bia9€p6)Li€vov dpdjiievoi bcXiptvec 
iTcpoi irop' ^T^puiv ^Kbexöjiievoi irpoOuiiiuic €ic t6 *Piov ^icO^vrec 
fbciHav kq)aYiLi^VOV. 



^ Hinter Trpöc^aTOv darf man wol dem Trpocq>€p6^€vov t6 al^iita 
analog oin leicht übersehenes, aber uiiRern entbehrtes t6v einschieben. 

'^^) Durch Ydp wird der Grund für das Vorhergehende etwas imkhir 
angeführt. 2rjT€lv töv qpövov ist prägnant zu fassen nicht blos als : „dem 
Morde nachspüren", sondern: „den Mord nachspürend ahnden". 0övov 
mit Nietzsche XXVIII p. 228 in <pov^a sn Andern ist niofat nötig. 

") Marcksch. p. 26. Wyttenb. t VI p. 984 f. Bergk p. 26. Hiller p. 90. 
Das handschr. atxricdinevov, welches keinen Sinn gibt, aber von 
Nietzsche XXVIII p. 232 beibehalten wird, korrigirt Xjlander in aixia- 
cdMCvov, nnd Meiinacns in olvrjcdpevov eiratv^cavra nach Wyttenbach, 
der dies aber wol kaum [Hiller p. 90] für alxncdpevov oinsetsen will). 
Ein Begrift' wie ,, anführen" wird verlangt; er findet sich in dem nächst- 
liegenden AIT1ACAM6N0N , welches neben Heiuen gewöhnlicheren Be- 
deutimgen auch = praedicare, dicere ist. Plat. Staat X, p. 599 E : ci (Homer) 
bk Tic aiTtArm ivöXtc voMo8^Tr|v &faMv nrrov^ai xal apAc UKpeX^K^^ai ; 

**) Hinter q)ov€Ociv ergänzt Me/iriacus vor rrepl: cl Mf| töv vcKpöv, 
Reieke blos fl in) , wo^iei freilich das folgende ftia<p€p6pevov und 
^C9aYP^vov ohne deutliche Beziehung bleibt. Wittenbach schreibt zu 
p. 162 C (t. VI, p. übi; d pi^, aber unter dem Text zu c. 36 (t. IV p. 992) 
«ieht er €t |ifk t6v vcxpöv yor. Nlelmche 1. 1. interpungirt; ^<p€pO|i4vou 
T. (pov€Oov ircpl T. N^peiov, 0. b. dp. b.\ doch ist die Constmction ge- 
zwungen nnd gegen Ende fast unverständlich. Ueber seine dieser Auf- 
fassung zu Grunde liegende Ansicht später. Eine Lücke scheint uot- 



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Die Sage ^om Tode Hesiodi. 



243 



IV. PoUux V, 42.*»): 

o\ Ö4 'Hciöbou (Kuvec) TrapajüicCvavTec aöxi^ dvaip€6dvTi 
KaTifiXetSov öXaid} joix, «poveucovrac 

V. Fansanias IX, 31, 5 {G): 

'€vavTia Ka\ de toO 'Hciöbou ri\v xeXeuTfiv dctiv eipiijAdva. 
Än M^v ydp ol waibec toO favuicTopoc KrC^evoc xai "Avriqioc 
^<puTOV MoXuKpiav Ik NauTidicTOu biä ToO *Hci6bou t6v <pövov 
xm auTÖGi dceßncaciv TToceibujva iflvero xfl MoXuKpiqi cq)(civ 
fl b'iKTi, Tttbe n^v Ka\ o\ irdvTec xaid xaurd elpriKacr xfiv bk 
db€Xq)f)V Tiuv veaviCKUJV oi pev aXXou tou qpaciv aicxOvavTOC 'Hcio- 
bov XaßeTv oOk dXr|0f| Tf)v toO dbiKt^ijaToc botav, oi bk ^kcivou 
T€vtceai TO ^pfov. id |.iev bf) 'Hciobov Kai aürdv Kai ic id 
Ini) bidq>opa iiii tocoutov cipniau 

TL SnidM s. 'Hdo&oc*<>): 

^T€X€UTr|ce b' ^TTiHevLuGeic irap' 'AvTicpuj kqi Kiijatviu, oi 
vuKTiüp böSaviec dvaipeiv q)6op€a dbeXq>nc auTÜüv dvtiXov töv 
*Hcbbov dKOvrec. 

In welchem VerlilltmB stehen nun die eben angeführten Quellen, 
und welche Gruppen eind unter ihnen aniunehmen? Stellen wir su- 
nSchst sttmmtliohe Angaben nach einxehien Punkten sneammen. 

Von der Fahrt nach Delphi und dem das Ende des Hesiod 
betreffenden OrakeUpruche berichten: der Auetor, Tsetses, Thu- 

kjdide8.>0 

Als Ort der Handlung in weiterem Umfange wird Lokris 
oder (Mnoe in Lokris genannt vom Auotor, Tsetm, Plutarch Conv. 
(Fiousanias Naupaktos?), im engeren Sinne das Heiligtum des 
Zeus Nemmos vom Auotor, Tzetses, Plutarch, Thukydides. 

M&rder Hesiods sind Amphiphanes und Ganyktor, die Söhne 
des Phegeus, beim Auetor und Tzetzes; Antiphos und Ktimenos, 
die Söhne des Ganyktor, bei Eratosthenes und Pausanias. Letztere 
ohne Nennung des Vaters bei Suidas; der Vater Ganyktor allein 
bei Plutarch (anim. solL 13), der an andrer Steile (OonY* 19) jeden 
Namen weglässt. 

Die Schwester wird vom Auotor, Tzetzey, Eratosthenes, Plu- 
tarob, Suidas, Pausanias einmütig angeführt, mit Namen (Kiifi^vn) 
genannt blos von Tzetses. 



notwendig anzunehmen; die auagefallenen Worte freilich sind nicht mit 
Bestimmtheit anzugeben, ohwol der Sinn ganz klar ist. Das Wahr- 
BcheinUchöte bleibt wol ei y^i] t6v v€Kp6v. Oder liegt ein aus 90V€öciv 
tu entnehmendes luic (t6 c(h^a) nfther? 

MarckBoh. p. 26. Bergk p. 28. 

Westeraiann p. 50, 9, Becgk p. 25 not 
•») S. Anm. 2. 



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244 



0. Fried^: 



Ihr Sohn heisst bei Tzetzes Stesichoros, bei Eraioütliüuet) macht 
sie gleich nach der Verführung ihrem Leben ein Ende. 

Ein Begleiter Hesiods findet sich nicht beim Auetor und 
Tzetzes, sondern nur bei Eratosthenes, Plutarch (Conv.) und wol 
auch bei Pausanias (dXXou TOU . . • . akxövavTOc) wie Suidas ((pOopea 
dbeX(pfic aÖTUiv). Sein Name ist bei Eratoethenes Demodes, bei 
Flataroh TroiloB. 

Die Schuld Hesiods wird direkt geleugnet von Flutarch (Conv.) 
nnd Eratosthenes (Tf)v TrapBdvov .... (pGap^vai Oirö Tivoc Hvov 
cuvöbou ToO *Hciobou), wird höchst wahrscheinlich angenommen 
Tom Anctor (dirovo^cavrec . . . Tfjv db€X(pf|V aM^hf MOixeOeiv töv 
*Hciobov) und Tzetzes (übe (pOeipac Tf|V Äb€X<pfkv dKcivuiv); die ge- 
teilte Annahme von Schnldoder Qnsohnld konstatirt Pausanias» ohne 
sich selbst za entscheiden. Eine nnabsiehtliehe TOdtnng Hesiods 
(dKOVT€c) fOhxt yeremzelt an Saidas. 

Die Ermordung Hesiods wird von allen berichtet, Ton Era- 
tosthenes und Flutarch (Conv.) ausserdem noch die d^eichzettige) 
des Gefiüirten; und zwar nach Plutarch: ircpi t6 AoicpiKÖv N^^eiov 
dvebpeOcavTCC, nach Suidas sonst abweichender Angabe v^KTUip. 

Ins Meer geworfen wird der Leichnam beim Auetor, Tzetzes, 
Plutarch (Conv. und anim. solL 36) ^ aber nur beim Auetor wird 
der Ort genauer als TÖ Tf)c Ci^ßoiac ('Axoiac?) Kai rnc 

AoKpiboc TTeXatoc angegeben. 

Die Entdeckung der Mörder durch den Hund (nach PoUux: 
die Hunde) wird verzeichnet von Plutarch (anim. soll. 13. 3G) und 
Pollux, die Mitwirkung der Delphine vom Auotor, Tzetzes, Plutarch 
(Conv. und anim. solL 36). 

Die Zwischenzeit vom Morde bis zur Entdeckung ist nach 
dem Auetor und Tzetzes drei Tage, nach Plutarch (Conv.) geschieht 
die Entdeckung an demselben Tage; unentschied^ bleibt Plutareh 
(anim. soll. 36). 

Der Landungsort des Leichnams ist nach dem Auetor der 
Meeresstrand, nach Tzetzes genauer der Strand zwischen Lokris und 
Euboea, nach Plutarch Rhion (und Molykria, Conv.). 

Das Schicksal der Leiche des Troilos erzählt allein 
Plutarch. 

Das Fest war — wenn niclit im MoXuKpiac zu lesen — ein 
der Ariadne gefeiertes nach dem Auetor, wurdt; 'Pia genannt nach 
Plutax-ch (Conv.), war nach Pausanias vielleicht dem Poseidon heilig. 

Von einer Fluclit der Mörder nach Molykria von Kaupaktos 
berichtet allein Pausanias. 

Das Begräbnis erwähnen der Auetor, mit genauerer Be- 
zeichnung des Ortes (ev He^iq. T!]C Oivönc) Tzetzes und (npoc 
Tip NepeiLu) Plutarch (Conv.). 

Das Aufsuchen der Mörder berichten der Auetor und 
Plutarch (Conv.). 



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Die Sage Tem Tode 



245 



Die Bestrafung der Mörder geschieht 

a) dui'ch die Götter beim Anctor (hier AUddaiiiae): oOc 
Kcrrd fkcov t6v ttXoOv (sc. eic KprjTTiv) 6 Zeuc KcpouviiKac kotc- 
ir6vTU)C€v; bei Tzetzes: x^iM'A'Vi bi€<p8(ipTicav. 

b) durch Menschen bei Eratosthenes: TrpoeipriM^vri 
alTi<^ dvaXövTttc cqpaTiacOnvm GcoTc toTc Eevioic* bei Plutarch 
(Conv.) : auTOuc xe Yotp KarcTTÖvricav Zuivrac xai Tf)V oIkiov kot^- 
cxatjiav; bei Pausanias: ^x^vexo Tf| MoXuKpiqt ccpiciv r\ h\YX\. 

Von den mannigfachen Abweichungen sind für die Beurteilung 
des Quelleuverbttltnisses am entscheidendsten diejenigen, welche sich 
auf die Namen der Mörder, auf Schuld oder Unschuld Hesiods, auf 
die Bestrafung der Mörder beziehen. 

Die Vergleichung der betreffenden Stellen lehrt sofort, dass 
auf der einen Seite stets der Auetor und Tzetzes, auf der andern — 
' mit grösseren oder geringeren Abweichungen — alle übrigen stehen. 
Der Anctor und Tzetzes nennen den Vater Phegens, die Söhne 
Amphiphanes und Ganyktor; Eratosthenes und i'ausanias ersteren 
Ganyktor, letztere Ktimenos und Antiphon;. Zu diesen gehört auch 
Snidas, welcher den Namen des Vaters weglässt, und Plutarch de 
anim. soll., welcher nur ihn nennt. Dass man auch Plutarch Conv., 
welcher überhaupt keine Nainen liat, hierzu zahlen müsse, Lisst sich 
aus dieser Stelle nicht ersehen, wird aber an den andern entschieden 
hervortreten. 

Was nun Hesiods Schuld betrifft, so gibt Pausanias eine doppelte 
und zwar gegensätzliche Fassung der Sage ausdrücklich an. Auch 
die andern Quellen deuten darauf hin. Zunächst ist auffällig, dass 
der Auetor und Tzetzes keine Silbe von einem Begleiter Hesiods 
erwähnen, dem Plutarch Conv. sogar eine genauere Berücksichtigung 
schenkt, und den auch Eratosthenes sowie vielleicht Suidas anführt 
Sehen wir aber zu, welche Bolle dieser Begleiter hat, so tritt uns 
dmr GegeiiBttts der Quellen deutlich vor Angen. Plvtaieh spriebt 
yielleic&t in bewvsstem Gegeusak sa entgegengesettten Ansioliteii 
— entBchieden fttr Hesiods ünsdiold nidit nur rttctoiolitlieh der 
That, 8(»deni sogar der Ifitwisseneehafty und wSkt alle Sohvld auf 
den Begleiter Hesiods. Letiteres thut ebenfi^ EratosÜienes. Nun 
gebt aber ans Pausanias dentUob beryor — wie dies Plntarehs Stelle 
im ehnelnen Palle bestätigt — , dass die, welolie Hesiods Sehnld 
leugneten, den Begleiter oder wenigstens jemand, auf den nie die 
Sebnld Inden, einfttbrton. Dagegen erwähnt Pausamas bei denen, 
welche ihn fttr sehnldig hielten, keinen Begleiter und brauöht es 
audi niefat Daraus darf man doeh wol, gesttttst auf die innere 
Wahrscheinliehkeit der Saohe selbst folgern, dass alle, welehe den 
Begleiter oder einen andern Schuldigen nicbt erwähnen, Hesiod fttr 
schuldig gehalten haben. Das trifft aber den Auetor und Tzetzes, 
und von ihnen behauptet es Beigk i». S6 auch geradezu. Man wird 
nicht einwenden kttnnen, dass die Berichte haiiiwr aWkflrgt oder su 




tized by 



246 



0. Fhedel: 



kurz seien, und dass somit der Begleiter leicht weggelassen werden 
konnte : denn einmal ist der Auetor in andern unwichtigem Punkten 
ausführlich genug; und sodann ist eine Verkürzung gerade durch 
Streicliiing dieses entscheidenden Punktes nicht gut denkbar und 
würde auch nicht so spurlos haben geschehen können. Geradezu 
aber spricht für unsre Behauptung schliesslich die beim Auctor gleich 
darauf in direktem Gegensatz angeführte Ansicht des Eratosthenes. 
Denn hierbei i^t gerade das zu betonen, dass ganz geschickt nur 
die Momente hervorgehoben sind, in welchen die Eratosthenische 
Ansicht von der eben vorgetragenen wesentlich abweiolit: nSmlich 
die Namen, die Schuld, die BeitnAmg. Biatos&aies aber sMlto 
Hesiod als imsohnldig dar. Der Anetor und nach ihm TsetM 
glaubten also an Henods Scbnld; alle andern dagegen, wie Eratosthe- 
nes, Flntarch vnd in abweichender Form anob Saidas, lengneten sie. 
Somit treten tauk hier der Anetor und Taetses in entaduedenen 
Gegensatz zu Eratosthenes und Hutazefa. 

Noch mannigfaltiger sind die Angaben ttber die Bestrafimg 
der Mdrder. Doch haben der Auetor und Tsetzes auoh hier das Ge- 
mdnsame, dass sie bei ihnen wihrend ihrer Flucht auf offnem Meere 
(xaTd M^cov t6v irXoiyv — vndc imßdvrcc) durch ein Unwetter 
(Z^iK K€ponfV((Kac — x^^^^)» slso direkt durch die Hand der 
Götter umkommen. Eratosthenes, Plutaroh Cony. und Bausanias 
geben einmütig eine Bestrafung durch menschliche Justb an, freilieh 
mit einigen weiter unten zu besprechenden Verschiedenheiten. So 
viel steht fest, dass der Auctor und Tzetzes auch hierin mit den 
übrigen nicht zu vereinigen sind. Dieser C^ensatz wird durch 
einige allerdings mehr nebensächliche Momente weiter bestätigt So 
herichtet Tzetzes angeblich nach Aristoteles, dass Stesiehoros der 
Sohn Hesiods und der Ktimene gewesen; Eratosthenes dagegen läset 
letztere gleich nach der Verführung sich erhängen. Femer wird 
nach dem Auctor und Tzetzes der Leichnam erst am dritten Tage 
von den Delphinen nach dem Gestade getragen, nach Plutaroh Conv. 
sofort nachdem er ins Meer geworfen ist. 

Betrachten wir jetzt jede der beiden Gruppen näher, und zwar 
Zug für Zug. 

Zunächst Eratosthenes, Plutaroh, Suidas, Pausanias. 

Dass Eratosthenes, der berühmte alexandrinische Univeryalist, 
ein Gedicht unter dem Titel 'Hcioboc f| *AvTepiviJC grschrieben, 
braucht nach Bergks Darlegung nicht weiter bewiesen zu werden; 
ebensowenig, dass aus demselben die vom Auctor angegebene ver- 
schiedene Fassung der Hesiodsage entlehnt ist. Leider ist sie sehr 
kurz und beschränkt sich, wie schon angedeutet, nur auf die w^esent- 
lichen Punkte, in denen Eratosthenes von der vorher angegebenen 
Sage sibweicht. Allein man wird immerhin, gestützt auf die all- 
gemeine L'ebereinstinimung zwischen Eratosthenes und Plutaroh an- 
uehmeu dürfen, dass auch in den Punkten Eratosthenes mit Plutarch 



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Die Sage vom Tode Henods. 



247 



stimme, wo nicht das Gegenteil bewiesen oder wahrscheinlich ge- 
macht werden kann. 80 heiyst es bei riiitarch, der Begleiter Hesiods 
habe das Mädchen verführt und sei dabei ertappt worden, bei Era- 
tostheues wird blos von der Verführung gesprochen; indessen ist 
jenes zweite nicht ausgeschlossen. Ferner wird bei Plutarch der Be- 
gleiter mit Hesiod zugleich getödtet, von Kratosthenes sagt der Auctor 
nur, dass bei ihm der Begleiter „auch" von den Brüdeni getödtet 
worden sei. Die Angabe aus Eratosthenes ist eben sehr summarisch. 

An zwei Punkten jedoch vermag ich keine völlige Uebereiu- 
Stimmung zu erzielen. 

Hesiods KeisegefUhrte ist nach Plutarch Troilus aus Milet, nach 
Eratosthenes Demodes. Nietzsches Annahme (Anm. 13), welcher 
brmuf&ouc adjektivisch fasat und in die dahinter anzunehmende Lücke 
TpiwiXou einsetzt, scheint mir nicht him-eichend begründet. 

Grösser ist die Differenz in Bezug auf die Bestrafung der Mörder. 
Eratosthenes wird gerade hiertlber — eben wegen des Gegensatzes zu 
Alkidamas — ziemlich genau dtirt: nach ihm sind jene auf Grund 
der whtwrw ihnteii Sohnld (Hesiod getfldtoi zn haben) überführt, 
den CUHiem des Gastreehts rem Seher Eorjkles geopfert worden. 

Ss ist hier btt cqHxtu&ZecOai an em wirUiohes Schlachtopfer 
und nicht ganx allgemein an «n auch unter anderen Biten so weihen- 
des Sflhnopfer sa denken; denn es bedeutet mactare, Tictimas ingn- 
lare, hostias maoiare, saerificare mactatis hostiis, nnd gerade sein 
Stammwort cipdriov wird oft Ton der Opferung eines Menschen ge- 
bnoeht''). Audi irt es gerade der Ausdnusk, wekher am meisten 
und eSgentliehsten sur Beseiohnung der Thitigkeit des fidvnc^ 
dient Ein wirkliches Schlachtopftor aber zur Sühne des Mordes 
gegenüber den beleidigten Ocol E^vtoi durch die Hand des Priesters 
ist ftr unsere Stelle durchaus passend. — Das Festhalten an dem 
sprachlich und gedanklich richtigen c<paTiacOf|voi in Eratosthenes* 
Bericht hat jedoch den Widerspruch desselben mit dem Flutordiischen 
zur Folge, wo die Mörder lebendig ins Meer versenkt werden und 
ihr Haus niedergerissen wird. Auch diese an unserer Stelle ganz 
angemessene Art der Strafe ist anderwärts gut beglaubigt Das 
KaTa7TOVTi2[€iv oder KOtrairovroGv wurde sowol an Todten oder schon 
Hingerichteten yorgenommen als auch an noch Lebenden^), und 



'*) Eur. Hec. III: cf|v iralb' 'AxiXei c(p(5Tiov e^cGat. 121: 6i5dvai 
Timßuu cqxiriov. Or. 628. Ion 278. Pseudo-Demosth. 60, 29. Cf. Plat. 
Staat Ul, p. 391 B. Herod. V, 6. Mit dem Dativ wie hier: Berod. VI, 70. 
Xen. Anab. IV, 5, 8. Hellen. IV, 2, 20. Plut Thet. 27. Diodor. 18, 86. 

Hut. Mor. p. 22 lA. 

Anab. IV, 6, 8. IV, 3, 18. Thukyd. VI, 69. 

Hermann, griech. Antiq. III, 72, 26. Plut. de orac. Pyih, p. 40.3 C: 
äir^KTeiv€ Kai xo cuüjua KaT€TrövTiCfcv ^jaßaXÜJv elc 9opjui6v. ^üitiph. 5, 69: 
fjbi) Tc tcOvcAto oöt^ int* i|ioO tvMc de rö vMiw Karairovribceic. 
Cf. Anton. Liberal. 13: t6 hi cOüna toO Tupdvvou Kaxcirövriucav elc irOTOiüi^ 
ip^oXövTcc Demofth. adv. Arirtoor. ft. 169: Die Kardisner Aaßdvrec ml 



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248 



0. Fxiedel: 



gerade dies wird hier l)ei Plutarch besonders hervorgehoben. Das 
KaracKOtTTTeiv Tf]V oiKiav aber war eine besonders bei Hochverrätern 
öfter eintretende, zu Vermögenseinziehung oder andrer Busse noch 
hinzukommende Strafe. Erwähnt wird sie von Sparta, desgleichen 
von Argos, allein hier mehr als ein Akt tumultnarischer Volks- 
justiz ^'M. Und ist denn au unsrer Stelle nun das eine wie das andre 
nicht durchaus angemessen? Wegen der Berühmtheit des Silngera 
haben die Lokrer nichts Angelegentlicheres zu thun, als dem Morde 
nachzuspüren; sie führen es schnell aus; ebensoschnell wie sie die 
Mörder gefunden, bestrafen sie dieselben auch: das über des Sängers 
Mord entrüstete Volk stürzt die Mörder mit grausiger Wiederver- 
geltung in das Meer, in welches sie den Leichnam des Sängers ge- 
wprfen, und reisst ihr Haus nieder, damit das Land keine Erinnerung 
an die Frevler tra<^'e. Das ist eine bewegte, poetisch gedachte 
Handlung; sie entspricht der Art Plutarchs, der uns die liettung 
des Arion in gleich trefflicher Fonn erzählt hat. 

Diese Vorgänge können sich aber unmöglich in Eratosthenes' 
Worten verbergen. Wir stehen somit vor einer Alternative: die 
beiden Fassmigen cq>aYiac6f)vai und Kareirövricav 2!aiVTac sind nicht 
in Einklang zn bringen: abo ist die Teraehiedenheit entweder einfach 
anznerkeimea oder dureb Ecngektnr zu beBeitigen. Nmi wäre ja eine 
Aenderong des C^ATIACeHNAI in 'ATlACeHNAI oder ^AfNICeH- 
NAI oder 'ATlCeHNAI^ leicht ansftbrbar, und dadurch wflrden wir 
den allgemeinen Begriff des Opfems oder Weihens erhalten, welcher 
uch zu der Flutarohisohen Angabe yerhalten wttrde wie das Genus 
zur Species. Allein dann bleiben immer noch zwei Punkte, in denen 
der doch so abg^kQzsto Eratosthenes Genaueres, Anderes berichtet, 
als der ausftlhrliche Plutarch. Und weshalb soll man schliesslich 
blos um eine sonst yermnteto Einheit zwischen Quellen hersusteUen, 
eine an sich gar nicht nötige Aenderung im Texte Tomehmen? Es 
wird also wol auch hier eine Abweichung in sonst ttbereinstimmen- 
den Quellen zu verzeichnen sein'^. 

auTÖv (Miltokythes) kqI t6v ul6v dvaTOfAvTec €lc t6 tt^Xotoc bf irXofqi tAv 

idv viöv &Tiic(pa^av, ^kcivov ^" ^mhövra töv ulöv drrocqpaTTÖpevov KaT€- 
TiüvTicav. Plutarch. Dion 58: Ik^tiic . . . ^K^Xeuct Karü ttXoöv dTrocqpciEavxac 
^KßoXeiv elc t»^v edXaccav (nämlich die Aristomache und Arete). oi bi libcac 
iti Karaicovricef^vm Xitoua. Polyb. XV, 2,6: Vy' . . . iiiavax6ivra (xä 
irXota) KaTa-rrovricri touc irp€cßeuTdc AiMh Athen. X, 1% p. 443 A. XIV, 
a, p. 621 A. Cf. Herod. III, 30. 

Wachsmuth, hellen. Altertumskunde II, 203. Dazu Anm. 79. — 
II, 140. Anm. 78°. Thukyd. V, 63. 

**) Smdas: äyxatBbfXWV' dq»i€puf06rrufv. Hesych.: &YtdZeiv' äfxo- 
TTOicTv Kai Ka0a{peiv toTc v€Kpotc. Derselbe: ä^vicai- dnoGOcai. Beklc. 
C\)vaf. XtE. XP1<^- ^ä*»^» ^' d'fv(car tö Böcai Kai biaqpOctpat Kar' dvTicppaciv. 
Mit ä^fidliw gleichbcdeuteud iut ä^ilexv^ consecrare. är(\dZ^iy/ und ixp^i- 
Z&v werden Stt Tertaiucht; Bast ad Longtn. p. 689 ed. Weisk. 

") Noch «'in mOglichcs Bedenken bf-trcirs der SchuUlfrago sei hier 
erwähnt. Bei Flntarä wird Hesiod von den Brddero getötet, weil er 



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Die Sage Tom Tode Henoda. 249 

Wie stellen sich nun die Eikllirer zu dieser Frage? 

Bergk (p. 21 — 23) zunächst berührt die Verschiedenheit im 
Namen des Begleiters gar nicht, und leitet überhaupt an einer Stelle 
den Bericht des Plutarch auch nur vornehmlich — ad Eratosthenem 
potissimum auctoreui refero — aus Kratosthenes ab. Nicht ganz im 
Rechte scheint er freilich zu sein, wenn er gleich darauf behauptet: 
apud Plutarchum ipsi Locrenses poenas sumunt, prorsus ut est apud 
Eratosthenem. Allerdings vollziehen an Ijeiden Stellen die Lokrer 
die Strafe, aber nicht in derselben Weise. Schliesslich sucht er die 
Ueboreinstimmung der Berichte über die Bestrafung wahracheinlich 
zu machen (p. 24). Die Lokrer, meint er, hätten nicht private Bache 
nehmen, sondern als Gesammtheit strafen wollen. Daher hätten sie, 
um ihr Land nicht mit dem Blute der üol)elthäter zu betleckon, die- 
selben vom Felseu oder vom Schiffe aus ins Meer geworfen; des- 
halb sage Plutarch kurz, aber richtig: KaxeTTÖvricav Kuyjac. Aber 
da die Lokrer eben den Mord durch ein Opfer sühnen wollten, so 
konnte der Referent nach Eratosthenes ebenfalls richtig sagen: 
Oecjmoic Hevioic c(paTtac^vai, wobei Eratosthenee wol die saeri 
Zitas genauer beieliiMben hatte. — Eine wirkliche Üebereinstimmung 
ist aber, selbst wenn auui die Lesart Bcqiotc gelten Hesse, danach 
wol flicht hinUbsglieh wahrscheislieh gemacht 

Deshalb leugnet dem auch Hiller (p. 85) knn, dass Plutarch 
der Bnflilung des BSratosthe&es gefolgt sd. Anders Nietische nnd 
nach ihm Flach *^). Nietudie betont anf das Strengste, dass Plntandi 
den Eratosthenes md ihn alleia als Quelle ftr seine EndQilmig kennt, 
nnd dass aoch nicht die geringste Diskrepanz herrscht. Diese TTeber- 

von ihnen der Mitwissenschaft mit dem Verbrechen seines Begleiters 
für schuldig gehalten wird (nach Plutai-ch aber nicht ist). Diese etwas 
ferner liegende Wendung der Sage, wonach Hesiod nicht die That selbst, 
tondern Mos das Mitwissen derselben Schuld gegeben wird^ scheint doch 
nun gar nicht in der einfachen Angabe über Eratosthenes^ Auffassung 
liegen zu können. Sehen wir zu. Dass Eratosthenes, selbst den Hesiod 
für unschuldig hält, ist schon erwiesen. Welcher Schuld ziehen nun 
nach Moner Darstellung die Brflder den Dichter? Sie tOdtea auch bei 
ihm beide: also waren in ihren Augen beide schuldig. MOglich ist nmi, 
dass Hesiod wegen der Verführung, der Begleiter wegen der Mitwissen- 
schaft getödtet wird oder umgekehrt. Letztere Annahme fiele dann mit 
der Plutarchischcu Darstellung zusammen. Betont mau freilich den Zu- 
sammenhang der Stelle beim Ander, wo yorher blos von der Schuld 
einer YerfBnrtmg, nicht i^ier der Hehlerei gesprochen ist, so könnte 
man wol eher geneigt sein zu glauben, dass auch bei Eratosthenes nur 
von ersterer und nicht von Plntarchs Variation die Rede sein könne. 
Allein beim Anctor findet sich ja auch der Begleiter nicht, ohne den 
das Motiy der Hehlerei TOn Seite Hesiods überhaupt undenkbar ist. Bei 
Eratosthenes kommt er vor. Man wird al^o aus dem Zusammenhang 
nichts folgern dürfen. Sonach erledigt sich das Bedenken dahin: es liisat 
sich nicht beweisen, dass Eratosthenes die l'assung Plutarchs in diesem 
Punkte gehabt haben mnee, aber anoh nioht, dass er sie nicht gehabt 
haben kann. 

•«) Nietzsche XXVIII, 228 f, 236. Flach im Hermes VllI (1874) p. 466. 

Jalub. t clMS. PUlol. SuffL Bd. JL 18 ^ 

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8Ö0 



0. Fdftdalt 



einstunxnting erzielt er aber erstlich dnroh die schon oben besprochene 
Korrektur der Namen, sodann aber durch Ignoriren der Verschieden- 
heit im Bericht Uber die Strafe. 

Wir betracliten jetzt die beiden andern Stellen aus Plutarch 

sowie die Worte des Pollux zusammen: alle drei handeln von den 
Thieren, welche sich um die Entdeckung des Mordes verdient machen. 
Dass die Stelle c 13 in dieser Qroppe gehört, zeigt der Name 6a- 
nyktor fUr den Vater an. Danach wurden die Mörder durch Uesioda 
Hund ihrer That ttberführt. Auf diese Stelle wird c. 36 zurück- 
gegriffen und zwar mit der direkten Bemerkung, dass der Erzähler 
nicht fertig erzählt habe (dtTap ou reXoc iKeo fJuOiuv) und bei An- 
fLLhruug des Hundes die Delphine doch nicht hätte übersehen sollen. 
Daraus folgt, dass auch sie in dei-selben — und nicht etwa in einer 
andern, diese ergänzenden — Fassung der Sage vorkamen; denn 
der zweite lledner kann doch dem ersten unniiiglicli vorwerfen, dass 
er etwas nicht hätte übersehen sollen, wenn in der von jenem be- 
rührten Sage dies gar nicht vorgekommen wäre, und wenn jener es 
nicht als etwas zu dieser Sage Gehörendes gekannt hätte. 

Es kam also sowol der Hund wie die Delphine in jener Sage 
vor, die ihrerseits generell der von Enitosthenes und Plutarch aus- 
geführten nahe steht oder geradezu ein Teil von einer dieser beiden 
ist. Die Delphine wenigstens kommen auch bei Plutarcli im Con- 
viviura vor, und die Mitwirkung des Hundes lässt sich für Eratosthe- 
nes höchst wahrscheinlich machen. Der Scholiast zu Nikander 
Theriac. v. 4ü0 sagt nämlich''^): '€paTOCÖ^vnc iy 'Avrepivui ncpi 
Kuvoc X^Y^v einev 

\vff\c b' uuc TTttOpov iniKkvoy. 
Da nun das Eratosthenische Gedicht 'Hcioboc, wie Bergk sehr 
wahrscheinlich vermutet innl Hillcr gebilligt hat, den Nebentitel 
'Avrepivuc führte, so darf dieser Vera mit llecht auf die Scene be- 
zogen werden, wo die Mörder, als sie die Stimme des verhängnis- 
Yollen Hundes nur ein wenig hören, erschrecken und sich dadurch 
yerraten. 

Wie haben wir uns nun den Vorgang bei der Entdeeknng m 
denken? Die Bntidieidnng kierQber wird dureh die Llloke in o. 86 
einigemuMen eradiweri Im 18. Kapitel iit von dem trenen Hnnde 
enfthlt, welcher anf die MOrder loefthrt Im 86. wird gesagt, dass 
die Ersäblnng hiennit noch nicht zn Ende gewesen sei, sondem dass 
nnn noch vom den DeüphiBen bitte enihlt werden müssen. Darana 
ergibt sich nnsweifeUiaft^ dass der Hand, schon ehe der Lekfanam 
TOn Delphinen ans Land gebracht war, mit Gebell auf die MSrder 
lasfttbr, nnr sah man nicht — nnd zwar selbst dann nicht» wenn er 

Bergk p. 26 f. Hiller p. 90. Wenn die Delphine auch in der 
andern Qruppe (Auetor, Tsetzes) vorkommen, so beweist dies eben nur, 
daae Mlbit weaentli^ tertchiedene Festungen in einielnen Fnakten tieh 
kreuten. 



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Bto Sage TOn Tode Heaioda. 



261 



als Hesiods Hund i?ekannt war — , was er wollte (luqpXöv); erst 
als der Leiclmam durch die Delphine zur Stelle gebi-acht war, da 
sah man es, da war daä ^Y)VU^a kein Tuq)Xöv mehr, da lag sein In- 
halt sichtbar vor Augen. 

Pol lux nun scheint insofern abzuweichen, als er angibt, die 
Hunde seien bei dem Gemordeten geblieben und hätten durch ihr 
Gebell die Mörder angezeigt. Dann konnte doch wol der Leichnam 
nicht in das Meer geworfen worden sein! Soll man nnn deshalb an- 
nehmen, Pollux sei einer Sage gefolgt, nach welcher der Leichnam 
nicbt ins Meer geworfen wurde? Man wird zu dieser Erklärung, 
obwol sie nahe genug liegt, doch so lange keine genügende Be- 
rechtigung haben, so lange eine andere mit den sonstigen Nach- 
richten vereinbare möglich ist. Da wir nun gar nicht wissen, in 
welchem ZusumuieühaDge die abgerii>sene Stelle des Pollux gestanden 
bat, so ist es au sich ebenso gut denkbar, dass die Hunde — nicht 
überhaupt von vom herein, sondern erst — bei der von den Del- 
phinen wieder ans Land gebrachten Leiche bleiben und so doi-t die 
lidrder ttberftihren. Damit Iftsst sich auch das Tuq)X6v ^rjvu^a ver- 
einigen, welches ja nur gedacht werden kann, wenn die Anklage 
der Hnade eine Zeit lang stattgefnnden hat, ehe der Lekimain snr 
Stelle war, also inir ohne das irapoftctvoL Anffiülig ist fireiUoh der 
niebt m, tilgende Plural ici^vac; und fidls er sieht einem Yersehen 
dee FoUnx seinen Ursprung verdankt, mnes er wöl als Beweis mehr 
aageaehen werden, dass selbst in sonst ftberelnstimmenden Sagen 
Whmelheiten mehr oder weniger Ton einaiider abweiohen. 

Es Ueibt lioeh Suidas nnd Pansanias an betrachten. Dass 
Saidas mit an dieser Qmppe gefaSrt» «eigen die Kamen Antiphos nnd 
Ktimenos an. Aber im fibrigen weieht er besonders in einem Punkte 
entseldeden ab. Naeh ihm tOdteten dto beiden Brüder ihren Gast- 
fireond Hesiod in dem Wahne, den Yerfllhrer ihrer Sehwestsr su 
tOdten, also wider ihren Willen (dKomc). Der also anoh in Saidas* 
Qoelle Yorkommende ^pOopctk ist gewiss ebenfalls jener Be^^eiter 
Hesiods. Bemerkenswert ist besonders, dass Hesiod hier als voll* 
kommen unschuldig dargestellt wurde: denn dass nicht einmal die 
Sebald der Mitwissenschaft in den Augen der Brüder auf ihm ruhte, 
beweist das eine Wort ÖkovT€C. Wenngleich daher diese Fassung 
in dem ersten Punkte (qpOopeOc) mit den andern Quellen stimmt, 
so weicht sie dennoch in dieser letzten Variation selbst von dem ihr 
am nächsten stehenden Plutarch (Conv.) ab. — Erwähnt sei hierbei 
die Milglichkeit, dass Suidas der Erzählung des Euphorien gefolgt 
ist, dem Bergk^) mit einiger Wahrscheinlichkeit ein denselben 

*^) P. 19, 28. S. Nietzsche XXVIII, 226. Dasa auch Euphorion ein 
Gedieht Hcioboc geschrieben, geht aus Saidas s. v. €u(popiuüv hervor (cf. 
Bodoe. p. 167): ßißX(a oötoO hmcä ToOra* Udoboc, Moi|ioii(a "ATaicni. 
Der Inhalt desselben wird ein ähnlicher gewesen sein, wie bei Eratosthe- 
ne«. Wenn nun bei Stephanos Bys. steht: MoXuxpia (so Bergk ffir Mo- 

18* 



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262 



0. Priedel: 



Gegeustand behaadebideB Gediebt znsolireibt. Will man aber aloht 
80 weit gehen, bo ist die Existenz eines wenigstens Bhnliehen Gedichts 
Ton diesem Alexandriner ein willkommener Beweis, dass jene Sage 
damals mehifiush und wol auch mit mehrfftdien yerSndenmgen be- 
handelt sei, woraus sich dann wieder yortrefflich die mehrihchen 
bis jetst gefundenen Abweich^gen in einzelnen unwesentliciieren 
Punkten erklftren. 

Wie steht nun aber Fausanias zu den Yorigen? 

Die Stelle ist zunSchst ihrem Wortlaut nach zu erlKutem. Und 
zwar liegt die Hauptsehwierigkeit in den Worten: £q»irrov ic Mo- 
XuKplav Naurrdicrou btd toC 'Hci6bou t6v q>6vov xal odrdOt 
dc€ß/|€aav TToceibiihrai ijiyexo MoXuKpfqt ccpiciv f| biicn. 

Maroksdheffel und nach ihm Welcher sehen den Frerel gegen 
Poseidon darin, dass die MOrder Heeiods Leiche ins Meer geworfen 
haben. AUein an sich kann das doch noch kein Freyel sein« da oft 
genug Verbrecher ins Meer versenkt wurden. Bergk meint, die 
dc^ßcta sei die Ermordung des Hesiod selbst; denn durch sie sei 
nicht blos die Gastfreundschaft, sondern auch Poseidon verletzt, an 
dessen Feste natürlich jede gewaltthätige Handlung unterbleiben 
muBBte. Dass er aber verletzt sei, habe er durch seine Boten, die 
Delphine, angedeutet. Bergks Ansicht bestreitet Hiller: hfttte Pau- 
<;anias dies gemeint, so würde er nicht so dunkel gesprochen haben. 
Was er selbst freilich sich unter dem Erevel gegen Poseidon denkt, 
sagt er nicht. Vielleicht darf man aus der Tilgung von MoXuKp{i]l 
schliessen, dass er ihn nicht zu Naupaktos geschehen wissen will; 
denn wenn er xf) MoXuKpiqt streicht, muss er doch wol aÖTÖÖi auf 
MoXuKpCav und biicn It^vcto, nicht aber auf NauTraicTOU und 
<ic€ßr|caciv beziehen. — Am ausführlichsten ist Nietzsche*^). Als 
sich die Mörder nach vollzogenem Morde bei Oineon von Hesiods 
Hunde verraten scheu, nehnieu sie die Leiche mit, um sie zu ver- 
stecken; verscliiedene Versuche misslingen; die Gefahr wUchst: da 
werfen sie bei Naupaktos die Leiche ins Meer, obwol sie wissen, 
dass dies eine Gottlosigkeit ist; denn gerade an diesen Ta^en, wo 

XuKpcia, da das Gentile MoXÜKpioc auf MoXuKpia führt) nöXic AiruiXiac* 
CrpdßufV bcicdn} (X, 810. 811). 9ouKu6<6nc ß' MoXÖKp€iov aörftv MoXä, 
€öq>op(u>v 2>^ MoXiJKpctav (bo Bergk f ür MoXincptov, da dies für den epischen 
Vers nicht paast und jenes auch besser der ebenfalls ecltneren Form 
bei Thnkydides (II, 84) MoXuKpciov entspricht) aur/iv cpr|ci. tö ^Oviköv 
MoXOxpioc Kai BnXuKiüc Kai oObeT^pwc xal MoXuKpidic Xifexai xal Mo- 
Xtncpieöc 'ApKdÖioc hi MoAimpdouc <pf}d — , so scheint Bergk mit Beehi 
SU yermuten, dass jene Form bei Enpborion dort vorffekommen sei, wo 
Hesiods Leiche von den Delphinen an das Gestade gebracht wurde; das 
geschah aber unweit der Stadt Moljkria beim Vorgebirge 'Piov, das von 
Sur *Plov MoXuKptKÖv genannt wurde: Steph. Bji. Tiov* «AXic Mccdjvnc 
'AxcAiBC' Kai AXXri AmuXUic, f) Kttl MoXincpiKAv ImMto. Cf. Plut o. 88. 
onv. c. 19. Paus. TX, 31. 

**) MarckscheiVel p. 2G Anm. 1. Welcker p. 166. Bergk p. 80. Hiller 
p. 86. Nietzache XXVIII, 2.32 f. 



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Die Sage Tom Tode Henod«. 



253 



das grosse Poseidoosfest anf Bhion gefeiert wurde, durfte am aller- 
wenigsten das Meer durch eineii Leiolmani Temnreüiigt werden. 
Aio^ann flüchten Sie seihst nach Moljkria. 

Wir werden auf das Einzelne gleich näher eingehen. Fflr jetzt 
nur soviel, dies Nietssehe in die summarische und nur grob skizzirte 
Anführung des Fausanias ohne Not gleich zu yiel ans den andern 
QueUen hineinzutrageii und viel zu Bestimmtes herauszulesen seheint. 
Yen einer Scheidung s. B. zwischen Oineon als Ort des Mordes und 
Naupaktos, wo die Leiohe ins Meer geworfen worden sei, ist bei 
FtonsaniaB mohts bemerkbar. Es wird ganz allgemein von Naupaktoe 
gesprochen. Nun ist aber Molykria statt des specielleren Orte Bhion 
gesetzt, der in andern QueUen steht; ist es nicht natürlicher, auch 
Naupaktos nur als den Ort zu fossen, Ton wo die Mörder nach dem 
Morde flohen, wo sie zu Hause waren — ihr Vater heisst bei Plu- 
tarch ein Naupaktier — , der statt des specielleren Oineon eintrat? 

Ich sehe nun drei an sich mögliche Erklärungen der Stelle. 

Erstlich: auTÖOi bezieht sich auf das zunBohst stehende Nau- 
naKTOu und gehört zu dceßrjcaciv: 'und sie, welche dort (zu Nau- 
paktos) an Poseidon gefrevelt, traf zu Molykria daa Gericht'. Nau- 
paktos würe hier dann wol im weitem allgraieinen Sinne zu £usen, 
80 dass auch die Umgebung, also Oineon mit einbegriffen wSre. Nun 
kann der Freyel entweder der Mord selbst sein oder das Hinein- 
werfen des Leichnams ins Meer. An sich ist ersteres möglich: an 
Festtagen durften keine Hinrichtungen vollzogen werden *^), wie viel 
weniger ein Mord. Aber ganz abgesehen davon, dass dann der 
Frevel wol immer noch unmittelbarer gegen den Beschützer des 
Gaätrechts gerichtet war als gegen Poseidon, so können doch die 
Worte dcۧr|caciv ic TToceibiuva kaum dasselbe wieder bedeuten 
wie die kaum vorangegangenen: bid toö 'Hciöbou TÖV 96VOV, zumal 
ohne ein. zurückweisendes ouTiu; dieser Zusatz wäre ziemlich über- 
flüssig; ein solcher aber ist doch bei einer so knappen Darstellung 
nicht anzunehmen. — Andrerseits: der Frevel l>estebt in dem Hin- 
einwerfen des Leichnams ins Meer. Entweder hat daun Tansanias 
die Gegend — wie schon oben angenommen wurde — blos all- 
gemein bezeichnet und fasst den Ort des Mordes — von Naupaktos 
fliehen sie ja eben des Mordes wegen! — und des Hineinwerfens 
unter Naupaktos zusammen; oder jener ist von diesem verschieden. 
Damit werden wir aber auf Nietzsches eben erwähnte Annahme 
geführt, dass der Leichnam von den durch den Hund erschreckten 
Mördern längere Zeit, a.h. mindestens einen Tag, von Oineon weg 
und weiter von Ort zu Ort geschleppt und erst bei Naupaktos ins 



*') Xenoph. Hellen. IV, l, 2: ol n^v fäp dXXot, KÖv vöjiuj Tic Kaxo- 
TVU)C0r), ouK dTTOKTivvOouciv ^opT^. Schoemann II, 423, 1. Vgl. Iso- 
krates paneg. §. 43, der von den uavriYupeic aussagt, dasa an ihnen ein 
6iaX0cac6ai tüc dxöpcic tuc ^vecniKuiac stattgefunden habe. 



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254 



0. Friedel: 



Meer gestoBsen sei. FrOfon wir die Chrflnde fttr diese dnroh Kon- 
faination der Terecliiedeiieii SteQen gefondene Venaatimg. 

Wenn Nielnohe nmiolist daraus, daee nach PoUnz der Hnad 
— übrigens in Wahrheit die Hnnde! — * bei dem Leushnam bleibt^ 
und wiederum die MSrder ymi diesem Hunde förtwUhrend angebellt 
werden» folgern sa müssen glaubt, dass die HOrder den Leiehnam 
mit sich forteohleppen, nm ihn irgendwo zu verbergen — , so hat er 
dabei die schon erwtthnte, nm nichts unwahrscheinlichere Möglioh- 
knt ausser Acht gelassen^ dass ebenso gut die Hunde bei dem wieder 
ans Land gebrachten Leichnam bleiben und so die Mörder verraten 
konnten. Noch mehr: da der Leichnam ins Meer gestossen wird| 
bleiben doch auch in Nietssohes Darstellung die Hunde nicht immer 
bei demselben, sondern das irapainetvai wird doch einmal durch das 
ins Meer Stossen unterbrochen. Ferner erscheint mir das Hin- und 
Herschleppen des Leichnams recht nuwahrscheinlich. Warum yer- 
scharrten die Mörder denselben m'cht lieber an Ort und Stelle? 
Hierbei war doch die Wahrscheinlichkeit, verborgen zu bleiben, min- 
destens ebenso gross als bei jedem andern Versuch. — Der Hund 
hinderte sie! Das that er doch überall sonst auch. Und wenn er sie 
so lange verfol.i:^to, war es dann nicht eine unverzeihliche Thorheit 
von ihnen, sich nicht auf irgend eine Weise des gefiihrlichen Ver- 
räters zu cntledit(cn y Waren sie nun gebessert, als sie die Leiche ins 
Meer geworfen? wurden sie nun den Hund losV — Dagegen: wie 
einfach ist der ganze Hergang, wenn die Mörder die Leiche sofort 
ins Meer stossen, zumal ja das Heiligtum des Zeus, wie wir aus 
Plutarch entnehmen können (Tiepi t6 Ne|a€iov 9aXdccr| bia9€pÖjU€V0v) 
und wie auch Nietzsche nach Bursian darthut**^), dicht am Meere 
lag? Hier freilich hilft sich Nietzsche, indem er nicht hinter 
(poveuci, sondern hinter N€)neiov inteipungirt, wonach dann nicht 
die Leiche in der Nähe des Nemeion vom Meere getragen wird, 
sondern der Hund die Mörder ebenda anbellt. Allein abgesehen 
davon, dass diese Interpunktion sehr gezwungen ist, so ergibt sich 
auch aus der bis ins Einzelne gehenden Stelle des Convivium, dass 
der Leichnam wol gleich nach der Ermordung ins Meer f^eworfen 
winde; von einer Zwischenzeit oder einer andern LokalitUt wird hier, 
wo doch alles Lokale so genau angegeben ist^ nichts erwähnt. Und: 
was berechtigt uns überhaupt, von einer Zwischenzeit, von den drei 
Tagen, hier zu reden, da ja in den hier zu berücksichtigenden Quellen 
nicht im geringsten darauf hingedeutet wird, sondern diese Notis 
nor der andern Gruppe angehOrt? Ferner: Plutarch und noch besser 
Bralostfaenes, mit dem Nietnehe den Pansanias nnsweidentig m- 
sammenstellt, ISsst anch Hedods CFefthrten ▼on den ICOrdent er» 
sehlagen werden. Was wnrde nnn ans dem? liessen sie den liegen? 
Dann entdeckte man ja die That noch eher! Nahmen sie anch ihn 



*') F. 189 f. BonSan, Geographie Ton Grieohenlaad L p. 148. 



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Die Sage vom Tode Hesioda. 



255 



mit biB NttnpsiElos? Denn trug also jedor em Leidie?! Und end- 
lich: nadi Nietwehe mflsaen eioh die MOrder endlich entachliessen, 
den Leiehmn ine Keer sa werfen: *8ie wnerten es wol, — das wir 
eine Ckyttlosigkeit • . • . Das ist aber gerade ihr YerhSngnis ; sie mflssen, 
doroh den nnheimllchen Hand aufgereizt, endHoh bewnsst eine {Gott- 
losigkeit begehen'. Sollten sie nicht anoh schon vorher gewnsst 
haben, dass es eine Gottlosigkeit war, den Gastfrennd su tMten? 
Hatlen sie Yorfaer nicht melur Zeit» sich dies som Bewnsstsein sn 
bringen, als sie nach yoUbraohtem Morde hatten, um sich der Folgen 
des nenen Frerels bewnsst m werden? Wanun soll gerade nnd 
erst in disser bewnssten That ihr Yerhlognis bestehen? Und wenn 
sie hier zn dieser bewnssten Ootttosigkeit erst dnrch den unheim- 
lichen Hund yeiaiilasst werden, weshalb fügen sie sn dem F^Tel 
neuen Frerel hinsn, indem sie auch noch das Poseidonsfest beenchen? 
Bas wird nicht genug psychologisch motivirt. 

Nach alledem wird man Nietssches Ansicht kanm zustimmen 
kdnnen nnd daher annehmen müssen, dass Pausanias mit Naapaktos 
— wenn anders bei der äci^ia an die Befleckung des Meeres zu 
(lenken ist — allgemein und etwas ungenau den Ort sowol des 
Mordes als des Hineinwerfens, also kurz die Gegend um Naupaktos 
d. h. Oineon beseichnet hat. 

Zweitens: auröOi bezieh i sich auf das des Nachdrucks wegen 
Yorangesetzte MoXuKpiav und gehört zu dT^vcTO, wobei es durch 
den nachfolgenden Dativ MoXuKpt<]i noch einmal aufgenommen 
wird: \ind dort traf bie, welche an Poseidon gefrevelt hatten, in 
Moljkria das Gericht*. Dass auf ein aÜTÖGi die genaue Ortsangabe 
im Dativ folgt, ist sprachlich ganz gewöhnlicli *Aceßr|caci ek 
IToceibuJVa würde hier ganz selhstäudig stehen, ohne direkte Au- 
gabe, wo die dce'ßeia stattgefunden hat; sie könnte also auch in dem 
(nicht zu Molykria, sondern ) anderswo stattgehabten Versenken des 
Leichnams bestehen. Aber diese Isolirung der Worte zwischen den 
zusammengehörigen Ausdrücken auTüOi imd xf) MoXuKpia ist ge- 
zwungen, und für die nähere Bestimmung der dce'ßeicx, bei der man 
sich doch etwas denken will und muss, gSbe nun auch nicht einmal 
mehr aÜTÖÖl durch Bezeichnung der Lokalität des Frevels einen An- 
halt; man könnte eben an alles zugleich denken: an den Mord, au 
das Versenken ins Meer, an das Besuchen des Festes. 

Drittens: auTÖOi bezieht sich auf das MoXuKpia, welches vor- 
ausgeht und nachfolgt, gehört aber zugleich zu dc€ßr|caciv: 'und 
sie, welche dort au Poseidon gefrevelt hatten, traf ( dortj in Molykria 
ddti Gericht'. Akdann ibt der Frevel in MoXuKpia selbst, als am 

**) Flut. Thei. 5; aöröOt kotoikoOcov t/ Kpo|iMU<&vt. Pyrrh. 1: oörMt 

KaTOiK€iv dv MoXoccolc. Diog. Laert. II, 54: aörööi dv Cnäpxij. II. B 
237: auToö ^vl Tpoirj. Ueber das fehlende bei MoXuKpi'n: Matthiae 
^^riech. Gramm. § 406*^. 577, 2. Füglich könnte man den Dativ auch 
aib GloHsem zu aOröOi ansehen. 



V 



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266 



O. FriAdels 



Orto des Festes, daher wol auch am Feste selbst geschehen und bo- 
stand in dem Besuche desselben. An den Festen durften ja nur 
unbefleckte, mit keinem Verbrechen belastete Personen theilnehmen ; 
Unreine (iya^exc) wurden femgehalten; selbst dann mied der Herr 
die heiligen Orte, wenn er einen ihm gehörigen Sklaven gctödtet 
hatte *^). Die Mörder kennen nicht die heilige Scheu; auf seines 
eignen Tempels Schwelle trotzen sie dem Gotte, meugeu sich dreist 
in die Meuschenwellen, die sich zu Poseidons Feste drängen, weil 
sie hoft'en, hier am leichtesten imberaerkt zu bleiben, vielleicht sogar, 
um nachher den Verdacht des Mordes durch den Beweis des Alibi 
zu entkräften. Aber gerade hier trifft sie das Verhängnis: der Gott, 
dessen heiliges Fest sie, die mit Blutschuld Befleckten, entweiht, 
bringt ihre Schaudthat an den Tag. — Das Einzige, was gegen diese 
Auffassuni,^ geltend gemacht werden könnte, ist, dass doch vor dem 
Besuch des re.stes die dct'ßeia des Versenkens des Leichnams vor- 
ausgegangen war, und dass also doch die erste dcۧeia in der Dar- 
stellung auch die hauptsächlichste Berücksichtigung beanspruchen 
mnss. Allein der Leichnam kann ja ins Meer geworfen sein, ehe 
das Fest begann, ferner aber war es doch sicher eine Steigerung 
der dceßeia, wenn die Mörder wagten, den beleidigten Gott durch 
ihren BcHUch gewi.ssermassen noch lierauszufordern. Wir haben 
also hier so zu sagen den Abschluss und Gipfelpunkt des Frevels, 
der iinch das Vorangegangene wieder in Erinnerung bringt. 

Ziehen wir das Facit, so ergibt sich Folgendes. Möglich ist, 
dass die dc^ßeia 

1. in der Entweihung des Meeres durch Hineinwerfen des 
Leichnams, oder 

2. in demBesaolien desPoseidoiiBfeetesseiteiuideirMörder besteht 
Sachlich ist beides denkbar; doch empfiehlt der sprachliche Ans- 
dmck der Stelle letsteres wol mehr. 

Vergleichen wir nnn die Angaben des Flansanias mit den aadsm 
schon bertthrten. Anf den ersten BUok sdidnt es nach der Form, 
in welcher er die rerschiedenen Ansichten angibt — • ol rrdvTCC • . . 
ol jyilv . . . . ot b^ . . . — ^, als machte er anf eine gewisse znsammen- 
fiassende Vollständigkeit Ansprach. Allein gleichwol nm&sst er 
^ele Züge nicht Er sagt: alle nennen den Vater Qanyktor, die 
Söhne Ktimenos nnd Antiphcs; allein beim Anctor nnd bei Tzetees 
lanten dieselben Fhegens, Anphiphanes nnd Ganjktor. Dann er- 
wlhnt er den Frevel gegen Poseidon, wtiirend davon sonst nirgends 
direkt die Bede ist, bei Eratosthenes aber im Gegensati dasn von 
den Oeol S^vtot gesprochen wird. Desgldchen kennt er nicht den 
Yom Anctor nnd IMses «rwfimten Tod der Mörder anf oiBiem 
Meere von der Hand der Götter; er berichtet blos von der mensch* 
liehen Bestrafong. Alsdann fbhrt er bei der Streitfirage über Hesiods 



*^ Waohimnth n, 669. H, SIS. not 198^ PoUnx I, 8t. 



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Die Sage Tom Tode Hedodi. 



257 



Schuld oder Unschuld wol die direkt entgegenstehenden Ansichten 
über die Verführung an, nicht aber die von Plutarch angegebene 
. ganz andersartige Schuld der strafbaren Mitwissenschaft; ferner 
auch nicht die Variante des Suidas, nach welcher die Mörder den 
Hesiod ohne Absicht getödtet. Pausanias kennt also oflfenbar die 
durch den Auetor und Tzetzes vertretene Gruppe nicht und stimmt 
ajiph mit den andern nicht überall. Keinenlalls aber gibt er ein 
Resume der vorhandenen Sagen. Hat er es denn überhaupt geben 
wollen? Der Zusammenhang unserer Stelle mit dem Vorhergehen- 
den wird es zeigen. 

Pausanias liat Einiges über den heiligen llaiu der Musen auf 
dem Helikon, über dortige Feste, über die Hippokrene berichtet. 
Dann ftlhrt er die auf üeberlieferung — TrapeiXrjMM^va (-r| Bergk) 
böig XeTOUCiv — beruhende Ansicht der umwohnenden Boioter an, 
dass Hesiod nur die Erga gedichtet und auch diese ohne das Prooem- 
inm an die Musen. Daneben aber gebe es aneh nodh mne andre, 
TOtt der er eto t en yersoMedene Ansieht — ruA Mpa Kcxu^picjLievfi 
Tf|c TTpoT^pac sc bö&|C — , dass Hesiod eine grosse Aniahl Gediehte 
▼eifertigt habe; diese werden dann genaner aufgeführt. Darauf 
folgt niMere Stelle mü den Worten: dvavria Kol de toO *Haöbou 
Tf^v TcXcuT^v dcTiv 6{pti|yidva bis Td fi^v bfj ic *Hc{obov Kai 
oOtöv Kol Ic T& Inx] bid<po(>a ini tocoOtov elinvrot. Nur eines 
Bliekes bedarf es, um ans der Tellstikidig gleichartigen und gleich- 
stellenden AnfiihruDg der Tersdiiedenaii Sagen sowol über die Zahl 
der Werke als Uber den Tod Hesiods sn ersehen, dass Pansanias 
nur die unter den Anwohnem des Helikon, jener Haiqiistätte Hesio- 
dischen Ditditens und Heeiodischer Verehrung, eursirendcn von Mund 
SU Mund Terpflansten (elpividva) Legenden, nicht aber alle Wand- 
lungen der Sage auch in den Terscbiedenen literarischen Dcnkmfiem 
hat ttborfiefem oder susammen&ssen wollen. Irgend welche Voll- 
stindigkeit hierin ist also bei ihm, da nicht beabsichtigt, auch nicht 
zu Ycrlangen. Dass er auch einscUägige schriftliche Aufzeichnungen 
der böotischen Periegeten, wie eines Amphion von Thespiae, benutst 
hat, ist nicht nnmöglicb, jedenfalls aber hatte dieser eben auch nur 
die landschaftlichen Ueberlieferungen fixirt, und über diese hinaus- 
zugehen hatte auch Pausanias nach dem Plane seines Werkes keine 
Veranlassung. Gerade deshalb aber sind seine Angaben ein wert- 
voller, durchaus selbständiger und ursprttngücher Beitrag zur Ver- 
voUstibidignng des Sagengewebes. Wie es nun ganz natürlich ist, 
dass sich Legenden von berühmten Personen an die Orte anknüpfen, 
wo jene besonders gewirkt haben, so ist es ebenso erklärlich, dass 
sich diese Sagen im Laufe der Zeit in Einzeldingen wandeln, dass 
sich die Literatur ihrer bemächtigt, sie bearbeitet, sie ausschmückt, 
und dass diese Bearbeitimgen mit ihren öfter individuellen Zusätzen 
binwiedemm Einfluss auf die Modificirung der ursprünglichen Lokal- 
sage haben können. Ob und in wieweit dies auch hier der Fall gewesen, 



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258 



0. Friedel: 



ist natürlich nicht zu sagen; nur so viel mag man wol behaupten, 
dass in dieser lieber lieferung relativ grobe und einlache Züge vor- 
liegen, hinter denen sich die feineren Striche der literarischen Dar- . 
Stellung z. B, im Convivium und beim Snidas kaum verbergen können; 
ferner, dass wie schon bemerkt, eine Kenntnis der vom Auetor und 
TzeUes gegebenen Variation besonders hinsichtlich der Namen und 
der Bestrafung der Mörder entschieden verneint werden muss. Fi^i- 
lich erlaubt dies noch keinen Schluss auf das jtlngere Alt^r dieser 
letzterwähnten Versionen; für ihr gutes Alter zeugt der Name des 
Alkidamas. Doch yon ihm später. 

Nach aUedem kamt idi Bergk nicht bebtimmen, wenn er p. 30 
behauptet, Pansanias habe sieh nach EiatoalbeDes geriehiet, um so 
nWger, als diese Aosiofat der in der Anmerkung zu p. il Uber die 
FansaniassteUe ansgesprodienen, yon uns in der Hiaiiptmehe ange- 
nommenen widerspricht. l)enn wenn Fhtnsaaias nor Äe Sagen der 
helikonisohen Anwohner beriditet, so hat damit Eratosthenes niohta 
m thun. H^tehsteos insofern, als er den Stoff nnd die spedeUe Ge- 
staltung desselben der böotischen Sage entnahm, die sptter anoh 
Pansanias noch in Umlauf ftnd. Dasselbe Yerhlltnis swisehen Bra- 
tosthenes und Pansanias nehmen mit Bergk übrigens auch Nielssehe 
und Flach (p. 465) an. 

Auf eine Ansicht des letsteren (p. 463 IL) mOchte Uk an dieser 
Stelle noch ganz kun ehigeheD. Naädem er Anlis am Euiipns als 
die Stadt hingestellt, wo Hesiods Vater (opp. 686) Ton Kjme ans 
landete, und wo Hesiod selbst spSter wolmte, und ihr so eine ge- 
wisse Bedeutung beigelegt^ Iftsst er auch die Sage Tom Singerkrieg 
des Homer und Hesiod in ChaUds dort entstehen und sogar den 
Mythus von Hesiods Ermordung yon dem ozoliscben Lokris, mit dem 
er in ältester Fassung Yerbunden war, nach dem Aulls benachbarten 
opunüschen übertragen werden, weil die Einwohner von Aulis nicht 
begreifen konnten, wie Hesiod nach dem ozoliscben Lokris gekommen 
wSre. Wir haben somit eine opuntiscbe und ozolische Sage; ersterer, 
nach welcher die Mörder Ganyktor und Amphiphanes hiessen und 
auf der Flucht nach Kreta auf offenem Meere umkamen, folgten 
Alkidamas, der Auctor^ Tzetzes und die gemeinsame Quelle der letst- 
genannten; der ozoliscben dagegen Tbukydides, Eratosthenes und 
Plutarch, *der aus ihm schöpft'. 'Wir erkennen sogar aus der Dar- 
stellung des Pansanias, dass ihm die opuntiscbe Sage und mit ihr 
der Mörder Flucht zu Schiff ganz unbekannt geblieben ist, während 
er mit Molykria die IjokalitHt genauer (?) feststellt als Plutarch' 
(p. 405). — Gab es nun wirklich eine solche aulidische Sage, so 
ist sie 'ganz unbekannt' dem Pansanias nicht geblieben. Denn er 
berichtet ja kurz vorher von dem Sängerkriege in Chalkis, der nach 
Flachs Ansicht eben einen Teil der zu Aulis entstandenen opuntischen 
Sage bildete. Danach wäre also zum mindesten Flachs Vermutung 
zu modifioiren. 



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Die Sage lom Tode fienoda. 



259 



Nun glaube ich aber, dass die Annahme einer förmlichen auli- 
dischen Sage selbst manchem l^edenken unterliegt. Das Heiligtum 
auf dem Helikon uud die Umgegend dieses Berges war gewisser- 
massen Centraistelle für den Kreis der hesiodischen Legendenpoesie. 
An diesem Pimkte sammelten sich entferntere, auch abweichende 
Traditionen. Dass mit Aulis und Chalkis ebenfalls Verbindung be- 
standen hat, sehen wir aus dem auf dem Helikon l)efindlichen, ge- 
weihten Dreifusse, den Hesiod nach seinem Siege in Chalkis erhalten 
haben sollte. Ist es nun nicht unwahrscheinlich, dass wenn z. B. 
Über den Tod der Mörder llesiods in einer besonderen aulidischen 
Sage Abweichendes von der sonstigen Tradition berichtet wurde, 
gerade dies den Umwohnern des Helikon und somit auch dem Pau- 
sanias unbekannt geblieben sein soU V Um so mehr, da ja der Sagen- 
komplex, wie die Schuldirage beweist, nicht einfach und einheitlich 
war und die Aufnahme dieser oder jener Abweichung daher recht 
gut denkbar ist? Ist aber jenes unwahrscheinlich, so ist es als 
Folge davon auch die Annahme einer besonderen ansgebildeten 
aolidiaelMB Siga. 

¥amm wir nun dm biihir tb«r diese Gn^pe Gesagte nooh 
animal sasaiiiiBeii. Vanmau gekM im wesenttichen allerdings zn 
ihr, doch hat «r keinen der aadem GewfthnminBer oder ihre Qaellea 
benmtrt, sondom garade wie jene als I>i«»htar nad EnShler, so als 
Antiqaar ans der ihnen im letaten Groade gemeinsamen Quelle der 
Lokaltcaditlon geschöpft. Bei den flbrigea ist eine Uebereinstimmnng 
uBTerkennbar, obwol dieee sieh nieht aof alle Punkte erstreokl^ wie 
die Erklfirer wahrseheinlich sn machen suchen, sondern fast alle 
Sagen — die sonst entgegen gos e ti ten, wie die des Auotor und Tzetses 
sidii ausgenommen — kreusen sich mehrfiudi, während sie ander- 
wärts m^ oder weniger alvweiehen. Biese Abwelehungen finden 
statt swiadhen Bratostfaenes und Plutareh in Beaug auf den Namen 
des Begleiters und die Art der Bestrafaag, bei Pollux, welcher 
mehrere Hunde erwtimt» und bei Suidas, welcher sowol Hesiod als 
die Mdrder Ton aller Schuld freispricht dadurch, dass er die Er- 
mordung des ersteren als eine an einem Unschuldigen, sugleioh aber 
auch unfreiwillig an ihm verttbte darstellt. Sonst muss oder kann 
wenigstens Uebereinstimmung in den einzelnen Zflgen angenommen 
werden. 

Wenn wir nun von der gemeinsamen Grundlage der Lokal- 
tradition absehen, so ist es nicht gut möglich, alle Nachrichten auf 
eine einzige Quelle zurtlckzuftlhren, was ja auch den Erklär em rück> 
sichtlich des Suidas nicht gelungen ist. Als die ältesten Bearbeiter' 
der Sage — obwol sie das in Wahrheit jedenfalls nicht gewesen 
sind — treten uns Eratosthenes und wenn wir wollen auch Eupho- 
rien entgegen. Wir können aber daraus wo! den Schluss ziehen, 
dass jene Sage yom tragischen Ende des Hesiod eben wegen ihres 
poetischen Gehalts und ihres dramatischen Lebens von den alexan- 



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260 



0. Friedel: 



drillischen Dichtern jener Zeit, vielleicht im AnschluBS an ihre literar- 
historischen Studien mehrfach, behandelt worden ist. Dabei blieb 
der überlieferte Kern der alten Sage im ganzen gewahrt; aber kleine, 
durch die dichterische Oekonomie erforderte oder sonst von der sub- 
jektiven Willkür nur beliebte Variationen konnten sehr wol mit 
unterlaufen. Weshalb Follux mehrere Hunde erw&hnt, weshalb Era- 
tosthenes den Begleiter Demodes, Plutaroh aber Trojäns nennt, ist 
niehi mehr ersiehiüdi; aber konnte nicht das fei«rÜ4die Sohlaohtopfer 
durch dem Seher der Darctellung, die EiratoBthenes der Sage gegeben, 
aagemeesener sean, wlifireBd dem Flutarofaiflchen GewUhramann gerade 
der Akt unmittelbar richender Yolkgjngtig wirkiiameir ercehien? Und 
konnte nicht das Streben, der Schnldfinge eine origiiieUe nnd noch 
nicht dagewesene LOsong sn geben, einen Mann wie Enphoricii oder 
wer sonst des Snidas QewShnmann war, sa der Darstellong fCthren, 
dass ja Hesiod nicht einmal der Mitwisserei schuldig, sondern ttber- 
hanpt nnachnldig, ja ohne Absicht, nur ans Versehen getOdtet sei? 
Beiläufig bemerkt: bei allen diesen Fassungen, besonders bei Pln- 
tareh, ist eine gewisse Absiöhtlichkeit in der Negirong der Schnld 
des IMchters bemerkbar, nnd man wird mit Grand annehmen dflrfen, 
dass dieselben yon einer bewnssten Opposition gegen eine anUagende 
nnd venurteilende DarsteUnng» wie wir sie ja beim Auetor nnd 
Tzetses haben, getragen, dass sie so zn sagen *Bettangen' des alten 
Dichters in poetischer Form sind. 

Nach alledem halte ich die principielle Uebereinstimmnng der 
Qaellen fsst, jedoch, so, dass ich keine zur andern in direkte Be- 
ziehung oder vielmehr in schlechthinige Abhängigkeit setze, selbst 
nicht Eratosthenes und Plntarch. Ans wem Flutarch schöpfte, ob 
aus einem Autor, ob aus mehreren, ob er aus dem Gedftchtnis frei 
referirte imd dabei manches vermischte, vermag ich nicht zu ent- 
scheiden; dass er aber Eratosthenes in allen Punkten gefolgt sei, 
bestreite ich. Auf diesen Alexandriner kann man also nicht alle 
Nachrichten zurückführen, wol aber auf ihn und andre alexandri- 
nische Dichtergelehrte. Danach eigftbe sich vielleicht folgendes 
Schema: 

Lokalsage. 



Eratosthenes. — X (Euphorion?). — X (-f Eratosth.?).— X 
Pausanias. Saidas. Flutarch. FoUux, 



Wir können nun zur zweiten Gruppe, zum Auetor und Tzetzes, 

übergehen. 

Der oben unter II angezogene Text wird völlig gleichlautend 
sowol unter dem Namen des Proklos als des Johannes Tzetzes über* 



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Die Sage vom Tod« EmMs. 



261 



Hefert. IMeterProHog taim nnr der NeupUtonilmr eem (410-485)^. 
Er sehrieb ein *YnöfivnMa cic rd 'Hctöbou Ipra Kai (|M^poc Den 
phfloIogisohflD Notim Merin liegt haap t ea eh lieh der gleiekbetiteUe 
Kommentar des Flntareh la Gnmde. Den PtcUob plflnderte spiter 
Tietses. Nim ist ee an sieh iiiekt nnmOglud^ daee Ftekloa die VUbBk 
iigendwoher snaammensolirieb. AJleäi das lag deeh gar nieht in 
smnem Plan imd in Bereieli und Biehtimg seiner Stadien. Seine 
Absieht war, den Hesiod im Sfaine seines phüoeophisohen Systems 
zu erklSren. Dass er gelegentlich an Stellen, die von selbst darauf 
führten, eine Notis ans dem Leben des Dichters gab, ist deshalb 
nieht ansgesehlossen und wird sieh spSter leigen. Das Leben des- 
selben aber bis ins Einzelne zn yerfolgen musste ihm fem liegen. 
Dass er es wirkhoh nieht gethan, besengt Tzetzes p. 10 selbst, in- 
dem er ibm eben hieraus einen Vorwarf maoht. Zugleich aber wird 
es damit höchst wahrscheinlich, dass er selbst anderswoher die 
fehlende Vita ergänzte. Und die ganze, der Bildung und Bescheiden- 
heit des ProkloB widersprechende Art, die SelbstgeiUlligkeit, die 
breitspurige und dabei doch windige Polemik, die Abgesohmacktheit 
der Urteile erinnert so recht an den Geist des Byzantiners, und eine 
Vergleichung mit widern Werken von ihm, wie dies im Einzelnen 
von Rose (p. 510) nachgewiesen ist, liefert den Beweis für die 
Richtigkeit der Ansicht. Nach alledem glaube ich Bergk *^) darin 
beistimmen zu dürfen, dass die Vita des l'roklos unwürdig und viel- 
mehr ein von Tzetzes vor den Kommentar desselben gesetztes, von 
ihm selbst herrührendes Machwerk ist. 

Welche Quellen standen ihm zu Gebote? 

Nachdem er im Anschluss an den Kyklographen Dionysios an- 
gegeben, dass Homer zur Zeit des Kiiegs gegen Theben und der 
Einnahme von Troja gelebt, berechnet er folgendermassen , dass 
Hesiod 400 Jahre jünger sei als Homer. Aristoteles nenne 'im 
Staate der Orchomenier' den lyrischen Dichter Stesichoros einen 
Sohn des Hesiod; Stesichorüs aber sei ein Altersgenosse des Philo- 
sophen Pythagoras und des Phalaris von Agi'igent gewesen, die 
ihrerseits, wie Herodot bezeuge, 400 Jahre nach Homer gelebt 
hätten; also müsse auch Hesiod um diese Zeit gelebt haben. Ganz 
abgesehen von der Annahme der thörichteu Ansicht des Dionysios 



*^ Nicolai, griech. Litgesch. p. 692 f. Welcker p. 4 f. Pauly, Real- 
enesru. IV, 1 pl 65 s. PtroklOB. nernhardy, grieoh. li^esoh. (8. Bearb.) 
n, 281. 285. Wyttenbaeli meiall. piaef }>. LI. LZT. ueber den gleich 

8Q erwähnenden Kommentar n. Rose p. 508 f. 

Poet. lyr. graec. p. 383 (ed. III.). 648. Auch Litgeach. 918, 1, wo 
er behauptet, dass die Biographie des Tzetzes in zwiefacher Form vor- 
liege. Anal. Alex. p. 26 seheint er jedech noch den Proenlni aanmehmen 
(Proculum nirsus Tzetzes sequitnr). — Auch Kose p. 508 ff. kommt — 
freilich auf andre, nicht allenthalben zn billigende Weise — /u dem Re- 
sultate: vitam Hesiodi, quae Prodi quoque scholiorum prolegomenia in 
qnibusdam eodielbiit ezeeipta anbieitor, ab ipeo Twkse eetnpomiB eeie. 



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262 



0. Friedel: 



hat Tzetzes selbst einige arge Missverständnisse geleistet. Die an- 
gedeutete Stelle des Herodot (II, 53): 'Hciobov fäp Ktti "0)Lir)pov 
f)XiKir|v TCTpaKocioici ^leci boK^uj ^€u Trpecßuxe'pouc ^ev^cGai Kai 
Ol) irXeocr enthält erstlich durchaus keine Erwähnung des Pytha- 
goras und Phalaris, weder an sich noch in Beziehung auf Homer 
und Hesiod; zweitens aber lässt sich, abgesehen davon, wol die 
Gleichzeitigkeit beider Dichter, nicht aber ein zwischen ihnen liegen- 
der Zeitraum von 400 Jahren folgern. 

Der zweite Irrthum betrifft ein Citat aus Aristoteles : *ApiCTOTAr|C 
Top 6 (piX6co(poc, ^aXXov b* oTiitai, ö touc tt^ttXouc cuvrdHac 
'Opxo)Li€viu)v iroXiTeiqi Crricixopov töv fLieXotrotdv elvaC <pticiv u\öv 
'Hciöbou Tflc Ktindv^c (Cod.: KXujüi^vnc) aurif» t€Vvii6^vto Tf|c 
'A|i9i(pdvoiKKairavdicropoc^Xq>f)c,6uTaTpdcb^<t>^ TmImb 
findet liier die ZvrttckfUiniiig der IxtenriBchea Notis toi Aristotelee 
mehi walutoheiDlioli und weist sie dem mit dem FhiloeoplieiL nicht 
identiMhenYeriSuBer deeP^ploe wou IHe ganae Sehrift dee Aristotelee 
lig ihm also enteehieden nicht mehr vor: eie htfcto aneh ihm wol des 
Fb^eophenwttrdiger geeohienen ate deePeploBsdireihers. ImGegen- 
aats in eeinem Zweifbl^ ist aber als feetetehend aanmefamen, dass 
Arietotelee in eeinen iroKiTcf ai auch Uber den Staat der Ordiomenier 
gehandelt hat^. Dass er in denelbeii Sohiift auch sonst Aber 
Heeiod gesprodhen, geht ans swei Stellen hervor. FkoUoi sagt im 
Kommentar m den Wericen^): äoiioiTOV b^ aOrd (soiL Tfjv "Aacpav 
TÖ iroXfxvtov) 6 TTXoÜTOpxoc Icropd koI Tdrc etvoi, BeatUiuv dv- 
eXövTuiv To{^c oiKoOvTOC, 'Opxoficvkuv hk ToOc cuiO^VToc bcSoii^vuiv 
60€v Kod Oedv *Opxo^€v(olc irpocrdHai rd *Hciöbou XeCi^iavo Xaßeiv 
Ka\ edipai irap* auroTc, die xal 'AptCTOT^Xiic qn^cl tP^h|HUV Tf)v 
'OpxoMCvbuv iroXtTciav^^). Sodann die Naidirioht eines Anonymus^: 



Ob er hier mit eignem Urteil verfahr oder die angegebene Unter- 
scheidung aus Beiner Quelle mit dem Scheine eignen Urteils abschrieb, 
ist nebensächlich. Bergk. poet. lyr. p. 648 entscheidet eich im Text für 
letzteres; für ersteres bringt er in der Anmerkung folgende Vermutung. 
VieUeieht hatte Tsetces gelesen, dan das aneh von ihm oitirle Bpigramm 
XaTpc h\c t'ißrjcac kqI 61c rdtpou dvTißoX/|CtC, 
'Hdob', dvöpuÜTroic |i^Tpov ^x^v coq)(r|C' 
(Berffk p. 383) im ^Staat der Orchomenier* stehe; da er aber dasselbe zn- 
gleien m der ao« dem Peplos gezogenen Epigrammensammlnng be- 
merkte, 80 glaubte er, dass der Yerflyner des Peplos auch der des Staats 
der Orchomenier sei (cf. C. Müller, fnagm. bist. gr. II, 144). S. imten die 
Besprechung von Böses Ansicht (p. 507 ff ). Ueber den Peplos unter 
andern: Bergk p. 646 ff.; auch Nicolai § 36 (p. 71). 

BoM p. 898iF., 506ir. Cf. PoUnz I, 165. ProUos ad Het. opp. 
631 p. 298. 

»') V. 631 p. 89B. Clinton, iaat. heU. p. 361. Marokscheffel p. id. 

Rose p. 507. 

*■) In andrer Weiie beriditen diese Sage PlntMoh Cour, lepk sap. 

e. 19. Pansan. IX, 38, 3. 

Coli. cod. Vat. et Bodl. (App. IV, W, ed. Gott. 1, p. 466) •. ▼. td 
Hadbciov -xfipac (Rose p. 607). 



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Die Sage Tom Tode Heiiodi. 



268 



*ApiCTOT^Xr|c *Opxofievi'ujv iroXiieiqi blc Te6<&96ai <pi]ci Tov ^cio- 
boy Kai dTTiYpaMiaaToc loObe Tuxeiv* 

Xaipe bic fißncac Kai bic idqpou dvTißoXr|cac, 
*Hciob', dv9paj7Toic ^eipov ixwv coq[)iTic' 
Tiapöcov TO Te ffjpac dLiri^x] Kai bic iiäcpr]. Wir erkennen hieraus, 
dasö Aristoteles die Sage der Orchomenier von dem doppelten Be- 
gräbnis d. h. von der Uebertragnng der Gebeine Hesiods nach Orcho- 
meuoä erzählte. Interessant und wichtig ist, dass der Auetor und 
Tzetzes dieselbe Sage erwähnen, dass ihre Berichte übereinstimmen, 
dass beide ein und dasselbe — an der eben angefllhrteu Stelle für 
Aristoteles freilich nicht bezeugte — Epigramm ("AcKpri ja^v Trarpic . . .) 
angeben und dass wenigstens Tzetzes auch die bei Aristoteles citirte 
Grabschrift hat^'). Wichtig ist für unseru Zweck die Nachricht 
des Tzetzes aus derselben Schi'ift, dass Hesiods Sohn Stesicboros sei. 
Sie steht nicht allem. Bei Suidae wird neben yielen andern Vätern 
andi Hesiod als Vater des Stesichoros genaimt und als beetuninter 
Gewährsmann hierfttr tritt nna an andrer Stella sogar Fhikehovos 
entgegen^). Nicht woaipntliph isti dass von andrer Seite Steaiolioros 
amsh woL lüs Biikel, niobt »Is Sohn Hesiods beseiehnet an werden 
sebeini 



**) Das xalp€ Uc ^p^ac .... iBhit Taefane a«f den Piodar sorfiek 
(Beigk p. 383), das Iftugere, mit den Worten 'AcKpTi Trarpic be- 
ginnende legten — nach dem Korinthier Kallippus iv ic 'Opxo^tviouc 
CüTTPötpQ — ^ic Orchomenier selbst dem zur Zeit Perianders (c. Ol. 38, 
4 M 626) lebenden Chersias bei: Paus. IX, 38, 10. Clinton p. 361 (unter 
dem Kamen des Mnasallnn aaeh AnthoL II, p. 126). E. O. Malier, Or- 
chomenos p. 389 f. 

'*) Suidas: Cxriaxopoc (Ol. 37—56 =- 632—556) €uq)öpßou f\ £v(pi\^ov, 
iLc bi. dXXoi CüKXeiöou ^ T^touc (wofür Böse gut: €0^nouc) A 'Hciööou. 
Wettemi. p. 118 No. SS. eC Badoo. p. 886. — Dann Prokl. ScholL ad 
Hes. mpp, T. M8: Ict^ov bl örx ul6c 'Hciööou Mvac^ac icxi * OiXöxopoc 
CxricCxopöv <pr]cx töv dirö Kti^^vtic (Codd. KXufi^vr|c), äXXoi bk 'Apxt^TrrjC. 
Hier fasst Nietzsche XXVIII, 223 flf. 'Apx»^wnc als Frauennamen, corrigirt 
ihn in Xapidtrf)C und bezieht ihn im Gegensatz zu KTip^vnc auf des 
Stetiehoroe Mutter. Von der Aemdeniiig des *A|»xt- in Xopi- sehen wir 
hier ab. Da«8 aber hier und an der Pantllelstelle ad opp. M0 p. 159 : 
iralöa ol ^xiv Mvac^a, ol b^ 'Apxt^'frriv, ?T€poi ^^ Cxrjcfxopov t6v jiicXipböv 
llehilavTO ein weibliches Wesen gemeint sei, begründet N. fol^eoder- 
maesen. Um dem nngehenerlichen Anaehronismiis, dass Steachoro« 
Hesiod« Sohn sei, zu entgehen, hätten einige concediii, er sei swar 
nicht der Sohn, aber jedenfalls der Enkel des H. gewesen. Das 
werde direkt in der von Th. Mommsen (Rhein. Mus. N. F. Bd. XV, 
166—167) ergänzten Stelle in Cic.de rep. 2, 10 ausge8|prochen : [Uesiodum 
dsinde, qnamqoam arattis saeeaUs post Homemm ftui, tarnen ei ipsnm 
eonstait vixisse ante Bomnlim. Non multos annos post conditam urbem 
natus est Stcgicbor]u8, ne[po8 huijus nt di[xeru]nt quidam [e]z filia. 
JS\ übersetzt danach: 'Philochoros sagt, Stesichoros sei der Sohn Hesiods 
von der Ktimene, nach andern ist er der Sohn der Chariepe*, wonach 
dann — wie ja aas der aodeni SdiottensteUe herrorgehe — XapUtni die 
Tochter Hesiods und der Etimene gewesen. Allerdings hat N. durch 
diese firkl&rang eine Aenderong ii"»g*^"gi*", ob ficeiUch mit Glück, mOchte 



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204 



0. Fiiedel: 



Man würde gegen die Zurilckfühnmg der Notiz auf Aristoteles 
an sich wol kaum Zweifel erheben, und bis auf Nietzsche fp. 223) 
herab, welcher meint, dass sich Aristoteles gerade wie Philochoros 
^jeue zum Nachdenken auffordernde Volkssage notirt', haben auch 
die Erklärer au der Echtheit der Angabe nicht gezweifelt. Nur 
Kose behauptet, dass der Name des Aristoteles von Tzetzes irrtüm- 
lich an diese Stelle gesetzt sei. Ihm stimmt Hiller (p. 83 Anm.) 
bei, wenigstens nennt er seine Vermutung nicht unwahrscheinlich. 
Wir müssen derselben näher treten. 

Die einzige Notiz, welche Rose p. 507 als auf Aristoteles selbst 
zurückgehend beidohnet, ist die von dem doppelten Begräbnis des 
Hesiod. Ihr hatie Aristoteles auch darauf bezügliche Epigramme 
biBsugefügt. IHeee Natb mm — so mmt Bofte, waim ieh ilai reelit 
Tentehe — ging einmal in den KommMLtar des Plntanh zu Hesiod 
Aber, sodaan wmrdeii die Epigramme noch besondera mid swar mit 
Angabe der Sofaxift des Anaioteles, wober sie stammten, in die ans 
dem Peplos gesogene Epigrammensammlung angenommen. Ans 
Plntardi aber soböpfte Pioldos, ans ihm TsetMS. Dieser leinte nnn 
den Aiistotetos ttber dieselbe Sacbe an swd Stellen kennen: die 
Notia mit den Epigrammen ans Flntarob beim Proklos ^ die JSpi- 
gramme ans der Epigrammensammlung. Jm ProUos &nd er aber 
snglaißh die Kaobricbt des PbÜooboros Aber den Stesioboros, Hesiods 

ich bezweifeln. Moramsen drückt eich vorsichtiger aust 'es ist daher 
nicht unwahrecheinlich , daas der Chronograph, den Cicero benutst hat 
— vermntlioh Apollodor — die Ueberliefening, den Bterioboros ein 
Sohn des Hesiodos gewesen, mit der Mildenmg aufnahm, daas er ans 
dem Sohn einen Enkel machte und auch dann noch, da das Intervall 
immer noch zu gross blieb, ihn mit quidam dicunt einführte. Cicero 

aber nahm diese Nebenbemerkuug bereitwillig auf ' Doch es mag 

MSaif dast 8t. als Enkel Hesiods beifliohnet woxde. N. weiss so^, daas 
aneb die Vorstellung sn edstiien scheine, wonadi 8t Enkel niekt Ton 
einer Tochter, sondern von einem Sohne sei. Warum will er aber dann 
hier dorchane die Tochter retten? Und: soll mit 'Apxi^ntic ein weib- 
liches Wesen bezeichnet sein, ist es da nicht natürlicher, dem KTt|ui6riic 
entsprechend an ein anderes Weib des Hesiod zu denkenf Ferner: fBhrt 
eine onbefangene Prüfung der andern Scholienstelle — rra~\ha o{ libf 
Mvada ol bk 'Apxi^nriv, ^repoi bä CrTicixopov töv ji€Xiu6öv ^Heö^HavTo — 
wirklich auf die Annahme einer Tochter Hesiods und nicht vielmehr, 
wenn man Mvacfo nnd Cnicixopov vergleicht, anf einen Sobnf Anf 
einen Enkel Tollends, was deutet darauf hin? — Auch in der ProkloS' 
stelle wird man N.'s Erklärung: 'nach andern ist er (Stesichoroa) der 
Sohn der Cliariepe' (als der Tochter Hesiods) verwerfen müssen. Auf 
Hesiods Sohn (ul6c!) kommt ea hier an; der Scholiast stellt seine An- 
sicht, wonaoh Mnasnas der Bobn ist, andern gegenüber ( diese andern 
sind nahugemftss Philochoros und dXXoi. Die Herleitung des St. von 
verschiedenen Müttern ist Nebensache. Da es aber nur auf Hesiods 
Sohn ankommt (was ja St rücksichtiich der Ktimene ist), so ist weder 
Beine Herldttnng von der Arahiepe (oder Chariepe), die naoh N. Hesiods 
Tochter war, noch die Erwilhnung dieser selbst passend. Am wahrschein- 
lichsten ist daher Koses Vorschlag p. 506, statt 'Apxi^inic ans der andern Stelle 
*Apxiiin)v zu schreiben nnd darunter einen Sohn des Hesiod zu verstehen. 



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Die Sage Ten Tod» Hesiods. 



Sohn- Nun verwechselte er beides mit einander und setzte den Namen 
des Aristotclos, den er ja allerdings zweimal — wenn auch nicht 
bei Proklos — citirt fand, schon an diu erste Stelle, wo er eigent- 
lich hätte Philochoros setzen sollen. Dass dem Tzetzes bei Nennung 
des Aristoteles wirkii( Ii jene gleich darauf folgende Stelle mit dem 
Epigramm vorschwebte, geht aus dem Urteil hervor, das er über 
den Aristoteles fUllt. Das Epigi-ammeucilat schien ihm nicht fUr 
den Philosophen^ wol aber für den Peplossehreiber zu passen. Dies 
Urteil bringt er nun gleich da au, wo er zum ersten Mal und zwar 
irrtümlich (für Philochoros) den Namen des Aristoteles nennt, wäh- 
rend er eigentlich erst und nur für die zweite Stelle {»asst. So- 
weit Bose. 

Ich muss gestehen, das.> mir diese Erklärung, welclio die Ver- 
wechselung der Namen wahrscheinlich machen soll, zu künstlich 
erscheint, um annehmbar zu sein. Sie ist aber auch suust unwahr- 
scheinlich. Denn wenn sich auch Tzetzes wirklich im Hinblick auf 
das Epigrammencitat aus Aristoteles das Urteil gebildet, jenes Citat 
und damit die TToXiieia 'Opxo^eviujv rühre nicht vom Philosophen, 
sondern vom Peplossehreiber her, so ist es doch wenig glaublich, 
dUM er dies Urteil nun blos im Ansohluss an den doch auch erst 
wMk durch Yerweehaehmg (für Philochoros) hier eingoftthrten 
TSkmm (te Axistoteles) bei einer Stelle «fthnagon soll (yom, Sohno 
Hesioda), welche um derjenigen, die ihn zu dem ürteU veniilMst 
hat (vom doppelten BegrSbais desselben), an sich gans vserachieden 
ist: dse auf jenes Epigrammsncitai sieh grttndende Urteil kann nicht 
ans Yeiseben und Venreohssbi aa einer Stelle gesetat sein, wo weder 
ein fipigiamm noch aaeli der Staat der Orohomeiiier, in dem das- 
selbe uieprtlQglidi stand, Torkommft^« 

Femer: in dem Scholion des 2toldsm ist die Aqgabe des Philo- 
cImcdb fcttiser als bei TtotM» welehec mehr Namen anftthrt. Wie 



**) Ich fasse dass Urteil des Tzetzes so auf. Die Notiz über Stesi- 
choros iit aus A'ristoteles iroXiTcia 'Opxojueviiuv ; nun kamite aber Tzetiet 
legleMi das Epigramm, welehee mch aus der vok. *Ofin. war; dieses 
aber und damit auch die ganze TroXiTeia glaubte er passender auf den 
Peplossehreiber und nicht auf den Philosophen zurückführen zu müsHen; 
80 Übertrug er schliesslich nicht aus Versehen, sondern mit Absicht das 
«vf Gnmd einer Stelle gebildete Thitü tber den Antor der wefarcid «neh 
auf eine beliebige andere SteUe, wo diese «oXitda wieder als Quelle — 
freilich für eine andere Notiz — genannt wurde. — Hierbei sei gle ich 
noch eint r Kritik Roses gedacht. Er meint, die Worte töv |a€XoTiQi6v 
hinter CTqcixopov seien blos eine falsa explicatio des Tzetzes, gerade wie 
in SchoL S69 p. 159, wo er den Anonymus abschreibe. FreiBoh gehe 
dieser Irrtum schon zurfick auf den Heijdiioi bei Suidas s. t. Cnidxopoc 
(ß. oben). Danach scheint Rose doch anzunehmen, ein andrer St. sei 
Heeiods Sohn genannt worden. Von einem solchen ist aber, soviel ich 
weiss, sonst nichts bekttuit. Ich sehe auch durchaus keinen Omnd, wet^ 
halb filr die wolbekaonte und hier passend erwähnte Peraflaliehkeit eine 
sonst gana anbekannte stehen mfissb. 

laM. f. <lAM. PhfloL SapyL Bd. Z. 19 

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266 



0. Priedel 



ist das zu erklären? Hat ihm Philochoros Yollständigor vorgelegen? 
hat er das übri^'e von .sich ergänzt? 

Endlich und hauptsächlich: ist ein triftiger Grund vorhuudcn 
zu bezweifeln, dass Aritjtoteles den Stesichoros als Sohn Hesiods und 
der Ktimeue wirklich bezeichnet V Nur dann wäre die verwerfende 
Kritik Roses berechtiget. Ist denn die Notiz des Aristoteles unwiirdi«'? 
Daraus, dass er diese Bage angibt, folgt doch noch nicht, dass er 
auch das durch dieselbe angedeutete, sogar von dem Chronographen 
Philochoros bertlcksichtigte chronologische Verhältnis zwischen Hesiod 
(c. 80G nach jüngstem Ansatz) und Stesichoros (Glo oder 032 ge- 
boren) wiiklich als niüglich und richtig anerkannt hat. Er kann es 
einfach berichtet haben, wie es ihm berichtet wurde; er könnte viel- 
leicht riogai durchschaut haben, dass die Annahme wirklicher Bluts- 
verwandtschaft nur eine naive äusserliche Form war, um dem Ge- 
fühl von der geistigen Zusammengehörigkeit beider Dichter Aus- 
druck zu geben. Denn geistig verwandt waren die Anfänge der von 
Stesichoros kultivirten, mehr epischen Lyrik mit jenen kleineren 
Prodakten hesiodischen Geistes, den EpyllieD, wie der Hochzeit des 
Keyx, der Fahrt des Theseus und Peirithoos in die Unterwelt u. S. 
Dieselben Stoffe bearbeitete Stesichoros, und zwar nicht ohne auf 
Hefiiod BllekBicht zu nehmen, in grösseren Chorgesängen. Aber auch 
SaBserlioh wmr eine nähere Beziehong beider Dichter auf einander 
durch die Oesduohte gegeben. Wi» K, 0. Müller'^ ausführt, gab 
es einen Zweig Ton episohen SSngem im Ton nnd in der Weise des 
Hesiod, der im Lande der Lokrar sn Oineon nnd im faenaohbarten 
Nanpaktos seinen Sits hatte. Eine F^unilie, in der eine solche üebung 
der Poesie sich erblich fortpflanzte^ kam dmreh die Sdl<mie von Lokroi 
in Italien, an der die ozolischen Lokrer besonders grossen Anteil 
nahmen, nach diesen Gegenden hinüber nnd siedelte sich in Matanros 
an. Ein SprOssling dieser Familie war Stesidioros in Himera. 
liegen sowol der innere Gnmd als die ftnssem Anhaltepnnkte fttr 
nnsre Sage vor. Warom soll man ein Eingehen des Aristoteles anf 
diese Lokalsage fttr unmöglich halten? 

Anch ist es recht gut mit Plan nnd Anlage seiner itoXtT€tai 
Tsreinbar. Finden sich doch in den von Boso zusammengestellten 
BmchstOcken derselben oft genug längere Erzählungen und genea- 
logische Angaben, wie K. 164 Aber die Eltern des QrOnders von 
Massilia, Protos; N. 169 Uber des Anthus Tod durdi die Königin 
Kleoboia (Milet); N. 171 tber das Sprichwort oöbek KOicdc Viifac 



**) Qesch. der grieeh. Lit. 1, p . 358 f., cf. p. 176. Bernhardy, grieeh. Litgesoh. 

(8. Bearb.) II, § 108, p. 659, 3 nennt dies eine 'mühsame Komhination* 
und ist überhaupt misstrauisch prfgfn eine Genealogie, 'die den Meliker 
ganz gegen alles Herkommen und abweichend von der gewohnten S3'm- 
bolik einen Sohn des uralten Epikers hei88t\ Indessen Bcheiut ge- 
wagt ansanehmen, dass erat naohtrSgUch töv incXonoidv dazugesetst imd 
also Ton Ariii gar nicht der berühmte Meliker gemeint seL 8. Anm. 68. 



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Die Sage vom Tode HeBiods. 



267 



\XQ\)C (Naxos); N. 204 über den Ausdruck Tevebioc ir^XeKUC; N. 120 
über Namen und Geburt des Arkeisios (Ithaka); N. 133 über die 
Erziehung des Herakles durch Khadainauthys (Kreta); N. 121 über 
die Genealogie des Geschlechts des Odysseus (Ithaka) u. a. Danach 
konnte Aristoteles bei Gelegenheit des hesiodischen Begi'äbnissea 
auch recht wol den Sohn des Dichters, den Erben seiner dichterischen 
Gkiben, erwähnen: der Rahmen der TToXiTCiai war hierfür weit ge- 
nug. Somit aber bleibt trotz Bose Aristoteles als Gewährsmann für 
diese Notiz erhalten. 

Allein eine andre und nieht nnwiehiagere Frage ist: wie Tiel 
bat Aristoteles yon der einsehlägigon Sage über Hedod berOhrt? 
Hat er blos das Doppdbegrftbnis des Hesiod und das Yerwandtsduifta- 
Verhältnis zwischen ihm nnd Stesichoros oder noeh mehr, vielleicht 
seine Todesgesohichte erwfthnt? 

Prttfen wir die Stellen ttber das Begrftbms. Im Kommentar 
des Froklos heisst es: dolioiTOV hk aM (sc rfjv "Acicpav TÖ tto- 
X(xviov) 6 TTXoikapxoc iaopet Ka\ t6t€ elvai, Becm^uiv IXövruiv 
Toöc oIkoOvtoc, 'Opxofieviuiv hk tobe auHHrtac belOM^vuiv* 66ev 
xal Tdv Ocdv *OpxoM€v(oic npocrd&at rd ^Hctöbou Xciiiiava Xapdv 
Kod 6dqNU nap* o^otc, die xal *Af>tCTOT^Xiic qn|dv tP^&ipiuv t^v 
*Opxo^€vCuiv noXrrciav. — Man kOnnte daran denken, dasa Aristo- 
teles blos erzShlte, wie das Orakel den Orcbomeniem befohlen, 
Hesiods Gebeine zn nehmen nnd bei sich zn bestatten. AUein erst- 
lich beri«shtete er nach dem Anonymus (ök reOdipBai) von einem 
zwei&dien BegrSbnis: er mnss also doch die erste BegrSbnisst&tte 
angegeben haben. Femer ist es nnwahrscheinlich, dass er die Ver- 
anlassung des Orakels — eine That der Orchomenierl — nicht 
erzählt haben sollte. Es werden also wol auch die vor öOcv stehen- 
den Worte auf Aristoteles zurückzuführen sein. 

Dass es übrigens auch eine andre Form der Sage gab, zeigt 
Pansanias (IX, 38, 3): die Orchomenier befragen wegen einer bei 
ihnen wütenden Seuche das Orakel nnd erhalten die Antwort, sie 
sollten die Gebeine des Hesiod aas dem naupaktischen in das orcho- 
menisohe Gebiet bringen, eine andere Heilung gebe es nicht Eine 
weitere Abweichung findet in Bezug auf den Erfolg des Unter- 
nehmens statt. Pausanias sah in Orchomenos die Begräbnisstätte 
des Hesiod: also hatte, wie ja anch aus Aristoteles tmd dem Anctor 
hervorgeht, die üebertragnng wirklich stattgefunden. Dagegen 
berichtet Plutarch im Convivium — abweichend von der Proklos- 
stelle — : TÖv bk tdcpov o\ iroXXol tuuv H^vujv ouk Tcaciv, dXX' 
ÄTTOK^KpuTTTai 2r|TouMevoc UTT* *Opxo^eviujv, ujc qpaci, ßouXofnevuJV 
Kaict xpic^ov dveXecBai Tct Xeitpava xai öctvi^ai rrap* auToTc. Rose 
behauptet (p. 511), dass dieser Bericht durch den des Pausanias er- 
gänzt werde. Bei diesem wissen die Orchomenier die Stätte eben- 
falls nicht und befragen das Orakel besonders darum, worauf ihnen 
eine Krähe den Weg zeigt Allein das Präsens icaci und das Perfect 

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268 O.Vrifldd: 

diroK^KpuiCTOt beiPlotajrdi drSngen 4oob notwendig cu der Amiahina, 
dasB dieB« Znstiinde nach Plniaioh noch danertan, nicht aber, dass 
sie bloB Yortlbergehend waren nnd spKter dem Gegenteile Plate 
machten. Somit sagt er: die meisten Fremden wissen die Be- 
gräbnisstätte (noch jetzt) nicht, sie ist verborgen, die Orohomenier 
haben sie zwar gesucht, aber nicht gefunden; sie wollten bloa die 
Qebeine bei sich begraben, vollftthrten es aber nicht. 

Doch snrttek an Aristoteles. Wo hatten nach ihm die Ge- 
beine Hesiods vor ihrer üebertragung nach Orchomenos geruht? 
Marckfichefifel^^) meint: zu Askra, und das ödev der Prokloestelle 
sowie die ebenda erwähnte Beziehung der Askraeer zu Orchomenos 
scheint dies zu bestätigen. Allein Askra wird in keiner Quelle 
s^onst als Begräbnisstätte Hesiods genannt: die ganze Todesgesobichte 
ist eben nicht eine böotische, sondern eine lokrische. 

Der Widerspruch ist zu lösen. "06ev braucht sich nämlich nicht 
rein örtlich auf das vorhergenannte Askra zu beziehen, sondern kann 
oben so wie das lateinische *imde' den geistigen Ursprung, den 
Grund augebeu. Also: daher, d. h. aus diesem Gruude, anlässlicb 
dieser Thai, niimlich der Aufnahme der vertriebenen Askraeer, habe 
der Gott ihnen befohlen, die Ueberreste zu nehmen u. s. w. Das den 
Hesiod kultivirende Orchomenos hatte sich verdient gemacht um die 
Geburtsstadt und die Mitbürger des berühmten Sängers; zur Be- 
lohnung nahm es nun nach dem Willen des Gottes an dem Ruhme 
des StHdtchens teil, dessen Einwohner ja faktisch in ihm aufgegangen 
waren: es sollte fortan die Ehre gemessen, die irdischen Ueberreste 
des gro.sseu Todten in seinen Mauern zu bergen. Damit ist aber 
nicht gesagt, und es ist auch nicht nötig, dass diese schon in Askras 
heimischer Erde ruhten. Das Anrecht, welches die Askraeer auf 
Hesiods Gebeine hatten, konnte recht gut auf ihre Beschützer ver- 
erbt werden, ohne dass mit dem Recht des Besitzes zugleich der 
Besitz selbst faktisch verliehen wurde: ihr Recht zu verfolgen, den 
in fremder Erde ruhenden Säuger einzuholen, blieb den Orchonienieni 
Überlassen. Aehnlich werden (Flut. .36) auf Geheiss der Pythia die 
Gebeine des in Troizen geborneu, in Athen aber besonders kultivirten 
Heros Theseus von Skyros nach Athen feierlich eiugeLrafht. Somit 
ist Askra als Begräbnisorl Hesiods zu streichen, nnd Aristoteles 
wird alao in Uebereinstimmung mit allen andern Quollen ebenfalls 
die Gegend um Oineou als solchen angenommen haben. Hiermit 
stimmen die Namen, welche aus Aristoteles an der andern Stelle 



P. 28—82 spricht er des Weiteren über die Grabstätten Hesiods. 
Flntarch Conv. gibt an: tipöc t^j Ncpelip; der Auetor zwar nicht direkt^ 
aber doch nach dem ZtMunmenhange bestimmt dasselbe; Tzetzes ge- 
nauer: N€fi^<;i T<3 TT^c Olv6r|c. Hierher ist auch Alkaiog Mc^st nioi; zu 
rechnen, wf^lcher m^rt (Anthol. III, 25, p. 390): AoKpiboc v^Mti, wofür 
iTol bv ivjeji^i^ zu Betzen ist. Cf. Wyttenbach VJ,p. 986. Allgemeiner nemit 
P^PP^ti^ i^sMet Pansanias IX^ 33, 3. 

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Die Sage vom Tode Hesiods. 



269 



des orchomenischen Staats angegeben werden: der Vater der Ktimene 
Phegeus, ihre Brüder Amphiplianes uud Ganyktor. Freilich gehören 
diese nicht dem Bericht über die Bestattung, sondern dem über den 
Tod des Hesiod an. • 

Wieiviel hat nnn Aristoteles dävon berichtet? Hier gibt es blos 
Yet'JUUkuigeiL Möglich ist^ da;ss er nur die Namen der Mutter und 
ihrar Sippe erwSluite, die nSfaeren Umstände aber unerwähnt liess. 
WiüirBcheiiilieher ist nur dagegen, d«ut er kurz angab, wie es ge- 
kommen^ tefl Bteeiehoros Heriods Sohn sei, dass er die Todtter des 
Gteetfremids im Lokrisehea TerAl]uri»,'dafllr ron dmn Bztldem ge- 
todtot und ebenda begraben, naoldier in Folge jenes Oxakels naeb 
Otebomenos geeebafll seL Bins hängt fast notwendig mit dem andern 
znsunmen: das Begräbnis des Hesiod bei Naupaktos rnnss motivirt 
werden and wird es dudi seine daselbst stattgehabte Ermordung, 
and illr diese li^ irieder die Yeranlassnng in dra Toraufgegangenen 
Ereignissen. 

Dsonit BoE nnn aber oiebt gesagt sein, dass £e von Teetses 
fjkikih dacanf gegebene DarsteUtmg dieser Geschiekte in der vor- 
Hegenden Form ans Aristoteles ^tlefant sei Daza ist sie doch ta 
ansflllnrliok, m sehr Selbstsweck. Hancbe darin erwähnte Einzel- 
heiten sind nnpassend oder nnwesentlich fttr den Zireek der troXtrda 
-OpXOfieviufv: mir da« zum Yersländnis der die Orchomenier so nahe 
beräirenden Sage Nötigste, glaube ieh, darf man bei ihm ToraTzs- 
setzen. Es ist also stets sn scheiden zwischen der Darstelhmg, 
welche wir nach Kombination der verschiedenen Stellen für Aristo- 
teles wahrscheinlich gemacht haben, zwischen der Darstellung, die 
Tzetzes im Zusammenhange — und im wesentlichen ttbereinstimmend 
mit Aristoteles, wenngleich nicht aus Aristoteles — wirklich gibt, 
und der einzelnen Stelle über Stesichoros, wo er sich direkt auf des 
Philosopheii Zeugnis bentfl — der ihm aber natürlich nicht selbst 
mehr vorgelegen hat — , Bass in dem Punkte des Begräbnisses 
Aristoteles, Plutaroh (Kommentar), Proklos und Tzetzes zusammen- 
hängen, ist klar; wie aber die Gesammterzählung des Tzetzes mit 
Aristoteles zusammenhüngt, wird erst eine Betrachtung des Ver- 
hällniSBes zwischen Tzetzes und dem Auctor ergeben. 

Rose meint p. 510, die ganze Vita des Hesiod von Tzetzes sei 
ein Flickwerk aus den bei Proklos und einem Anonymus erhaltenen 
Besten des Plutarch; so die Notiz über seine Eltern und deren 
Flucht (schoL Prokl. ad y. 631. 638), über seinen Sohn (schol. Anon. 
ad V. 268); femer aus dem Certamen Homeri et Hesiodi Über den 
Sängerkrieg und Hesiods Tod (Plut. ad v. 6 1^^, cf. sept. sap. conv. c. 10; 
ad V. 631). Damit übereinstimmend sagt er ]>. 507, dass Tzetzes 
die ganze Sage vom Tode des Dichters aus dem Certamen (wo Al- 
kidamas hierfür citirt wird) entnommen habe. Selbständig ist Tzetzes 
nur in Bezug auf das i^indarische Epigramm, über welches schon 
oben gesprochen ist. Den Aristoteles hat also Tzetzes nicht direkt 



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27p 



0. Friedel: 



beantdiy wol aber mdirekt dmdh das Certamen. Denn die ganze 
TodeflgeBchicbte hierin ist die ans dem Plutardi entLehnte des 
Aristotdes (p. 508); das zeigt die UebereSnstiimming mit Flutarohs 
ConTiyimn. Die Erzählung dort ist ganz dieselbe; nur folgt in ihr 
Hntarch einzig dem Aristoteles, im Certamen dagegen hat der Epito- 
mator mit der Erzählung des Aristoteles die abweichende eines ge- 
wissen Alkidamas (ex Alddama quodam) über den Tod der Mörder 
und die des Eratosthenes yennischt. Sonach ist Böses Ansicht: 
letzte Quelle für die Todesgeschiohte ist Aristoteles; ans ihm schöpfte 
Flutarch (Conviv.), aus diesem der Auetor, der aber zugleich Zusätze 
ans Alkidamas und Eratosthenes machte; dem Auetor folgte Tzetzes. 

Nach dem, was früher entwickelt ist, kann ich nicht zugeben, 
dass der Auetor und der ihm ähnliche Tzetzes aus Plutarchs Con- 
ymnm geschöpft haben: sie dififeriren in wesentlichen Punkten zu 
sehr. Ebenso muss ich bestreiten, dass Plutarch im Cimvivium den 
Aristoteles ausgeschrieben habe. Aristoteles muss, da er den Stesi« 
choros als Sohn Hesiods angibt — was freilich Rose bestreitet — 
von dessen Schuld berichtet haben; Plutarch leugnet sie direkt 
Femer glaube ich, wie schon bemerkt, dass eine so ins Einzelne 
gehende Darstellung der Vorgänge dem Zweck, den Aristoteles in 
seiner TToXiieia 'Opxo^ev^u)V hatte, nicht entspricht. Dass Plutarch 
dagegen oder, wie Bergk p. 25 meint, Proklos in seinem Kom- 
mentar zu Hesiod die kürzeren literarliistorischen Notizen des 
Aristoteles über Hesiods Tod und Begräbnis benutzt hat, scheint 
mir trotzdem festzustehen. Ist es nicht denkbar, dass der gelehrte 
Encyklopaedist in zwei ihrer Bestimmung und rielleicht auch ihrer 
Abfassungszeit nach ganz verschiedenen Werken verschiedene Auf- 
fassungen derselben Sage dargestellt, seine Anflicht darüber geändert 
hat, dass ihm einmal diese, einmal jene Darstellung Jinnehmbarer 
erschienen ist? Ist es nicht möglich, dass er in dem wissenschaft- 
licheren Kommentai'e die verschiedenen Meinungen neben einander 
gestellt hat, ohne sich füi- eine zu entscheiden oder ohne dass uns 
diese Entscheidung erhalten geblieben, während er in dem andern 
Werke seine eigentliche Ansicht poetisch ausgeschmückt darlegte? 
Doch es ist fruchtlos, Vermutungen aufzustellen, wo die Grundlage 
für dieselben so unsicher ist. 

Nachdem wir nochmals konstatirt, dass die knappe Darstellung 
des Aristoteles von Plutarch im Kommentar benutzt worden ist, 
dass sich Stücke hiervon in den Kommentar des Proklos gerettet 
haben, der seinerseits dem Tzetzes vorlag; andrerseits, dass die aus- 
führlicheren Darstellungen beim Auetor und Tzetzes nicht aus Aristo- 
teles ausgeschrieben sind, betrachten wir jetzt das Verhältnis dieser 
beiden zu einander. 

Ln Certamen sind offenbar zwei Berichte in einander geschoben: 
den die Worte '€paToc9^VTic bk bis uttö tuiv auTiwv 9TIC1 umfassen- 
den des Eratosthenes unterscheidet man sofort. Die noch folgenden 



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Dia Sag» Yom Todt Heuoda. 



271 



Worte können auch bei Eratosthenes gestanden haben; aUein lUMdi 
ihrer jetiigen Fassung gefahren sie zn dem Hauptbericht Nun wifd 
in diesem ein Alkidamas im Muse Ion citirt. Soll nnn damit aof 
ihn blos die letzte Notiz über die Todesart der Mörder oder die 
ganze Todesgeschichte zurückgeführt werden? Die Entscheidung 
kann nicht zweifelhaft aein. Dem Alkidamas wird auadrttokhch der 
Bericht des Eratosthenes entgegengestellt (b^), und zwar nicht bloa 
rilck.sichtlich der Bestrafung der Mörder, sondern anoh der Namen, 
der Sobald Hesiods: er skizzii*t die Gegenatttze, welche sich in der 
gesammten Erzählung finden. Diese abweichende Auffassung dea 
Eratosthenes, die ein einheitliches Gtanie bildet, wird der andern 
ebenfalls als einem einheitlichen Ganzen gegenübergestellt. So un- 
denkbar es ist, dass neben der Strafe der Mörder auch Namen der- 
selben nnd Unschuld Hesiods erwähnt wären, wenn in den letzteren. 
Punkten Eratosthenes mit dem vorangehenden Bericht übereinge- 
stimmt hätte, ebenso undenkbar ist es, dass die Worte vor Nennung 
des Alkidamas aus andrer ungenannter Quelle entnommen seien und 
nur für die eine kurze Notiz plötzlich Alkidamas benutzt und ge- 
nannt werde: der ganze Todesbericht muss vielmelir nach dem Zu- 
sammenhang, dem Gegensatz und Parallelismus der Ansichten ala 
ein einheitliches Ganze angesehen werden, das der Auetor — 
oder sein Gewährsmann — aus dem Museion des Alkidamas ent- 
nahm und dem er eine ihm bekannte abweichende Fassung, die des 
Eratosthenes, einfügte. 

Wie nun aber? hat Tzetzes den Auctor oder haben beide eine 
gemeinsame Quelle benutzt? 

Rose ist, wie schon erwähnt, für ersteres. Aehnlich scheint 
sich Bergk, Literaturgesch. p. 918, 1, die Sache voi*zustellen , wenn 
er meint, dass bei Tzetzes 'hauptsächlich die Schrift über den Agon 
ausgeschrieben sei'. Auch Anal. Alex. p. 29 not, behauptet er, dass 
der Auctor (homo haud indoctus) den Alkidamas, ersteren wieder 
Proklos d. h. Tzetzes benutzt habe. (Vgl. damit poet. lyr. p. 383.) 
Nietzsche macht besonders auf Grund des vorangehenden Berichts 

Anders freilich Boee (p. 508) : in certamine epitomator com Azisto- 
ielk narratione diversnm ex Aleidama quodam de interfectomm eiitio 

faraam EratoBthenisqne narrationem confundit (p. 323, 9 — 19, ita ut p. 20 
ad Ariatottilem revertat), üeber den imerwiesenen Zusammenhang mit 
Aristoteles s. oben. Dage£^ Bergk, Anal. p. 20 ft.: itaque hanc omnem 
nanatienein Meimdiim Aloidamaiilem expoaitem arbitror seriptorqne oer- 
taminis in postremis tantum Emtoethenem anetotem adliibet. 

XXV, 529. Das Genauere hierüber mnss einer künftigen Er- 
örterung vorbehalten bleiben. Vorläufig nur soviel: Homer und Hesiod 
werden aufgefordert, dad ächön«te auä ihren Gedichten zu öingen. Da 
besinnt Homer nach TietMi &k6 noJÜUbv M»v dpEdMCvoc (hncOev d. h. 
vide VerRe früher beginnend, wmnf dann drei Verse (131—133) ans 
11. N und die Worte xal trepatT^pu; toutujv folgen. Beim Auctor geht 
keine Vorbemerkung vorher, wol aber stehen vor v. 131—133 fünf Verse 
und nachher sechs. Erstere fünf kümien aber doch unmöglich mit den 



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272 



0. Fxiedel: 



aber 4ett Sänger krieg de s Homer und Heriod wakndMaüieh iiad 
behauptet q^Mer (ZXVm, 2B6) gans enteeUeden, data Tietns skdii 
direkt wu dem Agon «Mpfle, Kmdeni mit ihm eine reiloreo ge» 
gangene Sehrift, beieplelsweiee etwa die kropfoi dei Fergamenert 
Chaorax gemeiiiaaia beeotzt habe. Ihm atimmt Flaoh bei, imd zwmt 
464 t immnwinden, wttmad er p. 468 Boeh die MSgHehkeit 
offen gelaeaeB, daae Tsetaea direkt oder indirekt dae Certuaea be» 
atttst haba 

B« Veigleicihiing beider Beriohte aeigi aidi, daea der dea Taetea 
viel kOraer ist midia üut allen Ponkten mit dem dea Anetoni Aber« 
einstimmt Von vonüierein möchte man alao Boeea Ansieht geneigt 
aein. BieDifferenzpunkte sind folgende. Tzetzes nennt die Sdiweelar 
Etimene mit Namen, der Auetor nicht. Doch beweist dies noch 
nichts gegen eine Benutzung des Auetora durch Taetaes. Denn die 
Worte KxiMevnv ii fjc dT€vW|On CTticixopoc machen in ihrer ult- 
geschickt nachklappenden Art ganz den Eindruck einer persönlichen 
Zugabe dea Tzetzes, der seine auf Aristoteles zurückgehende Weis- 
heit hier noch einmal anbringen wollte. — Aehnlich verhält sioh'a 
mit den Worten: ^Gaipav auTÖv Acxpol iy NejA^qt rf] Tijc Oi¥Öi|C, 
wo der Auotor bloa IdaM/av liest Denn auch hier enthält diese ge« 
nanere Bestimmung nlehtB Neues, da Nemea schon erwähnt iat — 
In abweichenderer Weise sagt Tzetzes ferner: Odirrouciv dv pdqji 
dtopf, der Auetor blos rrap* oöroic lOai^jav. Aber Tzetzes gibt 
anch gleich nachher noch das Epigramm des Pindar zu, welches der 
Anotor auch nicht hat. Beides konnte er leicht ans der Notiz des 
Aristoteles ergUnzen, welche ihm über den Orchomenos betreffenden 
Teil der Sage vorlag. — Noch sind zwei Umstellungen zu erwähnen. 
Der Auetor l)ringt die Erklririmg: 6 yäp tÖttoc outoc änac i^a- 
XeiTO Aiöc NeMeiou lepöv gleich zu Anfang, Tzetzes die Worte: 
^KoXeiTO be j] Oivöri Aioc Ne^eiou Upov erst, na<thdem er den Mord 
erzählt hat. Grund hiertür mag sein, weil diese Erklärung weniger 
in den abgekürzten Bericht selbst hineingepasst hätte. Wichtiger ist 
die andre Stelle. Der Auetor gibt an: dTTOKTeivavTec eic tö jueToHu 
Tfjc Eußoiac Ktti Tiic AoKpiboc TreXafOC KaieTTüviicav, Tzetzes da- 
gegen: TTpöc Tov aiYiaXöv €Er|XÖTi tö cuj\iol MeraHu AoKpiboc xai 
€ijßoiac. Dass die Bezeichnung der Lokalität an beiden Stellen nn- 



Worten dirö noXXiuv ^ttujv dptdiacvoc ömcOev bezeichnet aein. Wenn 
aber dana von Hesiod gesagt wird: öfioiiuc Ojinpifi npoßaivci fi^xP^ noXXoO 
Tuiv i-cww, w kann mao danmter wol kaum jene 9 resp. 10 im GevtaieB 
aus Uesiod angefahrten Verse veratiehen, weil dadurch der darch ^^o(uic 
'Omipui verbürgte Paralleliamus verloren ginge. Und wirklich springt 
im Agon die Eeciiation plötzlich von ü. N, v. 133 bis 339, wotoq doch 
nicht ein äbeiclitiiehee Antlassenf aondn nor Bdqnrailitiliheit dos Bs* 
oenoton der Chnmd sein kann. Das deutet aber auf eine Tolkt&ndigere 
und genauere Fassung des Citats hin, welche dem IV.ctzes vorgelegen 
haben musß; in dem Agon allein finden seine Worte dnrohaos keine ge- 
nügende Erklkruug. 



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Die Sage vom Tode liesiods. 



273 



passend ist, leuchtet sofort ein. Denn wenn Hesiod im ozolischen 
Lokris ermordet ist, kann der Leichnam nicht in das Meer zwischen 
Enboia und dem opnntischen Lokris geworfen sein, und andrerseits 
iHwm er, wie anzunehmen, beim ozotisehen Lokris int Meer ge> 
warfen wurde^ kann er nieht zwischen Lokri» niid EaMn ans Land 
getragen aeiB. TTeber dieae felaehe Beniefanvig iai weiter vaten m 
handeln. Sie beweist aoeh iriohta. Weder weiden wir dadurch zu 
der Anmüune ganOtigt, daaa Taatzea seine Notis aiaa dem Oertamen 
entwornmen habe (etwa weil beide gleieh Msoh sind), nooh Hast 
sich zwingend schliessen, dass der FeUer schon in der gemeissamea 
Qaelle gewesen sein müsse. Letsteres kann der IUI sein, erste- 
res 1»ancht es niohi Soviel freiHeh steht wol fest, dass Tzetzes sa 
diesem Fehler in der Lokalbezeichnnng nooh den hinznfttgte, dass 
er die OertUchkeit nicht bei dem ins Meer Werfen, sondern beim 
Anssetsen des Leichnams erwlhnte. 

Trotidem es sich aber nicht an Einzelheiteii naohweiseii iSsst, 
dass TMms den Anetor benniat oder nicht benntst habe, so ist 
letsteres doeh mehr im ganzen mQglieh. Es ist mir dnrohans nn- 
wahrsobeinlieb, nnd ich habe darin Bergk (poei lyr. p. 88$) auf 
meiner Seite, dass der sdireibBeHge Tzetzes, wenn ihm der Anetor 
Torgelegen, rieh nicht mit seiner faiappen Darstellung begnügt, üon- 
dem, wenn er mehr gcwusst, auch gern mehr gegeben hfttte. Macht 
er doch seihst in dem zweiten Epgramm rinen Zusatz, den er anders- 
woher gewonnen. Und hätte er vor allem es sich entgehen lassen, 
eine abweichende, zumal anf eine Autorität wie Eratosthenes zurück- 
gehmde Ansicht anzuführen lesp. InreitEntreten? Thut er das nicht 
nm dies nur beiläufig zu erwähnen — bei der Streitfrage, ob 
Homer mit Hesiod gestritten? Kürze ist nicht seine Art Somit 
gilt mir als wahrscheinl&ch, dass l^etzes das Certamen selbst nicht 
benokt hat} ebenso aber auch wdter, dass er mit ihm nicht direkt 
aus derselben Quelle geschöpft hat. Denn wenn Tzetzes hauptsäch- 
lich deshalb das Gertamen nicht benutzt haben konnte, weil er dann 
sich nicht mit den kargen Angaben begnügt, sondern ihm mehr ent- 
lehnt hätte, so kann er noch weniger die jedenfalls noch genauere 
Quelle desselben benutzt haben. MiiMiMtotia ein Mittelglied mnsa 
Bian daher annehmen. 

Fas^<en wir nunmehr da.s Gesammtresultat kurz zusammen. 

Wii' unterscheiden zwei Reihen von Quellen: eine in kürzerer 
und eine in aubführlicherer Fassung. Ersterer gehört an Aristoteles 
in der TToXiieia *Opxo)J6v(uJV ; aus diesem schöpfte Plutarch im 
Kommentar, uns diesem Proklos. Die ausführlicheren Berichte 
stammen von dem Rhetor Alkidamas : von ihm leitet sich einer- 
seits das Certamen ab, welches ausserdem noch die abweichende 



Dass nicht ein beliebiger (quidam: Rose), sondern dieser bekannte 
Schüler des Gorgiai hier auxunehmen sei, iet zweifeliM; er beschäftigte 



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274 



0. FneMt 



Angabe des EntostheneB bringt aiidrerseitB Tennöge eines teilweise 
kttaer redigirten IGUelgUedes der Bexieht des Tzeizes. M^Uch ist 
dabei indes noch, dess die beiden getrennten Luden sich in einem 
einsigen Hanpte znsammensefaliessen. Axistoteles nimlich scheint 
dem AUddamas Tiel Anfinerksamkeit geschenkt zu haben; er dtirt 
ihn wiederholt in seiner Rhetorik. Es ist daher nicht ausgeschlossen, 
dass er nicht anderweitigen, uns unbekannten Qnellen, sondern 
eben der literarischen Darstettnng des AUddamas gefolgt ist 
Nehmen wir anch dies noch an, so wUrden wir folgendes Schema 
erhalten: 



Alkidamas (Mascion) 




Flntarch (Kommentar) X Anctor Certaminis 



Fkoldos (Kommentar) Tzetzes 

Wie steht es nun mit der Bestimmnng der Oertiichkeit, von 
der schon mehrmals die Rede gewesen ist? 

Beim Auetor steht: (i7roKT6ivavT€C eic TÖ ^€Ta£u Tfjc €ußoiac 
Ktti Tfic AoKpiboc TT^XaYOC KoreTTÖVTicav, bei Tzetzes: irpöc töv 
aiTiaXöv ^Hrix^n cilijua ^leTOt^u AoKpiboc xai €\jßoiac. Dass hier 
Widersinniges steht, ist schon bemerkt. Wie ist zu helfen? Von 
Rose (p. 508 cf. p. 511) zunächst können wir absehen. Nach ilim hat 
der Auetor die bei Plutarch aufbewahrte Erzählung des Aristoteles 
mit der des Alkidamas, bei dem die Erwähnung dieser Namen vor- 
treflflich zur Flucht nach Kreta passte, confundii-t. Plutarchs Con- 
yivium gehört aber nicht hierher und der Bericht des Auetor schien 
uns einheitlich und nicht mit einem andern vermischt. Marckscheffel 
(p. 31) glaubt, dass ein halbgelehrter Grammatiker das bei den 
ozolischen Lokrern Geschehene auf die opuntischen übertragen und 
dann, um die Lage genauer zu bezeichnen, das zwischen Lokris und 
Euboia liegende Meer hinzugefügt habe. Möglich, aber zu willkür- 
lich; daher nicht wahrscheinlich. Wy ttenbach (t. VI, p. 986) entfernt 
den störenden Namen €ußoiac durch die Aenderung in GuTiaXiac 
(Thukyd. III, 102: GuTrdXiov); allein diese Stadt gehört ja selbst zu 
Lokris. Dasselbe trifft Goettlings (Bergk p. 29 not.) Korrektur: 



sich viel mit Homer und Hesiod, worüber Nliheres in meiner Diflsdrtatioii 
(IHoaert. phil. Halens, i, 179—186. Halle, Niemeyer.), 



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Die Sage vom Tode üesiods. 



275 



MoXuKpiac, welches damals noch lokriseh war; erst im pel<»|M»me8i- 
schen Kriege wurde es Yon den Athenern besetzt, 426 v. Chr. von 
den Aetolem annektirt''). 

Nietssehe will u d«n hetreffendfln Stellen nichts korrigiren 
(XXV, 6BS\ yenntitet aber, dass im Oia^pauX statt CößoCac estwed« 
€^aXCoc (alao wia W^ttanbaeb) oder BoXivoc Stadt Im gegen* 
flberliegendfln Aobaia), fttr Ao Kpiboc aber MoXuKpiac gestaate 
baben möge. Damit will er XXVm, 283 jene ESnbaehting be- 
aekhnet haben, die *die drei Orte Molykria, Naii]»ktoB und Enpalion 
an ihren üfem hat*. Da aber Enpalion (Bnreuui p. 148) gar nieht 
am üftr lag, hat Nietisehe selbet dieie Konjektor anfgegeben. Nnn 
kommt aber naeh seiner Ansicht die Yerweehselniig Ton €dpo(ac 
uid Boturriac im Oertamen schon einmal Tor; denn die Worte nvkc 
hi cuvoKiidc« aÖTO^ <&ct€ drufvCcacOoi öfiöce iv AöXibt Tf|c 
Boiuirioc sind nach ihm (Gertamen p. 6, 63 mid Anmeric. ans der 
Handsehrift) in XaXidbi Tf)c €öpo(ac sn Sndem. Daher soll anch 
hier fUTo^ Tf|c BoiuirCac ical Tf)c Aoxpiboc nnd zwar snr Beseich- 
nnng des korinthischen Bnsens stehen. Diese Begeiohnimg ist aber 
nicht genau nnd taiek nicht recht passend. Denn fiüls man sie nicht 
als stereoiiyp lassen will, mdchte gerade in Besag anf den nicht 
nach Osten, sondern nach Westen treibenden nnd nicht gerade in 
der KKhe Ton Boeotien ins Meer geworfenen Leichnam eine andere 
Beaseichnung wol immer noch 'geföUiger' scheinen. 

Auch Flach (p. 464) wendet sich gegen diese Eoigektar nnd 
würde sie nur in dem Fall statuiren, dass der Mord bei Kirrha ge- 
schehen und somit der kleinere Meerbusen dort, der östlich boeotisch, 
westlich lokrisch war, gemeint sei. Das ist aber nach der sonst 
feststehenden Lage des Schauplatzes viele Meilen westwärts nicht 
möglich. Indessen scheint mir Flachs eigene Ansicht in nicht 
höherem Grade annehmbar. Schon einmal haben wir seiner Unter- 
scheidung einer opuntischen nnd lokrischen Sage widersprochen. 
Nun soll auch dieser Mythus — dTTOKTcfvavrec . . . KaxeTTOvricav — 
in Aulis entstanden sein, d. h. doch wol: die ozolische Sage soll 
nach dem opuntischen Lokris übertragen sein, weil die opontischen 
Lokrer nicht recht begreifen konnten, wie Hesiod nach dem ozolischen 
Lokris gekommen sei Dieser Grund ist aber nicht ausreichend, nm 
die üebertragung einer dort sonst gar nicht lokalisirten Sage zu 
rechtfertigen; auch bleibt durchaus unklar, was dann die Opuntier 
mit den Benennungen speciell lokrisch-ozoli scher Gegenden anfingen. 
Flach freilich meint, ^dass die detaillirte Benennung von Oinoe und 
dem Heiligtum des nemeischen Zeus entweder — wie dies auch Rose 
und Bursian annehmen — einer in-tümlichen Verwecliseluug (doch 
wol von Seiten des Alkidamas, der den sog. aolidischen Lokalmythus 



«') Burnan I, p. 148. ThnkTd. III, lOS. Diod. XU, 90 (cf. NietisdiA, 
p. 885 £). 

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276 



0. Priedel: 



vor sich hatte) mit der ozolischen Sage ihren Ursprung verdankt 
oder wirklich einer Darstellung der Bewohner von Aulls oder dem 
opimtischeu Lokris, dass auch dort ein Flecken Oinoe tmd ein solches 
Heiligtum gewesen sei, was an und für sich möglich wäre*. Aber 
welch merkwürdige Uebereinstimmung müssten wir dann annehmen ! 
Noch gewagter scheint die Vermutung, dass in der aulidischen Sage 
der Name Olvör), in der ozolischen, wie es scheine, CMv€i(iv festsiehe; 
denn die Yertaasohnng des eettaeren Olvctibv mit dem hftofigeren 
Oivöt) ist Axtselmm nafcttrlSeli mid walonehdiilieli. ünd wbs soH 
man tm der irrütmliohea VenreobBehmg ndt -der oEolischen Sage 
maohea? Baoaoh kamen die LokalHBten in der opuntiecbeii wol 
gar nicht TOr «ad AlVidamaB fOhrte sie Uoa irrtamlioh ein? Kamen 
ne aber nickt oder kamtti aadre vor, welebe Sptee, welobe FiMsung 
hatte dann die Todesgesohielite? Bobto nicht aHes aof dem Orakel? 
and war la diesem nicht gerade Nemea das BStselwort nnd der Ter- 
hSagnisTolle Hame, an den sich das Geschick Hesiods knttpfte? ünd 
nnn soll der in S» opontischen Sage gefehlt hahent Wenn die 
OBolische llter wire, wie Flach sdbst meinte wenn alle Namsn dort 
genau lokalisärt waren, so ist eine gleiche ofrontiBOhe Saga, aber 
ohne dieselben, flberfaaapt nicht annmehmen. Wenigstens machen 
mir Flachs firOrterangen ihre Ezlsteoz nieht klar genog. 

Bergk endlidi (p. 89 noi) meint, der Fehler habe sdion in 
der Vodage dee Anotor gestaadtti, ans dieeem aber sei er wieder in 
Prokloa-TsetMe ftbeigagaBgen, der freilich seinerseits noch den oben 
barahrtea hinsageftigt habe. Fttr €ößo(iic habe nrsptflnglich *AxcAac 
gsitaaden. 

Mit Bestimmtheit wird sich die Sache wol überhaupt nicht ent- 
scheiden lassen. Fest steht, dass der Fehler in €ußoiac liegt, und 
dass dieser Name durch eine allerdings nicht durch eine besondere 
opnntische Lokalsage hervorgerufene — Verwechselung des opun- 
tischen und ozolischen Lokris eingesetrt worden idt(Bursian I, p. 148, 2). 
Eine solche Vermischung ist sowol an sich leicht mögUdi als auch 
anderwärts literarisch belegbar ^^). An unsrer Stelle war wol ent^ 
weder der ursprünglich für Eaboia stehende Name nicht mehr er- 
kennbar, weehalb mit dem — nun aber ohne Berücksichtigung des 
Zwiammetthang» als opaatis<di gelSassten — Lokris das naheliegende 

'■-) Bei Euatathios p. 175 Ox. (ef. paraphr. p. 34), Rose 1. 1. p. 497 
wird im Anachluss an 3 Verse des Diouysios Perieget. (v. 365) über die 
eigentümliche Abstammung der unteri talisch en (epizepbyrischen) Lokrer 
gesprochen: tcr^ov ft^ 6n f| biaßoXf) toO f^vouc tiSfv toioütuiv ivrotOOci 
KdTat, AoKpiS^ C8V0UC ÖXou lOc Ik 6ouXiuv KaraYo^i^vou. boOXoi ydp <pTiav Övtcc 
irpOT^poic ?T€nv trapä toic '0Z6Xaic 5r)Xabi?i AoKpolc toTc irpöc tuj Kpiccad«» 
K6Xiti|J Tqj Kaxä Tf|v €Oßoiav, €lTO tuiv öecirorOjv diriövriuv ek iröXcfiov 
i^iimcav j Ta'ic ccpex^paic dvdccaic ktX. Da hier nach eiuigeu Schrift- 
steilem wie Ephoros die Kolonie von den opuntischen Lokrem ausging, 
nach andern wie Strabo (VI, 269. cf. Kose 1. 1.) von den ozolischen, so 
wax hier £:eilioh eine VenaiAchimg beider Fassungen noch leichter mOgUch. 



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Die Sage lom Tode Hened». 



»77 



Euboi» mbnnden wurde, od« fiuboia ist vielleiclit eine bewiuste. 
Verbesserung oder Yerbüserung des nraprttnglichen Namens durch 
ttnen Abschreiber, dem der Zusammenhang von Lokrie und Euboia 
natürlicher und geläufiger schien alä jeder andere/ 

Was stand nun aber statt EuboiasV^^) In Ktlcksicht auf {HCToHCi 
ist immerbin das Natürlichste, ein Lokris gegenüberliegendes Land 
anzunehmen und mit Bergk — wM noch dae Wj^h^-^^ynH^^^^^-a jg^ 
— 'Axdictc zu verbessern. — 

Einige Punkte, die bis jetzt mk nicht gut einfügen liesMn» 
aind noch nachzutragen. 

In dem Bericht des Alkidamas wird die versuchte Flucht nach 
Kreta erwähnt. Einige Erklärer meinen, die Flucht nach Kreta sei 
von dem opuntischen Lokris aus passender als vom ozolischen. 
Warum? Man könnte sogar mehr für letzteres sein, wenn man be- 
denkt, dass schon in alter Zeit, wie die Gründung von Krisa bezeugt,^**) 
gewisse Verbindungen zwischen der Nordküste des korinthischen 
Meerbusens und Kreta bestanden. An sich ist also das eine ebenso 
möglich wie das andere. Weshalb freilich gerade Kreta genannt 
sei, wird wol kaum zu bestimmen sein. Nietzsche (p. 226) behauptet, 
Alkidamas, welcher die Brüder der Ktimene mit einer Art Sympathie 
behandle und ihnen deshalb keinen schimpflichen Untergang durch 
ihre Laudsleute bereite, lasse sie deshalb nach Kreta absegeln, weil 
dort 'in dem sittenstrengen Kreta, dem Heerde der Frauenverehrung, 
ihre That gebilligt' worden wäre. Ebensogut kann man aber sagen, 
dass sie gerade in Kreta, einem Hauptkultorte des Zeus und einem 
allerdings noch später durch Sittenstrenge rühmlich bekannten Staats- 
wesen einer strengen Ahndung wegen Verletzung des heiligen Gast- 
rechts auf einen blosen Verdacht hin entgegengegangen wären. Ich 
vermag keinen andern Grund aufzufinden als den, dass sie in Kreta 
eben wegen der weiten Entfernung der Insel am sichersten vor Ver- 
folgung sein konnten. 

Noch eines Wortes bedarf die Angabe, dass der Leichnam erst 
am dritten Tage — Tpvraioc, fierd Tpirriv i\yiipay — Yon den Del- 
phinen ans Land gefaragen trärde. Bei der andern Qruppe von 
Qnellen gescbielit es noch an demselben Tage, und das ist auoh 



Könnte man der schon erwähnten UmBtelluog des Tzetzes Be- 
denfcoBg beilegen, so Heise sich folgenderManen scnlienen: Da der 

Leichnam petaEu AoKfi(6oc xal? ans Land getrieben wird, so kann kein 
gC|?cnüherliegende8, aondem nnr ein danebenliegondes Land gemeint 
sein; dies ist aber am paBsendsten AirujXiac. Denn der ganze Vorgang 
trug sich am Vorgebirge Khion zu, bei dem die IStadt Molvkria lag. In 
der N&he denelMn aber zog sieb die aetolisohe Oreue hin , nnd Ho- 
Ijkria selbst befuid iiek ja Mdt dem Jahre 426 in den Händen der 
Aetoler. S. Strabo p. 335, welcher sagt 'AvT»(if»iov liege iv ^€8op{oic ti^c 
AlTU)X(ac Kai rf^c AoKpiöoc. — Kietzache (p. 233) freilich ergänzt hinter 
Boiuirioc ein KaTdirovrtcS^. 

*^ Neben anderen Cnrtins, grieeb. Gesdh. I, p. 848. 



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278 



0. Friedel: Die Sage vom Tode Hesiods. 



natürlicher. Wie ist die Dreitägigkeit zu erklären? Nicht, wie 
Nietzsche will; das ist schon früher besprochen. Aus Alkidamas 
Bericht geht klar hervor, dass die Worte dirOKTeivaVTCC elc t6 
fieToHu Tflc Eußoiac ('Axcttac) xai rrjc AoKpiboc ir^Xatoc Koreiiöv* 
Ticotv' ToO tsk v€Kpoö TpiTttCou irp6c tP|v xnv (mö b€X<pivuiv ITpOC- 
evex6^VT0C ... immaglich so yerstanden werden kOnBen^ als sei der 
Leichnam etwa zwei Tage noch auf dem Lande gewesen nnd dann 
erst ins Meer gestossen worden, sondern er wird ins Meer gestossen 
nnd am dritten Tage ans Land gebracht. ZimBchst wird ersteres 
nnd dann erst die Bestimmung der DreitUgigkeit angegeben. Biese 
kann also erst nach dem ins Meer Stessen gerechnet werden. Die 
natürlichste ErUlrong ist sonach, dass der Leichnam am ersten 
Tage ins Meer gestossen, am zweiten von den Wellen nmhergetragen, 
am dritten endlich — an dem ja anch sonst die buxpopä statt&nd 
— Ton den Delphinen ans Land getragen nnd von den Lokrem be- 
stattet wnrde. Besondere Motive znr Annahme dieser Zwisehensut 
sind wol nicht vorhanden gewesen. 



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IS 



DIE 

BMUTZUM HEfiOÜOTS DUfiCH £PUOfiOS 

B£I DIODOB 

TON 

Db. ADOLF BAUER. 



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Der Zweck der folgenden Untersuchung ist nicht eine Eni- 
seheidimg za fUllen, welcher der beiden Autoren, Herodot oder £pho- 
ro8, wenn ihre Nachrichten sich widersprechen , den Vorzog ver- 
dient; ein Problem, das jedem entgegengetreten ist, der die von 
beiden behandelten Partien griechischer Gedchicbte untersuchtei 
und welches daher auch je nach dem grösseren Zutrauen zu dem 
einen oder dem anderen der beiden Historiker in jedem gegebenen 
Falle sehr verschiedene Lösungen erfahren hat. 

Eine Vorfrage vielmehr von ganz eminenter Bedeutung, deren 
tJutersucbimg und Lösung allen Ephorosstudien hätte vorausgehen 
sollen, bevor man an eine Eutücbeidung über grössere oder gerinfrere 
Glaubwürdigkeit des einen oder anderen der beiden Schrift;>tellor 
ging, ist bisher noch ungelöst. Es ist die Richtigstellung des beider- 
seitigen Verhältnisses, mit anderen Worten die Untersuchung, ob 
Ephoros Herodot benützt hat oder nicht. 

Zur Behandlung dieser Frage ist das Material noch nicht allzu 
lange geboten. F^eit wir nämlich nicht nur auf die Fragmente des 
Ephoros angewiesen sind, seit die Benützung dieses Autors in sehr 
ausgiebigem Maasse für die hier in Rede stehenden l^artien durch 
Diodor, Plutarch, Trogus Pompejus u. s. w. (bei den letzteren bei- 
den nicht in dem Umfange und in der Weise, wie bei dem erst- 
genannten) nachgewiesen ist, kann eine Vergleichung mit Herodot 
mit Erfolg vorgenommen werden. 

Vor Cauers^j und Vol(iuardsens*j Untersuchungen, die Ephoros 
als die vorzüglichste Vorlage Diodors für die griechischen (teseliichten 
im XI— -XVL Buche der Bibliothek erwiesen^), hatte mau sich ver- 
geblich bemüht, das Verhältnis Diodors zu seinen vermeintlichen 
Quellen Herodot, Thukydides und Xenophon festzustellen. Herodot 
als Qnelle anzunehmen schien besonders geboten, da dieser Sohrift- 



Cauer: Quaestionum de fontibiui ad Ageailai histoiiam pertinenii- 
bu8 pars prior. Vrat. 1847. 

*) Volquardsen: Untersuchungen Aber die Quellen der grieeliisclien 

n. sicil. Geschichten bei Diodor Bach XI bis XVI. Kiel 1868. 

') Für die hier in Frage kommenden Theile haben auch die Betol- 
tate Caucrs und Volquardseus keinen Widerspruch erfahren. 

Jahrb. f. class. PhUoL SappL Bd. X. 20 



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282 



Dr. Adolf Bauer: 



ffteller ZI, 37. 6(Saoh der Erwibniing der Belageruiig Yon Sestoe oitirt 
wird, eben dem EreignisM, mit welchem Herodots DarsteUmig 
sehlieBBt Heyne ^) sowol als Grote^) meinten Herodot und Thukj- 
didee als Quellen IModors annehmen sn mttssen. Das Argument aus 
XL 37 fUlt freilich weg, da wir jetzt wissen, dass derartige litterar- 
historisehe Notisen fOr die Benflteung der in denselben genannten 
Schriftsteller durch den Verfasser der Bibliothek nichts beweisen, 
sondern dass ihr Inhalt aus pinakographischen Au&eichnungen stammt. 
Allein massgebend fttr die Ansieht der obengenannten Gelehrten war 
doch die Beobachtung gewisser Üebereinstimmungen der beiderseitigen 
Nachrichten. Wie richtig dieselben waren, sieht man aus Collmanns*) 
Arbeit, die gezeigt hat, dass freilich nicht Diodor, wol aber der von 
ihm ausgeschriebene Ephoros Thukydides benützte; dass in Bezug 
auf Xenophon dasselbe gelte, hat Stedefeldt^) gezeigt; Herodots 
Benützimg durch Ephoros ist hingegen entschieden in Abrede ge- 
stellt worden von Wolfgarten während Kirchhoff^) sie beilAufig 
einmal als Tbatsacbe erwälmt. 

Für die Ansicht der Benützung spricht von vornherein die Prä- 
sumtion, die aus dem Verhältnis des Ephoros zu Thukydides und 
Xenophon gewonnen wird, da anzunehmen ist, dass der Autor sei- 
ner Methode in diesen Theilen des Werkes gleichgeblieben sei. 

Den Spuren des Ephoros vor dem Beginne des elften Buches 
der Bibliothek nachzugehen, ist durch die trümmerliafte Ueberliefe- 
iiing des V — XI. Buches sehr erschwert und soviel ich sehe anch 
noch gar nicht versucht worden.^") Die bisherigen Untersuchungen be- 
gannen mit dem elften Buche, und daran soll im Folgenden auch fest- 
gehalten werden, weil sich so die Handhabe gewinnen lassen wird, 
auch den Fra^iticntc n in Bezug auf ihre Quellen beizukonmien. Dio- 
dor eignet sich am besten von allen Autoren, welche Ephoros be- 



^ Hejne; de fontibui et auetoritate Dioden, wieder abgedruckt 

in der Teubnerachen Ausgabe Diodora von Dindorf Vol. II p. XVI sq. 

Grote: Histoiy of Ureece. Vgl. die Stellen bei Yolquardaen a. a. 0. 
S. 4 Anm. 4. 

*) Collmann: de Diodori Sicnli fontibns. Marburg 1869. 

') Stedefeldt: de Lyaandri Plutarcbei fontibus. Bonn 1867. 

WoH"^';irtfni : de Ephori et r>inonis historiis a Trogo Pompeio cxpres- 
Bis. Bonn IHt'iH. 8. 28 u. IM) wird dies fiir Kphoreiache Nachrichten, die wir 
bei Justin besitzen, behauptet. Dasselbe sagt Schmidt: d. pcrikl. Zeit- 
alter. Jen» 1877. 8. 284, der aucli ThulcydideB Benutiung durch Epboroa 
in Abrede stellt, diu von CoUmann a. a. Orte nachgewiesen ist; freilich 
haben dessen Ausführungen, wie es scheint, anch IJoIni, Gesch. Siciliens 
1. Bd. S. 316 nicht überzeiirrt. Auch Volquardsen a. a. 0. S. 29 hat 
Unrecht, wie sich im Folgenden zeigen wird, wenn er meint, dass sich 
bei Diodor kein Abschnitt finde, der sich aus Herodot herleiten laue. 

^) A, Kirchhoflf: der delische Bund, Hermes Bd. XL 8. 6. Vgl. 
St«lkens: De Ki»hori Cumani fide. Münster 1857. p. 23. 

B. K.lüber: über die Quellen Diodors im iX. liuche. Wünburg 
1868, war mir mdit lugänglidL 



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Die Benfltcung Herodoti Umh Ephoroe bei Diodor. 283 



Buttien, Sur Darlegung der QneUenbentttzniig des leiiteren, da er 
ihn am getreueeten wiedergiebi 

Aber er bat Herodot gekannt und ihn benfitzt, und es moBs da- 
her im Torans dieeee bmdereeitige VerhltltniB befcraehtet werden, um 
nicht in jedem einzehien Falle darauf Besag nehmen sa mllseen. Im 
allgemeinen nämlich ergiebt sich die Beobachtung, dass das erste 
Buch der Bibliothek siemüch zahlreiche Berdhmngspnnkte mit Hero- 
dot zeigt, die dann bis zum siebenten fast aufh(^n, um dann wie- 
der äusserst zahlreich zu werden bis XL 87, an welcher Stelle das 
Ende von Herodots Werk vermerkt ist. 

Diodors erstes Bach enthält die Resultate seiner eigenen ägyp- 
tischen Beise, die Art der Arbeit ist also hier ftlr den Autor eine 
andere als in den folgenden Büchern, wo er es mit schriftlichen 
Quellen aUein zu thun hat. Wenn irgendwo, so ist hier eine directe 
Benützung Herodots anzunehmeu, und es ist daher dieser Theil des 
Werkes yor allem geeignet, nachdem dies erwiesen worden, eine 
Vorstellung Ton der Art und Wttse zu gewumen, in weicher Diodor 
dieselbe vornahm. 

An mehreren Stellen des ersten Buches wird Herodot sogar 
ansdrUckheh genannt, bald rühmend bald tadelnd, gleich wol ist der- 
selbe, wie wörtliche Uebereinstimmungen zeigen, gerade in dieser 
Partie benutzt. Gerade für unsere Frage, Herodots und Ephoros 
Verhältnis zu prüfen, besonders wichtig erscheint c. 37. Es ist ein 
grosses Problem, die ErklUrung des regelmässigen Steigens des Nil, 
welchem Diodor veranlasst Ilüokscliau zu halten über das, was seine 
Vorgänger darüber gesagt. Kr findet, dass die Schriftsteller, wie 
liellanikos, Kadinos, sogar Uekataios sich tiauptsächlich in mythi- 
schen Erklärungen versucht hätten. 'HpöboTOC be, fährt er fort, 
6 TToXuTTpdYMUJV, el koi TIC aXXoc, t^TOVojc kqi iroXXfic iciopiac 
^jiTreipoc, €TTiKexeipr|K€ fiev irepi toütujv dTTobibövai Xöfov, tiko- 
XouOriKdjc be dvTiXe-fO|uevaic uTTOVOiaic eupicKeiai, Xenophon ferner 
und Tliukydides hätten mit den Nilländeni nichts zu thun, Ephoros 
und Theopomp hingegen, die am meisten von allen darauf sich ver- 
legt hätten, seien der Wahrheit am wenigsten nahe gekommen. Der 
Grund dessen sei nicht ihre Sorglosigkeit, sondern vielmehr die gänz- 
liche Unmöglichkeit gute Berichte zu erhalten, da bis auf Ptolemaios 



") Erst jüngät hat Büuger (Fleckeisen's Jahih. 1877. Bd. 116. S. 315) 
für die Partien der von ihm reoennrten Schrift Natorps: Qaos Mietores 

in ultimis belli Peloponneaiaci annis describendiä socuti sint Diodonu 
Plutarchua lustinu«, welche griechische Ge8chichte behandeln, eine 
directe Benützung auch de« Thukydide.s und Xenophon angenommen,^ da 
er der gewiss onwahrscheiniicheu Annahme Natorps einer gans gleich- 
m&Migen BenfltBiuig dieser beiden Autoren durch Ephoros sowol als 
Theopompos nicht folgen wollte. Es ist dies eben ein misglückter Ver- 
such, Theopomiios Spuren bei Diodor nachweisen zu wollen, imd es steht 
der ausgiebigen Beuatsung des Thukydides durch Ephoros allein, wie 
CoUmaim will, nichts im Wege. 



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284 



Dr. Adoft Bauer: 



Fhiladelpbos hm HeUeno nach Aithiopien gekommen seL C. 38. 8 
wird dann Herodots Ansicht Uber das Wachsen des Nil vorgetragen 
und kritisirt Diodor gelangt su dem Schiasse irepupovtZ^c 6 cur- 
Tpaq)€uc cxcbidtuiv Oeuipctrou, ein Urtheil, das er noch einmal 
zu wiederholen eich yeranlasst sieht, bei welcher Gelegenheit er be- 
hauptet, lieber den Aufzeichnungen der Priester als den Berichten 
der griechischeu Schriftsteller zu folgen. Dass er dies nioht durch* 
ans gethan hat, wird die folgende Anseinandersetzung zeigeiL Aber 
auch Ephoros kommt schlecht weg, als dessen Ansicht über das 
Wachsen des Kil behandelt wird^'); seine Auseinandersetzung ist 
unrichtig, er bat sich nioht einmal in den schriftlichen Quellen, die 
ihm zu Gebote standen, genau umgesehen, was er doch hätte thon 
müssen, da er Aegypten aus eigener Anschauung nicht kannte. Dio- 
dor") schliesst: dXXot yctp ouk äv Tic irap* *€(pöp4J CriTricciev 
iravTÖc rpÖTTOu TdtKpißec, 6pu)v auTÖv dv TroXXoTc u)XiTujpiiKÖTa 
Tf\c dXriBeiac. Man sieht, Wind und Sonne sind nach beiden Seiten 
ziemlich gleich vertheilt; dass der Verfasser der Bibliothek, der selber 
Aegypten bereibt hatte, zu der Tradition seiner Vorgänger sich in 
dieser Weise stellte, ist gewiss begreiflich. Diese Stollen sind also 
für die in Rede stehende Untersuchung nach keiner Seite entscheidend. 

Der Vergleich Herodots und Diodors nmss natürlich eine An- 
zahl von Berührungspunkten ergeben, die nicht als unmittelbar be- 
weiskräftig betrachtet werden können. Der gleiche Stoff bedingte 
eben bei thatsächlicher lüchtigkeit der Angaben beider Autoren eine 
• gleiche Art der Erwähnung; auch auf die bedeutenden Unterschiede 
der Königsreihon kann nicht eingegimgen werden: Herodot liess sich 
dieselben von den Prid-tern seiner Zeit ei*ziihlen und für Diodor 
liegt dieselbe Quelle vor, auf welche er wiederholt ausdrücklich auf- 
merksam macht *^); die Acndenmgen, die in den Listen vorgenom- 
men wurden, sind aus den Difterenzen beider Autoren zu erkennen. 

Die Einrichtung des Jahres bei den Aegyptern ist jedoch mit 
so wörtlicher Uebereinstimmung beneblet, dass es schwer ist sich 
der Vorstellung zu enthalten, Diodor habe hier Herodot vor sich lie- 
gen gehabt, allerdings niuss man für diese Stellen einen gewiös tech- 
nischen Gebrauch der betreS'enden Worte zugeben. 



Diod. bibl. 1. 1. c. 69. 7. öca |i4v ouv 'Hp6öoToc kqi tiv€c tOüv 
täc AlTuirriuiv npd^eic cuvroSafi^vuJv icx^bidKaciv ^Kouduic TrpoKpivavrec 
Tf)c dXfiectoc t6 irapaboEoXoT€lv ical m^^^c irXdrreiv HnocaTerrto^ Cvcko 
irapif|cofi€v, aCiTä tä napd toic UpcOci Totc kot' Atifvirrov 4v TCÄC dvo- 
TpCupaTc YeYpaiun^va qpiXoTtVwc ^EriraKÖTCC ^K6r)c6fi€0a. 

ibid. c. 39. 7. 'tqpopoc bi KaivoTdT»)v airiav elcq)^pwv mOavo- 
XoT^v M^v iTctpärai, Tf)c 6* dXi|8e(ac oöbaiiil^ hrtruTxävujv Octupdrai . . • 
6 bl cuTTPci<peuc oOtoc ob H^wv V|Miv <pa(v€Tai fif) xcGeajiivoc T^jv 9OCIV 

TÖJV KOTd tViv AlTl'TTTOV TÖTTIUV, dXX4 ^V|Ö4 Kttpd TI&V CibÖTUIV t4 KOtÄ T^JV 

") ibid. c. 39. 12. 
^ Vgl. Anm. IS. 



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Die Benützung Uerodota durch Epboros bei Diodor. 285 

Diod. I. 60. 9. Her. II. 4. 

Tpi«KovO»iu^pouc fi^v Tiö^^cvoi Tpir)KovTr|!u^pouc äfovT^c rovc 

Touc fiT^vac, TT^VTC 6' t[^lpac Kai t^- ftuiuheKa ^fivac ^Trdfouciv dvä ttcxv 

raprov toIc iKiiftcKa Mi^dv iirdtou- ^toc tt^vtc fni^pac irdpeE toö dpiG- 

civ, Kai ToOxqi ti|i Tpöirqj xöv ivi- jioO, Kai cq)i 6 kukXoc tüiv d^p^uiv 

aikiov kökXov dvcnrXiipoOav ic rdjmö ircpiidw frapaTtvcrai . . 

Keine Nüthigung jedoch denselben Ausdruck zu gel)rauchen fin- 
det sich an einer anderen Stelle, wo von beiden Autoren dpsselben 
Factum gedacht wird; es ist nicht ohne Bedeutung, dass sie unmit- 
telbar auf die eben ausgoschriebouo folgt, und es erhält so die für 
diese ausgesprochene Behauptung eine BestUtigung. 

Her. II. 99. Diod. I. 50. 6. 

6 ärpolrv oCroc toO NeUou . . . . 4v ^ovtoc ifAp toO NeiXou irepl TVjv 
«puÄaxQct ^€T(iX^3Cl ^xerai, (ppacc6- iröXiv xal kotä tAc dvaßdceic iiri- 
^€voc dvä TTdv Itoc. €l Ydp dGcXric« kX02ovtoc, dird ittv xoO v6tou 
pr\lac öncpßf^vai ö iroTOfiöc Taurq, iipo€ßdX€TO x^fui miMM^eOec . . . 
Kivbuvoc irdcr) Mdjiiq»! KOTOkXu- 
cOv^vai 4cTi 

Wenn die Mftasse des Mdrissee gleich angegeben sind, so liegt 
dies in der Natur der Dinge (Diod. I. 51. 6, Her. II. 149); dagegen 
nicht unwichtig ist es, wenn sowol Diodor (a. a. 0.) als Herodoi 
(n. 101) den Bau des Mtfris ausdrücklich als irpOTiuXaia und zwar 
ersterer als tä ßöpeta irpoiruXata, letzterer als rd Tipöc ßoperiv 
övc^iov TeTpafi|i€va TtpoirOXata bezeichnet Der Ertrag dieses Sees 
für den König durch seinen Fischreichthum wird von beiden Auto- 
ren (Diod. I. 62. 5, Her. II. 149) gleich hoch veranschlagt, dpTupiou 
TdXavTOV ^KdcTTic f)jyi^pac, allerdings die Details, mit denen dies 
berichtet ist, stimmen nicht. Eine Stelle, der ich eine entsclici- 
dende Beweiskraft beilegen möchte, ist Diod. L öö. 4. 5 im Ver- 
gleiche mit Herodot II. 104. Herodot rrzlihlt von den Zügen des 
Sesostris bis ins Skjthenland, und tragt im Anschluss daran die 
Hypothese vor, dass die Kolchor eigentlich Aegypter seien und von 
daselbst zurückgelassenen Truppen des Sesostris stammten. Er 
führt einige Gründe an, die ihn zu dieser Annahme bestimmten, für 
entscheidend aber hält er den bei Aegyptern sowol als Kolchcrn 
gleich verbreiteten Gebranch drr Beschneidnng. Diodor nun berich- 
tet von seinem Sesoosis: ^nfiXGe Trdcav €u>c 'QKeavou Kai Tot tu)V 
CkuOujv ^Ovr| fiexpi Tavdiboc TroiaiLioö toO ^lop^^ovTOC ir\y Eupiu- 
Trr|v diTO iflc 'Aciac* öie bt qpaci tiuv Aitutttiujv xivdc Kaia- 
XeiqpGeviac Trepi Tf)V MaiÜJTiv Xi^vr|V cuciricacBai t6 tüjv Kö\- 
XUJV ^6voc. ÖTi toOto TO Tt'voc AiT^JTTTiaKÖv ^CTi criiaeiov 
cTvm TO 7TepiT^|iV€c0ai touc dvBpuJTTOuc TTapairXriciujc toTc Kax* 
ArfUTTTov, öiaiievovTOC toö vouijuiou rrapd toTc dTTOiKoic, KaGdirep 
Kai Tiapd ToTc 'loubaioic. Man wird vielleicht entgegenhalten, solche 
Stellen könnten eine Uebereinstimmung zeigen, weil Herodot sowol 



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286 



Dr. Adolf Bauer: 



als Diodor am seLben Orte dieselbe Priestertraditioii, deren Erhaltang 
in der That nichts Wunderbares bfttte, wiedergeben. Ich denke die 
folgende Yergleicbung einer Stelle, die wie die besprochene mit (päd, 
mit lüc TIV6C M^XoToOciv eingeleitet ist, mnss einen solchen Zwei- 
fel gründlich beseitigen. 

ZnnBchst ist za erinnern, dass beide Autoren von demselben 
berichten. Herodot er^dttilt II. III die Geschichte Fherons des Soh- 
nes des Sesostris und Diodor L 59 die des Ton ihm nicht genannten 
Sohnes seines Sesoosis. Nach Diodor^) war Sesoosis im 33. Jahre 
seiner Regierung erblindet, dayon weiss Herodot nichts; daher ist es 
begreiflich, wenn Diodor da, wo er des Sohnes Erblindung berich- 
tet» sagt: dcT€(M'i6ii fäp Tf)c 6pdc€uic ehe btd Tf|v jipöc t6v 
irar^pa tflc <puc€ujc Koivuuvfav eiO*, (bc tivcc {üiuOoXotoOci, bid Tfiv 
de t6v TTOxaMÖv dc^ßeiav. Dies letztere ist der Grund, den Hero- 
dot auseinandersetzt, und die beiden Darstellungen decken sich von 
nun an vollständig, dass aber eben Herodot dieser |luOoXOTuuv ist, wird 
eine kleine sprachliche Uebereinstimmung zeigen. Im zehnten Jahre, 
heisst es entsprechend bei beiden Autoren, ward dem Könige Hei- 
lung zu Theil durch einen Orakelspruch (der Ort ist nur im Texte 
verschieden) Ti|Lifica( T€ TÖv 0€Öv TÖv iv 'HXiouTTÖXei kqI T^vaiKÖC 
oupijj viZecÖai tö Trpöcu)7rov, f^xic TreTpav dvbpöc ouk €TXr|(pev 
^T^pou, so Diodor; Herodot sa^t am selben Orte: evbeKaTiu hi It€1 
ÖTTiK^cGai Ol |iavTr|iov tK Boutoöc ttöXioc, ujc ^Hr|Kei tI o\ ö xpo- 
voc rrjc 2rmir|C kqi dvaßXeijiei fuvaiKoc oüptu viijiduevoc touc 6qp6aX- 
|iOuc, HTic irapot tov eujuific uvbpa luouvov TreqpoiTTiKe , dXXujv 
dvbpujv ^oöca UTreipoc. Es ist ganz unmöglich anzunehmen, dass 
diese ionische Form des Relativ*^), gerade an derselben Stelle, blos 
zufällig wiederkehrt, wir werden unten noch einen Fall sehen, an 
welchem eine gleiche Beobachtung sich machen lässt. Dass die 
Maasse der beiden errichteten Obelisken genau gleich sind, darauf 
ist dem gegenüber ebenso wenig Ge^\^cht zu legen, als dass der Ort, 
au welchem die Weiber verbrannt wurden, die dem Könige nicht 
von seiner Krankheit hatten helfen können, bei Diodor lepd ßujXoc, 
bei Herodot '€pu9pr) ßüuXoc heisst. Auch die Angaben beider Schrift- 
steller (Diod, 1. 64, Her. 11. 125. 127) über Kephren stimmen, die 
R^gierungsdauer, die Summe, die bei dem Bau der grossen Pyra- 
mide verausgabt wurde, sind gleich angegeben, ebenso wie bei bei- 
den gesagt wird, dass die Pyraimde des Kephren kleiner gewesen 



*•) Diod. I. 58. ^TT) hl Tpi'a Ttpoc xoTc xpidKovra ßaciXc^kttC in ITpO- 
atp^C€U)c iE^Xme töv ßiov, dnoXiirövTUiv auxöv xiiiv ö^^dturv. 
»0 Diod. I. 59. 2. 

") Ich venreifle auf die analoge Herttbemahme dieser Form des 

Belatiy bei Antiochos v. Syrakus durch Thukydides, wie dies Wölfflin: 
Antiochos v. Sjrrakus und Colitis Antipater, 1872, beobachtet hat; in der 
Anmerkung S. 9, wo vou diesem Gebrauche bei Diodor geei^rocben wird, 
ist nnieie Stelle übersehen. 



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Die Benfitsmig Herodote dncob Ephorof bei Diedor. 287 

sei als die seines Vorgängers. Auf ihn folgt Mykerinos, Diod. 64. 
6 eagt: fiexä bk toutouc ifiyejo ßaciXeuc MuKcpTvoc, Öv tiv€c Me- 
X€piVOV övo^ciZouci, allein Diodor behält im übrigen den ersten Na- 
men bei, die Form, die auch Herodot hat; weiter stimmt noch die 
Angabe über die Grösse seiner Pyramide, und die ausdrückliche 
Hervorhebung seines milden Begimentes (Her. II. 129. 134). Doch 
diese letzteren Uebereinstimmungen beweisen nicht zu yiel und kön- 
nen eben nur accessorisch verwendet werden, wenn zweifellosere 
Anhaltispnukte vorhanden sind, wie deren der folgende Vergleich 
bieten wird. 



Diod. I. 67. 

Tf)c bi 6\r\c ßaciXefac Kupteift- 
cac 6 VonnfjTixoc Tdi) ^xi^f Iv M^fl- 
9€t 6e(p Tö «pöc iw irpoirüXaiov 
KaT€CK€i&ace, ical ti|i vcufi töv 
irep{ßoXov, koXottoöc Oitoct/i- 
cac dvTl Tt&v xi6vu>v 6(u6e- 
KaiTifl xe i c ' Tolc hl ^ic6o<p6poic xu'plc 
tCtv ibfieXotim^vonr cuvrdEciuv bui- 
pcdc TC dStoX^TOuc dn^iMC xal rft 
KaXoO|iieva CTpatönefta t6icov 
oIkcIv Cöuikc. 



Her. n. 158. 154. 

KpoTiflcac 61 AItütttou ndCr\c 
6 VaiLiMfiTixoc iireCi|C€ *Hq)0^ 
CTiv irpoiröXota £vM^Mq>i t& irp6c 
VÖTOV dveiiov T€Tpa)i|i^va , aOXf)v M 
T<|> "Am, iv xq Tp^qperoi inc&v <pdyr) 
6 *Ainc, otxoMiiuicc &ravT(ov vStv 
irponuXaCiuy, irAcdv t6 ircpicTuXov 
Mcav Kai Tömuv iiXlf)v* dvTi hk 
Kt6viuv AirccTftci KoXoccol 5uui- 
5€Kairf|X€€c adXQ . . . toIo 
luia Kttl Toita Kapd Toüa orrxarcp- 
TQcap^vota aAT(|k 6 Vamiftrixoc &(- 
5iiici x^pouc £votKf)cat dvriouc 
dXX^^Xiov, ToO NefXou Td m^cov Ixov- 
Toc^Totct oöv6|AaTa ^T^OtiCrpop 
Töircfto. 



Die Beihenfolge ist in beiden Fällen gleich, und die Menge des 
wörtlich Uebereinatiminenden so gross, dara die Ueinen Differenzen, 
(der Bau nach Diodor gegen Osten, nach Herodot gegen Sttden) auf 
Rechnung der Flttchtigkdt Dlodors gesetit werden müssen. Im 
Verlanfe desselben Capitels wiederholt sich noch die Nadiricht, dass 
der König die ägyptischen Kinder habe in hellenisöher Wäse nnter« 
richten lassen, dies berichtet Herodot IL 164. In die Darstellung 
der Begiemugsthfttigkeit der folgenden Könige sind versohiedena 
Zflge ans Herodots Bericht verarbeitet; die, von ihm so sehr be- 
tonte Entlehnnng Sgjptisidier Sitten, Gebrftuche nnd Einrichtongen 
findet sich auch bei Diodor. Die Aegypter halten sich für das 
älteste Volk (Diod. L 10, Her. IL 2). OiSiris wird von den Helleaen 
Dionysos genannt (Diod. L 11. 3, Her. IL 42. 144), Horos ist bei 
den Aegyptem der letzte Götterkönig (Diod. L 44. 1, Her. IL 144). 
Besonders bezeichnend scheint mir, daw «ne so zofiUlig berichtete 
Anekdote über Dareios, wie die von Herodot IL 110 erzählte, als 
er in Memphis vor der BildsUule des Sesostris stand , sieb auch bei 
Diodor wiederfindet Vergleicht man jedoch Her. IL 110 nnd Diod. 



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288 



Dr. Adolf Bauer: 



I. 58. 4, so sind die Details verschieden, und die Version bei Diodor 
von einer Art Verhandlung im Bathe der Priester, ob man dem An- 
sinnen des Dareios seine Statue neben der des Sesostris aufzAistellen 
nachgeben dürfe, scheint mir wie eine freie Umgestaltung des von 
Herodot Berichteten. Herodot spricht II. 151 von dem bekannten 
Orakel, mittelst dessen der Dodekarchie durch PbLimmetich ein Ende 
gemacht worden sein soll, der Verfasser der Bibliothek gibt als 
Grund den Philhellenismus des Königs an, meint aber I. 66. 10: 
Ivioi Tujv dpxaiujv cu"fTPCt(peujv muOoXotoöci xP^^^MOV t^- 
Vfecöai Toic lYfeuociv, öc av auTÜJV tK x^AKf^c cpidXric TrpiuToc 
M^ficpei CTreicri tüj öeuj, Kpairjceiv auTOV rrdcnc Aitutttou, Hero- 
dot hatte dies II. 147 in folgender Wei^e gefasst: €Kexpr|CTÖ cqpi 
Ktti' dpxdc auTiKa evicxaiuevoici xdc rupawibac töv x^XKerj 
(pidXi;) CTTeicavia auTÜuv ev tuj ipai toO 'Hqpaiciou, toutov dirdcnc 
ßaciXeuceiv AifdnTOU. Nach dem Vorangehenden kann wol nicht 
zweifelhaft sein, wen Diodor meint, wenn er von seiner Quelle spricht.*'*) 
Das Bestreben Herodots, die Griechen vielfach von den Aegyptern 
beeinflusst erscheinen zu lassen, hatten wir schon früher an der 
Stelle Uber die Einrichtung des Jahres auch bei Diodor zu erwähnen 
gehabt; dies findet sich aber noch öfter. Mit den Fragen der Phi- 
losophie sollen die Aegypter sich zuerst beschäftigt haben (Diod. I. 
50, Her. H. 123), die Buchstabenschrift, die astronomischen Be- 
rechnungen, und jene der Geometrie lernte Hellas von ihnen (Diod. 
I. 69. 5, Her. D. 109). Die folgende kleine Notiz, die für Herodots 
Pablikum allerdings bedeutungsvoller war, als fOr den Zweck, den 
Diodor verfolgte , findet sieli gleldiwol ]ierilbeig«iiomme& und nooh 
weiter ausgeführt. Die Angabe der Einkünfte eines jeden Bürgers 
hatte Selon nach ägyptischem Muster in Athen eingeführt (Diod. 77. 
5, Her. U. 177). Es ist nicht unwichtig, dass andi diese Nachricht 
von Diodor mit X^tctoi eingeleitet ist Die Vermittler dieser 
Herttbemahme der Kultur sind Griechenlands grosse Dichter und 
Gesetzgeber, ihr Aufenthalt in Aegypten muss dasu den Anstoss 
geben» Derselbe wird angeführt yon Homer, Orpheus, Pythagoras 
und von Melampus bei Diod. I. 96 , Herodot constatirt nur IL 63, 
81, 49 die Analogie ihrer AnsichtcoL Auch Helena soll auf ihrer 
Fahrt nach Aegypten gekommen sein (Diod. L 97. 7, Her. IL 118). 
Wenn in der Gesdiichte des Amasis (Diod. L 96. 3) des Yerhftltnisses 
zu Polykrates gedacht wird, das Her. HI. 40 flgd. berichtet, so ist dies 
selbstverstilndHch; dagegen die Erwftbnung einer eleischen Gesandt- 
schaft am Hofe des Pharao (Diod. I. 96. 2, Her. II. 160, bei letzte- 
rem freilich an Psammis* Hof), scheint mir^ als von keinem besonders 
allgemeinen Interesse, auf Entlehnung aus Herodot zurflcksugehen« 

Wenn Diodor I. 27 sagt, er wisse wol, weshalb xiv^c xiwv cuy- 
Tpaq>4uiv von des Dionysos Grab im arabischen Nysa berichtet, so muss 
nicht Herod. IL 146 gemeint sein, da er nur der Yersetsong desselben 
dahin gedenkt. 



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Die BenutsiiDg Herodots durch Ephoros bei Diodor. 



289 



Es ist wol schon jetzt gestattet-, auf Grund dos Vorhergehenden sich 
üher die Art, wie Diodor im ersten Buche der liibliothek gt'arljoitet hat, 
ein TIrtheil zu bilden. Wiederholt muss hervorgehol)en werden, dass Dio- 
dors hauptsächliche Quelle seine eigenen Forschungen in Aegypten sind, 
gleichwol recurrirt er, wenn sich seine Vorgänger auf dem Gebiete 
der Geschichtschreibung geirrt zu haben scheinen, auf deren Ansichien, 
80 besonders, wie wir sahen, bei der Streitfrage über die Quellen 
des Nil. Derjenige unter denselben, dessen Vergleichiing die aus- 
giebigsten Resultate liefert, lierodot ist benfltzt, und zwar in der 
Weise, dass der Autor sich mit Hülfe desselben seine Darstellung 
theil weise ergänzt, ohne ihm etwa in der ganzen Anordnung oder auch 
nur in der Coraposition einzelner Abschnitte zu folgen. Es ist mit einem 
Worte eine selbständige Arbeit Diodors, bei welcher er sich jedoch 
veranlasst sah, von Zeit zu Zeit, aber immer nur für ganz wenige Nach- 
richten, aus den Werken seiner Vorgänger Belehrung za schöpfen. 

Ein anderes Verfahren beobachtet nnser Autor im zweiten Buche : 
der ünfeneliied ist der, dass bei der Behandlung der iiitesten Geschichte 
Adens demselben die Bekanntschaft mit dem Lande selber fehlte. 
Bei Herodot ist der Gang der Ersllilung, soweit sie sich überhaupt 
berühren, ein ganz anderer; von der filtesten Periode berichtet er 
&8t niditi, die KCnigslisten nnd ganz yerscfaieden. Wenn man nun 
weiss, dass Etesias diese Dinge behandelt hatte und swar, wie ans- 
drOcUieh gesagt wird^, abweichend von Herodot, so yeiftUt man 
von selbst auf diesen Gewährsmann als Hanptqnelle. Zom üeberfloss 
dtirt ihn auch Diodor IL 2. 2, 5. 4, 7. 2. 8, 8, 17. 1 nnd am Schlosse 
der Geschichte der Semiramis H. 20. 8 n. 21: KTndac m^v odv 6 Kv(- 
btoc irepl C€|uupd|iiiboc TOiaOO* icT6pr|K€V. An einer Stelle des fünf- 
zehnten Oapitels sieht man anch den Gegensatz, in dem sich Hero- 
dots Dttrstellnng befimd: hier ist Herodot mtirt, aber ebenso wie 
n, 82, da es sich nm seine Ton Ktesias abweichende Ansicht han- 
delt, also wol das Citat ans Ktesias herübeigenommen ; Berüh- 
rungspunkte mit seiner Enihlong, wie sie im ersten Buche so auf- 
fallend waren, finden sich nicht. Allerdings Einzelnes, was über 
die Hyperboreer gefSabelt wird, wie Diodor sagt, von Hekataios und 
einigen anderen, findet sich bei Herodot IV. 32 — 36, der hier ja 
möglicherweise selber auf Hekataios znrüct:gehi Dass Diodor dabei 
Herodot im Auge habe, ist mir sehr imwahrscheinlich. 

Ich hatte früher den Nachklang einer ionischen Form aus Herodot 
bei Diodor betont; an der einen Stelle des zweiten Buches, wo Herodot 
ansdrücklich citirt wird, lässt sich dieselbe Beobachtung machen. 
Diodor berichtet von den Aithiopra und der Art, wie sie ihre Todten 
bestatten, Diod. II. 15. 1: TapiX€UcaVT€C fop toi ca))LiaTa mi iT€pi- 
X^avT€C auToic 7ToXXf)V üeXov kräciv M cirjXric, ujct€ toTc Tiap- 
louci qpaCveceai bid Tf)C udXou t6 toC TeTeXeuTV)KÖTOc cui^ot, xaQd- 



Phot bibl. cod. 72. ed. Bekker, p. 86. 



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290 



Dr. Adolf Bauer: 



TTep 'HpoboToc eipriKC. Kiriciac b' ö Kvibioc dirocpaivöiaevoc toutov 
cxebid£€iv, aÜTÖc cpr|ci xo jaev cüü|Lia lapixeutcöui, Tr\y f.itvToi 
üeXov uf) TiepixeicOai -fujuvoic xoic cuufiaci ktX., III. 9 wiedt?rlu)lt er 
die Form üe\oc, da er von den Aithiopen spricht. Die entsprechende 
Darstellung findet sich bei Herodot III. 24, eine wörtliche Benützung 
ist sonst nicht zu ersehen, wie man vernint.hcn sollte. Die gemachte 
Beobachtung gewinnt aber an Richtigkeit, wenn man sieht, dass 
Diodor sonst die attische Form üaXoc gebraucht, wie III, 39. 5 
beweist. An dieser Stelle, wo Herodots Ansicht nur, wie es scheint, 
nach der Kritik durch Ktesias citirt ist, hat sich die ionische Form 
auch auf diesem Umwege ganz gut erhalten können. Man könnte 
also fast geneigt sein anzunehmen, dass in der Darstellung des 
swelten Buches unser Autor Herodot aelhst ttberhaupt moht an- 
gesehen hai Auch hier sehen wir aher, dass Diodor keineswegs 
KtesiaB aussdiHesalieh folgt, er feUirt auch abwmchende Ansichten 
Anderer an. 

Ich gehe nun za dem dritten Buche tther: im elften Oapitel'^) 
gibt uns der Autor in erwttnschter Weise Aufschluss über seine Quellen. 
Zur selben Zeit» als er in Aegypten s^e Erfiümmgen sammelte, zog 
er auch Erkundigungen über Aithtopien ein, deren Ergebnisse er 
gegen die Ansichten des Agatbaxohidäs von Knidos und Artemidoros 
hKIt Eine weitere ErklSrnng wird uns aus C. 38 zu Theil*^, wo 
der Autor exztthlt, dass er theils den Berichten der Angmzeugen folge, 
theils die ßaaXmd i5irofAW|MaTa in Alezandrma bentttse; wir sehen 
also auch hier dieselbe Art der Arbeit wie im ersten Buche^ und es 
mag daher eine Beminiscenz der Herodotlectfire Diodors sein, wenn 
in. 67 Lines als der Erfinder der Musik bezeichnet wird, wie dies 
bei Herodot IL 79 geschieht, oder Eadmos als Erfinder der Buch- 
staben gilt, wie dies Herodot von dessen Geführten V. 58 herrorhebi. 
Allein die Nachricht kann immerhin auf anderem Wege zu Diodor 
gelangt sein, und es ist die Möglichkeit nicht abzuweisen, dass vom 
zweiten Buche ab bis auf die Fragmente des siebenten, somit in 
den fünf erhaltenen Büchern höchst wahrscheinlich keine Benützung 
Herodots statuirt werden kann. Eingangs des fünften Buches wurd 
Ephoros gelobt, und in Cap. 67.5 ist noch einmal die Angabe wieder- 

•*) Diod. bibl. III. 11. xal yäp ^ix&c KOßi* 8v Koipdv icapeßdXoMcv de 
Atyuirrüv, TToXXoic niv tiÄiv tep^v ivexuxoMCv, gOk öXtfOtc ö4 kqI irpecßcu- 
Taic üTTÖ Tfic AlBiomac irapoOciv €k X6fouc dq)iKÖ)ne8a- uap* div dKpißuüc 
^KacTO Tru6ö).i€voi , Kfd touc Xö^ouc tOüv iCTopiKiiiv ^E€XeY£ftVT€C, TOlc fidXiCTa 
cufKpujvoöciv dtKÖXouöov Ti]v dvaYpaq)V]v irenoirineea. 

**) ibid. in. 88. tc€pi toO icttTaX^i|Li|ii^vou ji^pouc . . . iiotf)c6fa€0a T^v 
dvatpacpi^v, indv tiuv £v *AXdeav&p€((jt ßaciXiKlSiv (hrojunniiyuiTUiv £Set> 
Xii<p6t€C, Td 6d irapd tOüv qötotttwv Tretruciui^voi. 

Diod. V. 1. 4. "C^opoc bi Tdc koivuc irpdEeic dvaTpd(pu)v oö 
^6vov KttTÄ tV|v Xd£iv, dXXd Kai Koxä Tif|v olKOVofitav iiriT^TCuxc* tClfv t^P 
ß(ßXtuv £icdcTt)v iceiro(fiKC nepi^eiv Koxä tivoc tAc irpdEcic. biönep xal 
fmeic toOto tö ylvoc toO x^ipic^ioO irpOKp(vavTec, mtä td öuvatöv dvT€- 
Xö^cBa TouTt)c Tf)c irpoaip4cewc 



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Die Benützung Herodots durch Ephoros bei Diodor. 291 



holt, Kadmos habe die Buchstaben nach Athen gebracht, und 58. 3 
und 7i. 1 findet »ich dasselbe ausgesprochen, auch hier ist keine 
Nütliigung Herodot als Quelle anzusehen, üeberblickt man die Zahl 
der Stellen des letzteren, die benutzt sind, so finden sich alle in 
dessen 11. Buche, und wir können aus dieser Betrachtung kein anderes 
Resultat gewinnen, als dass Diodor im I — V. Buche und voraussicht- 
lich (was aus den dürftigen Fragmenten ersichtlich ist), im V — VII. 
Buche seiner Bibliothek nichts als das zweite Buch Herodots benützt 
bat und zwar als eigentliche Vorlage im ersten, vielleicht an einer 
Stelle des zweiten gleich zu Anfang, im fibrigeu, wie sieh oVen zeigte, 
es kaum mehr eingeeeheii haL 

Ich sehe nnn von den Fragmenten ab, für deren Behandlung 
erat im Folgenden der richtige Gkeiefatspmürt gewonnen werden kann, 
nnd setse die Untersuchung Air das XI. Buch fort 

Ich wiederhole, dass fttr diese Partien Gauen und Volquardsens 
Resultate, Ephoros sei des Diodor Quelle gewesen, Widerspruch bis- 
her nicht erfiüiren haben. Wir finden im Folgenden wieder Berdh- 
rungspunkte mit Herodot, dessen Werk Aber den Perserkrieg bald 
als massgebend betrachtet werden musste. Dass aber Herodot selbst 
nicht Quelle des Diodor war, ergab sich denen, welche die Dinge 
richtig untersuchten, ausser anderen nicht minder beweiskriftigen An- 
haltspunkten aus der ganz unumstOsslichen Argumentation, dass die 
DarstelluBg Diodora eine so wesentlich andere Auffossung, bedeutende 
Unterschiede im Detail zeigte, dass man an die Vorlage dieses Autora 
nicht denken konnte. Wenn es nun im Folgenden gelingt su zeigen, 
dass trotzdem sich manchmal wOrtlicbe üebereinstimmungen mit Hero- 
dot finden und in gewissem Sinne eine Bekanntschaft mit dessen Nach- 
richten vorausgesetzt werden muss, so bleibt dem gegenüber nur eine 
doppelte Art der Erklärung. Entweder hat Diodor es verstanden, die 
Darstellung Herodots mit der eines anderen Berichterstatters so zu 
yerbinden, dass er der Hauptsache nach diesem anderen folgte und 
nur hie und da Herodot benütste, oder aber er schrieb eine Quelle aus, 
in der diese Verschmelzung TOZgenommen war. Was gegen die erstere 
Annahme spricht, ist bereits gesagt in den angeführten Schriften, man 
müsste annehmen, Diodor sei mit einem Male ein anderer geworden, 
er habe mit grossem rhetorischem Aufwand zu schreiben begonnen 
und in einer Weise die Quellen verarbeitet, die ihm sonst fremd ist: 
aus<^enommen wenn er aus eigener Erfahrung sprechen konnte, liebte 
er grosse Excerpte, daher liest sicli das erste und elfte Buch grund- 
verschieden. Was nun die Art der Benützung Herodots anlangt, so 
haben wir eben gesehen, dass eine Bekanntschaft mit dessen Werk 
über das zweite Buch gehend nicht an^'enommen werden kann, ja 
dass er denselben, nachdem er sein er.-rlcs Buch «reschrielica hatte, 
wahrscheinlich ganz bei Seite legte; kurz es spricht alles gegen die 
erste und für die zweite der zur Erklärung aufgestellten H\ potheseu, 
und wir können daher von dem Cauer-Volquardsen'schen Kesultate 



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292 



Dr. Adolf Bauer: 



ausgehen und als feststehend betrachten, dass Diodors elftos Buch, 
KOwcit es liiar in Frage kommt, ein Excerpt aus Ephoros sei. 

Diodor war im zehnten Buche bis zu des Xerxes üebergang nach 
Hellas gelangt, und hatte mit den Beschlüssen der Hellenen in Korinth 
wegen des Bundes mit Gelon geschlossen. Nachdem wie gewöhnlieh 
das Jahr mit dem attischen Archonten, den rOmischen ConBuln und 
dem Oljmpiensiege angegeben ist, beginnt dieDarsiellmigdesXeiTQB- 
snges, welcher Onmd und VeranlasBnng desselben Toransgeschieht 
werden. Wir haben nnmittelbar eine Differenz mit Herodots ErzSh- 
lung zu oonstatiren: Xerxes erscheint als der Urheber des ganzen 
Zuges ; dass schon Dareios denselben als Bache für Marathon ins Werk 
setzen wollte, wie Herodot YIL 1 dies darstellt, wird bei Diodor XL 2 
nur sehr beil&ufig gesagt.'^) Ein solches Hervorheben einer Hanpt- 
persOnlichkeit entspricht ganz der Art des Ephoros, der uns hier in 
Xerxes ebenso einen historischen Typus geliefert hat, wie er dies 
mit Aristeides tmd Themistokles thai Abcnr trotz dieser Abweichnng 
▼on der Auffassung Herodots scheint er denselben schon hier benutzt 
zu haben. Mardonios erscheint als Triebfeder des Unternehmens, und 
das Excerpt aus Ephoros bei Diodor hat in der Charalcteristik des- 
selben unverkennbare Anklinge an Herodot, die um so beweisender 
scheinen, weil man gerade hierin eine gewisse Freiheit des Verfiissers 
Yoranssetsen sollte. 

Diod. XI. 1. 3. Her. VII. 5. 

MapWvioc 6 TT^pcrjc dv€v|;i6c fifv TTapeüjv bi Kai ^uvd^i€voc irap' 

Kul K»iöecTi^c T^v H^pEou, biä be cOv- aurm f.t^Y»CTOv TTcpc^iuv Mapbövioc 

€av Kai dvhpcCav udXicta 9au|aa2^ö- ö foßpueiu, öc fjv H^pHr] dv- 

H€voc irapd xolc TTepcaic. ouxoc ev^iiöc, Aopfiou bi dÖ€Xq)efic Tra'ic, 

inex^ujpoc LUV Tuj qppovquaTi Kai n^v toioutou Xö^ou €Ix€to Xifiuv A^- 

i^XiKiav äK^iälwv, ^TieOOfiCi MCYdXuuv cTroxa ouk oIköc kxi *Aer|vaiouc 

&uvd|ieujv dq)r|*fr]cac6oi • (>i6TTfcp fcTreice ^pYUcafi^vouc noXXä f\br[ kokü TT^p- 

xov Häp£r|v KaxaöouXuucaceai xouc cac ou hoövai biKOC xtüv ^iroiricav 

"GXXrivac , del iroXeiiiKWC ^xp'^'^^^ c. 6. . . . xaOxa bi fXete ota vciux^pujv 

irpöc Touc TT^pcac. ^PYUJv iin9u)Lir|Ti^c i\hv Kai ^G^Xiuv 

aöxöc rrjc '€XXdöoc ünapxoc eivai. 

Zag für Zug stimmt und die Rodo dos Mardonios bei Herodot 
ist bei Diodor oinfiich indirect wiedergegeben. Das kann nicht Zu- 
fall sein, nnd wir liiitteii so den ersten Anhaltspunkt, eine Benützung' 
Herodots bei Ephoros zu ri weison. Die folgende Darstellung, die \on 
dem Büudniss des Xerxes mit Karthago handelt, ist Ephoros eigen- 
thUmlich: die Karthager beenden ihre Rüstungen in drei Jahren. 



**) Diod. bibl. XI. 2. 2. cuveßdXcTO bi auxii) Kai ö TraTT?ip Aapcioc, trpö 
Tf^c TcXeuTf^c napooceuAc «eiroiiiM^voc jtietdXuiv buvdfieuiv* Kai iv&voc yäp 
VimiM^c im6 'A6T|vaCunr ^ MapaOiuvt AdTl^oc i^toum^vou, x<i^in&c öt- 
^K€iTO TTpAc TOUC v€viKr|K6Tac 'Aötivaiouc. — Flir Herodots Aiiffassmig ist 
es gerade charakteristiiich, dass Xerxes zum Kriege gedrängt erscheint. 



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Die BenütBimg Herodota durch £plioxOB bei Diodor. 29S 

Xerxes wetteifert mit ihnen und wird dadurch unterstützt, dass be- 
reits Dareios in der gleichen Absicht begonnen hatte, durch den Tod 
aber an der Ausführung gehindert worden war; des Mardonios Zu- 
reden und die vom Vater überkommene Rüstung bringen Xerxcs in 
den Krieg. Dies widerspricht eigentlich der Betonung der Thätigkeit 
des XerxeB im vorigen Capitel, die Ephoros Auffassung ist, während 
er dies Herodot entnahm. Der Wetteifer mit Karthago hat es ver- 
anlasst, dass Xerxos auch in drei Jahren mit seiner Uüstung fertig 
wird, wie das 2. Capitel*^) uns lehrt; nach Herodot zog Xerxes erst 
im fünften Jahre aus (VII. 20) und im siebenten nach des Dareios Tod 
(Her. VII. 7, 20); des Dareios Rüstung dauerte drei Jahre (Her. VII. 
1): es sieht Ephoros nicht unähnlich, dass er dies verwechselte. Sein 
eitles Redegepränge kann man aus der pompösen Aufzählung der 
Schiffswerften ersehen, auf denen für den Zug gebaut wird; jeder, 
der die Küstenprovinzen des pcröiscben Reiches kannte, konnte das 
erzählen; und wenn nun diese Flotte sich in Kyme und Phokais 
versanuneln mnss, so haben wir abermals einen Cbarakterzug mehr 
fflr die Arbeit des Ephoros gewonnen, der mich mindestens sieht 
mit yertnnien sa aeinen SehUdemngen m erfBUea Tennag. 

Das Landheer ftthrt Xerzee Ton 8n8a nach Sardee, die Details 
von den Trttnmen des Xerxes, die Beden nnd Verhandlungen yor 
dem Kriegsbeschlnss liess Ephoros ans (Diodor ftllt dies nicht sor 
Last), wer hfttte auch damals noch solche Geschichten geglaabt! Von 
Sardes ans sendet er Boten, die Erde nnd Wasser fordern sollen, an 
alle GrieehenstSmme (irpocrdSac cic irdcac täc iröXcic i^vai), bei 
Herodot an alle mit Ausnahme Athens nnd Spartas (VIL 133), denn 
hier hatte man die von Dareios entsendeten Boten getOdtet. Diese 
DiflTerenz wXre ganz nnerklArlich, wie gleich geeeigt werden soll, 
wollte man annehmen, Diodor habe fBr diese Angaben Herodot ein> 
gesehen. Gleich im dritten Capitel sohliesst er sich ganz aa Herodots 
Darstellnng aa nnd zwar gerade in einer Partie, <Ue mit dieser ab- 
weichendea Nachricht im selben Capitel des siebenten Buches steht 
Xerxes ISsst den Hellespont ttberbrOcken und den Athos dnxehstechen, 
nach Herodot (VII. 24) ans Stolz und üeberhebnng, Ephoros ist ge- 
neigt, darin eine Abkttrsang des Weges zu sehen und das Streben 
den Hellenen zu imponiren. Dies ist aber nichts mehr als Ansicht 
gegen Ansicht Diesen Vorbereitungen gegenüber schickten die 
Griechen 10,000 Hopliten an den Tempepass unter Synetos und 
Themistokles Führung, welclie versuchten einen Widerstand in jenen 
Gregenden zu organisiren, sich aber zurückzogen, als die Thessaler 
nnd ihre Nachbarn den Gesandten des Xerxes Erde und Wasser gaben. 
Bei Herodot ist dies etwas anders dargestellt: die auf dem Isthmos 
yersammelten Griechen schicken das Besatzongscorps, das ebenfiüls 



**) Diod. XL 9. 1. 6mo{wc 6^ Totc Kapxvibovloic rptctf) xp^^vcv irapo* 
CKCuocdfievoc KOTcaccdacs voOc fioicpdc nActouc ti&v xikbiw wai öiaxochifv. 



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294 



Dr. Adolf Bauer: 



auf 10,()()0 angegeben wird, auf ausdrückliche Bitten tliessaliscber 
Gesandten nach dem Pass, und der Grund ihres Abzuges ist eine 
Warnung Alexanders von Makedonien vor der Grosse des persisjchen 
Heeres oder, wie Herodot meint, weil die Griechen einsahen, dass der 
Punkt strategisch nicht haltbar sei; nun erst geben die Thessaler 
Erde und Wasser (Her. VII. 173. 174). Der Name des lakedaimo- 
niscben AnftUirers Sjnetos bei Diodor und Euainetos bw Hwodofe isl 
derselbe, und man kann fllglich bei Diodor oomgiren; ans €YA1N€- 
TOC entstand durch Auslassung des AI und Yerlesong des ersten 
Buchstaben CYN6T0C Es ist hier nicht der Ort zu entscheid«!, 
welche der beiden Darstellungen den Vorzug verdient, Ephoroe kann 
dies jedoch auch aus Herodots Darstellung umgearbeitet haben, was 
er sonst öfter tbat, wie wir noch sehen werden. 

Im dritten Capitel bei Diodor brandmarkt Ephoros alle jene 
Hellenen, die es mit den Persem hielten; er unterscheidet solche, 
die noch, als der Tempepass bewacht war, tlbertraten, und andere, 
die dies erst später .thaten. Man sieht, beide Autoren billigen den 
Abzug des Corps, aber begrfinden denselben auf yerschiedene Weise. 
— Die Namen der Abtrünnigen stimmen genau mit der Aufitlhlung 
bei Herodot Vn. 132 , und dass diese hier von Ephoros bentttst 
wurde, Bchliesse ich daraus, dass ganz wie bei Herodot unmittelbar 
nach derselben der Inhalt des Eides der Hellenen auf dem Isthmos 
sum Theil wdrüich stimmend berichtet wird. 

Herod. VII. 132. Diod. XT. 3. 

t6 bi öpKiov (bhe €Tx6" "Ocoi 01 ö' 'IcBiiiu cuvf ^peüovxf c tOjv 

TT^pcTi f^bocav ctp^ac aÜTOuc "€XXii- '€XXr]vuuv ^ip)-|fp(cavTO touc |itv ^9€- 
vec ^ovxec liV] dvaf KacO^vxec Kora- XovtI tOüv '€XA/iviuv ^\o|li^vouc tü 
cTdvTUJv cqpi €Ö Tüüv TTpiiTM^^Tiuv TTcpclüv Ö€K aTCücai ToU 6eoic... 
toOtouc &£KaTeOcai xtj* AeX- 
q)oki 6 e III. 

Der Zusatz bei Diodor dtrotv T(|> TToXe^uj KpaxriciJCi, rrpöc bk 
TOUC Tfiv ficuxiav ^xovrac ^KTT^inipai irpecßeic touc irapaKaXecov- 
Tac cuva-fuuviZccöai irepi Tfjc KOivric tXeuGepiac t^eheint mir, weil 
eben Herotb^t hier Quelle ist, und dieser denselben nicht hat, ein 
Mittel für Ephoros, um nun von den Bestrebungen der Hellenen 
Bundesgenossen zu gewinnen zu sprechen, wie denn gerade der An- 
fang auch gegen seine Authenticitüt spricht*''') Die Argiver be- 
gehren ein theilweises Commando; nach Herodot, als sie von der 
Versammlung auf dem Isthmos zweimal zum Beitritte zur Symmachie 
aufgetorJert wurden, die Hälfte (Her. VIT. 148), nach Diodor treten 
sie selber vor dem Öjnedrion mit dem Anspruch ^ eines Theiles' des- 



"0 Ks ilit TOn Wecklein, Trad. d. Perserbriege. München 1870. S. 68 
richti«^ her vorgehoben, dass aus der Pointe des Eides bei üerodot bei 
Diodor ein bescbluas des Sjrnedrion auf dem isthmoö wurde. 



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Die Beuüizuug Herodots durch Kpboros bei Diodor. 



29Ö 



selben ttot £^6 erhalten Toa der VerBammlnng eine Antwort, die 
eo wirksam war, daes die nnn bei den heUenisohen Stfidten ein- 
treffimden Abgesandten des Xenes abgewiesen werden. Herodot 
gibt Vn. 148 — 163 Aber diese ünterbandlnngen zwei Berichte, 
einen argivisohen (o. 160. aÖTol m^v 'Apretoi TOcaOra TOihuiv ir^i 
X^TOUCi) und einen anderen^ denselben entschieden nngllnstigen, er 
selber ist sa keinem TJrtheil über den wahren Sachverhalt gelangt 
(e. 162). Epboros gibt uns hier eine andere Version, die mir dnrch* 
ans rhetorisches Gepritge in tragen scheint nnd der Sachlage, wie 
man leicht sieht, nicht entspricht, so grosssprecherisch hat sich die 
Yersammlnng auf dem Isthmos wol kaum Temehmen lassen« Nach- 
dem der Kampf beendet war, konnte man allerdings die Streiter 
schon Yor demselben voll Znyersicht reden lassen. Die folgenden 
Angaben ttber Xerxet Zog geben nur gans knrz das Thatsichliche 
nnd stimmen darin mit Herodots Erzählong TollstSndig. Die Zahlen, 
die gelegentlich der Heerschau in Doriskos wie bei Herodot er- 
wähnt werden, sind bei Diodor fUr das Fassvolk über 800,000 Mann 
und Schiffe mehr als 1200; bei Herodot 1,700,000 Mann zu Fuss 
(Her. VII. 60) und 1207 Schiflfe (Her. VH. 89). Wenn Zahlen bei 
einer derartigen Untersuchung stimmen, so ist das sehr erfreulich, 
aber für Abweichungen liegen SO verschiedene Möglichkeiten Tor, 
dass daraus nicht lei< ht etwas geschlossen werden kann. Die per- 
sische Seemacht wird dann bei Diodor specificirt, ich kann mir kei- 
nen Grund dafür denken, als weil Herodot dasselbe f^ethan hatte; 
die Namen der Contingente stimmen Yollständig, bei den Phönikem, 
Aegjptern, Kjpriem und lonem stimmen auch die Zahlen und die 
Summiruug iJlsst sich in beiden Füllen nachrechnen, bei Herodot er- 
gibt sie 1207, bei Diodor 1200. Damit im Wider.-^pruch steht, dass 
letzterer gerade vorher gesagt hat, es seien mehr als 1200 Schiflfe 
gewesen; man könnte sich also denken, er habe die Gesammtsiimme 
gekannt, die Herodot hat, und seine Zahlen seien da, wo sie nicht 
stimmen, schlecht ilborliefert, wenn dem so ist, dann hat Ephoros 
auch an dieser Stelle Herodot benutzt. Die Verderbnis der Zahlen 
macht in der That keine Schwierigkeit, wenn man denkt, durch wie 
vieler Abschreiber lliiude sie gegangen sind bis auf unsere Diodor- 
Handschrifteu. Zu erwögen bleibt freilich, dass die Zahl der Last- 
schiffe, die Herodot (VII. 97) rund (^cpdvn) auf 3000 angibt, bei 
Diodor in iTTTra-fiuTOi imd ipiaKOViopoi zerfalleu, letztere 3000, 
erstere 850 an der Zahl; ob daraus auf eine andere Ephoros vorlie- 
gende Liste zu schliessen sei, glaube ich nicht entscheiden zu kön- 
nen; jedenfalls aber, wenn auch Herodot nicht benutzt ist, so hat 
doch seine Darlegung veranlasseud für Ephoros gewirkt, und muss 
diesem deshalb bekannt gewesen sein. 

Der folgenden Untersuchung tiber die Thermopylenscbkicht ist 
im allgemeinen vorauszuschicken, dass wir bei Herodot einen Bericht 
haben, der uns allerdings im wesentlichen die ^Tradition' darstellt, 



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296 



Dr. Adolf Bauer: 



wie sie sich von der Schlacht gebildet hatte, dessen Hauptzüge 
aber zu bezweifeln kein Grund vorliegt, wie uns denn die Berufung^ 
auf manigfache Zeugnisse von Umwohnern der Gegend und die Dar- 
stellung des Terrains gewährleistet, dass Herodot selbst an Ort und 
Stelle Erkundigungen einzog. Er beruft sich auf Amphiktyonen- 
beschlüsse und officielle Aa&eichnungen in Sparta (Her. VIL 228. 
224), er kennt die Nemen der dreürandert OefiiUenen. Dies terdieiii 
aaedmokHch kerrorgehoben ni werden, da wir im Folgenden sekeii 
werden, daes Epkoroe diese Dsistellung benlltrt nnd imn ^Dieil 
ganz auflserordentlick ttbertrieben nnd yerserrt kal**) 

Als man in Erfokrung gebraokt kat, dass die Perser keran- 
naken, entsendet die Yersammlang auf dem Istkmos die Flotte nack 
Artemision nnd eine genügende Ansakl Truppen naok Tkermopylai 
(Diod. XL 4. 1, Her. YH. 177). Oberbefeklskaber ist naok Diodor 
Enrybiades, nnd Leonidas eonmia adirt nnr die Trappen im Fasse. 
Dies widersprickt Herodot (vill. 2), bei dem EoiyÜades nnr die 
Flotte befeUigt^ nnd ist bedingt dnrek jene sobiefe AnfSusnng der 
gansen Abwebr, die kenrorgekt ans der SteUnogi weloke Ei^oros 
der Versammlung anf dem Istkmos zuwies. Obne soleke paakelleni* 
Boke Institutionen konnte siok Epkoros nickts nnteniommen denken, 
nnd so kat er denn aoek kier einen Hgekstoommandirenden gesehaf- 
fen, der damals nisbt ezistirte. Hier ist seine Qoelle fOr die Gba- 
rakteristik des Feldherm nicht Herodot» Er sagt von Leomdas, er 
sei \Ufa q>pov<&v ^tt* dvbpeiqi Kai crporfn^qi gewesen (Diod. XL 
4. 2), bei Herodot (VII. 204. 205) steht davon nichts, sowenig wie 
von der folgenden Geschichte zwischen Leonidas und den Epboren 
bei dem Auszuge. Auch die Auffassung des Auszages der Sparti- 
aten, bei dem Leonidas mit viel Aplomb erklftrt, dass er vSji \6fiU 
fikv im Tf|v qpuXaKT^v äfei TUiv irapöbujv, toi bk IpTtu irepi ttic 
KOivtic ^XeuOepiac dTro8avou|Li€VOC, halte ich dem Sachverhalte wie 
Herodots Darstellung widersprechend, es ist dies freiliok anck eine 
Tradition, aber eine recht späte und schlechte. Ephoros liess sich, 
wie das Exceipt bei Diodor noch zeigt, die Gtolegenkeit niokt ent- 
geken, Leonidas recht schön reden zu lassen, wenn er auch im 
Gninde nur Oi^akel ex eventu yorbringt. Diese Streitmacht, die 
sich so in den Thermopjlen sammelt, wird nun nach der numeri- 
schen und ethnographischen Seite behandelt, die Contingente und 
deren Stärke aufgezählt. Hier kommen wir abermals zu der schwie- 
rigen Zahlenfrage, aber diesmal, wie ich glaube, zu einem für 
Ephoros gilustigeron Resultate; wo er nämlich mehr gibt, da tritt 
dies so vollständig ergänzend zu Herodots Bericht (mit dem er frei- 
lich nicht ganz genau stimmt), dass man kier wol combioireu 



Hier dacf man also gewiss nicht auf Epkoros als besser unter- 
richtet recurriren, wie man nach Wecklein: Tradition der ^«nßtknegl», 
Münch. Sitsongsber. 1876, geneigt sein kOnnte. 



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Die Benütiimg Hevodoto durch EphoiM bei Diedor. 



297 



darf.^^) Der Schluss dieses Capitels gefitaitot uns auch ein Urtheil 
über die Art, wie Diodor excerpirte; er sagt hier ö)iOiU)C bk kqI 
Gnßaiujv ÖTTO TTic ^T^pac |yi€piboc dbc TCTpaKOctot, und dann 
folgt mit bieqp^povTO ^ap eingeleitet die Erzählung von den Par- 
teinngen in Theben; so hatte Ephoros, der stilistisch gewiss sehr 
gut gebildet war, nicht geschrieben, er hatte an einer früheren 
Stelle von den Verhältnissen Thebens gehandelt, und konnte also 
hier von einer ^T6pa uepic sprechen, Diodor trug aber das früher 
Ausgelassene hier nach. 

Im folgenden 5. Capitel erfahren wir, übereinstimmend mit Hero- 

**) Die Berechnung stellt sich folgendermasaeu: 

Herodot VII. 202. 203. Diodor XI. 4. 5. 

Spart. Hopliten . . . 300 Lakedaimonier . . . 1000 

Tegeaten 600 Spartiaten 300 

Maatiiieer 600 loiiBtigeHeUeiienaui 

Arkader (Ondiom.) . 120 derPeloponnee (nl^ 

Arkader 1000 d^a aÖTOtc cuvciCR^- 

Korinther 400 qpO^vxujv) 3000 

Phliasier 200 Thebaner 400 (beiläuQg) 

Mykenaier 80 Lokrer 1000 

Thespier 700 Malier 1000 

Thebaner 400 Phoker 1000 (nichi viel 

irovcrpaTia der opunt. weniger) 

Loner (1000) (Diod. TTÖö 

Phoker . lOOO X L 4. 5.) 

6200 

Allein bet rachtet man die Zahl der eigentlichen KAmpfer, so ent- 
spricht sich selbe ungefilhr, die iravcrpaTia der Lokrer und die 1000 
Phoker erscheinen bei Herodot nur nebenbei (irpöc toutoici [den vorher 
aufgezählten] diriicXiiTOi). Nimmt mau die auch bei Diodor nothgedrungen 
beigetaretenen Thebaner und Lokrer von seiner Zahl weg, so bleiben 
6300, was mit Rflcksicht auf die beiläufigen Angaben als vollständig 
stimmend betrachtet werden kann. Es ist Flüchtigkeit Diodors, wenn 
die Thespier fehlen, denn aus Ephoros führt er sie sj^äter (c. 9) an. Dass 
die Malier in solcher Anzahl erscheinen, geht vielleieht auf eine andere 
Qoelle. Auch für die Zahl der Felopomiesier lIlsRt sich die Uebercinstim- 
mung herstellen. Bei Diodor ziehen aus der Peloponnes 4000. Es ist 
nun vorgeschlagen, um dies mit Ilerodota Angaben in Einklang zu 
bringen (Litt. Centralblatt lä67 Sp. 1167), anzuuehmen, Herodot habe die 
Heloten nicht erwShnt, deren 7 aof den Mann, also 2100 gewesen seien; 
iefa glaube, es sind eben einfiuih die 1000 bei Diodov ausser den Spartia- 
ten genannten Lakedaimonier nicht erwähnt, wie ja Herodot thatsäch- 
lich VU. 228 von xiXidöec T^ropec TTeXoirowdcou der Inschrift gemäss 
spzioht. 800 Spartaner 

1000 Tegeaten und Mantineer 

1120 Arkader 
400 Korinther 
200 I'hliasier 
80 Myke naier 

8100 

da zu 1000 Lake daimonier, madit ungefthr 
4000. 

Jahib. 1 dMf. PUIoL SvffpL Bd. X. 21 

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298 



Dr. Adolf BMiert 



doi (Vn. 116. 122), dasB bis AkanÜios das Landheer znaaimiiai- 
blieb imd die FloUe am Ufer mit vorrttekte. Naehdem de den 
Eanal glttoklioh passirfc hatton, am maliaehen QoU angelangt erfittirt 
Xerxes, data der Päse besetzt sei, und Ifisst mm die imterwegs ge- 
wonnenen Bnndestmppen heransiehen, 200000, so dass seine Strei- 
ter oöie IXdiTOuc TtJüv ^KttTÖv ^upidbuiv xuipk Tf)c vaimicqc buvd- 
ficuic sind, nnd die Bemannung der Schiffe und der Tross macht an* 
gefiLhr ebenso 'viel; dies sind beiläufige Zahlen, die auf Glaubwürdig- 
keit keinen Anspruch machen. Bei Herodot ist die Berechnung eine 
anscheinend genaue (VII. 185. 186); Ephoros kam es darauf nicht 
an, er gab eine runde Zahl. Es scheint ihm deshalb die Angabe 
(t6 X€TÖjLi€VOv) nicht unglaubwürdig, dass die Flüsse ausgetrock- 
net seien (Her. VII. 21. 43. 58. 108. 109. 127. 187. 196); dazu 
kommt noch eine rhetorische Erweiterung dieser Herodotischen Nach- 
richt, dass das Meer von den Segeln der Schiffe verdeckt ward« 
Die Entlehnung bestätigt, dass diese Notiz mit <pacl eingeleitet 
ist; der folgende Satz, es sei dies der grösste Zug gewesen, von dem 
die Geschichte wüsste, ist nichts anderes als die kürzeste Zusam- 
menfiusung dessen, was Herodot VH. 20 in auffallend pathetischem 
Tone vorbringt Xerxes lagert am Spercheios (vgL Her. VII. 198) 
und schickt Gesandte an die Hellenen, um sich über ihre Stimmung 
und ihre Absichten zu orientiren, bei Herodot schickt er (VII. 200) 
einen Späher, der dann als Augenzeuge berichtet. Die Thatsache 
dieser Gesandtschaft hat nichts Unwahrscheinliches, und auch die 
Aufforderung des Xerxes uud die Antwort der Griechen ist ganz 
entsprechend, während der Anblick, der sich dem Späher bei Hero- 
dot bietet, etwas Poiutirtes hat. Die Lakedaimonier haben die 
Wache, üben sich uud schmücken ihr Haar. Ephoros, möchte 
man glauben, sei hier einer anderen Quelle gefolgt; bei Herodot 
meine ich eine spartanische, auf Demaratos zurückgehende Tradi- 
tion^®) amiehinen /u müssen, welcher der Autor eine grosse Menge 
seiner Angaben über den Zug selbst verdankt. Jedoch gleich setzt 
wieder die Benutzung Horodots bei Ephoros ein (Diod. c. 6). Der 
Causalnexus ist der gleiche: nach der Rückkehr der Gesandten, be- 
ziehungsweise des Spähers, beruft Xerxes den Exkönig von Sparta. 

Diod. XI. 6. 1. Her. VIL 809. 

*0 hk ßaciXcifc dxoöcac napä 'Akoöiuv H^pEi|€ odK clxc cu|i- 

tO^v dTT^Xurv Tdc Tilrv *€XX^vuiv dno- poMcOai t6 £öv . . . dAX* cnbrip xc- 

KpCcctc rrpoccKaX^caro Aa^dpa- Xota fäp iipaivovTO iroiletv, iier- 

Tov CicafmdTTiv, U rf^c icorpi^oc €Tr^fAi|faTo Ai||idpf|Tov tAv 

H€q)€utÖTa iTp6c oOtöv, KaraTcXd- *Apicnuvoc iövra t4» crpOTO- 

cac bi vSiv diroKp(c6uiv iici)pUrn|C£ ic^6(p. 



Töv Admuva. 



*•) Vgl, ßüdinger: zur ägyptischen Forschung Herodota, iin 72. Bd. 
d. SHnmgBber. der Akad. zu Wien (1873), S. 6 Anm. 1 des Separatabdrucks. 



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Die BenÜtniDg Herodoti diireh £phoios bei Diodor. 



299 



Wenn dann Ephoros ein inhaliUch von Herodot verschiedenes 
(jedooh seiner früheren Angabe von dem Berichte der Boten ent* 
sprechendes) Gespräch zwischen beiden entstehen l&sst, so kann dies 
nur mit Mistrauen gegen die Art und Weise erfüllen, wie er mit 
seinen Quellen verfährt. Das ist eine Art der Quellenbenützung, die 
das Maass des Erlaubten auch schon zu Ephoros Zeit überschreitet. 
Xeries rückt nun gegen die Thermopylen vor, voran die Meder. Der 
Grund dieser Massregel macht Ephoros viel Kopfzerbrechen: er weiss 
nicht, ob dies geschah, weil sie die tapfersten waren, oder weil Xer- 
xes sie wollte vernichten lassen, um so die alten Herrbcher des Per- 
serreiches los zu werden, oder endlich, weil Xerxes meinte, dass die 
Meder, deren Verwandte bei Marathon gefallen waren, deshalb tapfe- 
rer streiten würden. Als sie nun vorrücken, stellt Leonidas seine 
Mannschaft an der schmälsten Stelle des Passes auf. Diese Argu- 
mentation hat Herodot nicht: es wird bei ihm (VIT. 210) berichtet, 
der König habe noch vier Tage gewartet und dann am fünften die 
Meder und Kissier augreifen lassen. In rhetorischer Antithese wird 
dann bei Ephoros (Diod. c. 7) der auch von Herodot bcglaubigteu 
Thatsache, dass der König dem Kampfe zugesehen habe, gegen- 
übergestellt, wie die Hellenen der Freiheit eingedenk fochten. 
Die Schlacht schwankt, endlich gewinnen die Helleneu der gi-ossen 
Schilde und ihrer gi'össeren Tapferkeit wegen den Sieg. Die Art 
der Darstellung schon erregt unser Bedenken; da wir aber über- 
dies finden, dass Herodots Erzählung benützt ist, so werden wir in 
dieser rhetorisch gehaltenen, willkürlichen Umbildung doch minde» 
stens keine bemerkenswerthe Ergänzung zu Herodots Beridit sehfin. 
Ava Herodot entaslim Bpboxos das Thatsachlioke, die KisBier setste 
er später und nannte nur die Meder, ans c. 212 entnahm er, dass 
der E6nig zusah, ans c. 211, dass die Hellenen auch dnrch ihre Be- 
waffnung flberlegen waren (grössere Schilde nach Diodor, längere 
Lanzen nach Herodot), und ans der Lectttre blieb anch ein wört- 
licher Anklang an seine Vorlage znrttck: Diod. c 7. 2 iroXXol filv 
aMHy imcoy, Her. YH. 210 ^iriirrov iroXXoL Dies wttrde nicht so 
beweisend sein, wenn es nicht genau bei Erwähnung der gleichen 
Phase des Kampfes sich ftnde. Zwischen dem bei Herodot berich- 
teten Angriff der combinirten Meder und Kissier und dem der Un- 
sterblichen hat Ephoros noch einen solchen statuirt, der ausgeführt 
wird von den Kissiem und Saken; man braucht nur zu lesen , was 
er dartlber berichtet (es ist eine Wiederholung des froher Uber die 
Bewa&ung Gesagten), um zu sehen, dass er selbst sich das zurecht 
machte und keine Quelle hatte, die dayon handelte. 

Der König lässt nun die Unsterblichen ins Treffen rücken. 
Die beiden Darstellungen zeigen wörtliche Uebereinstimmung, so 
dass uns allmählich die Hauptquelle des Ephoros, abgesehen von 
seiner eigenen Phantasie, immer klarer wird. 

21* 



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300 



Dr. Adolf Bauer: 



Diod. c. 7. 4. Her. VIL 211. 

\bc bt Kai ouToi ßpaxüv dvn- U)C bi Kai oöxoi ojv^nicfov toici 

cxdvTCC xP<^"vov fqpuYov, töte h^v "€XXr|ct, ovbbf ttX^ov ^qp^povTO rf^c 

Tfjc vuKTÖc ^mXaßoucric öi€Xu9ncav, crparif^c rf\c tAr\b\Kf\c mctq- 

TTGpä ^^v Toic ßapßdpoic iroXAuJV CTpcq|>ö^cvoi bi KOX^ßaXXov trXfjÖci 

dvripr||i^vuuv, trapd xoic "6XXrjciv dvapl6^r)X0UC xvliv TTepc^uJv lux- 

ÖXlyujv TieiTxiuKÖTUiv. nxov hi küI auxu»v xu)v Cirapnr)- 

T^ujv ^vxaööa öXitoi. 

Damit ist nach £phoro8 der erste Tag des Kampfes zu Ende, 
am folgenden Tage werden neue Truppen zum Angriffe auserlesen 
und unter Versprechungen und Drohimgen in den Pass geschickt; 
der Widerstand der Hellenen wird mit beredten Worten geschildert, 
und die schon flüchtigen Auserlesenen werden noch einmal ins Tref- 
fen gejagt, der König betindet sich in grüsster Verlegenheit (Diod. 
c. 8). Bei llerodot ist dies ganz kurz mit den Worten berichtet: 
c. 212 xrjbt ucxepairi oi ßdpßapoi oub^v fifueivov d^GXeov. Dio- 
dor beginnt c. 8 mit den Worten: Tr| b' uciepaiqi Z^pHrjC . . . 
dTTdvTUJV TÜuv dOvüjv diT^XcHe touc boKOuvrac dvbpeiqt Kai Öpdcei 
biaqp^peiv. Der Bericht Herodots kann zu einem Misverständnis 
bezüglich der Anzahl der Kampftage sehr leicht Anlass geben durch 
den Satz am Schlüsse von c. 210 dTW€TO bk f| CUfißoXfi bi' fm^pric, 
— es ist dies der Kampf der Medor und Kissier — , dann beschreibt 
er den Angriff der Unsterblichen, bei dem Xerxes dreimal aufspringt, 
derselbe muss also am Tage stattgefunden haben, und dann kommt 
der schon erwähnte Satz c. 212 TÖT€ )ui€V oOtuj T^x^vicaviO, 
uciepair) ktX. Bei Diodor ist die Sache so eingetheilt, dass am er- 
sten Tage Meder, Kissier und Saken, dann die Unsterblichen an- 
greifen, am folgenden eine Elite des ganzen Heeres. Dass Herodot 
in der That auch nur von zwei Tagen spricht und ihn Ephoros darin 
also nicht niisverstanden hat, zeigt c. 212 UJC be oObev eüpiCKOV 
dXXoiöiepov Ol TTepcai f\ xrj TipOTCpair) ^vuupeov, dTTiiXauvov. 
Die Angabe Herodots ist aber misverstandeu worden, und so lesen 
wir jetzt bei Justin H. 11: triduo ibi cum dolore et indiguatione 
PersaruDi dmiicutuiu: quarta die, cum nuntiatiim esset Leonidae etc. 
Für die folgende Darstellung des Verratbes hat Herodot wieder un- 
verkennbar dem Ephoros vorgelegen. Ephialtes nennt Ephoros nicht, 
sondern er spricht von einem Tpaxiviöc Tic* dass eben dieser ge- 
meint ist, zeigt das Pylagorenverdikt bei Herodot (VIL 214), das 
ihn als Trachinier bezeichnet Die wesentlichen Wendepunkte der 
beiden Darstellungen stimmen vollst&ndig. 

Herod. VH. SIS. Diod. XI. 8. 4. 

"Airop^ovToc ßociX^oc, 8 ti dicopoufi^vou hk toO ßactX^uic 

Xpricr)Tai T<}» irapcövTt Kpi\f\m'T\y kcI vo|il2ovTOC n»i6^va toX^i/icciv in 

*6indXTr]c — ^q>pac^ tc Ti\v ätpd- }iAjiüUßait fjxc irpöc aöröv Tpaxiviöc 

ir6v T^v biä ToO oOpcoc «pipoucov Tic . . . oCtoc Ä^pEq irpoGEXBünr 



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Die Benützung Herodots durch Epborot bei Diodor. 301 

Ic GcpfionOlflc . . . e. M. H^pSric ^tT^iXoTO M Ttvoc dTpairoO 
M . . . aörfaca irepixapi^c ircvö- crevf^c xai irupuKpfmvouToOcTT^pcac 
jucvoc Iwqiiie TMpvco ical tü^v 66iiti^c€iv. ... öbk ßociXcdc ircpt- 
IcTjpttrijprcc TbdpvTic. X^^pA^ ^T^vcto . . . cuvcC^ire^Hfc 

aÖT<|i CTpombrac bicjuiuptouc vurr^c 

Die Zahl 20000 hat Ephoros ^vol auf eigene Fanst gesetzt, 
wie denn so allgemeine Angaben auch gar nicht mit dem Anspruch 
auftreten, genau zu sein. Die, welche Hydames commandirte, sind 
nach Herodot (VII. 83) die Unsterblichen, 10000 an der Zahl, also 
trotz der vorhergehenden Verluste in dieser stets eingehaltenen Stärke. 
Nach Diodor erfahren die in den Thermopylen versammelten Grie- 
chen durch einen Ueberlfiufer Tyrastiadas aus Kyme, q)iXÖKaXoc b^, 
Kai TÖv xpÖTTOV UJV dyaOöc, von der Umgehung; nach Herodot (VII. 
219) weisssagt ihnen der Seher Megistias ihren Tod, und dann kom- 
men Uel)erläufer, die von der Einschliessung berichten. Möglich, 
dass mau in Kyme die Mittel hatte von diesem Tyrastiadas noch 
etwas zu wissen; aber deu gemachten Erfahrungen nach darf man 
wol die Vermutlnmg aussprechen, dass diese Figur zu Nutz und 
Frommen der dem Ephoros so theuren Vaterstadt erfunden sei. 

Diese Meldung trifft Nachts ein: Her. Yll. 219 ^Ti vuktÖc, 
nach Diodor c. 9 yersammeln sich die HeUenen zur Berathung um 
Mitteniaeht. Der Inhalt derselben stimmt mit Herodot überein und 
erweist sieh ans demselben enttolmt dnzeh Herllbenialime des Mo- 
ün, dM fBr den Entschlnss dee LeonidaB anamharren angeftthrt 
wild, und dadureh, daas die von Hmdot Tertheidlgte Anaudit ac- 
oeptirt ist, der Kdnig habe die llbrigen Tmppen weggesohiekt. 

Diod. c. 9. 1. Herod. VII. 220. 

AeuA'ibac hi 6 ßaciXcuc tu)v AaK€- X^-ffT^i» koI» 'J^c auxöc cqpeac dir- 
bai^oviurv cpiXoxiiaoiVevoc aOrtj) t€ iTxt^\\ie Aeajviör|c, ^i] duöXujvTai 
böEav irepi0eivai |ui€TdXTiv Kai Kribö|nevoc" auTiü kqI Ctrap- 
Tok CirapTiÜTaic , Tipoc^raEe touc tiht^udv toici TrapeoOci ouk fx^iv 
fxdv öXXouc "6XXTivac äTravTOCdm^vai eÜTTpeir^ujc ^KXiTteiv nl^v rdEiv, 

xal cwlixv iavTovc . . . . aurouc nl^v f|Xeov 9uXdSovT€c dpxnv 

Touc AaK€Öai|ioviouc ^cpT^ce .uevovri bi auroö kX^oc m^T« 
öelv ji^veiv Kai Tf|v q;)uXaicif)v Tiiiv ^XeiitcTo, kqI Vi Cndp-rric eu6ai|aoviii 
vopööuiv liii Xiitelv . . • oük ^SnX€i9"o .... Taörd re bi\ 

ImXfyöpikvov A€u;v(&nv, Kai ßouXö- 
ja€vov kX^oc KaxaG^cBai ^ou- 
vujv CTTupTinTiujy, diroiT^jit|iai 

Wenn dabei das Orakel übergangen wird, welches Herodot mit- 
theilt, so ist zu bedenken, in welch aufgeklärter Zeit £phoroB schrieb. 
Es ist erklärlich, dass sich derselbe nun nicht entgehen Hess, den 
Todeskampf der Spartaner und Thespier (von den Thebanem weiss 
er nichts) mit dem Angebote seiner ganzen Phantasie und der stftrk- 



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302 



Dr. Adolf Bauer: 



steil Bhetorik sn sohildem. So werden denn die Pener angegriffen, 
und die Grieehen dringen, nachdem sie sicfa dnreh ein iflehtiges FrOh- 
stttck^ für den Tag gestBrkt haben, bis zmn Zelte des K(JnigB tot; 
aber noch mehr , aus c 10 scheint sidi zu ergeben, dass die Griedieii 
noch in der Nacht angreifen nnd die Finsternis ihnen zn ffilfe kommt, 
so dass beinahe der König umgekommen wftre. Woher diese Finster- 
nis kommt, nachdem nm IGttemacht die Berathmig begonnen hatte, 
dann die Vorbereitungen gemacht worden waren — man hatte aller- 
dings rasch (xax^wc) gefrühstückt — ist bei der Jahreszeit, in welcher 
die Schlacht stattfand, nicht recht einzusehen, aber für die angestrebte 
Wahrscheinlichkeit des Ephorischen Phantasiebildes höchst erforder- 
lich. Erst als es hell wird, sehen die Perser die geringe Anzahl 
und schiessen sie zusammen. Ephoros stellt dann in c 11 eine Be- 
trachtung an über diese Heldenthat, die Diodor ebenso wie das 
Schlusstableau der Schlacht, das seine Vorlage entrollt hatte, so 
sehr gefallen haben muss, dass er dieselbe viel ausführlicher als 
früher wiedergab. Erst c. 12 fährt Diodor wieder im Zu^^aTDmenhange 
der Ereignisse fort. Dagegen wie würdig und erhebend ist bei Hero- 
dot das Ende des Kampfes geschildert! Diese Darstellung hat Ephoros 
entbehren zu können geglaubt und auf eigene Faust componirt, nicht 
6in Zug ist herübergenommen. 

Er kehrte jedoch bald darauf zu seiner alten Quelle zurück, 
und die Darstellung der Schlacht von Artemision ist wieder Herodot 
entnommen. Wenn hier Xerxes abermals in den Vordergi'uud tritt 
und dem Megabates (Diod. c. 12) befiehlt , da er so schmlihliche Ver- 
luste im Thermopylenpass erlitten, es nun zu Wasser mit den Griechen 
zu versuchen, so stimmt das zwar nicht zu dem Gange der Dinge, 
wie er bei Herodot berichtet ist, wol aber zu des Ephoros Bestreben 
alles, was geschieht, von Xerxes ausgehen zu lassen. Pydna, wo die 
Flotte liegen soll, ist bei Herodot auch nicht genannt; dagegen die 
Fahrt nach Magnesia und an das Cap Sepias berichtet Herodot VII. 183, 
und von dem Sturme, der hier die Flotte bedrlingt und schUdigt., er- 
zählt er VII. 188 ff. Nach der geringsten Angabe verloren die Perser 
bei Herodot (VII. 190) 400 Schiffe, Diodor erzählt, es seien über 
300 Trieren gewesen und eine Menge Lastschiffe. Als der Sturm 
vorüber ist, fahren die Schiffe nach Aphetai (Diod. XI. 12. 3, Her. VII. 
192. 193). Davon, dass damals 50 persische Schiffe, die unter San- 
dokes' Befehl standen, der ein Landsmann des Ephoros war, erobert 
wurden (Her. VII. 194. 195), wird der letztere wol geschwiegen 
haben. Dafür erzJihlt er von 300 Schiffen, die abgeschickt \s^rden, 
um den (kriechen iu den Kücken zu fallen. Ich denke, weil dies 
100 mehr sind, als Herodot VIII. 7 erwähnt, liegt kein Gnmd vor 
eine andere Quelle anzimehmen. Xun bespricht Ephoros die Stärke 

Diese Trivialitiit fällt doch wol Diodor zur Last. Ephoros hatte 
der antiken Vorstellung entsprechend von dem Mahle bei den Göttern 
herichtet* Darauf machte mich i^iof. A. Schaefer aufmerksam. 



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Die Benützung Herodots durch Ephoros bei Diodor. 303 

der griechischen Flotte. Nach Herodot VIII. 2 waren es im ganzen 
mit Ausschluss der Pentekonteren 271, die opuntischen Lokrer hatten 
7 Pentekonteren gesandt, das gibt 278, nach Ephoros 280; ich glaube, 
es kann nicht zweifelhaft sein, woher die Zahl stammt. Ephoros 
sagt, es seien 140 derselben athenische gewesen, Herodot nennt 
dmn yin. 1 nur 127, ans VIIL 14 erfiJiren wir, daas noch 53 als 
Summ faunon; dies gSbe 180. Diese Differenz erklSrfe sidi €ui£m)1i: 
fiphoroB gab die Hilfte der Oeeammtsahl, die er ans Herodots An- 
gabe abgenmdet hatte, als athenische Schiffe an. Eurybiades nnd 
Themistokles stehen an der SpitM der Rotte, letzterer ist allerdings 
noht geradem als crpctniTÖc beeeicfanet wie bei Herodot viii. 4, 
doch ist im fibrigen in bester XTebereinstimmang mit dessen An- 
gabe gesagt, dass er dem Euxybiades untergeordnet war (ygL 
Her. YHL 2). Allein schon beginnt bei Ephoros der Darstellnng 
Herodots gegenflber ein aafibUendee Betonen des Einflnsses des 
Themistokles. Herodot sagt freilich, die Athener hatten auf d en ihnen 
Tcn xeohtswegen snstehenden Oberbefehl yerziohtet (viu. 8), nnd 
enihlt, wie es der listigen Bestechnng dee ThemistoUes golang die 
Flotte znsammenzohalten (Yin. 4. 5). Diese Bedentang des athe- 
nischen Feldherren dreht Ephoros anders: sein sintegisches Talent 
vermag es, die Hellenen sn einem OffensiystosB gegen die persische 
Macht zu bewegen; das Gefecht wird durch die eintretende Xacht 
nnterbrochen. Dieses Vorgehen der kleinen hellenischen Streitmacht 
hat sehr viel Unwahrscheinliches, wie denn Herodots Erzählung von 
dem entsprechenden Ereigniss (VIII. 9 flgde) zeigt, wie behutsam 
und vorsichtig die Griechen zu Werke gingen. Bei der Stellung 
Herodots gegen Themistokles, dem er trotz des Hasses, der auf ihn 
gefiülen war, seine Verdienste stets imbem&ngelt lässt, liegt kein Grund 
w dessen Nachricht zu verwerfen und die Version des Ephoros an- 
zunehmen, zumal da sich gerade hier zeigte, dass letzterer Herodot 
vor sich hatte. Dass er aber etwa, indem er demselben folgte, corri- 
girt hätte, verbieten die in dieser Hinsicht für die Thermopylen- 
schlacht gemachten Beobachtungen. Dass Herodot benützt ist, scheint 
mir aber die Stelle Her. Vlll. 11 touc .b' irj vau|aaxiri lauTi) 
^xepaXK^uJC dfwvi^oMevouc vuE eTreXOouca bieXuce und Diod. 
c. 12. 6 oubeiepoi be öXocxepei viKri irXeoveKTricavTtc vuktöc 
^TTlXaßoOcr|C bieXu9r|cavzu beweisen. Kin Sturm schädigt die per- 
sische Flotte (Her. VIII. 12, Diod. c.l3j, darin sielit Herodot eine gött- 
liche Fügung, und Ephoros schreibt ihm auch diesen (ledanken nach. 

Her. VIII. 13. Diod. XI. 13. 1. 

^TTOi^fTO T€ TTÜv uttö toö 0€oö, üjctc ^0Kfiv TO ßeiov dvTlXa^ßdv€- 
ÖKUJC äv ^ticiu9€ir| tlü '€XXr|viKU) cöai tüjv 'GXXriviuv, i'va toö nXriGouc 
TÖ TTepciKÖv lir\bi iroXAifi hX^ov clq. tOuv ßapßapiKüüv v€iüv Taueiviue^vToc 

dvTiTTaXoc i) tOüv '€XXr]vujv ÖOva- 
(iic T^vTiTai Kai npöc xdc vau^- 



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304 



Dr. Adolf Bauer: 



Die Hellenen erhalten die Unterstützung von 63 attischen Trieren 
(Her. VIL 14, Diod. c. 13. 2); darauf entspinnt sich der Kampf von 
neuem. Genau au demselben Punkte der Erzählung wii*d nunmehr 
der Leser bei Diodor sowohl als bei Herodot (VTII. 15) aufmerksam 
gemacht, dass der Kampf in der Meerenge jenem in dem Engpast 
dem Charakter nach gleich war. Diod.: f)V b* auTUJV r] vaujaaxu 
TTttpaTrXricioc laic -rrepi xctc GepaorruXac udxaic. Her.: fjv be ttcic 
6 diYUJV ToTci Kaid öaXaccav Tiepi toO GupiTTOu, tucirep toTci d^q)l 
Aeujvibriv TfjV ecßoXiiv 9uXdcc€lV. Ja selbst die weitere Ausführang 
dieses Gedanken stimmt vollständig; Diodor: ol juev xdp TTepcai 
bieTVU)K€cav ßidcacBai touc "€XXr|vac Kai xöv Göpiirov biairXcOcai, 
Ol b' "EXXrivec dn(ppd£avTec rd crevd tüjv ^vtöc ific Eußoiac 
cu|i|iaxouvTUJV . . . Her.: o\ ji^v bf) TrapeKcXeuovro ökujc jiiri irapn- 
coüci ic Tf|V '€XXdba touc ßapßdpouc, o'i b* ökuuc tö XXXtivikov 
CTp^TCUMa btaq)8€ipavT€C toG iröpou Kparricoucu Auf beiden Seiten 
sind grosse Verluste: Her. VIEL 16 iToXXa\ \iky bf| TiSiv '€XXii- 
viuv viec bi€(p6€ipovTO, itoXXol dvbpec, iroXXib b' In irXcOvcc 
vi€C T€ rCHy ßapßdpuiv maX dvbpcc IHod. e. 13. 2 Y^vo^evnc vou- 
l^axiac icxupac iroXXal vf)€C irap* djLiq)OT£puJv biecpedpricav. Die 
ScUacht bleibt unentsofaieden, Ephoros Ubsst m diesem Zwecke noch 
einmal die Nacht hilfreich eintreten, nnd mm ganz im selben Zu- 
sammenhange wie Herodot c. 17 werden die E&npfer genannt, die 
sich hervorthaten. Soll man nnn annehmen, Ephoros, der also ge» 
radesa Herodot ausschreibt, habe ihn Yorsfttslich corrigirt, wenn er 
statt der bei ersterem erwfthnten Aegypter die Sidonier nennt? Ich 
glaube, wir hfttten zur <}enflge gesehen, dass er es in solchen Diiigeii 
nicht zu genau nimmt. Auf die Nachricht der Niederlage Ton Ther* 
mopyhd fthrt die Flotte nach dem Belichte beider Autoren (Diod. 

a. 0. Her. "VUL 21 u. 40) nach Salamis, und in derselben Ab- 
folge belichtet Herodot dann , dass die Athener Weiber und Kinder 
nach Salamis schafften (VUL 40), und auch die Nachricht der Ein- 
nahme von Histiaia auf £iuboi% mit welcher Diodors 13. Ciq;iitel sohliesst, 
hat Herodot YHI. 33. 

Der weitere Gang der Ereignisse schliesst sich an die Darstel- 
lung Herodois an, doch fand es Ephoros einmal fttr gut, die Beihen- 
folge der Herodotisohen Erzählung, die wir eben so auffallend ein- 
gehalten sahen, zu verlassen. Xerxes bricht von den Thermopylen 
auf und durchzieht plUndemd Phokis, dessen Bewohner in die Berge 
sich flüchten; Doris, das sich unterworfen hat, wird verschont. Nach 
Herodots viel ausführlicherem Berichte suchen die Thessaler auf die 
ihnen feindlichen Phoker eine Pressiou zu üben und führen dann, 
als ihnen dies mislingt, die Perser durch Doris, das verschont bleibt 
(VJLLL 31), nach Phokis; die Einwohner fliehen (c.32) ic tol &Kpa tou 
TTopVTiccoO, nach Diodor irpöc rdc bucxiupCac rdc tij» TTapvoccuj. 
Xerxes theilt sein Heer (Diod. c. 14. 2, Her. VTIT. 34), er selber zieht 
nach Böotien, weUthes seine Partei ergriffen hatte (Herod. YUL 34), 



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Die Benütsnng Herodoti dueh Bphorot bei Diodor. 305 

den anderen Theil schickt er nach Delphoi, um den Tempel zu plündern 
(Diod. TU be dva9r||iaTa cuXficai. Her. VIII. 35 ökiüc cuXr|- 
cavTCC TO ^pöv . . .). Allein es gelingt den Persem nicht, ausserge- 
wöhnliche Naturerscheinungen zwingen sie zur Umkehr. Es ist bezeich- 
nend* für Ephoros, dass er von den ÖttXq äpr|ia und von dem Erscheinen 
des Phylakos und Autonooa (Her. Vlli. 37. 39) nichts berichtet, da- 
gegen die Darstellung des Unwetters Herodot wörtlich entnimmt. 

Diod. XI. 14. 8. Herod. VUL 37. 

.... IvroOeo bk vapaMmc 6M0purv bf toOtiu toO oApovoO k€- 

T€ fierdUUuv Kol Kcpauvdbv iroXXdrv pauvoi aOroict ^v4irtirTOV, dirö 

Ik toö TTCpt^xovTOCirecövTUiv, irpöc toO TTapvT]ccoO diroppatcUai böo 

bi Totiroic TiSjy x^iM^vuiv irirpac |i€- Nopuq)al i<p£povTO... clc oötoOc ical 

y6Xac Aicoppf|EdvTU)v . . n v^ßr) KttT^Xaßov cvxvoöc cqieufv. 
buupOapfkvui cuxvoOc t<£>v TT€pciS»v. 

Eplioros sucht aber das Wunderbare der gaiusea DttrsteUniig ab- 
msehwldhen: ans den K Opwpa l toO TTopvnccoC werden ititpon |yi€- 
tdXat, und wenn Herodot YIH. 86 sagt 6 6€6c c<p€ac ia Ktv^€tv, 
so ist es naeh Ephoros eine batfiovfo irpövota, welche das Heilig- 
thnm rettot: er fttgt der Herodot entnommenen Darstellvng noch eine 
Lisdhiift an, die sa seiiier Zeit an dem errichtoten Tpdiraiov m lesen 
war.*^) Der andere Theil des peisisdhen Heeres unter Xenes Füh- 
rung dnrdhzieht B(k>tien, zerstört hier Plataiai und Thespiai und besetzt 
Athen, die Flotte gelangt eben&lk dahin. Dies berichtet Herodot that- 
sächlich entsprechend und mit einzelnen gleichen Worten VIU. 50 
flgde. (dbr|tou und Diod. Ib^cav). Dies hat also Ephoros dem Hero- 
dot nachgeschrieben, Ton den Gontingenten der Thespier und Plataier 
bei Thermopylai hatte er wol auch berichtet (vgl. Anm. S. 297), aber 
die Schwierigkeit bleibt, dass unter den c. 4 erwähnten 3000, die 
mit Leonidas zogen, sie nicht mitgezählt sein können, da sonst die 
^4000 aus der Peloponnes' nicht vollzählig wären. — Die Ankunft 
der persischen Flotte hat Herodot VIII. 67. 

Am An&nge des 15. Capitels erzählt uns Diodor von den Korky^ 
raiem, die zwar sechzig Schiffe bemannt hatten, nach ihrer eigenen 
Aussage aber Malea nicht umsegeln konnten, nach dem Urtheile 
einiger Geechichtschreiber jedoch thaten sie dies, um sich nach beiden 
Seiten den Weg offen zu halten. Hier zum zweitenmale spricht Ephoros 
von seinen Quellen, das erstemal fand in dem hier behandelten Ab- 
schnitt eine derartige Bezugnahme XI. 11 statt, öiÖTrep oux oi tujv 
iCTopiuiv cuTTPctqpeic ^övol, ctXXa Kai ttoXXoi tiuv Troir|TUJv Ka6i3jLi- 
vr|cav auTÜuv idc dvbpaf aGiac * hier sind wir in der Lage nachweisen 
zu können, wer unter den iCTOpiüüv CUYTP"9^»C zu verstehen ist. 
VIL 145 erzählt Herodot Yon den Gesandtschaften, welche die Griechen 



Diese üebereiostimmung ist Wecklein a. a. 0. S. SO, aber olme 
dass er sie wwevtheto, auch schon ao^s^&Uen. 



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306 ' Dr. Adolf Bauer: 



umherschicken, um Bundesgenossen zu gewinnen. Auch zu den Korky- 
raiern kommen Gesandte c. 1G8, versprechen Hilfe und rüsten 60 Schiffe, 
dann aber halten sie sich zurück, um sich entweder den Persern oder 
den Athenern anschliessen zu können; dies hält Herodot für richtig, 
nicht ihre eigene Angabe. Liest man des Diodor Bericht, 80 
könnte man durch das ujc auTOi qpaci zu der Ansicht gelajigen, er 
habe eine korkyrftische Quelle benützt, in der That ist dies aber nur 
aus Herodpts Erzühlung herübergenommen. Her. a. a. 0. alrteu- 
ji^vujv T^P TiS^v '€XXt)Vuiv, ÖTi otJK dßuüOeov, ^(pcecov irXi)p<&cot |ilv 
£Sif|KOVTa Tpiripeac, und iTi)ci^u)v dv^jiuivöirepßaX^etv MoX^tiv 
oÖK oto( T£ TCV^cOat . • . Diod. c 16« 1 d)c ^kv aOroC 900, 
buvdfieyot; kd]Lii|iai t6 irepl MaX^av'^ dKpujnfjpiov, nnd dann 
folgt, mit die hi, Ttvcc Td^v cuTTpa<I>^uiv IcTOpoOct ongeleitei, eine 
w(}rütc1i Herödot entnommene Stdle. 

Diod. XI. 15. 1. ' Herod. VII. 168. 

KepKupaioi uXripiOcavTec il- ^trXripuJcav viac ^EriKovTa... 

r; K 0 V T a Tpu^ipeic bi^Tpißov -rrepl tt^v KapaboK^ovrecKai oCrroi töv nöXc- 

TTeXoTTÖvvricov djc hl xivec jiov irecdeTai. 

Tüüv cvffpacpiojv icTopoöci Kapaöo- 
KoOvxec xdc Toö iroX^^ou fiou&c. 

Der Ausdruck KapoboKdovTCC inur bei Herodot auoli YJiL 163 
gebranoht, es ist daher iun so begreiflicher, wenn derselbe sieh 
Ephoros einprSgte.^^) Man sieht, auch wo Ephoros seiner Anordnung 
folgend weiter zurückzugreifen sich genöthigt sah, hat er seiner 
Vorlage getreu berichtet. Die vor Salamis versammelten Hellenen 
erhalten nun die Nachricht der Einnahme Attikas und der Eroberung 
der Burg und gerathen darüber in Bestürzung; im wesentlichen das- 
selbe berichtet Herodot VITI. 56. Die Oriechen berathen, und sind 
der Ansicht, man müsse nach dem Isthmos fliehen und dort mit den 
Persem den Kampf aufnehmen, Themistokles dagegen verspricht 
in einem Kampfe zur See allein Aussicht auf Erfolg. Wenn Epho- 
ros in diesem Berichte besonders hervorhebt, dass die Athener über 
die Nachrichten aus Attika so sehr ausser sich waren, so ist dies 
gewiss aus keiner besonderen Quelle genommen, sondern eben nur 
eine Schlussfolgerung aus den Ereignissen, welche Herodot berich- 
tet, die noch dazu sehr nalie lag. Ephoros hat abweichend von He- 
rodot die Verhandlungen zwischen die Peloponnesier und Themisto- 
kles vertheilt, alles stimmt freudig seinen Argumenten bei (Diod. 
c. 16). Eurybiades will die nötigen Vorbereitungen treflTen, da ver- 
lÄsst der Muth Führer und Soldaten, und alle wollen fliehen, auch 
das Landheer auf dem Isthmos ist zaghaft geworden. Das Syne- 
drion beschliesst die Landenge zu verschanzen, und als nun Themi- 

Prof. A. Schaefer machte mich aufmerksam auf den technischen 
Gebrauch dieaea Ausdnickes bei Diodor, bo XIII. 64. Vgl. Strabo VIII. 378. 
Auch das folgende stimmt überein, wenn auoh nicht wörtlich. 



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Die BenütsuDg üerodots darch EpboroB bei Diodor. 307 

stokles sieht, das^ sein Plan iu die Brüche gehe, schickt er zu 
Xerxes. Anders Herodot VIT!. 56 flgde: er berichtet von zwei Ver- 
sammlungen, deren erste durch die Nachricht von der Einnahme 
Athens aufgelöst wird: man tritt abermals zusammen, Themistokles 
spricht zu Gunsten des Seekamjjfes, Adeimantos tritt beleidigend 
gegen ihn auf, und nun drobt Themi.stokles damit, dass die Athener 
abziehen wollen, wenn man nicht bleibe; dies wirkt und der Be- 
scbluss auBzubarren wird gefasst. Es folgt nun eine Erzählung von 
«UDem Erdbeben, der Anrafang der Aiakiden; ein anderes Wunder- 
Mioheik beobaehien die Perser bei Elensisi dutad ftbri «18 Hero- 
dot in das persisciie Lager, hier wird troti Artemi^as Wamnng 
die Seeiohliebt besofalossen. Die Hellenen anf dem IsttmioB, berieh- 
tet er c 70, sind in grosser Fnreht und befestigen denselben, und 
als die Orieöben vor Ralamis nun wieder unsehlflssig werden, schidkfe 
Themistokles den Südnnoe an Xenes ab. 

Bs kann sdion aus dieser allgemeinan Yergleiohong ersiditlioh 
sein, dass des Ephoros DaisteUnng nur sin Terkllntes und sum 
Thefl entstelltes Exoerpt Herodots ist Es kommt nichts in dersel- 
ben Tor, wns nidht aus Herodot hStte entnommen oder eraddoesen 
werden kflnnen. — Von den Her. c 60 — 64 enthaltenen Beden 
steht bei Biodor niohts, es gentigt ihm sn sagen iroXXähf xal iroi- 
KfXuiv /^fiO^vnuv, das ist ein kuxies Besum6 dessen, was er bei Epho- 
ros gelesen hatte, der rieh diese Beden gewiss nidit hatte entgehen 
lassen. Dass swei Versammlungen waren, ersiebt man bei äodor 
nicht; Ephoros hatte dieselben, die überdies in Herodots Berieht 
durch die eingeschobene Erzählung der Einnahme Athens getrennt 
waren, zusammengezogen. Was er die Peloponnesier und Themisto- 
kles reden lässt, stimmt mit den entsprechenden Beden bri Herodot 
nnr zum Theil, aber aus Herodots Ang&hen lassen sich seine bei- 
den Reden ganz vollständig zusammenstellen. Die Peloponnesier 
machen ihrerseits ungefähr das geltend, was bei Herodot VIII. 49 
steht (es handelt sich um die Wahl des Kriegsschauplatzes), der 
Ausdruck ist ToUkommen gleich; auch hier wird übrigens Ephoros 
ausführlicher gewesen sein und Diodor gekttrst haben. 

Her. Vm. 49. Diod. c 16. «. 

0KOU boK^oi ^TTiTTibeujTüTov elvo» Kaxü TTolouc töttouc cu)iq>^pei iroi- 
vau|iax(riv TroUecBai tüjv auTol elcOai tV|v vau^axiav. 
XUip^wv ^TKpaT^€c cid. 

Der Vorwurf dos Egoismus, den Ephoros den Peloponnesiern 
macht (ific ibiac fuövov dcqpaXeiac q)povTi2ovT€c), wird auch von He- 
rodot erhoben VIII. 40 rfiv TTeXoTTÖvvricov irepl irXeiCTOu re Ttoieu- 
^^VOUC TTcpieivai. Dass der Tstlimos befestigt war, erfahren wir 
auch daselbst (VIII. 40), und den anderen von ihnen gegen Salamis 
hervorgehobenen Grund, dass es ein zum Kampfe ungeigneter Ort 
sei, machen sie bei Herodot VIII. 49. 70 geltend. 



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308 



Dr. Adolf Bauer: 



Bei beiden Autoren (Her. VIII. 60, Diod. c. 15) hebt Themi- 
stokles den Vortheil hervor, den die Griechen durch ihre kleinen 
Schiffe den unbeweglichen persischen Massen gegenüber hatten; ein 
anderes von ihm vorgebrachtes Argument, der Isthmos sei ungeeig- 
net, wiederholt sich gleichfalls (Her. u. Diod. a. a. 0.). Hier ist auch 
eine wörtliche Herübemahme nicht zu verkennen: Her. c. 60 TO f dp 
€v CTtivLu vau|uax€eiv Trpöc riiaeujv dcTi, eveupuxtupiri bk Tipöc 
^Keivujv, Diod. c. 15. 4 Kai touc TTepcac bid rfiv eupux^jpiav 
^abiujc KaiaTTOvricecOai . . . und als Gegenstück zu Herodots creiviu 
gebraucht Ephoros den Auddruck crevoxujpia. Noch ein anderer 
Gedanke ist Herodot entnommen, man vergleiche Herod. VIIL 62 
TÖ Tiäv fäp fmiv Tou TToX^jiou cp^pouci a\ V€€C und Diod. c. 15. 4 
^cecGai xop TreXctTiov töv dyiuva. Auch der Beginn des 16. Ca- 
pit«l8 zeigt Anklänge an Herodots Bericht: KOtvoO bÖYfiaTOC fe- 
vo|Li^vou TT€pl CaXafiTva vaunaxeTv, oi jüi^v "EXXiivec irapecKCu- 
dZoVTO, Herodot 63. 64: (6upußidbric) to^v Tf)V TVuÜMnv 
aV>^€Tai a6ro0 ]ii€v6vTac btavaujiax^eiv. ... Iirdtf Eupußiäbg ^boSe, 
aÖToO irap€CK€ud£ovTO ibc vou^axrjcoVTCC Der Yorracli imd 
die AMoht E mgetoe r aa den lethmos sa fliehen ward gteSehniiesig 
erwBlint (Her. VIEL 56. 70. 74). Ebeiuo kommen liienraf beide 
Autoren auf das Landheer zu sprechen, das sieh am Isthmos tcT' 
schanzt, die Menge der Arbeiter fördert das Werk: Her. Tin. 71 
At€ bf| iouc^uiv fiuptdbuiv iroXX^ttiv ical icavröc dvbpdc ^pTa2:o^^- 
vou iivero td £pTOv... Diod. a 16. 8 Kai raxb xCIn Iptuiv cuvtc- 
XecO^vnuv btd tf|v iTpo6uM(av koI td irXf|Ooc tiöv iproCofi^viuv. 
Daran fBgen sicfa nodi einige Kotisen Ober die Linge der Mauer 
and deren Endpunkte, die ausser der delphisehen Insämft das euip 
sig Yerllssliehe sind, was, so weit wir sahen, Ephoros dem Beriehte 
Herodots tndier beiftgte. — Als die bei Salamis VersammeltBn nun 
aberm alfl Angst bekoiuneii, schickt ThemistoUes den Boten ab (Her. 
YUL 76, Diod. e. 17). Ephoros liess aber in seiner DarstsUung 
eine Menge Züge der Herodotischen aus, so namenOidi den BeKieht 
Ton den Wunderaeichen : das passte fOr seine Zeit nicht mehr; aueh 
die Geschichte Ton Mnesiphilos VIIL 67 bei Herodot ist nicht er- 
wähnt, sie war schon Tbukjdides unglaublich erschienen^); Epho- 
ros konnte sie vollends nicht taugen, da bei ihm ThemistoUes eben 
Triebfeder Ton allem ist. 

Der Name des Boten, den er an Xerxes sendet, ist bei Diodor 
nicht genannt; vielleicht hatte Ephoros denselben, und es ist auf 
Bechnnng des Exoeiptes bei Diodor zu setzen, dass derselbe nicht 
erwfthnt wird. Man muss die Möglichkeit steto im Auge behalten, 
dass manche Züge der Herodotischen Darstellung, die wir jetst bei 
IHodor nicht mehr finden, in Ephoros* Bericht mit herttbeigeoonimen 



*') Vgl. Thuk. L 198 u. Her. VIEL 67. Wilamowiti-MOllendorff im 
Hennes XI 8. 864. 



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Die Benütniiig Herodoti diureh Ephoio« bei Diodor. 



309 



waren; um so beweisender müssen daher die Stellen sein, an denen 
wir trotzdem noch die Vorlage zu erkennen vermögen. So ist es 
denn bei dem gleichen Inhalt der Botschaft bezeichnend, dass an 
derselben Stelle sich der Ausdruck dTTObibpdcKCiv wiederholt: Diod. 
c. 17. 1 ^TT6ic^ Tiva Trpoc TÖv £^p£tiv auroMoXficai xm biaßeßaiiuca- 
c6ai biÖTi lu^XXouci ai Karot Ca\a)nTva vr]ec d7TobibpdcK€iv 
TÜüV TÖTTiüV und Herod. c. 75 . . (ppdcovTCt, öxi oi "GXXrivec bpric- 
^öv ßouXeuovTai KarappoibTiKÖTec, Kai vOv Ttap^x^^ KdXXiciov 
uiLi^ac ^pTOV ctTTdvTiuv dHepTttcacGai, f|v \xr] TrepubriTe biabpdv- 
TOC auTOuc. Und auch die Worte, mit denen der Eindruck dieser 
List auf Xerxes geschildert wird, sind theilweise dieselben: Diodor 
c. 17. 2 bid T^v TTiOavöniTa iriCTCucac, Her. VIII. 76 wc TiiCTOt 
^TiV€TO xd diraTT^XGevTa. 

Hier kommen nun zwei Nachrichten Diodors in Betracht, die 
er ans Herodot nicht entnehmen konnte, weil dieser sie nicht hat; 
es ist dies die Entsendung des ägyptischen Geschwaders, um den 
Griechen ein Entkommen im Norden der Insel unmöglich zu machen, 
und die Gesandtschaft eines Samiers, der den Hellenen die Nach- 
richt bringt^ dass die louer während der Schlacht abzufallen geson- 
nen seien; darob grosse Freude im griechischen Lager. Die erstere 
Nachricht von den Aegyptern ist von Grote verworfen, dagegen von 
G. Rawlinson als wahrscheinlich richtig bezeichnet. Von den Er- 
gebnissen dieser Untersuchung ausgehend kann man nur sagen, 
dass es ganz gut denkbar ist, Ephoros habe der Situation entspre- 
chend, nm die Umschliessung ganz vollständig erscheinen zu lassen, 
dies hinzugefügt. Dass nicht alle Aegypter dahin abgesandt wur- 
den, zeigt Herodot VUI. 100, wo von ihrer Theilnahme an der 
Schlacht gesprochen wird. Möglich ist aber immerhin, dass hier 
unser Autor einer anderen Quelle diese Nachricht entnahm. Was 
den Abfall der loner anlangt, so verträgt sich die Angabe des Epho- 
ros mit der Stellung, welche dieselbe bei Herodot einnehmen, vollstän- 
dig, c. 85 des achten Baches erfahren wir: i^6eXoKdic€OV fi^VTOi 
oMIhr KttTd Tdc GcMtcTOicX^oc dvroXdc dXitoi, o\ hk trXcOvcc od, 
und 6. 90 gibt Zeugnis, dan sie in der SchlaiBlit mit kftmpftaiL Dio- 
dors Betidit pMt dam in lo fem, als wir niehts daTon li6r«ii, dass 
das TOB dem Samier gemachte Tersprechen gehatten wurde. 

Bis Andores ist der G^gensati, in weLohem beide Autoren be- 
sQglifih der Aufttellnng der Tnmpen und des Gaagos der Sohlaoht 
sidh' befinden. ISs ist neaestens'*) behauptet worden, dass des Epho- 
ros Darstellnng mit der des Aeschylos llbereinstimme, der als 
Angeoaeuge von grOsster Bedentnng ist, wenn er die Giieohen mit 
der FküBt nach Sflden rieh entwickeln uisst, wihrend Herodots Be- 
nefat dieselbe nach Osten Toxanssetat, nnd es wurden beide Berichte 



Ow Bawlinson: History of Herodotos. voL IV. p. 964 note. 
O.Lceieheke! Ephorosefcodien L in Fleokeiieni Jahrb. 1877 & t6£ 



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310 



Dr. Adolf Bauer: 



und Herodot mit seiner eigenen Darstellung in äusserst ansprechen- 
der Weise so in Einklang gebracht, dass man Her. VIII. 85 die 
leichte Aeuderung statt Trpoc CaXa)Liivoc — TTpöc 'EXeucivoc vornahm, 
Diodor c. 17 berichtet, dass auf dem rechten Flügel die Phoiniker, 
auf dem linken die Hellenen, die es mit den Persern hielten, aufgestellt 
gewesen seien, c. 18 dass auf dem linken die Athener und Lake- 
daimonier, wie ausdrücklich gesagt ist, also den Phoinikern gegen- 
über standen, auf dem rechten Flügel Megarer und Aigineten, und 
dass die übrigen griechischen Contingeute das Centrum bildeten. He- 
rodot c. 85 gibt an, dass den Athenern gegenüber die Phoiniker, 
den Lakedaimoniem gegenüber die loner gestanden hätten. Hero- 
dotö Ausführungen sind, gerade was das Taktische anlangt, sehr 
mangelhaft, aus c. 91 inüclite man schliessen, dass er übereinstim- 
mend mit Ephoros die Aigineten auf den linken Flügel stallte, da 
er sie als die Phaleron zunächst betindlichen aufführt, die Megarer 
erwähnt er gar nicht. Herodots Vorstellung der Schlacht bleibt 
trotz der Conjectur Loeschckes eine uukiare, und mit Diodor, be- 
ziehungsweise Ephoros unvereinbar; abgesehen davon, dass sich Be- 
denken erheben, wie unter diesen Umständen der Thron des Xerxes 
auf dem Aigaleos hinter der griechischen Schlachtordnung zu er- 
Miran sei Denselben Sitz setzte nämlich auch Ephoros voraus, 
IKod. e. 18. B aöröc hk de töv dvavriov töicov Tf)c CaXoviivoc irop- 
f)X9ev a OcuipeTv fjv tiiv vaufiaxiav Tivofi^vriv, Her. YIIL 90 
KttT^iievoc (mö o(ipei vS^ dvriov CaXaiitvoc, tö xaX^CTai AIt6- 
X€UJ€ . . • Femer stellt sieh dem Wuneehey Herodot nnd Epbora 
in Kinklang sa briqgeii, die nene Schwierigkeit entgegen, duM Epho- 
ros, wie wir immer mehr sehen, dessen Auffassung kannte nnd also, 
wenn er anders berichtete, dies absichtUch thai Sonderbar bleibt 
nnr, dass er trotz dieser Verschiedenheit nicht umhin kennte ihm 
einige Wendungen za entlehnen. Der Kampf findet statt in dam 
TCÖpoc, ein Ausdruck, den Herodot neben nopO^öc (VIEL 91) 
audh gebraucht (c 76). Die Unordnung, die in der persischen 
Sehlachtreihe entsteht, wird gleich berichtet, das Wort 6öpußoc 
findet sich sowol bei Her. c 89 als bei Ephoros bei derselben Qa< 
legeoheit Diod. c 18. 4. Entscheidend ist» dass in der Beschrdbung 
des Ganges der Sehlacht, der im wesentlichen ftberehistimmt, ein 
Ausdrude sich wiederholl^ der nicht snftUig derselbe sein kann. Es 
heisst yon den Persern c. 18. 6: bi6 Kol irpO|Avav ^^v dvaxpou- 
ec6ai xaT^iraucov, dies wird bei Herodot zweimal allerdings yon 
den Griechen gebraucht VHL 84 ol ^^v bf) äXXoi "CXXtivcc irpü- 
^Vl|V dvcKpoüovTO und (b baifiövtoi ^xpi köcou £ti irpu^vriv dvo- 
Kpouc€c6€; Nach Diodor fliehen die Phoiniker und Kyprier suersi, 
dann die Eiliker, Pamphyler und Ljkier (c. 19. 1). Fttr die ersteren 
ist aus Herodot dasselbe zu entnehmen (c. 89. 90). Die anderen 
werden bei ihm erst c. 100 genannt, auch hat er keine Verlust- 
aagaben. Zur Strafe fttr ihre Flucht will Xerzes den Phoinikem die 



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Die Benfitsung Hefodots dozoh {iphoroB bei Biodor. SU; 

Kdpfe abbauen lassen, bei Herodot will er das gleiche ibim, weil die- 
selben die loner des Yei-rathes beschuldigt hatten (VIII. 90). Awsh 
flber den Inhalt der zweiten Gesandtschaft des Themistokles an 

Xerxes gehen beide Schriftsteller in ihren Anschauungen auseinan- 
der; während Herodot anführt (VIII, 109), Themistokles habe sich 
durch diese abermalige Sendung die Zuflucht zu den Persem offen 
halten wollen, schafft Ephoros ihm daraus einen neuen Ruhmestitel. 
Allein er schreibt dabei Herodots Wendungen aus, mit welchen die- 
ser von der ersten, bei ihm ganz kurz erwähnten Gesandtschaft be- 
richtet hatte, schliesst aber in dem Inhalte der Botschaft sich an 
jene zweite bei Herodot mitgetbeilte Sendung genau an. 

Her. VIIL 76. Diod. e. 19. 6. 

mipm Ic t6 crpor&ncbov t6 Myjbufv tAv iroibatu>Tdv vSrv tb(uiv uiiD v 

dv6pa irXol(|», ImiXdMCvoc xä Urov MctciXe npöc tAv s^pEiiv ftriXiO- 

Xpcdrv, Ti^ eOvcfia f(v Cliawoc, covra fi^ouov ot *€XXi|V€c 

olx^c hl xal irai6oTu»T^c f|v irXeöcavccc kid t6 ZflOrf^ Xöciv 

T«Dv 6€mictokX£oc ira(&ttiv... t^v t^9vpav.*') 

id. ym. 110. 

(ppdcovra ... Ort. . . £qc€ fodc 'QJa^ 
vcktAc Wae poifXo|üi^ouc bttiixciv KOl 
Tdclv'€XXi|cii^vTi))T£<P^pac Xtictv. 

Nun wiederholt sich noch die Phrase, die Ephoros überein- 
stimmend mit Herodot schon c. 17. 2 von der ersteu Botschaft ge- 
braucht hatte: TricTeucac toTc Xöyoic bid xfiv mOavoTriTa. ^'^ ) Die 
Wirkui^ dieser Nachricht auf Xerxes ist nach Ephoros eine bedeu- 
tende, Herodot hatte dies abzuschwächen für nöthig gefunden, er 
spricht bereits VIIL 97 von Befürchtungen, die Hellenen möchten 
die Brücke abbrechen; c. 110, wo er von der Botschaft selbst er- 
zählt, ist man erstaunt nichts weiteres zu hören, ja es wird dann 
die Belagerung von Faros und Karystos berichtet, und erst c. 115 
geschieht der Eile Ei*wähnung, mit welcher Xences floh. Der 
Schluss des 19. Capitels bei Diodor ist eine kui-ze Zusammenfassung 
des bei Herodot VIIL c. 9G ff. enthaltenen; wenn Ephoros die Zahl 
der in Europa zurückgelassenen Truppen um 10000 Mann höher 
angibt, so passt dies vollständig zu den sonst beobachteten Diffe- 
renzen. 



Wenn Ad. Schmidt: das perikleische Zeitalter S.2U Anm. hier 
folgert, dasB schon Herodot mit der Quelle von Plnt. Them. c. 12 (natür- 
lich Stesirobrotos) bekannt gewesen sein müsse, so stellt sich nach dem 
Geuften die Sache Belbstverständhch anders. Ebenso sind die Angaben 
des fiphopoe und nstaieh über die Stirke dee Heem dei MaidiBiiMe 
«OS Herodots 300000 entstanden. 

") Hier hat Wecklein a. a. 0. richtig hervorgehoben, dass die spä- 
tere, aof Ephoros (vgl. Plut. Them. 12) zorücl^hende Tradition den 
Boten m wm König selbst gelangen Iftait, wa§ fierodot nioht sagt; ee 
ist diee eben snoh eine der Freihoiteii, die sich KpluMcoi erUuibte. 



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312 



Dr. Adolf Bauer: 



Ea mag hier gestattet sem, obwol ee dem eigifttliohai Tor- 
wmrfo der üntersuoliiiQg fem liegt, Einiges über die weiter sieh 
ergebenden Scblttsse aus den eben angestellten Beobaehtasgen aa- 
xndeoten. Wir seheDf daee aaeh für «Be Beeebreibnng der BoUaeht 
Ton SaLamis, in der wir zam erstenmale bedeutendere Abweiehnngen 
des JSpboxee Yon Herodot erkannten, ersterer des letsteren Darstel- 
lung nicht nur gekannt, sondern aueh benütst bal Des Herodot 
Bericht erschien unklar und seugto von mangelhafter Kunde des 
miUtlrisfdi Widitigen dieser Sehlaoht, war jedoch leidi an wartkYoUen 
Details; der des Bphoros gibt ein Yollstindig Uaree Bild des Gaqges 
der Schlacht und der beiderseitigen Au&tellung, das aber mit He- 
rodot unTerembar bleibt, troti Loeschckes Emendaüon, die wol nnr 
mit Besug auf Herodot selbst berechtigt ersdhonen kann. Denn es 
kommt noch dasu, dass die Perser nach Ephoros AufGusung, als der 
erste Bote des Themistokles eintrifft, glauben, die Griechen wollten 
nach Korden entfliehen, während ihre Vorkehrungen bei Herodot o. 76 
(Besetsnng yon PSyttaleia und Anlehnung des linken Flügds an 
Salamis) zeigen^ dass man fürchtete, sie würden nach Sflden hin ent- 
weichen. So bedeutenden Unterschieden der AufGusung beider Ge- 
währsmänner gegenüber scheint mir nicht geboten, einen Bericht 
in problematischer Weise, ohne ihn deshalb ganz yerstfindlich zu 
machen, nach einer Seite hin zu — verbessern. Wir sehen aber 
andrerseits auch hier zum erstenmale Ephoros aus anderen Quellen 
schöllen, denn diese klare und verständliche Entwickelung des 
Ganges der Schlacht ist nicht in seiner Phantasie entstanden, wenn 
sie auch vielleicht nicht in allen Details ganz verUissIich sein mag, 
jedoch die Uebereinstimmung selbst mit des Aeschylos poetischem. 
Bericht über dieselbe, wie dies Loesohcke heryorbob, wird sie als 
wichtige Ergänzung zur Vorlage des Ephoros (Herodot), die er hier 
corrigirte, erscheinen lassen. 

Diodor geht nun c. 20, da er die bbher vorge^Edlenen Ereig- 
nisse genügend (dpKOuvTUJc) geschildert zu haben glaubt, zu einem 
anderen Gegenstand über: er betrachtet die Ereignisse auf Sicilien. 
Ich will hier nicht entächeiden, ob das Folgende auf Ephoros zurück- 
geht oder nun Timaios einsetzt ; aber so viel wird man sagen dürfen, 
dass «lieser Satz Diodors dann zu einem neuen Buche des Ephoros hin- 
überleiten würde ^^), das die Angelegenheiten des Westens behandelte, 
und dessen Excerpt uns Diodor im Folgenden gibt; erst c, 27 ftihrt 
er wieder in der Geschichte des Perserkrieges fort. Die Erzählung 
schliesst an eine Bemerkung über die mit Xerxes' Kriegsvorberei- 



Dies konnte mit einiger Wahrscheinlichkeit gefolgert werden 
aus der Angabe Diodors selbst über das Charakteristische von Ephoros 
Eiath^ung, IHod. T. 1 *rd>v t^P ßißXwv ^icdcrrfv ireiro(nK€ ircpUxciv 
Kfltrd T^oc T&c irpdEcic So haben auch Cauer a. a. 0. und Müller in 
den Fragm. bist, graec. nach diesem Grundsatie des Ephoros Eintheiiung 
SU reoonstroiren versacht. 



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Die Benütimig Hezodote durch EplumM bei Diodor. 



313 



taugen gleichzeitigen Bttstuiigen der Karthager im ersten Capitel 
dieses Buches. Gerade an der Stelle, wo wir es jetzt bei Diodor 
lesen, hat Ephoros, immer vorausgesetzt dass er hier wirklich Quelle 
ist, dies Folgende oieht erzählt. Diodor berichtet nach Jahren, ihm 
war der Synchronismus der Schlachten von Uimera und Thermopj- 
lai (c. 24) 80 bedeutend, dass er nicht anstand den bei Ephoros ge- 
wiss im Zusammenhang erzählten Perserkrieg durch dieses hier ein- 
geschobene Excei-pt zu unterbrechen. So ist denn der Schlusssatz 
c. 26: Tot fi^v CUV d£ioXoTU)TaTa tujv irpaxOevTUJV xard toötov 
Tov eviauTÖv cxebov tqöt* ^ctiv eine Rechtfertigung für dieses 
Verfahren, so\vie die Kinleitimg von c. 24 in Diodors Excerpt auch 
dieselbe Aenderuiig an der Reihenfolge der Darstellung seiner Quelle 
abermals begründen soll. Wenn sich im Folgenden herausstellt, dass 
hier Diodor einer anderen Quelle folgte, so gelten die eben gemach- 
ten Beobachtungen für die Beiseitelassung seines bisherigen Gewährs- 
mannes und für die Einführung eines neuen. Es heisst c. 24. 1 : 
bk TO cuv€X€c Toic 7Tpoeipri)u^voic lieiaßncoMeGa. cuveßri f dp Tfj 
aiJTTi fiM^pot TÖv RXujva viKficai Kai touc 7i€pi GepMOiruXac Meid 
Aeujvibou biaTtuvicacOai TTpöc £^pHr|V ... C. 27 enthält Ereig- 
nisse, welche nach der Schlacht von Salamis vorgefallen sind, aber 
mit dieser in unmittelbarem Zusammenhange stehen, und die von 
einem Schüler des Isokrates gewiss nicht gewaltsam von dem dazu 
Gehörigen getrennt wurden, um davon ganz getrennte Ereignisse 
• eines anderen Kriegstheaters zu erzählen. 

Wa.s nun den Vergleich mit Herodot betrifft, so weiss dieser im 
allgemeinen von dem Zuge der Karthager gegen Gelon viel weniger 
zu erzählen; er könnte also hier für Ephoros nicht ausschliessliche 
Quelle sein, um so weniger, da seine Darstellung durchaus glaub- 
würdig ist und nicht bloss Uebertreibung des Herodotischen Berichtes 
Bein kann. Gleichwol ist eingangs c. 20. 1 eine Beminiscenz ans dee- 
selben HerodoÜectttre zu beobachten; es heisst, die Karthager hfttten 
znm Feldherren den Hamilkar gewählt, t6v fidXiCTa irop* odrofc 
Oaufxa2[6jiievov, was Herodot wOrtlich Yon Leomdas sagt YIL 
204 6 bi eiuu|yta£ö|ii€VOC M^Xicra xal irovröc toO crpareOpiaToc 
f|T€6fi€V0C . . . f(v Acttivfbiic Allein der Gesicbtepnnkt, dem 
ans bei Diodor die Sache erzShlt wird, ist ein ganz yerechiedener: 
bei Herodot wird ganz beilftufig dieser VorfiOle Erwihnnng gethan^ 
naekdem gesagt worden, wie eine grieefaisehe O e sa a dt ocha ft YS tgeb« 
lieh Tersncht hatte Gelon com Bnndetgenossen zn gewinnen (Vii. 
158 — 169); Diodor steht anf einem wissenschaftlichen, aber schema- 
tischen Standpnnki Der Eriegssehanplafcs des Kampfes zwischen 
HeHsmen nnd Barbaren theilt sieh ihm in einen Ostlichen nnd west- 
Hehen, nnd jenes HÜfegesnches erwShnt er gar nicht Gelon, der nach 
Herodiot kleinlich seine Theilnahme an dem Freiheitskampfe yersagti 
ist nach Diodor ein ebenso herrlicher VorkSmpfer des Helleaismas 
gegen das Barbaienthnm wie nnr einer der griechischen Führer. Er 

Jalurh. 1 dut. Püilol. Siippl. Sd. X. 8S 

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314 



Dr. Adolf Baner: 



will Bogir den Hellenen nach der Niederwerftmg der Earfchager zu 
Hilfe kommsii (c. 26. 4). Die Naelinclit des Sieges von SalamiB hllt 

ihn Ton diesem Vorhaben ab, das so überflüssig wird. 

Bedenkt man nnn, wie der Schluss des in Bede stehenden Ab- 
schnittes bei Diodor (c. 26) so recht eiftillt ist von dem glänzenden 
Eindruck, den Gelona Reg-ierung hinterliess, so wird man Volquard- 
senß^^) Argumentirung, es liege hier eine sicilische Quelle vor, weiter 
bestätigt finden. Es fragt sich nur, ob wir diese Färbung des Be- 
richtes bei Diodor uns so zu erklären haben, dass Ephoroß eine sicilische 
Quelle ausschrieb, oder dass Diodor Ephoros bei Seite liesB und eiaem 
aicilischen Gewährsmann folgte. 

Dem Gange der bisherigen Untersuchung folgend muss auf- 
merksam gemacht werden, dass oben (S. 306 j gezeigt wurde (wie 
die wörtliche üebereinstimmuug von Her. VH 168 und Diod. XI. 15. 1 
beweist), Ephoros habe gerade den Abschnitt Herodots gekannt 
und benützt, in dem über Gelon ganz andere Ansichten ausgesprochen 
sind als jene, die Diod. hier XI. 20 ff. entwickelt. Ausser der einen 
bereits berührten Keminiscenz an Herodot zeigen die in Rede stehenden 
Capitel, welche die Geschichte Siciliens behandeln, keine Spuren der 
Benützung Herodots, dessen Bericht vielmehr abweicht*^); die An- 
lehnung an denselben, die wir bisher allenthalben bei Ephoros charakte- 
ristisch fanden, setzt erst bei c. 27 wieder ein. 

Kurz die Indioien hftufen sich, dass wir es Iner mü einer anderai 
Quelle zu thnn haben, fiüls wir nicht Bphofos ganz aadsn als bit> 
her arbeiten lassen wolkn, wobei er anaserdein in fttr üna nner- 
klftrUohem Localpatriotismns an Herodot Inderte. Von ganz anderen 
(jMchtspnnkten sah siok anch Vdlqnardsen^ vecanlasst dieses Stilek 
des Bexidites Düodors anf Tinudos znrttokzufUiren, dem eraterer Uber* 
hanpt l^elee seaaer sieilisohen (lesoliiflhte nadiersBlüte. Zu erkUrsn 



a. a. 0. S. 92. Die genaue Angabe XI. 25 der Maasse des Teiches 
in Akragas mag, wie Holm Gresch. iSiciliens II. 369 will, auf Diodor gehen. 

Die Stöxke der Herodotischen Darsteliung liegt in der Benütziug 
▼on Quellen, welche die Grfindungen waS Sieilien belmadeln, und in den 
eiagMOgenen Eikandigangen. Es möge gcBtattet sein hier nachtr&gliidi 
zu bemerken, dass das betreffende Stück bei Herodot VII. 165—168 spä- 
terer Znsatz ist, da er aus sieilisohen Quellen schöpft und auch kartha- 
gische Berichte benutzt: X^Y^Tai kqI TdÖ€ unö tüüv tv CtKcXiq oIkt]- 
M^vuiv (c. 166). irp6c M ical X^roua (o. 166), Icn bä im* adrAv Kopxn* 
bovimv 6be 6 X&foc XerÖMCvoc, die 0o{vik€c X^roua, \bc CupviNÖcioi (e. 167). 
Für den ursprünglichen Vorwurf des 7. Buches war dies zu berichten 
nicht uöthig, und die Stelle kann ohne weiteres wegbleiben. Dieselbe 
irt in des YettumiB Buch: Die Entstehung des Herodoosehen Geschicht«- 
werkes. Wien 1877. flbersehen; dort sind die Gründe, welche zu der 
bezeichneten Auffassung nöthigen, näher dargelegt. Dass c. 167 wirk- 
lich aus phönikischer Tradition floss, ist zu ersehen aus der Angabe, 
Uamilkar habe sich in die Flammen gestürzt; dies ist ein echt semitischer 
Brauch. [Haches de Her. itiner. et scnpüs, Gott 187», rfigt dasselbe p. 73.] 
**) a. a. 0. 8. 89. Vgl fiOr aniere Partie Timaios I'igm. 86. 8» mit 
Diod. XL 26. 



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Die BeBfitnmg Herodoti dueii Ephorof bei ]>iodor. 816 

bleibt noch der Anklang an Herodot und die Yergleicbung Gelons 
mü Tbemietokles (c. 23. 1), sowie die der Schlacht von Himera mit 
jener von Plataiai, was wir nach den bisher gemachten Beobachtungen 
anf Ephoros zurückzuführen geneigt sein müssen. Und auch diese 
Schwierigkeit ist nur scheinbar, Timaios schrieb eben seinerseits trotz 
seiner Polemik gegen Ephoros*^) denselben theilwoise auch aus, und 
wir haben so in Diodors Bericht Reste seiner rhetorischen Darstel- 
lung und des von Herodot beeinflussten Stiles zu erkennen, dem 
£phoros auch in dieser Darstellung folgte.'*^) 

Anf die Unterschiede der Darstellung bei Diodor und Herodot 
ist hier nicht weiter einzugehen, da es sich für uns um die Ermitte- 
lung des Verhältnisses zwischen Ephoros und Herodot handelt ; gleich- 
wol ist zu erwähnen, dass Diod. c. 21 fi^* ^M^P<? (zweimal) und 
c. 22 ä^a Ti^ KaTd t6v i^Xiov dvaToXig an Uerodots t)oöc (Vn. 
167) gemahnt 

Unsere Untersuchung hat also erst da wieder einzusetzen, wo 
die Darstellung der Ereignisse vor der Schlacht von Salamis beginnt; 
Capitel 27 — 38 wird eingeleitet, da ein neues Jahr beginnt, in der 
bei Diodor üblichen Weise durch Angabe der athenischen Archonten 
und der römischen Consuln. Die Flotte der Perser überwintert bei 
Kjme mit Ausnahme der Phoiniker, das bezieht sich auf c. 19. 4, wo 
erzfthlt wurde, dass dieselben aus Furcht vor Xerxes' Drohung ge- 
flolien seien. Hier ist Ejme von Ephoros mit gutem Grande er- 
wtimt, denn aoch Herodot nennt denselbem Halen. Der Bericht Ton 
der Üeberwintemng seihet ist aber der bisher beobachteten Vorlage, 
nlmUeh Herodot, entnommen. Man vergleiche: 

Her. Vm. 130. Diod. c. 27. 1. 

6 bi vauTiKÖc ^x^^M^l^icc 6 |iiv Tuiv TTcpcuiv cröXoc.. . bi- 

iy Ki3|ir|. £apoc ö£ iictXdMHiav- ^rpi^e ircpl ti?|v Ku^nv. ^vraOOa 

Toc «pdiioc cuvcX^TCTo Cd- bi irapax€i|idcac, lUc t6 e^poc 

|iov oö fi^v oöb^ irpoc€{>^KOVTO dvCcTaro, irap^irXcucc elc Cd- 

ToOc "CXViivac dXcOcecGai ic Tf|v |&ov, irapa^uXdSiuv Tif|v *luivkiv. 
Murviriv, dXX* diroxpi^cctv opi Tf|v 
£uniTuhf 9uXd€CCiv. 

Die Zahl Herodots 800 ist anf 400 gesteigert, das ftllt gegen- 
llber dieser Uebereinstimmwng gar nicht ins Gewieht und geht idcht 
axzf eine andere Quelle. 



") Polybios Xn. 3—28. 

**) Diete Herfibemahme van Nachrichten des Ephoros durch Tiroaiot 

beobachtet Volquardsen a. a. 0. S. 91; für dtese Partie wird also Vol- 
qnardsens Resultat, dass Timaios Quelle sei, richtig bleiben, trotz der 
Anklänge an Ephoros. Vgl. Holm Gesch. Siciliens. Bd. 1. S. 316. Wemi 
Diodor c. t8. 1 von iroXXol nirv ojfXpaupiwn/ spricht, welche die Schlachten 
von Himera und Plataiai verglidien, so deutet anch dies auf ein Cital 
dea Timaios nach Ephoros. 



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316 



Dr. Adolf BMiers 



Für das Folgende bis Schluss von Capitel 27-ttii86 im Ver- 
gleiche zu Herodot VIII. 93 und 12^ ff. bemerkt W6r4en, das« daria 
beide Autoren lllrareiiistiinmeii , man hab^ dB zu- einer Abstimmung' 
Uber den SiegesproiB YOn Salamis kommen lassen, bei welcher die 
Aigineten denselben zuerkannt bekameu. Bei Ephoros ist dies auf 
die Hegemoniefrage zugespitzt, der Anschauung der Zeit, in welcher 
er lebte und schrieb^, entsprechend. Die Lakedairaonier sind Uber die 
Erfolge der Athener, welche sich als Sief er zur See milchtig fühlen, 
80 ängstlich, dass sie bei der Abstimmung intrigniren und es dahin 
bringen, dass Aigina den Freie zuerkannt erhält; da^^en wird als 
bester Klimpfer doch Ameinias, der Bruder des Aischylos, genannt, 
das konnten die Spartaner gerne zugeben. Bei Herodot wird kurz 
und gut gess|gt: die Aigineten zeichneten sich am meisten aus. Wenn 
man bedenkt, dass dies, wie ich glaube, gesagt wurde 445/4 vor Athe- 
nern, so wird uns die Darstellun^j dc\s Ephoros unschwer als Raison- 
nement eines SpUteren erscheinen, ura die Hegemoniefrage in diese 
späte Zeil zurückzuverfolgen. Der Ameinias, den Ephoros ausdrück- 
lich als Bruder des Aischylos bezeichnen musste, ist liei Herodot ohne 
diese nähere Angabe mit zwei anderen genannt (VI 11. 93), in attischer 
Weise ist das Demotikon beigefügt, mehr brauchte man zu Herodots 
Zeit nicht; bei dem Interesse, das man für die Person des Bruders, 
des Tragiker?!, haben musste, konnte sich Ephoros mit der Nennung 
dieses allein begnügen. Für die Herübernahnie aus Herodot lässt 
sich noch die gleichmässige Angabe beider Autoren geltend hiachen, 
dass Auieinias wegen der Verfolgung der Artcmisia so ausgezeichnet 
worden sei. Auch darin stimmen beide ( iewährsmUnner, dass Themi- 
stokles von den Spartanern belohnt ward, aber der Grund wird ver- 
schieden angegeben. Nach Ephoros fürchteten sich die Spartaner vor 
dem Ränkeschmied und gaben ihm daher ein Ehrengeschenk, wie 
wenn Athen den Pjreis zuerkannt bekommen hätte. Weil Themi- 
stokles dasselbe annimmt, wird er als Stxateg abgesetzt, Xnlftliip- 
poa tritt an eeiae Stelle. Naeh Herodots DarstbUimg aber kommen 
die Helleneu anf dem Isthmos snsammen, nm' die dptcrefa zu 
iheilen, zuerst spricht jeder Feldherr sieh diidBelben zn, dann ftllt 
die Mehrzahl der Stimmen anf Themistokles. Letztster ist davon 
nicht sehr orbant nnd geht nach Sparta, dort deh xeichliohe Ehren 
znerkennen sn lassen. 

£phoros hat Herodots Darstellnng gelesen und benUtst, dabei 
jedoch eine Confasion gemacht; er nnterseheidet nSmlich nicht zwischen 
der Zuerkennnng der (ipicreia (obwol er den Ansdmok ans Herodot 
Vir. 123 herttbemahm) an Themistokles nnd der herrorragendsten 
Betheiligung am Kampfe seitens der Aigineten. Indem er dies sa- 
sammenfasste, mnsste er einen Oansalnerps hersteUen, der sich ihm 
aus der Hegemoniefrage nnschwer ergab. Verbessert hat er die Sache 
damit jedoch gewiss nicht, sondern an Stelle der unbefangenen naiven 
Auffassung Herodots ein hSssliches, weil falsches Bild von damals 



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Die fienütnmg Herodote durch Ephoros bei Diodor. 



317 



bereits bestehenden Eifersüchteleien zwischen Athen und Sparta 
gesetzt. 

Was die bei Diodor enthaltene Nachricht über die Absetzting 
des Themistokles und die Ernennung des Xanthippos an seine Stelle 
anlangt, so erwähnt Herodot davon in diesem Zusammenhange nichts, 
obwol er davon spricht, wie Themistokles von den Spartanern zurück 
nach Athen gekommen sei. Bei diesem Anlass erzählt er die be- 
kannte Anekdote, wie Themistokles fein auf die Vorwürfe, die man 
ihm wegen seiner Reise nach Sparta machte, geantwortet hat. Xan- 
thippos wird VII. 131 als athenischer Feldherr genannt, also konnte 
Ephoros auch diesen Wechsel des Comiiiiindo Herodot entnehmen, die 
von ihm hergestellte Verbindung beider Nachrichten wird richtig 
sein.^"^) Das bei Diodor Gegebeue ist für die Athener uotli viel 
günstiger gehalten als Uerodots Darstellung : wir kenneu diese Partei- 
nahme des Ephoros für Athen, nach dem Gesagten aber auch die 
Hauptquelle seines Wissens, und küuneu demnach die Veränderungen, 
die er mit derselben vornahm, nicht als Bereicherung unseres histo- 
rischen Wissens betrachten. 

Demnach erscheinen die Athener um so erhabener handelnd, 
wenn sie die Versuche der Perser, sie auf ihre Seite durch Bestechungen 
zu ziehen, zurückweisen, was den Inhalt des folgenden Capitels bei 
Diodor bildet. Auch hier haben wir dieselbe willkürliche Benützung 
Herodots zu verzeichnen, wie früher, es will fost scheinen, als ob 
Ephoros nnr nsch der Ihnnnernng arbeitete. 

Die Perser, so lautet 8^ Bericht, haben erfahren, dass die 
Athener diese Znrflcksetsnng erlitten, and darauf bauen sie ihre 
Flflne. Sie sdiicken Gesandte, gleichzeitig laugen auch Abgeordnete 
der Spartaner in Athen an, welche ein Eingehen der Athener auf 
die persischen Vorschläge zu verhindern suchen. Der Grund, wes- 
halb sich Mardonios an die Athener wendete, ist bei Heiodot YWL 
186 abweichend angegeben; allerdings hörte sich das fttr dn atheni< 
aches Publieum angenehm an, muss aber deshalb nicht unrichtig 
sein, wShrend Ephoroe diee noch mit seiner froheren Yerdrehusg 
▼on Herodots Bericht yerknftpfen musste. Die entsprechende Dar- 
stellung hat Her. YUL 140; wir bleiben alM> yOUig im Zusammen- 
hang Ton Ephoros* Vorlage. Ganz unsweifelhalt auf Herodot führt 
uns abennab eme genaue Entsprechung. Was Alezander bei Hero- 
dot seinem Auftrage hinzufügt, ist bei Ephoros weggelassen, da er 
denselben als BevoUmftchtigten der Persor nicht aosdrUcklich be- 
zeichnet 

**) Dies ist nicht geeignet die Auffassung von WeeUein (a. a. 0. 

S. 60) über die Stellung Herodots zu Themistokles richtig erscheinen zu 
lassen. Herodots Erziihlnng VII. 125 ist doch recht dazu angethan, des 
Themistokles Ueberlegeuheit gegen die wider ihn gebrauchten Chicanen 
im besten Lichte erscheinen zu lassen, anderswo wurd Themistokles anch 
getadelt; aber von 'kleinlicher und Ubnischer AuffiMsong* su sprechen, 
halte ich nicht für berechtigt 



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818 



Dr. Adolf Buer: 



Dio4 0. S8. 1. Her. VHL 140. 

tftv Td TTcpoXhr irpo^Xtuvrai, Mkciv toOto txtv Tf\y yfjy cq)i diröboc, toOto 

Xxbpav f\v dv ßoOXuDVTQi rf^c bi dXXriv irpöc toOti] ^X^cOttfv oiHnDl, 

^CWUtooc, Kai TÄ Tcixn »«"l Touc vaoOc i)vTiva Äv iO^Xwci, iAvrcc aö- 

-irdXiv ävoiKobo|yu^C€iv, mU Tif|V nöAiv tövo^oi* Ipd tc irdvra C91, fjv 

4dc€av aöTÖvo|iov. ßoOXiuvTai ifiol öfioXot^ov, Av^ 

Die (Jesandten der Spsrtaiier eagen im weeentiiehen hti beiden 
Autoren daasdbe: Her. 142 lufbl {f^ac 'AX^Ictvbpoc ö Mcnccbdiv 
dvcrrvUrcQ. Diodor 28. 1 ps^ ireic6(|vai rote ßopßöpotc Herodot aoll 
ftber dnrchaos nicht in Sehnts genommen werden, und wenn E^iotoe 
der bei ibm erbaltonen unwahrscheinliohen nnd wenig aathentiselieii 
Rede etwas binzugefiif^t hat^ so kann man ihm das niobt Abel nehmen. 
In der Antwort der Athener an die Spartaner entspreehen sich die 
Wendangen beiHerodot c. 144 öjLiaiMÖv t€ xal 6^6tXujccov und bei 
Diodor cutt^vcTc Ka\ 6)ioq)uJVOuc. Nun antworten die Athener den 
Persem abschlUg-ig; hier ist Ephoros ein sehr charakteristisches Ver- 
sehen passirt^ allerdings brachte er dadurch eine sehr hübsche Anti- 
these ZQwege, that es daher vieUeioht absichtlich. Was bei ihm die 
Athener den Persem antworten, sagen sie bei Herodot wtetlich den 
Lakedaimoniem. 

Her. Vm. 144. Diod. c S8. S. 

Uemcrdiievot . . . &n oOtc %pvc6c dii€Kp(8i]cav , Ufc oOtc %ibpa tcIc 
Un yfic o0te|i66t tocoOtoc oOtc TT^pcaic kcti TotaOrfi oOre xpM* 
jfbfit\ icdXAcl Kai dperf) intfa intip' cdc tocoOtoc 8v *Aei|vcllot 6eSd- 
<p^pouctt, rä tfiiicU icEdfievoi 464« |i€VOt rotte "CXXrproc ^TKoroXci- 
Xotfiev öv fii|6to(ivT€C KorabouXiXKat nioua. 
"CXXdbo. 

Die Antwort an die Spartaner entspricht sich inhaltlich, nur ist 
Herodot ansführlicher. Die folgende Nachricht des Ephoros, Mardo- 
nios habe Tersucht, einige Städte in der Peloponnes zu bestechen, wird 
bei Herodot nicht mitgetheilt imd ist ein von spttteren Rednern oft 
berührtes Ereigniss, als dessen Träger der Zeleite Arthmios erscheint^ 
Der Schlnss des 28l Gapitels endlieh stimmt was das TfaatsMeblSeiie 
betrifit nnd in seiner Qedankenfolge ToUstBndig mit dem Anfiuige dee 
IX. Buehea bei Herodot. Hier ist die Zahl der Tnqppen des Mardo- 
nios nnd seiner Bnndeegenossen angefahrt Nach Herodots Angabe 
IX. 82 waren in der Schlacht 300000 Hann Trappen des ICardonios, 
mit den Bundesgenossen aber 600000» dae wSren nnn frdlidi be- 
deutend mehr als 200000 (Diod. XI. 28. 4). Herodot sagt fteiliob: 
TiBv hk *€XX4vuiv T«öv Mapbovtou cuiim^xuiv o1b€ m^v oöbck dpiOiiov 
od fäp «Ihr i^i6Milt6f|COV, die hk ^ircmdcat, ir^vre fiupidboc cuXXc- 



VgL die Stellen über Arthmios bei FankhBnelt Ztwhr. l Alftsrlbw. 
1841. n. 87. 88. 



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Die Benützung üerodots durch Epboros bei Diodor. 



319 



ift\vai cIkoZu). Um die heillose Zahleiii'rage, bei der mau sich be- 
scheiden mu8s gewisse Dinge nicht zu wissen^ vorweg abzuthun, ist 
noch zu erwähnen, dass Ephoros hierin mit sich selbst in Widerspruch 
kommt. In c. 30. 1 nämlich hat er Herodot dessen Zahlenangaben für 
das griechiseb« Hmt abgenommen. Es betrBgt nach Her. IX. 30 
110000, aber meht genau, Ephoros sagt in dem eben erwilinten 
Capitel: elc b^Ktt ^upidbac, nnd so hat er aneh die von Herodot an 
der oben erwihnten Stelle YemrathungsweiBe gegebene Anzahl Ton 
otwa 500000 Mann der Perser c. 30. 1 adoptirt, im Oegensati zn 
seiner fiühemn abwekshenden Angabe. Fttr Emendationen der ttber- 
lieferten Angaben ist ein weites Feld geboten, aneh daran wird man 
nieht zweifeln kOnnen, daas die Angaben Hesodots flberlrieben sind, 
nnr war Ephoros nicht der Mann, bessere an deren Stelle zn setzen. 

Nach Ephoros schicken nnn die Athener Gesandte nach der 
PeloponneB, da die Spartaner sieh mhig Yorhalten nnd sie deshalb 
ihre Vaterstadt abermals verlassen mttssen. Dasselbe berichtet Herodot 
IX. 6 ff.; c. 7 ist die Zurttckhaltong der Spartaner noch mit der 
Feier der Hyakinthien motivirt; c. 6 zu Anfing ist auch dem Gedanken 
Baum gegeben, dass, wenn die Spartaner rascher geholfen hätten, 
die Athener nicht dies neue Opfer hätten bringen müssen. Anknüpfend 
an den roisglückten Bestechungsversuch meldet Ephoros, dass Athen, 
Ober welches Mardonios deshalb erbittert ist, erobert und zerstört 
wird. Dasselbe wird bei Herodot mit aosführlicher Begründung (aber- 
malige Gesandtschaft des Mardonios an die Athener nnd Nacbridit 
des Auszugs der Spartaner) in c. 13 erzählt. 

Nun beginnt Ephoros in c. 29 die Darstellung der der Schlacht 
unmittelbar vorangehendpu Ereignisse; nach des Mardonios Ankunft 
in Theten brach man vom Isthmos her auf und marschirte gegen 
Plataiai, vorher schworen die Hellenen einen Eid. Was von diesem 
zu halten sei, wird sich nach unseren Beobachtungen nun anders dar- 
stellen als bei Wecklein (8. 67 flf.), der den bei Herodot VIII. 132 
und Diodor XI. 3. 3 (vgl. oben S. 294) erwähnten Eid mit diesem hier 
identificirt. Die Nachricht von dem ersteren hat, wir wir sahen, 
Ephoros einfach Herodot entnommen; von dem hier erwähnten weiss 
letzterer nichts, eine Wendung iu der Pormulii'uug bei Ephoros wieder- 
holt sich genau wie in dem ersten : KpaTr|Cac Tiu TToXe^iu. Während 
die Pointe des ersten Eides in dem bcKaieucai liegt, geht der zweite, 
abgesehen von den einleitenden Phrasen, dahin, dass die von den 
Persern zerstörten Heiligthüraer nicht aufgebaut werden sollen. Wenn 
es nun bei Theopompos Frgni. 1G7 heisst: ÖTi '€XXr|ViKÖc öpKOC xaia- 
i|i€ub€Tai, öv 'ABtivaioi qpaci ö/uiocai touc "GXXrivac TTpö Tfjc \i6Lxr]C 
Tflc dv TlXaiaialc rrpöc touc ßapßdpouc ktX., so ist damit jener zweite, 
nur bei Ephoros erwähnte gemeint, und wir werden Theopompos 
darin Recht geben, dass er diese aus athenischer üeberlieferung^^) 

Vgl. G. Eawlinson: Herodotus. Vol. IV p. 822 note 10, der aeigt, 
dass eine im Eide enthaltene Bestimmung nur in Athen gemacht sein kann. 



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820 



Dr. Adolf Bauer: 



in des ersteren Bericht übergegangene Darstellung in ihrer Unwahr- 
heit kennzeichnet Man könnte einwenden, die Thatsacheu sprächen 
für die Existenz eines Eides dieses Inhaltes. Plutarch Perikles 
0. 17 berichtet von der Berufung einer Versammlung nach Athen 
durch Perikles, wo unter anderem auch der Wiederanfban der Tem- 
pel beschlossen worden sdUto, welehe bei dem Einfalle der Pener 
Terbrannt worden waren. Jedooh seist dieser Besehlnss einesÜieils 
die Existenz des Eides gar nieht voraus , und andrerseits kann die 
Naehridht eben auch auf Ephoros sorückgehen; Diod. IX Fr. 10 ist 
eine andere Fassung dieses bei Ehetoren gewiss beliebten Vorwurfes. 

Herodot IX. 19 maeht uns mit dem Abmarsch der Griechen aus 
der Peloponnes bekannt; bei Ephoros ist die Saehe so ge&sst, dass 
die Hellenen schon auf dem Isthmos beschliessen bei Plataiai sidh 
zu schlagen, nachdem sie et&hren, dass Mardonios in Theben weile. 
Da Ephoros wnsste, dass die Schlacht bei FUtaiai stattfimd, so konnte 
er diesen Besehlnss in allerdings sehr nnwabrsoheinlicher Weise anti- 
dpiren, spSter erzihlt er ruhig Herodot nach» dass man zuerst den 
Kithairon besetzte. 

Der Sohlusssatz des 29. CSapitels ist wieder wörtlich aus Hero- 
dot herttber genommen. 

Diod. XI. 29. 4. Her. IX. 19. 

dTrop€u9ricav ^ttI ti^v Bojuj- ibch^ öpa dTriKovro rrjc Boitu- 

Tiov biä Toö KiSaipüJvoc, xal -rrpöc TirjC 'Epuöpac, ^|U(iOöv t€ bi] toüc 

tAc ÖTTUjpciac KaxavTricavTec ttXt-)- ßappdpouc ^tti tcu 'AcumiL crparo- 

ciov Tu»v '€puepOüv aÜToö tcax- Tr£&euo|a€vouc,q)pac9^vT€cÖ€ toüto 

6CTpaT0Hii)£\JCaV. dvT€TdcCOVTO ^TtI Xr^C (lTlUip^1]C 

Toö Ki8aipÜL)voc. 

Dass Pausaniag Commandant war, dass er Vormund des Sohnes 
des Leonidas war, findet sich bei Herodot IX. 10, dass Aristeides die 
Athener commandirte, c. 28. 

Capitel 30 spricht Ephoros von dem Lager am Asopos, welches 
Mardonios befestigte, dies fand sich bei Herodot c. 31 und c. 15; 
über die Zahlenangaben, die gleichfalls aus Herodot genommen sind, 
ist oben (S. 319) gehandelt. Nun beschreibt Diodors Excerpt den 
Reiterkampf, welcher der Schlacht vorausging. Er fand M)ci Nacht' 
statt^ wir kennen von der ThermopylonschliRht her Ephoros Vor- 
liebe für dieselbe, um den Effect zu erhöhen ; aus Herodot geht her- 
vor, dass das Gefecht bei T<ige war. Auch ein wörtlicher Anklang 
fehlt nicht: c. 30. 2 Träci xoTc iTTTreöci und Herodot c. 20 tt^^ttci 
TTCicav Tf|V iTTTTOV. Die folgende Darstellung des Gefechtes, wie die 
Lakedaimonier und Athener von den bedriingten Megarern zu Hilfe 
gerufen werden, und Aristeides mit Auserlesenen seiner Leute sie 
glücklich heraushaut, ist Herodot entnommen, der c. 21-24 die- 
selben Vorfälle behandelt. Auch hier sind wörtliche üebereinstim- 
mnngen: Her.c 21 Metap^cc 7n£Cö|i€V0i l7T€)i7TOV, D. 30. 3 nx^lö- 



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Die Benützung UerodoU durch Ephoros bei Diodor. 321 

p€VOi Trj ^ctxr). Die 6ttiX€ktoi bei Diodor sind jene Athener, 
welche sich bei Herodot freiwillig,' melden, und der persische Be- 
fehlshaber, der füllt, ist kein anderer ala Madibtio«, wie ihn Herodot 
ausdrllcklicli nennt. 

Ueber den errungenen Vortheil freuen sich die Griechen: die- 
ser Gedanke Herodots ist bei Ephoros etwas rhetorischer wieder- 
gegeben. Die Aafstellung der Griechen wird nun eine andere, auch 
dies berichtet Herodot im gleichen Zusammenhang. Ephoros ist 
Uber die Voräieile der neuen SteUun|^ ausserordentlich ausführlich, 
Herodot 'behandelt dies o. 25. Zar Rechten war nach des ereteren 
Bericht eine bedeotende Erhebung, lar Linken der Asopos, so hindert 
die Enge des Terrains die Entfialtung der persischen &ftfte. Diese 
Angabe widerspricht Herodots dnrchaiis glaubwürdigem Berichte 
Aber das Schlachtfeld, der anf Autopsie zurückgeht.^ £r gibt viel- 
mehr an, dass Httgel von mSssiger Erhebung und flaches Land den 
neuen Kampfplats Inldeten, Es hiesse der Angabe des Ephoros zu 
viel Ehre anthun, sidi in Vermuthnngen ttber deren Quelle zu er- 
gehen. Einiges macht sie yielmehr yerdBchtig: abgesehen von der 
ünwahrscheinlichkeit» dass in einem breiten Flussthale, wie das des 
Asopos, Ton der dc<pdX€ia des Terrains nicht erheblich die Bede sein 
kann, befiremdet der Ausdruck crevoxuipto, der nach Herodot auch 
bei der Schlacht Ton Salamis Ton Ephoros gebraucht ist Mit ganz 
ähnlichen Chrttnden wie dort wird auch hier auf die Unbrauchbar» 
keit der grossen Massen hingewiesen; bei Ephoros' Neigung für ge- 
wisse Schlachtenschemata, der nun zweimal wirklich seiner Quelle 
folgend gesehen hatte, wie bei Thermopylai und Salamis die Enge 
den Persern iiachtheilig war, mochte dies schon gewissermassen zum 
Apparat der Schlachten zwischen Hellenen und Persem gehören. 
So scheint es denn nicht unwahrscheinlich, dass der Y^^^oq)OC 
öitniXoc bei Diodor c. 30. 5 aus den Erhebungen, auf denen der Ando- 
kratestempel lag (Her. IX. 25 bid öxOuJV xe ouk ui|niXÄv) entstanden 
ist Diese Eigenthümlichkeit des Lokales, meint Ephoros, ermuthigt 
den Paiisanias und Aristeides. 

Am Beginne des 31. C'apitels kommt nun Ephoros auf die per- 
sische Aufstellung zu sprechen: er folgt auch hierin Herodot, der 
die gleiche Reihenfolge beobachtet. Dass die persischen Truppen 
sehr tief standen, folgt aus desselben früherer Auseiiiaiulersetzung 
über das Terrain; dieser letztere Umstand fehlt in Herodots Bericht, 
ist aber charakteristisch für die Consequenz, mit der Ephoros seine 
Variationen der ihm vorliegenden Darstellung durchführt. Unter 
Kampfgeschrei, jueict ßofic, rücken die Perser an, das sagt Herodot 
c. 59 am Schiusa, wo er von dem Eindrucke, den das anrückende Per- 
serheer machte, handelt: outoi fi^v ßoig . . . annicav, ujc dvapnacö- 



**) Er^^eiss z. B. c. 39, dass eine Berggruppe bei den Boiotern 
Tpek Ke9aXai, bei den Athenern Apudc KcqKxXai heiBst. * 



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322 



Dr. Adolf Bauer: 



lievoi ToOc *€XXif|vac MardonioB, so fttirt Diodor fori, wendrt lieb 
sanBohst gegen die Spartaner, die ihm gegenüberstehen, clc TOÖc 
dvTiT€TaTM^YOuc, er ist umgeben von den Edelsten, ^x^v hk iicpl 
aördv toCtc dpfaouc. Der Ansdraek dvnTetotii^vot exkUrfc sieh 
ans Heiodot o. 31, hier heisst es: dirtKÖMCVOi hk dvTCTdccovTO 
dibc (mö Mopboviou* Kcrrd pky Acuccbatfiovicuc Ccmce TT^pcoc . • 5 
Ti fi^v f|v a^oG buvanjrroTOV icdv dicoX^lotc £ctiic€ dvrfov Acuccbot- 
Movfatfv. HUt man diesen lotsten SaAs zusammen mit Her. 63, wo 
Yon Mardonios gesagt wird '^^ luiurdv XoT^boc TTcpc^uiv 
Toöc dpicTouc xiXTouc, so kann Aber die Entlehnn^g der betreffen- 
den Wendungen b« Ephoros kein Zweifel sein.^ Dass dieser An- 
griff von Erfolg begleitet ist, wird bei beiden Autoren, wenn anoh 
nidit mit densäben Worten, doch immerhin gesagt; dass aber aneh 
die Perser dabei grosse Verloste erlitten und der Kampf ein sehr 
erbitterter war, wie Ephoros im folgeBden Satse versichert, sagt 
Herodot in c. 62. Die folgende Stelle ist ToUstSndig Herodot ent- 
nommen, 

Diod. 0. 81. 8. Her. DL 68. 



*€uic \ibf oöv cuW(kttv€ Tdv Map- 
Wvtov }mä Ttfhf ^nX^KTurv npo* 
Ktvftuvcdctv, c5i|f0xiiic Mfievov rb 
hep/&9 oi ßdppopoi' lud VStcMop- 
bdvioc dTUivtt6|i€voc bdddymc IttKce. 
woA Tttov kmkbeüiPf oi ptbr divtOavov, 
ol bi KOxetpM^cWf dvorponilvTcc 
tdHc iifuxflttc npöc q^mr^ «fipinicav. 



*Ocov laiv vuv xpdvov MopMvioc 
ircpif)v, ot hk dvHIxov kcU d|iuv6- 
Mcvot KOT^fküÜUyv iioXXoöc tilhr Aoxe- 
bcniiovfattv, fbc bi Miipbdvioc dniOave 
Koi TÖ «€pl äc£tvov xewfpubfw I6v 
kxup6TOTov {ncGC, o0iui ^ ml ot 
dXXoi irpdirovTO Kol cilov TOtoiAaMc- 
bmyiovtoia. 



Auch der folgende Satz stimmt überein: 

Diod. c. 31 8. Her. IX. 65. 

^mKCtfi^vuiv bi Tiüv '6XXr)vu)v, oi Iqt&rfw ... Ic t6 tcIxoc t6 
l»k¥ «Xciouc TUlv ßoppdpuiv cic Td SOXlVOV. 
EOXivov TCtxoc cov^<poTov. 

Von dieser hdlsemen Hauer hatte Ephoros im Torhetgeheaden 
Capitel berichtet üeber die Flucht des Artabasos, welche den 
Sohluss des C^tels bei Diodor bildet, und die Flucht der im persi- 
schen Heere bändlichen Orieohen nadi Theben, beziehungsweise des 
ersteren nach Fhokis, sind die Berichte ganz gleichlautend; die Zahl 
der Truppen desselben gibt Ephoros nach Herodot c. 66 auf 40000 
Mann, und sogar die Einzelheit tri£Pt zu, dass Artabazos möglichst 
eilig sich auf den Weg machte: Diod. cuvTO^ov T^v dvaxtiipf|Civ 
iroiiiC(S|U€Voc, Her. c. 66 rnv raxicxTiv ijpdxaZe. 

Nach der nun folgenden Darstellung des Ephoros (Diod. c 32) 
hätten einzelne Coutingente der Griechen Artabazos, andere die ge- 
gen Theben hin Flüchtigen yerfolgt Herodot sagt nichts weiter, als 

^g^* ^och die unten auBgeschriebene Stelle Her. IX. 68. 



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Die Benütiung Hetodots duroh Ephozot bei Diodor. 823 

dass nach errungenem Siege auch die übrigen am Kampfe nicht di- 
rect betheiligten Griechen dies erfuhren und dass nie auf zwei We- 
gen ihre Stellung verliessen (c. 69). Die in der Nähe der Korinther 
Stehenden wenden sich gegen die Feinde, indem sie in den Bergen 
vorrücken, die bei den Megarem und Phliasiem Aufgestellten ge- 
hen in der Ebene vor. Letztore werden, 600 an der Zahl, von den 
thebanischen Reitern angegritieu und zerstreut. Diese Nachrichten 
haben gemeinsam, dass die ins Lager Fliehenden von den Spartanern 
verfolgt werden und die gegen Theben Eilenden von den Athenern 
(Her. c. 66 — 69), von Plataiern und Thespiern weiss Ilerodot nichts. 
Die Athener kämpfen nach Eplioros glücklich unter den Maueni von 
Theben und kehren erst dann zurtick, den Spartanern bei ihrer Be- 
lagerung des durch die hölzerne Mauer gestützten persischen Lagers 
zu helfen. Von einem Kampfe unter den Mauern Thebens, der bei 
Ephoros so rhetorisch ausstaffirt ist, berichtet Herodot nichts, er er- 
wKhnt nur den Kampf um die hölzerne Mauer des persischen Lagen, 
▼on dem er c. 65 sagt, es sei gewesen dv }xoipiji 6nßaQ>i. Dae 
ist mü die VeranlaMung zu des Ephora Fielion gewesen. Nocb 
bleibt sa erklireii die bei Ephovot deteilliile Aufhdbnlime der an- 
decen Gneehen. Bei Herodot ist darttber aiohts gegeben; es ist 
jedoeh mOgliob za leigen, wie Epboros sn eeiner Angabe gelangte, 
und man siebt daraus, dass er wieder nur Herodot Tor sieb hatte. 
£s moofate ihm nawalvtidieliiUeh Torkommen, dass die ttbrigen Gon- 
tingsnte am Kampfe nidit theiigenommen bitten (was ans Her. e. 
86 dentlieb berrorgebt); er fllgie also sn den bei Herodot genannten 
• Atbeneni (o. 67), weldie gegen Tbeben in die Boioter verfolgten, 
wol ans fidseber Erinaerong an die Tbermopylensohlaoht, Flataier 
nnd Tbespier, welobe dort im Verem mit den Atbenem gegen die 
Tbebaaer kimpften* Fflr die aaeb drei Biobtongen fliehenden Heere 
branebte er nnn nodi swei Vecfolgnngseoniingente; bei Herodot fimd 
er, dass die Lakedaimonier das penisobe Lager aagiiiien; das dritte 
bildete er sieh nun ans Her. e. 69, oder wie wftre er sonst dasn 
gekommen, gerade Eorintber.nad FUiasier (im Verein mit den geo- 
graphisch benachbarten Sikyoniem und nooh TIVCC Ircpoi) >n 
nennen, dieselben, die Herodot, freilich in ganz anderem Sinne, in 
dem angeführten Capitel neben einander namhaft macht? H&tten 
wir niobt ttbenll &st ausschliesslich Herodot als Quelle geeehen, SO 
konnte man geneigt sein dieser Abweichung Werth beizulegen. 

Das gleiche VerhAltnis besteht für die Darstellung des Kampfes 
um das persisehe Lager: auch hier liegt Herodots Bericht in über- 
triebener Form vor. Das WortD. 32. 3 TCixo|idxouv und Her. c. 70 
T€ixofiOtxiil entsprechen sich YoDstfindig, der Inhalt ist wesentlich 
gleich. Ephoros kam es darauf an, ein Seitenstück zu dem Kampfe 
unter den Mauern Thebens zu liefern. Die Tegeaten, welche Hero- 
dot hier nennt, hat Ephoros weggelassen. Die ganze Auffassung ist 
sehr rhetoxisohy daher auch die AnsfUhrung, dass Pansaaias be£oh- 



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Dr. Adolf Bauer: 



len habe kernen Pardon zu geben. Den Zahlen bei Epboroß kann 
man aber, gegenüber den noch grösseren bei Herodot, keinen höhe- 
ren Wert beimessen, weil die Entsprechung der 100000 gefallenen 
Perser und der c. 33. 1 erwähnten 10000 gebliebenen Griechen zu 
auffällig ist. Herodots Angaben Aber die griecluBchen Verluste sind 
authentisch, während jene der Perser sehr ttbertrieben sind. 

Im Folgenden stimmt üphoros wieder sehr gat in Herodoi: 
beide berichten, dass die Spartaner am tapfersten gewesen seien 
(Her. c 71, Diod. c. 38. 1). Wenn Diodor die Persönliehkeit des Pau* 
sanias ansdrdcUich erwähnt, so geschieht dies wol nur einer Bede- 
fignr zu Liebe, die er bei Herodot anderswo gelesen hatte; dabei 
hatte er den Yortheil, eine seinem Pnblicom geläufige Persönlich- 
keit an Stelle der unbekannten, bei Herodot erwähnten zu setsen. 
VnL 93 sagt nftmUoh Herodot: iv vouftax^Q raihq flKOUcav 
'€XXif|Vuiv äptCTo Mmv^Tot, ini M 'Adnvofoi, dvbpidv bi TToXO- 
KpiTOC ... xal 'Am€iv(t|C, schon c. 27. 2 hat ^horos dies naohge^ 
macht, wemi er ss^: ivu^wf KptOf|vai itöXiv |it^v dptcreOcai Tfjv 
AlTtvriTii^, fivbpo hk *AMeiv(av icrX.; so heisst es denn auch hier 
c 83. 1: ^Kpivav dpicrcOcai tröXtv m^v CirAprnv, dvbpa hk TTou- 
caviocv t6v AooccbotMÖviov.^) Von der eiligen Flucht des Artabaoos 
enählt Herodot ausführlicher, aber inhaltü^ CHeiehes o. 89. Die 
Weihung des goldenen Dreifusses nach Delpboi wird mit denselben 
Worten erwähnt: Her. c. 81. bcKOiTTiv dHeXövTCC tuj iv AeX^oici 
6€(f), D. c. 33. 2: beKdir^v ^EeXöjyicvoi. Der goldene Dreifuss soll nacb 
£phoros auch eine Inschrift gehabt haben, die er anfuhrt. Diese hat 
niemals darauf gestanden; wir wissen aus Thukydides T. 132, dass die 
Spartaner die erste Inschrift vertilgen liessen und die Namen derer, 
die die Waffen gegen die Perser trugen, einritsen liessen. Ueber 
diese Inschrift lässt sich also trotz der £^rade in dieser Beziehung 
Ephoros nachgerühmten Genauigkeit nur sagen, dass bei Thukydi- 
des eine andere als ursprungliche steht; möglich ist jedoch, dass zu 
Kphoros Zeit sich die Tradition gebildet hatte, es habe eine Inschrift 
des Inhaltes darauf gestanden, wie er sie gibt. Die beiden anderen 
mit dieser im Zusammenhango citirteu Inschriften sind aus Herodots 
Bericht über die Thermop^denschlacbt VII. 228. Die eine der In- 
schriften zeigt einige AbweicbimgcTi ( denn das fpirjKOCiaic bei Her. 
und biaKOciaic bei Ephoros kann man als solche nicht betrachten) 
von der Fassung bei Herodot. 

Her. VII. 22H: d) Eeiv', äf^eWeiy AaKebaiMOVioic, öti Tfjbe 
KtifieGa Toic xeivoiv priMct^i 7Tei0ÖM€VOi. Diod. c. 33. 2: iIi EeTv*, 
ÖTT€ iXo V AaKcbai^ovioic, Öti Ti^6e K£ijie6a Toic Keivujv Tieiöö^evoi 
vo^inoic. 

Ephoros fügt dann auu der Zeit seines athenischen Aufenthai- 



Hier eapt Ilero^Iot IX. 71 ähnlich: i'ipfcTCUce bi tuiv ßapßdpurv 
ntlöc n4v ö TTcpUiüv, iTinoc bi rj Cok^wv, dvi^p bi X^toi MapMvioc. 



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Die Benflliiiiig HeiocMi durah Ephoroa bd Diodor. 326 

tes her noch eine Bemmiseens bei, dass nämlich damals die feier- 
liche Rede eo Ehren der gefallenen Krieger gehalten worden sei, 
die fortan gesetdioh jedes Jahr stattfinden sollte. Mit der Bestra- 
fung der Thebaner schliessoi beide Autoren ihren Bericht ttber die 
Schlacht bei PlataiaL 

Her. IX. 86. IKod. e. 88. 4. 

4b6K€i CTpoTCi&ccOai iv\ xäc TToucovtac. .. icTpdTCuccv ivl 
Ofj^ac Kttl ^SoiT^civ cri^n&v toöc Tdc Ofißac koI toCic aMouc . . . 
MTiMcavToc. iUjitet, 

Auch der Bericht über die Auslieferung der Schuldigsten stimmte 
bei beiden Autoren überein, Herodot berichtet dies ziemlich ausfuhr- 
lich LX. 86 — 89. 

Noch erübrigt die Vergleichung der Schlacht von Mykale in 
den Berichten bei Diodor und Herodot. Eine auffallende Ueberein- 
stimmung ist zunächst, dass von der Betrachtung der Landschlacht 
zur Seeschlacht genau durch denselben Satz der üebergang herge- 
stellt wird. Her. c. 90: ouToc |aev üütuj ctTrevöcTrice ifiv 'Acirjv, 
Tfjc hl amr\c n^cpric ttic irep ev FIXaTairjci tö TpüuMa df^veio, cuv- 
CKupnce T tv€c0ai küi ev MuKdXr) rrjc 'lujvir|c. Diod. c. 34. 1 : tTtveio 
bk Kttl KUTU Tf]V 'lujviav Toic "6XXr|ci ^cToXri MOtxn Tipöc FTepcac 
Kala Tf]V auTf)V fiiuepav irj nepl ictc TlXaiaidc cuvieXeceeiCT}. Dio- 
dor sagt, er müsse, um davon zu sprechen, zurückgreifen; Leotychi- 
• las und Xanthijipos, fährt er fort, brachen von Aigina nach der 
Schlacht von Salamis auf und gelangten mit 250 Schiffen nach 
D^os; dorthin kamen dann Gesandte der Samier. Dasselbe berich- 
tet Herodot, natürlich ausführlicher: man versammelte sich VIII. 131 
unter dem Befehle des Leotychidas und Xanthippos auf Aigina, die 
Zahl der Schiffe wird auf 110 angegeben; es ist jedoch die Frage, 
ob Settidoi hidr die gsnse Zahl angaben wollte, da er später erst 
e. 182 sagt: fhc.hk iraperevovto it tfjv AfT^vov irAcai a\ v^€C. 
DsBS man dort nicht lauge blieb, ergibt Herodots Darstellung in- 
direct: ol iikv ^ 'EXXfivcc €icXttK>v 4c T^jv ^Kov (c. 133). Von einer 
samisdien Qeeaiidtscliaft sehen in Aigina ist nur bei Heiodot die 
Bede. Die Gesandten, die naeh Ephoro? in Dolos anlangen, bitten 
um dasselbe^ wie jene bei Herodot auf Aigina eingetroffenen, nftm- 
lioh nm die Befiraiung loniens. Herodot beririitet jedoch aneh Ton 
einer Hämischen Gesandtschaft auf Delos 90. Es ist also m^- 
lieb, dass fii^oros die erste (Gesandtschaft anoh erwlhnfce, und Dio- 
dor in dem Exoeipte sie wegiiees; wenn aber er dies nicht that, so 
konnte auch fiphoros diese Andassmug bei sehiem nieht allzu sarten 
Gewissen mit der Inhalt^leiehheit gewiss reehtfertigett. 

Will man ans Hecodot IX. 90. 91 ein mdgliehst kurzes Ezcerpt 
maeben, so ist es das von Diodor in dem SatM ol hk ircpl t6v Aew- 
Tuxibov lerX. gegebene. Der Eindruck, den das Herannahen der Orie- 
cbenflotte anf die Perser madit, ist bei Heiodot c. 96 gesofaUderti 



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326 



Dr. Adolf Bauer: 



sie weichen einer Schlacht aus und ziehen sich gegen das Festland. 
Die Uebereinsünunung mit £phoro8 Bericht ist auffallend. 

Her. IX. 96. Diod. c 84. 8. 

oi TT^pcm iru8ö^Cvoi cqwac ol bi vauapxot . . . iru6ö^€voi 
irpocirXd»€iv. töv vSn '€XXf|vuiv 4ii(irXouv. 

Sie liilten sieb niehi fttr genug stark und gehen deshalb naeh 
Hykale. 

Berod, ibid. Diod. ibid. 

oö Tdp d^ IMmcov öimIoi cTvoi öpO^vTCC oök d&oxp^ouc oficoc vcni- 

Auf dem Vorgebirge befestigen ne sieh; Ephoroe blieb bei dem 
SOXtvov TCixoc, das ihm sehon von der SeUaeht von Flataiai her 
geUnfig war, bei Herodot maehen sie nur ein ipicoc nnd neben 
die SetdiFe aas Laad, was aneh Ephoros berichtet Die Angabe 
Herodota, dass ne sieh unter den Behnts des dort stehenden Beobaeh- 
tnngsooxps fUr die loner unter dem Befehle des Tigranee begeben, 
ist etwas anders gewendet: sie aehieken um Hille nach Sardee, die 
sie aneh erhalten (100000 Mann naeh Diodor, 60000 bei Herodot). 
Dass es dieselbe Naohricht ist, die Bphoros Terdrehta, beweist sein 
Znsati: vo|yii£ovTec Kai toOc luivac dirocTfj€€ceai icpöc todc noXe- 
fiiouc, dies entsprieht der Angabe Herodots: das Heer des Tigraae« 
Ittivfriv ^«ptiXoccc (e. 96). 

Vefc^toieht man die folgende DarsteUnng, welehe Herodot c. 98 
ton den YorgSngen unmittelbar tot der SoUaoht ^bt, mit dem Be- 
richte des Ephoros bei Diodor, so trift hier abermals alles genau 
so, so dass man an einer Herttbeniahme ans Herodot nicht zweifeln 
kann; gleichzeitig kann man aber wieder Willkttrliohkeiten des er- 
steren constatiren. Nach seiner Auffassung hätte nSmlich das Schiff, 
welches an der Küste heranfuhr und von dem aus ein Herold sich 
an die loner wendet, verkllnden sollen, dass die Hellenen bei Fla- 
taiai gesiegt hatten. So wenig genau war Ephoros, dass er hier 
etwas zu seiner Vorlage dazu erfand, was mit einer Notiz, die er Ihr 
früher entnommen hatte, im Wider8|Hrach stand. Zu Anfang dieses 
Capitela nämlich hatte er, wie wir oben sahen, Herodot nachge- 
aehrieben, daaa die Schlacht hei Mykale am selben Tage stattfand 
wie die von Flataiai, verkünden konnte dies also der Herold nicht. 
Was die bei Diodor angeführte Begründung dieses Versuches anlangt, 
es sei geschehen, um die loner zum Abfalle zu bringen und so die 
Reihen der Perser zu verwirren, was auch eingetreten sei, so war 
dies eine unschwer aus Herodots Bericht sich ergebende Schluss- 
folgerung. Die Perser nämlich merken dies und fangen an den 
Hellenen, wie es bei Diodor heisst, den Samiern (die von der Ge- 
sandtschaft her beibehalten sind) zu raistrauen. Dies bexiohtet sonst 
ganz übereinstimmend Herodot c. 99. 

Man sieht aber auch leicht, warum Ephoros ^denn auf Diodor 



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Die BenütniQg Herodott dnioh Ephoros bei Diodor. 



327 



geht das nicht zurück) sich die oben erwähnte Ziitliat zu Herodots 
Bericht erlaubte; er versuchte eine Kationalisirurig. Bei Herodot 
c. 100 i.st in wunderbarer und mystischer Weise berichtet, wie bei 
dem Angriffe der Hellenen die Nachricht von dem Siege bei Pla- 
taiai bekannt wurde: loöci be cqpi cpr]\ir] xe ^c^TTTaro t6 cipaiö- 
TTCbov Träv Ka\ KTipuKr|iov ^9dvTi im ifjc KUfiaTU)fr|C k€iV€VOV. 
f] bi cpniiri öifiX9€ C91 uübe, \jjc o\ "EXXiivec Tf|v Mapboviou CTpaTifjv 
viKtpev dv BoiiüToTci ^axÖ^€VOl. Diese (pr\^r] behielt Ephoros bei: 
7Tpoc^7T€C€ (f^^xT], öxi veviKT|Kaciv o\ "€XXr|V€C Touc TT^pcac Kaid idc 
TlXaratdc (Diod. c. 35. 1), aber aus dem KT)pUKrjiov, das auf 
den brandenden Wogen erschien, Hess er eine Botschaft durch den 
icf)puS werden. Allein Ephoros geht ia der Bationalisimng noch 
weiter: ee wird m lieffVttmititiclier Weiae eme licicXT)cia gebatten, 
und man beeoUieBBt den Kampf ir\y iv TTXaraiafc vIkiiv rpa- 
THiboihrrcc 

Dm8 dies wat swei Tage sieh wtheilte (t^ 6cT€pa(()i Diod. 
e. 86. 1) findet sieh bei Herodot nioht; das war yon Ephoroe mit 
demselben Aosdrnek yon der Tbennopylensehlaebt berUbergenommen 
worden. Denn dass wir bier Herodot benfltst ToraQSsetsen mOssen» 
«igt eine Uebereinstimmniig im Folgenden: 

Her. IX. 100. Diod. c. 35. 2. 

(pi^MTi rdicx "CXXrici toTo Tauxr) k- TrpoCKdXccav €lc r^y Mdxiiv .... 
aniK€To, üdcTC dapcf^cai xc tVjv tV|v 4v TTXaTaiak vik^v rpaTipboöv- 
CTpaTltf)V... T€C, br P\y ÜTitXdMßavov epacu- 

ib. C. 101. T^P«U€ ITOlflCClV TOÜC ^^AXOVTOC 

\hc ßivxol 1*1 KXrjbibv aiixr] cqpi ^c- dtUIvUccdai. 
iirraTO, ^öXXöv ti kqI TaxuTepov 
tViv irpöcoöov ivoicOvTo . . . 

Der folgende Satz bei Diodor, dessen Inhalt der Pteis des 
wunderbaren Zusammentreffens ist, nimmt sich bei Ephoros recht 
komisch aus, da er bei ihm eben ganz überflüssig ist, aber er ent- 
nabm ihn Herodot, der c. 100 ausdrücklich dasselbe betont. Das 
Nächste ist ein im Anschlnss an diese Massregelung des Herodotischen 
Berichtes gehaltenes Raisonnement. Er meint, diese Gleichzeitigkeit 
und die Behauptung, dass diese bekannt geworden sei, wäre eine 
Erfindung und Kriegslist gewesen: denn wegen der weiten Entfer- 
nung sei eine Benachrichtigung nicht möglich, die Perser hätten 
ebenso ihrerseits die Nachricht verbreitet, dass Xerxes mit grosser 
Macht zu Hilfe komme, und seien deshalb gutes Muthes gewesen. 
Man muss die letztere Nachricht nicht zu gering anschlagen, da Epho- 
ros dieselbe als Begründung eines Gewaltactes vorbringt, den er 
mit seiner Vorlage vornahm: denn sie kann authentisch sein und 
die Bationalisirung beeinflusst haben. 

In Capitel 36 berichtet er dann, dass die Perser beim Anblicke 
der geringen Anzahl der Griechen sich mit Geschrei auf dieselben 



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3^8 Dr. Adolf Bauer: 

stürzten; das steht in der Beschreibung der Schlacht von Mykale 
bei Herodot freilich nicht, aber hatte Ephoros dies seiner Quelle für 
die Schlacht von Plataiai nachgeschrieben, so fand er für gut dies 
per analogiam hier vm wiederholen. Dass die Samier und Milesier 
von den Persern abhelen, steht bei Herodot IX. 103. 104. Die Toner 
hatten sich nach Ephoros Bericht in der Tapferkeit der Hellenen 
getäuscht, diese hätten beftlrchtet, dass Xerxes zur Unterstützung 
lierbeikomme ; dies geht auf die frühere Aiigiil>e des Ephoros zu- 
rück, die nicht ganz glaubwürdig erscheint. Die folgende Darstel- 
lung der Wirk\ing des Abfalls der Samier und Milesier (tüjv be 
CoMiuJV KQi TUJV MiXriciuJV tTiKpavevTUJV ktX.) ist durchaus Herodot 
entsprechend: die Perser, so berichten beide übereinstimmend, wer- 
den bis ins feste Lager verfolgt (Her. c. 103 — 106). Nun gi-eifen 
nach Diudurs Bericht die Aioler ein: diese Nachricht ist Ephoros 
eigenthümlich, und sie mag wie die vorher erwähnte von des Xerxes 
befürchtetem Auzug aus in Kleinasien herrschender Tradition dem 
Kymaier zugekommen sein. Die Verlustangabe der Perser mit 
40000 Mann i>t Ephoros eigenthümlich, ebenso die Notiz, mit wel- 
cher c. 36 schliesst, dass Xerxes auf die Nachricht der beiden ver- 
lorenen Schlachten sieh von Sardea auf Ekbatana zurückgezogen 
habe; aueh diese mag auf kleinasiatisohe Quellen znrOekgeheii imd 
wird wol richtig sdo. 

Die Ereignisse nach der Schlacht yon Mykale bei Diodor o. 37 
sind entsprechend Herodots Angaben IX. 106 berichtet. Die Helle- 
nen gehen nach Samos zurück, und hier wird über das Schicksal der 
nenbefreiten Brüder in Asien berathen. Die Athener wissen durch 
das Versprechen ihres Schutzes den Plan zu hintertreiben, dass die 
kleinasiatischen Griechen nach Europa auswandern. 

Her. IX. 106. Diod. c. 37. 

dinK6|Li€voi ic Cd|Liov ol "6XXri- diroTrXcucavTCC ic Cd^ov . . . (icxd 
v€c ^ßouXcuovTo 7T€pl dvactdcioc Tfjc TttOxa lireieov aOxouc ^KXmövrac 
'luüvinc, Kai 6Kr\ xptibv €\r] rrjc '€\- ifiv *Ac(av elc tt^v €upijÜTrriv fieroi- 
Xdboc KUToiKicai Tr\c auToi ifxpa- Ktc6fjvai. ^TrriTT^XXovxo M rä ^r\bi- 
T^€C T^cav, Tt^v he lujviriv dir€ivai cavxa tOüv tüviüv dvacTt'icavTcc hdj- 
Toici ßapßdpoici. döOvaxov ^dp ^qpav- c€iv ^Kcivoic xtiv xdjpav • kqOöXou 
v€xö Cfpj €lvai iujuxouc x€ 'lajvu)v fäp ^^vovxac avtxoitc ^ttI xf^c 'Aciac 
upoKaxficeai 9poup^ovTac töv irdvTa xouc i^i^v TroXe/aiouc ö^öpovc ^'£€iv, 
Xpdvov . . . TToXu xak ^)uvd^£C^v üircp^xovTac, 

xouc bi cu|a)uidxouc feianovriouc 
büvacBai xdc ßov)6€iac cuKUipouc 
aOxoit TToiricac6ai. 

Dieser Uebereinstimmung Satz für Satz gegenüber ist es gau 
bedeutungslos, wenn bei Herodot der Abschluss der Bundesgenossen- 
schaft erst auf diese Verhandlungen folgt, nach Ephoros' Darstellung 
derselben vorhergeht. Dass die Athener den Plan der üebersiedelung 



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Die BenfitzuDg Hdrodots duroh Ephoros hei IHodor. 329 

hintertreiben, berichtet Herodot im selben Capitel. Der Abzug der 
Spartaner in die Peloponnes und der Athener mit den Bundesgenossen 
nach Sestos ist bei Herodot vollkommen übereiustimmend c. 114 be- 
richtet. Sestos wird erobert, und damit schliesst der *^mediscbe Krieg' 
Her. c. 120. 

Dies sagt Ephoros ausdrücklich c. 37. 6 und betrachtet so das 
StQck des Werkes Herodots von VII — IX wie dieser als ein Ganzes. Ob 
wol Herodots ursprüngliche Eintheilung, die für Ephoros noch an- 
schaulicher war, diese Worte bewirkte? — Hier verzeichnet nun 
Diodor aus pinakographischer Quelle das Ende des Herodotischen 
Werkes, und die üntersachnng wäre somit nach dieser Bichtung hin 
abgeschlossen. Es sollen nun für die Behandlung der noch meht 
in Biffancht gezogenen NaehriohteB des flbuftan Bnehefi M Diodor 
und der Fragmente der ttbrigen bis snm elften die gewonnenen 6e- 
eiohtspmikte wiederholt werden; yon hier an bietet sich nftnüich in 
jedem die doppelte üntenniohung, ob Naohiiehten ans Ephoros 
in iien genannten TheÜen der Bibliothek enthalten sind, nnd wenn 
dies^ ob aneh fllr diese das bbher beobachtete VerhUtniss za Herodot 
seine GHlltigkeit behauptet. 

Das Charakteristische des Yerh&ltnisses der Berichte Diodors 
nnd Herodots li«gt darin, dass bei vielfaoher wOrtUcher Ueberein- 
Stimmung nnd einer gleichen Stmctnr der Qesammtdarstellnng sidi 
anch bedeutende Abweichungen finden, die leider meist auf die Bhe- 
torik und Combination des eicerpirenden Ephoros surOekgehen. Be- 
merkenswerth ist eine absichtliche Vermeidung all des Wundersamen 
in Herodots Bericht, Neigung zu Antithesen und ein oratorisches 
Colorit des Stües. Wenn wir bei den noch ausstehenden Stücken 
des Werkes Diodors im Vergleiche zu Herodot das gleiche VerhSlt- 
nis beobachten, so liegt eben dieselbe Beziehung zwischen Diodor 
und Ephoros einerseits und Ephoros und Herodot andrerseits zu Ghrunde. 
Ist es doch von vornherein wahrscheinlich, dass das für einen so grossen 
Theil des Diodorischen Buches Beobachtete bei seiner Schreibweise 
auch fttr die übrigen Theile (Geltung habe, sowie dass andrerseits 
Ephoros auch in der früheren Geschichte seiner Vorlage, als die 
Herodot fmt ausschliesslich sich darstellte, nicht untreu wurde. 
Dazu treten noch andere Anzeichen, die uns die ZurückfÜhmng der 
betreffenden Partien auf Ephoros esmöglichen; es sind dieselben, welche 
Volquardsen für die Bücher XI— XVI in Anwendung brachte. Dies 
sind die Ausgangspunkte fUr die folgende Untersuchimg. 

Zunächst ist aufmerksam zu machen auf eine frühere namentliche 
Erwiihnung des Ephoros bei Diod. IV. 1 . Diese Angabe stammt nicht 
aus pinakographischer Aufzeichnung, sondern Diodor spricht hier von 
Ephoros ansdrücklich als seiner Quelle; da erscheint es denn höchst 
bemerkenswerth, dass er, sobald er die griechische Geschichte begann, 
diesen Autor zu Käthe zog und nun ausdrücklich bemerkt, dass für 
die älteste Zeit, für die mythologische Epoche, von Ephoros keine 

a«lirb. t clMs. PliiloL So^pL Bd. X. 23 



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830 



Dr. Adolf Bauer: 



AuBbeute zu holen war, da er erst mit der Heraklidischen Wanderung 
beginnend über die Vorzeit nichts berichtete; man sieht schon hier 
die Vermuthung nahe gelegt , dass Diodor auf Ephoros zurtlckkam, 
als der von ihm bebandelte Zeitraum begann. Mit der IV. 31 enthal- 
tenen Nachricht, daas die Lyder früher Maioner hiessen, die Herodot 
I. 7 und VII. 74 hat, ist freilich bezüglich ihrer Provenienz nichts 
anzufangen ; im übrigen findet sich keine Angabe, die mit denen Haro- 
dots in EinUang zu bringen wlire. Von grösster Bedeutung fttr unsere 
Untersuchung ist eine abermalige Erwähnung des Ephoros im An- 
fange des fünften Buches. Diodor findet es für den Geschichtschreiber 
sehr wichtig, dass er mit der Oekonomie seiner Darstellung imJSeineBi 
Stt, und davon habe Ephoros das beste Beispiel gegeben, denn jedes 
seiner Bücher sei ein inhaltliches Ganze. Diese Schreibweise will 
Diodor befolgen und nennt deshall) ^sein fünftes Buch vr|CiuJTiKr| und 
• beginnt mit Sicilien. Danach darf man wol unnelimen^*), das8 eines 
der Büclier des Ephoros denselben Namen führte, und dass Diodor 
dasselbe benützte, wie er denn noch einmal zu Anfang des XVI. Buches 
auf diese Oekonomie der Darstellung aufmerksam macht, ohne Ephoros 
zu nennen, den er hier, wie Volquardseii zeigt, benutzt hat. Es liegt 
nicht in dem Bereiche dieser Untersuchung, auf eine Vergleichung 
der Fragmente des Ephoros mitDiodors Darstellung einzugehen, deren 
Einordnung in die verschiedenen Bücher noch strittig ist; wir haben 
hier nur zu vergegenwärtigen, dass nach dem Gesagten schon die 
Benützung des Kymaiers fast unzweifelhaft ist, und danach die Ver- 
gleichung mit Herodot zu beurtheilen ist. Damit ist natürlich nicht 
gesagt, dass die ganze Darstellung Diodors aus Ephoros geflossen sei: 
so hat auch Ephoros nicht überall nur Herodot ausgeschrieben, wenn 
wir auch im Folgenden dies der Hauptsache nach abermals bewahr- 
heitet seilen werden. Kjihoros kann auch nur gelegentlich Nachrichten 
enthalten haben wie jene, welche Diodor vor dem fünften Buche gibt, 
da das hier Erzählte, wo nicht Nachrichten geographischen oder ethno- 
graphischen Inhaltes vorliegen, vor dem trojanischen Kriege liegt 
(Diod. I. 4 und Fr. 1 des 6. Buches).^) Demzufolge muss es als 
eine Bestätigung der vorgetragenen Ansicht gelten, wenn wir auch 
Spuren Herodots nachzuweisen nicht in der Lage sind. Was davon 
zu erwähnen ist, hängt mit Aegypten zusammen oder mit Erwäh- 
nungen Biodm m früheren Büchepi. So wenn Diod. V. 57. 58. 74 
▼Oll der Einfllhniiig des Alphabetes in Athen durch Kadmos spricht^ 



Die Erwähnung des Timaios in diesem Zusammenhang zeigt 
ebenso , dass wir oben üm mit Eecht als Quelle des sicilische Geschichten 
behaadehiden Abeehniilet erkannten. 8o ist Y. 14 Timaioa Qndle, vgL 
Hehn Culturpflanzcn und Haosthiere S. StOS. 

Wie auch Cauer a. a. 0. thut. 

Vgl. Diod. XTIT. 1, XIV. 2. Ich folge der Reihenfolge der 
Fragmente in der Teubnerschen Ausgabe von Diodor 1Ö67, nach der 
anoh die Fragmente eitirt werden. 



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Die BentttBimg Herodoti durch Epboroa bei Diodor. 331 



was bei Herodot II. 49 berichtet ist, dies glaube icb (wie schon oben 
S, 290 bei der gleichen Stelle Diodore III. 67 gesagt wurde) auf eine 
Beminiscenz aus der Leetüre det tweiten Buches Herodots, die oben 
erwiesen wurde, zurückführen zn müssen. Ich möchte es daher nicht 
für zufällig halten, dass die Nachrichten über Sais im selben Capitel, 
dass es eine Colonie der Athener sei, und dass daselbst eine Pane- 
gyris abgehalten werde, sich auch in Herodots Ai^utttioi Xöyoi 
finden. Er berichtot II. 28, dass ein Atheneheiligthum dort sei, und 
IL 59. 170 von der Festl'eier daselbst. 

Das sechste Buch des Diodor, soweit die spärlichen Fragmente 
ein allgemeines ürtheil gestatten, enthielt nichts, was hier von Inter- 
esse sein könnte; es behandelte die Mythologie der Griechen und 
scheint hauptsächlich auf die Dichter und Euhemeros zurückzugehen. 
Bezüglich der Fragmente des siebenten Buches ist für den Anfang 
noch anzunehmen, dass hier, wo die Frage vom trojanischen Kriege 
behandelt wird, unmöglich Ephoros Quelle sein kann, da diese Ereig- 
nisse noch vor dem Begimi seines Werkes lagen. Erst mit der Er- 
wähnung der Heraklidischen Wanderung treten wir in diesen Bereich, 
und da kann ich es denn durchaus nicht für zufällig halten, dass 
wir von nun an immer wieder auf Herodots Nachrichten zum Ver- 
gleiche zurückgehen müssen, und ich sehe darin wie einerseits den 
Beweis, dass wirklich Ephoros benützt ist, so andrerseits den, dass 
seine Quelle auch für diese älteste Periode Herodot war. 

Betrachte man Fr. 14 des VII. Buches im Vergleiche zu Hero- 
dot I. 65, so sehen wir hier wie dort von der Pythia dasselbe Orakel 
ertheilt: man mag darin nicht zu viel Beweisendes sehen^ fllr Ephoros 
ist die Hinzufügung von noch zWei Zeilen charakteristisch. Herodot 
sagt nach der Citirung des Orakelspruches: o\ hi T1V€C irpöc 
TOiSrotci X^Towci, Ktti (ppdcai aurip ttjv TTueinv xdv vöv mtmeSna 
KÖCfiov CirapTiT]Tfici, das stimmt vortrefflich mit den zwei Zdlen, die 
Ephoros meiir bat als Herodot: 

i^Kctc eirvofiUiv alreiifievoc' a(rrdp ^tu^T^ 
In£icu> t^v oök SK\r\ ^inxOov(r) inSXic l£€t. 

Im Folgenden sind noch mehr der spartanischen Gesetzesbestim- 
mungen in Versen gegeben; wir sehen also Ephoros durch Herodot 
auf die Benützung einer von ihm (Herodot) nicht so ausführlich aus- 
geschriebenen Quelle gewiesen, die lakedaimonische Färbung hatte. 
Pass nämlich Herodot hier eingesehen ist, scheint mir unzweifelhaft 
ans 14. 7 hervorzugehen. 

Diod. VII. 14. 7. Her. I. 66. 

ÖTx ol AaK€6ai|jiövtoi Totc toO Au- t6 bi €ti -rrpörcpov toOtuiv koX 

Ko^pTou xpY\c&]xe>/oi vöfioic kK Tairei- KOKovoinUrraTGi i^cov cx^höy ndvTUJv 

viirv buvaTdrraroi iiivovTO TtXrv '€X* 'EXXfiviuv .... fiet^ßoXov bi 4>^€ ic 

kitmv. eövofAii)v. 

Himaf enSblt Herodot das Untmohmeii der Spartiaton gegen 

«8* 

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332 



Dr. Adolf Bauer: 



Arkadien; dieselbe Reihenfolge^) halt die Vorlage Diodors ein, wie 
Fr. 14 b. zeigt Eine andere Quelle oder deren mehrere scheint Ephoros 
hier zur Vervollständigung benutzt zu haben, dazu war er scheu ge- 
nöthigt, da er ganz andere Dinge in Bf traclit seiner Dai'stellung dieser 
ältesten Zeit zog als Herodot: das VerliüKniss zu demselben muss 
also sich anders darstellen als bei Behandlung der Geschichte des 
Perserkrieges, wo Herodot Haupttiuelle werden musste, von der Epho- 
ros aber, wie wir gesehen haben, in einer sehr merkwürdigen Weise 
Gebrauch machte. 

Die Nachricht, welche im ersten Fragmente des achten Buches 
enthalten ist, dass die Eleier im Kriege gegen Xerxes nicht zu Felde 
zogen, da sie sich dem Dienste des Gottes geweiht hatten, wider- 
spricht zwar Herodotä Angabe IX. 77, wonach dieselben nach der 
Schlacht von Plataiai erschienen, ohne am Kampfe Tbeil zu nehmen; 
allein wir müssen, da wir es hier mit Fragmenten zu thun haben, 
auf weitere Schlussfolgenmgon verzichten und uns gentigen lassen, 
wenn wir an einigen die früher gemachten Beobachtungen wieder- 
holen können. 8o hatte Ephoros auch, wie es scheint, die messenischen 
Kriege behandelt, von denen er bei Herodot nichts fand, und es soll dies 
hier ausdrücklich hervorgehoben werden, um zu zeigen, dass er da, 
wo er nicht eine zusammenhängende Quelle ausschrieb, ganz gut und 
verständig zu arbeiten verstand , wie denn auch ftir die spStere Zeit 
der griechischen Geschichte sein Werth als Qnelle durch did oben ge- 
machten Beobachtungen nicht erschüttert werden soll. 

Wo aber Herodot bentttzt werden konnte, zog ihn unser Antor 
zn Bathe: so hat er die medisoh-persisohen XÖTOt eingesehen, wie sieh 
ans der anfallenden üebereinfltinunung ergibt: 



TToWuJv dvojirmctTUJV Y€vofi^vujv Kai |uäXXöv ti Kai npoGiiuorepov 
f)CKei öiKaiocüvi)v Kai dAXoc dpe- öiKaiocOvriv dmö^jaevoc i'jcKec- 



Da die Nachricht über die Gründung von (iela mit mehr Wahr- 
scheinlichkeit aufTimaios zurückzuführen ist, so beweist die Nennung 
des Antiphemos als Gründer für unsere Frage nichts, wie denn auch 
sonst Diodors Angaben weit ausführlicher sind als dieHerodots VlI. 153. 
Diod. VÜI. 20 verglichen mit Her. IV. 155 zeigt die Benutzung seiner 
libyschen Geschichten bei Ephoros, nur scheint er auch hier Herodot 
mit einer anderen Quelle vervollständigt zu haben, falls nicht über- 
haupt die Nachricht anderswoher stammt: denn auch die Geschichto 
des ersten Arkesilaos hat Ephoros mit der Nachricht von einer aber- 

*^ FreiUch ist hier nur dnreh die Aneinanderreihung der Fngmente 
diese Abfolge bei Diodor gesichert 



Diod. VIII. 16. 
ÖTi AriiÖKric 6 Mrjöoiv ßaciXeüc 



Her. I. 96. 
Ar)iÖKi]c ... Kai upörepov feÖKi)ioc 



Kai xaüTa jiävxoi ^oucr|C dvo|iiric 
TToXAnc dvd iräcav ti^v MnöiKiP|v 
^iroC€€. 



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Die Benützung Herodots durch Kphoros bei Diodor. 333 

maligen Sendung an das delphische Orakel bereichert, wie Fr. 30 
zeigt; in der Beschreibung seiner Regierung stimmte sein Bericht 
wol zu den von Herodot lY. IGO erzählten Gräueln, wie das beivo- 
iTaOifjcac bei Diodor anzeigt. Die Beform des Mantineers Demonax 
ist bei Diodor 30. 2 und Herodot IV. 161 wesentlich gleich berichtet 

Die bisher boobm^ieten ITebereinfltiTninimgen mit Herodot waren 
Mki sebr sablrmdL Wie viel davon, wenn Diodor volktilndig wäre, 
sieh conBtatiren Uesse, ist ja nicht abrasehen, aUein sie erseheinen 
in dem angedeuteten Sinne richtig Terwerthet, da von nun an irots 
der fragmentarischen Ueberliefernng dieselben sieh yermehren. Die 
Nachrichten Uber Selon, mit denen das neunte Buch in semer jetzigen 
Gestalt anhebt, gehen wS Herodot zurflök; aber auch diese sind ver- 
mehrt durch Herbeiziehung anderer Quellen. 

Fr. 3 ersoheint Selon wie bei Herodot L 29 als einer der griechi* 
sehen Weisen, die an Eroisos' Hofe weilen. Kroisos fragt Selon bei 
Diod. 2. 1:: €( Tic Crepoc abtip boxet iiiaKapii6T€poc etvai, bei Her. 
c 30: €Y Tiva ^bri irdvrwv eH>€C 6Xpi(£»TaT0V. Die Geschichten von 
Teiles und Eleobis und Biton liess Ephoros weg und berichtete weiter: 

Diod. DL 2 6 CdXuiv cuWiOci Totc «piXocöqiotc xpncdjucvoc 
irappridqi i(ffr\' bei Herodot sagt Kroisos. zu dem Athener L 80: 
irop' ^^ac iT6pl Uo Xdroc dnficrai iroXXdc . • . «bc «piXocoqp^uiv. .. 
dir€Xi|Xu6ac Die Bede, welche Selon nun httt, ist sowol was ihren 
Inhalt als ihre Fonn angeht, Herodot entnommen. 

Diod. IX. 2. 2. Her. I. 32. 

TÖv fäp in' euöaiuov((j( ircqppovri- TTpiv 6' äv TeXeuTricr), dTTicxfiv 

luaxicfi^vov Kai boKOövxa rfjv rux^v M^^^ KoA^eiv kuj ÖXßiov, (\XX' eüxu- 

fx^iv cuvepTÖv |Lii^ Yi"fviJüCK€iv €i bia- x^« • • ■ • ckott^civ bl XP^^ ttqvtöc 

^i€v€i fier' auTou u^xp» Tf|c ^cx^t^c. xpHMOtoc t»^v TeXeuxtiv, dtro- 

CKoireiv ouv iq)r]ce Ö€iv rfjv toö ßriccrai (vorher:) öc äv auTU)v 

ßiou TcXeuxfjv Kai xöv öieuxuxn- irXeicxa fx^wv biaxeXer) Kai ^treixev 

cavxa xÖT£ npocnKÖVTUic X^T€iv xeXeuxricr) euxap{cxujc töv ß(ov, 

fiaKdpiov. oOxoc nap' ^laol x6 ouvo|na xoOxo, 

iL ßaciXeö, öiKaiöc icxi qp^pecOat. 

Dai*auf berichtete Ephoros nicht wie Herodot im Zusammenhang 
der Ijdischen Geschichten die Geschichte des Eroisos, sondern ging 
gleich zur Katastrophe über, wie sich dies von selbst ergab. Die 
Uebereinstimmnng ist inhaltlich vollständig und auch einige wört- 
liche Analogien sind zu bemerken. Diod. IX. 2. 3 u. 4 und Her. I. 86 
im MCTaXri TTupqi — cuvvr|cac irupriv ^efdXriv \ tou TTupöc f^br| rrepi- 
q)X€T0VT0C — Tfjc TTupfic rjbr| d^pevric | )LieT£TTece toic Xoyicuoic 
KOI vofjicac ir\v dtTTÖKpiciv tou CöXujvoc aXr|9ivfiv eivai — peia- 
Yvövra t€ m\ ^vviucavT«. öti kqi auioc ävGpujTTOC eiuv xrjv be rrupav 
tcatacßtcac — KcXeOeiv cßevvuvai xfiv laxicTriv t6 Kaiö)U6vov rrOp. 

An die Gcfschichte hat sieh bei Ephoros ein Excury über die 
Weisen geschlossen, zu dem aber das Material nicht aus Herodot 



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I 



334 I>r. Adolf Bauer: 

entnommen werden konnte. Ein in demselben enthaltenes ürtheil 
über die moderne Philosophie (Fr. 8) ist trotz des KttG* fmäc, wel- 
ches darin vorkommt, kaum ein Aussprach Diodors, sondern seiner 
Quelle. Das rhetorische Colorit der Darstellung des Ephoros kann 
man noch aus Fragment 10 ersehen ; von dieMm Eide der Griechen 
ist hei Behandlung der Sdilaeht von Plataiai nicht die Bede, ide er 
denn andi bei Herodot loiclit vorkommt; die aatithesenartige Zu- 
spitsoBg anl den trots desselben mit Artazerxes gesdhlossensn Bond 
macht denselben zn einem rhetorischen Versodh unseres Autors, dem 
auch das Allgemeine semes Inhaltes (TrapobifKCiv iraiöuiv icotd Tf^v 
iTp6c Toi^c TT^pcac ixB^v) entspricht 

Nachdem die griechisdhe Geschichte ahgethao war, kam die der 
Meder und Perser an die Beihe, und fOr diese ist Herodot wieder 
ausgeschrieben, wie ftr die firOheren Ftartien Ton VII— DL Schon 
Fir. 24. 1 findet sich eme wOrtUcheÜebereinstimmung mit Her.L 128: 
dvbpciqi Kttl cuWcci m\ rate dXXaic dperalc inp^im tCHiy nqiO* 
aÖTÖv — KOpqi hk dvb(>euoM^vt|j m\ dövn tul^v f|XiKuiv dvbp€tOTdrn|i 
Kai irpocq>iX£CTdTi|i ... Es entspricht ganz der Art des Ephoros, 
wenn er 24. 2 aus den Magiern, welche Astyages nach Her. L 128 
umbringen liess, als er von Kyros besiegt war, die Befehlshaber des 
Heeres werden lässt, denen nach seiner Darstellung bei derselben 
Gelegenheit dasselbe geschieht. 

Die Zusammenkunft des Kroisos und Bias ist bei beiden Autoren 
ganz gleich berichtet. Ich hebe nur einige der auffallendsten wört- 
lichen Uebereinstimmungen hervor. Diod. 25. 1: ... Biavra ... Oeiu- 
poOvTa Tf|v vaüTriiT(av, örrö Tou ßaciX^ujc ^pu)Tii8f)vai ti 

V6UIT€pOV dKf)KOÜbc €!f| ITOpd TOIC "EXKl^CI tlVÖ|i€VOV. TOÖ 

bi cliröVTOC, ÖTi iTdvT€C o\ VTiciorrai cuvdTOUci Tttttouc, biavoouMCvoi 
CTpaT€ueiv dnl Aubouc, X^ttTai tov KpoTcov elTieTv ... Die Worte 
des Kroisos stiminen dem Sinne nach vollständig ... ö bk Biac OiTO- 
Xapuiv (pnci* Clxa Aubouc p^v rjTreipov olKOÖvrac CTreubeiv dTTO- 
<paivei Xaßf Tv im fr\c vr|Ciu)Tac övbpac touc vr\co\ olKoOvxac 
OUK oiei GeoTc eu^acöai Xaßeiv i\ GaXdxTri Aubouc, iv* utt^p 
TUiv xaid Triv tiTreipov toTc "€XXr|ci cu)ißdvTiuv KaKujv 
Kaid TidXaTOC d^uvuiviai xöv touc cuTTCveic KaxabebouXopevov 
... 6 be KpoTcoc . . . xfjc vauTiriY iotc dTTCcxr). Ilerod. I. 27: 
dövTtuv be o\ Trdvxiuv dxoi)iUJV ^c xfjv vauTiriYiriv (die Ver- 
sion, dass Pittakos statt Bias es gewesen sei, steht bei Diodor nicht) 
... eipop^vouKpoicou eixi eir) vetüxepov -rrepi xriv'GXXdba, 
elTTOVxa xdbe KaxaTiaucai xfjv vauTTirf inv ' ^ ßaciXeu, vriciüjxai 
iTTTTOV cuvuuveovxai )aup{r)v ^c Zdpbic xe kqi erri c€ txovxcc ev vötu 
CTpaxeuecOai . . (folc^t die Antwoi-t des Kroisos) xöv bk utto- 
Xaßövxa (pdvcxr ""Q ßaciXeu, TipoSupuJc |uoi 9aiveai euHacGai 
vriciuixac ittttcuop^vouc Xaßeiv ev nTreiptu, oiKÖxa dXTTi^uuv vriciiu- 
Tac bk. Ti boxe'eic eux^cGai dXXo fj, direixe xdxicxa tTTuBovxö 
ce p^XXovTa dnl cqpici vaunnTeecdai veac, Xaßeiv dpeöpevoi AuboOc 



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Die BMifiteimg Heiodoti durch EphorM bei Diodor. Sdö 

OaXctccr), tva uir^p täv iv tt| t^tt€(piu oIktim^vujv '€XXnvu)v 
Tictüvrm ce toOc cu bouXiOcac ix^ic. ... KpoTcov ... ttciBö- 
|i€VOV TTaOcacBai Tfjc vauTTTifinc Der letzte Satz ist von Epho- 
ros hinzuprefügt: Tüjv ifop Aubuiv lTnr€U€iv cibdiuiv ^vö^l£e Tipo- 
T€p€lV auTouc ml^ 

Die Erz&hloiig Ton des Kroisos ZwiegesprSch mit Anacharsis 
ist eine Nachbildang der bei Herodot erzählten und von Ephoros ihm 
entnommenen Unterredung mitSolon; ob dieselbe auf Epboros zurück- 
geht, oder ob er dieselbe schon vorfand, ist nicht zu entscheiden, obwol 
ein derartiger Versuch bei einem Schüler des Isokrates sich nicht 
nnwahrscheinlich ausnimmt. Ein Gleiches gilt ?on der folgenden 
(Fr. 27) Geschichte yon Solon und Kroisos. 

Die Yergleiohmig von Fr. 2^ mit Herodot ist besonders lehr- 
reieh dadurch, dass man daraus wie einerseits die unbestreitbare 
EnÜelmnng aus Herodot erkennt, so andrerseits die Gewissheit er- 
hilt, dass Diodor diesen selbst nicht benütst hat, da die Geschichte 
eine andere Wendung enthftlt als bei Herodot, die Ephoros, wie wir 
ihn kennen lernten, ganz wol zn geben geeignet ist, wBhrend der 
getreu ausschreibende Diodor für diese Aendemng nicht verantwort- 
lieh gemacht werden darf. Es ist dies die Erzählung von dem Tode 
des Atjs, des Sohnes des Kroisos (Her. I. 34 ff.), die ausserdem, 
wie es scheint, bei Ephoros wie bei Herodot gleich nach der Zu- 
sammenkmift mit Solon erzfthlt war. Die Entlehnung seigt folgende 
Uebereinstimmungen: 



Her. I. 46. 

erde OUTOC CAbptICTOC) TTpÖ TOO 

veKpoO TTapehiilOi) ^iuutöv Kpoicip . . . 
^TTiKaTactpdEai mv kcXcüujv tCu 
v€KpiI), X^f'J'JV T^iv bi irpoT^priv 
^luuTOÖ cu^tpopi^v, Kai ÜJC ^7t' 
dKcivrj TÖv KaOripavxa önoXiuXeKtbc 
eil) ovbi ol ilt] ßiujci|iOv. 



Diod. IX. %9. 1. 

Kai ö M^v Kai ÖKüuciiuc dvT)priKÜJC 
ouK ^{pr|C€v ^ au TÖV fri Zf\v 
öEiov elvar ftiö koI uapcKdXei töv 
ßaciX^a mi q)€(cacöai, riyv TaxicTr|v 
bi i-n\Kaxac(\>diai tcjj toOt£T€A€U- 
THKÖTOC Tdqpi^. 



Nach JBphoros hätte Kroisos anfiyigs dem Adrastos gesOmti 

sich sogar so weit hinreissen lassen, ihn zum Flammentode zu ver- 
nriheilen, dann aber ihn freigelassen, Adrastos habe sich aber selbst 
umgebracht (im tov *'Atuoc Td(pov TTopcuOeic imnöv KaT^cqxxEev). 
Er rationalisirte hier wieder: ihm schien die Resignation des Kroisos, 
yon der Herodot erzählt, weil er gesehen habe, dass durch Adrastos 
Hand ein unabwendbares Schicksal sich erfüllt habe, unglaublich, und 
so machte er einen ganz menschlichen Schluss: Kroisos zürnt; (las 
Ende stimmt wieder zu Herodot (diuuTÖv diiiKaTac9d2:ei Tifi 

Für die folgenden Vergleichungen ist wieder zn erinnern, dass 
die Beihenfolge der Ereignisse, wie sie Herodot gibt, beibehalten 



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336 



Dr. Adolf Baoor: 



ist. Aus dem Vergleiche des folgenden Fragmentes 31 erhalten 
wir abermals eine Bestätigung des bisher Beobachteten, einerseits 
wörtliche üebereinstimmung mit Herodot, andrerseits Nachrichten, 
die aus anderen Quellen hinzugefügt sind. So ist der berühmte 
Orakelspruch vom Ueberschreiten des Halys hei Ephoros nach He- 
rodot versificirt (Her. I. 53), der Her. c. 55 enthaltene einfach her- 
übergenommen, und der als Erklänmg gegebene Satz stimmt voll- 
ständig zu I. 75: KpoTcoc .... Ktti bf) Ktti dmKOji^vou XPICMOÖ 
Kißbr|Xou, ^Xmcac npoc ^uüutoO töv xpn^MOV elvai, Diod. IX. 31.1: 
6 hk TO ö^qpißoXov Toö xPl^^o^^ Kaici ttiv ^auTou Trpoaipeciv ^k- 
be£dfievoc. Auch der zweite Orakelspruch ist ebenso erklärt wie 
bei Herodot 1. 91. Die Erzählung von der Entsendung einer Ge- 
sandtschaft des Kyros an Kroisos kennt Herodot nicht. Während 
Herodot (I, 69) nur von Gesandten überhaupt, die Kroisos in die 
Peloponnes schickte, zu berichten weiss, spricht Ephoros von einem 
Eurybatos aus Ephesos (Fr. 32), dessen Name zu seiner Zeit sprich- 
wörtlich war (mit )i€'xpi ToO vOv kann nicht Diodors Zeit gemeint sein). 
Der erste Satz von Fragment 33 in seiner salbungsvollen Haltung 
entspricht ganz einem Raisonnemeiit, wie wir es von Ephoros an 
diesen Fall geknüpft zu erwarten haben. Das folgende Oiäkel Diod. 
38. 2 wegen des Sohnes des Kroisos, der stamm war, ist Herodot 
(I. 85) entnoDunen. An den Sinns des Erdsos selieiaeii auch hier 
einige SfttsBe a]]g«mein«r Art geknüpft gewesen za sein. — Die 
An^dote, die Herodot 1. 88 entiilt, findet sich inhaltlich getreu 
nnd such in der Stmctor der Eizlhlung genau wiedergegeben am 
Ende des 83. Fragments. Auch die wundersame Version Ton Apol- 
Ions Eiaschreiten, als Kroisos anf dem SchdterluKifen stand (Her. 
c. 87) scheint Ephoros, wol irgendwie rationalisirt, herfibergenom- 
men in haben. Es entspricht sich: KaTappatnvai ö^ßpov ica\ cß^- 
cai Tf)v <fik&(a (Diod. DL 84) — x^^M^^^va tc KorappOTflvai leal 
dem... Kirroc߀c6f|vai t€ T^jv irupriv (Her. L 87), fiodövra t6v KO- 
pov, die clri 6 KpoTcoc xal dvf|p droOöc (Her. ibid.) — ÖTt KOpoc 
edccpfi vofiicoc cTvai töv Kpotcov (Diod.), KOpoc hk aOrdv Xikac 
xdnci T€ irfifc ^uniToO (Her: L 88) — MCT^buiKC hk oötoO xal toO 
cuvcbpf ou ^od.). Die beiden Versionen von der Anmfnng des Selon 
und dem wunderbaren Einschreiten Apollons, deren letstere He- 
rodot ansdrflckHch als lydische üeberlieferung beseichnet, im Ge- 
gensati zur ersteren, welche griechisohen Quellen entstammt) sehliee- 
sen sich aus, erscheinen aber bei Ephoros vereinigt, und der ümgang, 
den Kroisos mit dem weisen Griechen gepflogen, ersdieint mit ala 
Grund ihm eine berorsugte Stellung einsurftumen. 

Das MBhrehen dagegen, welches Hsrpagos den Hellenen Asiens 
ersfthlt, ist bei Ephoros gans anders als bei Herodot I. 141: ich 
sehe in demselben nnr einen stilistischen Versach des Ephoros, ea 
der Vorlage gleich zn thun, da der unmittelbar darauf folgende 
Sata, der sur Erklärung beigefligt ist, vollständig gleich lautet: 



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Die Benfltnmg HeradotB dnroh Ephoros bei Diodor. 337 

Her. L 141. Diod. IX. 36. 

KOpoc M^v toOtov töv Xöyov Tota 6iä tOüv toioutujv X6tiw Ift^Xou 
TuKi Kol ToUl AloXeöa xtbvbc ctvc-« toic "€XXiia, öxi Kupou irpArcpov 
K€v JXcEc, ÖTi bi\ ol "liüvcc trp6T€pav dEioövTOC T€v£c6ai TTcpcuiv qttiUHlC, 
aÖToO Kupou ÖOlO^vToc 61* dTT^Xujv ©(hc ^ßouX/idf|C(lV, vOv b4 £ic piera- 
dTHcracdai cq>€ac duö Kpoicou oök ßoXf^c ^Kdvuiv cireuMvruiv cuvih|im 
£ir€{0ovTO, TÖT€ hi KOTCpracjn^vujv <piX(av ibc »i^ irpdc 0)p4iA%ovc oö 
Tdrv irpHTM^TUfv ffcov ^oi^i nd- iroi/)ceTai rdc ÖMoXotfac, dK öoO- 
6€c6at KOpip. Xouc irpocb^Eeroi. 

Die Entsendung der Gesandtschaft der Lakedaimonier an EyroB 
bei Herodot I. 153 ist die Vorlage für das folgende 36. Fragment 
bei Diodor gewesen, die Entsendung dee Sklayen nach HeUas ist 
freilich hinragefügt. 

Den griechischen Geschichten Herodots ist das im Fragmente 
36. 2 Berichtete entnommen Her. I. 66. 67, die Orakelsprtlche und 
der Zusammenhang entsprechen sich vollständig; da gleich darauf 
die Geschichte von des Peisistratos Tochter erzählt ist, die bei He- 
rodot nicht steht, so scheint Ephoros sogar in der Behandlung der 
Geschichten der einzelnen Völker sich ganz an Herodot gehalten zu 
haben, und man könnte nicht mit Unrecht die den Excerpten de 
virt. und jenen der Vaticana entnommenen Nachrichten nach diesem 
Grundsatze anordnen. Den Schluss des neunten Buches bildet eine 
Nachricht, die abermals eine Bereicherung der Vorlage des £pho- 
res bildet. 

Im zehnten Buche ist anfangs eine Reihe von Fragmenten, 
welche über Pythagoras handelt: diese fallen nicht in den Bereich 
unserer Untersuchung, und wir lassen es hier unentschieden, ob 
Ephoros darüber berichtete oder Diodor diese Partie einer anderen 
Quelle entnahm. In den Zusammenhang, den wir im neunten Buche 
verliessen, treten wir erst mit Fr. 12 wieder ein. Was hier von 
Kyros Grössenwahn berichtet wird, nachdem er Meder und Baby- 
lonier besiegt hatte, das ist nur ausgeführt und erweitert dasselbe, 
was Herodot nach Beendigung derselben FeldzUge am Beginne des 
Massagetenzuges I. 204 (tö boK^€iv TiXeov ti eivai dv9puu7TOU ktX.) 
sagt. Die ägyptische Priestertradition hat trotz aller Inschriften, die 
das gerade Gegentheil bezeugten, Kambyses zu einem Feinde der 
ägyptischen Religion gestempelt, Herodot hat IH. 25. 30 getreu- 
lich das ihm Erzählte nachgeschrieben, und Ephoros hat seinerseits 
dies auch herübergenommen und mit einer weiteren Erklärung ver- 
sehen, dahin gehend, dass auch diesen Perserkönig der Grösseu- 
schwindel ergrilf; gleichwol entt^pricht sich Her. III. 30 Ka^ßuCT]C 
b€ . . . auTiKa bia touto tö dbiKriiaa e|Lidvr|, c. 25: ola bk d^^crWjc 
T€ ^lüv Kai OL) 9p€vr|pnc und Diod. X. 13: ö Ka|nßücr|C fjv jui^V q)Ocei 
fiaviKOC. Ebenso ist der übrige Inhalt des Fragmentes: EambyseB' 
▼erfahren gegen die Leiche des Amasis und sein UnteraelmMn ge* 
gen die Oase des Zeus Ammon Zug für Zug, und leMera wmk 



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888 



Dr. Adolf Baaer: 



fast Wort für Wort Herodot III. 16. 25 entnommen, wie ein Ver- 
gleich der Stellen ergibt. 



Her. m. i6. 

(Ka^ßucr)c) dir^Kpivc toO crpa- 
ToO i6c ntnt ^uptdöac, ml to6toio 
l»bf iveNU€To*A|i|Muv(oiic ^Savöpch 
irobicoM^vouc t6 xP*KTf|piov r6 
ToO Aide l|iirpf|cai. 



Diod. X. 18. S. 

Ka^ßuoic lüi^AXiuv CTpOTCÖetv km* 
AiOioRiav Ctrc^iiic ^^poc Tf^c bvvd- 
M«uc Iw* *A|i|iiuvioiic, trpocTdIac 
tOIc /jtCMda t6 fiavT^ov cu^GOtvtoc 
l}iirpi^cai, To6c bk ncpiouccOvroc 
t6 icpöv dicavTOC £Eavöpa«o5C- 
cacOat. 



Ebenso entspricht Fragment 14 Herodots Angaben III. 13, bei 
Herodot ist dies ausführlicher geschildert und der Unterschied der 
Behandlung der Libyer und Kyrenaier ist bei Ephoro» Wiedergabc 
verwischt, gleichwol entspricht sich büjpa l7i€|i7iov und dTT^CTCiXav 
buipa. 

Ebenso ist das Verhalten des Polykrates zu Amasis verallge- 
meinert auf seine Freunde überhaupt im 15. Fr. erzählt, wie 
es Herodot ITC. 39 berichtet; auch hier fehlt es nicht an wörtlicher 
üebereinstimmnng. Nachdem von der Erwerbung seiner Seemacht 
bariohtet Ist, li«iwt es bei Herodot: lq)€p€ m\ ffft. ndcvtoc, bta- 
Kpivttiv oü^vo. Tifi fäp qpiXqi icpx] xapt^ecOai fiAXXov dnobtbodc, 
T& ikof^ f\ äpxY\\ yir]bk Vopiiiv. Bd Diodor wild bodehteti er sei 
ein gewaltiger Beatemaeher gewesen, dircMbou hk fidvotc tote cupi* 
fidxotc Td XTi^O^vra npöc hk toöc ^ejuKpoM^vouc vSjy cuWj6(w 
IXcTC ibc irdvTcc o\ (piXot irXctova x<^iv lEoua diroXaßdvrcc Der 
folgende Sati Fr. 16. 2 ist die Moral, die Ephoros nadi der Leettbre 
Herodots nnd nadidem er dessen Entidimg Ton Pdlykrates wieder- 
holt hatte, herroRoheben fttr nOtig find. Die daran geknüpften Be- 
traohtongen dürften ziemlieh ansflUirliofa gewesen sein, wie dies der 
Art des Bphoros entsprieht nnd wie Fr. 16.8 zeigte das in der jetsi- 
gen Form mit dem vorher Gesagten nnd Herodots Enlhlnng nieht 
reeht in Znsammeohang sn bringen ist; tielleieht hat Ephoros über 
Polykrates* YerhiUms sa den Freunden nooh Anderes berichtet, wo- 
Yon bei Herodot niohts stand. Der folgende, ans einer anderen 
Ezoeiptenreihe entnommene Sati hat btt Ephmros nnd demsofolgB 
wol aneh bei Diodor sieher tot Fr. 16. 2 gestanden, da er nooh znr 
G^chiehte des Poljkratee gehört; von dieser Ankunft 
weiss Herodot nichts, denn mit der Qesandtschaft des Myrsos, emes 
Lyders, HI. 122 ff. hat es eine andere Bewandtnis. 

Die Geschichte Athens in dem Zeitraum vor dem ionischen 
Aufstand ist ziemlich wenig ausführlich behandelt: so erzählt Hero- 
dot über den Tod des Hipparch nur eine Version V. 66 ff.; hier 
mnss, soviel man rieht^ des Ephoros Darstellnng eine ganz verschio* 
dene gewesen sein, was ja erklärlich genug ist, da er för die Ge- 
schichte Athens ans einer viel spttteren Tradition schöpfte. Wenn 



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Die Beoütsang Herodote durch Ephoros bei Diodor. ' 339 



es nicht zu gewagt wäre, so könnte man aber in dem Jungen, der 
dnxeb seine Schönheit hervorragend war, wie Diodor berichtet, nnd 
dem dvf]p ^lyac Kai eueibrjc, von dem bei Herodot die Rede ist, 
eine Beziehung erkennen; die Umgestaltung der Sage braucht des- 
halb nicht gerade auf Ephoros zurückzugehen. Die Nachricht über 
die Gründung von Herakleia und die Angriffe auf diese Stadt durch 
die Karthager, von denen Diodor IV. 23 am rechten Orte zu schrei- 
ben versprach ( welches Versprechen er X. 18 erfüllt haben soll), wird 
er wol dem Timaios, seiner Haui)t<juelle für sicilische Geschichte, 
nachgeschrieben haben, wie denn auch bei Herodot ausser der That- 
sache, dass Dorieus Herakleia gründen solle, davon nichts sich findet. 

Die bekannte Geschichte von des Zopyros Selbstverstümmelung 
erzählt Herodot UI. 154 und des Dareios Bedauern darüber HL 160. 
Bei Diodor X. 19. 2 findet sich dies mit denselben Worten, aber 
von Megabyzos erzählt. Die dKpiuTqpia ircpl TO irpöcuüTTOV sind bei 
Herodot specialisirt. 

Her. m. 160. Diod. X. 19. 2. 



«oXXdiac Aapdov X^r^m tvift- 

(iiTv t/|v6€ diroft^Eacem, thc ßoOXoiTo 
ftv Ziinrupov cTvai diraO^a xfic d€i- 
Kdnc pAXXov BaßuXOuvdc oi cIkoo 
irp6c 4oikQ irpocreWcdat. 



Aap^lov (Kai) cIttcIv ßouX€c6at t6v 
Mcfdßi^ov, €l öuvaxöv dpriov 
fcvöfifvov f| b^Ka BaßuXiiivac Xaß^v 
(ncö Tf)v ^Eouciav, icadccp dirpdxrou 
Tfjc imOuMioc oOa|c 



Man könnte hier leicht geneigt sein eine Flüchtigkeit des £pho- 
ros zn constatiren und so die Verwechselnng der Namen zu erklft- 
ren, wenn man nicht wttsste, dass Ktesias (Pers. § 22) in abaieht* 
Hohem Gegensati m Herodot wie kier l^horoB aiioh Megabyzos 
nannte; es ist kanm wahrsoheüdieh dies so sn erkllren, dass wir auf 
Diodor, der ja Ktesias bentttst bat, diese Aenderong seiner Vorlage 
EnrflckflUiren, da sehen Ephoros dasa sieh Teranlasst gefÜbU haben 
mochte, als er diese Notis Herodot entoabm, der wahrscheinlich aneh 
die andere Etesias Toriiegende Tradition kannte. 

Grosse Variation in aen MotiTsn konnten wir bei Ephoros nicht 
bemerken, nnd so darf es nns nicht wondeni, X. 19. 5 Ton Dareios, 
als er auf dem Gipfel seines Böhmes steht, beinahe dasselbe gesagt 
zu hdren, was von Eyros X. 12 gesagt war (irepicXdfißavc T^jv 
oiKOupiiviiv beidemale), nach Herodot HI. 184 bednrfte es sa dieser 
Sucht nach grossen Thaten erst der Anr^gimg Ton Atossa, weldie 
ihrerseits nur als Werkaeng des Demokedes erscheint; das ist ganz 
der Art des Ephoros entsprechend, mit seiner Vorlage nmsugehen. 

Die noch flloigen F ra gm en te des sehnten Buches sind aUe, so 
weit sie griechische Geschichte behandeln, mit Herodots fünftem nnd 
sechstem Buche zu vergleichen, einige greifen auch schon in das 
siebente hinüber. Da ihre Entlehnung aus Herodot nicht zweifelhafb 
« sein kann, und daher für diese Partie von Ephoros Werk auch eine 
BenOtsong gleicher Art wie lUr die im XI. Buch Diodors behandelten 



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340 



Dr. Adolf Baaer: 



Ereignisse voraoszasetzen ist, so wäre deren Anordnung im ganzen 
der Reihenfolge bei Herodot entsprechend am wahrBcheinlichsten. 

üeber Miltiades hatte sich zu Ephoros* Zeit eine andere Tra- 
dition zur herrschenden gemacht als jene, die bei Herodot nieder- 
gelegt ist: so erscheint X. 19. 6 die Besitzergreifung von Lemnos 
durch denselben etwas verschieden als bei Her, VI. 140. Ueber die 
Zerstörung von Sybaris durch die Krotoniaten berichtet Herodot 
V. 44, VI. 21; Diodor Fr. 23 gibt wesentlich übereinstimmend die- 
selbe Thatsachc. Hier scheint sich Ephoros veranlasst gefunden zu 
haben, sein Verfahren gegen Herodot, dessen wunderbare Darstel- 
lungen er so oft stillschweigend rationalisirte, zu rechtfertigen und 
die Wahrheit seiner Ueljerlieferung den 9au)i<iciOl Xöyoi desselben 
gegenüber zu stellen, ein Beweis, dass er ihn auch für diese Partie, 
welche manigfach von seiner Darstellung abweicht, eingesehen hat. 
Der Rest dieser Auslassung ist Fr. 24. 1 erhalten. Möglicherweise 
hat Ephoros schon an der Bedeutsamkeit, mit welcher Herodot von 
Artemisia spricht, Anstoss genommen und darüber Herodot Vorwürfe 
gemacht, wie später Plutarch de malign. Hcrodoti: so kann man min- 
destens den wahrscheinlich zu diesen Argumentationen gehörigen 
folgenden Satz erklären: ÖTi irpocfiKÖv ^CTi xifiäceai Tf]V dpCTf^v, 
KÖv ^ Trapd ^uvaiHiV wir sahen ja, dass Ephoros der Halikarnas- 
sierin bei den Actioneu der persischen Flotte und im Kriegsrathe 
des Xerxes nicht gedenkt. 

Das folgende Stück, enthaltend die Geschichte und Inschrift dos 
Weihgescbenkes der Athener nach der Besiegung der Boioter und 
Chalkideer, entspricht vollkommen Herodot V. 77; der Passus X. 
24. 4 steht freilich bei Herodot nicht, jedoch konnte man die An- 
sicht, dMB die Perser die Zerstörung der HeiligthUmer von den 
HeUenen gelernt hsttra, die denselben zuerst Unrecht thaten (irpo- 
abuc^cavTCc), ans der LectOre d«8 Herodot entDehmeii, wie denn 
Xerxes in seiner Bede am Beginne des siebenten Bnehee gerade die« 
irpoobtKCtv stets wiederholt Auch Uber die Betfaeiligung der Karer 
und Milesier am ionischen AnfiBtand ist Ephoros ausführlicher, wie 
X 25 leigt, wahrend bd Herodot Y. 130 bloss der Thatsache, dass 
Milesier nnd Earer TCrbflndet waren, gedacht ist; dass hier ein in 
Eleinasien heimischer Antor spSterer Zeit andere Berichte m. seinean 
VorgtUiger hinsnznfttgen für nOtig fimd, ist natürlich. Auch you 
HelDfttaios berichtete Herodot nnd swar ttber seine Bolle beim ioni- 
schen Anfirtand, gleichwol finden wir noch mehr bei Ephoros, 
wie Diodor X. 25. 2 zeigt Bei der Allgemeinhdt des folgen- 
den Satses ist nicht so entscheiden, auf w^hes Ereignis derselbe 
sich bezi^t Was Ephoros bei Diodor im 26. Fragmente des sehn- 
ten Bnches yon der Abstammung der Heder von den Athenern be- 
richtet, steht zwar in dieeer Form bei Herodot nicht, erinnert jedoch 
sehr an das, was die persischen Gesandten bei den Argiyem geltoid 
machen VIL 148; es sihe Ephoros nicht unähnlich, dass er ein 



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Die fienatzong Herodots durch Ephoroi bei ]>iodor. 341 

Herodot entlehntes Motiv in dieser Weise verwerthete imd ausführte. 
Die in Fragment 27 und 28 berichteten Ereignisse linden sich bei 
Herodot nicht, ausser der Erwähnung der Schlacht am Heloros, die 
aber bei Herodot VII. 154 eine andere Bedeutung hat als die, welche 
aus dem Satze 'iTrnoKpdiric ö feXtuoc Tupavvoc touc CupaKOCiouc 
V6ViKr|KUJC bei Diodor entnommen werden kann; wie aus den Schluss- 
zeilen des folgenden Fragmentes entnommen werden kann, stammen 
beide aus der gewöhnlichen Quelle unseres Autors für sicilische Er- 
eignisse, aus Timaios, und kommen deshalb hier nicht weiter in 
Betracht. 

Während Herodot VI. 136 einfach berichtet, die Busse für 
Miltiades habe sein Sohn Kimon bezahlt, ündet sich dies ausführ- 
licher bei Ephoros (Diod. X. 29. 1); der letztere hatte, wie wir aus 
Fr. 107 des Ephoros und Com. Nep. Milt. 7 wissen, über das Unter- 
nehmen auf Faros auch eine andere Version, welche von Wecklein**) 
der bei Herodot gegebenen Darstellung, da diese letztere wunder- 
samer Art ist, vorgezogen wnirde. Wir haben hier nur hiuzuzufilgen, 
dasö derai-tige Kationalisirungen des Berichtes Herotlots wie die 
Angabe, welche hier von Wecklein bevorzu^^t wird, der in ihr 
eine solche nicht erkennen will, zu zahlreich beobachtet wurden, 
als dass wir nicht auch hier bei Ephoros das gleiche Bestreben 
voraussetzen müssten. Die Sache steht also so, dass wir bei beiden 
Antoren in diesem Falle eine Voreingenommenheit zu constatiren 
haben (bei Herodot zur mystischen Aufi&tösung, bei Ephoros, der 
Horodot benntste, zom BationaUsmus). Die andere Version mag zu. 
Herodotg Zdt vielleicht ezistirt habeni wie WeeUein annimmt, eine 
andere als die von ihm naioh paziaeher Qoelle gegebene gewiaa, und 
wir werden nna begnügen mttssen zn gestehen, dass wir das Bieh- 
tige, was man etwa ein Menaohenalter nach den Ereignissen nicht 
mehr unzweifelhaft erkannte, auch nieht zn eonstatiren im Stande 
Bind. Qie Naehricht aber Kimons VerhBltnia zn Elpinike, die Fr. dO 
anfbewahit ist, fiQlt ausser den Bereich unserer üntersuchnng, ein 
Gleiches gilt von dem folgenden 81. Fragmente. Von der Bentttzong 
der Naclurioht bei Herodot Vn. 153, dass die Griechen an Gelon 
Gesandte schickten, war schon oben (8. 305 vu 313) die Bede; be- 
merkenswerth ist jedoch, dass hier Ephoros der von Herodot ge- 
gebenen Version Aber Qelons Verhalten zn den Griechen folgt, wo* 
mit IModor durch die spiteren AusflUmmgen (XL 26. 4) in Widerspruch 
gecftth, die er Timaios, der nch hier im Gegensatz zu Ephoros be- 
fimd, entnahm. Ephoros hat auch daran seine Betrachtungen ge- 
knfliMft, wie Fragm. 32 beweist; schon die dflrftigen Beste Fragm. 33 
aeigen, mit welchem oratorischen Prunke die folgenden Ereignisse 
dea Ferserkrieges eingeleitet wurden. 

Damit sind wir an dem Punkte angelangt, wo die Untersuchung 



a. a. 0. 9. 7. 

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342 Dr. A. Bauer: Die Benützung Herodots durch Ephoro« bei Diodor. 

früher begonnen wurde und wo sie hiermit beschlossen werden soll. 
Die Nachrichten des Ephoros im Vergleiche zu Herodot sind damit 
freilich nicht erschöpft; was Plutarch, Cornelius Nepos^ Aristodemos, 
Justinus u. a. von ihm aufbewahrt haben, ist bei Seite gelassen, da 
der Vergleich mit Diodor genügt hat, uns über die Arbeitsweise des 
Ephoros Anfsohloss zu geben. Die hier entwickelten Grundsfttze fOr 
die Kritik toh Nachrichten bei Ilphoros und Herodot haben auch 
in dem Fall» ihre GMÜti^ett, wenn die Vorlage des Bphonw bei 
einem anderen Antor als Diodor eonataturt ist Immve wird man 
sich TO YergegenwSrtigen haben, wie riel Herodot entnommen ist 
nnd welche QrOnde massgebend waren, wenn Ephoros anders be- 
richtete als seine Vorlage , und nur dann haben dessen Naehriehten 
Anspruch auf Bertteksichtigung, wenn sie nicht als ein Tribut er* 
scheinen, den der Autor seinen schriftsteUerisohen und mensdilichen 
Schwächen darbradite. So wurde Herodot fllr das grosse PnbUoom 
ersetzt und überflttSBig gemacht, und Ephoros blieb der beliebtere 
und oft benfltste Darsteller. 



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J 



ANIMADVERSIONES 

DB 

TITULIS ATTICIS 

QUIBUS OIVITAS ALICUI 
OONFEBTUB SIVE BBDINTBaRATUBw 

OON80UP8IT 

H. BÜERBLANN. 



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Enimeraitir fltdL 

üt fnndameiitmii qnoddam faabeanti in quo nitantor, qoae infra 
dispntatnnis sun, neceBsarium videiar, titolos AUiooB, qnibns dvitas 
alieni oonfertor dye redintegnto, et ennmenuce onmeB et m eUsaes 
distribnere. 

En liabeB numeros, qnibns notati Bunt titnl], qnibna redintegmtar 
sive confirmatur civitatis donum: 

CIA I 59 (ApoUodori} Theramenis iaterfeotoxiB). 
CIA n^) 121 (Pbormionis et Carphmae, Acamanmn). 

227 (Alcimachi). 

Seqntintiir titnli, quibns primom coofertnr dvitas, qni notati Bunt 

nmneris: 

10^ (Euagorae, Cjpri regis). 

51 TDionysii maioris). 

54 (Astycratis Delphi). 
108 (Orontis, Mysiae satiapis). 
115^ (Pisithidis Delii). 
148 (Aristonid emuBdam, Aristomedis f.). 
154 

187 (Euenoris medid, ab Argo Amphilodiio oriundi). 

228 (CaUidia cui f.). 
229 

230 (Archippi cui.). 

243 (Oxythemis, Demetrii Poliorcetae familiaris). 
263 (Alcaei, Heraei f., Aeuii, familiaris dusdem). 
272. 273. 273^ 280. 288. 
298 ( Aristolae et Sostrati). 

300 (Herodori, Antigoni et Demetrü regum famüiaiis). 

309 (Aeschronis, Proxeni f.). 

312 (Audoleontis, Paeonum regis). 

318 (Strombichi cui.). 

320 (Bithyis, Oleoms f., Lysimachensis), 

[328J. 361. 

Ubicumque in üb, qnae aequantor, ToliummB notam non appOBoi, 
Tol. II subandiendam est. 

Jalifb. f . dtML Sbikri. BvniLWLX, 24 

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346 



U. Baermaim: 



377 (?) (Clearchi cui.). 
382 

395 (Epbesii cuL). 
396. 397. 398. 

401 (Alexandri, Callistrati f., Thesaali). 

402 

427 (Philostrati cui. f.). 

428 (Astaci, Heraclidis f. et alius cui.). 

429 f? — esippi, Apellis f., Aeginetae). 
455 (Menesthei, Apollonii f., Milesii). 
512. 530. 544. 

Quilms adiidendi videntiir dno tituli, quos ad propositnm Bortnmi 
speetare nondnm cognitam est, iitt dioo 520, in cuins y. 7 Koehler 
Bupplevit: (ß)aciX(€ — pro 60 qaod debelmt: (6oKifi)ada(v)^), et 521, 
nbi restitnenda Bunt verba q. s.: 

V. 7. v(?)(ac (Sv€K€v Tfjc clc Töv bfifiov TÖv^AOnvaduv* cTvai hk) 

*A6nva(iov oördv ical ^ktövouc Ka\ ypäi^^xiddai aidröv q>) 

uXf|c (xal t^ou Kai «ppaTpiac ktX. 

De tit 522 idem saspieari in prompta est, qtraiii t. 3 Icgatnr: 
dK)icXT)c(a(v, T« 4: (t)oOc OccduioOdTOc) et 5 snppleri poesit: (€)ic 
t6 (biKOcr/iptov. 

• PoBtremo in tit. 507 supplere pot^ris 

( 5ti dv^|p draeöc im) 

V. 2. V Ttcpl (t6v bfbiov ; sed poteria etiam: 

( fic &v pouXt)T) 

1. a)i Kttl (touc TTpuTÖveic boOvai Tf|v i|if)<po) 

V irepl (oOtoö elc Tf|v ^moucav licKXi)ciav') 



Titnli, qnibus eonfertur civitas, iu classes distribuuntur. 

Titoü, quiboB eonfertur eivitas, si exceperis titt 108 et 328, 
de qcdbns infra diaputabo, e fomniliB, nt ita dicam, quibns donnm 
illnd conferri solet, in tres dasBOB diBtribni posBunt; quae qno modo 
inter ee differant, fsucSh, opera perspioieB, nbi ezempla appoenero. 



») Cf. infra p. 360. 

Qoae Beqnantnr, non magis certa sunt. Exempli causa suspicari 
potens olim scnptam faisse: 

Y, 1. — (dvaYpdvyai) bi 

t/|v re Trpo(T^pav biupeidv — — — 

kX.TO TUll önlMUJl Kül TT^V Ö£UT^pav i^V VÖV 1Tap^CX»lK€V iv ÖL 

5. ndctttc TflAc (cTr]Xaic ftc 6 öftfioc bf t<&i ^Mirpocdev xpövun 
CcTt|Ccv aL)TiJü(i Karä rfpf ttöXtv, dv9* t&v Tdxc loirrdv irapicxn 

K€V q)l\ÖTl(|iOV ÖVTO Ktt 

i E)üjyi(9opov. 



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AnimaidYenioneB de ükdis Atfeicis. 



347 



En habes: 
I, Ui. ^43 v. 17 sqq. : 

1. €lvai '(HuOeMiv 'l(Tnro)cTpdTOu *A6i)vaiov auröv ical i^K- 

2. Kcti eivai qutuji YpaM^acO (a)i q>uXf)c m\ brj^ou Kttl q>paTpiac 
fi|C av ßouXr|Tai Kaiot töv vÖ)liov. 

3. Touc I be TTpuTCtveic touc ttiv eicioucav | TTpuiaveiav irpuia- 
v€uovTac öoövjai nepl auroü ttiv i|fiiq)ov tu»i br\\uui | elc t^v TrpcuTt)v 
iKxXriciav. 

//, /i^. 312 V. 46 sqq.: 

1. elvai aÜTOV 'A8rivaT(o|v) xai touc ^ytovouc auxoö. 

2. Ka(l diH)eTvai a(i))TU>i xP<*VCi^öai (puXrjc K(aji) brjfiou Kai 
q)paTpiac fic äji ßou Xrixai. 

3. TOUC b€ TTpuTCtveic, 0*1 av (7t)|pu)tov Xdxuiciv TTpuxaveüeiV 
b(o)iuvai Tiepi auTOu Tr]V ipfjcpov eic (T)|fi)i TTpuuTriv ^KKXr|ciav. 

4. TOUC (eej|c)io6eTac (€i)caTaYeTv auiiui t nv boKi)ja(ci)av 
Tfic bujpeäc elc (t) ö öiKacTii(pi)ov öiav ttpOjtov o(iö|vjT* i^ji. 

III, tu. 429 V. 10 sqq.: 

1. (5€böc0ai be) auTÜJi kui TioXiTciav KQTd töv (vöjiiov). 

2. (touc hk eejciioGeiac, ÖTav TTXripÄciv biKacxfripiov elc eva 
Kai Trev)TaKociouc biKacTdc, eicaYaT€(iv auxun Tfjv büKi>i)aciav xfic 
TioXiTOYpaqpiac, 

3. Kai e)Ivai auruii b)oKiMac6^VTi TpÖLvpa(c6ai q>uXf)C K)ai örj)iou 
Kai (ppaTpl(ac fjc öv ßoijXiiT)ai. 

Li tibilo nlnunun, quem primmn posni, tres fonuiilEe miiit: 
oiyitas ooafertnr; pennittitiir noTO civi, ut in phjletaram, demotunmi, 
plmlanmi tabvlu inaeribendimi se coret; prjrtanes Bnfifragia dsre 
iabentiir. In aliero aocedit qoarta formnla, qua fhesmotbetae dod- 
jnaaiam institoere iabentur. In tertio haec quarta fomralA itemm 
adeat, tertia anieni deesi 

Haue rationm satis perspicaam seentos adtribnes: 

primae classi: titt 61, 54, 115^ 164^), 187, 228, 243, 
272, 278, 288, 298, 820. 

alteri olassi: tilt 228, 229, 278^^, 800, 809, 812, 818, 897. 

tertiae olassi: titt 896, 896, 401, 402, 427, 428, 429, 466. 

Quo faeto perspicieB, tiialos tertiae claseiB non hao mia re a 
prioribiu dnabns differre. Apparet enim primam, in iUis primam 
formulam ineipere a Toce q. e. beböcOai nve b(bocOai, contra in his 
a y. q. e. etvau Qaod si animadTerterie, non dabitabie tit 877 ter- 
tiae olasBi admunooraure. 



*) Titt. 164 et 298, quam^nam initio troneati nmt, tarnen hme 
classi adscribae necease est, qua pfytanes, non theunoüietae in fine 

memorantor. 

Quod EoeUer in huius tit. 18 eupplevit: xoOc hi e€c)fxo(e£T(ic 
non est, quod dubites, quin verum sit, qnum Tocibne q. 8. worrd xdv 
vö)f<o(v teitia formola angeri non aoleat 

24* 

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348 H. Bnermann: 

Deinde in titulis 1^ et 2^"' classis omnibns in eadem formula 
extant v. q. 8. auTÖV Kttl (toüc) dKYÖvouc; in titt. 3*" cl. omnibns 
desunt. Quam rem sie ezplicandam esse, ut dicamus, lege semel 
sanoitum esse, ut liberi, qnos novi cives, antequam civitate donaren- 
tur, e peregrina procreassent , nna cum patribus cives fierent, haud 
inutile videtur adnotare, quia Kirchhofi' (Pbilol. XIII. p. 22) censuit, 
vocibus Ulis oraissis liberos, qiios indicavi, peregrinos mansisse. 
Hanc senteutiam propter titalos 3*® dassis non iam posse feni, viz 
quisquam neget.*') 

Accedit (^uod in titt. 3 cl., si uniim tit. 402 exccpcris, ommbns 
prima formula additamento quodam aucta reperitur, quod in leliquis 
desit. En habes: 

KttTci TÖv vöjaov: titt. 427, 429; 

bOKiMacGevTi k. t. v.: titt. 395, 396, 401, 428. 

In tit. 456 V. 9 sq. aliqiiid simile restitueiidum esse per se 
patet, videntur autem recte a Koehlero restituta esse v. q. s.: ( Kaia 
TÖV vö|LiüV aiirjcaiüiev )(jui. Qiuun onim e titt. 423, 438 appareat, 
posteiiore (i. e. Romaiia) aelate legem vetuisse non peteuti pro- 
xeuiani obferri, vei isimilc est, de civitatis dono eaudem legem valuisse, 
quia civitas proxeniiim diguitate superabat. 

Duae, quae reliquae sunt formulae, in titt. 3*® cl., si exceperis 
tit. 402, ordine mutato leguutur. Praetereii alteri earum addi solet 
heliastarum numerus, alteri vox q. e. ÖOKijLiacdeVTi , quae in reliquis 
titulis deest. 

His rationibus fretus non dubito, quin tit. 544, quem e v. 4 
apparet sexagenis fere literis per singulos ordines spatia praebuisse, 
propter v. q. e. boKifiac(0)e(vTi (v. 7) tertiae classi adnumerandus 
et in bunc fere moduni restituendus sit: 

V. 3 Xax)övTa(^cj 7Tpot(öpouc eic xqv eTTioöcav dKKXriciav xpn* 

l^aTicai Tiepi tout 
ttiv)TViujLiiiv (6)€ Eu|i(ßdX\€C0ai ttic ßouXfic elc töv brijtiov öxi 

boKei Tqi ßouXqi tTT 

6 ai)v(^)c(ai t6v beiva c ^V€K€V xai 

€i))vo(iac Tfjc TTp6c t6v bf)MOV t6v 'A9iiva(u)V beböcGai 

auTUJt Kai iToXtTciav 
boKiMac(6)^(vTt dv td^ biKacTi)pkn leorrd t6v vöjiov. kqi if|v 

boKiMadov ToO 

c6v^ec/ao0dTac clcaTaYeiv a^uji, Örav irpiS^ov trXnpüJCi bixa- 

cTripiov eic €va k 
al) ir€v(TaKodouc btxacrdc elvai \k aön&i boKifiacO^vri k. t. X. 



^ In tit. CIA I 59, quem Eiiohboff 1. cL tractavit, non inest pcimA 
foimiüa; in altera autem Üben iramqaam commemorantor, quia patrü^ 

non liberornm erat, tribum, paf^'um, ]ihnitriam eligerc, quibus ipse nna 
cum liberiHi adscribi vellet. Deest ij,''itur rausa, cur Thrasybulo Iii »«tos 
Glaucippo archoute uondum fuisse dicas, etiamü legem, de qua dixi, 
neglega*. 



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AnimadveraioneB de UtaUs Atticis. 



349 



Tit. 51 '2 ad primam alteranive classem pertinere propter v. q. e. 
£ivai (V. 2) persuasum haben; tit. autem 530, si modo vera sunt 
et quae exscripsit Pittukib et t|iiae restituit Kooliler, medium quod- 
dam inter alteram et tertiam clasacm lenoro dicendum est, quum noquo 
heliastarum numerus in ultima formula legatur neque ordo formu- 
larum inversus sit, quamquam prytaue» nou commemorautur. 



. dao quaeiiue tempore cla»8is initiam eeperit. 

E titnlis primae dasos ad eertnm aimiim rerooati sunt hi: 
51 — OL 102,4 
54«» - 104,2 

187 — - 114,3 panllo receniior 
243 = - 118,2 

320 = - 120,2 — 121,2 dve OL 123,2^124,3; e tituÜB 
alterius classis hi: 

300 — » OL 121,2 

300 » . 123,2 panllo posterior. 

312 « . 123,3 

318 » • 124, 2 aut 3. 

Homm nmnerorum ratione habita facile quis in eam inddet 
sententiam, nt putet, alteram classem eirciter Ol. 121 initium cepisse, 
primam eodem fere tempore sablatam esaet Obstat autem Imie xationi 
et tit. 229, qtii, quamquam alterius classis est, propter quaestoris 
populi mentionem fine saeculi quarti posterior haberi nequit^) et a 
Koehlero propter perscriptoris (dvaTpaq>^ujc) mentionem ad Ol. fere 
115 revocatus est**), et tit. 320, quem idem ille, quamquam primae 
classis est, tarnen propter scripturae rationem, ni fallor, Ol. 123,2 
posteriorem, quam Ol. 121,2 antiquiorem habere maluit. Reliqumn 
est igitur, ut bis titulis respoctis dicamus, titulos, qui Ol. 115 an- 
tiquiores sint, omnes ad primam classem pertinere, deinde ab Ol. 
115 ußque ad Ol. 124 titulos et primae et alterius classis reperiri, 
postremo eirciter Ol. 124 primam classem sublatam esse. 

Sequitur iit de titulis tertiae classis dicamus. Qui quum bello 
( liromonideo posteriores sint omnes, facile coniicies, bello illo con- 
fecto prytanum suffragia neplecta'*) esse et tertiam classem sublata 
altera primnm in usum venisse. lam vero f|uum ne tit. quidem 397, 
qui alterius classis est, bellum illud aetate videatur superare, facile 
tibi persuadebis, classem, de qua dico, non primo statim anno post 
bellum Hnitum, sed interiectis demum aliquot annis in usum veuisse, 
quibus annis Ut. 397 adscribes. 

^ er. Koebler ad tit 272. 

«) Cf titt. 191, 226. — 190, 192, 227, 299^ 

Cf. Fx&nkel in libello, quem de iucUcüs Attiois conscripsit p. 37. 



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S50 



H. BnenBaim: 



Bedondare ex hiB aliqnid ad aetatom titidoniiii 377 et 382 
definiendani, panms exponam. Apparet antem, üt 377, quem supra 
teitiae ölasaia esse dm, nuno bello Chremonideo posteriorem haben- 
dnm esse. Qua raÜone probata Koehlero, qui alio indicio naas est^ 
non conoedere non poteris, Clearchum illum, in ciüus honorem tita- 
los indaiia est, neqne maiorem (Platonia diaoipulum) aeque minorem 
sed t^Tannum ceteroquin ignotum esee. 

Titulom 382 tertiae olaaais non esse e v.q. s. €lv(ai b' 'AOti- 
vaiouc K. T. X. Y. 14 apparet; primae classi propter literarum spe- 
dem adtribui non potest ; relinquitur, ot alterins olassis ait et oltimi 
vemu (ex arbitrio disiuncti) in hunc modum restituantur: 

V. 17. c fi(c Ä)v ß(o)u(XTiTai Kaxd töv vöfjov. touc bk irpurdve 

i)c (boövai TTtpi auToö Tf]v i|ifiqpov ek-Tr)v ^TTioöca 

V dKKXr|c)i(av. touc be 9ec|io0eTac eicayafeiv auT 

20. Oui TTiv bo)K(i)iaciav Tf)c bojpeäc, ^av npurrov öikqc 
TaTc xp)^v(Tai. dva-fpdv|^at hl k. t. X. 

Huius rei consequens esse, ut tituliim, uisi forte literatnrri ob- 
stet, bello Chremonideo antiquiorem habeamus, mihi quidem per- 
suasum est. 

Data oecasione ad eiusdem titnli v. H adnoto, prytanes hic lo- 
cum non habere, sed conlato tit. 318 v. 14 sq. legendum esse: 
V. 7. p)€(u)e(i)v(^v TUJi b)rmun (eic xriv eTTioOcav ^KKXqda 

V öjxav ^fHriKUJciv ai Ik toö vöjiiou f]^ipai xpHMCiTi 
cai) Tiep^i Tounjuv k.t.X. 

Ad quae verba conferas velim titt. 309 v. 17 — 18, 331 v. 
68 — 69^°) et quae Demotsthencs habet in or. de falsa leg. § 185: 

U^TV bk TTpUJTOV M^V TflV ßOuXf)V dKOÖCai 7T€pi TTdvTlUV Kttl TTpOßOU- 

Xefjcai bei . . . eii' tKKXridav TTOirjcai Kai lauiriv ötav tJjv 
vöjaujv Ka0]']KJ3. Apparet enim ex his, verba illa ad legem spectare, 
qua constitutum erat, ut inter probuleuma factum et ecclesiam con- 
vocatam certus dierum numerus intercederet. 



De titalis, quibas civitas alicui rediiitegratur. 

Titnli, qniboB anpra redinteipnri dvitatem dixi, a reliqnis eo 
diffemnt, qnod formvlaa solemnea non onmea praebeni Qnod qao 
modo explicandnm ait, nnno demonatrabimns. 

Ao primnm qnidem de iit. CIA I 69 dicendnm est, in quo ne- 
que prima neqne tertia formula neque nunc extat neque olim exti- 
tit, sed haee sola leguntur: v. 16 sq.: elvai be 0pacu|(ßoüXuji q)u- 
Xf|c T€ elvai Kai bi^v K)a\ (pparpiac di|(v &v ßouXnTOL Cui rei 
qnae anbait eanaa, reete a Kirchhoffio expoeitom Tidetor eaae. Do- 



Ot KoeUer ad Ut 869. 



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AnimadverBioneB de titalis Atticis. 



351 



cuit «um in Mit menstr. a«ad. BeroL 1861 p. 607, Bon eo, quod 
rapereet, demto sed anno ante (OL 92,2) hand iia mnlto post 
Tkecamanam interfeetom Thia^ybiilo et ApoUodoro ciTitatem pri- 
miim idqne nno eodemqne decreto oonlatam, postea antem populisoi- 
tarn iUttd, actiom l^gum male rogatarom obnoxivm, a indidbiis ita 
reedeanm eeae, ut ApoUodoro aUadioaretnr donnm, Thiaeybulo 
antem oonfirmaretnr. Qno &cto Qlancippo arobonte res ad popnlnm 
rediit, populns antem, beliastamm anifragiis niane, donnm antea 
oonlatom non itemm oontnlit, sed ea ratioae etabiÜTit Tbrasybnlo, 
nt lam pennitteret ei, nt — qnod actione institnta fuere pxobibi- 
tos erat — tabnlie inseribendnm se cnraret et eiTem Attionm 
libere ee profiteretnn'^) Haec ai vere dispntata snnt, ex eo, qnod 
prytanea in eo, de qno dioimne, deoreto non oommemorantnr, non 
dnUtabis colligere, ab iUie popidnm, anteqnam aetb institneretnr, 
in enftrigia misanm esse. 

Seqnitar, ut de tit. 227 dicam, qno AJcimacho cuidam civitas 
renovatar. Qui qms fderit, coniectura asseqnarie licet. Quum enim 
Koehler tit. 227 propter perscriptoris mentionem probabili coniectura 
ad OL fere 115 revocaverit et bac ooniectura nisus v. 10 reetituerit 
T. q. 8.: iiii Nuco)KpdTOuc dpxovT(oc, baud ita abaonnm videtar 
OOgitare, Alcimachnm Macedonem illum fuisse, de quo Hyperides 
apnd Harpocr. s. 'AXxi^axoc haec habet: *AXKi^axov xal 'Avd- 
irorpov *A6T^vaiouc Ka\ TrpoS^vouc dTT0iT)cd^€6a. Haec enim verba 
quamquam sana non esse suo iure censuit Sauppc de proxenis 
Atheniensium p. 14, tarnen sie restitui posse putaverim, ut legas: 
TTpoH^vouc Kai 'A9r|vaiouc; quam lecüonem idem ille, quamquam 
improbavit, tarnen indicavit. 

lam vero. ut intellcc^iis , quo modo factum sit, ut Alcimacho 
illi civitas redintegraretur, legas quaeso, qiiae apud Dem. or. c. 
Lept. § 37 exUiut: \)\ie\c b* ^CTiücac (sc. Tctc CTr|Xacj otKupouc 
TTeiToiriKÖTec (sc. q)av6Tc0€), ö ttoXu beivöiepov toö KaOeXeTv 

et in tit. 17 v. 31 sqq.: ^dv TUT)xöV(ri)i c)T(fiXai) 

oucai 'A6r|vr|ci ave7TiTr|b€io(i T)f])a pouXr]v Tf]V dei ßouXeuoucav 
Kupiav e(iv)ai Kaöaipeiv. Apparet enim ex his locis, pila de- 
iecta ipsum populiscitum ad irritum cecidisse; poteris igitur conii- 
cere, pilam Nicocrate archonte in honorem Alcimachi iucisam, belli 
Lamii tempore, quia a Macedonum partibus ille stabat, a populo 
deiectam, postea autem fractis popularium viribus douum renova- 
tum esse.^^) 

Quodai qiüs miretur, in eo, qui tum iucisus est et nunc su- 
perest, titulo e solitis formulis üullam reperiri, sed haec sola legi 
V. 7 — 10: elvjtti 'AXKi|idxuji . . . Kupiav irjv 7r(oXiTeiav, iiv ö bnjno)c 

") Quae Velsen apud Kirchhoffium 1. d. restitnit v. 17 sq. eöp^cOai 
bi aOTö)v Kai TdXXa Tct ( (vvojLia öcoRcp 'A6iiva(otc Kol ei)vai, si aententiam 
respicis, satie verisimilia sunt. 

*«) Cf. titt. 3 V. 10 sqq.j 86. 



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£L Bnermaant 



?buuK€v auTÜui K(ai ^ktovoc im NiK0)KpdT0uc apxovT(oc, meminerit 
velim, Alcimachum Nicocrate ai'chonte non solum rite (i. e. populo 
bis in suftragia misso) in civilatem receptum, sed etiam omnibiis 
(i. e. et phyletariim et demotarum et phraterum) tabulis inscriptum 
esse. His euim poractis Alcimaehiis postea titulo deleto nihil nisi 
hoc veritus est, ne quis aut ipsiim aut liberos^^) Eeviac argueret; 
hoc autem ne fieri posset, priore decreto sie, ut factam est, confir- 
mato, satis cautum erat. 

SuÖ'ragiis a prytanibus datis ad prius decretum tali modo con- 
firmaudura nun opus fuisse, nemo mirabitur, quiim e titt. 3 et 29 
appareat, proxeniae doniim proximis certe post Euclidem annii^ de- 
creto senatus ronovari potuisse. ' 

Bestat, ut de tit. 121 dicciuliuu vidcatur esse, quo Phormioni 
et Carphinae Aoarnanibus civitas, avo olim conlatq,, redintegratur 
bis verbis v. 18 — 22: (l) er(vai) 0op(^ja)iuuv(i Kai) Kap<pi(vai) Kai 
Toic dKTÖvoic auToiv Kup(a(v Tf|)v (6ujp€i)dv flv (ebuuK iev 6 bfi(u)oc 
<l)op)iiu)vi Tuui 7rd7rTrui(i a)u(T)üj(v. (2) i\)i(cQa)i (öe a)uTou c) 
(puXn(v) Ktti bnjuov Kai <ppa(Tp(av fjc ö)v ßo(uXu)VTai) eTvai. Quod 
cor fieri oportaerit, non oonstat Qnum enim e v. 17 sq.: Kai t6 
ii<ri(pic|aa, xaO' 8 f\ (7r)oin(ci)c iji\e(T)o dvaT(eTP)aTTTai OKpo- 
irÖXci appareat, pilam eto inoisam nepotibns yvns etiamtum in aicc 
stetisse, in eam fiuale qnis opinionem ineidet, ut putet, Phormionem 
et Carphinam e matribns peregnnis ortos esse et ob hanc rem civi- 
iatiB expertee foisse."} Obstat antem faoio ratbni, quod et per se 
verisimile est et e tit 809 Tidetur colligi posse, einsmodi liberis 
dTitatem non redintegratam, sed nt peregrinis de integro eonktam 
esse. Legitnr enim in tii illo t. 26 : Ka6<iiTcp xal o\ Trp6(T0V0t 
aÖToO) et 81: dTretbÄv dinKu(pu)Of|i) neque spatia obstant, quo- 
minns y. 18 snppleanras: xfn\Qmica\ irepl KUpi6c€U>€ | Tf))c 
btti(p)€dc; nibilominos fonniilae sdenmes ad nnam omnes eztant. 
Hoo igitur titulo respeoto equidem putare malim, Phormionem et 
Carphinam nata eos qnidem dves faisse^^ neqne yero ante OL 110,3 
Athenas yenisse, nt In tabnlas refonentor. Haee ratio si yera est, 
omnia plana snni Neque enim prytannm snffiragüs opus erat» qnia 
non de peregrinis, sed de dyibns agebatnr, et satis erat^ petmittere 
eis, nt tabnlis se inscribendos corarent 



") Cf. or. ady. Neaer. § 106: tva abZr\xa\ f[ &uip€d toic ^mriTVOU^oic 
Cf. C. Curtius, Herrn. IV p. 404, Koehler, Herrn. V p. 17, qai- 
bu8 assentitnr Sauppo de proxenis p. 8. 

") Kiuamodi liberoa ne additis auidem vocibos q. s. Kai touc ^k- 
T^voiK dyet ÜMtos esse, reoto moirait Kiiohhoff, Phflol Xin p. 92. 

*•) Cf. tit. 116 V. 1—5: ikue\b-f\ — Tf\ 7roXiT)€{a f\ öoe(€i)ca (Tibi ircrrpl 
Ka)\\ Tüüi Trdimuii Ka(l al äXXai 6)juip€ial Ondpx(o)uc(i Kai a)iCm&i Kai tcAc 
£kt6vo(i)c (Ka)|r€ia Kupiai. 



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Animadversiones de titulis Atticis. 



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Ad tut. los et 328. 

la tHulis onmilnis, quibvs civitas alicni primnm oonferatur, 
aut tres ant quattuor formnlas solemneB esse snpra dizL Hoio 
rationi qni repugnent, dao sunt titnli, 108 et 828, de quibns nnno 
videamus. 

Atqne primnm sola Pittakis sooordia ftefcom Tidetnr esse, nt